Peridëis
von Leo Talberg
Roman, einhändig [1] zu lesen
Alischa, Abiturientin ohne Studienplatz im grauen DDR-Alltag, erhält Zugang zu nichts Geringerem als dem Paradies - einem geheimen Reich, das durchaus zu Fuß erreichbar ist, wenn man nur seine Eingänge kennt. Alischa erfährt, dass die einschlägige Paradies-Fachliteratur gewisse Lücken hat, denn das Land der Träume ist durchaus auch ein Land der feuchten Träume. Nicht nur, aber auch. Nicht dass das fernliegend wäre, man denke nur an die ganz alltäglichen Träume; aber es ist ja bekannt, dass sich Priester wie Dichter zu dieser Frage gerne verschämt ausschweigen, was schade ist, denn die Paradiesbewohner machen ganz andere Dinge, als den ganzen Tag Sahnecremetorte zu essen und dabei zum Klang der Harfe fromme Lieder zu singen, während sie verzückt nach oben schauen, statt auf den Weg zu achten.
Was Alischa zum Genuss und Abenteuer wird, bereitet gewissen geheimen Behörden erhebliche Kopfschmerzen - und das nicht nur, weil man via Paradies in den Westen gelangen könnte. Vielmehr widerspräche das Jenseits den Staatstheorien und wäre schon deshalb als feindlich-negativ einzuschätzen.
Die Geschichte greift Legenden und bildliche Darstellungen verschiedenster Kulturen auf, nach denen Männer zu besonderen Kräften gelangten, indem sie Milch von Feen oder Göttinnen tranken, und verwebt sie zu einer handlungsreichen erotischen Phantasiegeschichte mit zahlreichen satirischen Bezügen zum Diesseits.
Schlafe, mein Liebster,
und pflege der Ruh,
Folge der Lockung
entbrannter Gedanken.
Schmecke die Lust
Der lüsternen Brust
Und erkenne
keine Schranken.
Text: Picander
Musik: Johann Sebastian Bach
(Daraus wurde später das Weihnachtsoratorium) [11]
Impressum
Alle Rechte bei: Denkholz Buchmanufaktur, Berlin, Germany
Text und Bilder auf Grundlage der 4. nochmals durchgesehenen und ergänzten Auflage 2025
Copyright: © Leo Talberg 2016
Der Name »Peridëis«, auch in der Schreibweise »Perideis«, sowie die Handlung und handlungsrelevante fiktive Orte stehen nach deutschen und internationalen Bestimmungen unter dem Urheberrecht des Autors. Der Autor erlaubt ausdrücklich und unentgeltlich die Verwendung des Handlungsrahmens, solange die verschiedene Urheberschaft klar erkennbar ist.
Die eBook-Fassung von „Peridëis“ wurde vom Autor unter einer Creative Commons CC BY-ND-Lizenz veröffentlicht. Diese erlaubt die freie Verbreitung des Werks, sofern es nicht verändert wird und der Name des Autors angegeben wird. Wichtig: Für den traditionellen Buchdruck gilt diese Freigabe erst ab 1.1.2030.
ISBN-13: 978-3-948151-03-4
Open Library: OL25650152M
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Ein Bild und ein Spruch vorweg:
Jeder soll
nach seiner Façon
selig werden.
Ich aber auch.
(Mein Nachbar)
Alischa
Alischa riss sich hastig ihr Hemd vom Leib, ließ den Rock auf den Boden rutschen und entledigte sich ihres Schlüpfers. Dann machte sie, nunmehr völlig nackt, einen Schritt auf die Felszeichnung zu. Sie hielt die Luft an. Was sie jetzt zu tun hatte, war ihr unheimlich. Doch dann riss sie sich zusammen und machte einen entschlossenen Schritt direkt in den Felsen hinein. Der Felsen fühlte sich für den Bruchteil eines Augenblicks so hart an, wie es zu erwarten war, aber als sie entschlossen weiterdrang, gab er plötzlich nach und fühlte sich auf seltsame Weise knisternd-elektrisch und gleichzeitig wie eine schwere Flüssigkeit an. Alischa glitt in den Felsen hinein, der Felsen schloss sich hinter ihr und keine Spur wies mehr auf das hin, was eben geschehen war. Alischa war nun in Sicherheit.Innen wogte schwarze Tinte, die sich beim Laufen zäh anfühlte und Alischa schaukeln ließ, als wäre sie auf einem Schiff. Aber sie konnte atmen. Alischa ruderte durch die wogende Tinte, bis diese endlich durchscheinend wurde und Schemen eines hellerleuchteten Ziels erkennbar wurden. Alischa verließ die zähe Tinte und stellte fest, dass sie völlig trocken war, die Tinte keine Spuren an ihr hinterlassen hatte und sich hinter ihr eine völlig unschuldige Wandnische befand. Verblüfft berührte Alischa diese Wand und stellte fest, dass ihre Hand darin verschwand. Man kann auch zurück, stellte Alischa beruhigt fest. Die Wandnische, in der sie sich befand, stand wie ein Denkmal frei im Raum und erinnerte an eine zugemauerte Tür oder ein zugemauertes Fenster, die Wand aus ungeputzten grob gebrannten Ziegeln und der Rahmen sorgfältig aus blau glasierten Steinen gefertigt mit einem Spitzbogen oben, der sorgfältig aus roten Backsteinen gemauert war. Alischa drehte sich wieder um und schaute zum ersten Mal bewusst in den Raum vor sich.
Ein verblüffter Schrei entfuhr Alischa. Sie befand sich in einem gigantischen gotischen Kathedralbau aus rotem Backstein, der weiße Wände einrahmte. Spitzbogen an Spitzbogen reihte sich über ihr bis in die Unendlichkeit, alle zehn Meter durch eine Säule gestützt und immer gleich. Der Fußboden unter ihr war ebenfalls mit rotem Backstein ausgelegt, in dem sich regelmäßig, in gelbem Backstein gelegt, die stilisierte Frau wiederholte, die dem Betrachter ihre Brüste entgegenreckte. Die Schlichtheit dieses Baus war für Alischa an Schönheit nicht mehr zu überbieten.
Was bist du ...
wer bist du wirklich?
wenn von Last und Zwang befreit?
Was ist sauber?
Was ist redlich?
Was ist große Heiligkeit?
Du bist ein Geist,
doch auch ein Leib,
Genieße deren Einigkeit.
Lass Hüllen fallen,
genieß, was drinnen,
gib es preis und sei bereit.
Empfang die Lüste
der Brüste
und des Schoßes Unergründlichkeit.
Und mach dich offen,
du darfst empfangen,
das ist jetzt Anstand, Sittlichkeit.
Kommst du zurück,
ist nichts gewesen,
Sündenlosigkeit!
Sündenlosigkeit!
Sündenlosigkeit!
Alischas Blick fiel wieder auf die Bodengestaltung des Raums, und beim Anblick der Frau, die ihre Brüste dem Betrachter entgegenhielt, fiel Alischa siedendheiß ein, was ihr Tim gesagt hatte und dass er noch draußen ausharren musste.
Schlagartig waren die tanzenden Gestalten verschwunden und Alischa war wieder allein im Kathedralbau. Hastig blickte sich Alischa um. Da! Etwa zwei- oder dreihundert Meter vor ihr zwischen den Säulen war etwas! Alischa rannte los. Sie sah ein großes Wasserbecken, von rotem Backstein eingerahmt und vielleicht zehn Meter dahinter etwas erhöht eine Art Tisch oder Altar, vielleicht zwei Meter lang und einen Meter breit und hoch. Die Oberseite war vollständig mit rotem Backstein belegt und von abgerundetem rotem Backstein eingerahmt. Die Seitenflächen waren aber weiß und in der Mitte prangte, wiederum aus rotem Backstein, die stilisierte Frau, die dem Betrachter ihre Brüste entgegenhielt.
Alischa warf sich ohne zu überlegen ins Wasser. Es war nach der unerträglichen Hitze der Wüste angenehm kühl. Noch unter Wasser wrang Alischa ihre Haare, um sie von Staub der Zone zu befreien, strich sich nach dem Auftauchen über alle offenen und verborgenen Körperstellen, und wusch sich, so gründlich und systematisch, wie das schnell machbar war. Zeit zum Genuss nahm sich Alischa nicht, zu sehr war sie in Sorge um Tim, der ihr erst nachfolgen konnte, wenn sie hier fertig war.
Mit nassen Haaren und nassem Körper näherte sich Alischa dem Tisch oder Altar oder was auch immer das sein mochte. Einen Moment lang zögerte sie, doch dann bestieg sie den Tisch; ihre Nässe mochte in diesem Fall nebensächlich sein.
Alischa setzte sich auf den Altartisch, streckte zuerst ihre Beine aus und legte sich schließlich völlig hin. Wie eine Opferung im Tempel, dachte sie einen Moment lang. Dann wurde ihr angenehm warm und ihr schwanden die Sinne. Wenn jetzt jemand kommt, könnte er mit mir machen, was immer er will, war ihr letzter Gedanke, bevor die Kathedrale verschwand.
ω ω ω
Alischas Bewusstsein mochte weg gewesen sein, aber nur einen winzigen Augenblick lang. Als sie jetzt aber ihre Augen öffnen wollte, stellte sie fest, dass das nicht ging. Ihre Augen blieben zu, so sehr sie sich auch anstrengte. Leichte Panik stieg in ihr auf und sie versuchte, ruhiger zu werden. Ruhig und entspannt. Und sie dachte an die Zeichnung mit der Frau, die ihre Brüste dem Betrachter entgegengehalten hatte. Und da merkte Alischa, dass etwas mit ihr passierte. Es war, als würde man sie vollständig einschnüren, aber nicht so, dass es unangenehm war. Die Schnürung wurde fester und fester und schließlich fühlte sie sich emporgehoben. Erschrocken öffnete Alischa die Augen, diesmal ging es, aber sie sah nichts, ringsherum war es völlig finster. Schnell schloss sie ihre Augen wieder. Aber nun hörte sie etwas, ferne Musik, diesmal viel ruhiger, und als sie darauf lauschte, kamen ihr die seltsamen Klänge und Rhythmen merkwürdig bekannt vor. Wieder setzte das merkwürdige elektrische Kribbeln ein, das sie bereits beim Durchschreiten des Felsens gespürt hatte.Schließlich war Stille, und das Gefühl des Gefesseltseins war mit einem Schlag weg. Sie spürte einen sanften Windhauch. Und es schien wieder hell zu sein.
Alischa holte tief Luft, öffnete die Augen und richtete sich verblüfft auf. Der Kathedralbau war spurlos verschwunden, als wäre er nur ein Traum gewesen. Stattdessen lag sie in der Mitte einer kleinen Grotte aus rötlich-gelbem Stein auf einem steinernen Tisch. Die Grotte mochte vielleicht drei oder vier Meter lang und breit sein. Zu ihren Füßen ging ein schmaler Ausgang ins Freie und Licht strahlte durch zahlreiche kleine Felsöffnungen ins Halbdunkel. Von irgendwoher hörte Alischa sogar das beruhigende Plätschern eines Wasserfalls. Sie war offenbar angekommen, wie auch immer das geschehen war. Und Tim konnte ihr nun folgen.
Aufatmen.
Durchatmen.
Alischa richtete sich auf.
Die Grotte war licht und hübsch.
Und trocken.
Und es war angenehm warm, ohne zu heiß zu sein.
Alischa stand auf und schritt aus der Grotte heraus. Was sie sah, war ein traumhaft schönes, sattgrün bewachsenes Tal mit besonnten und schattigen Stellen, das sich zwischen zwei gewaltigen steilen Felswänden entlangzog ... und das vorher eindeutig noch nicht da gewesen war. Sie staunte.
Noch mehr staunte sie über das, was geradewegs vor ihren Füßen lag. Vor der Grotte war ein sanft ins Tal abfallender Berghang, der mit Blumen und saftigem Gras bewachsen war. Alischa überblickte das schönste Stück Welt, das sie in ihrem Leben bisher gesehen hatte: Bäume, Sträucher und Wiesen mit bunten Blumen und Blüten, ein Bach murmelte seitlich von ihr bergab ins Tal, man hörte sogar das Rauschen eines Wasserfalls, sattes Grün überall, oben ein strahlend blauer Himmel, bunte Früchte an den Sträuchern und Bäume, die sie noch nie in ihrem Leben gesehen hatte und zahlreiche Vögel, die nicht minder bunt waren und munter vor sich hin schwatzten. Und von alldem war sie nur durch den wenige hundert Meter breiten Wiesenhang getrennt, der sich von ihrer Grotte aus sanft nach unten zog. Als Alischa sich zu dem Bach rechts von ihr umwandte, sah sie, dass er in einem hübschen Wasserfall seinen Anfang nahm, der vielleicht fünf Meter schräg über ihr aus dem Felsen entsprang.
Die Luft war angenehm warm, vielleicht sogar sehr warm, aber nicht heiß, und die Luft war trotzdem frisch. Alischa machte etliche Schritte nach vorn auf die sanft abfallende Wiese, sog die frische Luft mit vollen Zügen ein und fühlte sich unglaublich frei und erlöst von allen Strapazen und jubelte vor Freude über diese traumhaft schöne Umgebung.
Und noch etwas geschah: Die Angst und die Aufregung der letzten Stunden blätterte von ihr ab, die Wüste, die sie passiert hatte, war wie vergessen und ein Schwall wohliger Wärme durchströmte ihren ganzen Körper und ein eigenartig entspanntes Gefühl, beginnend an den Finger- und Zehenspitzen, breitete sich langsam, aber unaufhaltbar in ihrem Körper aus.
Sehr entspannend.
Sehr angenehm.
Noch angenehmer.
Sogar noch angenehmer.
Wie eine sanfte warme Welle zur Körpermitte hin fühlte es sich an. Jetzt wurde das Gefühl langsam fast sexuell, nein, es war eindeutig sexuell, drängend sogar, und tastete sich unaufhaltsam zu ihrem Körperzentrum hin aus. Und zwar unaufhaltsam. Alischa, dachte sie bei sich, du wirst doch jetzt nicht einen Spontanorgasmus kriegen? Noch etwas mehr, bitte, hoffte sie.
Doch gemeinerweise reichte es nicht ganz ... zum Gipfel hätte noch einiges gefehlt.
Alischa atmete heftig. So eine Gemeinheit.
Klar denken kann man so nicht, fand Alischa und legte sie sich seufzend auf dem Rücken ins saftige Gras, um dem eventuell abzuhelfen. Auf dem Rücken liegend, die Beine dem Tal zugewandt, der Kopf auf der Seite der Felshänge, schaute sie in den blauen Himmel, ließ ihre Finger aber erst einmal untätig im Gras liegen und genoss die Empfindung des Augenblicks, ohne sich für irgendetwas anderes zu interessieren. Ob sie dort nur zehn Minuten oder eine ganze Stunde gelegen hatte, hätte sie hinterher nicht mehr sagen können.
Ähem, räusperte sich eine Männerstimme an ihrem Kopfende. Willkommen im Paradies ... was übrigens kein dummer Witz ist. Nur dass es Peridëis heißt, aber der Rest stimmt.
Objekt P
Ministerium für Staatssicherheit, Objekt P, Versammlungsraum
Leiter der Dienststelle:
Genossen!
Es gibt Genossen, die wichsen, Genossen.
In die Gardinen! Genossen!
Genossen, so geht das nicht, Genossen.
Unsere Aufgabe als tschekistische Einzelkämpfer ist schwierig, aber man muss sich doch zusammenreißen, Genossen.
Also, Genossen: Härte zeigen und trotzdem Aufgabe erfüllen.
Das war’s. Und wer erwischt wird, wäscht das ganze Zeug. Wegtreten!
Peridëis
Alischa
Es war irgendwann zu tiefsten DDR-Zeiten [2] und es war Sommeranfang. Alischa saß in der großen Stadt Berlin in ihrer Einzimmerwohnung mit Außenklo im Berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg am Schreibtisch. Aber was heißt schon Einzimmerwohnung, denn genau gesagt bestand die Wohnung nur aus einer Winzigkeit von Flur und einer sich daran anschließenden Wohnküche. Alischa war gerade von einer ziemlich umfangreichen ärztlichen Untersuchung zurückgekommen. Irgendwas mit Berufstauglichkeit. Danach war sie noch etwas durch die Stadt geschlendert, statt mit der Straßenbahn zu fahren. Jetzt war Alischa froh, endlich zu Hause zu sein und gammeln zu können. Die Füße unter dem Tisch ausstrecken, aus dem Fenster gucken, vielleicht etwas lesen. Erst vor drei Tagen hatte sie den Schreibtisch vor ihrem großen Wohnküchenfenster aufgeräumt und einen Haufen Papier aus ihrem Bücherregal weggeschmissen. Immerhin war es schon ein Jahr her, dass sie ihr Abitur hinter sich gebracht hatte. Genauer: Lehre mit Abitur, 3 Jahre, und jetzt war sie 20. Bis sie den gewünschten Studienplatz kriegte, konnte durchaus noch Zeit ins Land gehen. Das war eben der Preis für Konfirmation statt Jugendweihe und völligem Desinteresse an gesellschaftlich nützlichen Tätigkeiten. Dummheit schafft Freizeit. Immerhin hatte man ihr nichts in Richtung politisch-negative Meinungsäußerungen oder so ins Zeugnis gewürgt. Sie war kein Märtyrertyp und hatte ihre Klappe nur dort aufgemacht, wo es auch was brachte.
Das lag hinter ihr
Jetzt war endlich etwas Zeit zum Leben.
Fand Alischa.
Alischas Wohnung war eine Bruchbude, die sie bürokratiefrei besetzt hatte, aber das ließ sich ändern, handwerklich wie behördlich. Hauptsache eigene Wohnung. Und eine Nähmaschine. Damit konnte man Klamotten so umnähen, dass man nicht wie eine volkseigene Vogelscheuche aussah. Und es ließ sich Geld damit verdienen und Tauschware herstellen. Zum Beispiel eine ultraschicke Männerhose gegen eine Dachreparatur. Ein Mann hatte ihr Dachpappe oben aufs Dach des Mietshauses geklebt und nun regnete es nicht mehr durch, wenn sie vergaß, die Kinderbadewanne oben auf dem Dachboden zu leeren. Der Mann hatte zwei Stunden gebraucht und das Loch war weg. Wieso schaffte die Wohnungsverwaltung sowas nicht?
Die Wohnung war trotz ihrer Winzigkeit gar nicht so übel. Hell war sie, da sie unterm Dach lag, und noch dazu gut besonnt, weil das große Wohnküchenfenster nach Süden zeigte. Mit einem großen Kastanienbaum davor. Kniff man die Augen zusammen, dann konnte man sich sogar vorstellen, mitten in einem Park zu wohnen. Dass es nur ein Außenklo gab, war allerdings lausig. Doch immerhin hatte sie das Außenklo alleine, weil es in Alischas Hinterhof-Seitenflügel nur eine Wohnung pro Stockwerk gab. Wenn einen die volle Blase nachts weckte, war es möglich, die halbe Treppe zum Klo runter schnell mal nackig zurücklegen. Zudem war die Wohnungstür ein Stockwerk tiefer von innen verrammelt, weil sich Mieter des mittleren Treppenaufgangs per Wanddurchbruch von hinten einen Zugang verschafft hatten, um ihre Wohnung auf diese Weise zu vergrößern. Nachbarn gab es daher erst zwei Stockwerke tiefer; dort wohnte ein Studentenpaar. Und ganz unten im Parterre hauste Stinki, ein netter, aber etwas ungepflegter Schlucki , der angeblich irgendwo als Nachtpförtner arbeitete, dort aber vermutlich auch bloß schlief.
In den anderen Hausflügeln des Hinterhofs gab es außerdem einen Professor, ein Stasi-Ehepaar (erzählte man), eine verrückte versoffene Mutter mit ihrem geistig behinderten erwachsenen Sohn, einen Mann, der ein sexuelles Verhältnis mit seiner Kreissäge im Keller zu haben schien, einen Hobby-Indianer, ein vornehmes älteres Fräulein Ex-Lehrerin, neben ihr eine lebenslustige Rentnerin, die das Fräulein Ex-Lehrerin hasste wie die Pest und ansonsten bei jungen Handwerkern immer anzügliche Bemerkungen machte; dann gab es noch ein Ehepaar, wo die Frau immer den Mann verdrosch, worüber der aber nicht böse zu sein schien, und oben im Vorderhaus, wenige Meter Luftlinie über den Hof von ihr entfernt, eine Nutte. Offiziell hatte die einen Job als Garderobenfrau im Café Warschau, aber sie schleppte regelmäßig Bekannte an, wie sie das nannte, die stets erheblich weniger als eine Nacht lang blieben. Im Vorderhaus nahm man das sehr interessiert zur Kenntnis und die Frauen hatten ein Auge darauf, dass sich ihre Männer von der Dame fernhielten und umgekehrt. Geschminkt sah die Dame von vorne aus wie 35, von hinten hatte sie mit Jeans einen Arsch wie 18 Jahre alt (West-Jeans, die Frau hatte gute Klamotten), und ohne Schminke sah sie aus wie ein Nachtgespenst. Alischa hatte das persönlich bewundern dürfen, als die Dame einmal nachts um 2 Uhr Zeter und Mordio schreiend im Morgenmantel vor ihrer Tür gestanden hatte, weil es in Alischas Wohnung wohl etwas zu laut zugegangen war. Die anderen Mieter hatten am nächsten Tag aber nur gelacht und meinten, die Dame möge selber stille sein, ganz andere Dinger hätte die draufgehabt. Leider hatten die anderen Mieter keine Einzelheiten genannt. Aber darum soll’s hier ja auch gar nicht gehen.
Alischa saß an ihrem Schreibtisch vorm Fenster und vor ihr auf dem Tisch lag ein geöffneter dicker Briefumschlag. Darin hatte sich ein kleines in Leder gebundenes Büchlein und eine Konzertkarte für denselben Abend befunden. Auf dem Umschlag war keine Briefmarke draufgeklebt - der Absender musste den Umschlag also direkt in Alischas Briefkasten geworfen haben. Genauer gesagt in den alten Briefschlitz direkt an ihrer Wohnungstür, nicht den neuen Briefkasten unten im Hausflur. Das Merkwürdigste war der Absender. Er konnte nicht stimmen, denn es war der Name und die letzte Anschrift ihrer längst verstorbenen Urgroßmutter, die sie aus ihrer frühen Kindheit nur noch undeutlich in Erinnerung hatte und aus den Erzählungen der anderen. - Eine lebenslustige Frau, die ihren Dickschädel fast überall durchsetzte außer manchmal bei ihrem eigenen Mann, so hatte man Alischa lachend gesagt. Vielleicht hatte diese Urgroßmutter bestimmt, dass Alischa das Büchlein erhalten sollte. Die Konzertkarte wohl kaum, denn die war brandaktuell.
Das Büchlein war nicht neu, sah aber nicht verschlissen aus. Auf dem ledernen Buchdeckel stand in dunkelbraunen Lettern eingeprägt »Peridëis«. Neugierig schlug Alischa das Büchlein auf.
Das innere Titelblatt trug nur den Hinweis
Peridëis
Andere Schreibweise: Perideis.
Die Vokale e und i werden getrennt gesprochen.
Kein Autor, kein Verlag, keine Jahreszahl, überhaupt kein weiterer Hinweis. Alischa blätterte weiter. Dickes beigefarbenes Papier. Knapp 50 Seiten vielleicht, nicht viel also, und große Schrift. Jetzt fing es an. Offenbar eine Geschichte:
Peridëis
Vor langer und längst vergangener Zeit fiel in einer einsamen und öden Gegend ein Schiff vom Himmel. Warum das Schiff fliegen konnte, liegt im Dunklen und auch wie es aussah und wo es her kam. Man weiß aber, dass nur ein einziger Mann den Sturz des Schiffes aus der Höhe überlebte. Und als dieser besah, was noch ganz geblieben war, da sah er nicht viel, was noch brauchbar gewesen wäre. Geblieben war ihm immerhin ein kleines Beiboot und noch ein paar andere Kleinigkeiten. Was zu essen und zu trinken da war, mochte für längere Zeit reichen, machte das Herz aber nicht hüpfen. Und weil die Gegend in weitem Umfeld wüst schien und keine einzige Pflanze weit und breit bot, geschweige denn auch nur das niedrigste Getier, da gab es auch keine Hoffnung auf eine Aufbesserung der Mahlzeiten.
Aber ein wichtiges Ding war ihm verblieben, und das war eine goldene Kugel, die war von außerordentlicher Haltbarkeit. Gar nicht besonders groß war diese goldene Kugel, aber sie hatte es in sich, ganz beim Wort nehmen konnte man das. Sie war mehr wert, als das Gold, aus dem sie bestand, ja Kriege waren geführt worden, um sich in den Besitz nur einer einzigen solchen goldenen Kugel zu bringen, denn solche Kugeln waren nicht ganz billig und nicht jeder dahergelaufene König (nur um ein Beispiel zu nennen) hätte sich eine leisten können. Diese goldene Kugel hatte einige sehr seltsame Eigenschaften. So wie sie jetzt gerade war, hatte sie die Größe einer geballten Männerfaust und war kreisrund. Aber ihre Gestalt und Größe war veränderlich. Und wer sie nicht ausdrücklich berühren wollte, der fasste einfach durch sie hindurch, als wäre sie gar nicht vorhanden. Wer sie also zum Beispiel nicht sah, bemerkt sie auch nicht. Man sagt, diese Kugel sei etwas gewesen, was man eine andere Dimension nennt, oder anders ausgedrückt, sie barg in sich eine ganze vollkommene eigene Welt. Das Merkwürdigste aber, man konnte in sie hineingelangen, in diese andere Welt.
Und noch mehr: Die goldene Kugel war von ihrer Machart her eine Art Wünsch-dir-was-Kugel, um es in einfache und verständliche Worte zu fassen. Denn die Welt, die sie in sich barg, war eine Wünsch-dir-was-Welt. Tauchte man in diese goldene Kugel ein, und das war wie gesagt möglich, so wurde man winzig klein und man fand sich im Inneren der goldenen Kugel in einem riesigen Raum wieder, der sich ganz nach den eigenen Wünschen einrichtete, ganz egal, was es war. Man konnte zwar nichts aus der Kugel nach außen bringen und nichts in diese hinein, aber was man drinnen erschaffen hatte, das hatte man drinnen eben auch in der Hand. Und auf der anderen Seite blieben ja auch ungeliebte Dinge draußen, wie zum Beispiel Flöhe, und überhaupt alle Krankheiten. Noch was? Na, es blieb eben alles draußen, was nicht zum eigenen Körper in seinem wahrhaftigen Zustand gehörte. Und nicht genug wurde man im Inneren der Kugel kein Momentchen älter, egal wie lange man im Inneren der Kugel weilte. Man konnte also niesend in die Kugel eintauchen, dort so zwei- oder dreihundert Jahre ohne Schnupfen vergnüglich leben, dann wieder auftauchen, zu Ende niesen und sich »Gesundheit!« wünschen lassen. So eine Kugel war das. Manche Besitzer solcher goldenen Kugeln tauchten zum reinen Zeitvertreib in diese Kugelwelt und trieben dort gewisse und ungewisse Dinge, um Langweile zu vertreiben, andere aber benutzen die Kugel, um Dinge auszuprobieren und noch andere schufen darin phantastische Traumwelten und verlangten ein Scherflein dafür (und drinnen kassierten Heerscharen von Haarschneiderinnen, Bader-Weibern, Schminkerinnen und mehr noch den einen oder anderen Scherf dazu, wenn bestimmte Frauen sich über ihren Originalzustand empörten). Sich in der goldenen Kugel in schlechten Zeiten vor der Welt zu verstecken und abzuwarten, war auch keine üble Idee.
Der Mann also nahm die goldene Kugel und suchte und fand eine tiefe Höhle in einer einsamen öden Berglandschaft, wo er sie gut und sicher verstecken konnte. Was vom Sturz des Schiffes noch ganz geblieben war und brauchbar schien, nahm er mit, besonders das kleine Beiboot, man weiß ja nie. Und er befahl der Kugel, sich auszudehnen und begab sich in die Welt der Kugel hinein.
Als der Mann aber im Inneren der goldenen Kugel angelangt war, da war es dunkel und da sagte der Mann: Es werde Licht! Und da ward es Licht. Eine große und helle Leuchte hing in der Mitte der großen Kugel und spendete Licht und Wärme. Und der Mann bestimmte, dass es aber auch Tag und Nacht geben sollte, da wurde die Leuchte bei Tag heller und bei Nacht dunkler und ein Tag dauerte 25 Stunden [4]. Und der Mann fand es gut so.
Und als dies geschehen war, da sah der Mann, dass das Innere der Kugel so unendlich groß war, dass gar kein Ende zu sehen war. Aber es war wüst und leer. Da sagte der Mann, ich brauche Wasser zum Trinken und Erde, damit Nahrung darauf wachsen kann. Und siehe, da bildete sich im inneren Rund der goldenen Kugel Land mit Flüssen und Seen und einem Meer dazwischen und Wolken schwebten über dem Land, zu denen das Wasser aufsteigen und schließlich wieder herunterfallen konnte. Und wenn man auf dem Land stand oder auf dem Wasser schwamm, dann war alles wie im Diesseits, denn an nichts hätte man erkennen könne, dass man im Kreisrund einer hohlen Kugel stand, so groß war sie und so gut war alles eingerichtet. Und der Mann fand es gut so.
Und jetzt, sagte der Mann, brauche ich Pflanzen auf dem Boden und im Wasser, an denen Dinge wachsen, die ich essen und anderweitig brauchen kann und die außerdem hübsch anzusehen sind. Da wuchsen zahlreiche Pflanzen, eine jede anders anzusehen und jede trug eine andere Frucht. Und der Mann fand es gut so.
Und als dies geschehen war, sagte der Mann, es fehlen Tiere, solche die laufen, solche die schwimmen und solche die fliegen, aber keins kleiner als ein Fingernagel, damit ich sie mit meinem Latsch totschlagen kann, falls sie mir lästig werden. Und da erfüllte sich der Himmel, die Erde und das Wasser mit Getier, keins kleiner als ein Fingernagel groß. Und der Mann fand es besonders gut so.
Und als dies geschehen war, sagte er, es ist so still hier, ich möchte auch andere Stimmen als meine eigene hören können. Und die Tiere, froh, sprechen zu dürfen, erfüllten das Rund mit einem Höllenlärm, denn sie schwatzten, was das Zeug hielt und erzählten sich gegenseitig die Neuigkeiten, und zwar besonders die Vögel. Etwas ruhiger bitte!, forderte der Mann und da sprachen die Tiere zwar weiter, aber etwas leiser. Doch der Mann merkte, dass die Tiere trotz der neugewonnenen Sprache nicht klüger waren als zuvor. Und der Mann fand, dass noch etwas fehlte.
Und da sagte der Mann, es ist nicht gut, wenn man alleine ist. Wir brauchen noch Menschen, um meine Einsamkeit zu mindern, mir gleich, aber nicht ebenbürtig, denn ich will über ihnen stehen. Nur zur Sicherheit, denn ich bin milde, aber nicht dämlich. Und siehe, das Land bevölkerte sich mit Menschen, ihm gleich, aber nicht ebenbürtig und er stand weit über ihnen, denn sie unterhielten ihn zwar und beteten ihn sogar an, lebten aber in Furcht vor ihm. Und da sagte er, betet mich an und seid mir zu Diensten, dann werde ich dafür sorgen, dass es euch gut geht. So dienten sie ihm, er aber sorgte dafür, dass sie wenig tun mussten und viel Vergnügen aneinander hatten und er an ihnen und zwar besonders an den Frauen. Und als er fand, dass die Frauen gut waren, da fand er, dass ihnen noch eins fehlte.
Und da sagte der Mann, wir brauchen noch etwas, das für ewige Freude sorgt und da fuhr ein gewisser Geist in die Leute und erfüllte ihre Schöße mit ewigwährender Sehnsucht, ein jeder nach dem anderen Geschlecht und manche aber nach dem eigenen. Und da fielen die Leute jauchzend übereinander her und es herrschte ein wüstes Durcheinander. Und da fand der Mann, dass noch etwas fehlte.
Und da sagte der Mann, wir brauchen viele Vorlieben, die alle ganz verschieden sind, damit ein jeder sich einen festen Partner sucht, der am besten seine eigenen und von den anderen Leuten verschiedenen Vorlieben kennt und teilt. Und so geschah es. Viele probierten noch immer diesen und jenen, aber am glücklichsten waren am Ende diejenigen, die einen festen Partner hatten, der am besten seine ganz besonderen Vorlieben kannte und teilte. Und der Mann fand es gut so und hatte selbst seine Freude daran.
Und die goldene Kugel – wir wollen nicht vergessen, dass alles in ihrem Inneren geschah – die goldene Kugel sorgte von selbst dafür, dass alles so blieb, wie es ihr Besitzer geschaffen hatte, denn dafür war sie gemacht, egal, ob als Fluchtort oder Vergnügungsort oder um Dinge zu versuchen, bevor sie ihr Besitzer im Diesseits angehen wollte. Jetzt aber sollte die Kugel als Zufluchtsort dienen, vielleicht sogar für die Ewigkeit. Und da war es gut, dass man im Inneren der Kugel nicht sterben konnte, kein Mensch und kein Tier; nur die Pflanzen entwickelten sich immerfort neu. Aber ein Leben aus sich selbst heraus, sei es Mensch oder Tier, dies konnte die goldene Kugel nicht schaffen, dafür war sie nicht gemacht, und dafür wäre weit mehr erforderlich gewesen. Alles höhere Leben in ihr war also geschaffen, aber nicht gezeugt, und Menschen wie Tiere veränderten sich in ihrem Inneren auch nicht, sondern sie blieben, wie sie waren, für alle Zeit. Nur die Vergesslichkeit und überhaupt die Unvollkommenheit ihrer Geschöpfe sorgte dafür, dass nicht immer alles gleich blieb. Aber alles in allem war die Kugel, fernab vom wirklichen Leben, fernab vom Diesseits, ein geheimer Ort, an dem eitel Freude jeglicher Art herrschte. Aber nicht die eitle Freude der langweiligen Art - manche der Freuden waren, nun, durchaus eher von der langfristigen Sorte mit höherem Reiz.
So lebte der Mann eine lange, sehr lange Zeit mit zahlreichen Freuden in der schier unermesslichen Welt im Inneren der Kugel, die Sonne leuchtete immer über ihm im Zenit, aber nie zu heiß und nie zu kühl und nur nachts dunkelte sie sich ab und stand als Mond über ihm, damit man auch in der Nacht nicht ganz im Finsteren stehe. Und ein Wölklein aus Sternen ließ er langsam um sie kreisen, damit es hübscher aussehe. Aber bunte Sterne, etwas künstlerische Freiheit gestattete er sich. Und er nahm noch manche kleine Verbesserung vor. Und damit es mit der Zeit nicht langweilig würde, unterteilte er die Menschen in unterschiedliche Völker und ließ zwischen ihnen ein Gewirr von steilen Bergen und tiefen fruchtbaren Tälern wachsen, und Bäche und Flüsse durchzogen diese, sattes Grün und bunte Blüten füllten die Täler, manche Täler groß und manche klein, manche Täler licht und manche geradezu unpassierbar und ganz mit Wasser gefüllte gab es ebenfalls. Und da er es so eingerichtet hatte, entwickelten die Völker, die ja immer nur ihre Nachbarn kennen konnten, ganz unterschiedliche Vorlieben, was Kleidung, Häuser und Sitten anbelangte, aber auch, was die sinnlichen Vergnügungen betraf, die sich besonders vielfältig entwickelten, sodass es dem Mann beim Besuchen der verschiedenen Völkern nie mehr langweilig wurde. Man darf ja nicht vergessen, dass die Menschen geschaffen, aber nicht gezeugt waren, und deshalb fand man das Spiel der Erregung so harmlos, wie im Diesseits den Genuss von Wein oder Bier findet, nur dass der Kater ausblieb, denn keine Eltern und kein Ehemann musste sich darum sorgen, dass das eigene Weib oder Kind auch ja nicht falsch befruchtet würde oder der eigene Mann auswärtige Verpflichtungen verursachte, denn dergleichen kannte man nicht. Was andererseits natürlich ein Jammer ist, denn mit gezeugtem frischem Leben wäre es noch interessanter gewesen, aber was nicht geht, das geht nun einmal nicht und irgendwann wäre wohl selbst die schier unendliche goldene Kugel in ihrem Inneren zu voll geworden. Doch um nicht abzuschweifen: So gab es also keinen wirklichen Grund, Schlüssel und Schloss getrennt zu verwahren, drum öffneten und schlossen sich die Tore fleißig, um herauszufinden, welcher Schlüssel am besten passte.
Aber eins fehlte dem Mann: So schön und so interessant das Leben in seiner selbstgeschaffenen Welt im Inneren der schier unendlichen Kugel auch war, die Menschen in ihr waren doch recht einfältig und hatten auch wenig eigene Ideen, geschweige denn, dass es große Ideen gewesen wären. Das verdross ihn etwas und außerdem musste er immer wieder Dinge richten, die die selbstgeschaffenen Menschen in der Kugel nicht selbst begriffen. All zu oft schickten die Leute eine hübsche Frau als Opfer in die Tempel, auf dass sie sich aufreizend mit geöffneten Schenkeln auf den Altar lege, um ihn zu locken, damit er ihnen (wieder einmal) etwas richte, nachdem er es ihr gerichtet hatte. Was nicht ganz uneigennützig von der Frau war, denn der HErr hatte dafür gesorgt, dass die Schlangen der selbstgeschaffenen Männer etwas weniger lang, weniger ausdauernd und weniger kräftig war als seine eigene. Nicht, dass dem HErrn das dargebrachte Opfer unangenehm gewesen wäre, sandte man doch meist ausnehmend reizvolle Frauen, aber es wurde doch anstrengend mit der Zeit und die meisten der geschickten Frauen wollten mehrmals beglückt werden, wenn sie schon einmal den HErrn höchstselbst in den Armen hatten. Und als er sich daher schweren Herzens entschloss, nicht jedem Ruf zu folgen, da hatten die Leute ausnahmsweise doch einmal eine größere Idee, denn sie fesselten die geopferte Frau auf dem Altartische. So konnte man sie einerseits schlecht liegen lassen, fand der HErr, aber andererseits gab dies dem Akt der Opferung durchaus eine interessante Note. Doch der Grund, warum der HErr in jenem Tempel öfter und in anderem Tempel seltener erschien, sprach sich herum und so setzte man eins drauf, indem man die geopferte Frau nicht bloß fesselte, sondern auch peitschte (aber nur, bis sie um Einhalt bat, was angesichts gewisser Kosten-Nutzen-Rechnungen aber höchst selten geschah). Solche Hingabe beeindruckte den HErrn noch mehr, aber irgendwann wurde es ihm zu viel und er gebot Einhalt. Mögt ihr euch peitschen, mögt ihr euch fesseln, so viel ihr wollt, sagte er, aber versucht ja nicht mehr, mich zu etwas zu zwingen, denn dies verdrießt mich. Und so kam man wieder ab vom blutigen Opferdienst. Jedenfalls im Großen und Ganzen; manche Leute kann man ja nie belehren.
Nachdem die Welt im Inneren der goldenen Kugel also recht gut eingerichtet war, entschloss sich der HErr, auch einmal außerhalb der goldenen Kugel nach dem Rechten zu sehen. Es ist nicht überliefert, was er im Diesseits genau tat, nur so viel weiß man, dass er die goldene Kugel noch besser versteckte und dafür sorgte, dass sie sich auf wundersame Weise dehnte und streckte, durch geheime Lücken des Diesseits tauchte, das Diesseits unfühlbar und unsichtbar durchwob und an allen Stellen gleichzeitig und doch nirgendwo war. Begreife, wer kann, wir aber können es nicht und dürfen nur staunen. So aber konnte der HErr an zahlreichen Stellen geheime Übergänge schaffen, wo er vom Diesseits in die goldene Kugel hineingelangen konnte. Und so kam es, dass er ab und zu an verschiedenen Stellen im Diesseits nach dem Rechten schaute, sich die meiste Zeit aber im Inneren der goldenen Kugel vergnügte.
Und so richtete er es ein, dass man vom Diesseits in die goldene Kugel hineinkam: Stets sollte der Eingang gut versteckt sein, also nahm er einen tiefen unterirdischen Stollen oder eine Höhle oder einen abgelegenen Felsen weit oben im Gebirge und machte eine Felsen oder eine Felstür, die man durchschreiten musste. Man musste einen entschlossenen Schritt darauf zu machen und dann gelangte man einfach hindurch. Hatte man dies getan, dann war man bereits im Wirkbereich der goldenen Kugel, denn diese war es, die so etwas ermöglichte. Aber man war erst in ihrer Hülle und noch nicht im Inneren. Dort also kam man erst in eine große Höhle, gut, um Gegenstände aus dem Diesseits dort verstecken zu können, denn die würde die goldene Kugel ja niemals ins Innere hineinlassen und der HErr hatte durchaus einige Kleinigkeiten aus seinem Schiff retten können, deren Aufbewahrung er nicht dem Zufall überlassen wollte. Aber auch seiner Bekleidung hatte er sich ja zu entledigen, um in die goldene Kugel hineinzugelangen. Und die würde er wieder brauchen, wenn er aus der goldenen Kugel wieder auftauchte. Nennen wir die Höhle also ruhig eine Ankleidekammer, denn so unpassend ist dieses Wort gar nicht. Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, und in dieser Höhle, die wir eben »Ankleidekammer« genannt hatten, richtete er eine Möglichkeit her, wo man sich, sobald man dazu bereit war, niederlegen konnte, um den eigenen Geist ins Innere der Kugelwelt tragen zu lassen. Wie das genau geschah, liegt im Dunklen, jedenfalls solange man nicht an Magie glauben mag. Würden wir die Schöpfer der goldenen Kugel fragen können, dann wüssten wir es, aber so müssen sich die Gelehrten darüber in den Haaren liegen, ob es im Inneren der Kugel stets mit rechten Dingen zuging oder nicht. Es ist egal, lassen wir die Gelehrten also streiten, bis sie graue Haare kriegen, denn messen können sie im Inneren der Kugel gar nichts, weil sie ihre kostbaren Messgeräte nun einmal nicht mitnehmen können.
Was aber passierte, wenn man sich niederlegte und der Wirbelwind einen in die goldene Kugel hineintrug? - Nun, gar nichts weiter, als dass man in einer ganz ähnlichen Höhle wieder aufwachte, die aber bereits im Inneren der goldenen Kugel war. Die Höhle im Inneren der goldenen Kugel hatte nun einen ganz ähnlichen Zweck wie die diesseitige Höhle: Man konnte dort zurücklassen, was die Kugel als ihr Eigentum erkannte und folglich nicht ins Diesseits lassen würde.
Und zahlreiche solcher Übergänge schaffte der HErr im Laufe der Jahre, und jede begann an einer anderen Stelle im Diesseits und führte zu einer anderen Stelle im Inneren der goldenen Kugel. Männer machen ganz gerne solche Spielereien. Aber es hatte auch den praktischen Nutzen, dass man von verschiedenen Stellen im Inneren der goldenen Kugel aus zu verschiedenen Stellen im Diesseits gelangen konnte und umgekehrt.
Und über all dies vergingen die Jahre, der HErr aber wurde trotzdem nicht alt und grau, denn in der goldenen Kugel altert man nun einmal nicht und er übertrieb es nicht mit seinen Aufenthalten außerhalb, denn so hübsch wie drinnen war es draußen ja nicht.
Eines Tages, nach langer Zeit und noch viel längerer Zeit, geschah es, dass der HErr, als er im Diesseits nach dem Rechten schaute, um ein Haar von zwölf Feen erschlagen worden wäre, die just links und rechts und vor und hinter ihm vom Himmel fielen. Hilf uns!, riefen die Feen und fielen vor ihm auf die Knie, nachdem sie sich aufgerappelt hatten, Hilf uns, riefen sie, denn wir sind auf der Flucht. Die zwölf Feen waren nämlich auf der Flucht vor hundertzwanzig wüsten unersättlichen Männern, wie sie erzählten, die allesamt in sie dringen wollten und wer weiß was noch. Da wären sie geflohen, als jene wüsten Männer allesamt im Rausch von Bier und Met darniedergelegen hätten [5]. Und die Feen hatten überdies zwei kleine Kinder dabei, die hießen Adam und Eva und die hätten sie auf ihrer Flucht gefunden und die Kinder wären die letzten Überlebenden ihres Volks. Was die Feen aber genau erlebt hatten, liegt leider im Dunklen, denn sie redeten arg durcheinander und widersprachen sich und niemand weiß, ob je aufgeschrieben wurde, was ihnen geschehen war.
Doch nun waren sie da.
Und der HErr nahm sie aus Mitleid auf und freute sich darüber, endlich wieder ebenbürtige Gesprächspartner um sich zu haben, und auch darüber, dass zwei Kinder mit dabei waren. Und so führte er die zwölf Feen und die zwei Kinder durch einen seiner geheimen Übergänge ins Innere der goldenen Kugel. Und den Feen zu Ehren gab er seinem Land den Namen »Peridëis«, denn »Peri« [6] bedeutet »Fee« und »-dëis« einfach »Land« oder »Gegend«, denn alles macht mehr Spaß, wenn es einen Sinn und ein Ziel hat und außerdem sahen die Feen recht ansehnlich aus und inspirierten ihn.
Aber die Feen hatten große Angst vor ihren Verfolgern und dass diese einen der geheimen Übergänge in die goldene Kugel finden könnten (die jetzt den Namen Peridëis trug), selbst wenn die Welt in Peridëis schier unendlich groß schien und man sie auch dort erst einmal lange hätte suchen müssen. Da sann der HErr, was zu tun wäre, aber außerhalb der goldenen Kugel (die jetzt den Namen Peridëis trug) hatte er keine Gewalt, und so beschloss er, das Leben innerhalb von Peridëis so einzurichten, dass den Feen nichts widerfahren konnte.
Und er setzte sich und dachte nach, wie das zu schaffen sei und die Feen standen im Halbkreis um ihn herum. Und wie er so saß und geradeaus schaute, da fiel sein Blick auf die Feen und in ihm reifte eine Idee: Die Feen trugen nämlich auf ihrer Vorderseite gut sichtbar Brüste, in deren Mitte ein Tüttelchen frech nach vorne (oder unten oder seitlich) ragte, das dunkler war und von einem ebenso gefärbten zerklüfteten Inselchen umgeben war. Und wie er so saß, blickte er geradewegs in einen Halbkreis von zusammengerechnet vierundzwanzig Brüsten, denn die Feen standen sehr eng um ihn herum. Und jene Brüste gefielen ihm ausnehmend, denn den selbstgeschaffenen Frauen in Peridëis fehlte so etwas und sie waren platt wie die Männer. Da fragte der HErr die Feen:
Wie heißen diese hübschen Dinger mit den dunklen Inselchen samt Tüttelchen, die mal nach vorne, mal zur Seite und mal nach unten zeigen, von denen ihr je zwei gut sichtbar an eurem Leib angebracht tragt, dass man gar nicht anders kann, als immerzu hinzuschauen? [7]
Die Feen antworteten: Diese Dinger mit den dunklen Inselchen samt Tüttelchen, die mal nach vorne, mal zur Seite und mal nach unten zeigen, von denen wir je zwei gut sichtbar an unserem Leib tragen, dass man gar nicht anders kann, als immerzu hinzuschauen, nennt man Brüste. Aber es gibt noch zahlreiche andere Namen dafür, es würde zu lange dauern, sie alle zu nennen.
Wenn es viele Namen für ein und dasselbe Paar Dinger gibt, muss das Paar Dinger aber von großer Wichtigkeit sein?, fragte der HErr (und konnte sich an den Dingern nicht sattsehen).
Das sind sie, antworteten die Feen. Zum Ersten sind sie uns Frauen ein Schmuck für uns selbst und zum Zweiten Waffe wider andere Frauen, zum Dritten sind sie ein unfehlbarer Köder für die Augen der Männer, zum Vierten spenden sie Lust, zum Fünften bereiten sie Händen und Mündern der Männer Vergnügen und zum Sechsten spenden sie weiße Tropfen, genannt Milch, für die Kinder.
In dieser Reihenfolge?, fragte der HErr.
Die zwölf Feen mit den vierundzwanzig Brüsten genannten Dingern wurden zwölfmal rot, sagten aber kein Wort.
Was ist mit euch?, fragte der HErr verwundert.
Nun, antworteten die Feen, es ist so, dass die beiden Kinder ja nicht von uns selbst geboren wurden, wir haben sie gefunden, ganz alleine lagen sie da und niemand weit und breit, der für sie hätte sorgen können. Und da haben wir sie mitgenommen, weil sie uns leidtaten. Aber nun müssen sie aber Hunger leiden, denn keine einzige von uns Feen hat Milch genug in der Brust, um die Kinder satt zu machen, nur eine hat wenige Tröpflein und eine zweite mit viel Mühe einen einzigen davon. Wisse, dass gemeinhin nur eine Frau, welche geboren hat, für eine gewisse Zeit oder auch länger Milch in ihren Brüsten trägt.
Und die Feen schauten sehr sorgenvoll drein.
Ihr müsst nicht sorgenvoll dreinschauen, sagte der HErr.
Warum sollten wir nicht sorgenvoll dreinschauen?, fragten die Feen.
Weil ich der HErr dieser Welt bin, meinte der HErr und schaute verschmitzt drein.
Die Feen schauten etwas weniger sorgenvoll drein, aber nur ein klein wenig.
Wohlan, sagte der HErr, lasst uns das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, das ist immer der beste aller Wege: Folgendes soll also geschehen. Es sollen allen Frauen in Peridëis Brüste wachsen, wie ihr Feen sie so prachtvoll tragt.
Und als er das gesagt hatte, da ging ein gewaltiges Zwacken, Kneifen, Spannen und Beißen durch die Vorderseite der Frauen in Peridëis und ihnen wuchsen Brüste, dass sie ächzten, ein jedes Paar anders - mal größer, mal kleiner - mal rund, mal oval - mal nach vorne, mal zur Seite, mal nach unten zeigend - und allesamt hübsch anzusehen.
Aua!, sagten die Frauen, dies tut weh. Aber gleichzeitig tuschelten sie, dass es ruhig noch etwas mehr hätte sein können, denn die Brüste gefielen ihnen wohl. Habt etwas Geduld, sagte der HErr, und seid nicht so undankbar. Und er fand, dass es gut so war. Und er bestimmte: Die Frauen sollten ihre Brüste aber fortan als Schmuck und ihm zur Ehre entblößt tragen, wie man sein Licht nicht unter den Scheffel stellt, und es wäre außerdem unanständig, sie zu verstecken, weil die entblößten Brüste der Feen überhaupt erst die entscheidende Idee gegeben und ihn inspiriert hatten [8]. Und weiter sagte er, in die Männer setze ich eine tiefe Verehrung der Brüste ihrer Frauen, damit sie diese ebenso beachten und verehren wie ich selbst.
Und wie die Brüste der Frauen gewachsen waren, da geschah noch etwas: So man daran nur drückte, zerrte, zog oder sog, gaben die Brüste einen wohlschmeckenden Tropfen von weißer Farbe. Und nun aber, sagte der HErr, das ist das Wichtigste, sollen alle Frauen in Peridëis stets solche weißen Tropfen in ihren Brüsten tragen, welche die Feen Milch genannt haben. Denn diese wohlschmeckenden Tropfen von weißer Farbe haben einen tieferen Sinn...
Hilfe, unterbrachen die Feen sein Sprechen, uns allen quellen ebenfalls lauter Tropfen vorne aus den Brüsten und ein Zwicken, Beißen, Drücken und Wachsen fühlen wir auch. Und siehe: Aus den Tüttelchen entsprang bei der einen ein Tröpfchen, bei der anderen ein Quell, bei der nächsten ein Bächlein und bei noch einer anderen gar ein ganzer Springbrunnen.
Der HErr, der sich an dem Anblick erfreute, wunderte sich. Nanu, fragte er, gefällt euch das nicht?
Doch schon, erwiderten die Feen, aber hier sind doch nur zwei Kinder, wofür soll die viele Milch bei uns allen gut sein?
Zum vielseitigen Gebrauch, sagte der HErr, schließlich habe ich nachgedacht. Einen kleinen Teil nehmen wir für die Kinder, mit noch einem Teil tut, was ihr wollt, das meiste aber soll für die Männer sein, und jetzt hört gut zu: Da ihr Schutz gefordert habt, soll also folgendes geschehen: Fortan soll es in Peridëis jedem schlecht ergehen, der nicht genügend einer ganz besonderen Lebensessenz in sich hat. Und ihr Frauen aber sollt diese Lebensessenz im Übermaß selbst erzeugen können, so viel, dass sie euch überfließt, vor allem aber aus den Brüsten. Die Männer jedoch sollen nur einen geringsten Teil selbst erzeugen können, genug für wenige Tage, aber nicht mehr - den größten Teil müssen sie aber von euch Frauen bekommen.
Und da euren Verfolgern der Sinn vor allem danach zu stehen scheint, ihre Lebensessenz zu vergießen, wird genau dies sie daran hindern, ihre Schlange zu diesem Zweck tief in euren Schoß zu versenken. Und vergesst nicht, dass die Schlangen der Männer die Lebensessenz gewollt im Wachen, aber auch ungewollt beim Schlafen verlieren. Bekommen die Männer nun neue Lebensessenz von euch Frauen, soll alles gut für sie sein, bekommen sie diese nicht, soll es schlecht für sie sein [9]. Und da auch des Tags (vor allem des Abends) kaum ein Mann seine Lebensessenz für sich behalten kann, wird fortan kaum ein Mann in Peridëis länger als eine Woche lang leben können, ohne solche von den Brüsten gemachten weißen Tropfen, welche ihr Milch genannt habt, in sich aufgenommen zu haben. Und hat er es nach dem Verlust seiner Lebensessenz unterlassen, solche von den Brüsten gemachten weißen Tropfen, welche ihr Milch genannt habt, in sich aufzunehmen, so soll es schon nach wenigen Tagen um seinen Verstand geschehen sein, soll er zum Tier verkümmern und im Wald nur noch fürs Essen leben und seinen Geschlechtstrieb nachgehen, der umso stärker sein soll (auch das Werkzeug dazu), damit er in diesem Zustand bleibt, bis er von einer Frau wieder daraus erlöst wird, so sie ihm von ihrer Milch geben will.
Und das war übrigens scharf gedacht, verliert doch sogar der keuscheste Mann im Schlaf, wenn sein Wille gänzlich umnachtet ist, zumindest ein kleines Quantum von seiner Essenz, woran am Morgen nur noch ein kleiner Fleck erinnern mag.
Damit, so wandte der HErr sich an die Feen, würden eure Verfolger von euch ablassen, ohne es aber zu merken. Denn Verstand bräuchte man zu eurer Verfolgung, aber der starke Trieb hält ihn aus eigennützigen kurzsichtigen Gründen in diesem Zustand, wie der Säufer nicht mit dem Saufen aufhören will und sich im Rausche wohl befindet.
Und war sehr stolz auf seine Idee.
Die eine Hälfte der Feen lachte, die andere Hälfte aber fragte, sag, warum willst du eine Möglichkeit lassen, sie zu erlösen?
Nun, sagte der HErr, mir fiel eben ein, wenn ich es recht bedenke, bin ich auch ein Mann, und eine Hälfte der Leute in Peridëis ebenso ... also wollen wir die Sache mal nicht ganz so einseitig betreiben.
Und der HErr dachte noch einmal nach: Um es nicht allzu ungerecht zu machen ...
Die Feen holten erschrocken Luft.
... Um es nicht allzu ungerecht zu machen, sollt ihr aber auch euren Teil zum Ausgleich haben. Es genügt wohl, glaube ich, wenn euch Frauen die Röcke gehörig jucken ...
Aber doch nicht so gewaltig, schrien die Feen erschrocken auf, wir zerfließen ja!
... und jene gefallenen Männer sollen über ein passend großes Werkzeug verfügen, um dem abzuhelfen. Aber gut, fügte der HErr hinzu, also etwas weniger ...
Die Feen atmeten auf.
... und nicht nur die Röcke. Die gewissen Wünsche sollen sich auch auf andere Teile des Leibs verteilen, vor allem an den Tüttelchen wäre es recht zweckdienlich, doch nicht nur.
Seitdem also wachsen den Satyr genannten gefallenen Männern gewaltige Werkzeuge, aber die Frauen können an den verschiedensten Stellen große Freude empfinden, ganz besonders auch an den Tüttelchen, und es bekam einen tieferen Sinn, was zuvor reiner Spaß und Zeitvertreib gewesen war, und Männer und Frauen sehnten nach einander, weil sie sich gegenseitig brauchten. Und der körperlichen Macht der Männer war zum Ausgleich eine ebenso körperliche Macht der Frauen beigegeben worden, die selbst jene leicht nutzen konnten, welche nicht in festen oder weniger festen Paaren zusammenlebten. Denn die Männer konnten die Macht ihrer Arme wohlfeil anbieten und die Frauen die Macht ihrer Brüste. Alles andere ergab sich von selbst, denn die Leute waren auch damals schon keine gefühllosen Holzklötze und war einer Frau die Brust zeitweilig vertrocknet, dann fanden sich gewiss Männer, die ihr Hilfe umsonst anboten und war ein Mann zeitweilig schwach, dann fanden sich gewiss Frauen, die ihm ohne Gegenleistung von ihrer Milch gaben. Und für den Rest sorgte Peridëis, das ja alles zum Leben im Überfluss bot.
Nur ein einziges Mal kam eine der Feen aufgeregt in wüstem Zustand und als die anderen fragten, was ihr widerfahren wäre, da antwortete sie, einer der gewissen Männer, ein Satyr, bar jeden Verstandes und in rasender Wollust, hätte sie im Wald angefallen, mit seinem animalischen Geruch völlig betäubt und sie, die sie gänzlich willenlos gewesen, von innen nach außen derart durchgerüttelt, dass sie nicht nur innen halbwund, außen zerkratzt und verdreckt, Kraft für drei Wochen im Voraus verloren und vor allem aber ihr Kleiderzeug, so noch vorhanden, alles wegwerfen könne. Und wie er sonst noch so war, fragten die anderen Feen darauf mit sachlichem Interesse. Er hat einen Penis wie ein Hengst, aber von größerem Durchmesser, empörte sich die gefallenen Fee. Da erkundigten sich einige Feen nach dem genauen Ort, denn sie hatten, wie sie verkündeten, vor, aus gesundheitlichen Gründen des Öfteren einen Waldspaziergang zu machen und da müsse man ja wissen, wo man hingehen könne. Auch erwogen einige der Feen, ob der Wald nicht ein guter Ort zum Wohnen wäre und auch da müsse man wissen, welcher Ort zu empfehlen wäre und welcher nicht.
Aber wir schweifen wieder ab. Fortan jedenfalls sollte in Peridëis nie mehr ein Mann ohne Hilfe einer Frau leben können. Und die Feen waren es zufrieden und so geschah es. Und jene Männer, denen die Gunst der Frauen entzogen worden war und die auf die Stufe der Tiere gefallen waren, nannte man die Satyrn.
Und die Feen nahmen ihre Brüste zum Symbol ihrer neuen Macht und zugleich Lust und wie alle anderen Frauen in Peridëis ließen sie diese als Schmuckstücke frei von jeder Kleidung und bar. Und die eine hatte größere Schmuckstücke, die andere kleinere, die eine Zitronen, die anderen volle Mangos, die eine war hochbrüstig, die andere gesenkt, eine jede anders und alle hübsch anzusehen. Und da die Quellen nun einmal sprudelten, fanden sich auch diese und jene praktischen Verwendungen, die bis dahin noch nicht in Betracht gekommen waren und sich als nützlich erwiesen.
Aber eine der Feen, die den Namen Aschara trug, hatte den HErrn besonders ins Herz geschlossen und sich erbeten, ganz alleine die Ehre zu haben, ihn mit ihrer eigenen Milch zu versorgen, hatte er doch anfangs vergessen, dass er selber ein Mann war und ebenso die Milch benötigen würde. So kann’s kommen und deshalb muss man immer daran denken, dass ein Stein, den man wirft, auch wieder auf einen zurückgeworfen werden kann. Aber Aschara umsorgte ihn wohl.
So waren etwaige Feinde männlichen Geschlechts also gezähmt, für Adam und Eva aber suchte der HErr selbst eine hübsche Stelle im Diesseits aus. Sie lag abgelegen mitten in der Wüste, aber wo eine gute Wasserstelle war und reichlich Pflanzen wuchsen und Tiere waren, sodass für genügend Nahrung und eine angenehme Umgebung gesorgt war. Einen geheimen Übergang vom Diesseits nach Peridëis gab es dort auch, denn der HErr selbst hatte diesen Übergang vor Zeiten geschaffen, weil dieser Ort ihm so gefiel.
So wuchsen Adam und Eva von den Feen behütet im Diesseits ganz nahe eines Übergangs auf, aber der Grund, warum sie die meiste Zeit über im Diesseits leben sollten, war, dass man sich in Peridëis nun einmal nicht verändert, sie aber hatten zu wachsen und sich zu entwickeln. Der HErr selbst schaute ab und zu nach dem Rechten und sah, dass alles zum Besten stand und stets war eine der Feen in ihrer Nähe zum Schutz und zu ihrer Erziehung. Es war ja auch nicht weiter schwierig, zu Adam und Eva ins Diesseits hinauszugelangen oder für Adam und Eva, aus dem Diesseits herein nach Peridëis zu kommen, denn nur zwei geheime Gänge in der Erde und zwei Höhlen trennten beides voneinander und man hatte gar nicht viel zu laufen.
Eines Tages war die Zeit herangekommen, wo Eva oben Brüste und unten wie unter den Achseln Haare zu sprießen begannen, und da nahm der HErr die beiden noch einmal beiseite und erhob erst gegen Eva sein Wort: Sag Eva, sind die Früchte, die oben an dir gesprossen, schon mit Saft gefüllt und reif, sobald du uns aus eurer Wüstenoase im Diesseits kommend hier in Peridëis besuchst?
Sie sind gefüllt und reif, oh HErr.
Und lässt jene Pflaume zwischen deinen Beinen bereits spüren, dass sie befasst und geteilt werden will?
Sie lässt mir, oh HErr, keine Ruhe.
Da fragte der HErr, an Adam gewandt, Und du Adam, wacht deine Schlange bereits auf und drängt nach Spiel und Leerung?
Ab und zu, oh HErr, aber ich verstehe das Spiel wohl noch nicht, denn ich weiß nichts von Leerung.
Nun, sagte da der HErr, also ist für die Schlange noch ein wenig Zeit, doch steht dir die Lust nach mehr als Spiel, wenn du Eva siehst?
Oh ja, HErr, meinte Adam, ich träume immer von ihr und dass ich sie küssen will und ihre Früchte befühlen.
Wohlan, sagte der HErr, so begreift beide, dass ihr nun keine Kinder mehr seid, du, Adam, gerade erst jetzt und du, Eva, schon etwas länger. Adam wird von jetzt an von den Feen stets einen Becher Feenmilch erhalten, sobald ihr in Peridëis eintretet, es ist höchste Zeit, denn ohne die Milch würde es ihm dort in Kürze übel ergehen.
Aber hört meine Warnung: Von den eigenen Früchten darf jeder von euch essen, soviel er will. Von den eigenen! Doch kostet noch nicht die Früchte des anderen.
Und er ging von dannen.
So verging die Zeit.
Allmählich war Adam männlicher geworden, was einige der Feen mit seltsamer Unruhe füllte, seine Schlange war kräftig geworden und umkränzt von mehr als nur Flaum. Und wenn er ihr genug Aufmerksamkeit widmete, belohne sie ihn mit einer wunderbaren Wallung und einem herausspritzenden Schwall, der ganz anders aussah, als was sonst beim Wasserlassen kam, und auch einen anderen interessanten Duft hatte.
Eva war das nicht verborgen geblieben und eines Tages nahm sie Adam an der Hand und sagte, komm, ich zeige dir einen interessanten Ort, an dem du noch nie gewesen bist.
Und sie liefen etwas, und noch etwas, und kamen zu einem Ort, der hübsch war, aber an dem Adam sonst nichts Besonderes fand.
Was ist hier Besonderes, fragte Adam.
Hier kann uns niemand sehen, das ist das Besondere, sagte Eva, und ihre Stimme klang etwas anders als sonst. Sie stand direkt vor Adam und sah ihn mit so seltsamen Augen an, dass ihm ganz sonderbar wurde.
Beide standen regungslos.
Da führte Eva Adams Hände an ihre Brüste und neigte sich zu ihm hin und küsste ihn vorsichtig auf seine Lippen.
Adams Atem ging schneller, Blut schoss in seine Schlange und diese richtete sich steil auf.
Eva schaute wie gebannt auf Adams Schlange, Machst du das absichtlich?, fragte sie leise und auch etwas heiser.
Nein, war die Antwort von Adam, sie macht das ganz von alleine. Und auch wenn ich wollte, ich könnte nichts dagegen tun, aber ich will auch gar nichts dagegen tun, es fühlt sich sehr schön an.
Eva zog Adam an sich und beiden entwich bei der gegenseitigen Berührung vor tiefer Erfüllung ein lauter Seufzer der Wollust. Jetzt war es Adam, der Eva festhielt, und seine Schlange drängte dabei an Evas Schoß und ihre Brüste drückten sich an seinen Leib und er begann, an den Spitzen ihrer Brüste zu spielen und sie küsste ihn erneut, hielt dabei aber seinen Nacken fest, damit sein Mund nicht entfleuche, öffnete ihre Lippen und fuhr mit ihrer Zunge in seinen Mund hinein. Und wenig darauf wagte er es bei ihr. Und ihre Zungen erkundeten einander, spielten miteinander und es war eine große Lust.
Jetzt schob Eva Adam wieder ein klein wenig von sich, um seinen Körper erneut beschauen zu können, und berührte vorsichtig Adams prall aufgerichtete Schlange, die nicht nur groß war, sondern inzwischen auch einen beträchtlichen Durchmesser aufzuweisen hatte.
Koste von meinen Früchten, verlangte sie und fuhr mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand an ihre linke Brust und wies mit der Brust in Richtung seines Mundes. Es ist höchste Zeit, dass du sie kostest. Sie drückte Daumen und Zeigefinger an ihrer Brustwarze zusammen, noch einmal und noch einmal.
Was ist, fragte Adam?
Eva zerrte an ihrer Brust und schaute verwundert. - Ich habe hier draußen im Diesseits viel weniger Milch als in Peridëis, sieh!, nur ein einziges Tröpflein, ich verstehe das nicht, warum?
Vielleicht hast du mehr, wenn wir wieder dort sind...
Vielleicht, murmelte Eva, wahrscheinlich sogar, ich habe beim letzten Mal gar nicht darauf geachtet, aber als ich dort war, hat die Brust ziemlich gedrückt gehabt.
Bist du enttäuscht?
Ja ... nein!
Eva lächelte wieder - ich habe nämlich noch mehr, reich mir deine Hand.
Adam reichte ihr seine Hand, Eva ergriff diese und führte sie zwischen ihre Beine.
Aber deine Pflaume ist ja ganz nass und rutschig! Was hast du gemacht?
An das gedacht, was ich schon lange mit dir tun wollte. Komm, mach schnell.
Eva setzte sich ihm zugewandt auf den Boden, legte sich zurück und spreizte ihre Beine. Adam erhielt einen Blick auf ihre nassglänzende geschwollene Pflaume, die sich weit vor ihm geöffnet hatte, umrahmt von ihren Schamhaaren.
Hier an dieser Stelle reibe ich immer mit meinem Finger, zeigte ihm Eva, und hier, schau, weiter in der Mitte, da ist ein großes Loch, das tief in mich hineingeht. Komm, mich drängt es, dass du deine Schlange da dran drückst!
Adam kniete sich aufgeregt zwischen Evas geöffnete Schenkel und führte seine Schlange an ihre schlüpfrige Pflaume. Und wie er so über Eva kniete, wallte ein Schwall betörender Düfte aus ihrem Schoß in seine Nase und er sog sie begierig ein. Eine Woge wunderschöner Gefühle wallte durch ihn hindurch, betäubte förmlich seinen Verstand und nahm restlos Besitz von ihm. Eva nahm im seine Schlange aus der Hand und zog sie selbst, von eigener Hand geführt, durch das Fruchtfleisch ihrer geöffneten Pflaume, vibrierte damit am Ende der Frucht, die zu ihrem Bauchnabel hin zeigte, zog ihn erneut durch die nasse Frucht, und Adam spürte, wie seine Schlange in eine Öffnung rutschte und sanft und warm umschlossen wurde. Da reagierte etwas in Adam, das nichts mit Willen zu tun hatte und er stieß kräftig zu. Seine Schlange wurde kräftig in der Tiefe von Evas Frucht umschlossen, umarmt, gelutscht, gekost und eine Welle nie erlebten Glücks durchschoss Adam, der längst alle Reste seines Verstands verloren hatte.
Und ebenso Eva, die während des Stoßes ein Aufreißen gespürt und vor Schmerz aufgeschrien hatte, aber Momente später nur noch Lust spürte, ihr Ausgefülltsein; sein drängendes Stoßen, seine Wonne, Wellen fluteten über sie, und die Schmerzen an der Öffnung ihrer Pflaume mischten sich auf seltsame Weise zu einem Hochgefühl, das mehr und mehr anschwoll, sie bitten ließ, dass Adam nur ja nicht aufhören solle und ja nichts ändern möge, und so kam sie endlich über die Schwelle, die sie zu einem kreischenden, schüttelnden, pulsenden Höhepunkt führte.
Sie bemerkte, dass Adam innehielt.
Weiter, flüsterte sei, nicht aufhören, nur langsamer werden...
Sie leitete ihn langsam zu dem, was sie wollte, bis die Wellen in ihr verklungen waren.
Beide lagen nebeneinander; sie hatte ein Bein um ihn geschlungen und drückte ihre entspannte, aber immer noch nasse Pflaume gegen seinen Oberschenkel.
Bist du gar nicht zu der überschäumenden Wallung gekommen?, fragte sie ihn.
Ich wollte immer höher, vor allem, als sich deine Pflaume so stark um meine Schlange zusammengezogen hatte, aber irgendwie habe ich es nicht geschafft.
Schaffst du es, wenn du es mit deiner Hand versuchst?
Ja, normalerweise schon.
Komm, mach es doch mit der Hand, ich streichle und küsse dich dabei.
Adam lag auf dem Rücken und seine rechte Hand vibrierte an seiner Vorhaut. Eva schaute eine Weile gebannt zu, fühlte sich dann aber dazu hingezogen, seine Achselhöhle zu lecken, während ihre rechte Hand an einer seiner Brustwarzen spielte. Sein Atem wurde schneller. Eva richtete ihren Kopf wieder auf.
Ich schau auf deine Schlange, flüsterte sie, sie ist wunderschön, so kräftig, so unglaublich gewaltig, und sie ist tief eingedrungen in mich, und der Schmerz davon war pure Lust.
Adams Atem wurde schon nach kurzer Zeit schneller und seine Vibrationen an der Schlange wurden ruckartiger, sein Atem wurde rhythmisch, er begann, laut aufzustöhnen, Eva schaute gebannt auf seine Schlange, und da: Ein lauter Schrei, ein Aufbäumen und aus Adams Schlange spritzte in einem weiten Bogen eine weiße Flüssigkeit bis auf seine Brust und Evas Handrücken, noch einmal, und noch einmal etwas weniger kräftig.
Adam fiel zurück, atmete laut tief durch, keuchte und seine Hand wurde allmählich langsamer. Noch ein allerletzter Schwall quoll aus seiner Schlange und suchte sich einen Weg über seine Hand, welche die Schlange nur noch langsam, sehr langsam streichelte, bis sie schließlich ganz innehielt und endlich zur Ruhe kam.
Eva wagte lange kaum zu atmen, doch dann zog sie vorsichtig ihre Hand zurück, die ja ihren Teil abbekommen hatte, und roch an dem, was auf ihre Hand gespritzt war. Es duftete seltsam erregend. Sie führte den Handrücken zur Zunge und kostete. Es schmeckte leicht salzig. Sehr eigenartig. Faszinierend. Sie verteilte seine ausgespritzte Flüssigkeit mit ihrer Hand spielerisch auf seinem Bauch und seiner Brust, bis er schließlich wieder zu sich kam.
Und, schön?
Wunderschön.
So lagen sich beide in den Armen, bis Adam schließlich von Eva hochgezogen wurde: Komm, lass uns zurückgehen, bevor es jemand merkt.
Und so gingen sie wieder zurück. Und da niemand etwas bemerkt hatte, taten sie es nach einigen Tagen wieder und wieder und nochmals. Und Adam lernte nach kurzer Zeit, seine Schlange auch in Evas Schoß zum Spritzen zu bringen und beide hatten großes Vergnügen daran.
Und so verging wieder einige Zeit.
Doch eines Tages sagte Adam zu Eva: Deine Brüste sind hübsch geworden, so schwer und voll, und deine Zitzen sind dunkler und erhabener als früher.
Doch Eva freute sich nicht wie erwartet, sondern setzte hinzu: Und mein Bauch beginnt sich zu wölben, hast du es nicht bemerkt?
Jetzt bemerkte es auch Adam.
Was hat das zu bedeuten?, fragte Eva, hat das mit dem Verbot zu tun, nicht von den Früchten des Anderen zu kosten, und jetzt kommt alles heraus?
Und Adam setzte hinzu: Und gibt es auch etwas an mir, dass alles verrät? Die Schlange, die sich immer aufrichtet, wenn du dich mir näherst und ich sofort an dein schlüpfriges Loch denken muss?
Und da sie es nicht besser wussten, so beschlossen sie, sich zu bedecken, damit es niemand bemerken könne, Adam seine Schlange und Eva Schoß, Bauch und Brüste. Da sie aber anders als die Feen und der HErr gar nichts anzuziehen hatten, nahmen sich von den Bäumen, was sie zum Bedecken brauchten.
Um es kurz zu machen: Die erste Fee, die in der schönen Natur lustwandelte, fragte, wie kommt es, dass ihr eure Körper versteckt? Habt ihr etwas zu verbergen?
Und da kam alles heraus. Und man musste Adam und Eva erst einmal erklären, dass Eva ein Kindlein in ihrem Bauch trüge und wie es dort hineingekommen wäre. Und den HErrn reute es, Adam und Eva nicht erklärt zu haben, warum ihnen verboten worden war, von den Früchten des anderen zu kosten, sondern nur von den eigenen, und in ihm wuchs die Erkenntnis, dass eine lange Leine besser sei als eine gerissene und dass das Verbot ganz und gar sinnlos gewesen, wo Adam und Eva in Peridëis doch von ihren Früchten nach Belieben hätten kosten und sich daran erfreuen können, nur nicht draußen im Diesseits, denn Peridëis schafft kein neues Leben und was da lebt, das bleibt wie es ist. Aber draußen im Diesseits, da entsteht neues Leben und entwickelt sich Leben. Freilich um den Preis, dass es auch den Tod gibt. Aber wo Leben entsteht, da Leben vergeht, so ist es nun einmal.
Doch nun war es geschehen und so mussten Adam und Eva durch den Fehler des HErrn weiter im Diesseits leben, damit sich das Leben in Eva entwickeln konnte. Sie musste unter Schmerzen im Diesseits gebären und Adam musste durch seiner Hände Arbeit für Nahrung sorgen, denn im Diesseits wuchs das Essen nun einmal nicht von selbst in den Mund, wie das in Peridëis geradezu das Gewöhnlichste war.
Doch Adam und Eva waren guter Dinge, kannten sie das Diesseits doch gut, waren sie hier zu Hause und würde ihnen doch endlich erlaubt werden, eins zu sein, wann immer sie wollten und so oft sie wollten. Und würde ihnen doch erlaubt sein, zu bauen, zu schaffen, zu gestalten und Familie zu werden. Und beide freuten sich darauf, Familie zu werden und Familie zu sein. So beriet man also, stritt, verhandelte und schlichtete, bis man sich einig war und Adam und Eva erhielten die Erlaubnis, im Diesseits ein Paar und eine Familie zu sein, die für sich selber sorgte. Was nicht hieß, dass die Feen und der HErr sie nicht besuchten oder umgekehrt. Nein, das nicht. Ganz im Gegenteil, denn die Feen nahmen regen Anteil an der Entwicklung des Kindleins in Evas Bauch, waren auch alle da, als es endlich geboren wurde und halfen später, wo sie nur konnten.
Adam und Eva wie ihre Nachkommen blieben im Diesseits, auch später, und selbst ihre Kindeskinder verehrten die Feen noch lange wegen ihrer Fürsorge und Zuwendung. Erst viel später, sehr viel später, gerieten die Feen im Diesseits nach und nach in Vergessenheit. Doch damals baute man ihnen Tempel und brachte ihnen Opfer. Und noch heute findet man im Staub der Wüste und im Geröll längst vergangener Stätten Skulpturen und Abbildungen einer Frau, die ihre Brüste mit ihren Händen zum Geben anhebt und ihr weit geöffnetes Loch zum Nehmen geöffnet hat [10].
So im Diesseits. In Peridëis aber empfahl der HErr den Feen (außer Aschara) jene von ihm selbst in Peridëis geschaffenen Männer zum Genusse. Doch waren die anderen Feen etwas neidisch auf Aschara. Zwar waren die vom HErrn selbst geschaffenen Männer nicht schlecht im Dienst an den Feen, hatte der HErr selbst ichnen doch diese und jene Vorlieben eingepflanzt, die für stete Abwechslung sorgten, aber der HErr hatte verkannt, dass Frauen neben Art, Größe und Tüchtigkeit der Schlange sehr darauf achten, wer der Eigentümer derselben ist, und die größte Befriedigung mag am ehesten eine Schlange verschaffen, die zwischen den Beinen eines mächtigen Mannes befestigt ist, selbst wenn sie an Lebhaftigkeit und Mächtigkeit etwas zu wünschen übrig lässt.
Danke, sagte der HErr, als ihm die anderen elf Feen dies eröffneten. Aber seht ein, dass ich zwar ohne Zweifel ein mächtiger Mann bin, aber zwölf Feen ohne Zweifel eine gewisse Herausforderung darstellen, vor allem im Verlaufe der Jahre.
Die Feen sahen es nicht ein. Verstehe einer die Frauen.
So verging wieder etliche Zeit und der HErr hatte Freude daran, Peridëis noch schöner und interessanter zu machen und wunderbare Dinge sollen darunter sein, und er dachte sich immer neue Landschaften aus, und darin neue Sitten und er vergaß nicht, zwischen den neuen Landschaften verwunderliche Überraschungen zu schaffen, auch sinnliche jeder Art, doch eines Tages sagte der HErr, ich bin müde und will mich ausruhen und meine Lieblingsfee Aschara will mit mir gehen. Wir werden uns also einen besonderen geheimen Ort suchen und uns dort zum Schlaf niederlegen.
Da waren die anderen elf Feen sehr erschrocken. Was machen wir, wenn du nicht mehr da bist? Und verstehen wir doch auch nicht wie du, wie man diese Welt lenkt und in Peridëis für die rechte Ordnung sorgt.
Da sagte der HErr: Nun, so sollt ihr elf Feen erfahren, wo dieser geheime Ort ist. Und falls ihr in ernste Schwierigkeiten geratet, in ernste sage ich, dann dürft ihr mich wecken und ich werde kommen mit Aschara und werde euch helfen.
Und so tat der HErr jeder einzelnen der elf Feen noch je eine Freude und schließlich verschwand der HErr zusammen mit seiner Lieblingsfee Aschara und die übrigen elf Feen kümmerten sich allein um das Land der goldenen Kugel, das sich nun Peridëis nannte, das Land der Feen. Der Legende nach schlafen der HErr und seine Lieblingsfee Aschara eng umschlungen irgendwo in einem großen Berg auf einer Insel. Dies ist das bestgehütetste Geheimnis der elf Feen.
Doch selbst wie man vom Diesseits in das sagenhafte Peridëis gelangt, wo man ewig lebt und ewiges Vergnügen hat, selbst das weiß niemand mehr. Von Zeit zu Zeit soll immer wieder einmal ein Übergang vom Diesseits nach Peridëis gefunden und als Heiligtum verehrt worden sein. Doch gerieten diese immer wieder aufs Neue in die Hände Einzelner, die allen anderen den Zutritt verwehrten. Man kennt dies ja: Gibt es etwas Begehrtes für alle, dann weckt dies Begehrlichkeiten bei Einzelnen. Erst stellt irgendjemand irgendwann fest, dass der Unterhalt für das Begehrte irgendwie aufwendig sei und man einen Obolus dafür verlangen müsse. Das läuft, abgesehen von einem stetig steigenden Obolus, eine Weile so, bis man auf die Idee kommt, dass man aus diesem oder jenem Grund nicht Jeden hinlassen könne, natürlich zum Wohle Aller und meist zum Schutze der Ausgesperrten oder weil sich das Begehrte sich irgendwie abnutzen könne. Und am Ende sind bis auf ein paar Auserwählte alle draußen und die Draußengebliebenen können sich, meist wieder gegen einen gewissen Obolus für den Aufwand, nur noch Geschichten über das Begehrte anhören. Und damit das nicht schade, variiert man die Geschichten über das Begehrte, indem man hie etwas hinzutut und dort etwas weglässt. Macht man das gut, dann wird das Volk auch lechzend satt und der Auserwählte merkt, dass ein uneingelöstes Versprechen mehr Macht bringt, als ein eingelöstes.
Denn merke: Wasser verkauft sich besser in der Wüste, als neben der Quelle, und ein heimlich zugeschütteter Brunnen erhöht nicht nur den Gewinn, sondern auch die eigene Wichtigkeit. Mag der Durstende doch weit laufen, will er nicht kaufen. Und werden es zu viele, die klagen, kann man sie ja immer noch erschlagen.
Wie auch immer.
Jedenfalls gerieten alle bekannten Übergänge zur wundersamen Welt von Peridëis mit der Zeit in Vergessenheit.
Aber man erzählt, dass es nach wie vor Menschen gibt, die von Übergängen wissen und diese hüten.
So erzählt man.
Alischa
Alischa legte das Büchlein beiseite. Ganz hinten hatte noch ein zusammengefalteter Zettel dringesteckt. Alischa nahm den Zettel und faltete ihn auseinander:Mentelin-Bibel 1466
Züricher Bibel 1868
18. Dein Brunnen sei gesegnet;
freu dich der Frau deiner Jugendtage,
19. der lieblichen Gazelle,
der anmutigen Gämse!
Ihre Liebkosung mache dich immerfort trunken,
an ihrer Liebe berausch dich immer wieder!
kathol. Einheitsübersetzung 1980
18. Dein Born sei gesegnet,
und freue dich der Frau deiner Jugend.
19. Sie ist lieblich wie eine Gazelle
und holdselig wie ein Reh.
Laß dich von ihrer Anmut allezeit sättigen
und ergotze dich allewege an ihrer Liebe.
Luther 1975
Die Paradiesgeschichte mit Adam und Eva war auch in der DDR wenigstens in groben Zügen bekannt - und Alischa sowieso, die ein Leben im Dreieck staatlicher Erziehungsversuche, kirchlicher Konfirmation und eigener Sinnlichkeit führte. Die Geschichte in diesem Büchlein wich auf interessante Weise vom Original ab. Ganz rätselhaft wurde die Sache aber mit den verschiedenen Bibelübersetzungen auf dem Zettel, wo tränkende und sättigende Brüste später zu Liebkosungen und Anmut verändert worden waren. Darüber hinaus hatte das Büchlein aber eine weitere Wirkung: Alischa hatte nämlich das erste Mal in ihrem Leben eine Geschichte mit detaillierter Beschreibung von Intimitäten gelesen und entsprechend war die Wirkung auf sie. Alischa hätte durchaus gerne mehr von dem ausgelebt, was der Schoß ihr an diffusen Fantasien eingab. Doch was und mit wem und wo und wie? Ein Freund war momentan nicht in Sicht und an fantasievolle Geschehnisse darüber hinaus war erst recht nicht zu denken. - So eine geheime Tür müsste man haben, die einen in das Paradies, dieser Geschichte führt... Irgendwo unten im Haus hinter einer geheimen Kellertür versteckt. Man liefe durch eine Wand hindurch und, Wufffff!, ist man in der anderen Welt, mit ewig gutem Wetter, schön warm, nicht so grau wie hier, sondern bunt, voller Abenteuer, und mit Satyrn und frei von faulen Moralvorschriften, die das Leben ohne erkennbaren Sinn grau machen. Beim Tanzen gibt es keine leeren Tanzflächen und keine Körbe, und interessante Männer tun beim Tanzen ohne Hemmungen interessante Dinge mit den Frauen. Die Tänzer um einen herum sind allesamt halbnackt, heruntergefallene Jacken, Hemden, Hosen und Röcke werden achtlos mit dem Fuß beiseitegeschoben, während Hände am Körper des anderen herumspielen, sich Körper aneinander schmiegen, sich die Wollustzeiger der Männer steil aufrichten und in die Schöße der Frauen drücken. Und das Publikum rings um die Tanzenden jubelt den Tänzern zu und...
...Alischa! Du träumst!
Alischa riss sich heraus. Sie saß immer noch an ihrem Schreibtisch, vor sich auf dem Tisch die letzte Seite des Büchleins und vor sich hinterm Fenster der Prenzlauer Berg mit seinen alten Häusern, von denen der Putz abbröckelte, und der Kastanienbaum vor ihrem Fenster.
Da war noch die Konzertkarte. Ein Blick darauf belehrte sie, dass sie sich auf den Weg machen sollte, wenn sie das Konzert nicht verpassen wollte. Es war eine Bach-Kantate, eine ihr unbekannte, aber das musste nichts heißen. War ihr heute nach Klassik? Ach was! Sie würde auf jeden Fall hingehen und ihr fiel heute sowieso die Bude auf den Kopf; ein Konzert würde ihr guttun.
Das Konzert fand in einer der öderen Gegenden Ostberlins statt - in einer maroden Kirche mit zugenagelten Fenstern, deren wilhelminische Stilmischung Alischa nicht sehr zusagte. Aber innen war die Kirche sehr ansehnlich; weiße Wände mit Backsteinumrahmung. Etwas Sorgfalt und Farbe, und sie würde durchaus wieder etwas hermachen. Mit Alischa saßen knapp 100 Konzertbesucher in der Kirche.
Der Beginn war eine Überraschung. Es wurde kein Konzert angekündigt, sondern eine Probe mit geladenen Gästen für eine Schallplattenaufnahme, und das ließ auf gute Musiker hoffen. Doch dann verschlug es Alischa die Sprache, denn es waren Künstler, die im Normalfall Säle füllten. Alischa schmolz beim Konzert dahin, zumal die Akustik dieser zugenagelten Kirche einzigartig war. Es war eine weltliche Komposition von Bach, die zu Alischas Verblüffung dem Weihnachtsoratorium sehr ähnelte. Aber hier ging es darum, dass die Götter Herkules auf den Pfad der rechten Tugend bringen wollten. Alischa ergriff nicht Partei für die Tugend, wie das Stück es nahelegte (oder doch nicht?), sondern für die verführerische Wollust, die Herkules gekonnt umgarnte. »Schmecke die Lust / der lüsternen Brust / Und erkenne keine Schranken.« lockte diese. Alischa kam eine Erinnerung. Die Mahnungen der Tugend klangen fad dagegen. Fast schien es Alischa grotesk, dass Herkules am Ende des Musikstücks die Tugend statt die Wollust wählen sollte, hatte die Tugend doch nach Müh und Fleiß nichts zu bieten, als den rechten Weg und Ruhm und Glanz, aber sonst keinen Lohn.
Typisch, dachte Alischa. Pathos ist meist dann zu hören, wenn man eine heiße Kartoffel für jemanden aus dem Feuer holen soll, der sie hinterher wegschmeißt oder selber frisst, während man mit einem preisgünstigen Orden an der Brust, aber knurrendem Bauch, zugucken soll. Und im eben gehörten Musikstück stand das saftige Locken der Wollust in einem seltsamen Widerspruch zur vordergründigen Moral des Stücks. Vor allem kein Wort davon, dass Wollust auch Tugend sein kann und Tugend mit Wollust geschehen.
Nein!, dachte Alischa. Leidet ihr und erreicht doch nichts, ich aber lasse mein Loch nicht vertrocknen - und geht alles schief, dann habe ich bis dahin wenigstens Spaß gehabt.
Irgendwie hoffte Alischa, nach dem Konzert vom geheimen Absender des Briefs angesprochen zu werden. Aber es sprach sie niemand an, obwohl sie eine Weile wartete, während sich die Konzertbesucher zerstreuten. Auch auf dem Heimweg passierte nichts.
Als Alischa nach Hause kam, war das Büchlein verschwunden. An seiner Stelle lag eine Tafel Vollmilchschokolade. Allerbeste Vollmilchschokolade. Dazu eine Glückwunschkarte mit der gedruckten Aufschrift: »Bis bald!«. Ein Schauer durchlief Alischa. Nicht Angst. Nein. Etwas Besonders lag in der Luft.
Hauptverwaltung für Staatssicherheit
Minister für Staatssicherheit:
Genossen, diese Sache, die wir heute besprechen, unterliegt besonderer Geheimhaltung. Auch den Freunden [12] gegenüber und Parteigremien. Wir wissen in der betreffenden Sache noch nicht einmal, was los ist, und niemand darf es uns aus der Hand nehmen. Wir müssen klären, wer davon zufällig weiß und dann entscheiden. Die zu besprechende Sache widerspricht allem Bekannten und kann deshalb unsere Macht völlig in Frage stellen. Völlig! Merkt euch also: Es geht um die Machtfrage! Soviel von mir. Und jetzt wird uns der Genosse Peters Genaueres berichten.
Genosse Peters:
Wir wissen nicht, wo dieses Phänomen herkommt, über das wir sprechen werden, und auf welchen Grundlagen es beruht. Es war plötzlich da oder vielmehr wissen wir nicht, ob es nicht schon vorher da war. Also ... ich fang einfach mal an. Also... Es gibt da Reste eines alten Kellers, Feldstein, halbzerstört, da ist eine Art Tor, kann man reingehen und kommt woanders raus.
Minister für Staatssicherheit:
Es ist entsetzlich.
(Lachen)
Minister für Staatssicherheit:
Also ich bitte euch, Genossen!
Genosse Peters:
Das ist nicht zum Lachen, ich wollte ja nicht sagen, dass diese Art Tor einfach einen anderen Ausgang hat. Dahinter kommt nicht ein anderer Kellerraum, sondern er führt in eine völlig andere Welt. Da greifen die Kategorien DDR, Europa oder Erde nicht mehr, um das zu beschreiben. Es erinnert an utopische Romane. Aber Worte wie Märchen und Zauberei treffen sogar noch besser.
(Zwischenrufe, anhaltende Unruhe)
Minister für Staatssicherheit:
Ruhe! - Und du, Genosse Peters, mäßige dich etwas mit deinen Vergleichen. Wir müssen ja nicht schon hier den festen Boden des Marxismus-Leninismus verlassen.
Genosse Peters:
Nun, es ist schwer zu beschreiben. In dieser Welt, in die man da kommt, sind bestimmte physikalische Gesetze völlig auf den Kopf gestellt. Manche Dinge funktionieren dort nicht wie bei uns, und dann wieder passieren Dinge, von denen wir sagen würden, dass sie völlig unmöglich sind. Das kennt man sonst nirgendwoher ... außer von Märchen ... oder alten Sagen.
(erneute Unruhe)
Minister für Staatssicherheit:
Rede einfach weiter!
Genosse Peters:
Und die Leute dort ... also dort sind Leute ... also die Leute verhalten sich anders ... nun, sehr sexuell betont, würde ich mal formulieren. Nun könnte man die Sache ja wissenschaftlich untersuchen und dann weitersehen. Aber Punkt Eins ist, dass wir nicht die Einzigen sind, die dieses Phänomen kennen. Also dort gehen insgeheim Leute ein und aus. Was ja nicht verwunderlich ist vor allem wegen dieser sexuellen Seite. Aber Punkt Zwei ist, dass es offenbar noch mehr Zugänge als diesen einen gibt und die meisten Zugänge im nichtsozialistischen Ausland. Also man kann da sozusagen reinspazieren, auf unanständige Weise Spaß haben und im Westen wieder rausspazieren und lacht sich ins Fäustchen und das beliebig oft.
Minister für Staatssicherheit:
Genosse Peters, es ist eine Katastrophe!
Genosse Peters:
Wir müssen die Sache unbedingt aufklären. Nur ist das Problem, dass das, also diese seltsame Welt, gefährlich ist, da dort recht, nun, archaische Sitten herrschen und es außerdem sehr gefährliche unbekannte Tierarten gibt. Einige Mitarbeiter sind uns auf ungeklärte Weise verlorengegangen. Aber vor allem beeinflusst diese Welt unsere Mitarbeiter. Man weiß oft nicht mehr, ob der Genosse mit demselben Geist wieder zurückkommt, mit dem man ihn hineingeschickt hat.
Minister für Staatssicherheit:
Und das ist noch schlimmer als ein Totalverlust!
Genosse Peters:
Also diese seltsame Welt erinnert wirklich ein wenig an Märchen, lasst mich doch weiterreden ... bitte Genossen ... also ... Himmel Herrgott nochmal ... also, man kann zum Beispiel sogar kurze Strecken fliegen, mit einem Besen, muss ich ergänzen! Und das ist nur ein Beispiel.
Zwischenruf (Gen. Möller?):
Drogenrausch? Zeitweiliger Wahnsinn? Hypnose?
Genosse Peters:
Nein, das kann absolut ausgeschlossen werden. Auch Massenhypnose und dergleichen. Vorher gestellte Aufgaben, auch komplexerer Natur, werden erledigt und so weiter. Wir müssen von realen Ereignissen und einer real existierenden Umgebung ausgehen. Also ... am meisten erinnert das an orientalische Märchen, zumal die Temperaturen dort stets bei 30 Grad liegen, wie bei uns im Sommer. Aber nie drückend heiß, und kältere Wetterphasen gibt es dort gar nicht. Und die Physik stimmt nicht! Elektronische Geräte gibt es dort nicht, man kriegt nicht mal einen gewöhnlichen Stromkreis hin. Nicht mal Feinmechanik funktioniert und dorthin mitnehmen kann man auch nichts, also Fotos kann ich euch gar nicht vorlegen deshalb.
Minister für Staatssicherheit:
Entsetzlich!
Genosse Peters:
Alles was möglich ist, das sind Berichte und höchstens Handzeichnungen, die man sofort nach der Rückkehr anfertigt. Aber wegen dieser idealistischen märchenhaften Umgebung ... wenn man da einen Künstler hinschickt, ... da macht man bei einer Umgebung dieser Sorte ja den Bock zum Gärtner, der Kerl kommt doch gar nicht wieder zurück, weil er sich nicht mehr einkriegt. Und bestimmte Handlungen kommen einem regelrecht wie Zauberei vor. Diese Besenfliegerei ist ja nicht das Einzige, es gibt zum Beispiel ein Haus, das einfach so in der Luft schwebt, ohne dass man die Ursache dafür feststellen kann. Oder da hängt mitten auf einem Weg eine Lederpeitsche, die einem eine rüberzieht, wenn man nicht aufpasst. Und zwar gut gezielt direkt auf den Arsch.
Minister für Staatssicherheit:
Genosse, ich bitte darum, sachlich zu bleiben.
Genosse Peters:
Aber von der Sache her stimmt es! Und sie hört nicht auf! Ohne erkennbaren Antrieb! Ohne Energiequelle!
Zwischenruf (Gen. Ludwig):
Genosse, du hattest sexuelle Handlungen erwähnt?
Genosse Peters:
Das wäre von nachrangiger Bedeutung, wenn es nicht Leute von außen anziehen würde, obwohl immerhin diese ganze seltsame Welt davon beeinflusst ist. Unser Problem ist, dass dieser Aspekt die Leute korrumpiert. Ganz unabhängig von politischer Einstellung, Geschlecht oder Rang und Namen. Die wenigen konkreten Namen von zurückgekehrten ungenehmigten Besuchern dieser Welt, die wir bisher haben ermitteln können, lassen Entsetzliches ahnen.
Minister für Staatssicherheit:
Keine Namen bitte! Genossen, nur soviel: Von dekadenten Einzelpersonen über Pfaffen zu Polizisten, sogar Mitarbeitern der Staatssicherheit bis hin ins Zentralkomitee ist alles vertreten! Alles!
Minister für Staatssicherheit:
Ruhe! - Bitte weiter, Genosse Peters.
Genosse Peters:
Und bis vor Kurzem haben wir trotzdem nichts davon gewusst.
Minister für Staatssicherheit:
Entsetzlich!
Genosse Peters:
Um auf die Frage bezüglich der sexuellen Handlungen einzugehen. Schon in dem Moment, wenn einer unserer Mitarbeiter die entscheidende Schwelle zu dieser Welt überschritten hat, verspürt er augenblicklich eine Veränderung an sich. Es ist so, dass plötzlich ... der sexuelle Trieb als solcher eine starke Rolle spielt. Also nicht nur, dass er da ist, sondern er beeinflusst auch in Denken und Handeln. Deshalb kommt es dort auch schnell und häufig zu sexuellen Handlungen, begleitet von Perversitäten aller Art, insbesondere sadomasochistischen.
Minister für Staatssicherheit:
Sadomast ... hätte man das nicht anders nennen können? ... das ist, wenn die sich gegenseitig den Arsch versohlen und das auch noch gut finden.
Zwischenruf (nicht zuzuordnen):
Kennt ihr den? - Kniet ein Masochist vor einem Sadisten und fleht: »Quäl mich, oooooh bitte quäl mich!«. Darauf der Sadist: »Nnnnnneiiiiiiiin!«
(Lachen)
Minister für Staatssicherheit:
Ruhe! - Weiter jetzt.
Genosse Peters:
Also, Sadomasochismus... Also, das ... das könnte uns von der Sache her völlig egal sein, deren Privatding. Alles Andere ist ja viel bedeutender. Aber es hat eben einen starken Einfluss auf die Mitarbeiter, also jetzt nicht bloß spezielle Sachen, sondern allgemein die sexuelle Seite. Das führt zu einer Art Besucherverkehr. Man glaubt immer gar nicht, wie sehr die Leute das dann doch interessiert, also solche sexuellen Dinge. Diesem Aspekt müsste man in der tschekistischen Arbeit allgemein viel mehr Beachtung schenken. Aber das Wichtigste ist, dass die Besucher davon völlig korrumpiert werden. Also der Bezug dieser Besucher zu dieser Welt und untereinander übersteigt die Bindung zu anderen Dingen offenbar bei Weitem.
Minister für Staatssicherheit:
Zuhören!
Genosse Peters:
... Und so ein Pfaffe und ein langjähriger Genosse, die beide Besucher dieser Welt sind, haben mehr Loyalität untereinander, als der eine zur Kirche und der andere zur Partei. Einschließlich, dass sie nichts, aber auch gar nichts von dieser Welt verraten wollen. Diese Besucher halten diese Welt absolut geheim. Absolut.
Minister für Staatssicherheit:
Wir haben die ganze Zeit über nichts davon gewusst. Nichts!
Genosse Peters:
Warum wir nun heute hier zusammengekommen sind. Kurz und knapp gesagt: Diese Sache soll in einer eigenen Sondergruppe untersucht werden und wir brauchen dafür Spezialisten verschiedener Richtungen.
Minister für Staatssicherheit:
Diese Sondergruppe wird nach außen hin als Forschungsinstitut auftreten. Also Genossen: Ihr werdet einige gute Leute herausrücken müssen. Ich weiß, dass man das nicht gerne macht. Aber ihr müsst euch über eins klarsein: Der Marxismus-Leninismus beruht entscheidend auf dem Materialismus. Wenn der Genosse Generalsekretär eine Rede hält, und da plötzlich eine Hexe auf einem Besen angeflogen kommt und das Goldene Zeitalter verkündet, dann ist es egal, ob sie splitterfasernackt ist und eine Peitsche in der Hand hält, dann sind alleine aufgrund dieser Tatsache unsere Grundlagen gefährdet. Die weltanschaulichen Grundlagen! Die Leute fragen sich doch am Ende, warum man für den Sozialismus überhaupt noch arbeiten soll, wenn es irgendwo ein Schlaraffenland gibt, wo Feinstrumpfhosen und Westschokolade einfach so an den Bäumen wachsen!
Zwischenruf:
Genosse Minister, sollen wir das wörtlich verstehen?
Genosse Peters:
Ja, Genossen. Wörtlich.
Minister für Staatssicherheit:
Der Operative Vorgang für diese Sache hat den Namen »Peridëis«. So wird diese Welt nämlich genannt, das ist gesichert.
Genosse Peters:
Es soll »Land der Feen« bedeuten. Geschrieben wird es mit zwei Pünktchen überm zweiten »e«, weil es nicht wie »einsperren« oder »Geheimhaltung« gesprochen wird, sondern wie »Seeinsel« oder »Atheist«. Eben »e« und »i« auseinander. Vereinfacht auch ohne Pünktchen, wenn es nicht anders geht.
Minister für Staatssicherheit:
Wenn ihr also dieses Wort in einer Anforderung lest, ob nun mit oder ohne Pünktchen, oder die verschleierte Abkürzung »Objekt P«, dann sind die benötigten Mittel oder Mitarbeiter ohne Widerspruch und Nachfragen unter völliger Wahrung der Konspiration zur Verfügung zu stellen. Und die Arbeit dieses Sonderbereichs darf nicht behindert werden. Sollten sich mal Verantwortlichkeiten kreuzen, dann überlasst ihr den Mitarbeitern des Sonderbereichs »Peridëis« die Sache. Ansonsten behaltet ihr die Sache persönlich im Kopf und legt auch keinerlei eigene Aufzeichnungen an. Eventuelle Beobachtungen werden über mich persönlich an die Sondergruppe weitergeleitet, sollte was Schriftliches unvermeidlich sein, dann bitte nur eine einzige Aufzeichnung anfertigen. Keine Kopien.
So, das war’s. Die Sitzung ist beendet.
Genosse Peters:
Also »Peridëis«. Merkt euch das.
Alischa: Die Geschichte beginnt
Alischa stand in der großen Stadt Berlin vor der Großen Mauer, die Bunt und Grau voneinander schied. Zwei Straßen stießen hier rechtwinklig aufeinander und man kam ganz nahe an die Große Mauer heran, weil man diese Stelle nicht einfach hatte dichtmachen können. Zu viele Leute mussten hier vorbei und auch die Feuerwehr, die keine hundert Meter von hier ihre Wache hatte. Das Drüben war ganz nahe.
Auf Alischas Seite war alles Grau. Grau in tausenderlei Schattierungen, aber eben grau. Und hinter der Mauer war alles bunt, malte sich Alischa aus, knallbunt. Hier waren die Häuser grau, die Leute grau, der Alltag grau, alles grau. Und grauenhafte Musik. Im grauen Alltag jedenfalls.
Natürlich war das nicht so, jedenfalls nicht ganz. Es gab welche, die hatten blaue Hemden und redeten das Blaue vom Himmel herunter, andere waren ganz rot und machten viele rote Sprüche und wieder andere waren olivgrün und fingen grüne Jungs für 10 Jahre oder 25 Jahre für die Armee aus der Schule weg. Aber das war nicht bunt, jedenfalls nicht so, wie Alischa das verstand. Bunt war nicht, wenn alle das Gleiche auf die gleiche Weise machten. Auch Zuckerguss ist schließlich eine eklige Sache, wenn man nur genug davon bekommen hat.
Alischa wollte etwas anderes. Drüben auf der anderen Seite der Mauer musste es anders sein. Ganz anders. Eben bunt. Sie schaute nach schräg oben in den Himmel. Die Große Mauer vor ihr verlangte das so. Sie schaute, bis der Himmel vor ihren Augen verschwamm ... und träumte.
Plötzlich machte es »Plop« vor ihr. Alischa blinzelte. Ein kleines buntgeschecktes Männlein mit Narrenkappe und Glöckchen dran war just über die große Mauer zu ihr herübergesprungen gekommen.
Kommst du von drüben?, fragte Alischa.
Nein, ich komme von hüben, piepste das Männchen, und zwar, um dir zu sagen, dass hüben alles bunt ist, aber dunkelbunt. Also such dir gefälligst was anderes; auf Achselhaare, Hängebrüste und ungefärbtes Kopfhaar hat hier keiner gewartet. Und hüpfte, hast du nicht gesehen, wieder über die Mauer zurück.
Alischa staunte. Es ging den kleinen Kerl einen Kehricht an, was sie unterm Rock oder ihren Achseln trug, unter ihrem Hemd nicht trug oder auf ihre Haare nicht auftrug. Ich will sowieso nicht, rief sie trotzig hinterher. Und erst im Nachhinein fiel ihr auf, dass der Zwerg untenrum gar nichts anhatte und ein ziemlich beachtliches Ding in der Mitte trug.
Aber wo war sie nun, die bunte Welt, von der Alischa geträumt hatte?
Hier gibt’s nichts zu sehen, blaffte ein Uniformierter, der aus dem Nichts aufgetaucht zu sein schien. Er ließ sich von ihr die Papiere zeigen. Was Sie suchen, finden sie woanders, sagte er überraschend mit halblauter Stimme und gab ihr die Papiere zurück. Gehnse weiter, scheuchte der Uniformierte, jetzt wieder lauter. Alischa staunte und ging weiter. Erst später fiel Alischa auf, dass auch der Uniformierte untenrum nichts anhatte. Ein seltsamer Tag.
Drogen waren in der DDR übrigens nicht erhältlich und Alischa hatte auch keine genommen. Auch nicht Stechapfel, Tollkirsche, Bilsenkraut oder Fliegenpilz.
Alischa hatte Zeit und ließ sich ohne Ziel die Straße entlangtreiben, wo viele Leute waren, wo viele Autos fuhren und auch die Straßenbahn. 20 oder 30 Minuten durch das Gewimmel der Großstadt schlendernd stand sie unversehens vor einem Haus mit der Aufschrift: »FDJ-Kreisleitung« und »Jugendtourist«. Das war so eine Art Reisebüro für junge Leute, wo es für wenig Geld manchmal Reisen gab, die gar nicht so übel waren. Auch in warme Gegenden, wenn auch diesseits der Großen Mauer, und Glück musste man haben, und nehmen, was kam. Alischa öffnete die Tür und stieg die Treppen hinauf zum angegebenen Zimmer. Sie klopfte, trat ein und fragte, welche Reisen ins nichtsozialistische Ausland gibt es im Augenblick?
Der Leser sollte jetzt wissen, dass diese Frage als Frechheit gelten muss.
Aber Frechheit siegt ja bekanntlich.
Hinterm Schreibtisch saß eine Frau mit kurzen dauergewellten Haaren mit blauem Dederon-FDJ-Hemd (gewebte Angelsehnen, lästerte man unter der Hand) und blauem totpraktischem Mini-Silastikrock, bei dessen Anblick der anständigste Mann zum Säufer würde. Wir haben noch einen Reiseplatz nach Algerien, knurrte die Frau, ohne aufzuschauen, aber nur für Arbeiter. Das war Alischa, nämlich Arbeiter, und zwar schlicht und ergreifend deshalb, weil Alischa eine Maurerlehre mit Abitur abgeschlossen hatte. Was sie momentan als Schwarzarbeit machte, zählte nicht. Als Mitglied der herrschenden Arbeiterklasse würde sie eher als Andere zum Medizinstudium zugelassen werden, hatte ihr der Vater schlitzohrig erläutert. Nun aber würde ihr das außerdem helfen, mit dem Flugzeug die Große Mauer zu überfliegen, für deren Überquerung manche Leute ein zweites Loch in den Hintern riskierten. Was muss ich tun?, fragte Alischa. - Die Reise kostet 900 Mark, knurrte die Dame wieder, schaute sie jetzt aber immerhin an. Die hätte ich, antwortete Alischa. Die Dame gähnte beachtlich, erhob sich von ihren Sitz und ging zum Schrank, dem sie ein Formular und einen Fragebogen entnahm. Alischa fiel auf, dass sie zu ihrem blauen Mini-Silastikrock scharfe oberschenkellange Seidenstrümpfe mit Spitze trug, die sie selber gerne gehabt hätte und die diese FDJ-Tante der Teufel weiß woher haben mochte, und die in auffälligem Kontrast zu ihrer sonstigen Kleidung standen. Alischa meinte zudem, ein paar Locken auf unanständige Weise zwischen den beiden Strümpfen hervorlugen zu sehen. Kannst du sofort?, fragte die Dame, als sie sich wieder umdrehte. Die Reise geht nämlich in drei Tagen und du wirst noch eine Menge erledigen müssen. Kann ich, sagte Alischa. Na wunderbar, sagte die Dame und lächelte tatsächlich. Ich krieg nämlich ne Menge Ärger, wenn Plätze frei bleiben, weil, solche Reisen kosten Devisen. Also. Du musst jetzt sofort einen Pass beantragen und legst das Formular hier vor, damit du ihn beschleunigt bekommst. Das machst du unbedingt noch heute. Hast du aktuelle Passbilder? - Hab ich. - Bestens! Und du musst noch hier hin, sie schrieb eine Adresse auf. Das ist die Abteilung für Antragswesen gleich um die Ecke im Rat des Stadtbezirks, geh dort zuerst hin. Hast du deinen Personalausweis dabei? - Hab ich. - Bestens! Wenn du dort deinen Stempel bekommen hast, gehst du gleich den Pass beantragen, Ecke Schönhauser Allee. Wenn du den hast, kommst du wieder her und kriegst die Reiseunterlagen. Mach alles sofort, damit es auch klappt. Sie griff zum Telefon, wählte eine Nummer und nuschelt irgendetwas davon, dass jetzt noch jemand kommen würde, dass es dringend sei und dass sie um beschleunigte Bearbeitung bitte.
Ein seltsamer Tag!, dachte Alischa, als sie draußen war. Alles schien anders. Deutlich bunter! Sie machte sich auf den Weg zur zweiten bürokratischen Hürde, die sie zu überwinden hatte. Im Rat des Stadtbezirks wies ein Pappschild den Weg. »Abteilung für Antragswesen« Diese Abteilung war überraschend leer. Genau genommen war gar keiner da, weder vor ihr, noch hinter ihr. Auf halber Treppe war eine verschlossene Tür und links daneben ein kleines Fenster, hinter dem ein Mann gähnte, der verdächtig nach Stasi in Zivil aussah. Als Berliner hatte man dafür einen Blick. Die hatten immer die gleichen kurzen 0815-Frisuren, immer den gleichen Gesichtsausdruck und dazu Hemd und Stoffhose von einer solchen Beliebigkeit, wie sie sonst kein Mensch tragen würde. Ein normaler Verwaltungsangestellter sah jedenfalls anders aus. Und als sich der gähnende Typ hinter seiner Scheibe erhoben hatte, sah man außerdem einen Lederriemen aus der Hinterntasche ragen. Verraten, dachte Alischa, da hängt dein Stasi-Dienstausweis dran.
Was wollense?
Urlaubsreise nach Algerien, Jugendtourist.
Ausweis mit?
Ja.
Wartense.
Eine Tür klapperte. Der Typ verschwand. Wohin, konnte man durch das kleine Fenster nicht sehen.
Drei Minuten später: Der Typ erschien wieder und hatte einen dicken Fragebogen in der Hand. Füllense das sofort aus und kommense danach wieder hierher. Er wies auf eine Tür gegenüber. Da könnense sich reinsetzen.
Ende der Kommunikation. Alischa ging zur angewiesenen Tür und fand dahinter eine Art Wartezimmer. Stühle, Tische, ein halb verstorbener Kaktus auf dem Fensterbrett, Aschenbecher aus Pressglas auf einem Tisch, gelbliche Gardinen, Neon-Lampe, rot geblümte Velour-Tapete, ein Pappbild von Erich Honecker an der Wand. Kein Kugelschreiber, Alischa ging zurück zu den Typen hinter der Scheibe.
Hätten Sie eventuell einen Kugelschreiber?
Knurren. Ein Kugelschreiber wurde durch die schmale Öffnung unten an der Scheibe zu ihr durchgeschoben.
Es war nicht einfach, mit dem halb ausgetrockneten Kugelschreiber zu schreiben. Man wollte wissen, ob sie Westverwandtschaft hatte (unbekannt), ob sie Nazi gewesen war oder Mitglied der SS (da war sie noch gar nicht geboren), wo sie schon überall im Ausland war (Polen, ČSSR), Beruf, Bildungsweg, Arbeitsstellen, Verwandtschaft … jetzt wusste sie nicht mehr weiter und ging zu dem Typen hinter der Glasscheibe zurück. Entschuldigen Sie, ich habe nicht alles im Kopf…
Füllense aus, wasse wissen, und schreibense Fragezeichen hin, wasse nicht wissen.
Dann bin ich jetzt fertig.
Hättense gleich sagen können, gebense her. Er nahm den Papierstoß entgegen, blätterte ihn kurz durch und verschwand wieder. Diesmal musste Alischa länger warten. Soweit klar, sagte der Typ, als er zurück war. Jetzt zur Meldestelle, zwei Passbilder mitbringen, Rest wird intern geklärt, meldense sich morgen früh wieder bei Jugendtourist.
Alischas Gedanken waren etwas abgeschweift, und auch ihr Blick. Ihr fiel auf, dass der Typ vorne eine verdächtige Beule an der Hose hatte. Nicht der, dachte sie, der müsste sich noch gewaltig optimieren, bis ich den auch nur in Notfällen nehmen würde. Ein erstaunlicher Tag.
Der Rest lief ebenfalls wie am Schnürchen, sie kriegte im Schnellverfahren ihren Pass, den überaus wichtigen Stempel zur Ausreise darin, die nötigen Papiere im Jugendtourist-Reisebüro und schließlich die Information, wann ihr Flugzeug starten würde. Sie würde alleine fliegen, in Algier einmal umsteigen und am Zielflughafen würde man sie erwarten. Alles ging so rasend schnell, ein paar Sachen brauchte sie ja auch noch, dass sie nicht einmal mehr bei ihren Freundinnen mit der Reise angeben konnte. Aber es waren sowieso längst alle im Sommerurlaub, Mecklenburg, Ostsee, Badesee, Bulgarien, Ungarn, was auch immer. Egal. Zettel an die Eltern: Hallo Mama, Jugendtourist-Reise in den Westen gekriegt (Algerien), Abflug, Ankunft, schönen Sommer, eure Alischa. Eingetütet, Adresse und Briefmarke drauf, ab in den Briefkasten damit. Auf dem Rückweg ein paar weitere Kleinigkeiten für die Reise gekauft. Die paar nötigen Sachen eingepackt, ein Rucksack, das reichte, zum hundertsten Mal den Reisepass ausgegraben und den unglaublichen Stempel betrachtet (er verschwand nicht) und dann war es soweit. Alles war erledigt. Morgen in aller Frühe sollte es losgehen. Es war unwirklich. Unvorstellbar. Abstrakt. Wie viele Stunden noch? Zu viele. Noch etwas lesen, damit die Zeit verging? Würde nicht funktionieren. Zum Glück spürte Alischa bleierne Müdigkeit in sich aufsteigen. War etwas viel gewesen. Noch einmal die halbe Treppe runter zum Klo, wieder hoch in die Wohnung, ausziehen. Waschen? Ja, sie klebte. Also noch eine kurze Ganzkörperwäsche in der Küche, Plastikschüssel voll Wasser, mit dem Waschlappen von oben bis unten wohlig entklebt, fertig, abtrocknen. Die Klamotten in der Hand nackig ins Zimmer zurück. Wecker stellen. Wecker! Alischa prüfte dreimal, ob er korrekt gestellt war, ob er wirklich klingelte. Aber dann fiel sie ins Bett und in einen tiefen traumlosen Schlaf. ... Und wachte ganz von selbst kurz vor der eingestellten Weckzeit wieder auf. Durchaus erholt! Kurzes Restefrühstück, ein Kaffee und los. S-Bahnhof Schönhauser Allee, eine dreiviertel Stunde S-Bahn-Fahrt, fünfhundert Meter Fußweg bis zum Flughafengebäude, viel zu früh da. Warten. Herzklopfen. Da, endlich! Algier wurde angezeigt.
Man ließ sie anstandslos durch die Passkontrolle. Ein beklemmendes Gefühl, aber man ließ sie durch. Man ließ sie anstandslos ins Flugzeug. Das Flugzeug hob anstandslos ab. Man ließ es anstandslos die Große Mauer überqueren.
Jetzt war es offenbar geschehen, das Wunder.
Das Grau lag hinter ihr und über ihr leuchtete der blaue Himmel.
Alischa ließ sich seufzend nach hinten fallen und war auf einmal völlig entspannt. Absolut entspannt. So entspannt wie noch nie. So einfach war das. Sie hatte gar nicht im Sinn, das Unbekannte dem Bekannten vorzuziehen und für immer abzuhauen. Aber sie wollte Farbe tanken, viel Farbe. Dann wäre auch mit dem Grau des Alltags klarzukommen. Aber nur Grau, das ging nicht. Spaß gehörte zum Leben, Spaß musste sein. Apropos Spaß und Leben, in der zurückliegenden Hektik war dafür kein angemessener Augenblick gewesen. Ihre rechte Hand glitt unter den Rock, wo die momentane Entspannung etwas schlüpfrige Feuchtigkeit verursacht hatte. Jetzt, aber auch wirklich erst jetzt, hätte sie Lust auf etwas Spaß und noch mehr Entspannung, nur damit die Schlüpfrigkeit nachließ. Sie hatte sowas schon gemacht! Nein, ging wohl nicht, der Herr rechts neben ihr war zu wenig abgelenkt. Also lieber später. Oder doch? Sie schaute verstohlen nach rechts, nein, besser nicht. Sie blieb ein artiger gesitteter Fluggast und kaute sich etwas später durch das nicht sonderlich gute Essen, das ihr die Stewardessen aushändigten.
Alischa hatte nach dem Abitur nicht gleich einen Studienplatz bekommen. Lehrer für Staatsbürgerkunde und Geschichte wäre noch frei gewesen und Bauingenieur war ihr angeboten worden. Beides war nicht ihr Traum und sie hatte abgelehnt. Aber sie mochte sich über ihr Leben nicht beschweren. Im vergangenen Jahr hatte sie in einem Restaurant an der Garderobe gejobbt, weil es da Trinkgeld gab, man nicht über die Arbeit hinaus genervt wurde und ansonsten ein freier Mensch war. Eine Freundin hatte sie darauf gebracht, zusätzlich als privates Fotomodell zu arbeiten. Dabei hatte der Zwerg wegen ihrer fehlenden Putzerei (Achselhaare, Kopfhaar im Naturzustand und Hängebrüste) sogar recht gehabt. War dieser Zwerg nun real gewesen oder bloß ein Traum? Alischa begann, an seine Echtheit zu glauben, mochte sich aber, wie sie war, und gemessen an der Reaktion der Männer schien alles seine Existenz wert zu sein. Um Fototermine musste sie sich jedenfalls gar nicht kümmern, die Fotografen kamen von alleine. Keine Bilder von geöffneten Schenkeln oder so etwas, ganz anständig lief das ab, und Alischa genoss die konzentrierte Aufmerksamkeit der Männer für ihren Körper, bekam gutes Geld dafür und die Fotografen waren meist so nett, ihr Abzüge der besten Fotos zukommen zu lassen. Einer hatte für einen Auslandsauftrag sogar ein paar Extrabilder gemacht, etwas freizügiger als sonst, und ihr 50 Mark West extra draufgelegt, die gar nicht vereinbart gewesen waren. Alischa war versucht, den Job als Garderobenfrau aufzugeben, wurde aber gewarnt, dass man sie dann schnell als Assi drankriegen könnte. Asozialität, §249 StGB, zwei Jahre konnte man dafür eingebuchtet werden, Alischa blieb also lieber abends die paar Stunden in ihrer Garderobe. Schwerarbeit war das nicht gerade und die Kolleginnen durchweg nette Kumpels. Dazu die Nähmaschine und Alischa fand sich für DDR-Verhältnisse durchaus gut versorgt.
Und sogar in den Westen hatte man sie jetzt gelassen.
Unter ihr war ein Gebirge zu sehen. Irgendwie würde sie überlegen müssen, was sie aus ihrem Leben machte. Aber nicht jetzt. Jetzt war Urlaub und Alischa wollte jeden Augenblick davon genießen. Sie lehnte sich zurück. Ich würde noch einen Kaffee nehmen, sagte sie der Stewardess.
Institut für Spezialphysik (Objekt P)
Genossen, ich begrüße euch hier im Objekt P und es tut mir leid, dass man euch aus eurer alten Dienststelle herausgerissen und hierher in dieses blöde Mistnest verfrachtet hat. Wäre es nach mir gegangen, dann wäre ich auch in Berlin geblieben. Aber diese Arbeit hier ist von besonderer Wichtigkeit. Und ganz wichtig: Womit wir es zu tun haben, ist bis ins kleinste Tüttelchen besonders geheimzuhalten. Mehr als üblich! Was wir zu untersuchen und abzuschirmen haben, berührt die Grundlagen unserer Gesellschaftsordnung. Davon darf also gar nichts nach außen dringen.
Nach außen arbeiten wir legendiert als »Institut für Spezialphysik«, das sich mit speziellen physikalischen Grundlagenforschungen und Versuchen befasst. Bei etwaigen Nachfragen von außen sagt ihr, dass ihr nur in der Verwaltung oder so etwas arbeitet und selber keine Ahnung von der Forschung habt. Abgesehen davon sind solche Nachfragen umgehend und möglichst genau mit Namen, Ort, Zeit und so weiter zu melden, damit wir dem nachgehen können.
Er legte einen Messtischkarte auf den Tisch. Keine gedruckte Standardausgabe, sondern eine, die mit Tusche handgezeichnet und nachträglich mit zahlreichen Ergänzungen versehen worden war. Ein Stempel
zierte die Karte rechts oben.
Schaut her. Hier ist das Institutsgebäude, in dem wir uns gerade befinden. Und das hier ist das Gelände, das unseren Tätigkeitsschwerpunkt bildet. Alles Sperrgebiet. Es ist etwa vier mal vier Kilometer groß, Mischwald mit Lichtungen und zahlreichen Hügeln, eine Feuchtniederung. Das Sperrgebiet ist von einem einfachen Zaun umgeben und wird von einer zugeordneten Einheit des Wachregiments militärisch bewacht. Fünfunddreißig Mann, normales Dienstregime, nichts Besonderes, die Genossen dieser Einheit wissen nicht, worum es hier geht. Legende ist, dass sie ein kontaminiertes Gefahrengebiet bewachen. Ihr Zugang und ihr Dienstobjekt auf der gegenüberliegenden Seite des Geländes ... hier.
Er tippte auf die Karte.
Kontakte mit der Wacheinheit sind zu vermeiden. Nur unser Diensthabender hat jeweils Kontakt mit dem Diensthabenden der Wacheinheit. Ich erinnere daran: Jeder Genosse braucht nur so viel zu wissen, wie er zur unmittelbaren Dienstausführung unbedingt wissen muss. Also auch hier keine Dekonspiration zulassen, bitte. Und hier, Genossen, ist im Inneren des Sperrgebiets eine gesondert eingezäunte Zone mit einem Durchmesser von knapp drei Kilometern, die in Kürze zusätzlich mit einem Hochspannungszaun gesichert werden soll. Das ist die Zone, um die es geht. Niemand darf die Zone betreten, niemand darf die Zone zu sehen bekommen! Das muss völlig sichergestellt sein, hämmert euch das ein. Ausnahmen aus spezifischen Gründen sind ausschließlich von mir persönlich zu genehmigen. Dafür gibt es hier, er wies auf einen Punkt der Karte, einen betonierten Weg mit gesondertem Durchgang von unserer Seite aus, der von unserem eigenen Personal gesichert wird. Die Wacheinheit hat keinen Zugang. Hinter dem inneren Eingang endet der Weg. Da ist nur noch Pampa, Dickicht, weil man es innerhalb der Zone nicht wagen kann, unnötig tätig zu werden. Dort geschehen ... Dinge ... unvorhersehbar ... nicht zu erklären ... und man riskiert Leben und Gesundheit, wenn man sorglos ist und nicht aufpasst. Nehmen wir an, dort wäre eine Nitroglyzerinfabrik explodiert und es liegt noch Nitroglyzerin verstreut herum. Nehmen wir an, es ist eine Nervengasfabrik explodiert und da liegen noch verrostete Nervengasbehälter herum. Nehmen wir an, es gucken immer mal wieder versteckte Kabel aus der Erde, die alle mit tausend Volt geladen sind. Und vielleicht noch, Sumpfstellen, unbekannte Organismen, tiefe Löcher, ätzende Substanzen und was weiß ich noch alles. Unberechenbar, unvorhersehbar, unerklärlich, kurz: gefährlich.
Er wischte sich Schweiß von der Stirn.
Und wir kennen lange nicht das gesamte Gelände, Genossen. Was wir sichern, was wir untersuchen, ist ... nun ... einer Art physikalisches Sonderphänomen, das sich mit den bislang vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht erklären lässt. Noch nicht, betone ich! Aus diesem Umstand ergeben sich große Chancen für uns, aber auch große Gefahren. Die Hauptgefahr ist, dass der Gegner eindringen und sich noch vor uns Erkenntnisse verschaffen könnte. Da es sich bei den Phänomenen in der Zone um unbekannte physikalische Größen handelt, kann es sich jederzeit um Erkenntnisse handeln, die von strategischer Bedeutung sind - die uns den Genickschlag verpassen könnten. Vergleicht das mit der Entwicklung der Atombombe 1945, wenn ihr wollt. Unbekannte Größen! Deshalb die Vorsicht. Natürlich könnten von der Zone selbst ebenfalls Gefahren ausgehen, aber das ist weniger wichtig, weil weniger wahrscheinlich. Und selbstverständlich könnten wir auch selbst Erkenntnisse gewinnen. Allerdings sind Dinge zu negieren, die mit dem marxistisch-leninistischen Weltbild unvereinbar sind. Wo sowas beobachtet wird, ist Zurückhaltung geboten, bis man Aufklärung darüber hat, also eine Erklärung, die man den Leuten vorlegen kann und die glaubhaft ist. Egal, ob sie stimmt oder nicht. Jedenfalls geht es nicht an, dass einfach irgendwo Märchen passieren, und man kann da einfach hinlatschen und sich was wünschen. Außerdem wäre es gefährlich, wenn das ginge. Schon ein glaubwürdiges Gerücht darüber ist eigentlich eine Katastrophe. Und Genossen! Ich erwähne das, weil es im Rahmen des Möglichen ist, dass es hier sowas wirklich gibt. Einiges deutet darauf hin. Unsere Aufgabe lautet also, diese Sache hier unter Kontrolle zu kriegen, aufzuklären, Nutzbarkeit zu prüfen und Gefahren abzuwenden. Wobei Geheimschutz vor Nutzbarmachung rangiert. Raucherpause!
Genossen, ich beschreibe euch jetzt so weit wie nötig, was hier los ist und was hier bis jetzt passiert ist. Luftaufnahmen sind sinnlos, weil die Gegenstände, die uns interessieren, einfach nicht auf den Fotos erscheinen, besser gesagt, die betreffenden Stellen sind stets überbelichtet oder verschwommen oder man sieht was Anderes, Magnetbandaufnahmen sind total verrauscht, wir haben alles ausprobiert. Nicht mal mit dem Hubschrauber kann man nahe ran, weil das Ding da Macke spielt. Und schaut man aus größerer Höhe, dann sieht man andere Sachen, als wenn man nahe dran ist. Es ist zum Haareausraufen! Erkundungen müssen also zwingend zu Fuß vorgenommen werden. Und hier an diesem Punkt, er zeigte auf der Messtischkarte eine Stelle in der Mitte des Sperrgebiets, ist das Wesentliche. Da ist eine grasbewachsene Sanddüne mit einem halb eingestürzten Gebäuderest am Fuß, von dem aus eine halbverfallene Treppe nach unten führt; es folgt ein Stück unterirdischer Gang, ein paar zerstörte Kellerräume, am Ende ein unzerstörter Raum aus Feldsteinen gebaut, noch einige Stufen tiefer in der Mitte ein großer Findling mit einem eingemeißelten Reliefbild. Eine Art Frauenbild, aber eigentlich egal. Das Besondere ist: Man kann diesen Findling nicht im engeren Sinn des Worts berühren, weil man sozusagen einfach hindurchgreift - man kann da sogar einfach hineinlaufen. Also irgendeine Täuschung, ein unbekanntes Phänomen oder eine uns unbekannte Technik. Versuche, rechts oder links vom Findling zu graben, sind fehlgeschlagen. Mit Toten. Als hätte es einen starken elektrischen Schlag gegeben. Versuche mit langen Manipulatoren führten stets zu deren Zerstörung. Dasselbe Spiel bei Grabungsversuchen von der Oberfläche aus. Aktive und passive Messungen führten bisher in allen Fällen wegen massiver Störungen zu keinem sinnvollen Ergebnis. Hinzu kommt, das jede Aktivität innerhalb der Zone ja grundsätzlich lebensgefährlich ist.
Er holte Luft und wischte sich mit einem Taschentuch den Schweiß von der Stirn.
Dann fuhr er fort: Wir haben bisher 18 Genossen in der Zone verloren ... also da will jeder Schritt gut überlegt sein. Wenn diese verfluchte Zone wenigstens halbwegs berechenbar wäre ... aber nein, eine Gefahrenstelle, die du heute erkannt hast, ist morgen harmlos, eine scheinbar sichere Stelle dagegen verbrennt dir vielleicht schon am nächsten Tag den Arsch. Man muss sich also jedes Mal so bewegen, als wäre man in unbekanntem Gebiet.
Doch weiter. Geht man in diesen großen Findling hinein, dann kommt man in einen großen Raum. Und jetzt wird’s völlig verrückt – weiter kommt man nämlich nur selbst. Gegenstände aller Art einschließlich Kleidung und jede Art Technik, ja sogar ein simpler Kieselstein, wird nicht weitergelassen, wir haben das ausführlich probiert. Und das ist noch nicht alles, man kommt nicht etwa auf der anderen Seite des Steins wieder heraus, auf der anderen Seite der Sanddüne, sondern gelangt in eine völlig unbekannte Gegend, die mit keinem bekannten Ort der Welt verbunden werden kann. So etwas ähnliches wie eine andere Dimension, wie man das vielleicht aus wissenschaftlich-fantastischen Erzählungen kennt. Unvorstellbar groß, unter Umständen sogar unendlich.
Lautes Gemurmel.
Ruhe! Weiter. Sogar die Zeit spielt verrückt. Bleibt man zwölf Stunden auf der anderen Seite, kommt man nach ziemlich genau einer Stunde zurück. Immer. Die Zeit wird dort etwa 1:12 gedehnt, ohne dass man das selbst merkt.
Wir haben deshalb auch alles beschafft, was an passender Literatur verfügbar ist, aus dem sozialistischen und aus dem nicht-sozialistischen Wirtschaftsgebiet und historische Quellen, Fachbücher wie Erzählungen, einfach alles, was zu kriegen war. Wenn euch was fehlt, Bescheid sagen, wir beschaffen es. Das alles steht euch in der Bibliothek uneingeschränkt zur Verfügung. Aber nehmt das mit der anderen Dimension nur als Theorie, nur als Beispiel. Was es wirklich ist, wissen wir ja nicht. Es ist jedenfalls real, keine Illusionen, soviel steht fest. Das Durchlaufen dieses Steins ist im engeren Sinne nicht einmal lebensgefährlich, soweit uns das bekannt ist, also ganz im Gegensatz zur umgebenden Zone, aber man kann nur sehr ausgesuchte Personen da rein schicken, weil der Stein, oder die andere Dimension, wie man will, einen erheblichen Einfluss auf die Persönlichkeit des betreffenden Genossen hat. Da ist tschekistische Härte gefragt [13]. Und ich warne euch, wir verstehen da keinen Spaß, k-e-i-n-e-r von euch geht da selber durch, wehe, wen ich erwische, das kostet zwei volle Monatsbezüge ohne Rücksicht auf Verluste, selbst wenn grad der Urlaub ansteht! Für diese Aufgabe kommen nur ausgesuchte inoffizielle Mitarbeiter infrage, keinesfalls aber hauptamtliche Mitarbeiter. Und wer Kader ist, um da reinzugehen, ist hinterher intensiv und gut zu betreuen und zu überwachen. Betreuen heißt in diesem Fall fünf mal großes We: Wohnung, Wirtschaft, Weiber, was ihr wollt. An dieser Stelle sparen wir nicht, die Mittel sind genehmigt und vorhanden. Hauptsache, die rennen uns nicht weg. Streichelt die also und seid nachsichtig. Aber trotzdem die Kontrolle nicht vergessen. Die wichtigste Frage in unserem Organ ist immer »Wer ist wer?« und wir können es uns nicht leisten, dass Genossen in dieser anderen Dimension umgedreht werden und wir wissen das nicht. Deshalb inoffizielle Mitarbeiter, keine hauptamtlichen, und zwar soweit möglich, ohne dass die genau wissen, worum es geht. Es hat ungeklärte Verluste und Verrat gegeben, deshalb diese Vorsichtsmaßnahme. Wir haben es in dieser anderen Dimension nicht nur mit Bedingungen zu tun, die auf Leute ohne gefestigten Klassenstandpunkt sehr ... nun ... ideal wirken, sondern haben es darüber hinaus auch mit einem sehr hohen sexuellen Erregungszustand dort zu tun und entsprechenden Erlebnissen dort. Und das alles kann in seiner Gesamtheit auf jeden wie eine starke Droge wirken und so schwer abhängig machen, dass alles andere für diese Leute in den Hintergrund tritt, dass sie illoyal werden oder uns sogar verraten. Und diese verführerische oder drogenartige Wirkung, wenn ich das mal so nennen soll, kann den Leuten wichtiger werden als alles, was wir denen bis dahin bieten konnten. Das wirkt noch stärker als Westfernsehen auf die Sachsen.
Lachen.
Genossen, ist doch wirklich wahr, ihr müsst schon entschuldigen. Also lasst es euch gesagt sein: Niemals persönlich durch diesen Stein gehen. Wo offizielle Kräfte notwendig sind, haben wir spezielle Genossen aus Berlin, die dort marxistische und andere Forschung betreiben.
Wir selbst beschränken uns auf Instruktion, Einsatz, Betreuung und Überwachung der IMs nach unseren Vorgaben und dem Niederlegen und Interpretieren der Informationen. Ihr werdet intensiv eingewiesen, wie man sich innerhalb der Zone möglichst risikoarm bewegt und hinterher dekontaminiert, um die Verschleppung etwaiger gefährlicher Substanzen zu vermeiden. Ich warne euch übrigens eindringlich davor, irgendwas aus der Zone herauszubringen, das nicht ausdrücklich befohlen würde. Das ist hochgefährlich, politisch hochriskant und wird strafrechtlich als Verrat und Sabotage gewertet und entsprechend geahndet.
Und noch ein Problem gibt es: Der Findling liegt zwar unter der Erde, also an sich unauffindbar, aber das muss ja nichts heißen. Es ist also aufzuklären, ob es in hier dieser Gegend noch Personen gibt, denen dieser Findling bereits vor uns bekannt war. Es gibt Hinweise darauf, dass das der Fall ist. So. Das wäre der letzte Punkt für heute, morgen beginnen die allgemeinen Schulungen zu den Besonderheiten und Erkenntnissen die Zone betreffend, und für ausgewählte Genossen später schrittweise Erkundungen des Objekts gemeinsam mit erfahrenen Genossen.
Alischa: Reise ins Paradies
Der Flug und die Ankunft
In der algerischen Hauptstadt Algier hatte Alischa umsteigen müssen. Auf dem Flughafen half man ihr ungefragt, die Anschlussmaschine zu finden. Es war eine viel kleinere Maschine mit Propeller und wenigen Fluggästen. Der Flug kam ihr vor wie eine Überlandfahrt mit einem Bus, das Flugzeug landete mehrfach und leerte sich dabei, und schließlich war sie mit der Stewardess alleine im Passagierraum des Flugzeugs. Jetzt wäre Gelegenheit gewesen, ihrem Schoß endlich etwas Entspannung zu verschaffen, die Stewardess saß irgendwo vorne und hätte nichts sehen können. Aber das eintönige Brummen der Motoren und die große Hitze wirkten einschläfernd. Und da es unter ihr auch nichts anderes als Wüste mit wenig Abwechslung zu sehen gab, siegte die Müdigkeit und Alischa schlief ein.
Als die Stewardess sie weckte, war Alischa gut ausgeschlafen. Unter sich sah sie Wüstenberge mit bizarren Formen und Farben, und am Boden zeichnete sich so etwas wie Wege ab. Sie ließ sich etwas zu trinken reichen. Das Flugzeug verlor währenddessen allmählich an Höhe und setzte schließlich zur Landung an. Ein winziger Flughafen, ein paar Palmen, ein paar kleine Gebäude, nicht viel.
Die Stewardess ließ die Außentür des kleinen Passagierflugzeugs nach oben klappen und die Gangway nach unten. Es klemmte etwas, sie musste mit einem Tritt nachhelfen. Ein heißer Luftzug wehte herein. Die Luft draußen flimmerte über der Landebahn, einer einfachen Piste. Hundert Meter entfernt war das Flughafengebäude zu sehen. »Hope you enjoy your stay.« leierte die Stewardess gähnend herunter. Was soviel wie »Wünsche einen guten Aufenthalt.« bedeutet. Für Alischa klang das »stay« aber wie ein »bleiben«. Keine unwichtige Frage für eine junge Frau aus der tiefen Provinz der DDR, die unerwartet eine Reise in den westlichen Süden genehmigt bekommen hatte. Die Antwort auf dieses Wortspiel konnte verschoben werden, zunächst war das Hier und Jetzt zu bewältigen.
Sie stand alleine auf dem seltsamen Flughafen, denn niemand sonst war da, der mit ihr hätte aussteigen können. Hinter ihr klappte die Gangway hoch und die Tür schloss sich. Sie wandte sich um und schaute dem Start des Flugzeugs zu, das nun im Flimmern des Wüstenhimmels seine Konturen verlor. Schließlich warf sich Alischa den Rucksack auf den Rücken, drehte sich wieder zum Flughafengebäude um und machte sich auf den Weg.
Seltsam. Niemand war zu sehen. Auch hier nicht. Weit und breit nicht. Das Flughafengebäude stellte sich als halbe Ruine heraus, die auf der rechten Seite als einzigen Farbtupfer eine prachtvoll bemalte Tür hatte.
Alischa steuerte dorthin.
Als sie die Tür öffnete, erlebte sie eine Überraschung. Der Innenraum in diesem Teil des Gebäudes war zwar nicht groß, aber völlig intakt, der Boden sehr geschmackvoll mit Mosaiken belegt und die Wände mit fein geschnitztem duftendem Holz verziert. Dazu ein Innenhof mit Bänken, Stühlen, Tischen, vielen Pflanzen und einem gar nicht so kleinen Wasserbecken mit Springbrunnen. Man spürte die Anwesenheit des Wassers sogar in der Nase.
Schon besser. Viel besser!
Das war noch nicht alles: Nur fünf Meter entfernt stand ein gutaussehender, nein schöner, nein herzzerreißend schöner Mann mittleren Alters. Nach Alischas Einschätzung, weil dieser etwas älter als sie selbst aussah. Und der stand auch noch genau so da, als hätte er ausgerechnet auf sie gewartet. Aber warum eigentlich nicht - immerhin schien sie die einzige weitere Person hier zu sein. Jetzt wachte auch ihr Schoß wieder auf, der wohl etwas länger als Alischa geschlafen hatte.
Zwischen ihr und diesen Schönheiten (Mann und Raum) versperrte aber noch eine Passkontrollstelle den Weg. Zwei halbhohe Holztüren hintereinander und zwischen ihnen einer dieser übermannshohen Kästen aus Holz, in denen die Kontrollbeamten sitzen. Vorne ab Bauchhöhe aufwärts mit Glas.
Kommense, kommense!, tönte es dumpf und wundersamerweise in deutsch aus dem Glaskasten.
Ein Summen ertönte und die erste Sperre ließ sich öffnen. Als sie hineintrat und direkt vor der Scheibe stand, wurde ihr Staunen noch größer: Drinnen saß ein Passbeamter in ganz genau der Uniform, wie sie diese beim Abflug in der DDR gesehen hatte und tausend mal zuvor in der DDR: Diese graugrüne Uniformjacke, die man seit dem letzten Krieg so sehr mit dem deutschen Soldaten verband und auf dem Kopf auch noch die entsprechende Mütze. Doch halt, es gab einen Unterschied. Statt der Kokarde mit dem DDR-Symbolen Hammer, Zirkel und Ährenkranz prangte an der Mützenvorderseite ein Symbol, das wie eine stilisierte Frau aussah, aber Alischa hatte nicht die Zeit, es sich genauer anzuschauen. Was war das nur für ein seltsamer Beamter, er hatte doch deutsch gesprochen?
Pass bitte!, ertönte es wie zur Bestätigung leicht sächselnd aus dem Kasten.
Sie schob ihren Pass durch den Schlitz im Kasten, der Beamte schaute sie scharf an und vertiefte sich anschließend in Tätigkeiten, die von außen leider nicht erkennbar waren.
Passieren bitte!, tönte es endlich, der Pass kam aus dem Schlitz zurück und die zweite halbhohe Tür summte, um geöffnet zu werden. Alischa atmete auf. Diese Kontrollen waren immer beklemmend. Und diesmal auch noch verwirrend.
Der Mann trat auf sie zu.
Willkommen!, strahlte er. Ich bin sozusagen dein Reiseführer (Alischas Schoß wachte vollends auf), obwohl ich ehrlich gesagt auch zum ersten Mal hier bin. Jedenfalls genau hier. Auf dem ... Flughafen. Aber ich habe, neben dem was ich sonst noch kann, einen Haufen Hinweise und Ratschläge bekommen und außerdem einen Jeep, mit dem wir nachher weiterfahren werden. Er zögerte etwas. Und ich soll auf ... aufpassen.
Es war nicht zu überhören, dass er etwas weggelassen hatte. Und?, fragte Alischa, eine Augenbraue hochziehend.
Ich soll mich unterstehen, dich anzufassen und dir wörtlich sagen, dass man mich kastriert, wenn ich es doch tue. Er wurde rot im Gesicht.
Alischa lachte. Darf ich da vielleicht ein Wort mitreden?
Nein. Er wurde noch röter im Gesicht.
Und wie heißt du?
Darf ich nicht sagen. Seine Röte steigerte sich ins maximal Denkbare. Ich kann nichts dafür. Ich darf dir auch nur ein paar Sachen sagen, ich darf nur Schuhsohlen essen, falls dein Essen knapp ist und ich hafte mit ... mit ... mit wichtigen Sachen, falls dir jemand ein Haar krümmen würde.
Er zögerte. Komm erst mal. Es gibt noch etwas zu erledigen.
Der Raum hatte einige Türen und einer dieser Türen wandte sich der Mann jetzt zu. Er drehte sich noch einmal um: Komm! Als Alischa sich ihm genähert hatte, klopfte er an der Tür. Sie ist da. Er sagte es in Deutsch.
Die Untersuchung
Der Mann winkte Alischa hinein und sie trat in den Raum. Er folgte ihr, schloss die Tür und blieb innen vor der verschlossenen Tür stehen.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Raums sah Alischa eine Art Podiumstisch, hinter dem fünf Leute saßen, drei Männer und zwei Frauen. Sie mochten nach ihrem Aussehen aus ganz verschiedenen Ländern und Kontinenten kommen und drei von ihnen trugen Arztkittel. Im Zentrum des Raums stand ein gynäkologische Untersuchungsstuhl. Er war so ausgerichtet, dass die darauf sitzende Frau ihre verborgenste Stelle in Richtung Konferenztisch zur Schau stellen musste. Links an der Wand stand noch ein normaler Stuhl und an der rechten Wand war eine Art Gestell aus Holz zu sehen, dessen Sinn Alischa nicht ergründen konnte. Hinten rechts in der Ecke stand noch so etwas wie ein Labortisch mit Mikroskop, einigen Instrumenten und verschiedenen Schachteln und Utensilien.
Herzlich willkommen, sagte der Mann, der in der Mitte des Konferenztisches saß, einen beeindruckenden Vollbart trug und der jetzt ein umwerfendes Lächeln lächelte. Ich habe jetzt erst einmal eine wichtige, eine entscheidende Frage. Wenn du gleich mit »Nein« antwortest, wirst du einen interessanten Urlaub organisiert bekommen, an dem es nichts zu bereuen gibt. Nichts! Mit sehenswerten Wüstenlandschaften, schönen Oasen, Leuten, Basaren, also allem, was es an Land und Leuten hier gibt, einschließlich Taschengeld. Aber das wäre nur ein Trostpreis, denn wir haben Grund zu der Vermutung, dass du etwas anderes sehr viel interessanter finden könntest.
Aber Sie kennen mich doch gar nicht, stotterte Alischa verwirrt.
Doch, wir kennen dich einigermaßen gut, antwortete der vollbärtige Mann lächelnd, sonst wärst du nicht hier. Wer bis hierher kommt, ist gewissermaßen ... schon etwas ... auserwählt. Willst du hören, was ich zu fragen habe?
Ja!
Ich will nicht zu viele Worte machen. Für jetzt nur soviel, halt die Luft an, es ist bedeutend: Was du hier geboten bekommst, ist die Chance deines Lebens, eine Chance, die nur ganz wenige in ihrem Leben bekommen und bisher bekommen haben. Was dich erwartet, ist großartig, und zwar so großartig, dass es alles sprengt, was du dir je in deinem Leben vorstellen konntest. Ich übertreibe nicht! Aber jeder muss und darf selbst entscheiden: Glaubst du, dass du in einer Umgebung klarkommen könntest, in der die Sexualität eine zentrale Rolle im normalen Alltag spielt, wo viel vom sozialen Leben darüber reguliert wird? Und wichtig, es schließt ein, dass man auch immer wieder mal ... nun, ich würde sagen ... ohne viel Gefrage einfach genommen wird?
Alischa schluckte. In dieser Frage steckte viel. Sie fragte sicherheitshalber nach, eine Augenbraue hochgezogen: Also in etwa ... als würde ich bei einer Fete sein, bei der alle etwas beschwipst nackig abhängen und rummachen und dann verbrummt mir plötzlich jemand einen?
Alle am Tisch lachten.
In etwa, antwortete der vollbärtige Mann. Wobei die Regeln aber auch umgekehrt gelten, dass es also genauso erlaubt und vor allem normal ist, dass eine Frau einen Mann nimmt.
Wie soll das gehen, fragte Alischa, Männer sind doch in der Regel viel stärker als Frauen?
Aber leichter herumzukriegen, antwortete eine der Frauen am Podiumstisch, meist reicht es ja schon, ein bissel mit den Brüsten zu wackeln und ihn am Schwanz festzuhalten und du hast deinen Fick im Kasten. Oh entschuldige bitte.
Alischa war rot geworden.
Und, ergänzte die Frau, es geschieht eben nicht nur in der Phantasie und es ist nicht nur formal erlaubt, sondern es wird auch gemacht.
Alischa wurde augenblicklich feucht zwischen ihren Beinen. Es war so eine Sache mit der Moral. Man beachtete sie, forderte sie ein, aber plötzlich merkte man, dass der Kopf ganz hinten in seinen dunklen archaischen Bereichen etwas ganz anderes wollte, als der Teil des Kopfes, Verstand genannt, der einem direkt zugänglich war. Deshalb fragte Alischa laut, aber eigentlich eher zu sich selbst:
Ist das nicht unmoralisch?
Was ist Moral?, fragte die Frau zurück. Es ist eine andere Moral. Genauso gut kann man sagen, es ist unmoralisch, Leuten die Erfüllung grundlegender Bedürfnisse zu verbieten. Warum ist es moralischer, in einem Film das Töten von Menschen zu zeigen, die Darstellung eines glücklichen Sexualakts am Ende eines Liebesfilms aber zu verbieten? - Es kommt sicher daher, dass Zeugung, Schwangerschaft und Aufwachsen der Kinder wie Versorgung der Frau in eine abgegrenzte gesicherte Umgebung gebettet werden sollte. So weit, so sinnvoll. Was aber, wenn ungewollte Schwangerschaften sicher verhütet werden können? Und wenn die Frau auch mit Kindern von der Gesellschaft eine sichere Umgebung geboten bekommt? In diesem Fall hat sich diese Moral eigentlich entleert. Allerdings bliebe anzumerken, dass Tierarten mit dauerhafter Sexualität auch dauerhafte Partnerschaften haben, dass sozusagen die dauerhafte Sexualität überhaupt erst den Stand der Ehe schafft. Tiere mit zyklischer Sexualität bleiben fast nie länger zusammen und die Jungen werden dort auch nur von einem der beiden Partner alleine aufgezogen, also fast immer dem Weibchen. Wenn es bei Tierarten mit dauerhafter Sexualität anders ist, dann liegt es nahe, das Sexualität nicht nur eine Vermehrungs- und Vergnügungsfunktion hat, sondern auch der eigentliche Klebstoff der Ehe ist. Diesen Punkt, also die Bindungsfunktion der Sexualität, kann ich nicht wegdiskutieren und ich will sogar betonen, dass die Evolution oder Gott, ganz wie du willst, es ganz tief in unserm Hinterkopf verankert hat, dass wir den einzigen Sinn erfüllen, den das Leben hat - nämlich wieder Leben zu schaffen. Das Leben hat keinen anderen Sinn, allerdings könnte man sich durchaus denken, dass kinderlose Leute eigene Funktionen erfüllen, wie Schutz, das Schaffen von Rahmenbedingungen, Regulation oder was auch immer. Anders wäre auch nicht erklärbar, warum zum Beispiel junge Männer (sie schaute mit einem Lachen in den Augen zu dem unglaublich gut aussehenden Mann, der schräg hinter Alischa stand) so scharf darauf sind, ihr Leben und ihre Gesundheit ständig aufs Spiel zu setzen, was sich erst Ende Zwanzig wieder legt. Vielleicht sind sie ja die Verteidiger der kinderkriegenden Leute. Oder warum Leute homosexuell sind. Vielleicht braucht die Spezies ja einen Anteil von Leuten, die nicht mit Kindern belastet sind? Wie auch immer. Behalte im Hinterkopf, dass ein fester verlässlicher Mann in einer hübsch spießigen Ehe mit Krabbelkind unterm Weihnachtsbaum ein sehr intensives Glücksgefühl auslösen können und dass die Wechseljahre schneller kommen, als man denkt. Wenn du also »Ja« sagst, dann lebe nicht nur für den Augenblick, sondern denke auch nach vorne. Was wir dir bieten, ist nicht nur möglich, wenn man ungebunden ist und keine Kinder hat. Ich zum Beispiel bin seit 20 Jahren glücklich verheiratet und habe drei Kinder.
Da die Frau geendet hatte, ergriff der vollbärtige Mann wieder das Wort: Alischa, der besondere Ort, an den du kommen kannst, ist sehr alt; nicht hunderte, sondern tausende von Jahren alt, wahrscheinlich noch sehr viel älter. Aber er wird von jeher stets strikt geheimgehalten. Nur Legenden erzählen davon, diese aber zahlreich. Hast du Lust, diese Legenden zu erleben, um den Preis, dass du dich auf eine völlig andere Moral einlässt, einschließlich, deinen Körper für andere zu öffnen? Oder hast du noch Fragen, bevor du antwortest?
Nnnein, antwortete Alischa, verwirrt stotternd. Und hastig: Ich meine nur das mit den Fragen.
Alischa schluckte nochmals, ihr Blick fiel auf den gynäkologischen Untersuchungsstuhl, sie zögerte, doch schließlich straffte sie sich und sagte, zwar mit rotem Kopf, aber mit fester Stimme:
Ja, ich will.
Es war zu reizvoll.
Gut, sagte der vollbärtige Mann. Du sollst noch wissen, dass nichts hier für dich irgendwie gefährlich sein wird. Vielleicht ungewohnt, schwierig, anstrengend, peinlich, vielleicht auch mal mit Schmerzen verbunden, allerdings erträglichen, aber niemals wirklich gefährlich. Dafür ist gesorgt. Und es hat seinen besonderen Grund, dass du hier bist. Nun ... es gibt diese gewisse sexuelle Dimension. Dass du hier bist, hat nichts damit zu tun, dass du hübsche Brüste und einen hübschen Hintern hast - die hast du, sondern es hat mit dem zu tun, was dich tief in deinem Inneren bewegt, wirklich bewegt. Auch tief in den Schichten deiner Psyche, derer du dir selbst noch nicht bewusst bist. Deshalb wurdest du ausgewählt und niemand anderes. Nicht dass du gerne Jungs vernaschst (Alischa wurde wieder rot), sondern dass du bereit bist, archaische Seiten an dir zuzulassen, sie auszuloten und natürlich, dass du solche archaischen Seiten hast ... ganz bestimmte. Du hast also eine Vorherbestimmung und jemand hat dir deshalb den Weg hierher geebnet. Niemand außer dir hätte diese Reise bekommen und du wärst auch früher oder später hier gelandet, auf die eine oder andere Weise. Also noch einmal: Willkommen!
Und jetzt zieh dich aus.
Alischa zögerte. Nicht, dass es nach ihrem »Ja« nicht irgendwann irgendwie zu erwarten gewesen wäre. Und nicht, dass sie sich noch nie vor Ärzten ausgezogen hätte, aber diese Situation war anders, irgendwie demütigender. Diese fünf Leute und dieser Untersuchungsstuhl, und zudem stand auch noch der gutaussehende Mann hinter ihr, den man wegen der Untersuchung nicht hinausgebeten hatte.
Zieh dich aus.
Sie war nicht über die Große Mauer geflogen, aus dem Grau getreten und bis hier her mitten in die Wüste gekommen und hatte nicht »Ja« gesagt, um jetzt noch umzukehren. Fast ein absurder Gedanke, so weit, wie sie jetzt schon gegangen war. Und erst diese Sache mit der besonderen Auswahl... Das Flugzeug war auch längst weg, ging ihr durch den Kopf. Aber wenn hier doch was faul war? Wenn sie der Staat als hübsche Europäerin gegen Devisen an einen reichen Wüstenscheich für seinen Harem und seine perversen Gelüste geliefert hatte [14] ? - Quatsch, dachte sie, man konnte sie ja nicht spurlos verschwinden lassen. Oder doch? Nein, Unsinn, das hätte man einfacher haben können, ohne diesen ganzen Aufwand hier. Und wenn es doch ein reicher Scheich war? Alischas Möse meldete ungefragt, dass sich ein Haufen Schmuck und Edelsteine (mit denen sie überhäuft würde) plus intensiver Betreuung durch einen Märchenprinzen nicht übel anfühlen dürften. Alischas Verstand hielt dagegen, dass man aber auch seine Freiheit brauche und nicht jeder Prinz völlig optimal sei. Prinz bliebe Prinz, hielt die Möse dagegen. Noch einen Augenblick später gab der Verstand zu, dass ihre real existierende Freiheit sich normalerweise im Rahmen einer gut beleuchteten Betonumgrenzung bewegte, in deren Mitte es weder wüste Orgien gab, noch Gold (nicht mal für Eheringe). Alischas Möse stimmte zu und beide teilten Alischa das Abstimmungsergebnis mit.
Also gab sich Alischa einen Ruck und ging zum Stuhl, der links von ihr an der Wand stand. Rucksack auf den Boden, Jacke über den Stuhl gehängt, Hemd darüber gelegt, jetzt die Schuhe vor den Stuhl, den Rock auf den Stuhl. Ihr weißes Unterhemd und der Slip blieben. Sie atmete durch, griff zum Unterhemd, zog es sich über den Kopf und entledigte sich zum Schluss auch noch des Slips.
Komm her.
Alischa ging zum Konferenztisch. Eine der beiden Frauen stand auf, eine Ärztin, und trat hinter dem Podiumstisch hervor. Sie hatte schwarze streng nach hinten gekämmte Haare, wirkte auch resolut, aber nicht unfreundlich. Sie entnahm ihrer Kitteltasche ein Stethoskop und horchte Alischa ab. Sie schaute ihr auch in den Mund, die Augen und in die Ohren, klopfte, prüfte mit der Hand und schließlich griff sie ihr in die Brüste, wie es der Frauenarzt tut. Dies allerdings tat sie sehr viel länger und prüfender und Alischa spürte gleichzeitig, wie die Aufmerksamkeit der anderen Leute am Konferenztisch zuzunehmen schien. Unauffällig, normal entwickelt, nullipara, ruhende mamma. Sie nahm wieder Platz. Der zweite Arzt, ein Mann, stand nun auf. Das bedeutet: Du hast noch nie geboren und deine Brust gibt keine Milch, raunte er ihr halblaut zu. - Ich werde dir jetzt etwas Blut abnehmen, keine Angst, ist gleich vorbei. Er piekte ihr in den Finger, ging mit der Blutprobe zum Labortisch, der in der Ecke stand und vertiefte sich dort in die Untersuchung der Blutprobe. Inzwischen war der dritte Arzt aufgestanden und schob Alischa freundlich zum gynäkologischen Untersuchungsstuhl: Komm, setz dich rein. Alischa setzte sich in den Stuhl. Die beiden Ärzte klappten ihre Beine auseinander und legten diese über die Beinstützen. Zu Alischas großer Überraschung schnappte ein Mechanismus um ihre Fußgelenke, sodass sie jetzt nicht mehr aufstehen konnte, wenn sie es gewollt hätte. Als wäre das nicht genug, wurden ihre Armgelenke nun ebenfalls auf diese Weise fixiert. Keine Angst, sagte die Ärztin, denk daran: Dass genau du ausgewählt wurdest, hat mit dir selbst zu tun und dir wird nichts ernsthaft widerfahren.
Als wäre dies nichts Ernsthaftes!
Aber nach allem, was bereits geschehen war, würden sie wohl neu definieren müssen, was als ernsthaftes Ereignis zu gelten hatte. Doch das war nicht alles, Alischa spürte an sich, dass sie diese demütigende Situation irgendwie reizte, also direkt im sexuellen Sinn des Worts. Vielleicht, weil da sowieso noch etwas auf der Liste der zu erledigenden Dinge stand, vielleicht auch, weil da hinter ihr dieser herzzerreißend schöne Mann stand, der ihr alleine zugeteilt worden war, aber leider nicht für heimliche Dinge zur Verfügung stand. Was in Alischa vorging, musste überdeutlich in Form einer feuchten Schwellung zu sehen sein, besonders für die Ärzte, denen die Bedeutung des anatomischen Geschehens rund um ihre bloßgelegte Mittelöffnung mehr als klar sein musste. Wie peinlich! Was die Wirkung allerdings nur noch weiter verstärkte. Und alle schauten jetzt dorthin, wo die Peinlichkeit passierte. Pochend und nass. Nicht alle, der Arzt am Labortisch erhob sich erst jetzt, kam zu ihr und sagte, was ganz überflüssig war, bleib ganz ruhig, Mädchen, und führte vorsichtig ein Stäbchen in ihre Scheide ein, noch eins und noch ein anderes, entfernte sich danach aber wieder zu seinem Labortisch, um die Stäbchen auf irgend eine Weise zu untersuchen.
So lag Alischa jetzt wie ein Ausstellungsobjekt mit geöffnetem Tor in Richtung des Podiums. Niemand schien zu finden, dass daran irgendetwas ungewöhnlich sein könnte. Auch nicht daran, dass ihre Vulva größtmöglich geschwollen war und vor Nässe glänzte.
Alischa, sagte der vollbärtige Mann, der kein Arzt war, diese Untersuchung ist weniger eine Kontrolle, als ein Schutz für dich. Sollte zum Beispiel irgendetwas gefunden werden, sorgen wir erst einmal dafür, dass du gesund bist. Wir haben dafür wunderbare Möglichkeiten. Und wir wollen natürlich auch wissen, was wir bei dir vielleicht zu beachten haben. Aber ein klein wenig ist das hier, diese Art ... Prüfung ... auch ein Ritual, das sich über die Zeit gerettet hat. Jeder von uns hier war in der gleichen Situation, aber jeder von uns ist diesen »Blick ins Paradies« (er akzentuierte diese Formulierung) auch gewöhnt, wie, sagen wir mal, den Blick in eine erblühende Rose. Hübsch anzusehen. Er drehte sich zum Labortisch, wie weit bist du?
Fertig, war die Antwort, alles ohne Befund, ganz wunderbar, auch keine Schwangerschaft, und sonst nichts. Er stand auf und trat zu Alischa ran: Deine Vulva reagiert gut, sagte er, da werden dich manche Frauen drum beneiden. Jetzt entspann dich und drücke nicht dagegen. Er verteilte ein Gel rund um seine gesamte rechte Hand und fuhr damit sehr geschickt, aber auch sehr nachdrücklich, langsam und stetig in Alischas Scheide. Nicht gegendrücken, sagte er, ganz entspannen, leg dich zurück. Er fuhr noch weiter in sie hinein. Es war kein Gefühl des Auffetzens, wie es Alischa befürchtet hatte, aber es war ein unglaubliches Dehnen, das ihr einen Moment lang die Luft zum Atmen nahm. Doch nur im Eingangsbereich ihrer Scheide. Tief in ihr war es, als gäbe ihr Körper sehr bereitwillig nach oder hätte schon immer genug Platz für eine ganze Männerhand gehabt. Alischa verkrallte sich in ihrer Handstütze und stemmte ihre gespreizten Füße mit voller Kraft nach unten. Der Arzt ließ etwas locker, was Alischa eine gewaltige Entspannung brachte. Schau mal hier, sagte der Arzt freundlich und zog einen Spiegel aus der Tasche. So weit haben wir es schon geschafft. Alischa sah, dass schon fast seine ganze Hand in ihr verschwunden war. Und dies passte nicht ganz zu dem Gefühl der Entspannung, das sie beim Wegnehmen des Drucks gerade erfahren hatte. Erstaunlich, was alles ging! Jetzt versuche noch einmal, dich völlig zu entspannen, nicht verkrampfen, bleibt ganz locker, ja, so ist es schön. Alischa ließ es geschehen. Der Arzt drehte ein klein wenig die Hand, heftige Dehnung, unglaublich heftige Dehnung, Haaaaaaaaaa, Entspannung, er war ganz drin. Die anderen klatschten Beifall, auch der unglaublich gutaussehende Mann. Gut gemacht, raunte er zu ihr herüber. Die Situation war absurd, vollends absurd. Ihr wurde fast in der Öffentlichkeit eine ganze Männerhand in die Möse geschoben und das Publikum klatschte Beifall dazu. Noch so ein erstaunlicher Tag. Aber nun war es sowieso egal, sie würde es laufen lassen. Ihre Mutter sagte immer »Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert« und unterstellte Alischa, dass sie noch schlimmer wäre als sie selbst. Aber die Absurdität der momentanen Situation brachte auch die Angespanntheit zum Kippen und Alischa wurde heiter. Gut, dachte sie, ich sitze hier mit einer Möse, weit wie ein Scheunentor, momentan eine Männerhand drin und ich könnte mich jetzt ärgern oder was draus machen. Zum Anständigbleiben hätte ich zuhause bleiben können. Hoch leben die Unanständigen. Mit einem Seufzer entspannte sie ihre Muskeln und ließ sich ins Polster des Untersuchungsstuhls sinken. Schau noch einmal her, sagte aber der Arzt vor ihr. Alischa beugte sich also noch einmal vor und blickte wieder in den Spiegel, den der Arzt in der linken Hand hielt. Alischa sah, dass seine Hand völlig in ihr verschwunden war und ihre Scheide sein Handgelenk umschloss. Ich werde jetzt etwas massieren, sagte der Arzt. Das Gefühl war nicht uninteressant, aber der Arzt war leider viel zu schnell fertig, eine Tastuntersuchung an Muttermund und Scheideninnerem folgte, dann zog er seine Hand zügig, aber nicht zu schnell, wieder aus ihrer Scheide heraus. Erstaunlich, was alles geht, dachte Alischa, auch dass sich die Scheide zügig wieder schloss, als wäre nichts gewesen. Nur die Erregung war ihr leider nicht genommen worden und wurde langsam zu ernsthaften Quälerei. Lustvoll, aber eine Quälerei.
Die beiden Ärzte schnallten sie jetzt wieder von ihrem Untersuchungsstuhl ab und halfen ihr beim Aufstehen.
So, jetzt komm einmal hier herüber.
Sie führten Alischa zu dem seltsamen Gestell aus Holz, dass sich rechts im Raum befand. Alischa wurde vorwärts gegen ein senkrechtes Brett gedrückt, das in Kopfhöhe eine Polsterung hatte und in Höhe der Brust eine Aussparung. Wieder wurden Hand- und Fußgelenke fixiert, aber diesmal auch ihre Hüften festgezurrt. Die Ärztin legte Alischa eine schwarze Stoffbinde um Augen und Kopf, so dass sie nichts mehr sehen konnte. Zu Alischa sagte sie: Man reagiert anders, wenn man nichts sieht. Die Augenbinde wird nachher wieder abgenommen, mach dir keine Gedanken und entspanne dich, du brauchst nichts tun - was zu tun ist, tun andere. Alischa spürte, wie ihre Brüste durch die Öffnungen des großen Bretts gezogen wurden. Hände tasteten, ob die Fesseln gut saßen und korrigierten den Sitz ihrer Füße. Alischa spürte, wie das Brett leicht nach vorne gekippt wurde, vielleicht um 45°, vielleicht etwas weniger, aber jedenfalls nicht ganz in die Waagerechte und sie lag sehr bequem. Jetzt hörte Alischa den Arzt sprechen: Was nun kommt, fühlt sich normalerweise sehr angenehm an. Gib dich dem Gefühl hin und entspanne dich ganz. Es wird vielleicht 30 Minuten dauern und wir werden dir in dieser Zeit keine Fragen stellen und nichts von dir verlangen, damit du dich wirklich entspannen kannst. Mach am besten die Augen zu und träume einfach vor dich hin.
Musik begann zu spielen, nicht gerade leise, aber auch nicht zu laut, auf jeden Fall raumfüllend. Die Melodie erinnerte an orientalische Klänge, aber nicht ganz, es waren Instrumente, die Alischa nicht kannte, rhythmische, aber dennoch beruhigend gleichmäßige Klänge, denen man sich hingeben konnte. Unbedingt tanzbare, aber dennoch meditative Musik. Unglaublich gute Musik, fand Alischa. Und da es angenehm warm war, gelang es Alischa tatsächlich, sich zu entspannen.
Währenddessen erfassten zwei Hände ihre leicht durch die Brettöffnung herabhängenden Brüste, rieben diese ringsum mit einem Öl ein (so fühlte es sich an) und begannen, die Brüste zu massieren. Außerordentlich gekonnt zu massieren. Alischa knurrte vor Wohlbefinden auf. Diese Art Behandlung würde sie sich auch täglich gefallenlassen. Die Hände griffen an die Wurzeln der Brüste unter den Achseln, die Finger tasteten sich in die Strukturen der Brust hinein, ohne dabei zu grob zu werden, und massierten sie durch. Auf diese Weise machten die tastenden, fühlenden und massierenden Finger eine Reise rund um ihre Brüste herum, fanden zahlreiche Stellen, die auf Lockerung warteten und vollführten spiralförmige Kreise um die Brust herum, bis sie in die Nähe der Brustspitzen gelangt waren. Jetzt kam etwas, was Alischa einen Moment lang verwirrte, bevor sie sich daran gewöhnte; die Finger begannen nämlich, an ihren Brustwarzen, nein, etwas dahinter in Richtung der Höfe, nun ja ... Melkbewegungen zu vollführen, abwechselnd links-rechts, links-rechts, erst hinten in die Höfe hineingreifend und dann zu den Brustspitzen hin ausrollend. Links-rechts, links-rechts, links-rechts, der Rhythmus fügte sich in die Musik ein. Alischa begann, sich an das Gefühl zu gewöhnen, links-rechts, links-rechts, links-rechts, immer im Takt der Musik, aber so, als wäre die Musik fürs Ausmelken ihrer Brüste geschrieben worden und nicht umgekehrt das Ausmelken eine Anpassung an die Musik. Fühlt sich interessant an, stellte Alischa fest. Hm, vielleicht auch mehr als interessant, dachte sie noch etwas später. Eigentlich sogar mehr als mehr als interessant. Muss ja auch sein, ergänzte der Verstand, es sind erogene Zonen. Und es sind erogene Zonen, um Frauen zum Milchgeben zu motivieren, ergänzte der Verstand weiter. Verdammt, sie war doch keine Milchkuh! Aber es fühlte sich durchaus schön an... Kommen Kühe deshalb freiwillig zum Melken? Gänzlich verderbte Viecher? Hmmmmmm, die melkenden Hände sogen sie in die Empfindungen hinein. Es geschah mit ihr, es war nicht mehr sie selbst, das Gefühl zwang sich ihr unaufhaltsam auf. Links-rechts, links-rechts. Ach was soll’s, dachte Alischa schwach, bin ich eben eine Milchkuh, Hauptsache es wird die versprochene halbe Stunde lang an mir herumgefummelt. Entspannend war das. Sehr entspannend. Links-rechts, links-rechts. Alischa spürte, wie sich etwas in ihrem Schoß aufbauen begann. Alischa, dachte Alischa, du wirst doch jetzt nicht etwa einen Orgasmus bekommen? Links-rechts, links-rechts, der Rhythmus zwang sich ihr unbarmherzig auf, und gefesselt, wie sie war, hatte sie keine Möglichkeit, sich dem zu entziehen. Links-rechts, links-rechts, das Gefühl im Schoß wurde stärker, links-rechts, links-rechts, das Gefühl im Schoß begann, Strahlen in den ganzen Körper auszusenden, die sehr gleichförmig immer kräftiger wurden. In den Brüsten entstanden Lustzonen, die die Brüste allmählich ausfüllten und sich von hinten nach vorne ausbreiteten, bis sie die Brustspitzen ganz außen erreichten ... und endlich explodierte die aufgestaute Energie vom Schoß aus beginnend als heftiger Orgasmus, der nicht nur durch Alischa lautes Schreien keine Chance hatte, unbemerkt zu bleiben. Es war keine spitze kurze, sondern eine langsam und mächtig ansteigende Explosionswelle, die sich Alischa aufzwang und keine Gegenwehr zuließ. Und noch eine Explosionswelle kam, dazwischen links-rechts, links-rechts, der Rhythmus, der gnadenlos fortgesetzt wurde. Alischa hauchte heftig aus, doch links-rechts, links-rechts, die Hände an ihren Brüsten ließen nicht nach. Eine Explosionswelle blieb stehen und hob Alischa in eine schaukelnde Höhe, in der sie verharrte, links-rechts, links-rechts, sie war eine Milchkuh, die gemolken wurde. Alischa schwebte oben auf einer wohligen Explosionswelle, fern aller Turbulenzen, nichts tun, für nichts verantwortlich sein, mit sich machen lassen, andere Leute machen lassen, andere Leute denken lassen. Die Explosionswelle hielt inne, stieg empor und Alischa sank in die kraftvolle Wolke hinein, welche die Welt fortsprengte, sie aber sanft schützend aufnahm. Alischa geriet in einen Dämmerzustand, links-rechts, links-rechts, Milchkühe brauchen nicht arbeiten. Fast wäre sie eingeschlafen, aber schließlich war die versprochene halbe Stunde tatsächlich vorbei, die Hände massierten ihre Brüste noch einmal kurz durch, schüttelten sie aus und - patsch! - wurde sie mit einem durchaus kräftigen Schlag einer flachen Hand auf ihren Po in die Wirklichkeit zurückgeholt. Aua! Aber der brennende Hintern machte sie wieder wach.
Du machst einen ganz neidisch, lachte die Ärztin, als sie Alischa die Augenbinde abgenommen und sie wieder losgeschnallt hatte. Der dich gemolken hat, ist übrigens ein berühmter Meister seines Fachs und nur wegen dir hier.
Alischa wurde (schon wieder) rot.
Schäm dich nicht, sagte die Ärztin, deine Reaktion war wie zu erhoffen und wird dir später noch sehr helfen. Etwas darf ich dir jetzt noch verraten: Hättest du dich verweigert, dann hättest du deine Reise bekommen plus einen Aufenthalt, nun, an einem dieser eher freizügigen Urlaubsorte, wo gewisse Grenzen auch mal überschritten werden. Damit du nicht enttäuscht wärst. Da du dich aber auf unseren kleinen Test eingelassen hast, kriegst du mehr ... das, was wir versprochen hatten, also den Hauptgewinn. Sie zwinkerte Alischa zu. Frag nicht jetzt, du wirst es noch verstehen. Aber zum Praktischen: Du wirst ab jetzt eine Weile lang sieben mal am Tag eine solche Brustmassagen bekommen, und wenn du dir selbst einen Gefallen tun willst, dann tu es später auch selbst mehrmals täglich, wenn du alleine bist, einfach ungefähr so, wie du es eben erfahren hast, es geht auch ohne Öl ganz gut mit der Hand. Du musst das nicht, aber es wäre hilfreich. Ahnst du, warum?
Nicht ganz, gestand Alischa. Es fühlt sich an ... und es hört sich an, als sollte Milch aus meiner Brust kommen. Aber das ist ja Unfug ... oder?
Nein, kein Unfug. Prinzipiell kann jede Frau auch ohne Schwangerschaft Milch haben. In der Schwangerschaft wird nur viel Drüsengewebe aufgebaut. Das ist, zumindest prinzipiell, der einzige Unterschied. Aber die Milchgabe selbst, die passiert auf Anforderung. Wird Milch benötigt, was der Brust durch regelmäßiges Saugen signalisiert wird, dann reagiert sie mit Milchgabe. Egal, ob davor eine Schwangerschaft war oder nicht. Aber eine Brust mit vielen Drüsen kann eben viel Milch geben und eine Brust mit wenig Drüsen weniger. Weil aber die Nachfrage das Angebot bestimmt, kann auch eine Brust ohne vorhergehende Schwangerschaft nach und nach mehr Milch geben. Deshalb ist es zum Beispiel möglich, dass in den ursprünglicher lebenden Kulturen eine Großmutter mitstillen kann oder die Schwester einer gestorbenen Mutter einspringen kann. Wir sogenannten Zivilisierten kennen das nur nicht mehr, aber die Natur hat das vorgesehen. In unserem Fall, um auf dich, Alischa, zurückzukommen, wirst du fähig sein müssen, Milch zu geben. Schockt dich das etwas?
Ja, nein, also, nein. Nein! Ich will nur verstehen...
Alischa war längst innerlich bereit, das Abenteuer zu erleben, und, nun ... Himmel. Folter war das ja wirklich nicht. Aber etwas Zeit brauchte sie doch, um alles zu verarbeiten.
Schließlich fragte die Ärztin: Und noch etwas - nimmst du die Pille?
Ja.
Zeigst du mir die Packung?
Der gut aussehende Mann reichte Alischa den Rucksack und Alischa holte die Pillenpackung daraus hervor.
Die Ärztin schaute kurz darauf und sagte: Nimm sie ab heute erst einmal nicht mehr. Du könntest sie weiternehmen, aber das wäre ungünstig. Du wirst trotzdem nicht schwanger werden, die Gründe erfährst du noch.
Darf ich...?, fragte Alischa.
Nein, du darfst nicht, noch nicht. Ganz schöne Zumutung, ja? - Die Ärztin schaute Alischa freundlich an und fasste sie an die Schultern. Noch nicht. Und ich verspreche, du wirst dein Vorschussvertrauen nicht bereuen. Und jetzt wünsche ich dir alles Gute für das, was noch kommt. ... Ach ... um wenigstens etwas zu verraten, die da (sie tippte spitzbübisch lächelnd mit dem Zeigefinger auf Alischas Brüste) ... die da werden wachsen. Die Ärztin zwinkerte Alischa zu.
Nicht dass Alischa mit ihren Brüsten unzufrieden gewesen wäre, aber so ein klein wenig mehr hatte durchaus auf ihrem Wunschzettel gestanden. Ging sowas wirklich?
Die Ärztin flüsterte Alischa, schon halb im Gehen, noch zu: Es gibt Zierbrüste und es gibt Nutzbrüste. Die Nutzbrüste sind die interessanteren! Die Ärztin deutete ein Psssst! an, lachte aber laut, und ging endlich zurück zum Podiumstisch
[15].
Alischa... ließ sich die zweite Frau am Podiumstisch hören.
Alischa wandte sich wieder dem Podiumstisch zu.
Alischa, du hast jetzt noch eine notwendige kleine Bewährungsprobe vor dir, zum einen als Prüfung für dich selbst und für uns, und zum zweiten auch, weil es gar nicht anders geht. Und es gibt dir zum dritten natürlich auch noch etwas mehr Bedenkzeit. Du wirst jetzt mit diesem Mann, sie deutete mit ihrem Kopf zu dem gut aussehenden Mann, der an der Tür stand, eine Reise beginnen. Ihr bekommt einen Geländewagen, Benzin, Wasser, Essen, und macht euch auf den Weg. Der Mann, der dich vorne empfangen hat, hat genug Informationen, um den Weg auch zu finden. Vermeidet jeden Kontakt zu anderen Menschen, die ihr vielleicht zufällig trefft. Die Wahrscheinlichkeit ist gering, aber es könnte ja sein, dass sich Nomaden oder Abenteurer in diese Gegend verirren. Und achtet auch darauf, dass ihr nicht von eventuellen Flugzeugen entdeckt werdet und macht kein Feuer. Hast du eine Taschenlampe bei dir?
Ja.
Benutze sie nicht unter freiem Himmel. Der Ort, zu dem Ihr geht, soll niemandem bekannt werden. Wirklich niemandem! Versprichst du, dass du dir wirklich Mühe gibst?
Aber ja doch. Alischa lachte jetzt.
Der gut aussehende Mann mischte sich ein, Alischa, das ist wirklich wichtig. Wenn du erst einmal weißt, worum es geht, wirst du es verstehen; es wäre schade, wenn kaputtgemacht wird, was wir besuchen, und es gibt genug Leute, die es kaputtmachen würden. Vertraust du mir einfach?
Ist ja gut, sagte Alischa, ich verspreche es. Ich werde mir alle Mühe geben, dass dieser geheimnisvolle Ort, von dem ihr erzählt, auch geheimnisvoll bleibt. Aber ich platze langsam vor Neugier, könnt ihr das verstehen?
Lachen.
Können wir, sagte die Frau, und ehrlich, ich würde dir gerne mehr sagen, aber du darfst es nicht erfahren, bevor du es selbst gesehen hast. Niemand darf es erfahren, der es nicht selbst gesehen hat. Es ist uns nicht erlaubt, es zu sagen, aber dieses Verbot ist auch sinnvoll. Weißt du, es ist etwas ganz anderes, ob man etwas selbst erfahren hat oder nur abstrakt davon weiß. So, Schluss mit der Diskussion, ihr wollt heute noch losfahren.
Wer noch saß, erhob sich jetzt von den Plätzen und trat zu Alischa, die jetzt, nackt wie sie war, von sechs angezogenen Personen umgeben war. Man schüttelte ihr die Hand, man raunte ihr zu, dass sie Unglaubliches erwarte, man machte geheimnisvolle Blicke – und dann war sie entlassen und blieb (nackt) mit dem unglaublich gut aussehenden Mann alleine im Raum.
Reise ins Gelobte Land
Komm, sagte der gut aussehende Mann, im Springbrunnen vorne kann man baden, ich glaube, das kannst du gut gebrauchen. Ohne weitere Fragen nahm er einfach Alischas Sachen und dieser blieb nichts weiter übrig, als ihm splitternackt zu folgen. Als sie ihn eingeholt hatte, war er längst in dem schönen Empfangsraum, den sie vorhin durchquert hatte. Er legte ihre Sachen auf eine Bank, zog sich selbst nackt aus (ja!) und ließ sich lachend in den Springbrunnen fallen.
Los, komm! Zier dich nicht, ich darf dich sowieso nicht anfassen. Er schwamm auf dem Rücken und sein enorm angeschwollener Zeiger wies darauf hin, dass Vorschrift und eigener Wunsch wie so oft im Leben im Widerspruch stand.
Alischa pustete und ließ sich ebenfalls ins Wasser fallen. War das herrlich! Der Springbrunnen war vielleicht brusttief und Alischa hielt die Luft an, um völlig ins Wasser einzutauchen. Sie tauchte bis zum Grund hinunter und zum anderen Ende des Springbrunnens. Der Boden war mit einem geschmackvollen Mosaikmuster belegt, der sich durch die zahlreichen Luftblasen leider nicht vollständig erfassen ließ. Als Alischa ihren Kopf wieder über Wasser hatte und die nassen Haare ausschüttelte, befand sie, dass es eine eigene Reise wert wäre, um in einer Flughafenhalle nackt im Springbrunnen zu baden. Es fehlten nur noch Fluggäste und Bodenpersonal, möglichst lauter Ölscheichs und verschleierte Frauen, die Ihnen zuschauten. Alischa hätte das im Moment hochgradig reizvoll gefunden. Aber es war leider niemand da, sogar der seltsame Grenzbeamte schien verschwunden zu sein, und von den fünf Leuten im Untersuchungszimmer war auch keine Spur, aber die hatten sie sowieso schon nackt gesehen, zählten also nicht. Alischa tauchte noch einmal tief in den Springbrunnen, betrachtete den Mosaikboden, machte ein paar Schwimmbewegungen und tauchte wieder auf.
Und was kommt jetzt?
Wir nehmen die Sachen, gehen zum Auto und fahren los. Der Geländewagen steht abfahrbereit draußen und die Wegverpflegung ist auch schon drin. Bist du soweit?
Einen Moment, sagte Alischa, tauchte noch einmal tief durch das Becken und als sie wieder oben war, sagte sie, jetzt. Jetzt kann es losgehen. Nein, doch nicht. Frauen sind nämlich furchtbar neugierig, musst du wissen. Warum diese Untersuchung? Ich meine, vor lauter Seltsamkeiten wundere ich mich ja schon über gar nichts mehr und wäre ich nicht schon halb wie in einem Traum, dann ...
Alischa wusste nicht mehr, wie sie weiterfragen sollte.
... aber was ist der Sinn dahinter? Ist das hier eine Mädchenentführung für den Harem eines reichen Ölscheichs? Aber warum der riesige Aufwand und warum diese Bewährungsprobe? Und warum das mit den Brüsten?
Alischa sah den Mann, der zu ihr herangeschwommen war, ehrlich hilflos an. Der pustete sich eine Haarsträhne aus den Augen, die ihm das Wasser des Springbrunnens dorthin gespült hatte. Er sah Alischa eine Weile ohne ein Wort an, holte Luft, sprach doch nicht, holte wieder Luft, fasste die nackte Alischa mit seinen kräftigen Händen an beiden Schultern, sah ihr tief in die Augen (Alischa wurde ganz anders) und sagte schließlich:
Ich darf dir wirklich gar nichts sagen, leider, noch nicht. Nur dass du es nicht bereuen wirst. Wirklich nicht. Wart einfach ein paar Tage ab, mehr nicht.
Plötzlich grinste er frech und schaute offen auf Alischas Brüste:
Doch, eins kann ich dir verraten. Deine Brüste werden schöner und voller. So etwa zwei Körbchengrößen. Versprochen mit Geld-zurück-Garantie.
Plötzlich wurde der Mann rot und setzte rasch nach:
Nicht dass sie es nötig hätten, sie sind auch jetzt schon sehr schön, aber ich meine ja nur, weil doch die meisten Frauen über ihre Brüste meckern.
So so, antwortete Alischa, sie sind also auch jetzt schon schön, meinst du, könnten aber schöner werden?
Der Mann wurde noch röter und wand sich. Alischas Schultern ließ er dabei los.
Ich meine ja nur, druckste er, du wirst schon sehen.
Das klang, als wäre es ernstzunehmen. Nicht, dass Alischa nicht tatsächlich diese und jene Wünsche ihre Brüste betreffend gehabt hätte. Aber welches Geheimwissen konnte das sein, so etwas würde sich doch herumsprechen? Jedenfalls war Alischa neugierig genug geworden, um sich in das Abenteuer hineinfallen zu lassen. Ruhe, Ordnung und Sicherheit hätte sie zu Hause haben können, aber das war eindeutig nicht ihr Lebenstraum. Ans Leben schien es nicht zu gehen, an die Gesundheit auch nicht und die Freiheit war ihr zu Hause schon genommen. Also war der Rest eine Definitionsfrage und ob man den Verstand zur Hure machte, um etwas zu erreichen, oder den Schoß, da würde man sich ernsthaft fragen müssen, was moralischer war. Alischa war für Ehrlichkeit, und zwar auch sich selbst gegenüber. Deshalb kam eine Umkehr für sie nicht in Frage.
Als sie schließlich aus dem Wasser gestiegen waren, kratzte sich der Mann am Kopf. Handtücher haben wir keine, fand er heraus.
Na und, sagte Alischa, wenn wir schon nackt in einer Flughafenhalle baden, sollte es kein Problem sein, den Fahrtwind als Handtuch zu benutzen. Oder gibt es hier doch noch Leute?
Nein, sagte der Mann, keinen einzigen; dieser Ort hier ist normalerweise völlig verlassen. Das war früher mal ein französischer Militärstützpunkt oder so etwas, aber das ist schon lange her. Lass uns einfach zum Auto gehen.
So verließen beide nackt, die Anziehsachen in der Hand tragend, die Flughafenhalle und gingen zum Geländewagen. Ein Jeep, hätte Alischa gesagt, aber das war für sie jeder Geländewagen. Dieser sah jedenfalls so aus und hatte vorne eine Frontscheibe und oben ein Dach, war aber ringsherum offen. Der Mann warf die Anziehsachen und Alischas Rucksack achtlos hinten in den Wagen hinein und nahm anschließend auf dem Fahrersitz Platz. Alischa setzte sich neben ihn auf den Beifahrersitz. Der Mann holte ein Notizheft aus dem Handschuhfach, schlug es auf und Alischa sah Anweisungen für die Fahrt, links, rechts, geradeaus, so etwas in dieser Art, dazu weitere Hinweise zum Gelände, aber keine Karte.
Der Mann griff zum Armaturenbrett, um das Auto zu starten, da sagte Alischa, warte mal. Er zog die Hand zurück und sah sie an.
Du ... fragte sie verlegen, ... die hatten da drin etwas von sieben mal am Tag gesagt, also diese Massage. War das ernst gemeint?
Ja, antwortete er einfach, ich werde das machen, ich bin nicht so gut, wie dieser Meister, aber ich bin nicht ungeübt. Und um nicht um den heißen Brei herumzureden: Sag »melken«, denn das ist es.
Alischa schaute den Mann an. Er hatte dieses Wort weder vulgär, noch herabsetzend, noch aufreizend ausgesprochen, ja noch nicht einmal besonders betont. Das Wort »melken«.
Der Mann sah Alischas Verwirrung und lächelte. Melk heißt Milch. Nenne ein besseres Wort, aber ehrlich muss es sein, kein Hüllwort.
Alischa fand keins. Aber es klingt brutal, sagte sie.
Ist es nicht seltsam, dass Dingen ein brutaler Klang gegeben wird, die gar nicht brutal sind? – Das ist unser kommendes Abenteuer, lass dich darauf ein, es lohnt sich!
Wo ging es hin? Was hatte man mit ihr vor? Passierte doch so etwas, wie eine Entführung in ein Wüstenschloss? - Aber dafür waren eindeutig zu viele Leute beteiligt. Für diesen Aufwand hätte sie eine Schönheitskönigin oder so etwas sein müssen und dafür hielt sich Alischa dann doch nicht. Es sei denn, sie wäre eine »Spezialbestellung« für jemanden mit einem speziellen Geschmack. Sowas sollte es geben! Aber was an ihr könnte einen lüsternen gelangweilten Wüstenscheich dazu bringen, sie von so weit her holen zu lassen?
Nein, alles Quatsch... Auch weibliche Spezialitäten hätte man deutlich einfacher bekommen können. Alischa beschloss, keine Spezialbestellung für einen reichen Ölscheich zu sein.
Unterdessen startete das Auto und es ging los. Der Fahrtwind war bei der herrschenden Hitze außerordentlich angenehm und es war das kleinste Problem, die vom Baden nasse Haut trocken zu bekommen. Sie ließen den kümmerlichen verfallenen Flughafen rasch hinter sich. Eine Straße gab es nicht. Nur an der Lage der Steine und an alten Reifenspuren war zu erkennen, dass sie einer Piste folgten, die extra für Fahrzeuge angelegt worden war. Spuren kreuzten sich, Spuren gingen auseinander, Spuren führten zu ihnen. Sie fuhren mit dem Geländewagen in Richtung eines Gebirges, das sich am Horizont erhob. Immer geradeaus. Beide hatten sich inzwischen wieder angezogen, da die Sonne unbarmherzig brannte und die Sonnenstrahlen auch von der Seite her ihren Weg auf ihre Haut fanden. Zu trinken hatte der Mann nur pures Wasser mitgenommen, aber warme Cola wäre sowieso nicht das Getränk der Stunde gewesen und mit etwas Durst schmeckte das Wasser, wenn man es sich recht überlegte, ganz ausgezeichnet.
Nach etwa drei Stunden der erste Halt. Zieh dein Hemd wieder aus, sagte der Mann. Alischa hatte schon beim Bremsen gewusst, was kommen würde. Während der Fahrt hatte sie nachgerechnet: Einmal morgens und einmal abends abgezogen, macht noch fünf mal zwischendurch. Bei etwa sieben mal am Tag hätten sie eigentlich sogar schon früher halten müssen. Alischa zog das Hemd aus und saß wieder barbusig auf ihrem Sitz. Wenn an den unglaublich gutaussehende Mann schon sonst nicht heranzukommen war, dann wenigstens so.
Steig aus und lehn dich mit dem Kopf gegen den Wagen. Nein, etwas mehr vorgebeugt. Der Mann kippte sich Öl auf die Handflächen, verrieb es, trat hinter Alischa und begann, von dort aus ihre Brüste zu massieren. Hmmmmm, angenehm. Und sowieso die Berührung eines solchen Manns... Der Mann begann die Massage mit beiden Händen unter ihre Achseln greifend an den Brustansätzen unter den Achseln und arbeitete sich langsam in großen Kreisen, nach vorne immer enger werdend. Alischa schnurrte. Besonders die Stellen seitlich hinten und vorne oben waren überraschend interessant. Er hielt sich lange im Bereich der Höfe auf, ließ aber die Brustwarzen selbst gemeinerweise unbeachtet, obwohl diese doch in unmittelbarer Nachbarschaft lagen, ein halber Zentimeter mehr und es wäre bestimmt noch interessanter geworden. Obwohl das momentane Gefühl auch erlebenswert genannt werden musste. Der Mann machte mit Zeige- und Mittelfinger kleine kreisende Bewegungen im Bereich der Höfe und tastete sich dabei vorsichtig ins tiefere Brustgewebe hinein, erfühlte die Strukturen in der Brust und massierte diese vorsichtig durch. War eine Stelle fertigmassiert, setzte er die beiden Finger an eine andere Stelle der Höfe und begann von vorne. Das war nicht so vordergründig sexuell wie bei diesem Meister, aber trotzdem ein Traum von angenehmer Berührung. Irgendwann hatte der Mann leider den inneren Kreis um die Brustwarzen herum (leider ohne diese!) vollendet. Es war viel zu kurz gewesen, fand Alischa, höchstens zwei oder drei Minuten. Jetzt setzte er die Fingerspitzen mit dem Handrücken zu ihrem Körper gewandt auf ihren Brustansatz an der Schulter und strich die Hände bis zu ihren Brustwarzen. Alischa bekam eine Gänsehaut und die Brustspitzen richteten sich auf. Er setzte etwas daneben an und strich wieder zu den Brustwarzen hin. Er berührte die Brustwarzen! Wenn auch nur seitlich von hinten nach vorn. So arbeitete er sich zügig um beide Brüste herum. Brustwarzen samt Höfen reagierten, indem sie zu zerklüfteten festen Vulkanen wurden. Ein eigenartiges, aber wundervolles Gefühl, aber noch viel schneller vorbei. Doch jetzt kam noch eine dritte Stufe: der Mann griff von den Seiten unter ihre schaukelnden Brüste und schüttelte diese in schnellen Bewegungen aus - auch das wie zuvor rund um die Brüste herum. Aber ach! Nach kurzer Zeit war auch dieses angenehme Vergnügen vorbei. Alischa wollte schon enttäuscht sein, denn das waren ja höchstens fünf oder sechs Minuten gewesen, da erfassten die Finger des Manns endlich ihre Brustspitzen. Mit dem Daumen auf der einen und Zeige- und Mittelfinger auf der anderen Seite der Brustwarzen begann er, von den Höfen hinter den Brustwarzen ausgehend, ausrollende, melkende Bewegungen zu den Brustwarzen hin zu vollführen, massierend, auswringend, nach vorne ziehend. Und zwar gekonnt, aber mit nicht wenig Kraft! Alischa war einige Augenblicke lang unsicher, denn das Gefühl war durchaus heftig. Aber weil es die kritische Grenze nicht überstieg, entspannte sich Alischa wieder und ließ es mit sich geschehen. Auch das stellte sich als genussbringend heraus. Alischa seufzte wohlig. Weitermachen, nur nicht aufhören, dachte sie. Aber auch das war einmal vorbei, doch immerhin nach etwas längerer Zeit.
So, das genügt, befand der Mann, zehn bis zwölf Minuten reichen. War es zu stark?
Alischa schüttelte den Kopf. Sie war noch etwas abwesend.
Komm, steig ein, träumen kannst du im Auto, wir wollen weiter, setzte er nach. Alischa erwartete halb einen abschließenden Klaps auf den Hintern, aber der kam nicht. Als Alischa die Augen öffnete, grinste der Mann nicht, sondern sah sie mit offenem Blick einfach an.
Wie heißt du eigentlich?, fragte Alischa.
Tim. Eigentlich Thomas, aber keiner nennt mich so, weil gefühlt jeder Zweite so heißt. Den Spitznamen Tim habe ich nach irgend einem Krimihelden gekriegt.
Wie bist du dazu gekommen, mein Reiseleiter zu werden?, fragte Alischa.
Das bin ich strenggenommen nicht, antwortete Tim. Irgendwo natürlich schon, aber viel eher bin ich eine Art Sklave für dich. Ja, wirklich! Ich habe eine Schuld abzutragen, das ist der Grund. Aber nicht für ewig. Und glaube ja nicht, dass ich das ungern mache. Ganz im Gegenteil. Was ich erhalten werde, ist alles wert und noch viel mehr. Ich habe dich zu beschützen, dich zu führen und dir in jeder Beziehung von Nutzen zu sein, die mir selbst nicht nutzt und meinen Auftrag nicht gefährdet.
Alischa kniff die Augen zusammen. Um ehrlich zu sein ... ich finde dich mehr als lecker. Angenommen, ich befehle dir, mich augenblicklich zu ficken, müsstest du das auch tun?
Nein, sagte Tim, das dürfte ich nicht, weil das nicht geht, ohne dass ich selbst dabei Lust verspüre, also einen Nutzen davon hätte. Außerdem wäre ein Orgasmus vielleicht nicht zu verhindern und ich bin zu so etwas wie einem Zölibat verpflichtet.
Du bist ein Mönch?!
Nein, sagte Tim, nur eine bestimmte Zeit lang, und ich darf auch bei sexuellen Sachen dabei sein, aber ich darf keine Befriedigung daraus erlangen, jedenfalls in dieser Zeit.
Aber angenommen, ich würde dir befehlen, mich zu lecken oder zu fingern, müsstest du das tun?
Ja, sagte Tim, das müsste ich. Und er schaute starr geradeaus durch die Frontscheibe des erstaunlich schnell fahrenden Geländewagens.
Keine Angst, sagte Alischa, ich will gar nicht, und zog sich das Hemd wieder an.
Drei Stunden später wiederholte sich die Pause, weiter ging die Fahrt und nochmals wurde zum einzigen Zweck gehalten, Alischa die Brüste zu massieren. Nein: Zu »melken«. So vergingen die Stunden, das Gebirge rückte näher und am Abend hatten sie es erreicht. Zu Alischa Überraschung waren Reste eines alten verrosteten Zauns zu sehen. Sie fuhren hindurch und auf das Gebirge zu. Einige völlig verfallene Gebäude waren auf ihrem Weg zu sehen. Alischa hatte gehofft, dass es im Gebirge schattige Palmen oder Ähnliches geben könnte, aber was es gab, war nur Felsen und Geröll, nicht eine einzige vertrocknete Pflanze. Ihr Wagen suchte sich den Weg durch ein Tal zwischen den Bergen. Die Sonne brannte auch abends noch unbarmherzig und die farbigen Felsen warfen die Strahlen der Sonne in ihren Wagen hinein. Alischa kam es vor, als wären sie schon eine ganze Woche gefahren, als Tim bei den letzten Strahlen der Sonne plötzlich ausrief, dass sie die erste Etappe geschafft hätten. Er zeigte nach vorn, wo ein weit überhängender Felsen zu sehen war. Dort übernachten wir, sagte er. Er steuerte den Geländewagen zu dem überhängenden Felsen, fuhr unter ihn und schaltete den Motor dort endlich aus.
Nach dem Aussteigen bekam Alischa kaum den Rücken gerade, die kurzen Zwischenhalts zählten irgendwie nicht für den Rücken und die Beine. Sie schüttelte ihre Gliedmaßen und nahm etwas Wasser, um sich das Gesicht abzuwaschen.
Verbrauch nicht zu viel Wasser, sagte Tim, wir haben zwar genug mit, aber man weiß nie, wie es kommt.
Alischa beschloss, dem Rat zu folgen. Tim warf ihr eine Decke zu. Wir schlafen im Auto, wegen der Skorpione. Hier soll es zwar nicht viele davon geben, aber wozu auf Komfort verzichten, den man einfach so hat.
Die Autositze ließen sich nach hinten klappen und bildeten zusammen mit einer daraufgelegten Unterlage eine halbwegs komfortable Schlafgelegenheit. Die letzte Brustmassage bekam Alischa zur Abwechslung auf dem Rücken liegend von vorne. Sie hatte die Augen schon geschlossen und weil die Massage entspannend war, schlief sie dabei ein. Nachts registrierte sie im Halbschlaf, dass Tim doch tatsächlich sogar nachts seiner Pflicht an ihren Brüsten nachkam. Nicht meine Mühe, dachte sie im Halbschlaf und war augenblicks wieder weggedämmert.
In der Nacht blieb es warm, obwohl Alischa eine starke Abkühlung erwartet hätte. Im Gegenteil, die herrschenden vielleicht 22 bis 25 Grad waren angenehm nach der Tageshitze und Alischa schlief bis auf die eine Unterbrechung gut.
Am nächsten Morgen war Alischa als erste wach, weil ein gewisses Bedürfnis drückte, und als sie um den Felsen herumgegangen war, um sich dort zu erleichtern, folgte ihr Tim und sagte der hockenden Alischa, macht das nicht, bleib in meinem Blickfeld. Oder anders ausgedrückt: Bleib immer da, wo du mich sehen kannst. Ich weiß nicht, was uns erwartet, aber ich habe schon viel Überraschendes zu sehen bekommen, das ich nicht erwartet hätte. Also riskieren wir besser nichts, bloß weil du kacken musst. Ich werde es genauso halten. Also mach los. Und er blieb tatsächlich stehen, wo er war.
Sag mal, kannst du dich nicht wenigstens umdrehen? Ich kann so nicht!
Doch, kannst du. Wenn nicht jetzt, dann bestimmt später. Und wenn nicht später, dann eben noch später.
Tatsächlich, das half, ohne dass sie auf noch später warten musste.
Als Frühstück gab es Brot, scharf gesalzene Dauerwurst, Obst und reichlich Wasser. So schlecht schmeckte es Alischa aber gar nicht, da sie einen ziemlichen Hunger hatte und die eigenartig gefärbten Felsen in ihrer Umgebung durchaus einen reizvollen Ausgleich bildeten.
Sag mal, fragte Alischa, ist diese salzige Wurst nicht eine ziemlich dämliche Idee, wenn wir Wasser sparen sollen?
Nein, brummte Tim kauend, erstens hält was Anderes bei dieser Hitze nicht, zweitens ergänzt es das Salz, das du ausschwitzt und drittens bezieht sich das Sparen nicht aufs Trinken, vor allem nicht für dich. Trink, soviel du willst und gerne noch etwas mehr. Aber das Wasser ist eben nur zum Trinken da, das ist alles.
Als sie mit dem Essen fertig war, rekelte sich Alischa mit dem Rücken gegen einen Stein, gähnte und mit frechem Blick: Und, jetzt werde ich noch gemolken, ja?
Ja, wirst du, aber lach ruhig, du wirst mir dafür später noch sehr dankbar sein.
Wieso zum Teufel eigentlich?! - entfuhr es Alischa. Muss das wirklich sein, dass ich als dumme Pute, Entschuldigung dumme Kuh, gar nichts erfahre?
Leider ja, meinte Tim, aber du wirst bald alles erfahren, und dann geht’s dir besser als mir, wenn dich das tröstet.
Komm schon, meine Alischa entschuldigend, tu deine Pflicht, aber könnten wir das nicht gleich hier machen? Der Blick von hier ist hübsch, wir sitzen im Schatten...
Ich kann mich hinter dich setzen, sagte Tim, das geht sogar ziemlich gut, rück mal ein Stück vor.
Alischa rückte ein Stück vor, sodass nun eine Lücke zwischen ihrem Rücken und dem Felsstein entstanden war. Tim glitt dazwischen und saß nun breitbeinig hinter ihr, aber es blieb eine Handbreit Abstand zwischen ihnen.
Zieh dir das Hemd aus.
Alischa zog ihr Hemd aus und saß nun barbusig vor ihm. Seine Hände glitten wie schon die Male zuvor unter ihren Achselhöhlen hindurch und begannen, ihre Brüste zu massieren. Alischa schnurrte wohlig und da die Gelegenheit günstig war, lehnte sie ihren Rücken gegen seinen Oberkörper.
Das müsste so besser gehen für dich, meinte Alischa.
Müsste es, meinte er.
Alischa kicherte. Der Arme. Seine Erektion stand im Widerspruch zu seiner kurzangebundenen Antwort, denn sie drückte mehr als deutlich gegen ihren Po. Aber die Massage ging wirklich gut so, vielleicht auch durch die körperliche Nähe unterstützt. Alischa hatte das Gefühl, dass seine Hände und Finger besser in ihre Brüste hineintasteten, walkten, massierten und auswrangen, von hinten in konzentrischen Kreisen nach vorne kamen, bis endlich ihre Höfe und Brustwarzen gemolken wurden, links-rechts, links-rechts, links-rechts. Erst schnell und gut stimulierend und anschließend langsamer und tiefer werdend. War das entspannend... Alischas Gedanken schwebten davon ... wie wäre es denn zum Beispiel, von einem reichen schönen Wüstenscheich in einer Oase als Milchsklavin gefangengehalten zu werden, als edelstes Stück seiner Sammlung, wegen ihrer Milchqualität gut versorgt, bei Laune gehalten und von Arbeiten freigestellt... Und hübsche Sklaven würden sie melken. Auch Sklavinnen vielleicht. Und ihre Milch würde sie selbst in einer schönen Porzellanschale darbieten, als Kostbarstes seiner Nahrung, um ihm Gesundheit und ein langes Leben zu bescheren, ganz abgesehen vom Hochgenuss des einzigartigen Geschmacks ihrer kostbaren Milch. Und abends und morgens würde er es aber vorziehen, die Milch ganz frisch direkt aus ihrem Körper zu saugen.
Links-rechts, links-rechts, links-rechts.
Ein Stups gegen ihre Schulter: Wir sind fertig, komm, auf geht’s.
Wüstental folgte auf Wüstental. Fahrt folgte auf Pause zur Brustmassage folgte auf Fahrt folgte auf Pause zur Brustmassage. Das blieb nicht ohne Folgen. So angenehm die Pausen waren, um Rücken und Beine ausstrecken zu können, so sehr taten die Massagen offenbar ihre Wirkung an Alischas Brüsten. Sie reagierten mit einem leichten Spannen, vor allem an den Seiten, und waren berührungsempfindlich geworden. Alischa sagte das Tim.
Wollen wir nicht etwas aussetzen, bis sich die Brüste etwas daran gewöhnt haben? Alischa war wirklich besorgt.
Nein, meinte Tim sehr bestimmt, dieses Spannen ist am Anfang normal und ein gutes Zeichen. Es wird sogar noch stärker werden. Deine Brüste wachsen jetzt, weißt du?
Die wachsen einfach so? Mehr ist dazu nicht nötig? Hören und glauben sind zweierlei! Es hätte sich doch längst herumgesprochen, wenn man Brüste auf so billige Weise vergrößern könnte. Glaubst du, ich hätte das nicht längst gemacht, wenn auch nur das Gerücht über so einen einfachen Trick in Umlauf gewesen wäre?
Ist aber so, sagte Tim. Lass mich machen und lass dich selbst drauf ein.
Und die bleiben groß?
Ja und nein, sagte Tim. Nur wenn du die Massagen regelmäßig machst ... oder was anderes - aber das erfährst du schon noch.
Den letzten Teil hörte Alischa schon nicht mehr. Das war also der Haken. Kein Mensch würde im normalen Alltag so häufig die Massagen machen können. Alischa sagte es laut.
Kopf hoch, lachte Tim. Sie bleiben dir erhalten, glaub es mir.
Und weiter ging die Fahrt.
Und noch ein Tag verging auf diese Weise.
Und noch ein Tag.
Die Fahrt war eintönig geworden, wenn auch die Wüstenlandschaft nicht ohne Reiz war. Zeitweise döste Alischa sich während der Fahrt in den Schlaf hinein, weil es nichts besseres zu tun gab.
Plötzlich, die Sonne stand bereits nahe dem Horizont, stoppte Tim den Geländewagen und Alischa wachte davon auf.
Was ist los?
Tim sah in sein Notizheft, wieder in die Umgebung und murmelte, es ist ganz eindeutig, wir sind da. Doch er fuhr wieder los, betrachtete aber angestrengt die Felshänge links von ihnen. Einige Kilometer später legte er plötzlich einen der unteren Gänge ein und der Geländewagen rumpelte mit aufheulendem Motor einen Hang hinauf, bis eine Höhle sichtbar wurde. Auf diese steuerte er zu, fuhr einige Meter weit hinein und machte den Motor aus.
Endstation für den Wagen, sagte er, den restlichen Weg müssen wir zu Fuß gehen. Nimm deinen Rucksack raus. Wasser und Essen trage ich, aber falls du noch Platz in deinem Rucksack hast, nimm ruhig mehr Wasser mit ... man weiß ja nie. Aber überlaste dich nicht, Essen, Trinken, Weg und Sicherheit sind mein Job.
Alischa packte noch etwas Wasser in ihren Rucksack. Beim Kramen fiel ihr noch einmal die Pillenpackung in die Hand. Es echote in Alischa: »Du wirst trotzdem nicht schwanger werden, die Gründe erfährst du noch.« Alischa zerknüllte die Packung in der Hand, und wollte sie in die Höhle fortwerfen.
Nein, mach das nicht, sagte Tim. Die Packung verrät ihre Herkunft. – Tim nahm Alischa die Packung ab, legte sie weiter hinten in der Höhle zusammen mit Knüllpapier auf den Boden, goss etwas Benzin darüber und zündete alles an. Alischa sah dem rußenden Feuer zu. Was übriggeblieben war, zerstieß Tim mit dem Fuß und begrub es unter Sand.
Als schließlich alles Nötige aus dem Auto herausgeholt war, zog Tim eine sandfarbene Plane aus dem Geländewagen, deckte diesen damit zu und beschwerte die Plane auf dem Boden mit Geröll. Zum Schluss warf er noch Sand auf die Ränder der Plane und der Wagen war im Halbdunkel der Höhle gar nicht so übel getarnt.
Inzwischen war es dunkel geworden. Sie nahmen ihr Essen im Schein einer leicht lädierten Kerze in der Höhle ein und anschließend bekam Alischa ihre obligatorische Brustmassage. Alischa kam es so vor, als wenn Tim mehr als üblich ihre Brüste in die Länge zog ... anders war das nicht zu beschreiben. Plötzlich hielt Tim inne, wühlte in seinem Rucksack, holte eine Taschenlampe heraus und leuchtete Alischas linke Brust an. Schau her, sagte er und griff mit Daumen und Zeigefinger im Bereich ihrer Brustwarzenhöfe tief in die Brust und machte eine geschickte langsam auswringende kräftige Melkbewegung zur Brustspitze hin. Alischa sah im Licht der Taschenlampe ein schmutziggelbes dickes Tröpfchen hervorquellen.
Ich habe es gestern schon gemerkt, sagte Tim, aber die Farbe war noch nicht so perfekt. Es wird mehr werden und die Farbe wird in kurzer Zeit weiß sein, richtig weiß. Im Moment ist jede noch so absurde Farbe möglich.
Ist das echte Milch?, fragte Alischa erstaunt.
Fast, sagte er, es ist so eine Art Vorstufe davon, aber in kurzer Zeit wirst du richtige Milch haben und dann wird sie immer mehr. Je mehr, desto einfacher wirst du es hinterher haben.
Wozu das Ganze?, fragte Alischa. Ich finde es ja sehr spannend, es fühlt sich auch nicht schlecht an, und weil du es machst, ist es auch mehr als nur das, Alischa wurde rot, ... aber was ist der Sinn dahinter?
Tim druckste. Weißt du, eigentlich darfst du es erst wissen, wenn du da bist ... aber dort wirst du es brauchen, deine Milch, meine ich ... und ... ich ... nein, ich sage nichts, aber es ist großartig, hörst du, du bist eine Auserwählte und du wirst es nie bereuen. Und ich werde später auch einmal ein Auserwählter sein.
Er hatte Tränen in den Augen, richtig Tränen. Alischa schluckte. Ist schon gut, flüsterte sie, schon gut. Ich vertraue dir ja.
Auserwählte...
Komm, lass uns losgehen, sagte Tim heiser, in diese Richtung müssen wir. Er zeigte mit der linken Hand in Richtung Talausgang und zerrte sich mit der rechten Hand seinen Rucksack auf den Rücken. Alischa, die sowieso längst jedes Gefühl dafür verloren hatte, wo sie sich befanden, zog ihr Hemd wieder an, packte ihren viel kleineren Rucksack auf den Rücken und folgte ihm.
Es war längst Nacht, und da keine einzige Wolke am Himmel stand und sich der Sternenhimmel in aller Pracht zeigte, und noch dazu der Vollmond leuchtete, fiel die Orientierung leicht. Wir werden bis auf die Pausen die ganze Nacht hindurch laufen, sagte Tim, unter der glühenden Sonne würdest du das nicht aushalten. Es war gut, dass du während der Fahrt geschlafen hast.
So liefern sie durch die nächtliche Wüste, Stunde um Stunde, Pausen dazwischen, die durch Brustmassagen angenehm in die Länge gezogen wurden, und wieder weiter. Wenn Alischa sich außerhalb der geplanten Pausen hinsetzen wollte, scheuchte Tim sie sofort wieder hoch: Du wirst träge, wenn du dich hinsetzt, bleib besser einen Augenblick stehen, wenn du Erholung brauchst. Weiter ging es, Stunde um Stunde. Da Alischa die Füße wehtaten, pries sie innerlich ihre Brüste, die ihr regelmäßig Pausen verschafften. Erst als die Morgensonne sich nahte, suchte Tim als Schlafplatz einen vorstehenden Felsen, der Schatten zu spenden versprach. Hier verschlafen wir den Tag, sagte er und half Alischa, den Rucksack abzusetzen. Alischa war todmüde, ihre Beine schmerzten und für ihren völlig verschwitzten Körper hätte sie sich nichts mehr gewünscht, als das Bad im Springbrunnen, das sie vor ihrer Abfahrt genommen hatten. Nur gut, dass sie ihre alten ausgetretenen Wanderschuhe anhatte und nicht etwa neu gekaufte Schuhe, die ihr hier sicher die Hölle bereitet hätten. Alischa aß schon während der Brustmassage und nahm kaum wahr, dass Tim ehrlich begeistert die ersten weißen Tropfen aus ihren Brüsten pries. Tim schien ein Perpetuum Mobile zu sein, einfach unermüdlich, um so mehr erstaunlich, als Alischa durchschlafen konnte, während er seinen Schlaf unterbrechen musste, um ihre Brüste zu massiere und zu melken. Sie wachte davon nur kurz auf, war aber stets sofort wieder weg. Oder sie wachte doch nicht immer auf - genau konnte Alischa das gar nicht sagen. Nach dem Essen fiel Alischa mehr zur Seite, als dass sie sich legte. Hier gibt es Skorpione, dachte Alischa noch kurz, aber sie war so müde, dass ihr das egal war. Als Tim Abendbrot aß, schlief Alischa bereits. Sie merkte auch nicht mehr, wie er ihre Decke über sie legte.
So verschliefen sie die Hitze des Tages. Alischa wachte am späten Nachmittag auf, ohne dass Tim sie wecken musste. Ihr Hemd war hochgezogen, Tim musste sie doch tatsächlich gemolken haben, der arme Kerl, und ihre Brüste spannten heftig.
Wir laufen erst los, wenn es dunkel wird, sagte Tim und Alischa war diese Idee mehr als recht.
Sag mal, kannst du meinen Brüsten was Gutes tun? - Die spannen unerträglich.
Tim setzte sich hinter sie und begann seine Arbeit - links-rechts, links-rechts, links-rechts. Eigentlich eine gemeine Falle: Das Melken machte die Brüste wild, was den Wunsch hervorrief, gemolken zu werden, was die Brüste wild machte, was den Wunsch hervorrief, gemolken zu werden. Aber es war angenehm. Angenehm und entspannend. Und lustvoll. Und die große Beachtung, die ihre Brüste erfuhren, waren ein ganz eigener Bonuspunkt. Als Tim nach drei oder vier Minuten seine Rhythmus verlangsamte und begann, tiefer in die Brüste zu greifen und sie wringend in die Länge zu ziehen, sah Alischa, wie Milch regelrecht aus ihrer Brust herausspritze. Nur einmal, aber immerhin, und Alischa lachte laut heraus. Klasse! - rief sie, das war mindestens ein Meter. Und fühlt sich gut an, ergänzte sie. Sie wandte sich zu Tim um. Darf ich dich küssen?
Du ja, aber ich darf es nicht erwidern, antwortete Tim leise.
Sie zögerte einem Moment lang, aber dann entwand sie sich ihm, drehte sich kniend um und setzte sie ihm einen sachten Kuss auf die Stirn. Nur dieses eine Mal, Versprochen! Und setzte sich brav zurück in ihre ursprüngliche Position, ihren Rücken an seine Brust gelehnt.
Sie spürte, wie der rhythmische Zug an ihren Brüsten etwas kräftiger wurde und eine Erektion begann, sich gegen ihren Po zu drücken.
Anschließend hatte sie einen gesunden Hunger und aß das wenig reizvolle Essen mit großem Appetit.
Als beide anschließend unter ihrem Felsendach bequem gegen den Stein gelehnt saßen und sich umschauten, fiel Alischa das erste Mal wirklich auf, wie abwechslungsreich das Wüstengebirge war, und dass es seine eigene Schönheit hatte. Zerklüftete Felsen in bizarren Formen und unterschiedlichen Farben, und zu ihren Füßen feinster goldgelber Sand. Wenn man lange auf die seltsamen Felsen schaute, konnte man sich mit etwas Fantasie ausmalen, dass sie Leute, Tiere oder Gebäude darstellten. So war Alischa fast enttäuscht, als die Sonne unterging und Tim nach einem nochmaligen Melken ihrer Brüste (wieder mit Milchspritzern) zum Aufbruch drängte. Alischa fiel auf, dass Tim noch mehr als sonst darauf achtete, nichts liegen zu lassen und alle Spuren zu verwischen.
Beim Losgehen humpelte Alischa etwas und Tim schaute sie besorgt an, aber das Humpeln gab sich nach einigen hundert Metern wieder. Abgesehen davon, dass ihre Beine nach wie vor schmerzten, waren sie wohl nur etwas »eingerostet« gewesen. Alischa war in vorangegangenen Urlauben viel gewandert und würde auch diese Wüstenwanderung überstehen, befand sie.
Die Nachttemperatur war wieder angenehm und Sterne und Mond leuchteten ihnen den Weg. Aber das Laufen fiel Alischa schwerer, als in der Nacht zuvor und nach den Melkpausen hatte sie gar keine Lust mehr zum Aufstehen. Tim dagegen hielt sich überraschend gut und schien ein trainierter Läufer zu sein. Zeitweise nahm er Alischa den Rucksack ab, den er zusätzlich zu seinem anderen Gepäck trug. Aber Tim duldete keine langen Pausen und erinnerte Alischa immer wieder daran, sich bei Kurzpausen nicht hinzusetzen. Zu außerplanmäßigen Melkpausen ließ er sich leider nicht überreden. Und er begann das Wasser zu rationieren. Nur sicherheitshalber, sagte er. So verging auch die zweite Nachtwanderung, nach der Alischa völlig erschöpft sofort in den Schlaf fiel und nichts, aber auch gar nichts davon mitbekam, ob, wann, wie lange und wie oft sie gemolken wurde.
Als Alischa nachmittags erwachte, wieder mit freiliegenden Brüsten, war Tim längst wach. Er hinderte sie daran, aus dem Schatten zu treten und wies zum Himmel, wo weit über Ihnen ein Flugzeug zu sehen war. Warte noch etwas, sagte er.
Alischa, die dringend Wasser lassen musste, wurde wütend. Ist so ein kleines Flugzeug wirklich so wichtig?
Ist es, antwortete Tim. Mach dir einfach gleich hier unter dem Felsen eine Kuhle in den Sand und pinkle dort hinein. Alischa gab auf, hockte sich hin und beobachtete, wie sich unter ihr eine Pfütze bildete, die anschließen schnell im Sand verschwand. Alischa nahm dabei absichtlich eine Position ein, bei der Tim einen möglichst guten Blick auf ihre gespaltene Möse hatte. Nicht dass sie erregt war, dazu war sie viel zu erschöpft, aber sie wollte Tim ärgern, der gut bei Kondition zu sein schien und sie nicht anfassen durfte. Leider hatte er absichtlich weggeschaut, was Alischa die Genugtuung nahm.
Dafür knöpfte Alischa ihr Hemd vollständig auf - nur wegen der Hitze, mochte er denken. Und sie würde es offen lassen und ihm würden in der hellen Mondnacht immer wieder ihre schaukelnden Brüste in die Augen fallen, ohne dass er etwas dagegen machen konnte, weil er sie ja im Auge behalten musste. Sollte er sich doch quälen, dachte sie, sie quälte sich ja auch. Sie bekam aber doch etwas Mitleid mit Tim, der sie nicht anfassen durfte und nur für sie da war. Trotzdem beschloss Alischa, das Hemd offen zu lassen, weil es sich einfach angenehm anfühlte mit einem Hauch von Luft auf der Haut. Und sowieso war es ungerecht, dass nur Männer ihr Hemd aufmachen durften, wenn sie es wollten.
Tim war nichts anzumerken und er molk sie nach dem Frühstück gekonnt wie zuvor. Es waren mehr Milchspritzer geworden und Alischa fand es schade, dass diese so sinnlos im Sand versickerten.
Der Aufbruch fiel ihr noch schwerer, ihre Fußsohlen schmerzten und sie fühlte sich bereits jetzt völlig ausgelaugt. Doch Tim drängte stetig vorwärts, ermunterte sie immer wieder zu einem zügigen Gang, wo er schleppend zu werden drohte. Morgen früh sind wir da, tröstete er sie. Wann war morgen, nach dieser Nacht? Oder nach der nächsten Nacht?
Morgen ist morgen, lächelte Tim und Alischa wunderte sich wieder einmal, wo er seine Kraft noch her nahm. Wenn du in dieser Nacht zügig läufst, wird es keine weitere Nachtwanderung geben, ich habe mir das in meinem Notizheft noch einmal gut angeschaut. Wir haben sogar noch etwas Zeitreserven, wenn wir weiterhin zügig laufen.
Wir könnten...
Nein, könnten wir nicht, lachte Tim, trödeln bringt keinen Gewinn und kostet in der Summe viel mehr Kraft. Aber tröste dich, es ist wieder Zeit für deine Brüste.
Fallen lassen, komm endlich, sich wohlig an Tim lehnen und die Augen schließen, links-rechts, links-rechts, links-rechts. Tim neckte sie mit einem Spritzer in ihr Gesicht.
Verdammter Mistkerl!
Er lachte. Er spüre Energiereserven, meinte er. Auf geht’s!
Und weiter ging es, Meter um Meter, Kilometer um Kilometer, Stunde um Stunde. Die üblichen Pausen dazwischen, dazu kurze Haltepausen im Stehen, um etwas trinken zu können und Alischa war es längst egal, dass ihre nackten Brüste frei in der erträglich warmen Nachtluft schaukelten, nur weiter, weiter...
Und weiter ging es, Meter um Meter, Kilometer um Kilometer, Stunde um Stunde. Plötzlich, in einem der zahlreichen Wüstentäler, hielt sie Tim an der Schulter fest, an irgendeiner beliebigen Stelle, an der Alischa wirklich nichts Besonderes finden konnte. Wir sind da, flüsterte er aufgeregt. Dann räusperte er sich. Wir sind da, sagte er noch einmal mit normaler Stimme, aber trotzdem leiser als sonst. Hier beginnt in wenigen hundert Metern die Zone.
Die Zone
Die Zone?
Ja, sagte Tim. Wir wollen zu einem bestimmten Punkt in der Zone, gar nicht weit von hier, vielleicht drei oder vier Kilometer. Aber wir werden einen halben Tag dafür brauchen und diesmal laufen wir tagsüber. Nachmittags gehen wir los. Wir brauchen jetzt eine gute Sicht. Aber jetzt ist erst einmal Ruhepause. Wir suchen uns wieder einen Felsvorsprung.
Du hast mir nicht gesagt, was die Zone ist.
Tim druckste. Unser Ziel ist mittendrin, ein Tunnel ... und von dem aus geht’s direkt ins Paradies. In ein paar Stunden erzähle ich dir mehr davon.
Als sie eine genügend große Felsnische gefunden hatten, holte Tim zu Alischas Überraschung ein leichtes Zelt aus seinem Rucksack und baute es auf. Zieh jetzt deine Schuhe aus und setze dann deine Füße ins Zelt, ohne vorher den Boden zu berühren, forderte er. Alischa tat es, während Tim sie an den Armen festhielt. Jetzt strecke deine Hände aus. Er spülte ihre ausgestreckten Hände mit kostbarem Wasser und einem Tuch ab. Jetzt rein ins Zelt und nichts mehr draußen anfassen. Anschließend vollzog Tim dieselbe Prozedur an sich.
Was ist hier?, fragte Alischa.
Die haben hier mal rumgesaut, sagte Tim. Genau gesagt nicht hier, sondern in der Zone, aber wir gehen auf Nummer sicher. Wir sind nahe dem Ziel und werden nicht mehr viel Wasser brauchen.
Das Melken war diesmal mehr ein Pflichtprogramm, Alischa spürte, dass Tim aufgeregt war. Trotzdem schlief sie nach dem Essen wieder relativ schnell ein.
Aber Alischa wachte diesmal früher auf. Es war etwa vierzehn Uhr und die Sonne kochte die Gegend aus. Wir warten noch etwas, sagte Tim, die Hitze ist ja schon im Schatten nicht zum Aushalten.
Nach dem Essen, das sie im Zelt einnahmen, hielt es Alischa nicht länger aus: Und was ist das hier nun, die Zone?
Tim schaute ihr tief in die Augen: Erst noch einmal Melken vor dem letzten Abschnitt!
Alischa zog ihr Hemd aus und wandte ihren Rücken Tim zu. Tim rückte zu ihr heran, ein Bein links von Alischa, ein Bein rechts, fuhr mit den Händen auf die gewohnte Weise unter ihren Achseln zu ihren Brüsten hin und begann, die Brüste zu massieren.
Und?!, fragte Alischa, was ist die Zone?
Weißt du, begann er, seine Worte dehnend, wir nähern uns dem Eingang zu einer ganz besonderen Welt...
Einer unterirdischen Welt?!
...nein, nicht eigentlich, das ist schwer zu erklären. Es ist eine ganz andere Welt. Sie wurde Atlantis genannt, sie wurde Paradies genannt, sie wurde Jenseits genannt, es gibt ganz verschiedene Namen dafür. Man hat sie besungen, ersehnt, aber trotzdem wurde sie auch gehasst.
Aua!, rief Alischa, nur glückliche Kühe geben gute Milch und du ziehst meine Brüste auf Meterlänge, wenn du so weitermachst. Aber erzähle schnell weiter.
Entschuldigung. Tim melkte wieder etwas konzentrierter.
Ich spinne nicht, fuhr Tim fort. Du wirst es in wenigen Stunden mit eigenen Augen sehen und am eigenen Leib erfahren. Und dann wirst du mir jedes Wort glauben. Aber zunächst zur Zone. Der Mensch ist seltsam. Das Paradies wird nur so lange gelobt, wie es unerreichbar bleibt. Wird es aber konkret anfassbar, dann verteufelt man es. Ist dir schon mal aufgefallen? Spaß ist im Grunde immer nur in einem streng regulierten Rahmen erlaubt und schon im kleinen Rahmen missgönnen Spießer den anderen Leuten alles, was sie sich selber nicht trauen. Und Macht beruht darauf, anderen Leuten Dinge geben oder vorenthalten zu können. Brauchen dich die Leute als Priester noch, wenn es alles reichlich gibt, für alle und umsonst? Nein. Der Vorhang in einer orthodoxen Altarwand symbolisiert den Eingang zum Paradies und niemand außer dem Priester darf rein. Hinterm Tempelvorhang der Juden war das Allerheiligste für Normalsterbliche ebenfalls tabu. Ähnlich bei anderen Religionen. Man hat quer durch die Geschichte immer wieder versucht, den Zugang zum Paradies einzuschränken oder ganz zu verbieten. Aber dort (Tim wies mit der Hand unbestimmt ins Wüstental) existiert noch ein Eingang. (Er molk weiter.)
Alischa war die Sprache weggeblieben. Sie schluckte. Das war jetzt nicht mehr abstrakt, das war ganz konkret und zum Greifen nahe. Und für einen Spinner hielt Alischa Tim nicht. Außerdem war er von anderen geschickt worden. Aber vor allem schieben Spinner und Betrüger das Objekt der Begierde gerne immer ein Stück weit weg und vermeiden das Konkrete, Handfeste. Das hier war aber konkret und handfest. Es war zum Greifen nahe. Sollte es wirklich sein, dass... Alischa lief eine Gänsehaut über den ganzen Körper.
So hart sind deine Brustwarzen nicht melkbar, meinte Tim und Alischa lachte. Lass nach, lästerte Tim und schaute gemeinerweise genau zu Alischas Brustwarzen hin, was den Effekt noch verstärkte.
Erzähl weiter, bat Alischa.
Tim fuhr fort: Man hat versucht, den Eingang zu zerstören, aber was die nicht wissen: Es hat nicht geklappt. Tim lachte froh. Alischa spürte seinen Atem in ihrem Nacken. Hat nicht geklappt, wiederholte Tim. Allerdings ist der Weg dorthin jetzt gefährlich geworden. Sie haben sich mit den Grundkräften des Universums angelegt und das hat Folgen. Es gibt einen Pfad bis zum Eingang, den man kennen muss, aber man darf diesen um keinen Meter verfehlen, alles andere kann dich das Leben kosten, weil außerhalb dieses Wegs unerklärliche mächtige Kräfte wirken. Es hat Leute das Leben gekostet, diesen Weg auszukundschaften. Und selbst direkt auf dem Weg muss man aufpassen. Macht man das, kommt man sicher durch. Aber mach um Himmels willen alles ganz genau so, wie ich es dir sage, ja?
Tim hielt in seinen Handbewegungen inne. Versprichst du mir das?
Alischa sträubten sich die Haare vor Aufregung. Ich verspreche es. Aber wieso machen wir diesen Aufwand mit dem Verstecken, wenn die den Ort sowieso kennen? Und was ist dieses Paradies genau?
Tims Hände fuhren fort, Alischas Brüste zu bearbeiten. - Nummer eins, sagte Tim, niemand darf merken, dass sich jemand für diesen Ort interessiert, denn dann könnten die nachgucken kommen. Daraus ergibt sich Nummer zwei: Die denken, der Zugang ist zerstört, und das sollen die auch weiterhin denken. Nummer drei: Es, also dieses Paradies, ist ... nicht perfekt. Du kannst dir das so vorstellen, dass es wenig schön wäre, jeden Tag Sahnecremetorte zu fressen und bei Harfenklang mit den Engeln ununterbrochen Halleluja zu singen.
Alischa lachte. Also wie bei diesem Witz, wo in der Hölle gesoffen und rumgemacht wird und eine Party nach der anderen steigt?! Sie drehte ihren Kopf halb zu Tim nach hinten.
Tim grinste. Ja, irgendwie so, aber viel mehr. Jedem erscheint es ein wenig anders, so, wie die eigenen innersten Wünsche sind. Jeder erlebt einfach andere Dinge, auch Abenteuer und so, gefährliche Sachen und Banales. Alle gemeinsam erleben nur das, was allen gemeinsam ist. So im Groben gesagt. Und dazu gehört durchaus alles, was Leute offen oder im Geheimen gerne machen. Es geschehen Dinge aus der Kiste deiner geheimsten peinlichen Wünsche, und zwar aus unerklärlichen Gründen und ohne eigenes Zutun. Es gibt keine Tabus, es ist ... wie in einem Traum. Das ist es vor allem.
Alischa wurde ernst: Aber dann gehört Ficken ganz sicher mit dazu, und nicht zu knapp.
Ja, sagte Tim, das spielt dort eine wichtige Rolle, auch im Alltag. Denk dir die Moralregeln weg, die uns Herrscher, Priester oder auch bloß Nachbarn zu unserer Kontrolle gespendet haben und du kannst dir in etwa vorstellen, was abläuft.
Alischa schluckte. Das wäre aber sicher auch etwas mehr, als nur ficken.
Ja. Tim hielt nochmals kurz im Melken inne. Ja. (Jetzt melkte er hervorragend. Interessant, dachte Alischa bei sich.)
Aber was ist mit dir, fragte Alischa laut, warum darfst du nicht? Oder darfst du dort?
Nein, sagte Tim. Ich habe mich ohne Erlaubnis eingeschlichen, also nicht so wie du, die du offiziell auserwählt bist. Ich habe für die Stasi spioniert, weißt du...
Waaas?!?!
Ja, guck nicht so. Ich bin tatsächlich Stasi-Offizier. Eigentlich. Theoretisch. Streng genommen. Bis ich ... na ja ... au, ist das schwer zu erklären.
Er hörte auf, zu melken.
Alischa räusperte sich.
Er machte weiter.
Ich fange anders herum an, setzte Tim fort, es gibt noch mehr Zugänge. Nicht unzählige, aber es gibt eben noch andere. Man hatte in der DDR einen dieser Zugänge gefunden, und nun will die Stasi wissen, was los ist. Aber alles streng geheim. Um den Zugang herum haben sie ein Sperrgebiet eingerichtet und niemand soll je an ... das Paradies ... herangelassen werden. Auch in Zukunft nicht, so weit ich weiß. Nicht einmal wir Stasi-Offiziere durften. Es wurden nur wenige besonders ausgewählte Leute geschickt, die die Stasi hinterher argwöhnisch überwacht hat. Tja, und ich hatte ... das Paradies ... trotz aller Verbote betreten. Ich war völlig überwältigt von der Schönheit der Welt, die ich dort fand und bin immer wieder heimlich hin. Nach einiger Zeit bin ich übergelaufen. So sieht das also aus mit mir. Wenn du das zu Hause erzählst, lieferst du mich der Stasi ans Messer.
Um Himmels Willen, flüsterte Alischa, das tue ich nicht.
Tim sprach weiter: Man will ... im Paradies ... keine unerwünschten Eindringlinge. Dass man dich auserwählt hat, ist eine ganz besondere Sache. Aber mir hat man trotzdem eine Chance gegeben. Ich diene deshalb drei volle Jahre als Büttel und dazu gehört, dass ich enthaltsam bleiben muss. Aber wenn ich das geschafft habe, werde ich selbst Auserwählter mit allen Rechten.
Seine Augen leuchteten.
Und ich schaffe das!
Alischa beobachtete die Milch, die in feinen Strahlen zwischen seinen Fingern aus ihren Brüsten herausspritzte und tropfte und kniff die Augen zusammen. Und wenn du es nicht schaffst?
Tim hielt wieder im Melken inne. Es ist verdammt schwer, vor allem, weil es einem sofort zwischen den Lenden juckt, sobald man da ist. Das kann unerträglich sein, zumal wenn andere rummachen und du musst zuschauen. Und ich darf mich ja auch nicht selbst berühren.
Aua! - Vorsichtiger! - Und wenn doch?
Kommt drauf an, sagte Tim (wieder rhythmischer melkend). Rausgeschmissen wirst du nicht und es ist auch noch keiner freiwillig ganz gegangen, aber deine Zeit wird verlängert. Je nachdem. Mich hat einmal Selbstbefriedigung einen Monat gekostet, obwohl es mir fast von selbst gekommen war, ich musste wirklich nur ganz wenig nachhelfen.
Und wenn es dir von selber kommt?
Ich weiß nicht. Vermutlich auch ein Monat.
Fies!
Na hör mal, sonst würde es doch jeder drauf anlegen...
Auch wieder wahr. Aber wie wollen die das denn merken?
Sie merken es, keine Ahnung wie. Aber sie merken es.
Schweigend beobachteten beide in den nächsten Minuten, wie die Milch noch einige Male aus Alischas Brüsten spritze, in einzelnen Tropfen quoll und schließlich versiegte. Insgesamt war es vielleicht gar nicht einmal so viel Milch gewesen, aber das Spritzen sah beeindruckend aus.
Als sie fertig waren, hakte Alischa noch einmal nach: Wie kommst du damit klar, dass du bei der Stasi bist?
Gar nicht.
Wie?
Ich bin da reingeboren worden. Über meine Eltern. Aber ich tauge grundsätzlich nicht als Befehlsempfänger und das hat mir von Anfang an Ärger gebracht. Jetzt zum Beispiel bin ich Leutnant, aber ich hatte schon mal einen höheren Dienstgrad. Aus der Stasi kommst du nicht einfach so raus, jedenfalls nicht ohne wirklich ernsthaften Ärger. Den Rest erzähle ich dir später. Aber bitte sieh mich als Menschen, nicht als Vertreter dieses Vereins. Kannst du das?
Alischa sah Tim an: Hormonell betrachtet kann ich sowieso nicht anders, es ist nur ein Schönheitsfehler, den du an dir hast. Ansonsten halte ich dich für einen guten Kerl, und das ist wichtiger. Wenn du es ohne allzu großen Ärger könntest, würdest du aus der Stasi aussteigen?
Sofort.
Das reicht mir, seufzte Alischa. Und anderenfalls würde ich vermutlich selber dafür sorgen, dass die dich rausschmeißen.
Tim lächelte zu Alischas Überraschung. Keine üble Idee, das ginge, sagte er.
Wie?
Wer heiraten will oder auch bloß eine feste Beziehung hat, muss das melden. Wenn die Frau zweifelhaft erscheint oder Westkontakte hat...
Westkontakte könnte ich auftreiben, wenn es nötig ist.
Echt? ...dann kriegt man jedenfalls ein Kadergespräch. Sie reden eine Weile um den heißen Brei herum, aber schlussendlich wird man vor die Frage gestellt, Stasi oder Frau, und sagt man in diesem Fall, dass man die Frau sehr liebt, dann kommt man ohne blaues Auge aus der Stasi raus. Sicherheitsrisiko, man müsse Verständnis haben. Und die Stasi ist es, die sich entschuldigt. Sogar bei Schwulen, die Kontakt zur Schwulenszene haben. Das ist der einzige saubere Weg da raus, so weit ich weiß. Ich habe das einmal miterlebt und mir brühwarm erzählen lassen.
Wenn du das wirklich willst, sagte Alischa, werde ich dir dabei helfen. Das ist ein festes Versprechen. Hörst du?
Danke, sagte Tim. Jetzt lächelte er wieder. Aber jetzt haben wir etwas Anderes vor uns. Etwas Schönes mit einem vorerst ungemütlichen Weg. Ab hier. Wollen wir uns nun lieber darauf konzentrieren? Es lohnt sich!
Ja!, sagte Alischa. Ich löchere dich jetzt nicht weiter. Sag, was ich machen soll.
Pass auf, du bindest deinen Rucksack nachher ganz eng auf den Rücken. Du kriegst von mir ein Tuch, das du um den Kopf bindest. Steck alle Haare darunter und lass keine herausschauen. Dein Hemd machst du zu. Und sieh zu, dass nichts herumschlackert. Wenn wir in der Zone drin sind, fasst du nichts mehr an, gar nichts! Denk dir, dass alles Gift ist, was dort herumliegt. Und versuche, beim Laufen möglichst wenig Staub aufzuwirbeln. Apropos Staub.
Tim kramte in seinem Rucksack und holte eine große dicke Plastiktüte heraus.
Hier packst du deinen Pass rein, dein Geld und was du für halbwegs wichtig oder unersetzbar hältst. Was da nicht drin ist, fliegt hinterher weg. Du kriegst später was Besseres dafür.
Alischa begann, den Plastikbeutel zu füllen.
Tim fuhr fort: Bleib dicht hinter mir und laufe möglichst genau in meiner Spur. Wenn ich mich bücke, bückst du dich ebenfalls, nicht mit den Armen rudern und nichts, nichts, nichts anfassen. Hörst du? Hier ist alles gefährlich und hier passieren Dinge, von denen du noch nie gehört hast. Und nichts essen und nichts trinken. Hast du noch Hunger oder Durst? Trink jetzt, aber falls du nachher pinkeln musst, könnte das unbequem werden und kostet wertvolle Zeit.
Alischa trank trotzdem. Schon die Ankündigung, nichts trinken zu dürfen, hatte ihr Durst gemacht. Und wenn ich den Schlüpfer unterm Rock einfach ausziehe?
Mach es nicht, sagte Tim, er schützt vor Staub. Er zog Handschuhe, das angekündigte Kopftuch und dickwandige Plastiktüten aus seinem Rucksack. Binde dir jetzt das Kopftuch um, die Tüten kommen über die Füße rüber, und du ziehst die Handschuhe hier an.
Während Alischa fertig »angezogen« mit entleerter Blase vor dem Zelt wartete und noch einen Schluck Wasser trank, verschloss Tim Alischas Plastikbeutel sorgfältig und steckte ihn in Alischas Rucksack. Anschließend baute er alles ab, verwischte wie immer ihre Spuren und zog sich selbst Tuch, Handschuhe und Plastiktüten an. Anschließend nahm er sein Notizheft in die linke Hand und schließlich ging es los.
Diesmal war Alischa nervös. Was mochten das für Gefahren sein, die auf sie in der Zone lauerten? Immerhin hatte man ihr doch versichert, dass ihr nichts passieren konnte.
Nach einem knappen halben Kilometer blieb Tim stehen und schaute in sein Notizheft, auf den Boden und anschließend wieder ins Heft.
Hier beginnt die Zone, sagte er heiser.
Ob der Schweiß auf seiner Stirn von der sengenden Sonne kam oder von seiner Aufregung herrührte, war nicht feststellbar. Schau hier, ergänzte er und zeigte auf den Boden vor ihnen. Etwas wie ein feiner Riss zog sich vor ihnen quer durch den Boden, mehr nicht. Aber der feine Riss zog sich auch auf beiden Hängen des Wüstentals nach oben, soweit man sehen konnte. Und das Eigenartigste: Er war an keiner einzigen Stelle von Sand, Geröll oder irgendetwas anderem bedeckt.
Dahinter leben nicht einmal mehr Skorpione, kommentierte Tim, aber wir werden uns auch nicht unnötig lange in der Zone aufhalten, keine Angst.
Tim schaute nach einem erneuten Blick ins Notizheft nach vorne. Jetzt diesen Graben hier unten entlang, immer ganz unten bis zu diesem Felsen dort. Er zeigte nach vorne. Und vergiss nicht, dicht hinter mir bleiben und keinen Millimeter vom Weg abweichen. Wenn was ist, sag Bescheid.
Sie gingen los und stiegen in den Graben. Die Sonne brannte gnadenlos und Alischa hatte schon jetzt das Gefühl, völlig auszutrocknen. Geröll sprang unter ihren Füßen beiseite, es lief sich unbequem, aber sie blieb strikt hinter Tim, bis sie am Felsen angelangt waren.
Noch ein Blick ins Notizheft. Jetzt bis dort, sagte Tim und zeigte auf etwas undeutlich Längliches schräg rechts weit entfernt vor ihnen im Wüstental. Sie kletterten aus dem Graben und anschließend einen leichten Hügel hinauf. Diesmal ging es ein klein wenig besser, weil der Boden halbwegs eben war. Urplötzlich wurde es drückend still, fast schmerzhaft still. Außer dem Klappern der beiseiterollenden Steine und ihrem Atem war nichts zu hören, gar nichts. Und ihre eigenen Geräusche verursachten keinerlei Nachhall. Man lief wie in einem schalltoten Raum. Das hörte auf der Spitze des kleinen Hügels genauso plötzlich wieder auf und Alischa schluckte mehrmals, wie in einem Fahrstuhl, der mit hoher Geschwingkeit emporfährt. Doch nun schienen mit einem Mal die Farben der Felsen verblasst und boten dem Betrachter nichts als Grautöne. Nur Alischa und Tim schienen Farbtupfer an sich zu haben, aber selbst diese Farben erschienen schwach. Auch das hörte etliche Meter später genauso plötzlich wieder auf und auch die Felsen zeigten wieder ihre Farbschichten. Sie liefen weiter. Vielleicht fünfzig Meter vorm nächsten Etappenziel blieb Alischa wie angewurzelt stehen.
Was ist das, um Himmels willen?!, rief Alischa und hatte wirklich Angst.
Der Gegenstand, auf den sie zuliefen, war eine gewöhnliche Metallstange, vielleicht zwei Meter lang, etwas gebogen und verrostet. Das war nicht das Problem, aber die Metallstange hing in der Luft, mitten in der Luft, und zwar ohne erkennbaren Halt.
Tim lachte. Überraschung gelungen? - Sie ist harmlos, aber fass sie trotzdem nicht an. Pass mal auf.
Tim öffnete seinen Rucksack und holte ein verrostetes Stück Stahldraht heraus, vielleicht zehn Zentimeter lang. Damit ging er zur Stange und tippte die Stange an. Die Stange drehte sich jetzt leicht schaukelnd im Kreis.
Das geht doch nicht, das ist doch Schummel, oder?, fragte Alischa.
Kein Schummel. Du kriegst diese Stange auch nicht aus ihrer Position heraus. Egal wie viel Kraft du aufwendest, sie schnippst wie von einem Gummi gehalten wieder in ihre alte Position zurück. Verrückt, nicht? Hier gibt’s aber noch ganz andere Sachen, die ganz und gar nicht harmlos sind und die wir hoffentlich gar nicht zu sehen oder zu spüren bekommen. Und ab ganz genau jetzt besonders.
Und du hast dieses Stück verrosteten Draht mitgeschleppt, um mir das zu zeigen?
Tim lachte. Ja und nein. Die kleine Vorführung warnt dich, dass es hier Dinge gibt, die über unseren Verstand gehen, aber ich brauche ihn auch. Pass auf.
Er schaute wieder in sein Notizheft, suchte anschließend mit seinen Augen die Umgebung ab und dann warf er das Stück Draht schließlich vor sich, aber nicht hoch hinaus, sondern in einer brusthohen Bewegung, die recht ungeschickt aussah.
Bis dahin ist der Weg frei, bleib ganz dicht hinter mir!
Alischa folgte.
Am Drahtstück angekommen, griff Tim erneut in den Rucksack, holte diesmal eine verrostete Schraube heraus und warf diese wieder flach etwa in Brusthöhe.
Du darfst nicht mal mehr das eigene Drahtstück nehmen?
Nein! Wir lassen es liegen. Deshalb ist es auch ein Gegenstand, den jemand schon vor Ewigkeiten weggeschmissen haben könnte.
Sie bewegten sich zur heruntergefallenen Schraube. So ging das Sprung für Sprung mit immer wieder anderen verrosteten Metallteilen, bis Tim plötzlich HALT schrie. Alischa erstarrte augenblicklich zu Salzsäule.
Siehst du das Flirren dort in der Luft? - Er wies nach vorne und dann nach schräg rechts und schräg links.
Alischa wusste sofort, was Tim meinte. Es sah aus, wie heiße aufsteigende Luft, begann aber eigenartigerweise erst etwa zwei Meter über dem Boden mit einer scharf umrissenen Grenze und flirrte auf der Stelle, vielleicht zwanzig Meter breit und doppelt so lang, die obere Grenze war nicht erkennbar. Das Flirren stieg aber nicht nach oben, wie das heiße Luft normalerweise tut.
Pass auf, sagte Tim und warf einen rostigen Eisenwinkel mitten in die flirrende Luft. Was geschah, war unglaublich. Der Eisenwinkel flog normal, aber sobald er die flirrende Luft erreicht hatte, wurde er mit einem ohrenbetäubenden Knall senkrecht in den Boden geschossen. Kein Stück Metall ragte mehr aus dem Boden heraus. Nichts mehr. Nur ein Schlitzloch war im Boden zu sehen.
Was ist das?, flüsterte Alischa aufgeregt.
Da dürfen wir nicht reingeraten, antwortete Tim, aber wir müssen drunter durch. Im Entengang und denk dran: Nichts anfassen, die Hände bleiben oben. Stütze sie am besten auf deine Oberschenkel. Wenn auch nur ein Zipfel deines Haars da reingerät, schießt es als Geschoss durch dich durch und das war’s dann.
Tim las noch einmal sehr aufmerksam seine Notizen. Danach näherten sie sich der flirrenden Wolke vorsichtig.
Dort ist unser Ziel, sagte Tim und zeigte auf eine Stelle, nur etwa fünfzig Meter vor ihnen. Setz deine Kraft schonend ein, fünfzig Meter Entengang mit dem Tod direkt über sich sind nicht wenig.
Muss es denn wirklich Entengang sein, reicht es nicht, gebückt zu gehen?, fragte Alischa.
Die Grenzen sind nicht unbedingt gerade ... meist ja, aber nicht immer. Der Sicherheitsabstand muss sein, wirklich. Er warf, bereits in Hocke, eine größere Eisenmutter flach unter der flirrenden Wolke hindurch. Die Eisenmutter kam heil an.
Los jetzt. Er watschelte voran und Alischa hinterher. Mehr als nur einmal schauten beide ängstlich noch oben. Hier unten waren die Grenzen der flirrenden Wolke zwar seitlich gut zu sehen, aber gar nicht, wenn man nach oben blickte. Meter um Meter schoben sie sich vorwärts und Tim warf immer wieder Eisenteile vor sich. Alischa lief der Schweiß brennend in die Augen und sie keuchte. Noch ein Meter, noch ein Meter.
Nicht langsamer werden, drängte Tim, diese Wolken können ihre Form verändern und falls sie sich senkt, will ich uns nicht darunter haben. Alischa schossen Tränen in die Augen; es war so unerwartet anstrengend und sie war noch dazu vor Angst völlig verspannt, die Waden taten ihr weh, die Hüften, der Nacken, doch das Ende der Wolke kam näher. Noch ein Meter, noch ein Meter, noch einer. Das Ende!
UNTEN BLEIBEN!!!, brüllte Tim,
Alischa zuckte zusammen, fast wäre sie zu früh hochgegangen.
Komm, komm, komm, lockte Tim, zwei Meter noch, das schaffst du!
Jetzt hatte er sie, verhinderte, dass sie sich auf den Boden setzte und hielt sie mit beiden Händen fest. Alischa warf sich schluchzend an ihn. Entschuldigung, Entschuldigung ... ich hab nicht mehr dran gedacht.
Ich hätte daran denken sollen, sagte Tim, genau das ist meine Aufgabe. Aber wir haben es geschafft, das ist wichtig. Trotzdem dürfen wir keine Pause machen. Weiter! Und nicht die Tränen abwischen.
Er zog sie vielleicht zwanzig Meter von der flirrenden Wolke weg und schaute wieder in sein Notizheft.
Da lang!
Weiter ging’s. Tim warf wieder seine verrosteten Eisenstücken, bis sie zu einer Art kleinen Senke im Tal kamen, einem Tal im Tal, das aber quer verlief und ihnen den Weg versperrte. Alischa blickte hinunter und sah, dass hier Leute tätig gewesen waren: Verbogene Stahlträger lagen herum, sie sah zwei zerborstene verrostete LKWs, Betonteile und weitere Hinterlassenschaften dieser Art. Und eine Art Tunneleingang aus Beton gab es rechts unten, ebenfalls zerstört. Die Talsenke müssen wir umgehen, sagte Tim, unberechenbar. Dort drüben in dieser Grube (er zeigte auf ein Erdloch links unten) sammelt sich zum Beispiel ein ätzendes Gas. Halt deinen Fuß rein und er ist verloren. Der umgekippte Bagger da hinten (er zeigte nach noch weiter nach links unten) ist dagegen eine Strahlenquelle. Nähere dich dem Ding auf weniger als zehn Meter und dir wird speiübel, dich überfällt bleierne Müdigkeit und drei Tage später bist du tot. Das Seltsamste ist, dass die Strahlung dieses Baggers nicht weiter als zehn Meter dringt. Und dort links oben den Berghang entlang können wir auch nicht gehen. Er zeigte auf den linken Talhang. Pass auf! Er warf eines seiner Eisenteile den Hang hinauf. Mitten im Flug glühte das fliegende Eisenteil plötzlich grellblau wie ein Blitz auf und verlor sich in einer Rauchbahn.
Verdampft, kommentierte Tim. Aber rechts können wir lang. Er schaute noch einmal in sein Heft und warf wieder ein Eisenteil. Weiter ging es, Wurf für Wurf.
Als sie die Senke erfolgreich passiert hatten, sah Tim wieder in sein Heft. Alischa ließ plötzlich einen erstaunten Ausruf hören.
Was ist?, fragte Tim und schaute aus seinem Heft hoch.
Wollen wir da hin?, fragte Alischa und zeigte nach vorne.
In der Hitze des Tals war zitternd eine Schlucht mit sattgrüner Vegetation erkennbar geworden, einem Meer von Blüten an den Felsen und einem kleinen Bach in der Talsohle.
Tim lächelte. Ja und nein, sagte er. Das ist tatsächlich unser Ziel, aber was du siehst, ist leider nur eine Art Fata Morgana.
Und da verschwand das sattgrüne Tal mit dem Blütenmeer und dem Bach auch schon wieder. Alischa sah nur noch das trockene heiße Wüstental.
Warum war das nur eine Art Fata Morgana und keine richtige?, fragte Alischa.
Der physikalische Hintergrund ist ein anderer, antwortete Tim. Das eben war keine echte Luftspiegelung, sondern eins der seltsamen Phänomene dieser Zone hier. Lass dich nicht ablenken Komm! - Hier lang! – Tim zeigte mit seinem Arm nach vorn und ergänzte: Denk daran, nichts anfassen. Und nicht wundern.
Tim ging vor.
Alischa folgte.
Da sah Alischa, wie plötzlich der Boden unter Tim nachgab, und schrie erschrocken auf. Doch ihr Schrei klang seltsam leise, als hätte irgendetwas ihre Gehörgänge verstopft. Alischa sah, dass der Boden unter Tim federte, als wäre er aus Gummi. Ganz wie bei einem Trampolin. Aber es war Felsboden. Gebannt blieb Alischa stehen. Tim drehte sich um, rief irgendetwas, das Alischa nicht hören konnte und winkte, dass sie folgen sollte. Unsicher machte Alischa einen Schritt und noch einen. Da war die Stelle. Der Boden wurde mit einem Mal nachgiebig. Sie tastete sich mit dem Fuß vor. Tim winkte noch einmal, um ihr Mut zu machen. Die Luft schrie Alischa jetzt lautlos an. Dabei herrschte Totenstille. Alischa machte einen Schritt nach vorn. Plötzlich änderte sich der lautlose Ton, als hätte Alischa eine unsichtbare Wand durchschritten. Jetzt war es ein langsam schwingender sehr tiefer Ton. Aber er war nur spürbar, nicht hörbar. Fast war es ein starkes Vibrieren. Aber das Vibrieren wirkte nur äußerlich. Nicht im Inneren des Körpers. Alischa Haare standen zu Berge, sie bekam Gänsehaut, ihre Brustwarzen richteten sich auf. Vor allem das. Seltsam. Jetzt zog etwas mit großer Kraft gleichmäßig an ihren Brustwarzen.
Tim gestikulierte.
Oh. Alischa war unkonzentriert gewesen. Sie machte den nächsten Schritt. Der Boden federte weich unter ihren Füßen. Aber sie sank nicht ein. Sie konnte problemlos laufen. Der Boden wippte unter ihr. Alischa bekam Lust, zu hüpfen, wie auf einem Trampolin. Doch jetzt fummelte irgendetwas an ihren Schamlippen und ihrem Kitzler. Als würde jemand mit riesigen weichen Lippen unten an ihr saugen. Musste das ausgerechnet jetzt sein?
Tim gestikulierte.
Oh. Schon wieder unkonzentriert. Meine Güte! Alischa hatte jetzt keine Lust auf Erregung, aber das da zwang sich auf. War das heftig!
Saugen-Schmatzen-Vibrieren. Mit Macht!
Alischa überschritt entschlossen den wackelnden und federnden Boden. Bei Tim angekommen nahm der sie bei der Hand und zog sie mit Kraft vorwärts.
Nach knapp fünfzig Metern wurde das Federn des Bodens abrupt geringer. Dann schrie die Luft Alischa wieder lautlos an, wurde mit jedem Schritt leiser, noch leiser und schließlich hörte Alischa Tim, der sie noch immer and der Hand hielt, aus weiter Ferne rufen: Noch zehn Meter!
Sie liefen noch zehn Meter.
Geschafft, sagte Tim, jetzt wieder in ganz normaler Lautstärke.
Was war das?, fragte Alischa.
Ungefährlich. Aber Entschuldigung, ich hätte dich trotzdem warnen sollen. Wie war es für dich?
Alischa wurde rot.
Tim lachte: Nicht hier! Falsche Zeit, falscher Ort. Für Männer ist das übrigens weniger angenehm, mir jedenfalls tun die Hoden weh.
Sie gingen noch zehn Meter weiter.
Wir sind gleich da, sagte Tim. In der Senke hinter uns haben die einen Stollen in den Berg gebohrt. In den Stollen kommen wir nicht rein, aber irgendwo oben rechts im Berg ist eine Spalte, durch die man in den Berg kommt; man muss etwas den Berg hinauf klettern. Aber die Stelle ist schwer zu finden und wir dürfen uns hier auch nicht lange aufhalten.
Tim zog einen seltsamen altertümlich aussehenden Kompass aus der Tasche. Alischa sah sich den Kompass neugierig an. Wo Norden war, hätte Alischa zwar nicht sagen können, aber dieser Kompass zeigte eindeutig nicht nach Norden. Auch seine Skala war ganz anders, denn nur ein Halbkreis war mit Skalenstrichen versehen und die Beschriftung bestand aus Symbolen, deren Sinn sich Alischa nicht erschloss. Die Nadel zeigte zum Berg hin. Jetzt drehte Tim den Kompass, sodass dieser senkrecht stand. Die Nadel zeigte nach schräg oben.
Da oben müssen wir hin, sagte Tim und wies auf eine Stelle oben am Berghang. Bleib dicht bei mir und fass beim Hochsteigen bloß nichts an.
Sie stiegen den Berg hinauf. Gelbes Geröll, gelber Sand. Keine Pflanze. Glühende Hitze. Alischa lief der Schweiß in Strömen am Körper hinunter. Immerhin ging es nicht steil hinauf, sondern Tim wählte eine Art Zick-Zack-Weg, der weniger steil anstieg. Tim peilte immer wieder mit seinem seltsamen Kompass, erst horizontal, dann vertikal. Weiter ging es. Es war gut zu erkennen, dass Tim auf Abkürzungen zugunsten eines sicheren Aufstiegs verzichtete. Alischa musste sich tatsächlich kein einziges Mal auf einem der Steine abstützen.
Dann zeigte Tim auf eine Felsspalte. Er wirkte auf einmal blass auf Alischa.
Der Riss ist durch die Sprengung im Stollen unten entstanden, komm, sagte Tim, wir dürfen hier nicht stehen bleiben. Alischa bemerkte an der Stimme Tims, dass dieser Angst hatte und reagierte augenblicklich. Schnell weiter, sagte Tim, und ja nichts anfassen. Aber fall nicht hin.
Der Aufstieg fiel ab hier überraschend leicht, weil die Steine günstig lagen und recht bequem als Treppenersatz benutzbar waren.
Am Spalt angekommen holte Tim seine Taschenlampe aus dem Rucksack und knipste sie an. Geh erst einmal nur ein Stück weit hinein, bis du dich an die Dunkelheit gewöhnt hast, sagte Tim, und denke daran, nichts anfassen!
Der Gang führte gerade in den Berg, kleines Geröll und Sand glättete den Boden einigermaßen, aber allzu schnelle Bewegungen waren nicht möglich, zumal sie nichts berühren durften. Als Alischa sich etwas an das Dunkel in der Felsspalte gewöhnt hatte, fiel ihr auf, dass die Wände zum Teil angeschmolzen aussahen, es gab Stellen, an denen flüssiges Gestein heruntergetropft sein musste. Sie liefen los, im Licht der Taschenlampe in den Berg hinein. Nach vielleicht zwei- oder dreihundert Metern tief im Inneren des Bergs klaffte plötzlich rechts eine große Lücke im Gang, auf die Tim wies. Dort müssen wir rein, sagte er. Vielleicht zehn Meter hinter der Lücke erblickte Alischa Erstaunliches - es handelte sich um die Überreste einer natürlichen Höhle, an deren Wänden Alischa im Halbdunkel des Taschenlampenlichts Zeichnungen entdeckte, die tausende von Jahren alt sein mochten. Neben Darstellungen von Menschen bei verschiedensten Tätigkeiten fiel ihr vor allem die lebensgroße Darstellung einer Frau auf, die mit beiden Händen ihre Brüste dem Betrachter entgegenhielt, während ihre Beine nur angedeutet und zu einem »O« geformt waren, was man als geöffnete Vulva interpretieren mochte.
Denk dran, flüsterte Tim, nichts anfassen. Aber ist es nicht ein Verbrechen, dass man so etwas vernichten wollte?
Doch er hielt sich nicht auf. Er zog eine Folie aus seinem Rucksack und bereitete diese auf dem Boden vor der Wandzeichnung der Frau aus.
Wir sind jetzt unmittelbar vorm Ziel und dort sind wir absolut sicher, sagte er, aber höre mir genau zu, damit wir schnell hier wegkommen: Durch die Frau, die ihre Brüste mit den Händen hält, kann man hindurchlaufen, frag jetzt bitte nicht lange, es geht tatsächlich, stell dir vor, das wäre nur Papier. Du ziehst jetzt deine Schuhe aus und trittst direkt aus den Schuhen heraus direkt auf diese Folie hier, mit dem Gesicht zur Zeichnung, aber lauf ja nicht auf dem nackten Boden. Du lässt alle deine Sachen fallen und ziehst dich komplett aus. Absolut alles, die Handschuhe zum Schluss. Lass die Sachen hinter dich fallen, ohne dass sie dich noch einmal berühren. Danach gehst du in die Wand hinein. Du nimmst nichts mit, gar nichts, wer weiß, was an den Klamotten inzwischen dran ist.
Und mein Pass?!, entfuhr es Alischa, der ist noch in meinem Rucksack und die Sachen sind doch gut verpackt. Und mein Geld auch und andere wichtige Sachen.
Kümmere ich mich drum, versicherte Tim, komm, beeile dich.
Alischa ließ ihren Rucksack auf den Boden gleiten. Und du kommst nach?
Ich folge dir etwas später, antwortete Tim - erst wenn du drüben angekommen bist. Es ist wichtig, dass wir getrennt gehen. Du läufst einfach geradeaus weiter, egal was du siehst oder hörst. Wenn du durch bist, findest du eine Waschgelegenheit. Dort wäschst du dich zügig, aber gründlich, und achte besonders auf Haare und Körperhöhlen, auch Ohren, Augen, Nase, Mund, Achseln, Scheide und Po. Zieh ruhig einmal Wasser durch die Nase und spucke es aus und lass Wasser in die Ohren laufen. Anschließend gehst du zügig weiter, bis du zu einer Art Tisch kommst. Da legst du dich drauf und wartest, was passiert. Aber erst waschen! Und mach hin, sagte er und seine Stimme klang jetzt gepresst, wir müssen schnell weg von hier.
Alischa zögerte nicht länger und dachte auch nicht mehr nach. Sie lockerte ihre Schuhe und stieg von diesen direkt auf die Folie, die zu Füßen der Frau am Boden ausgebreitet war.
Tim ermunterte sie: Es geht ganz einfach. Und krieg keinen Schreck, dass sich der Felsen im allerersten Augenblick tatsächlich hart anfühlt. Das ist nur eine Täuschung. Du musst einfach entschlossen weiterlaufen, sonst ist nichts weiter zu beachten. Komm - los jetzt!
Alischa riss sich hastig ihr Hemd vom Leib, ließ den Rock auf den Boden rutschen und entledigte sich ihres Schlüpfers. Dann machte sie, nunmehr völlig nackt, einen Schritt auf die Felszeichnung zu. Sie hielt die Luft an. Was sie jetzt zu tun hatte, war ihr unheimlich. Doch dann riss sie sich zusammen und machte einen entschlossenen Schritt direkt in den Felsen hinein. Der Felsen fühlte sich für den Bruchteil eines Augenblicks so hart an, wie es zu erwarten war, aber als sie entschlossen weiterdrang, gab er plötzlich nach und fühlte sich auf seltsame Weise knisternd-elektrisch und gleichzeitig wie eine schwere Flüssigkeit an. Alischa glitt in den Felsen hinein, der Felsen schloss sich hinter ihr und keine Spur wies mehr auf das hin, was eben geschehen war. Alischa war nun in Sicherheit.
Peridëis
Was Alischa widerfuhr, als sie in den Felsen oder besser gesagt die Zeichnung der Frau schritt, wurde bereits ganz am Anfang dieser Geschichte beschrieben. Und auch wie sie durch den seltsamen Kathedralbau nach Peridëis gelangte und sich auf die Wiese gelegt hatte, zu deren Füßen im Tal sich eine wunderbar sattgrüne und bunte Landschaft öffnete. Aber es fehlte, was anschließend passierte. Nein, nicht ganz - als Alischa im Gras döste und eine gewisse Entspannungsübung mithilfe ihrer Finger erwog, war Tim wieder erschienen, der sie durch die Wüste gebracht hatte, die jetzt so weit weg erschien.Angekommen
Ähem, räusperte sich eine Männerstimme an ihrem Kopfende. Willkommen im Paradies ... was wirklich kein dummer Witz ist. Nur dass es Peridëis heißt, aber der Rest stimmt.
Alischa schrak zusammen. Doch dann lachte sie: Wo warst du so lange? Ich muss hier mindestens schon eine halbe Stunde lang sein. Und Paradies, sagtest du? Ernsthaft Paradies? Ich hatte das für einen Vergleich gehalten, ein Bild. Aber wörtlich genommen ... ist das nicht doch ein wenig arg geflunkert?
Sie schielte mit den Augen nach oben, wo Tim stand.
Nackter Mann mit Erektion von unten, dachte sie dabei. Interessante Perspektive.
Tim hinter ihr lachte ein schön klingendes Lachen: Nein, das mit dem Paradies ist wahr. Und jetzt darf ich dir auch alles erzählen. Alles.
Tim warf sich neben Alischa ins Gras, leider auf den Bauch.
Tim fuhr fort: Der Reihe nach. Wir hätten durchaus zusammen hierher kommen können, aber ich musste erst noch Spuren beseitigen und wollte dich so schnell wie möglich da weg haben. Aber außerdem ist es Tradition, beim ersten Mal alleine hierher zu kommen ... nun ... man erlebt es anders ... intensiver ... mehr auf sich selbst bezogen. Also ... (er stotterte etwas und Alischa zog die Stirn kraus) ... nun, hier geschehen Wunder. Und diese Wunder haben umso mehr mit dir selbst zu tun, wenn gerade niemand sonst in deiner Nähe ist. In diesem Fall sind es deine eigenen Wunder, deine eigenen tiefen Wünsche, die die Welt formen. Sozusagen.
Tim wand sich sichtlich. Doch dann drehte er sich mit einem Ruck von der Bauchlage zur Seite, stützte seinen Kopf mit der Hand und schaute Alischa in die Augen. Etwas flüssiger fuhr er fort: Nach dem, was du eben erlebt hast, müsstest du doch nachvollziehen können, dass es in der Welt mehr Dinge gibt, als man sehen und hören kann - und auch Dinge, die man mit dem Verstand nicht sofort gepackt bekommt. Oder?
Das eben war seltsam, gab Alischa zu, dieses Laufen durch den Felsen, dieses Wegschweben, und erst recht die Kathedrale.
Kathedrale?
Die Kathedrale, durch die man läuft, ergänzte Alischa, etwas verwirrt. Wieso fragst du, du bist doch selber durch...
Nein, ich bin durch einen kleinen Raum gekommen, der mit lauter Schnitzwerk verziert war, am Eingang ein Waschzuber aus duftendem Sandelholz und dahinter ein geschnitzter großer Tisch. Und vorn und an den Seiten sind kleine Türdurchgänge, denen wieder so ein Raum folgt, aber dieser ist leer. Und so in einem fort, bis man wieder in dem Raum mit dem Tisch und dem Waschzuber anlangt, immer im Kreis, ein geschlossenes System. Schon seltsam, nicht? - Jeder erlebt diesen Übergangsraum anders, aber es ist trotzdem ein und derselbe Raum. Und da sind wir schon bei dem, was Peridëis ausmacht.
Wieso eigentlich diese andere Aussprache, also nicht Paradies, sondern Peridëis, fragte Alischa.
»Peri« heißt »Fee« und -deis kommt von »Gebiet« oder »Bereich«. Also im Prinzip einfach »Land der Feen« und irgend jemand hat das Wort zu Paradies verwurstelt, aber das ist ja nicht das Einzige, was an diesen ganzen Paradiesgeschichten Quatsch ist. Eva hat Adam zum Beispiel von ganz anderen Früchten...
...Feen! hauchte Alischa, ihn unterbrechend. Diese Geschichte!, und richtete sich auf. Und mit Blick auf Tim: Du hast übrigens einen Steifen. - Sind die Feen sehr schön?
Sehr schön, antwortete Tim, als wäre es das Normalste der Welt, nebenbei von einer Frau auf eine Erektion hingewiesen zu werden, wobei die besagte Frau, um es nicht zu vergessen, nackt neben ihm auf einem Gras-Abhang saß. Aber, ergänzte er, die Peris sind nicht mein Geschmack. Hochästhetische Feinfrost-Erotik, perfekt bis ins Detail, da gibt es keinen Makel, aber kein bisschen sinnlich. Sie strahlen Macht aus und lassen dich spüren, dass sie Macht haben, wirklich mit Allem, keinen Widerspruch duldend, fehlerfrei per Definition und sie behandeln dich wie Luft, wenn sie nichts von dir wollen. Zu Frauen sind sie etwas netter, aber Männern gegenüber sind sie distanziert, sogar wenn sie dir befehlen, sie zu befriedigen. Obwohl sie andererseits fair sind, aber nett sind sie eben nicht, und fair sind sie vermutlich nur aus der Berechnung heraus, dass sie dich mal brauchen könnten. Nein, ich habe nicht wegen der Peris eine Erektion. Peridëis macht das und du riechst außerdem gerade ganz ausgesprochen nach Frau. (Alischa bemerkte, dass ihr Schlitz pitschnass war.) Weißt du was, fuhr Tim aber fort, da drüben ist ein Wasserfall, darin kann man wunderbar baden. Hast du Lust?
Und schon war er auf und davon. Alischa lief ihm lachend hinterher.
Der Wasserfall stürzte in ein Steinbecken von vielleicht fünf Metern Breite und zwanzig Metern Länge. Tim ließ sich mit einem Kopfsprung hineinfallen und Alischa sprang hinterher. Das Wasser hatte eine angenehme Temperatur, nicht etwa eiskalt, wie man es von Bergbächen manchmal kennt. Das Wasserbecken war so tief, dass man darin, außer am Rand, nicht stehen konnte. Alischa genoss das Bad ausführlich - in der Höhle war ja keine Zeit für Genuss gewesen. Lange Zeit tauchten und duschten sie ohne ein Wort zu wechseln, bis sie schließlich beide erschöpft an Land krochen.
Traumhaft!, sagte Alischa, die auf dem Bauch auf der Wiese lag, Tim gegenüber, und sich von der Sonne die Haut trocknen ließ. Und das ist wirklich das Paradies und nicht bloß eine Fata Morgana?
Ist es, antwortete Tim. Aber noch mal Pe-ri-de-is, Peridëis. Bist du bereit für einen Vortrag?
Nein.
Nanu? Willst du gar nichts über Peridëis wissen?
Doch. Aber ... ehrlich gesagt ... ich ... hab die Rausche. (Alischa kicherte.)
Verwirrt fragte Tim: Was meinst du? Was ist das?
Ach, Gossensprache, vergiss es. Ich bin erregt. Sexuell. Aber eben sehr heftig. Noch genauer: So heftig, wie ich es noch nie erlebt habe. Es drängt hoch und beherrscht mich momentan. Kein Verstand mehr da, verstehst du?
Entschuldigung. Ich dachte, du hast das schon hinter dir. Das ist hier normal. Und ganz heftig immer kurz nachdem man Peridëis betreten hat. Da musst du dir hier wirklich keinen Zwang antun. Niemals und nirgendwo in Peridëis. Es ist hier ziemlich normal, dass die Leute einfach eine kleine Handentspannung machen, wenn der Trieb es ihnen vorgibt und grad keiner zur Hand ist, der einem helfen kann. Machs dir doch einfach!
Das meinst du nicht ernst?, fragte Alischa eher unsicher als empört.
Ich meine das ernst. Wozu willst du dich quälen? Der Trieb ist hier auch sonst um ein Vielfaches stärker als im Diesseits, das ist eine der Grundeigenschaften von Peridëis und du kannst dich dem auch nicht entziehen. Also geben die Leute hier ihrem Trieb einfach nach. Punkt.
Und du?
Ich will, ich würde, aber ich darf nicht. Du weißt es.
Mir ist das peinlich. Mir wäre es schon peinlich, zu wissen, dass du weißt, dass ich mich hinter einem Busch oder so befriedige, geschweige denn, dass ich es einfach so hier tun könnte.
Ihre Möse meldete Alischa das Gegenteil und schien der Auffassung zu sein, es wäre im Moment völlig egal und überdies auch sonst eher reizvoll, Tim dabei zusehen zu lassen. Und ihre Lustknospe hatte längst ihr Versteck verlassen und drängte fordernd nach außen.
Tim schien eine Antenne dafür zu haben. Er sagte: Ich darf nicht selbst, aber ich darf dir helfen. Wenn du willst.
Tim richtete sich aus dem Gras auf und schaute Alischa prüfend ins Gesicht. Er sah kein Anzeichen von Gegenwehr. Da kniete er sich zu Alischas Füßen und zog ihr mit einer kraftvollen Bewegung die Beine auseinander.
Peinlichkeit und Lust daran. Beides.
Klatschnass, kommentierte Tim, Schamlippen lügen nicht. Komm her, du kleine Heuchlerin, das hier darf ich den Umständen entsprechend vermutlich. Sagte es, packte Alischa einfach und zog sie in seinen Schoß, sodass sie, beide im Gras sitzend, wie beim Melken mit ihrem Rücken gegen seine Brust lehnte, ihr Po gegen sein hartes Geschlecht gedrückt, während seine Füße ihre Füße auseinander drückten. Seine linke Hand begann, Alischas linke Brust zu massieren und Melkbewegungen zu machen, aber seine rechte Hand drängte diesmal in Alischas Schoß. Alischa, die lange auf so etwas gewartet hatte, war das mehr als willkommen und spreizte ihre Schenkel, so weit sie irgend konnte. Seine rechte Hand strich über ihre pitschnasse Vulva und suchte danach die kleine Stelle, an der die Schamlippen oben zusammenlaufen und wo verborgen ein kleines Pünktchen wohnt, das seiner Besitzerin bisweilen arg zu schaffen machen kann und dann frech und gar nicht klein in die Welt drängt. Tim holte sich von dem reichlich vorhandenen Nass aus dem großen Loch, das sich im Moment mehr ersehnte, als den viel zu kurzen Besuch eines diebischen Fingers. Tim vibrierte ganz nahe dem heißen Pünktchen mit dem geholten Nass, dass Alischa die Engel sah. Der Kerl musste Erfahrung haben, jedenfalls wusste er genau, wie man es einer Frau macht. Nicht etwa direkt, nein immer hübsch um das Pünktchen herum und dabei ihre Brüste nicht vergessend, die er massierend lang zog, bis die Milch spritzte und in ihrer Nässe wiederum das Melken zu höheren Genüssen führte. Der Finger der rechten Hand vibrierte währenddessen unermüdlich, tauchte ab und an ins große Loch, um sich mehr von dem köstlichen Nass zu holen, vergaß nicht, das Loch mithilfe anderer Finger ab und an zu dehnen, um es nicht gar zu sehr zu enttäuschen, fuhr wieder zurück zum Pünktchen und Alischa merkte schließlich, wie es ihr langsam kam. Es begann zuerst in ihr und drängte nach außen und Alischa hatte Angst, dass Tim plötzlich aufhören könnte. Aber er machte weiter, unaufhörlich. Alischa hatte Angst, dass er irgendetwas ändern könnte, aber er machte unermüdlich weiter, ohne dabei irgendetwas zu ändern. Da, jetzt zog er besonders tief anfangend und lange an ihrer linken Brust, vergaß aber die Arbeit der rechten Hand dabei nicht, hatte tief in die linke Brust hineingegriffen, zog an ihr, spritzte weit heraus (die rechte Hand machte schnell vibrierend weiter), und die Brustwarze festhaltend, schüttelte er die Brust, hielt sie tief hinter den Brustwarzen fest, zwirbelte sie ... und da merkte Alischa einen gewaltigen Orgasmus nahen.
Bitte, bitte, flehte sie, mach weiter, mach weiter, mehr, stärker, nichts ändern, nichts ändern, mach weiter, bitte mach weiter, nicht aufhören, weiter, ja, ja, ja, ja, ja, jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa.......
Und ein gewaltiger Orgasmus schüttelte Alischa, pulste Mal um Mal und noch einmal, holte noch einmal aus und kam noch einmal, während die Bewegungen Tims sanfter wurden, bis sie langsam verebbten und seine rechte Hand nur noch ganz vorsichtig-langsam-rhytmisch das Pünktchen an ihre Existenz erinnerten und die linke Hand ein ganz klein wenig mehr die linke Brust um Milch erleichterte und schließlich begann, die Milch sanft auf der gesamten Haut zu verteilen, als wäre es Creme.
Alischa dämmerte langsam aus. War das schön..., flüsterte sie und ihr Schoß zuckte noch ein letztes Mal. Wellen fluteten langsam auf und ab, Wolken zogen vorüber, sie spürte plötzlich ein warmes Rinnsal ihren Innenschenkel herabrinnen, einen Weg zwischen Schenkel und Pobacke findend. Was war das? - Sie öffnete die Augen und bemerkte amüsiert, dass ihr Bauchnabel mit Milch gefüllt war und auch sonst reichlich davon auf ihrem Bauch verteilt war. Und plötzlich mit einem Ruck: Und du?! Schließlich spürte sie einen enorm steifen Penis, der sich gegen ihre Pobacken drückte.
Ich? Ich zähle nicht, sagte Tim darauf. Ich habe zu dienen ohne Lohn zu erwarten, denn dann bekomme statt kleiner Freuden die ganz große. Hörst du? Ich wäre nie erwählt worden, hierher zu dürfen, aber jetzt lässt man mich, wenn ich nur diese winzige Zeitspanne von drei Jahren aushalte, und davon ist schon reichlich vergangen. Und noch etwas, es gefällt mir durchaus, das hier zu machen, ich kann es auf eine ganz eigene seltsame Art genießen. Aber trotzdem kannst du etwas tun, das ist deine einzige Aufgabe. Wenn du nein sagst, würde ich dich sogar verlassen müssen. Bist du halbwegs wieder bei Verstand und kannst zuhören?
Halbwegs, antwortete Alischa.
Tim erzählt
Aaaaaaaalso, sagte Tim gedehnt. Peridëis. Paradies. Land der Peris, Land der Feen. Im Grunde könnte ich jetzt stundenlang reden, so viel gäbe es zu erzählen. Ich fange erst einmal mit dem Wichtigsten an. Was du vorhin erlebt hast, war ein Übergang in eine andere Welt, wirklich in eine andere Welt. Die Zeit vergeht hier langsamer, du hast sogar einen neuen Körper bekommen, du kannst hier nicht sterben, nicht verletzt werden, nie krank werden und du wirst hier nie etwas Unerträglichem ausgesetzt sein. Hier gibt es Zauberei, eine absolut traumhafte Natur, überall genug zu essen und die Leute hier befassen sich eher mit Kunst, Abenteuer und allem Kreativen außer Technik und fast nie mit echter Arbeit. Technik gibt’s gar nicht, Strom und Telefon schon überhaupt nicht, und Reisen kann man im Wesentlichen nur durch Zauberei und zu Fuß. Du kannst hier jede Menge Spaß haben, Abenteuer erleben und musst Dir keine Grenzen setzen. Keine Grenzen deshalb, weil du niemandem schaden kannst und auch selber nie Schaden nimmst, egal was passiert. Apropos: Wenn du mit Jungs rummachst, wirst du hier in Peridëis auch nicht schwanger werden und krank sowieso nicht, deshalb gibt es auch da keine Grenzen. Und bei der Gelegenheit spreche ich die einzige Sache an, die hier so etwas wie eine Pflicht für Frauen ist, und der du dich mit keinem Mittel entziehen kannst: Du wirst schon jetzt spüren, dass deine Brüste sehr spannen. (Das stimmte.) Sie werden voller und du wirst Milch haben. Ziemlich viel sogar. Das hängt damit zusammen, dass Männer hier in Peridëis nicht alleine leben können. Sie müssen wenigstens alle paar Tage Frauenmilch bekommen, sonst erleben sie stetig steigende Schmerzen und wandeln sich schließlich zum Satyr, der keinen Verstand mehr hat und nur noch seinem starken Trieb folgt. Ich selbst bin hier also auf deine Milch angewiesen, sonst müsste ich Peridëis sofort wieder verlassen. Ist es für dich vorstellbar, Milch für mich zu geben? Regelmäßig? Jeden Tag?Ja... sagte Alischa, die noch ganz verwirrt war von all den Neuigkeiten. Sie hatte Tims Frage noch gar nicht richtig erfasst gehabt, aber Himmel dachte sie, so schlecht kann der Tausch nicht sein. Umgekehrt betrachtet ... keine schlechte Aussicht, ab jetzt eine Garantie für einen Mann plus Streicheleinheiten zu haben, und die Brustspitzen hatten sich bislang auch nicht als die schlechteste Quelle für Wonneerlebnisse herausgestellt.
Gib mir Zeit, das alles zu verarbeiten, murmelte Alischa, streckte sich im Gras aus und schaute in den blauen Himmel empor, den ein paar kleine Schäfchenwolken zierten und der von den hohen Felsen gerahmt wurde, die das Tal umschlossen. Schön war es hier, angenehm warm, aber ...
Ich glaube dir jedes Wort, sagte Alischa. Aber richtig ein Paradies, ein Märchenland mit Feen, äh Peris, und allem Drumherum, das ist schwer zu verarbeiten.
Warte mal, sagte Tim, ich habe eine Idee. Bleib einfach hier liegen.
Und weg war er, Tim. Alischa stützte ihren Arm auf und sah im neugierig nach. Was wollte er machen? Doch Alischa musste gar nicht lange warten, da kam Tim laut lachend zurück.
Ich hab was!, rief er.
???
Als Tim wieder bei Alischa war, sah sie, dass er etwas in seinen Händen gefangen hielt. Ein Piepsen war zu hören.
Was ist das?
Tim öffnete ganz leicht seine Hände. Jetzt wurde das Piepsen lauter. Unverkennbar eine Frauenstimme:
Du blöder Kerl, lass mich sofort wieder frei! Hörst du? Du-sollst-mich-frei-las-sen! Aaaaaah!
Tim änderte seine Handstellung und jetzt war zu sehen, was er in der Hand hielt. Genauer gesagt, was er jetzt in den geöffneten Händen an den Füßen festhielt: Es war eine zierliche winzige barbusige Frau mit gewaltigen Brüsten (für ihre Körpergröße). Sie war vielleicht zehn Zentimeter groß und trug ein weißes rückenfreies Kleid. Rückenfrei deshalb, weil sie am Rücken Libellenflügel hatte, mit denen sie fortwährend abzuschwirren versuchte. Was aber nicht ging, weil Tim sie, wie gesagt, an ihren Füßen festhielt.
Wie süß!, sagte Alischa.
Eine Tila, sagte Tim. Pass auf, was ich jetzt mache, setzte er nach. Und zur Tila gewandt: Taugt deine Milch überhaupt was? Man hört, dass die Milch der Tilas in dieser Gegend etwas ranzig sein soll. Und dass sie einen schalen Beigeschmack hat.
Aua!, rief Tim, die hat mich gebissen!
Ich beiß noch mal!, wütete die winzige Tila, die Tim versehentlich losgelassen hatte und die trotzdem nicht die Flucht ergriff. - Meine Milch ist die allerbeste, schrie die Tila piepsig, süß und aromatisch und kein bisschen ranzig! Und einen schalen Beigeschmack hat sie auch nicht. Koste sie, dann weißt du es!
Da sagte Tim zu Alischa: Mach mal eine hohle Hand, für die Milch. - Tim zog Alischas geöffnete Hand in die gewünschte Stellung.
Die winzige Tila begann mit Feuereifer, ihre gewaltigen Brüste mit den Händen in Alischas hohle Hand auszumelken.
Donnerwetter, entfuhr es Alischa, die mit großem Interesse zugeschaut hatte. Dafür, dass die Tila so klein ist, hat sie ja Unmengen an Milch!
Und im Nu hatte die Tila Alischas Handteller mit Milch gefüllt. Wohl bekommt’s, rief sie mit ihrer piepsigen Stimme.
Die Tila schaute erwartungsvoll zu Alischa hoch.
Soll ich...?, fragte Alischa etwas unsicher.
Koste die Milch!, sagte Tim.
Alischa benetzte erst vorsichtig ihre Lippen, nahm davon noch vorsichtiger eine Winzigkeit auf ihre Zungenspitze, doch endlich leckte sie die gesamte Milch auf. Alischa schnalzte mit der Zunge, genoss jedes Tröpflein der Milch, und rief laut aus: Die schmeckt ja wunderbar! Wie ... wie ... wie Konfekt, aber noch besser, noch feiner!
Die winzige Tila bedankte sich piepsig für das Lob, machte artig einen Knicks und schwirrte davon.
Sie fliegen von Blüte zu Blüte, kommentierte Tim, und trinken den Nektar. Je nach Blüten schmeckt ihre Milch etwas anders. Sie bringen die erzeugte Milch nach Hause für ihre Männer, die es sich dort inzwischen wohlsein lassen. Die Männer der Tilas trinken und essen gar nichts anderes als die Milch ihrer Frauen.
Typisch, knurrte Alischa.
Tim lachte. Dafür sind die Tilas so unersättlich, dass kaum je ein dicker Tila-Mann gesehen wurde. Je mehr Milch die Tilas anschleppen, desto länger macht er’s ihr. An der Größe ihrer Titten kannst du ahnen, was ihre Männer zu leisten haben.
Wie zur Bestellung brummte eine ganz besonders dickbusige Tila an ihnen vorbei, die sich kaum noch in der Luft halten konnte.
Alischa kugelte sich vor Lachen im Gras.
Gut, sagte Alischa schließlich. Ab jetzt glaube ich dir alles. Hier scheint es nicht nötig zu sein, sich irgendetwas auszudenken. Du darfst genauer werden. Erzähl mir mehr über dieses Land!
Die beißen übrigens nicht immer, sagte Tim. Das ist wie Brombeerpflücken - du naschst eine nach der anderen und ab und zu piekst du dich eben mal.
Wie? Und hier naschst du eine Tila nach der anderen?
Hat doch geschmeckt, oder nicht?
Äh, ja, schon.
Du darfst nur einen Fehler nicht machen. Wenn du eine Wiese mit vielen Tilas siehst, schrei niemals laut, dass deren Milch nichts taugt. Sonst geht’s dir wie einem Bären, der Honig geklaut hat.
Alischa stöhnte lachend. Erzähl was anderes...<
Die Sache mit dem schönen Leben
Einverstanden, sagte Tim. Als erstes: Stell dir vor, du träumst einen schönen Traum. Und dabei hast du die Garantie, dass du sofort aufwachst, wenn er sich zum Alptraum entwickeln sollte. So ist Peridëis. Eigentlich ein wahr gewordener Traum.
Und jetzt überlege, was in einem schönen Traum passieren kann und was ihn von Büchern oder Filmen oder auch einem Urlaub unterscheidet. Es passiert Schönes, Emotionales, Herausforderndes, Interessantes. Aber der Unterschied ist, dass da immer die Grenze des Machbaren und die des Gefährlichen und die des Verbotenen ist. Man könnte, man darf nicht. Im Traum ist das anders - du kannst fliegen, du kannst unter Wasser atmen, du kannst zaubern, Abenteuer jeder Art erleben, es gibt keine Schranken und wenn du erregt bist, kannst du jederzeit Befriedigung haben, jeder Art und grenzenlos. Und vor allem: Dir kann nichts passieren und du kannst auch keinen Schaden anrichten und es gibt keine Kontrolle. Die Frage ist, was würdest du gerne tun, gäbe es keine Gefahr, keine Verbote und niemanden, der dich beobachtet, um dich zu beurteilen? So in etwa ist Peridëis. Aber alles ist echt, alles passiert wirklich. Vergiss die zensierte Beschreibung des Paradieses, wie du sie bisher kennengelernt hast. Du wirst jetzt Anderes erleben.
Ich bin ehrlich sprachlos.
Nein, du redest ja.
Alischa lachte.
Mir kann nichts passieren?
Niemals.
Und wenn ich von einem hohen Felsen herunterfalle?
Wie im Zeichentrickfilm. Kurzes Aua, Staub abklopfen, erledigt.
Wenn mich ein Löwe auffressen will?
Er wird es nicht machen, sondern betteln, dass du ihn streichelst.
Ehrlich? Wie süß! Aber was frisst der?
Salat? Ich weiß es nicht. Fleisch zum Essen gibt’s aber, wart’s nur ab.
Wenn mir jemand eine klatscht?
Macht Aua.
Schlimm?
Nein.
Wenn mir jemand zehn mal eine klatscht?
Macht zehn mal Aua.
Die Sache mit der Sicherheit
Und wenn es sehr heftig wird?, bohrte Alischa nach. Lange gefangen sein, unangenehme Menschen, was weiß ich.
Berechtigte Frage, sagte Tim. Es passiert, was ich mit dem Aufwachen aus einem Alptraum verglichen hatte. Erlebst du eine unerträgliche Situation, dann gibt’s einen grünen Blitz, einen Knall, Schwefelgestank, und du bist weg. Du wachst wieder in dem Übergang auf, über den du Peridëis betreten hast, auf dem Altartisch. Auf dem hier in Peridëis, nicht dem außerhalb. Aber deine Sachen bleiben zurück, weil man nur selbst weggeblitzt wird. Du wachst also nackt auf.
Und meine Anziehsachen?
Fallen einfach zu Boden. Das Wegblitzen kann man übrigens auch willkürlich machen, zu einem gewünschten Ort. Ich zeige dir später, wie das geht. Man nennt das einen Hexensprung, aber wenn du blitzen oder wegblitzen sagst, weiß auch jeder, was du meinst. Das Besondere an dieser Art Notbremse ist, dass sie ohne Vorbedingung immer funktioniert. Entscheidend ist, was du selber fühlst. Das ganz große Ding daran ist, dass du grenzwertige Sachen gefahrlos ausprobieren kannst, was einen sehr erheblichen Reiz haben kann. Der Nachteil ist, dass du eben erst mal weg bist. Bei manchen grenzwertigen Sachen würde man ja lieber bewusst entscheiden wollen, wann man aussteigt, aber die Notbremse funktioniert eben auf der unwillkürlichen Ebene. Und noch etwas ist nachteilig: Die Leute, die hier in Peridëis leben, haben Angst vor Hexen. Deshalb kannst du dich in der Gegend nach so einer Aktion eine Weile lang mehr blicken lassen. Wenn du dir über lange Zeit etwas aufgebaut hast, kann das ärgerlich sein.
Hier gibt es zwei Arten Leute und zwei Arten Wissen. Auf der einen Seite stehen die Peris und wir, die wir als Hexen gelten. Die Peris können und wissen weit mehr als wir, aber trotzdem ähneln wir uns sehr. Wir, das sind Leute wie du und ich, die Peridëis besuchen, die von außen kommen. Auf der anderen Seite stehen die normalen Einwohner von Peridëis. Diese können Peridëis nicht verlassen. Sie existieren nur hier. Und sie können viele Dinge nicht, die wir können. Verglichen mit den Fähigkeiten der normalen Leute können wir tatsächlich hexen. Gut, verglichen mit den Fähigkeiten, die wir in der normalen Welt haben, können wir es auch.
Tim lachte.
Aber weißt du, setzte Tim nach, das ist mir jetzt viel zu negativ gerade. Merk dir einfach: Wenn hier was schiefgeht, gibt’s allerhöchstens einen grünen Blitz, einen Knall, Schwefelgestank und du bist weg. In Sicherheit. Grund genug, interessante Sachen zu riskieren.<
Die Sache mit dem Sex
Erzähl eine interessante Sache, die man hier riskieren kann, sagte Alischa.
Wir können mit der schönsten Paradiesfreude anfangen. Kennengelernt hast du sie schon. Du wirst hier immer leicht erregt sein. Sexuell. Das gehört zu Peridëis dazu. Peridëis ist wie ein Traum, die Gedanken sind frei, keine Pflichten, keine Gefahren für dich und andere, keine Krankheiten. Nimm dazu die immer vorhandene sexuelle Erregung bei fehlender Fruchtbarkeit und schon kann man ahnen, was folgerichtig geschehen muss. Mich erinnert es manchmal an bestimmte Masturbationsfantasien oder Tagträume, meist gemischt mit anderen Wünschen und Fantasien, manchmal auch einfach Abenteuer mit oder ohne erotischem Einschlag. Gleich mal was zum Schocken: Du wirst hier ganz bestimmt etliche Male vergewaltigt werden.
Ich schlucke durchaus, sagte Alischa. Aber ich vermute, ich muss dieses Wort hier umdefinieren?
Ja. Das Wort hat hier eine andere Bedeutung und du wirst es hier ganz anders erleben. Dabei wird nichts überschritten, was in der Fantasie bei dir vorkommt oder vorkommen könnte. Vergiss nicht die eigene Dauererregung, der man sich nicht entziehen kann. Deshalb ist hier auch ziemlich viel sexuell aufgeladen und wird durch Sex reguliert. Es gibt hier keine Sexualmoral in dem Sinne, wie du sie vom Diesseits kennst. Kein Mann muss hier sicherstellen, dass seine Frau wirklich nur von ihm befruchtet wird und er nicht fremden Nachwuchs aufzieht, statt seine eigenen Gene weiterzuverbreiten. Und die Frauen auf der anderen Seite können sich kein makelbehaftetes Erbgut einfangen, haben keine mütterspezifischen Versorgungs- und Schutzprobleme und haben außerdem die Männer gewissermaßen in der Hand - braucht der Mann sie doch, um hier überhaupt leben zu können. Da dir als Frau außerdem nichts ernsthaft passieren kann, gibt’s eben den Begriff der Vergewaltigung in dem dir bekannten Sinn nicht. Auch nicht Ehrbegriffe um dieses Thema herum. Klar gibt’s das Wort und es wird auch nicht zu knapp gebraucht, aber es bedeutet nur so ungefähr dasselbe, als würde dich jemand zum Kücheputzen zwingen, obwohl du gerade keinen Bock dazu hast. Oder um nicht bloß einen negativen Vergleich zu machen: Jemand stopft dir ungefragt eine Süßigkeit in den Mund, die du wegen der Kalorien nicht annehmen wolltest, die dir aber trotzdem zusagt.
Sex ist permanenter und offen gelebter Bestandteil des Alltags und eine Vergewaltigung eher eine grobe Unhöflichkeit, deren Bedeutung sich an den konkreten Umständen misst. Es wird sanktioniert, aber an Ort und Stelle ... vielleicht mit ein paar kräftigen Peitschenhieben auf den Hintern, damit der Vergewaltiger seine Abreibung hat und die vergewaltigte Person ihre Genugtuung. Aber damit ist es erledigt. Oder auch gar nicht. Ansonsten: Wenn dich zehn Kerle nehmen, hältst du einfach still und hinterher schenken sie dir vielleicht was als Dank. So läuft’s jedenfalls bei Männern, die auch nur ein winziges Bisschen Anständigkeit haben.
Aber gegen meinen Willen ist trotzdem gegen meinen Willen!
Nein, nichts geschieht hier wirklich gegen deinen Willen. Was hier geschieht oder nicht geschieht, hat stets und immer auf eine verzwickte Art mit dir selbst zu tun. Vergiss das nicht.
OK, ich hab nicht dran gedacht. Erzähl weiter!
Also die Männer ... Oder statt dir etwas zu schenken, helfen sie dir hinterher bei irgendeiner Arbeit. Irgendetwas in dieser Richtung. Hier knickt es die Frauen eher, wenn sie nie dran sind und so etwas macht sie ganz fertig. Zumal sich eine Frau der Wollust an der Sache kaum entziehen kann, so ist Peridëis nun mal. Wie Bratengeruch, wenn du nur richtig Hunger hast. Und das nächste Mal verabreden sich vielleicht etliche Frauen, einen hübschen Mann wegzufangen, festzubinden, und nach Strich und Faden durchzunehmen oder eine Frau macht sich einen Mann durch List und Tücke gefügig, fesselt ihn ans Bett und benutzt ihn zur eigenen Befriedigung. Und hinterher betuttelt sie ihn auf irgendeine Weise, massiert ihn vielleicht oder verwöhnt ihn anders, und gibt ihm vor allem als Ausgleich von ihrer Milch zu trinken.
Ganz habe ich es noch immer nicht drin, sagte Alischa. Ist das nicht trotzdem furchtbar? - Man kann es doch nicht einfach als normal ansehen, wenn Frauen vergewaltigt werden! Ähm, und Männer auch nicht, natürlich, meine ich.
Tim zuckte mit den Schultern: Hattest du fast vergessen, die Männer, ja? Was du als Argument anführst, ist Moral, also eine Außennorm. Ich aber spreche von dir selber. Wärst du gefühlskalt, wenn es das gäbe, würdest du niemals vergewaltigt werden – es hat ja schließlich mit dir selbst zu tun. Aber auch sonst, du musst ja nicht nach Peridëis kommen... Und wenn irgendetwas wirklich unerträglich für dich wird, dann reißt dich Peridëis raus. Wie Aufwachen bei einem Alptraum. Punktum. Knall, grüner Blitz, du bist weg und landest wieder vor dem Übergang, über den du Peridëis betreten hast. Wo also ist das moralische Problem?
Trotzdem... murmelte Alischa, das geht doch nicht.
Willst du schnell wieder gehen?
Mistkerl, sagte Alischa. Du weißt genau, dass ich das nicht will.
Wusstest du, dass die Puritaner unter Oliver Cromwell [16] Musik, Tanz, Theater, ja sogar das Lesen anderer Bücher als der Bibel verboten haben? Und er war längst nicht der Einzige in der Geschichte der Menschheit, der so etwas gemacht hat. Es wird auch immer wieder aufs Neue versucht. Christen, Moslems, politische Gruppen, strikte Vegetarier, Mäßigungsvereine, ganz egal. Du siehst, es ist durchaus nicht nur die Sexualität, die verboten und tabuisiert wird.
In einigen islamischen Gegenden noch heute, glaube ich, sagte Alischa leise, also Musik und Tanz, meine ich.
Ja, antwortete Tim – oder wieder, und sie sind nicht die Einzigen. Und noch so ein Thema ist die Selbstbefriedigung. Sie schadet niemandem, es schadet deinem Körper nicht und an sich tut es dir sogar gut. Trotzdem wurde und wird Selbstbefriedigung oft genug als verwerflich bezeichnet und es wurden und werden Leute dafür bestraft, beschnitten, kastriert und sonstwas. Was glaubst du, woher die Beschneidung von Jungen und Mädchen in vielen Kulturen kommt... Hier in Peridëis dagegen gehört Sex zum Menschen, grundlegend und auch öffentlich, so wie essen, schlafen, atmen. Ich glaube, das war der Grundgedanke des Schöpfers von Peridëis, diese wirkliche Freiheit, wie du sie sonst nur in deiner Phantasie und in deinen Träumen hast. In den Grenzen, wo du andere beeinträchtigst, so einfach ist das. Um bei der Sexualität zu bleiben: Merkt ein Mann zum Beispiel, dass eine Frau ihn partout nicht will, hat er mit Ficken aufzuhören und sich zu entschuldigen. Ich meine, man kriegt doch mit, ob der Andere erregt wird oder nicht. Auf der anderen Seite halten sich hier die Frauen unangenehme Arbeiten vom Leib, indem sie ihre Möse zum Tausch dafür anbieten. Im Diesseits wäre das ohne Wenn und Aber verwerfliche Prostitution. Hier regelt es das Leben. Du hast einen Einkauf zu tragen? Kein Problem, komm mal her, Mann, wenn ich dir deinen Schwanz anfasse, macht dich das an? Und fass mir mal in den Schritt, merkst du, wie feucht es da ist? Fass mal tiefer rein, merkst du es und wie sie duftet? Und meine Brüste, geh mal mit deinem Finger rüber ... komm, steck deinen Schwanz in mein Loch, ja mach schon, komm, brauchst bloß meinen Korb dafür zu mir nach Hause tragen, ja, so ist’s schön, tu ihn tief rein, noch tiefer ... und jetzt mach’s mir. - Und schon bist du wieder eine lästige Arbeit los. Und links und rechts von dir gehen die Leute weiter ihrem Tagewerk nach, es sei denn, sie finden Spaß daran, euch zuzugucken. Wieso soll das andersherum anders ein, bloß weil der Anmachende diesmal ein Mann ist?
Einzige Einschränkung, ergänzte Tim, ist die Sache mit der Milch: Die Einwohner von Peridëis glauben, dass Brüste, Vulva und Penis vor allem dem Zweck dienen, die Symbiose zwischen Mann und Frau zu ermöglichen, wobei überschüssige Lebensenergie abgegeben und aufgenommen wird. Die Frau hat mehr Lebensenergie als der Mann, was man daran erkennen kann, dass der Mann nur eine kleine Brust hat, die normalerweise auch nichts von sich geben kann, und weil Männer ohne Milch zum Satyr verkümmern.
Aber irgendwo ist da trotzdem ein logischer Fehler drin, grübelte Alischa laut, ein vergewaltigender Mann müsste doch sehr viel Energie verlieren, nach dem, was du mir erzählt hattest?
Ja und nein, sagte Tim. Es entzieht Lebensenergie und das gilt natürlich als dumm und unüberlegt. Aber dem Mann steht ja die Milch der Frau zur Verfügung, die er überwältigt hat. Wobei die Männer hier den Trick drauf haben, ihr Sperma beim Orgasmus zurückzuhalten. Der Trick soll simpel und schnell erlernbar sein...
Soll sein?
Ich selbst kann ihn nicht. Du weißt doch...
Entschuldige bitte. Erzählst du weiter?
Na ja, also dieser Trick ähnelt dem, was Ärzte Beckenboden-Training nennen. Man übt ein paarmal das Anspannen und Loslassen des Schambein-Muskels, mit dem man auch das Pinkeln unterbrechen kann. Als »Trockenübung«, damit man den Muskel kennenlernt. Anschließend probiert man beim Masturbieren, diesen Muskel anzuspannen, sobald man merkt, dass man ejakulieren muss. Das soll in der Regel nicht gleich beim ersten Versuch klappen, und mit verunglückten Orgasmen muss man am Anfang wohl auch rechnen. Aber nach kurzer Zeit schafft es der Mann, dass das Sperma im Körper bleibt. Und diese Technik soll auch den Orgasmus sehr in die Länge ziehen und intensiver machen. Erzählt man. Bloß ich habe das eben noch nicht drauf.
Wie sollst du denn auch üben, sagte Alischa. Aber sag mal, wenn der Orgasmus bei den Männern trotzdem kommt, und außerdem länger dauert, warum ist der Trick in der echten Welt nicht längst bekannt? Das wäre doch eine großartige Verhütungsmethode?
Lass das im Diesseits ja nie als Verhütungsmethode durchgehen, knurrte Tim, manchmal soll doch ein ganz klein wenig Sperma rauskommen, wenn man es nicht ganz korrekt macht [17]. Hier in Peridëis ist es für die Männer schlicht eine Lebenstechnik, wenn sie einige Tage lang keine Frau haben ... jeder Samenerguss verkürzt die Zeit, die ein Mann ohne Frauenmilch auskommen kann. Für Männer mit einer festen Frau ist das kein Thema und sie können ihr Sperma nach Lust und Laune ergießen, da sie reichlich von ihrer Frau versorgt werden. Deshalb verübeln es die Frauen den Männern, wenn sie ihr Sperma zurückhalten. Da es einen so hohen Wert für den Mann hat, steigert sich seine Bedeutung natürlich auch für die Frauen, ganz egal wie die Faktenlage in Wirklichkeit ist. Für die Frauen bedeutet es eben Wertschätzung, und das Ergießen symbolisiert den Wunsch des Manns, bei der betreffenden Frau zu bleiben. - Ganz anders bei einer Vergewaltigung ... da ist der Bindungsteil und die Intimität nicht drin, potentielle Schwangerschaft und echte Gefahr sowieso nicht. Die Vergewaltigung bietet nur die reine Lust und natürlich die Unterwerfung, mehr nicht. Da wird ein Mann in Peridëis seinen Samen meist nicht ergießen wollen.
Hm. Schwer zu entscheiden, wich Alischa aus.
Sie verschob das Nachdenken über dieses Thema auf später und erklärte laut, dass ihr mittlerweile der Schädel vor Neuigkeiten brummte.
Die Sache mit der Milch
Es gibt aber noch viel zu erzählen, sagte Tim. Lehn dich einfach zurück und lass dich berieseln. Was du dir nicht merken kannst, fragst du einfach später noch mal. Ich bleibe bei dieser Reise stets bei dir, das ist also kein Problem.
Also. An sich wird ein Mann, der hier einfach so eindringt, innerhalb von wenigen Tagen unfehlbar verkümmern. Niemand weiß sicher, warum das so ist, und diese Geschichte in dem Buch, das du gelesen hat, gibt nur einen Erklärungsversuch von vielen. Kommt dagegen eine Frau nach Peridëis, dann kann sie hier leben und sich vergnügen und fühlt sich prachtvoll, ist laufend angenehm erregt und nutzt das zum eigenen Spaß und wird an sich bemerken, dass die Brüste enorm zu spannen anfangen, wachsen und Milch geben. Allen Frauen hier geht das so und das hat hier eine große Bedeutung.
Kommt daher auch diese Zeichnung, wo die Frau ihre Brüste dem Betrachter entgegenhält?
Ja, genau. Davon gibt es Bilder und Skulpturen in vielen Variationen. Es gibt diese Erklärung in der Geschichte, die du gelesen hast, aber gibt auch Leute, die sagen, das wäre hier schon so gewesen, lange bevor die Peris in dieses Land kamen und dass die Peris hier geblieben sind, weil es so ist. Andere sagen, dass die Peris dieses Land genau so geschaffen haben und niemand anderes wäre daran beteiligt gewesen. Was von alldem stimmt, weiß keiner, aber eine dieser Geschichten sagt, dass die Einwohner hier seit Urzeiten eben diese Angewohnheit hatten, dass die Männer die Milch ihrer Frauen tranken, aber letztlich ist das ja auch egal. Der Punkt ist, dass Frauen in Peridëis stets Milch haben
[18]. Entscheidend ist, was daraus resultiert: Männer können für sich alleine in Peridëis nicht existieren. Sie brauchen die Milch der Frauen. Sie müssen wenigstens alle paar Tage Frauenmilch bekommen, oder sie verkümmern. Erst mit leichten und später mit heftigen Schmerzen, bis sie schließlich den Verstand verlieren und zu einer Art Tiermensch werden. Ihnen wachsen innerhalb kurzer Zeit am ganzen Körper Haare, ihr Penis wird unglaublich lang und kräftig und sie irren durch die Wälder, haben einen unstillbaren Sexualtrieb und vergewaltigen, was irgend weiblich ist, können nur noch wenige Worte sprechen, verstehen fast nichts mehr. Bedauernswerte Kreaturen... Man nennt sie Satyrn.
Kommen die da gar nicht mehr raus?, fragte Alischa, Das ist doch grausam!
Doch, aber dazu musst du sie erst einmal gefangen kriegen, sie sind sehr scheu. Und die Meinung über sie gehen sehr auseinander, irgendwo zwischen Faszination, Angst, Verachtung und Abscheu. Aber allgemein hat man Mitleid mit ihnen, weil sie nichts für ihr Tun können. Die einen fürchten sie, die anderen hassen sie und noch andere schleichen sich heimlich in den Wald, in der stillen Hoffnung, von einem Satyr hemmungslos vergewaltigt zu werden. An sich tun die Satyrn nämlich niemandem was, also außer vergewaltigen meine ich. Eine Frau alleine hat natürlich keine Chance und wird durchgefickt, bis ihr die Sinne schwinden und ihr alles weh tut. Aber nicht mehr. Das weiß man und deshalb gilt es auch als etwas unanständig, als Frau alleine im Wald spazieren zu gehen ... eine lässliche Sünde, aber gelästert wird trotzdem. Um einen Satyr zu fangen, wird ausgenutzt, dass sie bis zur völligen Erschöpfung ficken. Dann fesselt man sie und gibt ihnen Frauenmilch, am besten ganz frisch aus der Brust, ohne dass die Milch Kontakt zu Luft und Licht bekommt, so ist sie am wirksamsten. Aber er muss gefesselt sein, weil sein Genitaltrieb stärker ist und er rasend wird, wenn er dich als Frau riecht. Aber er wird jeden Milchtropfen aufsaugen, dem du ihm anbietest. Erst halb mit Zwang, aber schon nach einigen Augenblicken macht er es von selbst. Jedes Mal neu. Und die ganze Zeit darf er keine Ejakulation haben oder jedenfalls so selten wie möglich, dann erholt er sich. Du merkst es zuerst daran, dass sein Haarwuchs wieder geringer wird und sein Penis wieder kleiner, er bekommt langsam sein Verstand zurück und er kann sich wieder erinnern. Aber er weiß nichts mehr aus seiner Zeit als Satyr, er kann sich buchstäblich an gar nichts mehr erinnern. Nur an die Zeit davor; das letzte sind die heftigen Schmerzen.
Und woran merkt man, dass er ganz geheilt ist?
Losmachen kannst du ihn, sobald er sich wieder erinnert und normal sprechen kann. Dann ist ja auch sein Verstand wieder da. Du musst ihm nur einschärfen, dich nicht zu vergewaltigen und auch nicht zu masturbieren. Das geht ganz gut, wenn du ihn noch unter Beobachtung hast. Wenn sein Trieb zu stark ist, bietest du ihm sofort Milch an. So hält er’s aus.
Aber wer macht das in der Realität ... diesen riesigen Aufwand und die Gefahr?, fragte Alischa zweifelnd.
Oh, gar nicht wenige, antwortete Tim, viele Frauen haben Mitleid mit den Satyrn und es gibt eine Initiative Freiwilliges satyrisches Jahr, wo sich Frauen sehr selbstlos nach Strich und Faden durchvögeln lassen. Das ist auch wichtig, weil einige gewissenlose Frauen ganz gezielt in Gruppen in den Wald gehen und dort Drogen aus gewissen Pflanzen nehmen, die sie für Stunden willenlos machen, aber bei Bewusstsein lassen. Weißt du, was in so einem Fall passiert? - Sobald der erschöpfte Satyr nach der Vergewaltigung wieder aus seiner Trance aufwacht, hat er mangels geflüchteter Frau keine dringend nötige Erholungspause, sondern findet sofort wieder willenlose Opfer vor, die sich ihm wie auf dem Präsentierteller darbieten. Und so geht die Vergewaltigung noch einmal los, wieder und wieder, bis die Wirkung der Drogen bei den Frauen nachlässt und diese flüchten. Es sollen schon Satyrn mit blutigem Penis gefunden worden sein, aber auch so ist es doch eine riesige Gemeinheit. Und die Frauen geben hinterher auch noch damit an, wie oft sie durchgefickt wurden. Natürlich nicht offen, aber hinter vorgehaltener Hand. Aber immerhin können sie nach so einem Abenteuer tagelang nicht richtig laufen, weil ihnen alles wund ist, was die Sache zumindest einigermaßen beschränkt. Also das ist schon oft Gegenstand öffentlicher Diskussionen gewesen, aber auch strenge Gesetze haben bisher nichts gebracht...
Diese Frauen machen das tatsächlich? Sind die nach dem Jahr nicht krankenhausreif? - Alischa zweifelte gar nicht an der Wahrheit der Geschichte, aber sie war etwas verwundert.
Ach was, sagte Tim, das meiste ist sowieso Gequatsche, Vorbereitungskurse, Einstimmungskreise, Diskussionsrunden, Meditationen, Beckenbodentraining, Partnerübungen, Selbsterfahrung, Übung am Modell und lauter solches Zeug. Und außerdem musst du die Satyrn ja überhaupt erst mal finden.
Alischa wand sich vor Lachen.
Als Alischa sich beruhigt hatte, ergänzte er nachdenklich: Das man hier als Frau nicht schwanger werden kann, ändert wohl das meiste, vermute ich...
Das ist ein Punkt, den ich nicht verstehen kann, sagte Alischa, schon vorhin nicht. Das funktioniert doch nicht, in der Wirklichkeit braucht man doch Nachwuchs?! - Alischa hatte diesmal tatsächlich Zweifel.
Nein, sagte Tim, es stimmt wirklich.
Die Sache mit dem Körper
Hier ist es so, dass einerseits Frauen nicht schwanger werden und andererseits niemand stirbt..., sagte Tim.
Lass mir etwas Zeit, das zu verdauen, bat Alischa
...
Es war für Alischa ein seltsames Gefühl. Das Gefühl. Das Bauchgefühl sagte, hier ist das Paradies, es fühlt sich wirklich so an. Ich will es auch so, dachte Alischa, ich will daran glauben, ich bin im Märchen. Mittendrin. Märchenland, Unterwelt, Paradies, Himmel, Garten Eden, Walhalla, Elysium, Schlaraffenland, Jenseits, was auch immer.
Zögernd sagte Alischa: Ich will nicht aufwachen und alles ist weg. Aber ... aber ... niemals schwanger werden? Weißt du, ich akzeptiere bei den Jungs, wenn sie sagen dass sie jetzt kein Kind wollen. Ich will jetzt auch kein Kind. Aber ich würde keinen Mann haben wollen, der gar kein Kind will. Das schließe ich völlig aus. So einen Mann will ich nicht.
Tim schaute sie verblüfft an: Wo ist das Problem? Du kannst Peridëis jederzeit verlassen und später wieder zurückkommen. Nur hier kannst du kein Kind bekommen. Aber draußen kannst du es. Natürlich kannst du. Zehn Kinder, wenn du willst. Und danach kommst du wieder nach Peridëis. Oder zwischendurch. Deine Kinder sind im Kindergarten, Husch, kurz nach Peridëis, Kinder in der Schule, Husch, schnell mal nach Peridëis, Kinder im Ferienlager, Husch, mal einen längeren Ausflug nach Peridëis. So oft du willst.
Ich glaube, ich will das, sagte Alischa. Ich weiß nicht, wie es anderen Frauen geht, aber ich ticke so, ich will, dass da eines Tages ein kleiner Mensch in meinem Bauch heranwächst.
Alischa hatte gegen ihren Willen Tränen in den Augen. Der Schreck hatte gesessen. Es war ein Aussetzer gewesen, denn eigentlich hatte Tim ja längst alle nötigen Informationen geliefert. Doch Alischa hatte noch nie ernsthaft über diese Frage nachgedacht. Und dann war diese Frage plötzlich mit Macht da gewesen und hatte alles andere beiseitegeschoben. Vielleicht hätte Alischa auf das ewige Leben verzichtet, wenn der Preis gewesen wäre, selbst kein Leben in sich wachsen zu lassen.
Alischas Blick wanderte zu ihrem Bauch herunter.
Plötzlich schrie Alischa auf: Da! Schau! Da! - und zeigte auf ihren Bauch.
Was ist?, fragte Tim erschrocken. Was ist?
Alischa wies verblüfft auf ihren Unterbauch: Schau! Da! Meine Narbe ist weg! Die von der Blinddarmoperation! Völlig weg, keine Spur mehr zu sehen!
Tim lag auf dem Rücken und lachte. Du hast mir vielleicht einen Schreck eingejagt. Aber keine Angst, du kriegst deine Narbe später wieder rückerstattet.
?!
Dein Spiegelbild in Peridëis ist sozusagen das innere Abbild deines Originalzustands, einerseits von deinen körperlichen Anlagen her und andererseits deinem daraus abgeleiteten Wunschbild von dir selbst. Eine Mischung daraus, das manchmal überraschend ist, weil unbewusste tiefere Wünsche oft dem widersprechen, was man offiziell an sich selbst gutzufinden hat. Der Körper ist also ohne Narben. Aber er ist auch ohne Mode und ohne Schmuh, was manche Frauen im ersten Augenblick etwas wurmt. Also jede Kosmetik, jede Schönheitsoperation, aber auch eine aufwendige Frisur, ist hier einfach weg. Weil das alle Leute betrifft, vergeht Ärger darüber schnell. Letztlich hat es ja auch was Entspannendes, das Modediktat loszusein. Dass du hier in Peridëis quasi nur als Abbild bist, als Inkarnation, als Avatar, ist auch der Grund, warum dir hier nichts ernsthaft passieren kann und du nie krank wirst, außer wenn deine Psyche den Körper ausbremst. So jedenfalls ist die vernünftigste Erklärung zu Peridëis. Es ist hier ein wenig wie in diesen Zeichentrickfilmen - du knallst vom Baum, schüttelst dich unten, schreist ein bissel rum, und weiter geht’s. Dir haut jemand eine riesigen Keule auf den Kopf - du schreist Aua und haust zurück. Allerdings tut es durchaus weh, wenn dir was passiert, aber nur bis zu einem gewissen Grad; wirklich starken Schmerz oder Dauerschmerz gibt es hier nicht. Wenn dir etwas Unerträgliches widerfährt, ist das Maximum, das passieren kann, die Flucht. Du wirst ohne eigenes Zutun aus der Situation herausgerissen und wachst an dem Übergangsort auf, an dem du in Peridëis angekommen bist. Wie »Zurück auf Los!« bei einem Brettspiel. Nicht als Spiel-»Strafe«, sondern als eine Art Überlastschutz, weißt du?
Mit Blinddarmnarbe?
Nein, ohne. Du bleibst im Inneren von Peridëis, dort, wo du vorhin aufgewacht bist, auf der Peridëis-Seite des Übergangsorts. Das ist innerhalb von Peridëis wie eine Art geschützter Raum. Von dort ganz rauszugehen, ist stets ein zusätzlicher Willlensakt. Erst dadurch landest du wieder in dem Übergangsraum, der im Diesseits liegt. Der aber wieder diesseitig gesehen ein geschützter Raum ist. Da landest du dann mit Blinddarmnarbe, Holzbein, Dauerwellen-Fönfrisur, abrasierten Schamhaaren, Lidschatten oder was sonst du sonst vorher an Behinderungen hattest.
Pass ja auf. Und dann? Also wenn ich nicht Peridëis verlasse?
Schläfst du dich aus, gammelst rum, nimmst du ein Bad, was auch immer. Und du überlegst dir, ob du zurückgehst und was du eventuell anders machen musst. Zu Fuß zurückzukehren ist natürlich etwas langwierig, andere Reisemittel gibt es nicht, fliegen wie eine Hexe geht nur über kurze Strecken, aber es gibt das Blitzen. Das funktioniert im Grunde wie diese unwillkürliche Flucht, aber es ist etwas Bewusstes, und man muss üben, bis man das kann. Wir sprechen später drüber, eins nach dem anderen. Nur eins schon jetzt: Anders als die Flucht, klappt das gewollte Blitzen nicht immer, weil man dabei den gewünschten Zielort sehr genau und detailreich in Erinnerung haben muss. Wenn nicht: Viel Spaß beim Laufen.
Lach nicht so dreckig, maulte Alischa. Gibt es keine Reittiere?
Nein. Die schnelleren husten dir was und du liegst eins-zwei-drei auf dem Boden, die anderen sind lahm und faul.
Kutsche?
Jein. Von Menschen gezogene. Bequemer, aber langsam und aufwendig.
Hexenbesen?
Hatten wir schon. Eine Stunde Flug und der Besen ist kaputt und du kannst eine Woche lang nicht laufen.
Waaaaas, das gibt’s???
Ja. Gemessen an deinen Fähigkeiten bist du eine Hexe hier. Finde dich damit ab. Zur Peri hat’s nicht gereicht.
Alischa lachte. Angenommen, ich bin es. Also hier in Peridëis. Aber wieso kann ich anschließend eine Woche nicht mehr laufen?
Klemm einen Besen irgendwo fest und setze dich eine Stunde lang drauf. Dann weißt du es.
Einzusehen. Drachen?
Ist eine Möglichkeit.
Jetzt wird’s wirklich heftig. Die gibt es?
Ja, aber sehr selten. Ich habe zum Beispiel noch keinen selbst gesehen. Man kann sie aber zähmen, hat man mir erzählt, nur vermute ich, dass der Drache auch nicht sehr weit fliegen wird. Sonst hätten das andere Leute längst probiert. Genug Zeit, so etwas auszuprobieren hat man hier ja. Apropos genug Zeit. Da ist noch etwas Wichtiges, das ich dir erzählen muss.<
Die Sache mit dem ewigen Leben
Hier stirbt niemand, sagte Tim. Das spricht zugunsten der Theorie, dass Peridëis etwas Erschaffenes ist, spricht also dagegen, dass Peridëis schon immer da war oder besser ausgedrückt, sich natürlich entwickelt hat. Lass mich ausreden (Alischa wand sich). Natürlich braucht jede Spezies Nachwuchs, damit sie nicht ausstirbt. Aber hier setzt einer der Erklärungsversuche für Peridëis an. Er ist genauso wenig beweisbar, wie beliebige andere Erklärungsversuche, aber er erscheint mir am plausibelsten und hat meiner Meinung nach am wenigsten Lücken und er erklärt auch, warum deine Narbe weg ist und warum du sie später wieder zurückbekommen wirst. Hör zu: Diese Theorie besagt, dass Peridëis eine Art Vergnügungsmaschine einer außerirdischen Spezies gewesen sein könnte, die uns Menschen technisch gigantisch überlegen sein muss. Die müssten der Theorie zufolge irgendwann mal auf die Erde gekommen sein, sagen wir vor 8000 Jahren, nur so als Beispiel, keiner weiß es. Oder diese Spezies hat mal gelebt und Peridëis ist ein Überbleibsel davon oder diese Spezies hat uns Peridëis als Geschenk hinterlassen oder Peridëis ist ein Asyl-Ort für einige wenige Vertreter dieser sagenhaften Zivilisation. Egal wie, aber gemacht und mit Eingängen von unserer Erde aus versehen, um einigen Vertretern dieser Spezies eine interessanten, angenehmen und ungefährlichen Aufenthalt zu bieten, egal ob für kurze oder lange Zeit. Vielleicht zum reinen Vergnügen, vielleicht als Fluchtburg, die man sich vom letzten Geld geschaffen hat, bevor man die Türen hinter sich zugeschlagen hat. Technisch gesehen könnte das wie ein Zugang zu einer anderen Dimension sein, die wir Menschen nicht kennen oder, um die andere Theorie zu nehmen, irgendetwas auf quantenmechanischem Niveau.
Tim schwieg einen Moment lang, um nachzudenken. Dann setzte er fort:
Oder diese Übergänge vom Diesseits nach Peridëis sind eine Art Tunnel im Universum hin zu einer weit entfernten Welt, aber letzteres glaube ich nicht. Es erklärt nicht, warum wir in Peridëis nicht sterben können. Das erklärt die Idee der gemischten Realität besser. Auf eine Kurzformel gebracht: Deine Gedanken und die aller anderen Besucher sind echt, die Gedanken der Peris sind echt, Peridëis in seiner Grundstruktur ist zumindest vorgegeben, aber alles andere darin ist Illusion. Es wird ein Spiegelbild von dir angefertigt und du trittst als dieses Spiegelbild in diese Illusion ein und wirst ab diesem Augenblick Bestandteil von ihr und kannst auf sie einwirken, sie dort verändern, wo du gerade bist. Bei deinem Körper im Diesseits wird inzwischen ... na ja, die Zeit angehalten, er bleibt, soweit feststellbar, bis ins letzte Atom, wie er ist. Bis du ihn wieder zurückforderst. Dein gespiegelter Körper hier in Peridëis entspricht offenbar exakt deinem inneren Abbild, so, wie du von deinen Anlagen her sein müsstest, wenn du bei deinem aktuellen Alter zwischendurch keine Krankheit gehabt hättest, keine Verletzung, keine künstliche Veränderung, keine Zahnlöcher, aber trotzdem alles Andere, was zur normalen Entwicklung dazugehört. In Peridëis passieren nur normale Alltagsänderungen an deinem Körper, also wachsende Brüste, wenn du viel Milch hast, Muskeln, wenn du sie forderst und Bauch wie Hintern, wenn du gut futterst.
Mist, ich wusste, das Schlaraffenland hat einen Haken.
Tim lachte. Nicht ganz, du wirst nicht mollig, wenn du es nicht selber willst. Peridëis stellt sich ja auf dich ein, vergiss das nicht. Das Ganze passiert jedesmal aufs Neue, wenn du im Diesseits warst und später wieder nach Peridëis zurückkehrst.
Ich werde trotzdem älter, wenn ich zwischendurch draußen bin?
Ja. Wenn du das nicht willst, musst du ganz in Peridëis bleiben oder dich zumindest möglichst wenig im Diesseits aufhalten. Ganz deine Entscheidung. Aber einen wichtigen praktischen Punkt dürfen wir nicht vergessen. Du hast dich ja bestimmt gewundert, warum deine Brüste seit deiner Ankunft auf dem Flughafen eine so intensive Zuwendung bekommen haben.
Ich hatte erst eine Art Fetisch oder so etwas vermutet, es hat sich gut angefühlt. Es ging um die Milch? Dass ich schon Milch in der Brust haben sollte, wenn ich Peridëis betrete?
Ja, genau. Kommst du nämlich mit vollständig ruhenden jungfräulichen Brüsten [19] in Peridëis an, würde es länger dauern, bis die Milch käme, und die Brüste würden am Anfang so heftig spannen, das du an nichts anderes mehr denkst.
Ist das später auch so?
Nein. Deine Brüste erinnern sich sozusagen und deshalb geht es viel schneller. Mit jedem Mal etwas besser. Aber man kann sich den Milchfluss auch im Diesseits erhalten. Das machen viele so.
Einfach so?
Ja. Am besten, indem ein Mann regelmäßig deine Milch trinkt, der idealerweise auch selbst Spaß daran hat. Oder eine Freundin, das gibt’s natürlich genauso. Oder du nimmst eine elektrische Milchpumpe, oder du melkst deine Brüste mit der Hand aus. Es muss nur regelmäßig passieren, wenigstens zwei mal am Tag, dann bleibt dir deine Milch. Beim nächsten Besuch in Peridëis spannen deine Brüste zwar am Anfang immer etwas, aber mir haben Frauen gesagt, dass das in einem bestimmten Rahmen durchaus etwas Lustvolles haben kann.
Kriegt man da nicht Milchstau und solche Sachen?
Hast du Milchstau?
Nein.
Der Milchfluss kommt hier nicht so abrupt und so stark, wie nach einer Geburt, sondern fängt langsam mit ein paar Tröpfchen an, und wird stetig mehr. Vermutlich gewöhnen sich die Brüste so besser daran. Mindestens gibt es keine Entzündung. Fesselt dich jemand tagelang, ohne dich zu melken, würdest du allerdings gehörig was merken. Aber selbst dann ... irgendwann, meist sobald du erregt bist, fangen die Brüste einfach an zu tropfen und spritzen die Milch in einem hohen Bogen raus. Sieht hübsch aus.
Hast du das mal gesehen?
Ja. Es ist ein ganz beliebter Scherz, das rumzuzeigen wenn es einem passiert. So ein bissel Angeberei, weißt du?
Alischa kicherte. - Das kann ich mir vorstellen.
Die Sache mit der Zeitdehnung
Als vorläufiger Abschluss meines Einführungsvortags, der hoffentlich nicht langweilig war ...
Alischa gluckste.
...gibt es noch einen letzten Knüller, den ich noch gar nicht erwähnt habe: Und zwar ist die Zeit in Peridëis gestreckt. Ungefähr zwölffach. Bleibst du 120 Tage hier, denn vergehen also im Diesseits nur 10 Tage. Bleibst du 120 Jahre, dann vergehen im Diesseits inzwischen 10 Jahre.
Und habe ich im Diesseits 7 Stunden, weil die Kinder in der Schule sind, dann habe ich in Peridëis 7 mal 12 gleich ... 84 Stunden, was, Moment mal, volle dreieinhalb Tage sind, als würde ich ... am Donnerstag nach dem Frühstück mit meinem Mann wegfahren und Sonntag Abend wiederkommen?
Äh, ja.
Dass ich in die Rechnung einen Ehemann eingebaut hatte, ist dir aufgefallen?
He, was hast du? Es ist nicht so, dass du hier ständig mit anderen Leuten rummachen musst. Wenn du einen Mann hast und du dich nur diesem einen Mann hingeben willst, dann wird das so geschehen.
Und die Sache mit den Satyrn? Zum Beispiel?
Du triffst keine, sie entdecken dich nicht, plötzlich taucht eine andere Frau auf, was auch immer. Denk an den Vergleich mit dem Traum. Oder wenn du dir tief in deinem Hinterkopf eben doch so ein Abenteuer ersehnst, dann passiert es eventuell doch, aber vielleicht weniger direkt ... eher wie in einer dieser Masturbationsfantasien, anonym, gesichtslos, unpersönlich. Oder du bist völlig unschuldig daran.
Was bei mir die häufigste Masturbationsfantasie ist, murmelte Alischa leise vor sich hin. Sie riss sich aus diesem Gedankengang heraus und fragte laut:
Ich könnte also so alt wie der biblische Methusalem werden? Der ist glaube ich etwa 950 Jahre alt geworden und 950 durch 12 sind ... so ungefähr 80 Jahre.
Nein. Du denkst unnötig um die Ecke. Dein Diesseits-Körper altert kein bisschen, so lange du hier in Peridëis bist. Nur wenn du im Diesseits bist, altert er ganz normal. Nur scheinbar wirst du beliebig alt im Diesseits, wenn du Peridëis zum Beispiel alle paar hundert Jahre mal für ein paar Tage verlässt.
Ist es nicht etwas auffällig, wenn ich, sagen wir mal, zu einem Klassentreffen komme, aussehe wie Mitte 20 und die anderen sind 60 Jahre alt und runzlig?
Ja. Da musst du aufpassen.
Aber irgendwann kommt der Tod doch trotzdem?
Wenn du im Diesseits bleibst und dort deine Gesamtlebenszeit abläuft. In Peridëis nicht. Ab einem bestimmten Zeitpunkt kann es sinnvoll sein, nur noch sehr selten oder gar nicht mehr rauszugehen. Es sei denn, du willst sterben. Es gibt Leute, die ganz bewusst sagen, dass sie alles gehabt haben und es nun Zeit ist, die Welt ganz zu verlassen. Du wirst also nicht zum ewigen Leben gezwungen.
Ein faires Angebot, sagte Alischa.
Die Sache mit dem Fertigwerden
Hm. Ich glaube, wir sind fürs Erste durch, sagte Tim. Habe ich was vergessen?
Nein.
Was? Woher willst du das wissen?
Du hast dich schon ein paarmal wiederholt.
Mach du das mal, brummte Tim.
Ist schon gut, sagte Alischa, ich habe ja gerne zugehört.
Und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. Schnell. Damit er den Kuss nicht abwehren konnte. Ihre Brustspitze berührte ganz kurz seine Lippen und ein Schauer durchlief sie. Alischa brauchte einen Augenblick, um das zu verebben zu lassen.
Beide saßen im Gras, ließen ihre Gedanken wandern und faulenzten. Alischa nahm auf einmal wieder die schöne Landschaft zu ihren Füßen war, das satte Grün und die bunten Blumen vor ihr, die Geräuschkulisse verschiedenster Tiere, den blauen Himmel, die unglaublich hohen steilen Berge in ihrem Rücken und auch wieder ein Pochen dort, wo die Beine zusammenlaufen, sowie weitere Symptome, die das klare Denken gewöhnlich behindern. Hm!, unterbrach sie das Schweigen: Wo wir grad darüber geredet haben - du würdest mich nicht zufällig schnell mal vergewaltigen, um mir das Gesagte dinglich nachvollziehbar zu machen? Oder ich dich, weil du dann so ganz und gar unschuldig bist und nichts dafür kannst? Ich stelle ohne eigene Schuld fest, dass ich zerfließe.
Kauft mir keiner ab, dass du mich vergewaltigt hast, lachte Tim. Ich bin ausgebildeter, nicht gerade unerfahrener Einzelkämpfer und du keine Amazone! Aber mal im Ernst, ich darf dir an einer bestimmten Stelle sogar ausdrücklich entgegenkommen, genaugenommen ein zwei Stellen.
Alischa runzelte die Stirn.
Tim und schaute jetzt ohne die Blickrichtung zu verbergen direkt auf Alischas Brüste.
Alischa verstand endlich.
Ich habe dir ja gesagt, setzte Tim fort, dass Männer hier nicht für sich alleine überleben können. Das gilt für mich genauso. Deshalb will ich ganz formell fragen, es geht ja um etwas, das regelmäßig geschehen wird. Ich muss deine Milch trinken, solange ich dich hier begleite. Es kommt dir vielleicht komisch vor, wenn das so ein Typ wie ich sagt. Aber ich brauche es und es wäre für mich außerdem auch ein Ausgleich dafür, dass du deine Befriedigung in meiner Anwesenheit haben kannst. Und es wäre mir auch ein Hochgenuss ... in jeder Beziehung.
Alischa durchlief eine Welle von der Stirn bis zu ihren Zehenspitzen, die anschließend zur Gänsehaut wurde und ihre Brustwarzen aufrichteten. - Natürlich darfst du, hauchte sie heiser. Sie räusperte sich und wiederholte mit normaler, aber gedämpfter Stimme: Natürlich darfst du. Sooft du willst. Wirklich. Ich würde dich deshalb nie als ... Baby oder so etwas in der Richtung sehen. Nicht dich, nicht hier und nicht unter diesen Umständen. Irgendwie sind die Umstände wirklich ... anders. Und wer weiß, ob das nicht auch was Besonderes hat. Zu wissen, dass es auch andere tun, würde mich sowieso neugierig machen, es zumindest auszuprobieren, auch im ... Diesseits (für Alischa war es noch immer seltsam, für die normale Welt dieses Wort auszusprechen). Und offenbar komme ich hier ja auch so nicht umhin, mehr oder weniger ständig Milch zu geben. Wie oft braucht ein Mann die Milch?
Tim antwortete: Wirklich brauchen ... vielleicht jeden zweiten Tag, um mich völlig wohl zu fühlen, ich darf ja sowieso mein Sperma nicht vergießen. Aber schöner ist es öfter, vorm Schlafengehen ... nach dem Aufwachen ... zum Mittagsschlaf?
Und zum Kaffee?, fragte Alischa, ihm eine Brust gespielt entgegenhaltend.
Wenn sich’s ergibt, auch das, druckste Tim. Muss aber nicht sein. Die Umstände entscheiden. Hier ist das über das Notwendige hinaus auch einfach Alltagsgenuss. Vielleicht wie Schokolade oder Kekse zum Kaffee. Und für dich ist es vor allem gut, weil es deine Milchbildung stimuliert, denn als Frau solltest du hier gut Milch geben können, sonst wirst du ausgelacht. Die Milchmenge steigert sich schnell, wenn man bloß regelmäßig getrunken oder gemolken wird, und auch viel schneller als im Diesseits. Ich würde deine Milch also einfach immer dann trinken, wenn ich sie ausgemolken habe.
Wie, du willst sie nicht direkt aus meiner Brust trinken?! Du hast doch gesagt, sie ist auf diese Weise viel wirksamer? - Alischa war ehrlich enttäuscht und Tränen liefen ihr die Wangen hinunter.
Darf ich denn? Willst du denn? Tim schaute Alischa etwas unsicher an.
Alischa stotterte: Ja, natürlich, ich würde das doch gerne machen. Wirklich! Jetzt sofort! Warum denn nicht? Glaubst du nicht? - Aber ... aber wie macht das ein erwachsener Mann? Kopf im Schoß? Alischa nahm eine Brust in die Hand.
Nein, einfach so, wie du es immer mit einem erwachsenen Mann machen würdest. Seite an Seite. Leg dich einfach auf die Wiese, antwortete Tim, das geht am bequemsten.
Alischa legte sich gehorsam rücklings auf die Wiese und wandte sich nach links gewandt Tim zu. Geht das so?
Tim ließ sich neben ihr nieder, Alischa zugewandt. Leg den unteren Arm hoch über den Kopf, so geht es am besten, sagte er, während sein Gesicht bereits im Bereich ihrer Brüste war. - Du duftest jetzt anders, weißt du das? Zum Auffressen gut.
Mir ist das auch schon aufgefallen, antwortete Alischa, ich war mir aber nicht ganz sicher. Ein eigenartig frischer Geruch, dass ich selber in mich reinkriechen könnte. Komm endlich. - Und Alischa hielt ihm ihre linke Brust direkt an die Lippen.
Warte, welche hatte ich vorhin gemolken?
Hm, stimmt, die linke. Darauf nahm Alischa die rechte, noch volle Brust, und führte sie Tim an den Mund und tippte ihm mit der Brustwarze auf die Lippen. Mit einem wohligen Stöhnen warf sich Tim an Alischas Brust, ergriff mit seinen Lippen ihre Brustwarze, sog sie in den Mund hinein, griff sie im Mund mit seinem Daumen und schließlich umschlossen seine warmen weichen Lippen ihre Höfe und Alischa seufzte wohlig auf. Die harte Brustwarze begann in seinem Mund weich zu werden und sie spürte die tastenden Lippen, die sich in ihre Brust gruben und zu massieren anfingen, während sein Gaumen und seine Zunge ihre Brustwarze zogen und daran überraschend kräftig zu saugen begannen. Er fand einen rhythmisch schnellen Takt, saugte, massierte, reizte zwischendurch wie zur Belohnung mit seiner Zungenspitze ihre Brustwarze und saugte-massierte anschließend wieder in schnellem Rhythmus. Alischa begann sich zu entspannen, ließ sich willenlos ins Gras sinken, legte ihren freien Arm um seinen Hinterkopf und küsste im vorsichtig auf seine Stirn. Nach vielleicht zwei oder drei Minuten aber stöhnte Tim plötzlich wohlig auf und wechselte zu einen sehr langsamen und tiefen Rhythmus. Alischa wurde dabei mit einem Mal kribbelig unruhig, ein Jucken zog sich zur Brust hin und sie setzte an, seinen Kopf von ihrer Brust wegziehen, um zu prüfen, was da war. Tim packte Alischa mit seinem freien Arm, und drückte sie fest an sich, sodass sie ihn nicht einmal ansatzweise von ihrer Brust lösen konnte. Da plötzlich merkte sie eine warme angenehme Welle in ihrer Brust zur Brustspitze hin wallen und sie spürte Entspannung. Tiefe angenehme Entspannung. Und sie hörte Tim rhythmisch schlucken. Langsamer Rhythmus. Tiefer Rhythmus. Schöner Rhythmus. Trink, dachte Alischa halb abwesend, trink, trink soviel du kannst. Saug mich aus, mach mich leer. Warme Wellen umspülten sie. Eine Wolke hob sie empor und sie schwebten. Die Welt war weit weg. Er saugte an ihrer Brust und sonst war da nichts, nichts, nichts, nichts. Endlich nahm er sie, selbst wenn er nicht in ihren Schoß eindrang, sondern sie in seinen Mund. Aber sie waren körperlich verbunden, ganz eng. Und er saugte immer noch, wringen, saugen, wringen, saugen, dazwischen hörte sie sein Schlucken. Und sie spürte, wie sich auch etwas Milch aus ihrer anderen Brustwarze löste und langsam an der Brust herunterrann. Dann schien die Milch weniger zu werden, denn Tim begann wieder einen schnellen Rhythmus. Zwischen den vorbeiziehenden rosaroten Nebelschwaden ging Alischa durch den Kopf, dass nicht mehr sie etwas machte - es wurde mit ihr gemacht, es geschah mit ihr. Ihr Körper reagierte an ihrem Verstand vorbei. Da! Wieder wallte eine angenehm entspannende Welle durch ihre Brust, wieder stöhnte Tim wohlig und wieder wurde sein Rhythmus langsamer und tiefer und sein Schlucken war zu hören. Als die rechte Brust schließlich alle war, nahm sich Tim von selbst die linke Brust, und Tim ließ auch bei dieser nichts übrig. ... Bis er endlich von Alischa abließ, sich auf den Rücken rollte und wohlig die Hände über den Kopf warf.
Deine Milch schmeckt wunderbar, sagte er. Besser als Vanille-Eiscreme, dabei ein Hauch von Schokolade, sahnig und beim Ausatmen mit einem angenehm molkigen Aroma. Und das Gesamtaroma hat unbedingt etwas mit deinem Körperduft zu tun, nur eben als Geschmack.
Alischa hatte sich längst auf den Rücken gedreht und vibrierte mit dem Mittelfinger ihrer rechten Hand an ihrem geheimen Pünktchen. Es dauerte unter zehn Sekunden, bis alle Muskeln in Alischa ausholten und in einem tief beginnendem warmwelligen Orgasmus explodierten. Alischa lag keuchend auf dem Rücken und sah Sterne.
Tim ließ ihr Zeit.
Tim ließ ihr noch mehr Zeit.
Irgendwann kam Alischa schließlich zu sich. Schön, sagte sie. Wunderschön. Beides. Also dich an der Brust zu haben und der Orgasmus. Plötzlich ruckte sie zu Tim herum und sah ihn nachdenklich an. Aber wenn wir das öfter machen, verliebe ich mich. Das ist gefährlich, wirklich.
Ich weiß, sagte Tim. Manche Frauen lassen deshalb auch niemand anderen als ihren eigenen Mann direkt aus der Brust trinken. Entscheide du, ob das für dich in Ordnung so ist. Ich habe oft gesehen, dass es auf irgendeine anonymisierte Weise gemacht wurde, eine Wand dazwischen, ein Tuch oder so etwas in der Art. Jetzt begreife ich, warum.
Nein!, entschied Alischa. Ich will es richtig. Alles andere wird sich finden. Und jetzt habe ich Hunger!
Tim griff es auf: Du hast Hunger? - Ein Problem, das in Peridëis keins ist, sagte er stolz und sprang auf. Komm! Ich zeige dir die Wunder des Paradieses!<
Die Wunder des Paradieses
Nackt wie sie waren, sprangen beide den Wiesenhang hinunter, Tim vorneweg, auf die Bäume im Tal zu. Dabei lief er geradewegs an einem Baum mit verrückt aussehenden Früchten vorbei, die länglich waren, aber alle eine andere Farbe und Größe hatten. Ein wenig erinnerten sie Alischa an Zierkürbisse wegen ihrer Verschiedenheit
Wie wäre es mit denen da?, rief Alischa zu Tim vor ihr hinüber, doch der winkte lachend ab: Die erst nachher, komm mit!
Sie liefen weiter. Es wurden mehr Bäume, viele davon mit eigenartig großen Blüten in allen Farben und angenehm duftend, andere mit weiteren Fruchtarten. Doch Tim lief auch an diesen vorbei. Erst als die Bäume sich allmählich zu einem lichten Wald verdichteten, blieb er stehen. So, sagte er, hier ist was Interessantes. Wir hätten auch die anderen Früchte probieren können, aber als Erstes solltest du was Besonderes probieren. Schau mal nach oben!
Alischa schaute nach oben. - ?!
Ein Schnitzel-Baum, erläuterte verschmitzt Tim. Diese Gegend hier ist berühmt für seine Wiener Schnitzel. Koste mal. Aber pflück ein reifes!
Alischas Gedanken wanderten von Hypnose über Wahn zu Drogen, ließ im Eiltempo alle Erlebnisse der letzten Zeit an sich vorbeiziehen, kniff sich zur Kontrolle noch einmal kräftig, pflückte schließlich ein besonders lecker aussehendes Wiener Schnitzel, das schräg über ihr fast direkt vor ihrer Nase hing, und biss hinein.
Hm.
Wiener Schnitzel, stellte sie fest, und nicht einmal Betriebskantinenqualität.
Tim prüfte das Angebot des Baums, pflückte sich auch eins und biss hinein. Nicht übel oder?
Hm!
Das Schnitzel verschwand nicht, man konnte es essen, es schmeckte auch intensiv und man fühlte, dass sich der Magen füllte. Im Traum passierte das nicht, Alischa schien noch immer im Paradies zu sein, Entschuldigung in Pe-ri-de-is, sie zog das Wort in ihren Gedanken in die Länge. Die DDR wäre gerettet mit sowas, dachte sie.
Alischa wischte sich über den Mund, als sie das Schnitzel aufgegessen hatte. Und was ist sonst noch im Angebot?
Alles! Aber nicht überall, meist muss man etwas suchen, antwortete Tim schmatzend, aber dieses Wäldchen hier hat ein gutes Angebot, weil es gezielt zur Begrüßung und Beköstigung der Neuen wie dich angelegt worden war. Brötchen gibt’s dort drüben.
Brötchen?!, kreischte Alischa entsetzt, hier gibt’s frische Brötchen an Bäumen?!?!
Klar, warum denn nicht, wer A sagt, muss auch B sagen, antwortete Tim, der gerade mit seinem Wiener Schnitzel fertiggeworden war. Komm hier rüber.
Er zeigte auf einen Baum, zwanzig Meter von ihnen entfernt. Die Brötchen hingen leider etwas hoch und außerdem sah sie zu ihrer Verblüffung einen kleinen Affen, der es sich auf einem Ast gemütlich gemacht hatte und ein Brötchen aß.
Wie der müsste man klettern können, sagte Alischa.
Auch kein Problem, antwortete Tim, bückte sich, las einige herumliegende Früchte auf und schmiss diese in Richtung Affe. Eine traf.
Idiot, Idiot, Idiot, schrie der Affe zu ihnen runter, und schmiss vor Wut mit dem, was er hatte: Mit etlichen Brötchen.
Danke!, rief Tim und klaubte die heruntergeworfenen Brötchen auf.
Sag mal, hat der Affe »Idiot« gerufen?, fragte Alischa misstrauisch.
Hat er, antworte Tim, der schon ein Brötchen kaute. Die Tiere hier können sprechen. Manche schlechter, manche besser, manche unverständlich. Nur kapieren sie kaum was davon. Aber der Affe hat uns ja ganz richtig tituliert, oder?
Alischa lachte. Stimmt. Man sollte ihn loben dafür.
So schlugen sie sich von Baum zu Baum, verschafften sich noch einen Nachtisch und naschten noch etwas darüber hinaus. Etliches tat Tim in seinen Rucksack für später.
Jetzt kommt noch etwas Abgefahrenes, sagte Tim, darf ich dir präsentieren: Links von dir: Bierbäume. Beachte, wo zuviel Sonne drauf scheint, da gilt: lauwarm, schaumgebremst, geschmacksneutral und naturtrüb. Das beste Bier findest du an kühlen schattigen Plätzen, ideal an einem Bach oder Fluss.
Sie suchten eine Weile und Alischa bewunderte währenddessen die Bierflaschen, die an den Ästen schaukelten.
Sag mal, kann einem da nicht ab und zu mal eine Flasche auf den Kopf knallen?
Kann!, antwortete Tim. Pass also auf. Aber im Moment haben wir ja wenig Wind.
Dann erreichten sie den Bach, an dessen Bergquelle sie vorhin gebadet hatten und der nun murmelnd durch den Obstwald floss.
Der Baum hier ist bestimmt gut, meinte Tim, kletterte hinauf und pflückte ihnen zwei Flaschen.
Wie kriegt man die auf?, fragte Alischa und beäugte den etwas seltsam aussehenden korkenartigen Stielverschluss ihrer Flasche.
Sehr einfach, sagte Tim. Du beißt ihn, dass tut ihm weh und deshalb lässt er los. Pass auf, so!
Er biss in den Stielkorken.
Ein piepsiger Schrei ertönte und Tim zog den Korken an seinem Stiel aus der Flasche. Prost!
Er setzte die geöffnete Flasche an den Hals. Nicht übel. Eine gute Wahl, meinte er.
Alischa probierte es ebenfalls und biss zu.
Fieeep!
Und nu?
Ziehen!
Alischa zog, aber der Korken saß fest.
Du musst schnell ziehen, bevor die Flasche es sich wieder überlegt hat.
Alischa biss nochmals
Fieeeeep!
Schneller Ruck, der Korken war draußen. Alischa kostete das Bier. Hmmmm, schön würzig, sagte sie.
Ich mag’s noch etwas bitterer, aber es ist prima, nichts zu meckern. Das Bier kann ja nicht überall gleich sein.
So stillten sie ihren Durst an dem Bier und als es alle war, kam Alischa der Gedanke: Sag bitte nicht, dass das Pfandflaschen sind, die man irgendwo abgeben muss.
Nein, musst du nicht. Man schmeißt sie einfach in die Landschaft und dort verfaulen sie umweltgerecht. In einer Mülltonne wäre es zu trocken und daher wäre es eine Umweltsauerei, sie dort reinzuschmeißen.
Alischa war satt, nicht mehr durstig, begeistert von der schönen Umgebung, natürlich etwas rattig (sie konnte ja nichts dafür) und hatte einen winzigen Schwips von dem Bier, was an der Erschöpfung durch die letzten Tage liegen mochte. Und nun?
Nun pflücke ich noch ein paar Bier für nachher und dann gehen wir zurück. Ich zeige dir, wo wir komfortabel schlafen können.
Sie liefen zurück, bis sie wieder an diesem seltsamen Zierkürbisbaum vorbeikamen.
Tim kratzte sich am Kopf, du willst also wissen, was das für Früchte sind?
Klar!
Wirklich?
Immer!
Der vorhandene Schwips machte Alischa übermütig.
Tim ging suchend um den Baum herum und wählte schließlich eine Frucht mittlerer Größe heraus und pflückte sie. Die Form ähnelte einer Aubergine, aber kleiner, vielleicht so lang wie eine Banane, nur etwas dicker. Und die Farbe hatte sie von einer Banane, aber nur die schmalere Hälfte, an der der Stiel saß. Auf der dickeren Hälfte ging die Frucht allmählich in ein sattes Orange über.
Leg dich auf den Rücken!
Alischa legte sich auf den Rücken.
Tim umschloss die Frucht mit seinen Händen wechselnd an mehreren Stellen, als würde er sie wärmen wollen. Alischa sah, dass die seltsame Frucht sehr zu glänzen begann und bekam langsam eine Ahnung, wozu sie dienen sollte. Da, tatsächlich, Tim drückte ihre Schenkel auseinander und schob die Frucht langsam mit dem dickeren orangefarbenen Ende in Alischa hinein. Das Glänzende auf der Oberfläche der Frucht war, wie geahnt, tatsächlich eine schlüpfrige Feuchtigkeit, und die Frucht glitt leichtgängig in Alischa hinein.
Hollllla, hauchte Alischa, die rutscht trotz ihrer Dicke aber gut rein. - Und nun? Das ist doch hoffentlich nicht alles?
Wart’s ab, sagte Tim, der die Frucht mit einem leichten Druck seiner Hand in ihr festhielt.
Alischa merkte, wie die Frucht mit einem Mal leicht zu summen anfing. Ganz leicht zunächst.
Das fühlt sich gut an, sagte Alischa und korrigierte den Sitz der Frucht selbst etwas mit ihren Händen. Das ist wirklich angenehm, ergänzte sie, als das Summen deutlich kräftiger wurde.
Da passiert noch mehr, sagte Tim, und hielt die Frucht fest.
Alischa spürte, wie sich das Vibrieren noch etwas mehr verstärkte.
Wird das noch kräftiger?, fragte Alischa, das alleine wird leider nicht reichen, glaube ich.
Nein, das Summen wird nicht mehr, sagte Tim, aber das ist auch bloß eine Art kleine Zugabe, als Hauptteil kommt noch was anderes, wart’s ab.
Jetzt begann die Frucht, recht reichlich eine schlüpfrige Flüssigkeit abzusondern, die aus Alischas ohnehin schon nassen Vulva herauslief. Und plötzlich spürte Alischa, wie die Frucht begann, sich in ihrer Vagina auszudehnen.
Wächst die?, fragte sie, bereits in einem leicht anderen Gemütszustand.
Ja. Es gibt Frauen, die nach diesen Früchten süchtig sind, belehrte er sie. Du wirst gleich sehen...
Alischa sah und fühlte. Die Frucht schwoll in ihr an. Nicht uninteressant, dachte sie. Die Frucht schwoll noch mehr an. Das ist wirklich mal was Besonderes, dachte Alischa bei sich. Die schlüpfrige Flüssigkeit quoll reichlich aus Alischa heraus. Die Frucht holte noch einmal kräftig aus. Ffffffffft, machte Alischa mit geschürzten Lippen. Jetzt wurde es sehr, sehr, sehr deutlich interessant. Genaugenommen wurde es langsam heftig. Wie gut, dass sie einen Schwips hatte. Noch heftiger. Und noch ein wenig mehr heftiger. Warm, glitschig und sehr, sehr nachdrücklich dehnend. Und noch etwas mehr. Puh!
Sag dir einfach, da unten passt ein ganzes Kind durch, kommentierte Tim, interessiert auf ihre Möse schauend.
Du Mistkerl!, protestierte Alischa keuchend und ehrlich besorgt: Wie groß wird das Ding?
Unterschiedlich, aber es zerfetzt dich nicht.
Na toll, rief Alischa, die zwischen Geilheit und Hemmung hin- und hergerissen wurde. Die Frucht klemmte fest in ihr und schwoll immer weiter an.
Das wird zuviel, rief Alischa verzweifelt.
Du musst dich dabei befriedigen, sagte Tim, der auch nicht die allergeringsten Anzeichen von Unruhe zeigte. Und entspannen, nicht anspannen.
Leicht gesagt! Alischa probierte es. Du blöder Kerl, wie soll man sich da entspannen?!
Nicht rumbrüllen und Leute beleidigen, die nur den Bestes wollen.
Dreckskerl, aaaaaah, das Ding ist nicht rauszukriegen. Bitte, bitte, flehte sie, tu was...
Das nennt man ein Tunnelspiel, meinte Tim. Wie in einem Tunnel kannst du nicht zwischendurch raus, sondern musst bis zum Ende durch. Das ist der Reiz der Sache. Du machst Erfahrungen, die du sonst nicht machen würdest.
Ich hab genug Erfahrung gemacht, bitte, bitte bitte, flehte Alischa kläglich.
Probier’s mal, sagte Tim, nimm die Spannung aus deinen Muskeln und nimm die Frucht hin - sie reagiert durchaus auf dich und es hilft, wenn du dich befriedigst.
Alischa begann zaghaft, ihr Pünktchen mit dem Mittelfinger zu bearbeiten. Es ragte durch den Druck der Frucht weit heraus, was die Sache etwas ungewohnt werden ließ. Mit den anderen Fingern spürte sie den herausragenden Teil der Frucht. Die Frucht hatte etwa die Form einer übergroßen glatten Erdnuss angenommen, eine dicke Hälfte in ihr, eine Art Einschnürung in Höhe ihrer Scheidenöffnung und ein dickes Teil außerhalb. Deshalb klemmte die Frucht in ihr fest. Alischa spürte mit den Fingern an ihren auseinandergezogenen Schamlippen nach, wie weit ihre Scheide gedehnt worden war. Es musste gigantisch sein, alles war glatt.
Da! Jetzt! Die Frucht machte Pause.
Und nun?, fragte Alischa bange, macht die nachher weiter?
Macht sie, sagte Tim. Vor allem, wenn du, wie jetzt gerade, eine Pause machst.
Alischa vibrierte schnell mit ihrem Mittelfinger weiter.
Aber wenn du einen Orgasmus hast, lässt sie augenblicklich nach.
Und wenn ich keinen bekomme?!
Musst du leiden. Du Arme.
Tim sah gar nicht mitleidig aus. Eher schien ihn dieses Spiel zu faszinieren, wenn nicht noch mehr.
Alischas Finger begannen, an ihrem Pünktchen zu vibrieren. Etwas gehetzt. So eine Gemeinheit. Zwangsorgasmus! Das würde er heimgezahlt bekommen. Da spürte sie, wie die Frucht wieder Flüssigkeit abzugeben schien und weiter zu wachsen begann. Diesmal war das Gefühl seltsamerweise anders, es mischte sich Schmerz und Geilheit zu einem schwer beschreibbaren Zustand. Jetzt spürte sie ein Pulsen der Frucht in ihr, ein Nachlassen des Drucks, das ihr und ihrer weit aufgezogenen Scheidenöffnung Erleichterung verschaffte, eine Verschnaufpause. Dann schwoll die Frucht wieder an, vielleicht sogar etwas weiter als vorher. Aber es ließ sich viel besser aushalten als vorher. Wieder ließ die Frucht langsam nach und Alischas Finger vibrierte immer schneller an ihrem Pünktchen. Ein kurzes Tasten ließ auf eine entsetzliche Weite ihrer Vulva schließen. Da schwoll die Frucht wieder langsam an ... doch diesmal ... jetzt, jetzt, jetzt ... ja, ja, ja, da kam er, der Orgasmus. Er umschloss gewaltig von allen Seiten die geschwollene Frucht, die ihre Möse schier auffetzen wollte, wollte drücken, drücken, drücken, doch kam nicht gegen die Frucht an und umschloss sie daher mit einem endlosen gewaltigen Zusammenziehen des gesamten Unterleibs. Stehenbleibend. Geballt stehenbleibend. Doch dann ... endlich ... wurde der Orgasmus schließlich schlapp und ließ nach. Und die Frucht auch. Mit einem Mal. Wie Luft aus einem Ball strömt und dieser kleiner davon wird, so spritzte schlüpfrige Flüssigkeit aus der Frucht in Alischas Möse, bis die Frucht schließlich von selbst herausrutschte und auf die Wiese fiel.
Eine tiefe Entspannung überfiel Alischa.
Noch mehr.
Und noch mehr.
Du liebe Güte!
Heftig, sagte Alischa.
(Aber erst nach einer Weile.)
Heftig, sagte sie, und sehr geil. Nichts für jedes Mal. Aber ab und zu kann man sich das antun.
Liebe Güte. Alischa tastete ihre Vulva. Sehr groß, interessant groß, sehr gedehnt, aber sie zog sich auch zügig wieder zusammen und pulste nach.
An Tim war nichts Schalkhaftes, es schien tatsächlich kein gemeiner Scherz gewesen zu sein. Eher wirkte er beeindruckt und fasziniert.
Deine Vulva sah schön aus, sagte er. Maximal war sie ungefähr so weit auf: Er zeigte mit Daumen und Zeigefingern beider Hände, wie groß ihr Loch geöffnet war. Es reichte nicht, er musste eine Lücke zwischen den beiden Zeigefingern lassen. Alischa schaute ihn an und verzieh ihm. Eine interessante Erfahrung war es durchaus, dachte sie.
Als sich Alischa erholt hatte, richtete sie sich langsam auf und sah an sich herunter. Ist das eine Sauerei hier, kommentierte sie. Ihr Bauch, ihr Schamhügel, die Beine und die Wiese unter ihr waren glitschig.
Mach das nie ohne Badegelegenheit in deiner Nähe, kommentierte Tim lächelnd. Komm!
Er zog sie an den Armen hoch und sie liefen zurück zu ihrer wunderschönen Badestelle. Ihr Schritt zum Bad fiel etwas watschelnd aus.
Als sie zum Trocknen wieder auf der Wiese lagen, sagte Tim: Essen haben wir und als letztes für heute zeige ich dir unseren Schlafplatz. Für heute haben wir glaube ich genug.
Ich noch nicht, meinte Alischa. Hier gibt’s viel zu viele interessante Sachen und ich bin nun mal neugierig. Wie hieß dieser interessante Baum vorhin?
Flaschenbaum. Bei Körperwärme, Feuchtigkeit und Dunkelheit gehen die Früchte davon aus, dass sie sich in einer Vagina befinden und sondern ihre Samen als Schleim ab, der auf Frauen übrigens zusätzlich aphrodisierend wirkt, damit sie die Frucht nicht vorzeitig aus der Scheide ziehen. Bei der Wildsorte des Flaschenbaums wird die Frau über den Lustweg dazu gebracht, die Frucht möglichst eine Weile in sich zu tragen und sie auf diese Weise an einen anderen Ort zu bringen. Irgendwann rutscht sie wieder raus beziehungsweise ist entfernbar. Auf diese Weise kann sich der Baum verbreiten. Durch spezielle Zucht haben die Leute verschiedenste Varianten des Flaschenbaums kultiviert, lang dick, vibrierend, groß werdend. Der hier wurde für Tunnelspiele gezüchtet. Es gibt auch Züchtungen speziell für schwule Männer beziehungsweise für alle, die mal anal an sich herumspielen lassen wollen. Und glaub mir, dass die Leute diesen Baum immer wieder mal probieren, die Früchte verkaufen sich auf dem Markt nicht schlecht. Der Flaschenbaum ist für mich übrigens auch so ein Beleg dafür, dass Peridëis eine geschaffene Welt ist. Eine Art Gottesbeweis, denn sag mir doch mal, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Evolution solche Früchte schafft. Das ist doch weit eher das Werk eines sehr fortgeschritten Pflanzenzüchters in einer Welt, die keinen technischen Fortschritt kennt. Geschaffen zum Vergnügen seiner Schöpfer, wie Peridëis insgesamt: als Vergnügungspark, Abenteuerpark, Erlebnispark, vielleicht zum Ausspannen aber eben vielleicht auch als möglichst idealer letzter Fluchtort.
Alischa kicherte: Der Flaschenbaum ist also wieder eine Erweiterung meines Horizonts sozusagen, womit wir jetzt neu definieren müssten, wo mein Horizont in diesem Land zu denken ist.
Tim lachte, erhob sich und reichte Alischa die Hand zum Aufstehen. Komm, sagte er, jetzt aber die letzte Station für heute.
Zeigte auf eine der hochragenden Felswände um sie herum und ging voran. Alischa folgte ihm.
Die verlassene Taverne
Sie liefen, Tim vorneweg und Alischa hinterher, noch einmal in Richtung der Grotte, aus der sie Peridëis betreten hatten, ließen sie aber links liegen. Rechts von ihnen lag der Wald mit den vielen Blüten und Früchten. Links, den Wiesenhang hinauf, ragten steile Felsen empor, von gelblicher und rötlichbrauner Farbe, durch zahlreiche Nischen und Höhlen zerklüftet. Immer wieder flogen Vögel in die Felsen. Bestimmt haben die dort ihre Nester, dachte Alischa, und es ist ein ideales Gebiet für Klettersportler. Viele Stellen des Felsens waren mit Pflanzen und Blüten überwuchert. Alischa legte den Kopf in den Nacken. Kein oberes Ende der Felsen auszumachen. Es war, als ragten die Felsen in den Himmel.
Sie waren vielleicht zehn Minuten gelaufen, als der Fels einen breiten Vorsprung ins Tal bildete. Tim zeigte auf das Fußende des Vorsprungs und Alischa sah in einer breiten Felsspalte eine Treppe, die in den Felsen gehauen war. Die Treppe stieg vielleicht zwölf oder fünfzehn Meter in die Höhe, wurde dabei immer schmaler und endete an einer bronzenen Tür.
Unser Nachtquartier, rief Tim, es wird dir gefallen. Komm! Und er winkte Alischa zu sich.
Warte mal, sagte Alischa. Bevor was Neues kommt, will ich noch einmal wiederholen, was ich kapiert habe, es beschäftigt mich nämlich.
?!
Also, setzte Alischa fort, Ich komme zu einem geheimen Übergangsort, gehe rein und lege mich dort auf den Altar. Dieser Raum gehört schon zu Peridëis?
Ja und nein. Er gehört zu Peridëis, aber du bist noch in deinem Diesseits-Körper.
Aha. Ich ziehe mich aus, nehme ein Bad und lege mich auf den Altar. Daraufhin werde ich auf wundersame Weise in eine Höhle befördert, die aber diesmal in Peridëis liegt.
Ja.
Ich komme aber nicht als ich selbst an, sondern als eine Art Ideal-Kopie von mir, die außerdem niemals altert. Soweit richtig?
Soweit richtig, schmunzelte Tim.
Also weiter, sagte Alischa, ich habe in Peridëis also auf jede denkbare und völlig ungefährliche Weise Spaß, und wenn ich nach vierzig Jahren zurückkehre, kriege ich meinen Körper zwar nicht in gleicher Qualität zurück, aber als Kühlschrankware immerhin nur Eins-zu-zwölf gleich drei Jahre gealtert, wogegen meine Freundin alt wie Dörrobst aussieht. Richtig?
Tim lachte laut. Tim lachte laut. Ja und nein. Für dich sind drei Jahre vergangen, aber dein Körper ist gar nicht gealtert.
Ah - jetzt verstehe ich schon besser, sagte Alischa. Aber die Zeit ist an mir vorbei weitergelaufen und ich kann deshalb abends vier Stunden ausgehen und komme noch am selben Abend nach vier mal zwölf Stunden gleich achtundvierzig Stunden gründlich erholt in meine etwas miefige kleine DDR zurück? Ach wie schade (Alischa hielt inne), leider müsste ich vorher durch die Wüste. Geht also doch nicht.
Geht, sagte Tim, es gibt neben dem verratenen Übergang noch andere, einer sogar in Berlin. Nur damit die nicht verraten werden können, hast du einmalig diesen riesigen Umweg gemacht. Um dich zu prüfen, gründlich zu verzaubern, und damit du im Fall des Falls nur einen wenig brauchbaren und sowieso schon bekannten Übergang hättest verraten können.
Alischa fragte ängstlich hoffend: Ich könnte einfach so übers Wochenende hierher?
Ja.
Aber sag, wenn der Übergang, durch den wir jetzt gekommen waren, schon bekannt ist, wieso weiß man in der Öffentlichkeit nichts davon?
Warum weiß man nichts über die neuesten Waffen? – Denen ist klar, dass das hier ein ganz heißes Eisen ist. Was die Franzosen anbelangt, die unseren Übergang gesprengt hatten, als Algerien noch ihre Kolonie war, die hatten entschieden, dass dieses heiße Eisen nicht beherrschbar ist. Sie hatten Angst, dass daraus Erkenntnisse oder Technologien erwachsen könnten, die in fremden Händen eine Katastrophe für sie sein könnten. Ob das so ist, sei dahingestellt, aber sie haben es geglaubt. Also haben sie es kaputtgemacht, wie sie dachten, alle Spuren verwischt und sämtliche Informationen darüber vernichtet. Außer vielleicht einer schmalen Akte in einem versiegelten Umschlag tief in einem gut verschlossenen Tresor in einem geheimen Bunker. Und auf der schmalen Akte steht »Vor Lesen erschießen!«.
Waaas?
Ach, sagte Tim, das ist so ein abgelatschter Witz bei der Stasi: »VLE« - »Vor Lesen erschießen!« ist angeblich die höchste aller Geheimhaltungsstufen.
Trotz Stasi und abgelatschtem Witz musste Alischa lachen. Sag mal, fragte sie anschließend, ist denn bekannt, was die Franzosen alles herausbekommen haben?
Nicht viel, antwortete Tim. Ganz genau weiß man es natürlich nicht. Denen erging es nicht viel anders, als meinem eigentlichen Brötchengeber: Wer in Peridëis war, verliebt sich völlig und will nicht, dass Peridëis kaputtgeht. Und wenn er etwas sagt, dann wird er die Wahrheit zumindest gehörig verbiegen. Eins weiß ich aber ganz genau, nämlich, dass einige französische Agenten später Büttel waren.
Alischa lachte.
Tim ergänzte: Es ist schwierig, in Peridëis irgendetwas mit Gewissheit herauszubekommen. Jeder bekommt eine veränderte Variante von Peridëis zu sehen, nichts ist fest, es wirken unbegreifliche Kräfte, es geschehen Dinge, die als Wunder gelten müssen, und selbst was ich dir erzählt habe, ist nur eine der möglichen Erklärungen. Weißt du, ich bin nicht religiös und mag es handfest, also suche ich nach solchen Erklärungen beziehungsweise merke mir besonders gut Erklärungen, die in mein Weltbild oder mein eigenes Wunschdenken passen. Man findet am ehesten das, was man sucht; die These hat Auswirkungen auf das Forschungsergebnis. Und obendrauf noch der Effekt, dass Peridëis sich meinen Wünschen anpassen wird. Jemand anderes mag Peridëis als echte Märchenwelt sehen, weißt du... Alles dafür ist vorhanden! Durch Zauberei gehst du durch einen geheimen Felsen, wie bei Alibaba und den vierzig Räubern. Du reinigst dich vom Schmutz der Welt und legst dich danach auf einen Altar. Von dort verschwindest du aus der Welt und entschwebst ins Feenreich, wo es noch Wunder gibt. Ein Schlaraffenland, wo die wundersamsten Dinge an Bäumen wachsen, wo immer Sommer ist, wo Hexen auf Besen fliegen, wo es Drachen gibt, wo wilde Satyrn in den Wäldern ihr Unwesen treiben, wo man nicht arbeiten muss und doch gut lebt. Wo du selbst eine Hexe bist und zaubern kannst.
Bring es mir so schnell wie möglich bei.
Etwas Geduld, dann kannst du das. Für die Einwohner bist du doch jetzt schon eine Hexe, aber gib damit nicht an.
Also ich nehm’ die Hexe statt der Wissenschaftlerin, sagte Alischa. Und: Los, Wissensdurst vorläufig gestillt, lass uns hochgehen.
Gemeinsam stiegen beide die vor ihnen liegenden Felsstufen empor. Zwölf oder fünfzehn Meter sind nicht wenig, wenn man auf einer Freitreppe ist. Alischa hätte gerne ein Geländer gehabt. Die steile Treppe flößte ihr Respekt ein.
Oben ist eine Taverne, erläuterte Tim, die Einwohner von Peridëis haben große Höhenangst und diese Treppe schützt uns vor ihrer Neugier. Sie sollen nicht wissen, was wir Besucher tun und lassen, und wir wollen auch mal unter uns sein. Also haben sich die Besucher in den unzähligen Jahren der Existenz von Peridëis Rückzugsorte geschaffen. In der Nähe fast jedes Übergangs wirst du so eine Taverne finden. Es gehört zum guten Ton, Hallo und Tschüß zu sagen, wenn man Peridëis betritt oder verlässt. Und du kannst auch hinterlegen, wo du in Peridëis gerade bist, falls irgendetwas passiert.
Ich denke, es kann nichts passieren?
Nein, oder ja und nein. Dir kann nichts Ernsthaftes passieren und außerdem kannst du jederzeit von überall abhauen. Aber wenn du dich vor irgendwelchen Einwohnern plötzlich mit einem grünen Blitz und Schwefelgestank in Luft auflöst, hast du dich in der betreffenden Gegend als Hexe verraten und die Leute haben nun mal fast überall panische Angst vor Hexen. Was glaubst du, was die uns alles zutrauen. Angeblich halten wir Frauen gefesselt in Ställen zum Melken oder noch schlimmer: Wir hexen Frauen die Milch weg, essen gebratene Frauenbrust in Pfefferminzsoße und so weiter. Jedenfalls wäre die betreffende Gegend für dich mit hoher Wahrscheinlichkeit verbrannt und du könntest dich da lange nicht mehr blicken lassen. Wenn du das im Hinterkopf hast, kann es dir durchaus lieber sein, dich auf ganz gewöhnliche Weise von Robin Hood oder einem Märchenprinzen mit güldenen Haaren befreien zu lassen.
Alischa kicherte: Habt ihr so was drauf?
Tim antwortete ernst: Wir wollen ja auch unseren Spaß! Was glaubst du, was bei solchen Gelegenheiten schon für Auftritte passiert sind... Aber es passiert selten. Normalerweise gibt es über kurz oder lang immer einen Augenblick, wo du ganz allein bist und in dem flüchtest du halt. Dass du plötzlich weg bist, kann man meist irgendwie begründen - jemand hat dich befreit, es hat sich ein Verräter gefunden, du hast jemanden bestochen, irgendetwas in dieser Richtung.
Aber wie haut man denn nun ab? - Ich habe das immer noch nicht begriffen..
Kein Problem, sagte Tim. Aber ich mache wieder einen Erklärungsversuch auf meine trocken materialistische Art. Denk dir, Peridëis wäre wirklich so etwas wie eine geträumte Welt, bloß dass viele Leute denselben Traum zur selben Zeit träumen. Aber nichts wäre real, alles wird einem von einem gigantischen Computer einer außerirdischen Zivilisation oder so vorgegaukelt. Und du träumst, als wäre alles absolut real, in jeder Beziehung real. In diesem Fall wäre es überhaupt gar kein Problem, dich selbst an einen anderen Ort zu wünschen, also technisch gesehen. Du wünschst es dir und schon bist du dort. Fertig. Bloß ist es in der Praxis, also hier, nicht ganz so einfach, weil das eigene Vorstellungsvermögen nicht genau genug ist. Mit absoluter Sicherheit funktioniert das nur in großer Angst oder in Gefahr mit dem Übergang, denn da reißt dich Peridëis automatisch raus und du landest wieder in deinem Übergang, von wo aus du Peridëis betreten hast. Dazu musst du gar nichts lernen, das scheint eine Art eingebaute Funktion zu sein. Schwieriger wird’s ohne Angst im Nacken, wenn man zu einem anderen Ort springen will. Das muss man üben und selbst dann geht es nur zu Orten, die du schon kennst. Und sowieso landet man meist nicht genau am gewünschten Ziel, sondern irgendwo in der Nähe. Je nach eigenem Vorstellungsvermögen und auch davon abhängig, ob der Ort sich inzwischen verändert hat. Auf die Weise kannst du bei jedem Peridëis-Besuch schnell in Gegenden kommen, die dir sehr gefallen haben, wo du gute Leute kennengelernt hast oder wo du vielleicht Königin geworden ist.
Das kann man hier?
Ja, na klar. Du hast unglaubliche Fähigkeiten verglichen mit den Einwohnern. Es gibt einige Besucher, die ein eigenes Königreich in Peridëis regieren und fast nur dort hin gehen, wenn sie nach Peridëis kommen. Es kann sehr reizvoll sein, etwas über sehr lange Zeit aufzubauen. Das muss ja nicht mal unbedingt ein Königreich sein. Ich kenne eine Frau, die die Lieblingssklavin eines Scheichs ist und zwischendurch im Diesseits ihrem Bürojob nachgeht. Das geht am besten, wenn du keine anderen Besucher in deinem Land duldest, denn vermengen sich die inneren Wünsche der verschiedenen Besucher nicht zu einem Kompromiss, sondern bleiben rein und wirklich individuell. Abgesehen davon kann man aber auch elend langsam mit einem Besen oder einem Waschzuber durch die Gegend fliegen, aber wie gesagt: höchstens ein paar Kilometer, höchstens zehn Meter hoch, anschließend ist der Waschzuber oder der Besen hinüber und du bist hinüber. Und über Flugdrachen weiß ich wie gesagt nichts Genaues.
Alischa kniff sich noch einmal in den Oberschenkel. Es tat weh.
Man kann hier ein eigenes Land haben?
Ja. Aber darüber weiß ich nicht sehr viel. An sich musst du dir nur eine einsame Stelle suchen. Du gehst auf Wanderung und wenn du alleine bist und das willst, wirst du schnell in völlig andere Gegenden kommen, als sie andere Besucher finden, die ungefähr in die gleiche Richtung gelaufen sind. Entscheidend ist, dass du es alleine tust. Wenn dir eine Gegend gefällt, bleibst du dort und es werden Dinge geschehen, die irgendwie mit deinen tiefen inneren Wünschen zusammenhängen, manchmal sehr unbegreifliche Dinge. Aber sobald du einen anderen Besucher mitnimmst, beeinflusst das die Gegend, weil dann auch dessen Inneres mit einfließt. Das ist soweit das ganz Normale in Peridëis. Aber man erzählt sich auch von Arkanen; das sind verschlossene Länder, zu denen es immer nur einen einzigen versteckten Zugang gibt, und die einzelne Besucher ganz und gar für sich alleine haben. In denen sollen die geheimsten und wunderlichsten Dinge geschehen, sagt man.
... Und wir sollten langsam mal sehen, dass wir die Treppe hochkommen, setzte Tim nach. Sonst wird’s schon vorher dunkel.
So erklommen sie die Treppe in Richtung der Bronzetür. Man sah, dass sie nur selten benutzt wurde. Nur ein Pfad war noch von Pflanzen frei, und links und rechts von ihnen war die Treppe von einem Meer von Ranken, Blättern und Blüten übersäht. Alischa war das ganz lieb, weil die Pflanzen ihr eventuell Halt geben würden, falls sie auf der steilen und langen Treppe fehlträte - ihr Anstiegswinkel betrug immerhin mehr als 45 Grad. Aber sie kamen wohlbehalten oben an.
Die große Bronzetür trug als Verzierung wieder die stilisierte Frau, die dem Betrachter die Brüste entgegenhielt, aber diesmal war sie detailreicher ausgearbeitet, hatte einen Rock an, und ganz normale Füße lugten unter dem langen Rock empor. Die Tür war überraschend einfach mit einem innenliegenden Riegel verschlossen, dessen »Schlüssel« neben der Tür an einem Wandhaken hing. Der »Schlüssel« war nicht mehr als ein Bronzestab, den man von außen in ein Loch des Riegels schob. Vermutlich hätte man den Riegel auch mit einem Finger beiseiteschieben können.
Alischa hätte ein halbwegs vernünftiges Schloss erwartet und sagte dies Tim.
Türschlösser kann man in Peridëis nicht bauen, antwortete Tim. Sie zerbrechen, wie jede irgendwie komplexere Mechanik. Die Treppe ist die eigentliche Sperre. Kein Einwohner von Peridëis würde es wagen, eine so steile und hohe Treppe zu besteigen. Das genügt. Und für die Tiere reicht der Schieber.
Tim steckte den Schlüssel in den Riegel und schob diesen beiseite. Er zog die Tür nach außen auf. Beide musste dabei eine Stufe zurücktreten, um der Tür Platz zu machen, die sich nach außen öffnete. Komm rein!
Alischa folgte Tim und war wieder einmal überrascht. Was für ein gemütlicher Ort! - Die Taverne war in den gelb-rötlichen Stein geschlagen worden, wobei man ungefähr ab Bauchnabelhöhe aufwärts zahlreiche große Öffnungen nach außen geschaffen hatte, durch die das Licht hell hereinfiel. Vor fast jedem der Fenster standen Holztische, die mit Schnitzereien und Bronzebeschlägen verziert waren, und an der Wand des vielleicht vier oder fünf Meter tiefen Raums war so etwas wie ein Kneipentresen. An der Wand standen reich verzierte Holzregale, in denen sich Geschirr aus Bronze und Keramik befand, auch einzelne Kristallgläser schienen darunter zu sein; Alischa konnte das im Halbdunkel des hinteren Raums nicht genau erkennen, da fast alles mit einer ziemlichen Staubschicht bedeckt war. Nur der vordere Teil der Taverne war sauber, als würde er ständig benutzt. An der hinteren Wand waren aber auch Durchgänge und Türen zu sehen.
Alischa sah Tim fragend an.
Gefällt’s dir?, fragte er.
Alischa nickte.
Komm, wir setzen uns! Tim steuerte auf einen der Tische zu und breitete das mitgebrachte Abendbrot auf dem Tisch aus.
Typisch Mann, kommentierte Alischa, habt ihr hier keinen Lappen, um den Tisch mal abzuwischen?
Wieso, sieht doch annehmbar aus.
Das kann man nie wissen.
Sag mal, protestierte Tim, wieso haben wir draußen nicht die Wiese gewischt und die Wüste gefegt, bevor wir gegessen haben?
Das ist was anderes. Es ist eine Grundsatzfrage.
Tim stöhnte.
Alischa legte nach: Wusstest du, dass verheiratete Männer wesentlich länger leben, als unverheiratete?
Tim polterte zurück: Na und, Marlene Dietrich hat mal gesagt, Frauen wollen immer an den Männern herumerziehen, aber wenn sie es geschafft hat, gefällt ihnen das Ergebnis nicht mehr.
Alischa kicherte: Du hättest noch nachsetzen können, dass du aber nicht mit mir verheiratet bist. Gut, Kompromissvorschlag: Wo gibt’s Wischlappen?
Bestimmt am Tresen ... glaube ich.
Alischa wühlte herum und fand tatsächlich etwas, was so aussah wie ein Lappen.
Igitt, meinte Tim, damit willst du den Tisch wischen? Dann ist der doch dreckiger als vorher.
Alischa gab auf. Ich gebe auf, sagte sie, aber leg irgendwas unter die Esssachen.
Ich werde eine Wischlappenpflanze als Hydrokultur hier reinstellen lassen.
Alischa riss die Augen auf: Sowas gibt’s auch?
Keine Ahnung, war nur ein Spaß, lachte Tim, aber falls nicht, kannst du ja so ein Ding züchten.
Wäre das möglich? Mal im Ernst!
Ja klar, antwortete Tim, Anziehsachen sind ja auch ein nachwachsender Rohstoff. Meist schnellwachsende Pflanzen, also eine Art Gemüse, weil sonst die Zucht so schwierig wäre. Und dann wartest du, bis sie die passende Größe erreicht haben, erntest sie und ergänzt vielleicht noch Knöpfe, Schnüre oder diverses Zierrat, das an anderen Pflanzen gewachsen ist.
Und warum bin ich noch nackt? Machst du das mit Absicht, um mich begucken zu können? Los, zeig mir, wo solche Pflanzen wachsen!
Morgen morgen morgen! Tim hob abwehrend die Arme hoch. Bitte nicht alles auf einmal. Wir haben fertige Anziehsachen hier in der Taverne.
Die will ich sofort sehen!
Niemals!, antwortete Tim. Der Abend wäre gelaufen.
Bitte, bitte, wenigstens eine einzige winzige Sache, damit ich sehe, wie man sich hier kleidet.
Nein!, knurrte Tim. Ich habe panische Angst vor den Folgen.
Ein einziges!
Grrrrrr.
Komm, du darfst auch bestimmen, was es ist. Sagen wir ... ein Kleid?
Da haben wir’s, knurrte Tim, ich darf angeblich entscheiden, aber du gibst schon die Antwort vor. Gut. Ich hole was, aber du bleibst artig hier am Tisch sitzen und rührst dich keinen Millimeter von hier fort, versprochen?
Versprochen.
Und ich greife blind in die Kiste und hole ir gend ein Kleid. Und dabei bleibt’s für heute Abend. Versprochen?
Hm.
Bitte?
Versprochen.
Tim ging los. Er verließ den Tavernenraum durch einen der Durchgänge. Da er erst zehn Minuten später wiederkam, schien er doch nicht ganz beliebig in die Kiste gegriffen zu haben. Er hielt ihr mit beiden Armen ein Kleidungsstück entgegen. Ein weinrotes Kleidungsstück.
Alischa sprang auf. Was ist das? Zeig her. Ist das schick. Ein langes Kleid! Du liebe Güte, das muss ja viel Arbeit gemacht haben, das besteht ja aus tausend Teilen.
Das Kleid war von seiner Grundfarbe her weinrot, aber in mehreren Schattierungen und mit zahlreichen flach aufgenähten goldenen Bändern verziert.
Alischa drehte das Kleid hin und her. Ist das Dekolletee nicht etwas tief geraten?
Probiere es doch an, antwortete Tim.
Alischa streifte das Kleid über. Es schien wie angegossen zu passen, bis auf die Tatsache, dass ihre Brüste nicht recht unterzubekommen waren.
Komm her, forderte Tim. Zapple nicht rum, sonst kann ich das Kleid nicht zurechtrücken. Er zog Alischas Brüste aus dem Kleid heraus. Die werden in Peridëis draußen getragen.
!!!
Und schau hier, ergänzte er. Der Rockteil besteht aus mehreren vertikalen Stoffstreifen. Damit du jederzeit genommen werden kannst, egal ob von vorne oder von hinten. Und Unterwäsche wird hier nicht getragen.
Aber das geht doch gar nicht, wandte Alischa ein, mindestens aus praktischen Gründen. Was macht man, wenn man die Regel hat?
Hier hast du keine, sagte Tim. Die meisten Frauen haben hier jedenfalls keine Regel und wenn, dann nur ganz wenig. Das liegt wahrscheinlich an der Milch. Aber das ist nicht der Punkt. Früher haben die Frauen auch im Diesseits keine Schlüpfer getragen. Ist wirklich so! Deshalb Röcke oder Kleider statt Hosen. Wegen der Regel. Und die ersten Frauenschlüpfer waren im Schritt offen. Aus demselben Grund. Und warum die Brüste frei getragen werden, ist sicher nicht schwer zu erraten?
Wegen der Milch?
Genau. Die Milch der Frauen, also das Ausmelken oder Trinken ist Teil des Alltags, und deshalb stehen die Brüste auch sehr im Zentrum der Wahrnehmung. Wusstest du übrigens, dass auch im Diesseits die Männer bei den Frauen fast immer zuerst auf die Brüste schauen? Das haben die mit Kameras rausgekriegt, die die Pupillenbewegungen verfolgen können. Hier natürlich umso mehr und der bessere oder schlechtere Milchfluss ist auch ständiges Gesprächsthema, wie im Diesseits das Wetter, was angeblich mehr Milch macht und was angeblich weniger, dass die Zicke von nebenan Schuld daran ist, dass heute die Milch so schlecht fließt, permanent aufregen könnte man sich über die, oder der Mann hat heute hübsche Blumen mitgebracht, deshalb war’s doch völlig klar, dass die Milch besser fließt, na und so weiter. Aber die Frauen haben auch Spaß am Zeigen, aus Stolz und aus einem grundsätzlichen Gefühl heraus. Und die Männer streiten offen darüber, welcher Brustform der Vorzug zu geben ist, groß, klein, prall, hängend oder was sonst.
Hängebrüste auch?
Ja. Die geben angeblich sogar am besten Milch. Sowieso gibt’s hier nicht dieses Bild der »Normbrust«, weil ja jeder selbst ständig sieht, dass alle Brüste anders sind. Oder auch, weil du die Jungmädchenbrust hier gar nicht zu sehen bekommst - sobald die Brust aktiv wird, sieht sie ja ganz anders aus. Also es wäre jedenfalls undenkbar, die Brüste zu verstecken. Man würde sofort tuscheln, was mit dir nicht stimmt. Aber das gilt alles natürlich auch für den gesamten Körper. Der wird hier ja genauso wenig versteckt und deshalb gibt’s weniger Tabus und Schämobjekte, aber dafür umso mehr offen geäußerte Vorlieben für bestimmte körperliche Eigenheiten.
Alischa sah an sich herab: Gibt’s hier einen Spiegel?
Komm mit! - Tim zog Alischa zum Ende des Tavernenraums, in dem sich Fensteröffnung an Fensteröffnung reihte. Am Ende des Raums war ein Türdurchgang und dahinter befand sich, leicht nach links dem Felsen folgend, ein weiterer Raum, der ebenfalls zahlreiche Fensteröffnungen hatte. Gleich links am Anfang des Raums befand sich in die Felswand eingelassen ein großer Spiegel, der vom Boden bis fast zur Decke reichte.
Alischa drehte und reckte sich davor.
Toll siehst du in dem Kleid aus, meinte Tim.
Toll fand sich auch Alischa. Das Kleid reichte bis fast zum Boden, hatte ein schmale Taille, die die Hüften gut betonte und das Oberteil mit Kragen und langen Ärmeln bildete einen Rahmen um Alischas freiliegende Brüste. Zwischen ihren beiden Brüsten ragte der Stoff etwas versteift in einem Steg nach oben, sodass jede Brust ihren eigenen runden Rahmen bekam. Die Brüste waren ansonsten bis zum Hals frei und wirkten durch den Schnitt des Kleids größer.
Schick, meinte Alischa. Und damit darf man wirklich jeden Tag herumlaufen?
Ja, natürlich, sagte Tim. Das ist ein Alltagskleid für die Stadt. Zum Wandern braucht man natürlich was Kürzeres, aber das findet sich schon. Morgen!
Alischa lachte. Keine Angst, ich nerve nicht rum. Ich kann mich sowieso noch nicht an mir selber sattsehen. Sag mal, weil du vorhin über Jungmädchenbrüste geredet hast ... kann es sein, dass meine Brüste ziemlich gewachsen sind? Auch die Höfe sehen irgendwie größer aus und dunkler...
Ich finde ja, sagte Tim. Hatte ich dir gesagt, dass zwei Körbchengrößen mehr möglich sind?
Weißt du, was du da sagst? Also dass das nicht bloß Wunschdenken ist?
Wieso?, fragte Tim verwirrt, glaub’s mir, das ist so. Im Durchschnitt meine ich.
Alischa drehte sich vor dem Spiegel hin und her: Vor allem seitlich sind sie voller geworden. Du hast keine Ahnung, was das bedeutet. Schon mit dem blanken Versprechen kannst du reich werden. Aber steinreich kannst du werden, wenn du den Trick zu Hause als Kur oder sowas anbietest. In Scharen kämen die Frauen angerannt und schmissen sich dir zu Füßen, um ja einen Termin zu ergattern.
Die Sache hat einen Haken, sagte Tim, es bleibt nur so lange, wie du mit deinen Brüsten was machst. Hier in Peridëis ist das kein Thema – abgesehen von den natürlichen Bedingungen ist ja die ganze Gesellschaft darauf ausgerichtet. Aber würdest du dich im Diesseits zwei mal am Tag oder mehr hinsetzen und deine Brüste melken oder massieren oder zumindest eine Brustpumpe machen lassen? Etwas in dieser Richtung habe ich bisher nur über den chinesischen Taoismus gelesen, aber da hatte das eine Art religiöse Begründung.
Wie das?
Es war eine regelmäßige Brustmassage mit dem Namen »Weibliche Hirschübung«. Dabei ging es nach ihrer Lehre um spezielle Energien, die Frauen zuviel hätten, und die vor allem über den Speichel, die Brüste und die Vagina abgegeben werden konnten. Aber diese Brustmassagen sind auch von Nonnen praktiziert worden, um die Regelblutung zu unterdrücken, weil die das als Energieverlust gesehen haben.
Ist das nicht ein Widerspruch in sich?
Ja. Aber vielleicht geht es ja auch um die Regulation. Und darüber hinaus sind die Brustmassagen zur Regelunterdrückung auch zur Verhütung gemacht worden und gegen Regelschmerzen. Ganz abgesehen von Lehren, dass der Mann weibliche Energie über das Fluidum der Brüste bekommen konnte. Aber trotzdem ist es aufwendig und alles ohne Garantieschein.
Hm, meinte Alischa, ich wäre nur wegen der Brustgröße alleine schon dazu bereit, glaube ich. Aber ich weiß schon, was du meinst, die meisten wollen es geschenkt. Pille rein und fertig oder so etwas.
Die Peridëis-Besucherinnen machen im Diesseits alle regelmäßig an ihren Brüsten rum, antwortete Tim, und haben auch Lust daran. Obwohl es strenggenommen gar nicht nötig ist. Aber es ist wohl wie Schokolade. Die muss ja auch nicht sein. Aber dich werde ich wohl noch ein bissel aufpäppeln müssen, bevor ich dich unter die Leute lassen kann.
Alischa streckte ihm die Zunge heraus.
Tim lachte. Für mich reicht deine Milch schon jetzt. Du darfst aber nicht enttäuscht sein, wenn du Peridëis wieder verlässt. Dann ist die Pracht vorläufig wieder weg, denn du kriegst genau die Brüste wieder, mit denen du Peridëis betreten hast. Es gibt Frauen, die deshalb tagelang in Tränen liegen. Außer wegen mir war das der zweite Grund für den großen Aufwand mit deinen Brüsten seit deiner Ankunft mit dem Flugzeug. Auf diese Weise ist der Knick für dich nicht so stark. Aber es hilft auch die Erfahrung, dass das alles mit deinem eigenen Körper geht und gut funktioniert. Mit genug Aufmerksamkeit für die Brüste steigert sich auch im Diesseits die Milchmenge sehr schnell und die Brüste entwickeln sich zur vollen Pracht, einschließlich der schönen Brustwarzen. Am einfachsten ist es, sich das Milchgeben auch außerhalb von Peridëis zum Fetisch zu machen. Nicht Last, sondern Lust. So einen Brustfetisch mit Milch gibt’s ja auch bei Leuten, die nie etwas mit Peridëis zu tun hatten. Auch bei Urvölkern.
Aber dazu gehört doch ein Mann?, hakte Alischa nach.
Ein kleineres Problem, als du denkst, knurrte Tim. Themenwechsel - Essen, Melken, Schlafen?
In der Reihenfolge!, lachte Alischa.
Beide gingen zurück zu ihrem Tisch nahe dem Eingang und genossen beim Essen der gepflückten Sachen den Ausblick auf das traumhafte breite Tal, dessen Anblick sich ihnen durch den Felsbogen öffnete, links und rechts die gelb-roten schier unendlich hohen Felsen, reich mit Ranken und kleineren Pflanzen bewachsen und unten das satte Grün der Wiese und des Waldes mit den vielen Blüten dazwischen. Die Luft war frisch, die Temperatur nach wie vor angenehm warm und Vögel zwitscherten, trillerten, sangen, gackerten. Kurz: Das Abendbrot war ein Genuss und die gepflückten Speisen köstlich. Alischa hatte selbstverständlich das schöne brustfreie Kleid anbehalten, während Tim nach wie vor nackt war.
Als sie schließlich satt waren, sagte Tim: Komm, jetzt zeig ich dir, wie die Frauen in Peridëis bequemerweise gemolken werden. Tim wandte sich zu einem der Türdurchgänge an der Wand, die in den Felsen hineinführte und Alischa folgte ihm. An die Tür schloss sich kurzer Felsgang an, der an den Wänden mit farbigen Ornamenten verziert war. Dann folgte eine Tür und hinter der Tür eine Treppe nach oben, die sich langsam kreisförmig nach rechts wand. Sie erklommen die Treppe und gelangten in einen Raum, der dem unteren Tavernenraum sehr ähnlich war: Auch hier ließen große in den Fels gehauene Bögen reichlich Licht hereinfallen und auch hier zog sich der Raum längs der Außenseite des Felsens entlang. Aber die Einrichtung war ganz anders. Der Raum enthielt zahlreiche seltsame Holzkonstruktionen, reich mit Schnitzereien und Bronzebeschlägen versehen, deren Sinn Alischa nicht immer aufging - Stühle, Bänke, Tische, Gestelle seltsamster Art. Alischa ahnte wohl deren Sinn, aber fragte trotzdem:
Was ist das für ein Raum?
Was denkst du?
Ich weiß nicht recht...
Na los, dann vermute laut.
Also wirklich...
Und? Eine Idee hast du doch bestimmt?
...Also, der erinnert an einen mittelalterlichen Folterkeller.
Wäre es so, würdest du dann so herumstottern? Los komm, zweiter Versuch.
Ist ... hat ... der Raum etwas mit Sex zu tun?
Genau! Es ist ein gut ausgestattetes Spielzimmer. Sowas hat jede gute Taverne in Peridëis, manche sind spezialisiert auf bestimmte Vorlieben, aber ein bisschen was von Allem ist immer dabei. Das hier ist zum Beispiel ein bequemer Massagetisch, auf den Bock hier kannst du dich zum Ficken draufschnallen lassen, das hier ist ein Stuhl für denselben Zweck, das eine Schaukel noch einmal für denselben Zweck, hier ist eine Streckbank, hier ein Andreaskreuz zum Dranschnallen, hier in dem Schrank ist diverses Kleinspielzeug für einmalige Benutzung und hier an der Wand Seile zum Fesseln, Gerten, Peitschen und solche Sachen ... na und so weiter. Nur dass du es mal gesehen hast. Schau dir das später woanders in Ruhe an, wenn Leute damit spielen. Die meisten Leute lassen sich ganz gerne zuschauen, wenn man einen gewissen Mindestabstand einhält. Aber der Raum zum Melken ist nicht hier, sondern noch ein Stockwerk höher.
Alischa schaute gebannt in den Raum. Und wenn jemand das nicht will?
Macht er eben nicht mit. Oder macht was anderes.
Aber die Fesseln!
Man macht eben vorher deutlich, was man will.
Und wenn’s doch zu weit geht?
Reißt dich Peridëis aus der Situation heraus. Du musst eben richtig einschätzen, was du kannst und willst. Und falls es aber der Andere versaut hat, erwartet man irgendeine angemessene Genugtuung oder was auch immer.
Aber wie ist denn eine Peitsche beim Sex ... wird da einfach draufgehauen?
Heute nicht mehr, meinte Tim - und sowieso nicht vor dem Melken, das gibt weniger Milch.
Sag es mir!
Man fängt immer ganz zart an und tastet sich langsam vor, was sich gut anfühlt und was nicht. Genauso mit all den anderen Sachen. Fesseln, Unterwerfung, Demütigungen, Rollenspiele, was auch immer. Sex wird hier als Spiel zelebriert, als Loslassen, als Enthemmung in gesetzten Grenzen, als Loslassenkönnen, den Verstand vergessen und das Animalische ausleben. Die Frucht vom Flaschenbaum vorhin war auch so etwas. Aber komm, langsam werde ich müde, wir gehen noch einen Stock höher in den Melkraum.
Bitte - noch eins.
Ja?
Hast du ... würdest du ... falls du (Alischa wurde rot) hast du das schon einmal mit einer Frau gemacht?
Nein, sagte Tim. Nur gesehen habe ich es schon oft.
Darfst du nicht?
Doch, das darf ich.
Und wolltest du nicht?
Ehrlich gesagt – faszinierend ist es.
Aber warum hast du nicht, wenn du es darfst?
Ich weiß nicht. Keine Gelegenheit, falsche Stimmung, nicht die richtige Frau?
Würdest du mich mal fesseln wollen und dann peitschen? Nur so ein klein wenig?
Würdest du das wollen?
Ja. Dieser Raum fasziniert mich. Ich kann das gar nicht beschreiben. Weißt du – ich hatte schon ziemlich früh Fantasien, von einem Mann oder sogar mehreren Männern gefesselt und dann genommen zu werden. Ich habe das noch nie jemandem erzählt. Und jetzt habe ich plötzlich so einen Raum hier vor Augen und höre, dass andere Leute hier in diesem Raum schon öfter solche Dinge gemacht haben. Wirklich gemacht! Ahnst du, was das für eine Wirkung bei mir hat? - Aber meine eigenen Fantasien waren eher wenig konkret und gesichtslos. Es war nur immer klar, dass es Männer waren, aber nichts über Fangen und Fesseln hinaus. Was danach kam, war unklar. Jetzt, hier in diesem Raum, ist das auf einmal sehr lebendig. Wie die Fortsetzung dieser Fantasien.
Tim zögerte ... Gib mir etwas Zeit, bat er. Weißt du, es widerspricht so völlig meiner Erziehung – und allem, was einem über Männer und Frauen gesagt wird. Ich habe mich solchen dunklen Seiten bisher komplett verweigert.
Alischa unterbrach ihn schnell: Es widerspricht auch meiner Erziehung und allem Anderen. Aber ich will es gerne wissen ... würdest du mir auf den nackten Po schlagen ... also richtig ..., wenn ich dich ausdrücklich darum bitte? Auf mein Risiko? Und auch, um zu probieren, wie es dir damit geht?
Darf ich morgen antworten?
Darfst du!, strahlte Alischa und gab ihm schnell einen Kuss.
Dann darf ich jetzt aufatmen, sagte Tim. Komm weiter!
Neben dem Türdurchgang, durch den sie das Spielzimmer betreten hatten, war ein gleich aussehender Durchgang, der über eine weitere Tür und noch eine Treppe zum Melkraum hinaufführte.
In diesem Raum geht es immer sehr viel ruhiger zu, als in dem Raum unten, sagte Tim, als sie den Melkraum betraten.
Auch dieser Raum hatte die gleichen großen Felsenfenster und etwa die gleichen Abmessungen. Aber die Ausstattung war eine andere. Es gab zahlreiche größere Bänke, die an Massagetische erinnerten und verschiedene Aussparungen hatten. Wie man sie benutzte, war leicht erkennbar: Es gab Aussparungen für die Brüste, sodass diese frei nach unten hängen konnten, es gab eine Aussparung fürs Gesicht, damit man den Kopf im Liegen auf dem Bauch nicht zur Seite drehen musste, man konnte festgeschnallt werden, es gab Decken, Polster, Kissen. Und unter dem Tisch befand sich ein viel kleinerer zweiter Tisch, der wohl für eine Schüssel bestimmt war, die die ausgemolkene Milch auffangen sollte. Tim zeigte Alischa auch einen Gang, der mit Brettern abgetrennt war, die in Brusthöhe Öffnungen hatten. – Hier kann anonym aus der Brust getrunken werden, sagte Tim, Männer und Frauen bekommen sich hier gegenseitig nicht zu sehen.
Aber es gab auch einfache Liegen und andere Konstruktionen. Alischa sah ein Drehbrett, wie sie es schon nach ihrer Ankunft auf dem Flughafen kennengelernt hatte, schaukelartige Konstruktionen, Boxen, die sie an Beichtstühle erinnerten und anderes mehr. Aber es gab vor den großen Fenstern auch ganz normale Tische mit Stühlen, auf denen eine Art schmaler Hocker mit langgestreckt rechteckigem Querschnitt stand. Sie zeigte darauf - und wie geht das mit denen da?
Komm mit, wir nehmen gleich einen davon - setz dich auf den Stuhl.
Tim wühlte in einem Schrank und kam mit einer kleinen Flasche und einer bunten Schüssel wieder. Die wachsen hier ebenfalls an Bäumen, kommentierte er augenzwinkernd. In jeder Größe und Qualität. Er setzte sich auf die andere Seite des Tischs Alischa gegenüber und schob den schmalen Hocker auf dem Tisch vor Alischa hin. Anschließend kommentierte er: Da drauf legst du dein Gesicht. Ganz einfach. Und dein Gesicht stützt du mit deinen Händen ab.
Alischa hob gehorsam die Arme und legte diese auf den Hocker. Dann ließ sie ihre Stirn darauf sinken. Eine ganz angenehme Haltung, fand sie.
Hier in der Flasche ist ein ganz wunderbares Öl, sagte Tim, der diesmal vor ihr saß. Damit gleiten die Hände leicht über die Haut, man kann sich besser in die Brüste hineinfühlen, das Öl klebt nicht und man braucht nur ganz wenig. Es ist in jeder Beziehung völlig neutral und man schmeckt es auch nicht.
Tim verteilte das Öl mit seinen Händen auf Alischas Brüsten und begann, die Brüste durchzumassieren. Es war diesmal ein eigenartig anderes Gefühl, mehr entspannend und sehr angenehm. Alischa ließ sich schnurrend in das Gefühl hineinfallen. Tim machte es wunderbar. Er walkte ihre Brüste durch, wrang, schüttelte, massierte, ertastete die tiefen Strukturen in ihren Brüsten, vergaß die Brustansätze ganz hinten unter den Achseln nicht, arbeitete sich zu den ganz oberen Enden der Brüste vor, schaffte diesen Erleichterung, ging mehrfach um ihre Brüste herum, damit kein Teil der Brust unbeachtet blieb und ließ nur die Höfe und Brustwarzen noch ein Weilchen warten. Alles wurde gewalkt, alles wurde massiert, alles wurde gelockert, nur die Brustspitzen nicht. Der Kerl wäre zu Hause ein Geheimtipp, dachte Alischa, man ließe sich Brüste wachsen, nur um so jemanden anzulocken. Aber jetzt begann Tim langsam wringende Bewegungen, konzentrierte sich auf die rechte Brust, griff in die rechte Brust hinein, vermittelte der linken Brust dabei nur, dass sie nicht vergessen wurde, erfühlte dabei eine der zahlreichen prallen Stellen in der rechten Brust und wrang sie vorsichtig, sehr vorsichtig, zur Brustspitze hin aus. Und endlich bekamen auch die Höfe und Brustwarzen ihren Teil ab. Tim wrang sorgfältig bis ganz zur Brustspitze hin und hörte nicht auf, bevor er die Brustwarze nicht komplett durch Daumen und Zeigefinger hindurchgezogen hatte. Danach wieder die gleiche Stelle auf die gleiche Weise, anschließend vorsichtig etwas daneben, sehr rhythmisch und nachdrücklich, aber mit viel Gefühl vorsichtig tastend, erkundend, und wieder zur nächsten Stelle, tastend, nach vorne wringend bis zum Ende der Brustwarze hin. So bekam Tim den ersten Milchspritzer heraus. Erst etwas später merkte Alischa wieder das bekannte unruhige Gefühl und Ziehen von den Brustansätzen her durch die Brüste. Halt still, flüsterte Tim. Alischa hielt still. Und Tim wrang Spritzer um Spritzer, Milchstrahl um Milchstrahl, zog an ihren Brüsten, griff kräftig in sie, wrang wieder, Alischa hörte die Milch in die Schüssel spritzen, Tim schien es zu provozieren, dass das Geräusch zu hören war ... und sobald eine Milchquelle in der Brust erschöpft war, suchten die Hände Tims die nächste, fanden sie und beuteten sie gnadenlos aus. Milchquelle um Milchquelle, bis die letzten Tröpfchen aus dem letzten Winkel der rechten Brust herausgemolken war. Dann griffen beide Hände zur linken Brust, um auch sie zur Herausgabe ihrer Milch zu bringen, walkten sie, kneteten sie, streichelten sie, lobten sie, bis auch die linke Brust bereit war, ihren Schatz herzugeben und bereitwillig unter dem Zug der Hände zu spritzen begann, Händen, die im Augenblick des Sprudelns der linken Brust deutlich langsamer, aber auch deutlich nachdrücklicher wurden, rings herum, keine Stelle vergessend, bis auch die linke Brust erschöpft aufgab. Doch die Hände gingen gnadenlos zurück zur rechten Brust, lockten, bis diese nicht anders konnte, als Milch zu geben, erschöpften erneut die rechte Brust und wechselten nochmals. Bis gar nichts mehr kam, als einzelne Tröpfchen. Da endlich gaben die unermüdlichen Hände Ruhe, strichen noch ein letztes Mal rings um Alischas Brüste, als wollten sie diese loben und endlich gaben die Hände sich zufrieden.
Ganz leise war die Stimme Tims zu hören: Komm langsam wieder zu dir, deine Brüste sind ganz leer, sie haben wunderbar Milch gegeben.
Alischa öffnete die Augen, war aber innerlich weit weg. Sie sah die Umgebung nur verschwommen uns seufzte. Wieso hat sich sowas nicht durchgesetzt?
Hat es, sagte Tim, hier in Peridëis schon. Hier steht dir das zu. Hier gilt das Geschäft: Reichlich Milch gibt es, wenn du den Brüsten reichlich Gutes tust. Die Männer werden belohnt, wenn sie die Brüste belohnen. Mit den Ammen früher war das nicht anders: Man hat die gehätschelt und getätschelt, damit nur ja ihre Milch nicht weniger wurde oder gar schlecht. Gute Ammen waren hochbezahlte Frauen.
Alischa kam langsam wieder zu sich, schaute Tim verstohlen an und dachte bei sich, wieso waren ausgerechnet solche Männer nie zu kriegen? Tim war ein Könner, hatte Bildung, verstand sich auf Frauen und blieb trotzdem Mann, ohne ihr alles durchgehen zu lassen. Was für eine Verschwendung, solche Kerle im Zölibat leben zu lassen, unerreichbar selbst für Märchenfeen. Stop, dachte sie. Stimmt nicht. Diese Mist-Peris konnten frei über ihn verfügen, die Haare sollte man ihnen einzeln ausrupfen. Nein, dachte sie darauf, sei nicht ungerecht, es waren die Peris, die dir diesen Mann zugeteilt hatten, du darfst bloß nicht alles von ihm haben und Peridëis als eigene Welt war ja ein eigener wahr gewordener Wunschtraum.
Ihr Blick fiel auf die Milchschüssel unter ihr. Beeindruckend! Das war gar nicht wenig, was Tim da aus ihr herausgelockt hatte.
Willst du meine Milch gar nicht trinken?, fragte Alischa.
Doch, antwortete Tim, aber ich wollte dir noch ein klein wenig Zeit geben. Darf ich?
Alischa nickte und schaute ihm gebannt auf die Lippen.
Tim setzte die Schüssel an seine Lippen, kippte sie an, und Alischa sah, wie ihre Milch seine Lippen zu benetzen begann und in seinem Mund versank, wie der Mund innehielt, dem Geschmack durch ein Schnalzen der Zunge nachzusinnen, bis der letzte Tropfen ihrer Milch getrunken war. Viele Minuten Melken, wenige Augenblicke trinken. Aber Tim war zufrieden. Alischa genoss es.
Und jetzt sollten wir langsam schlafen gehen, oder?, fragte Alischa leise.
Es ist höchste Zeit, ich bin wirklich kaputt, antwortete Tim.
Sie stiegen ein weiteres Stockwerk nach oben und fanden dort einen langen Gang, in dem sich offene Terrassenräume mit einer Unzahl von Gemächern abwechselten, jedes mit einer Holztür davor. Draußen wurde es langsam dunkel, sodass der Flur bereits in ein Dämmerlicht getaucht war, das gerade noch so ausreichend durch die offenen Terrassenräume beleuchtet wurde.
Musst du noch mal?, fragte Tim.
Alischa musste.
Sie gingen zum Ende des langen Ganges, an dem ebenfalls eine Holztür war. Dahinter war ein gleichmäßiges Rauschen wie von einem Wasserfall zu hören. Doch Tim öffnete die Tür unmittelbar davor.
Die Klos sind hier alle etwas mittelalterlich, meinte er, daran musst du dich gewöhnen.
Alischa sah einen Klositz aus Holz direkt vor dem Fenster. Direkt dahinter strömte in einer Steinrinne wie in einem Aquädukt ein kräftiger Strom Wasser, der sich zur einen Hälfte in eine Art Waschbecken und zur anderen Hälfte an der Rückseite in das Klo-Loch ergoss.
Huch! meinte Alischa, als sie in das Klo-Loch schaute. Das Loch führte ins Freie und was man fallen ließ, fiel zusammen mit dem Wasser in die Tiefe.
Da Tim keine Anstalten machte, den Toilettenraum zu verlassen, setzte sich Alischa ohne Umstände vor ihm aufs Klo. Wie praktisch, dass der Rockteil des Kleids aus Streifen zusammengesetzt war, sonst wäre es hinten nass geworden, denn das Wasser, das angenehm warm war, umspülte ihr Hinterteil.
Sag mal, gibt’s hier keine getrennten Männer- und Frauen-Klos?
Nein, antwortete Tim, solche Trennungen gibt es in Peridëis nicht, auch nicht beim Waschen oder sonst wo. Wozu auch, Triebstau gibt es hier nicht.
Alischa gelang es, loszulassen und erleichterte sich. Nicht bloß pinkeln, der Rest musste auch mal raus. Noch vor gar nicht so langer Zeit wäre ihr das Loslassen unter diesen Umständen ganz sicher schwerer gefallen, aber das schien Welten zurückzuliegen. Welten? Es waren Welten.
Sag mal, fragte sie, das Wasser alleine reicht glaube ich nicht, wie macht man das hier?
Mit der linken Hand sagte Tim, Wasser zum Abspülen hast du ja genug.
Hm. Ungewohnt. Andererseits, dachte Alischa, in anderen Kulturen wird das ja auch gemacht, also...
Das viele Wasser half ungemein, die Hemmungen zu überwinden und sauberer fühlte sie sich anschließend durchaus.
Ach ja, das Waschbecken war ja auch noch da.
Und wie kriege ich mich jetzt trocken?
Hüpfen, meinte Tim und kicherte.
Verdammter Mistkerl! Ein Schwall Wasser landete im Gesicht Tims.
Komm, meinte er, es geht auch ohne Hüpfen. Schau mal hier.
Aus einem Loch in der Wand strömte ein kräftiger Strom warmer Luft.
Halt deinen Schoß davor, dann ist er schnell trocken.
Alischa war wieder einmal verblüfft. Wie geht denn das nun schon wieder?
Staudruck, antwortete Tim. In den Tälern strömt immer Wind entlang und die haben einfach von der anderen Seite des Felsens bis hierher einen Gang gemacht. Die Luft staut sich auf der anderen Seite und wird dadurch in den Gang gepresst, bis sie hier wieder austreten kann. Kostet nichts, ist wartungsfrei und außerdem auch noch eine gute Lüftung.
Alischa drehte und wendete sich vor dem angenehmen Luftstrom, bis sie trocken war. Danach führte sie Tim in ihr Schlafgemach am anderen Ende des Gangs.
Das Schlafgemach hatte wie die anderen Räume ein großes Felsenfenster und darin stand ein großen Holzbett, ausgestattet mit Matratze und leichter Decke. Wer hält das alles in Ordnung?, dachte Alischa noch bei sich, aber der Gedanke, schlafen zu können, war inzwischen mächtiger als alles andere. Leider sollte sie alleine in ihrem Bett schlafen und Tim im Nachbarraum hinter der nächsten Terrasse, ach, war das schade. Aber er ließ keinen Zweifel an der Endgültigkeit der Schlafordnung und blieb im Gang stehen. So trat Alischa also alleine ein und ließ ihr Kleid noch im Laufen auf den Boden fallen. Hätte sie sich noch waschen sollen? Nein, heute nicht mehr und außerdem war es schon fast dunkel. Nur der Mond und die funkelnden Sterne sorgten für ein Minimum an Beleuchtung. Gute Nacht, Tim, hast alles perfekt gemacht und eine glückliche Alischa ins Bett geschickt, schlaf schön, Tim, und träum was Schönes. Alischa ließ sich ins Bett fallen und zog die Decke über sich. Noch eine kleine Selbstbefriedigung? Ihr Mittelfinger tippte zur Probe das kleine Pünktchen an. Nein, zu müde, entschied sie, ließ die Hand aber an Ort und Stelle liegen und sank in einen tiefen erschöpften Schlummer.
Intershop
Aufwachen, rrrrrraustreten zum Frühsport!
Schwups - war die Decke weg.
Alischa blinzelte in den hellen Tag. He, du Mistkerl! - Sie protestierte, griff nach der Decke, aber die war schon weg. Alischa schlug die Augen auf und war mit einem Schlag hellwach: Hilfe!, rief sie. - Wie siehst du denn aus?!
In der Tat, Tim, der in ihrem Schlafgemach vor ihrem Bett stand, sah ... nun, etwas anders aus als bisher. Er war angezogen, aber das war nicht das Wesentliche. Der Punkt war, dass er eine Uniform anhatte. Und nicht irgendeine Uniform, nein, es war ausgerechnet so eine Uniform, wie sie Alischa von zu Hause kannte, wie sie diese Grenzkontrolleure trugen. Nicht das Flaschengrün der Polizisten, sondern dieses Steingrau der Armee und der Stasi. Schulterstücken fehlten aber, und die Uniformmütze zierte vorne kein DDR-Emblem, sondern das Symbol der Frau, die dem Betrachter die Brüste entgegenreckte. Zu allem Überfluss trug er an seinem braunen Ledergürtel auf der linken Seite eine Art Reitgerte und auf der rechten ein kreisförmig zusammengeschlungenes Stück Seil. Das Zeug am Gürtel erinnerte Alischa weniger an ihre Heimat, als an die Zeit, in der wehrhafte Männer einen Säbel oder eine Keule getragen hatten. Und an den Wilden Westen. Beides zusammen.
Alischa richtete sichtete sich vollends auf.
Auweia, kreischte sie, was ist denn das? - und lachte schallend.
Über die seltsame Uniform hinaus gab es nämlich etwas besonders Erwähnenswertes: Die Stelle an der Uniformhose, wo der Penis war, blieb ausgespart. Der Penis lag völlig frei, ansonsten war die Uniform bis auf die Schuhe komplett. Tim war unpassend zur Uniform nämlich barfuß.
Alischa beeindruckte zu diesem Aufzug vor allem der freigelegte Penis - und wenn du einen Steifen kriegst?
Tim knurrte. Dann kann es jeder sehen.
Alischa blieb gemein: Stell dir vor, du als Soldat, Ehrenwache Berlin Unter den Linden [20]. Dann brüllt der Offizier oder von mir aus eine strenge Domina: »Achtung! Prääääsentieeeert den Penis!« Und Zack! müssen sie oben sein.
Oooooch, setzte Alischa nach, sei nicht beleidigt, ich kriege mich ja schon wieder ein. Aber wer kommt denn auf solche Ideen? Oder hab ich gerade was Dummes gesagt? Und was hat das zu bedeuten?
Tim antwortete sachlich (aber etwas rot im Gesicht): Das ist die Uniform der Büttel. Büttel sind nach Peridëis geschickte Spione oder sonstige Eindringlinge, die erwischt und in die Dienste der Peris gestellt wurden. Die Peris haben einen seltsamen Sinn für Humor und fanden es sehr witzig, einen so rumrennen zu lassen.
Du findest es auch witzig?, fragte Alischa Tim.
Nein. Aber es soll mich oder uns ja auch demütigen. Diese Uniform kennzeichnet einerseits mein Amt und erinnert mich auch an meine Pflichten, aber stellt mich vom Rang her unter die Besucher. Das ist es wohl. Aber was soll’s, wie gesagt, es ist eine echte Chance und ich würde noch viel mehr hinnehmen, um in Peridëis sein zu dürfen. Früher hatten Büttel eine andere Kleidung, heute eben diese. Was soll’s.
Entschuldigung, sagte Alischa.
Ist in Ordnung, meinte Tim, ich war’s ja selber, der dich geschockt hat. Komm, das Frühstück ist fertig.
Alischa rutschte aus dem Bett, sah ihr prachtvolles Kleid auf dem Boden und fühlte sich bei dem Anblick ... richtig gut.
Wo kann man sich waschen?, fiel ihr ein. Und pinkeln müsste ich auch mal.
Tims Augen leuchteten auf: Ich hätte dich glatt direkt zum Essen geholt, dabei haben wir hier eine Waschmöglichkeit, wie du sie bestimmt noch nie hattest. Komm!
Alischa folgte ihm durch den Gang und bog am Ende des Gangs zum Pinkeln ins Klo ab.
Brauchst dich nicht groß zu waschen, sagte Tim, ich hab was Besseres!
Als Alischa fertig war, öffnete Tim die Tür, die das Ende des Ganges bildete. Sie führte nach außen.
Alischa trat durch die Tür.
Toll!
Sie befanden sich auf einer Art Felsenterrasse. Hinter ihnen führte die Tür ins Innere der Taverne, aber vor ihnen bildete der Felsen nach links eine Nische, die rechts zur Außenseite hin mit einer hüfthohen Mauer gesichert war, damit man nicht abstürzen konnte. Ihnen gegenüber war eine Felsbank, links aus der Wand aber strömte ein kräftiger warmer Wasserstrom sprudelnd und gurgelnd in ein vielleicht metertiefes Becken und was zuviel war, strömte durch eine Rinne zur hüfthohen Mauer, dort durch eine Öffnung nach außen, und stürzte zum Schluss ins Tal. Das Wasserbecken mochte vielleicht vier Meter Durchmesser haben, hatte eine kleine Steintreppe zum Einsteigen und am Rand so etwas wie Sitze. Links und rechts vom Becken befanden sich lebensgroße steinerne Frauenskulpturen, die aus ihren Brüsten Wasser ins Becken sprühten. Rankepflanzen und Blüten am Felsen in den verschiedensten Farben ergänzten das Bild.
Alischa testete das Wasser mit der Fußspitze und ließ sich jauchzend hineinfallen. Der Wasserfall stürzte auf sie herab. Prustend steckte sie ihren Kopf darunter hervor. Und du?
Ich werde mein ganzes Können einsetzen, dich hier wieder herauszubekommen, immerhin wollen wir heute noch loskommen und das sehe ich gerade in Gefahr. Aber warte mal ... wie wäre es mit schicken Kleidern?
Hatte ich dir schon mal gesagt, dass du ein Mistkerl bist?
Ich erinnere mich dunkel.
Seufzend entstieg Alischa dem Wasserbecken. Soll ich wieder hüpfen, um trocken zu werden oder gibt’s hier ebenfalls einen Natur-Fön?
Du bist im Paradies, belehrte sie Tim, natürlich gibt’s einen.
Und tatsächlich, auf der Höhe der Steinbank am Ende der Nische war ein ummauertes Loch, dem wieder ein kräftiger Strom warmer Luft entströmte.
Alischa trocknete sich ausgiebig.
Erst einmal habe ich Hunger, entschied sie. Es würde mich auch nicht stören, dass ich nackt bin und du nicht.
Und schaute, eine Augenbraue hochziehend, auf seinen freiliegenden Penis.
Der schien etwas voller zu werden. Etwas.
Doch Tim wandte sich um und ging voraus. Unterwegs zog sich Alischa dann doch ihr prachtvolles Kleid an, das die Brüste frei ließ, aber danach ging es nach unten.
Unten in der Taverne hatte Tim bereits einen Tisch gedeckt, der an einem Fensterbogen nahe der Ausgangstür stand. Die Tischplatte bog sich förmlich von all den Sachen, die er offenbar frisch von draußen besorgt hatte. War er etwa schon stundenlang wach? Anders war das fast nicht zu erklären. Sogar Kaffee und frische Bötchen gab es. Und der Tisch war blitzsauber.
Alischa setzte sich ans Fenster und Tim nahm ihr gegenüber Platz.
Sag mal, fragte Alischa, wo hast du das ganze Zeug her? Du kannst mir doch nicht erzählen, dass frische Brötchen hier an Bäumen hängen und Kaffee fertig aus einer Quelle gesprudelt kommt?! Oder? He, sag was!
Alischa war ehrlich verunsichert. Im Prinzip hoffte sie, dass es tatsächlich so war, aber irgendwo ging es ja wohl doch zu weit.
Tim grinste nur.
Alischa trat ihm unter dem Tisch gegen’s Schienbein. Aber nicht sehr stark.
Du willst es wissen?, heuchelte Tim.
Natürlich! Sofort!
Tim tunkte seinen Finger in die Kaffeekanne, die auf dem Tisch stand. Hm, meinte er, ist sowieso längst lauwarm. Komm, ich zeige dir, woher das Zeug kommt.
Die beiden standen wieder auf und Tim winkte Alischa, die Kaffeekanne in der Hand, zu einer Tür neben der Bar. Hinter der Tür öffnete sich ein Gang, der vielleicht zwanzig Meter in den Felsen führte. Am anderen Ende war noch eine Tür. Tim lief voran und öffnete sie. Als Alischa die zweite Tür durchschritten hatte, fand sie sich in einer Art Felsenhof wieder, vielleicht hundert mal hundert Meter groß, ringsum von Felsen umschlossen. Der Hof war hell, obwohl hundert Meter im Quadrat angesichts der hohen Felsen nicht viel waren, aber die Sonne stand ja genau über ihnen im Zenit und so ergab sich zwischen den steilen Felsen ein geradezu groteskes Paradies-Gärtchen, das trotz erdrückend hoher Felsen anheimelnd gemütlich wirkte.
Der Hof war offenbar der Garten der Taverne; es gab unterschiedliche Bäume, Beete, auch ein Wasserbecken fehlte nicht und sogar eine Bank zum Ausruhen war vorhanden.
Hier findest du alles, was dein Herz begehrt, kommentierte Tim lächelnd, oder zumindest jede kulinarische Kostbarkeit, die die Taverne zu bieten hat, essfertig zum Abpflücken. Brötchen gibt es dort hinten links an dem Baum, bei den Kaffeefrüchten hier vorne musst du beim Aufstechen aufpassen, dass du dich nicht verbrühst...
(Alischa: !!!)
...ach, und da kommt gerade ein Schinkenschwein.
Ein was?!?!, kreischte Alischa
Ein Schinkenschwein.
Er ließ einen gellenden Pfiff hören und das Schwein kam grunzend angetrabt.
Wenn du Schinken willst, kommentierte Tim, dann schneidest du dir den einfach aus dem Schwein heraus, Räucherschinken hier am Hinterteil, Kochschinken vorne.
Aber das tut dem armen Schwein doch weh?
Keine Ahnung, meinte Tim, es quiekt, aber seltsamerweise hält es trotzdem still und bietet sich dir geradewegs an, als würde das Absäbeln eines Schinkenstücks ein Genuss sein. Und keine Angst, die Stelle wächst schnell wieder nach.
Das Schwein schien ihm recht zu geben, denn es stupste seinen Rüssel gegen die Beine Tims und schaute mit einem Dackelblick zu ihm hinauf. Soweit ein Schwein dazu in der Lage ist.
Nein, jetzt nicht, kommentierte Tim, wir brauchen bloß frischen Kaffee.
Enttäuscht trabte das Schwein davon. Das Grunzen klang ein wenig, als wären unanständige Flüche daruntergemischt.
Alischa schaute ihm mit offenem Mund hinterher.
Sag mal, irgendjemand muss das doch alles pflegen?
Zwerge!
Zwerge?
Ja, das sind so kleine Wesen, die es tief befriedigt, anderen dienen zu dürfen. Deshalb suchen sie gerne die Nähe des Menschen. Du musst dich bloß ab und zu laut anerkennend äußern, wie toll hier alles ist, aber nicht zu oft, denn es erregt sie so stark, dass sie sich im Allgemeinen sofort Befriedigung verschaffen.
Sexuelle?
Ja, direkt sexuelle. Deshalb sollte auch klar sein, warum du noch keine zu Gesicht bekommen hast.
?!
So, wie du hier ständig alles über den Klee lobst, liegen die doch die ganze Zeit fickend und masturbierend in der Ecke und kriegen sich nicht ein. Die werden Tage brauchen, sich davon zu erholen.
Flunkerst du auch nicht?, fragte Alischa zweifelnd.
Nein, lachte Tim, ich habe nur ein ganz klein wenig übertrieben. Normalerweise leiden sie lieber so lange, bis sie wirklich sicher sind, dass sie nicht etwa einen Dienst verpassen. Befriedigt sind sie nämlich mindestens eine Stunde lang so faul, dass du sie verdreschen kannst, ohne dass sie auch nur den kleinen Finger für dich rühren.
Tim kippte den Inhalt der Kaffeekanne auf den Boden und pflückte eine Frucht vom Kaffeebaum. Als hätte sich der Schöpfer von Peridëis einen Scherz erlaubt, sah diese Frucht wie eine übergroße Kaffeebohne aus. Tim drehte und zog rhythmisch und vorsichtig am Stiel der Frucht, bis er ihn aus der Frucht herausgezogen hatte. Und tatsächlich: Dampf und Kaffeeduft entstieg der Frucht. Er kippte ihren Inhalt in die Kanne und winkte mit dem Kopf in Richtung Tür: Komm, ich hab inzwischen einen Mordshunger, lass uns endlich frühstücken.
Die beiden gingen durch den Gang zur Taverne zurück und setzten sich wieder, nun den frischen Kaffee zwischen sich.
Als der Kaffee eingeschenkt und das erste Brötchen geschmiert war, fiel Alischas Blick endlich wieder nach draußen. Der Ausblick ins Felsental mit seinem satten Grün und den vielen bunten Blüten war ein Traum, den man woanders direkt in Bargeld hätte umwandeln können.
Sag mal, fragte Alischa, warum ist die Taverne völlig leer und kein Mensch außer uns ist hier?
Tim kaute und anschließend antwortete er: In der Nähe der meisten Übergänge zwischen dem Diesseits und Peridëis ist eine Taverne, wo die Besucher sich gerne treffen, erzählen und ihre Reisen beginnen, aber dieser Übergang hier ist ... nun ... etwas aus der Mode gekommen. Er war verraten worden und man hat versucht, ihn zu zerstören. Die Übergänge reagieren etwas seltsam auf solche Versuche; mir wurde erzählt, wenn es gelingt, sie zu beschädigen, wozu große Gewalt erforderlich ist, dann treten später sehr seltsame, unerklärliche und oft gefährliche Phänomene auf, die man nicht unbedingt voraussehen kann. Du hast es ja selbst erlebt. Man benutzt einen solchen Übergang nicht ohne Not, aber der mögliche Verrat eines anderen Übergangs ist so eine Not. Der Trick ist tatsächlich nur der: bist du erst einmal freiwillig und ohne Druck in Peridëis gewesen, wirst du dich so darin verlieben, ...
Hab ich schon, murmelte Alischa.
... dass du es (Tim lächelte kurz) kaum verraten würdest, also zumindest nicht das Wichtigste: Nämlich wie man hingelangt.
Warum sind die sich so dermaßen sicher, dass dieser Übergang kaputt ist?, fragte Alischa.
Tim schluckte: Sie haben wenige Meter daneben eine Atombombe gezündet.
Alischa holte erschrocken Luft und schluckte. So viel Aufwand?
So viel Aufwand, echote Tim. Sie sahen es als Gefahr.
Denk nicht drüber nach, ergänzte Tim, passiert ist passiert und du bist jedenfalls hier. Für dich gibt es hier gar keine Gefahr und ich soll mir notfalls den Mund fusselig reden, um dir das einzuhämmern. Aber Abenteuer gibt’s hier, dass jeder Schriftsteller seine Seele verkaufen würde, um Stoff für seine Geschichten mit der Sense zu mähen. Für jeden genug und für jeden ganz anders. Ich zeige es dir! - Aber mal was Anderes, ich hatte dir gestern ein hübsches Kleid versprochen, das für die Wanderung geeignet ist, hast du fertig gegessen?
Fertig! Alischa war wieder Feuer und Flamme. Zeig mir, was selbst meine ausgefallenen Wünsche befriedigt!
Na dann komm.
Die beiden gingen wieder zur Treppe, stiegen aber diesmal ein Stockwerk tiefer. Durch Löcher in der Wand fiel etwas Licht auf die Stufen, aber unten wurde es langsam dunkel. Tim ging zu einer Holzkiste, die am Anfang des Gangs stand, und als er diese aufklappte, sah Alischa zahlreiche Fackeln darin liegen. Tim nahm zwei heraus und schloss den Deckel wieder. Pass auf, sagte er, Zauber, Zauber, Fidibus, es werde Licht! - Er zog eine Art Korken vom oberen Ende der Fackel ab und diese begann plötzlich, von alleine mit hellem Licht zu brennen. – Gut, nicht? Eine Instant-Fackel sozusagen.
Wie funktioniert das?, fragte Alischa.
Da oben ist eine Art Harz drin, das sich bei Kontakt mit Luft von selbst entzündet.
Lass mich raten, meinte Alischa, und es gibt einen Baum, wo Früchte mit diesem Harz wachsen, oder?
Donnerwetter, du lernst ja schnell, lachte Tim. Aber in diesem Fall kann ich dir die genauen Details nicht erläutern, ich weiß bloß, wie man die Dinger benutzt und dass man sich nicht die Finger verbrennen soll. Komm, nimm du die andere!
Alischa nahm die andere Fackel, zog den Korken ab, und siehe da, auch aus ihrer Fackel begann eine helle Flamme zu lodern.
Du hast ab jetzt ungefähr eine Stunde, um dir ein Kleid auszusuchen, lästerte Tim, aber es darf auch weniger sein. In diesem Fall suchst du einen der Fackelhalter an der Wand und steckst das Ding da einfach rein und fertig. Aber jetzt komm.
Am Ende der Treppe öffneten sich mehrere Gänge, die ins Innere des Felsens führten. Einen davon wählte Tim. Links und rechts des Gangs waren Holztüren, die wer weiß wohin führten. Durch den Gang wehte ein ganz leichter Windzug, irgendwo musste also noch ein zweiter Ausgang sein oder zumindest eine Luftöffnung. Nach nicht einmal einer Minute waren sie offenbar am Ziel; Tim blieb vor einer Tür stehen und verdeckte mit seiner linken Hand ein kleines Holzschild, das an der Tür hing. »Intershop« steht hier dran, kommentierte er, hier drin gibt’s alles, was dein Herz begehrt. Alles kostenlos, nur eins hast du nicht unendlich: Zeit. In knapp einer Stunde stehst du im Dustern.
Aber wieso, protestierte Alischa, in der Kiste waren doch noch mehr Fackeln drin?
Du spinnst ja wohl, knurrte Tim, so kann nur eine Frau antworten. Du hast eine Stunde und nicht mehr, könntest du auch ein bissel an mich armen Menschen denken? Also rein mit dir und verschwende nicht unnötig deine Zeit!
Er öffnete die Tür.
Alischa hatte einen Raum erwartet, sah aber einen neuen Gang. Nur war dieser nicht leer. Er glich einem Umkleideraum, rechts und links waren zahlreiche Haken an der Wand, an denen auf Bügeln Kleider hingen, soweit das Auge reichte, und ab und zu standen Holzhocker dazwischen oder waren Spiegel angebracht. Und Fackelhalter gab es zahlreiche. Auch in diesem Gang war eine ganz leichte Luftbewegung zu spüren.
Die Kleider waren sehr unterschiedlich, schwarzes, rotes oder braunes Leder, verschiedene Stoffarten, gummiartige Kleider, Kleider, aus Metallketten mit oder ohne Zierrat dazwischen, kurze Kleider, lange Kleider, ein- und zweiteilige Kleider, und alle hatten eins gemeinsam: Kein einziges Kleid war so geschnitten, dass es die Brüste bedeckte. Aber es war ganz erstaunlich, auf wie viele verschiedene Weisen man die Brüste bloßlegen konnte - anheben, zusammendrücken, nach unten drücken, großflächig freilassen, durch Schlitze freilassen, durch kreisrunde, ovale oder dreieckige Öffnungen freilassen, einschnüren, in Eisen fassen, gleich am Körper freilassen oder erst nach einer Ausrichtung in jede denkbare Richtung freilassen und was auch immer. Und außerdem fanden sich auch noch Kisten mit Zubehör oder Schmuck, der wohl für die Brustwarzen oder die Brüste insgesamt gedacht war, Ketten, Umhänger, kurz: Ein unüberschaubares Angebot an traumhaft unanständiger Bekleidung.
Gibt’s auch Unterwäsche hier?
Nein. In Peridëis gibt es keine Unterwäsche. Und auch keine Schuhe und Hüte, die nicht direkt eine Funktion haben. Es wird ja nie kalt und die Sonne ist auch nie so, dass sie dich fertigmacht. Ans Barfußlaufen hat man sich schnell gewöhnt, glaub’s mir. Oder hat es dich bisher gestört?
Nein, hatte es nicht. Der Stein war unter Alischa immer angenehm temperiert gewesen.
Da Alischa fast Panik bei dem riesigen Angebot bekam, griff sie sich einfach eins der Kleider in ihrer Nähe. Es war ein rotes Stoffkleid mit Blumenornamenten. Sie ließ es sich über den Kopf fallen. Mit einigen Schnüren wurde es am Körper straffgezogen. Als sie sich vorm Spiegel hin und her drehte und ihr Blick auf ihre Brüste fiel, ging es ihr siedendheiß den Rücken hinunter. Sie drehte sich zu Tim um und sagte: Ich bin doch wirklich ein egozentrisches Etwas! Brauchst du nicht meine Milch, um hier leben zu können? Tut mir leid, dass ich daran nicht gedacht habe, du kümmerst dich hier die ganze Zeit um mich, stehst früher auf, machst und tust und ich denke nur an mich selber ... aber es ist alles so neu... Willst du?
Sie hielt Tim, der neben ihr auf einem der Hocker Platz genommen hatte, ihre linke Brust hin. Die Brust, die bisher immer am meisten Milch gegeben hatte. Irgendwie war ihr das gerade wichtig.
So furchtbar ist es nun auch nicht, wiegelte Tim ab, aber als Gourmet werde ich dein schlechtes Gewissen für zwei oder drei Schluck ausnutzen, nachher haben wir Zeit für mehr.
Alischa spielte mit, machte einen Knicks und hob anschließend ihre linke Brust mit ihrer Hand zu seinem Mund, während sie Tim mit der anderen Hand zu sich heranzog. Als er saugte, spürte sie eine augenblickliche Reaktion in ihrer Brust, an den Brustansätzen unter den Achseln und der Schulter beginnend und sich nach vorne ausbreitend, so als würde die Brust sich in Richtung Brustwarze auswringen wollen. Das Strömen der Milch war fast wie ein leichtes Stechen spürbar. Aber Tim sog tatsächlich nur, bis das aufgebraucht war, was die Brüste als Sofortangebot zur Verfügung hatten und Alischa blieb auf dem sitzen, was hinten in den Brüsten als Hauptangebot aufzuwallen begann.
Danke, sagte er schlicht, als er abgesetzt hatte und Alischa war fast enttäuscht. Aber wie gefällt dir das Kleid, das du gerade anhast?
Alischa drehte sich vor dem Spiegel. Ihre Höfe und Brustwarzen sahen noch ganz langgezogen von Tims kräftigem Sog aus. - Nein, das Kleid ist es eher nicht, kommentierte sie, und zog es über den Kopf wieder aus. Tim nahm es ihr ab und hängte es ordentlich wieder auf.
So liefen sie den Gang entlang und Alischa probierte Kleid um Kleid, bis Tim sie an die verstrichene Zeit erinnerte.
Dann steht fest, was ich will, meinte Alischa und beide liefen zurück zu einem Kleid, das sie zuvor oft hin und her gedreht hatte. Es war ein langes weinrotes Kleid, das mit goldfarbener Spitze und Schmucksteinen reichlich verziert war und das vorne und hinten vom Schritt bis zum Boden nur netzartige Spitze statt festem Stoff hatte, sodass es reizvolle Einblicke bot, ohne gleich alles preiszugeben. Und natürlich war der Rockteil des Kleids so geschnitten, dass man die Stofflagen leicht beiseiteschieben konnte. Tim zeigte Alischa Haken im Rock, an denen man die Stofflagen hochknöpfen konnte, wenn sie störten. Zum Beispiel wenn was rausmusste oder wenn was reinsollte.
Fertig!, strahlte Alischa. Das Kleid und kein anderes!
Schick, lobte Tim. Es wird beim Laufen wohl etwas auf dem Boden schleifen, aber mach dir bloß keine Gedanken deswegen. Es passt zu dir. Und um ein neues Kleid zu bekommen, musst du nur wenig Milch geben, weil hier ziemlich alle Frauen fantastische Schneiderinnen sind.
Man kann mit seiner Milch bezahlen?
Ja, klar, wovon sollten alleinstehende Frauen denn sonst leben?
Wie wär’s mit arbeiten?
Dürfen sie in Peridëis nicht, weil das auf die Milch geht, antwortete Tim. Kennst doch den Spruch: »Eine Kuh, die pflügt, gibt keine Milch.« Hier heißt es: »Zieht die Frau am vollen Karren, zieht der Mann an leeren Brüsten.« und es gibt noch zahlreiche andere Sprichwörter in dieser Richtung. Also gehst du auf den Markt und bietest deine Milch an.
Und die kann man da einfach so verkaufen?
Ja. Jeder alleinstehende Mann braucht reichlich und außerdem werden der Brustmilch derartig viele Wirkungen zugeschrieben, dass man sich schon fast an den Kopf fassen muss. Du wirst sie also immer los, die Frage ist nur der Preis und das ist wiederum eine Zeitfrage. Bezahlt wird nämlich im Grunde nicht nach Menge, sondern nach Zeit, weil unterstellt wird, dass eine Frau erst nach zwei Stunden wieder eine vollwertige Milch gibt.
Warum das?
Die Männer haben beobachtet, welche Milch wie lange bei ihnen wirkt. Die höchste Wirkung hat Milch, deren Spenderin mindestens zwei Stunden lang nicht gemolken wurde, wobei viel Milch nicht besser als drei Tropfen wirkt. Die Menge ist nur Zugabe, genau wie ein besonderer Geschmack oder Duft der Milch, eine besondere Farbe oder so etwas. Kriegt der Käufer nur wenig Milch aus deiner Brust heraus, wird eher unterstellt, dass er etwas falsch gemacht hat. Deshalb sind Händler, die viel Milch in kleinen Portionen weiterverkaufen wollen, Meister der Brusterotik, um dir auch wirklich das letzte Tröpfchen aus dem hintersten Winkel der Brust entlocken zu können. Meist will ein Käufer aber eher sichergehen, dass deine Milch eine starke Wirkung hat. Bist du fremd, wird er dich zu seiner Sicherheit vielleicht zwei Stunden lang festhalten wollen, damit weder du noch ein anderer dir Milch nehmen kann, und erst danach wird er dich melken. Bist du ihm dagegen bekannt und hast du einen guten Leumund, dann wird er dir aber auch so glauben - ich meine, die Qualität ist ja später spürbar und wenn du schummelst, dann hast du deinen Ruf verdorben. Ein guter Leumund entscheidet auch darüber, ob deine Milch bloß als 0815-Milch durchgeht, oder ob sie was Besonderes ist, also eine spezielle Sorte, vegetarisch oder Vollkost, eine spezielle Geschmacksrichtung, wofür einige Frauen ziemlich viel Aufwand treiben, oder auch die Milch berühmter Frauen. Du selbst wirst eher umgekehrt aufpassen müssen, weil die Milch von Peris und Besucherinnen, also Hexen, die allerwertvollste ist. Bloß ist es nicht gut, dass die Leute das auch sofort merken. Ansonsten kann Markenmilch aber noch einmal extra sehr viel Geld bringen, besonders frische Milch, die nicht in versiegelten Phiolen verkauft wird [21].
Frische Milch? Aber wie wird das denn gemacht, das müsste doch direkt aus der Brust sein?
Ja. Aber einfach so machen es in einigen Gegenden nur die unverheirateten Frauen. Manchmal gibt es eine Trennwand, wie du sie in der Taverne gesehen hast, normalerweise aus Holz und mit einem oder zwei Löchern für die Brüste. Du als Frau stellst dich auf die eine Seite und wirst dort festgebunden, damit der Käufer entscheidet, wann die Brust alle ist und du sie nicht vorher wegziehen kannst, und der Käufer ist auf der anderen Seite. Er hat auf jeden Fall das Recht, die Brüste nach eigenem Gutdünken völlig zu leeren. Als ideal sieht man es an, wenn sich die milchgebende Frau und der Milchkäufer weder sehen noch hören, also wenn er wirklich nicht weiß, wessen Milch er gerade trinkt und sie nicht weiß, welcher Mann gerade ihre Milch trinkt. Oft ist bei den Melkereien der Eingang für die Frauen sogar hinten und der für die Männer vorne oder sonst wie so eingerichtet, dass sich Männer und Frauen nicht erkennen können. Und vorne sitzt der Milchmakler, dem der Marktstand gehört. Er passt auf und nimmt und gibt das Geld. Ist er angesehen, dann nimmt er nicht jede Frau, zahlt aber besser und nimmt mehr von den Käufern. Milchmakler sind oft wirkliche Kenner und können Qualität sicher von minderwertiger Ware unterscheiden. Aber du findest natürlich auch Frauen an zahlreichen anderen Orten, die ihre Milch einfach frei anbieten und vielleicht der Form halber einen Kasten mit Löchern oder auch bloß ein Brett mit zwei Löchern dabeihaben oder sogar bloß sich selbst. In so einem Fall ist der Kauf reine Vertrauenssache. Sieht sie ehrlich aus, dann zahlst du als Mann halt einen halbwegs anständigen Preis und wenn nicht, musst du verhandeln. Bei Kleinigkeiten kann man seine Milch auch noch für einen symbolischen Preis anbieten. Zum Beispiel ein paar Spritzer frisch aus der Brust für eine Bratwurst auf dem Markt oder einen Strauß Blumen oder die vielen Kleinigkeiten, die die Leute mehr aus Zeitvertreib herstellen und verkaufen. Du zeigst dann eher, dass die Sache für dich einen Wert hat. Der Preis und die Umstände sind aber überall anders. Bloß eins kannst du als Frau eben nicht: arbeiten. Ziemlich schnell würde jemand kommen und dir was erzählen von Unanständigkeit und dass es Frauen nicht zusteht, ihren Körper für niedere Tätigkeiten zu missbrauchen und zuschanden zu machen, und dass es auf die Milch geht, wenn man arbeitet und noch andere Sachen in dieser Richtung. Als Mann ... tja. Da muss man eben schnorren oder eine Arbeit verrichten oder den Hengst machen.
Den Hengst machen?
Na ja, falls die Frau gerade ... weißt schon.
Ah! Alischa schwieg beeindruckt und musste das Gesagte erst einmal verarbeiten. Dabei fiel ihr ein, dass sie endlich ihr schickes Kleid anziehen könnte. Tim half ihr dabei.
Toll siehst du darin aus, murmelte er.
Alischa drehte sich vor dem Spiegel hin und her und gefiel sich. Nur an den Brüsten war sie sich nicht ganz sicher, weil der Unterbrustteil des Kleids so geschnitten war, dass die Brüste etwas nach unten guckten. Sie zog an den Brüsten herum, um zu sehen, ob das zu ändern wäre, aber Tim hielt ihre Hand fest: Lass es. Es sieht perfekt so aus, glaub es mir, Männer sind die besseren Fachleute, um eine Beurteilung der Brüste hinsichtlich ihrer optischen Wirksamkeit geben zu können.
Alischa, die gerade schräg nach unten schaute, sah, dass er offenbar nicht log. Keine volle Erektion, aber geschwollen und leicht angehoben. Gut!, sagte sie, Fertig! Wir können gehen. Sag mal, wachsen all die schicken Sachen etwa auch an Bäumen?
Nein, antwortete Tim, nur im Rohzustand. Du könntest sie so durchaus anziehen, aber der ganze Schmuck fehlt. Für viele Frauen hier ist es ein ernstes Hobby, Kleider möglichst prachtvoll auszugestalten, das ist auch die einzige Arbeit, die sie, abgesehen von Kochen, Handel und kreativen Sachen, machen dürfen. Halt so leichte Sachen, die nicht anstrengen. Die Kleider werden dir oft regelrecht nachgeworfen und die Verkäuferinnen sind stolz, wenn du ein Kleid zum Wegwerfen dalässt und dafür ihr Haus mit ihrem selbstgemachten Kleid verlässt. Aber eine andere Sache ist es, die Rohware auch im Wald zu finden, das ist noch so ein Ding zwischen Hobby und Arbeit, manchmal suchst du wochenlang, bis du vielleicht ein Waldstück mit den perfekten Kleidern findest, die du für deine Gestaltungsidee suchst. Genauso mit vielen Alltagsgegenständen - es ist eine Sache, dass sie fertig an Bäumen wachsen, aber eine andere Sache, sie zu finden und vielleicht noch etwas aufzuhübschen. Hier in dieser Taverne ist es so, dass die Leute den Neuen aus Nettigkeit ein paar gute Sachen bereitlegen, damit du erst mal was hast. Das Kleid von gestern lassen wir hier, das geht in Ordnung. Zum Mitnehmen wäre es zu viel und es ist auch nicht nötig.
Hm.
Keine Widerrede, wir haben keinen Möbelwagen, und hier muss man sowieso kaum etwas auf eine Reise mitnehmen.
Hm.
Ansonsten kommt hier in diese Taverne eigentlich keiner mehr her.
Warum denn?, fragte Alischa.
Weil kein Besucher mehr durch den Übergang geht, durch den wir gekommen sind. Er ist verraten, beschädigt und draußen verseucht. Nur für Erstbesucher wird er noch benutzt. Sonst hätten wir etliche Leute getroffen. Aber wart’s ab, du wirst noch andere Übergangsorte kennenlernen und andere Besucher. Alleine ihre Geschichten sind schon den Besuch wert. Aber vorher musst du ja selber erst einmal Peridëis kennenlernen. Das wird dir gefallen, und wie...
Wuffffff, machte es und die Fackel erlosch. Wuffffff. Auch Alischas Fackel war aus.
Mist, sagte Tim, eben hatte ich noch daran gedacht. Lehne dich gegen die Wand, bis sich unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben.
Beide lehnten schweigend mit dem Rücken an der Wand. Alischa hörte den Atmen Tims und hing ihren Gedanken nach. Eine phantastische Welt war das...
Nach einiger Zeit war Alischa so, als würde sie die Konturen des Raums wieder erkennen können, und dann noch etwas mehr, und noch mehr. Nach vielleicht zehn Minuten konnte sie sich sicher orientieren. Der Raum war in ein dunkles grünes Licht gehüllt - und das Licht schien von den Wänden auszugehen, denn die Kleider und die Gegenstände blieben dunkel.
Wo kommt das Licht her?, flüsterte Alischa.
Rede ruhig normal, antwortete Tim. Das Licht kommt direkt aus den Felsen. Es gibt auch Felsen, die in anderen Farben leuchten. Sieht toll aus, ja?
Noch einige Augenblicke später nahm Tim Alischa an der Hand und führte sie durch die Gänge nach draußen. Da in den Gängen keine Gegenstände herumstanden, wirkten dort die Konturen des Ganges und die Eingangstüren zu anderen unterirdischen Räumen besonders eindrucksvoll, zumal manche Gesteinschichten heller und andere dunkler waren, was interessante Muster ergab. Aber man musste trotzdem vorsichtig laufen, weil das Leuchten wirklich schwach war.
Endlich waren sie wieder oben in der Taverne und Alischa blinzelte geblendet durch die Fensterbögen in die schöne Landschaft, die in aller Pracht vor ihnen lag.
Der Spiegel ist ganz am Ende des Raums, ließ sich Tim von hinten vernehmen.
Ach ja! - Alischa machte sich auf den Weg und betrachtete, am Spiegel angekommen, aufmerksam ihr Kleid. Es war immer noch genauso hübsch und die eingearbeiteten Schmucksteine und die Goldfäden glänzten freudig in der Sonne. Außerdem fiel Alischa erst jetzt auf, wie hübsch ihre freigelegten Brüste von einer wiechen Borte aus Blütenornamenten umrahmt waren, als wären sie die größte Pracht des Kleids, die besonders betont werden müsste.
Tim ließ ihr genug Zeit, sich zu betrachten.
Und wirklich alle Frauen hier tragen ihre Brüste frei?, fragte sie, während sie sich hin und her drehte.
Alle, bestätigte Tim. Stört es dich?
Im Gegenteil, knurrte Alischa. Euch Männer doch wohl auch nicht, oder?
Niemals.
Alischa kicherte. Schön, dass unsere weiblichen Bemühungen beachtet werden.
Klingt aber manchmal anders.
Heuchelei. Erzähle einer Frau glaubhaft, dass sie dich sexuell nicht interessiert und sie wird fuchtig.
Bei der Gelegenheit, sagte Tim gedehnt und packte Alischa von hinten kräftig an den Schultern. Genug geguckt, es wird Zeit, dass ich dich melke.
Stimmt. Wo willst du es machen?
Zwei Stockwerke höher. Nirgendwo geht das stilvoller, als in diesen Tavernen, antwortete Tim. Hier gibt’s schließlich tausendundein Gerät für tausendundeine Idee, die Frau zu melken. Komm mit!
Alischa folgte Tim die Treppe hinauf.
Im Melkraum angekommen wies Tim auf ein relativ einfach gebautes senkrecht stehendes Lattenrost mit Arm- und Beinschlaufen. Er schob Alischa dagegen, zog ihre Brüste zwischen zwei der Latten auf die andere Seite hindurch und schnallte Alischas Arme und Beine fest. Alischa hatte ein seltsam wohliges Erwartungsgefühl, auch die Fesselung empfand sie in ihrem grenzenlosen Vertrauen zu Tim als einen sehr angenehmen Vorgang und den Zustand des Gefesseltseins als einen sehr angenehmen Zustand. Jetzt kippte Tim das Lattenrost langsam nach vorne, holte sich einen Becher und setzte sich auf einem Hocker vor Alischa hin. Am Lattenrost befestigt war ein verstellbares Brett, das Tim so verschob, dass Alischas Brüste genau darüber hingen. Alischa konnte es in ihrer jetzigen Kopfhaltung gut beobachten. Nun stellte Tim den Melkbecher unter ihre rechte Brust und begann, diese mit beiden Händen behutsam vorbereitend zu massieren. Alischa schnurrte auf und schloss die Augen. Finger griffen vorsichtig in die Strukturen ihrer rechten Brust hinein, Finger massierten diese, lockerten sie, schüttelten sie und fingen schließlich an, die Milch daraus hervorzulocken. Alischa spürte das Zusammenziehen ihrer Brüste, eine Gänsehaut und schließlich, wie Milch stetig mehr werdend durch ihre Brustwarzen nach außen strömte und schließlich im Rhythmus der Melkbewegungen spritzte. Ein ganz eigener Rhythmus, langsam, stetig, sehr fordernd und durchaus mit Nachdruck und kräftig ziehend. Die linke Brust, dann wieder die rechte, noch einige Male wechselnd, zwischendurch das Drüsengewebe massierend, um die letzten Winkel der Brüste zu leeren ... und schließlich sagte Tim: Leer!, und schnallte Alischa los. Schau, wie viel Milch du gegeben hast.
Alischa schaute. Erstaunlich, was in so kurzer Zeit machbar war.
Du ... sag mal ..., Alischa druckste, eigentlich habe ich mir doch eine Belohnung verdient, oder?
Hast du! Woran hast gerade du gedacht?
Du hast mir doch gestern was versprochen ... in dem Raum unten.
Im Spielzimmer.
Ja.
Komm mit. Ich tue es. Aber erst nehme ich meine Belohnung.
Er sagte es und trank Alischas Milch aus.
Alischa aber jubelte. Kurz danach lachte sie laut. Zu Hause darf aber keiner wissen, dass ich einen Mann bitte, mich zu schlagen und auch noch jubele, wenn er es tut. Du machst es ganz vorsichtig, ja?
Ganz vorsichtig? Weiß ich noch nicht.
Echt?
Auf gar keinen Fall wirst du mir Regieanweisungen geben. Dann bleibst du unverhauen. Du musst mir also vertrauen.
Hm.
Und?
Hm. Aber du übertreibst es nicht?
Nein. Vergewaltigen darf ich dich ja leider nicht.
Alischa lachte. Aber das Hauen. Das übertreibst du auch nicht?
Sage ich dir nicht.
Seltsamerweise sah Alischa keinen Grund, nicht zum Spielraum mitzugehen. Sie ließ sich willig über einen großen Holzbock legen, wo ihr Tim Hände und Füße fesselte und dann ihr Kleid so zurückschlug, dass ihr Po freilag. Sie machte es einfach. Es war erregend. Sehr erregend. Er hatte ihr gar nichts versprochen. Fest stand nur, dass sie in wenigen Augenblicken von einem Mann gezüchtigt werden würde. Geschlagen. Er würde ihr den Hintern versohlen.
Bitte schlag mich, flüsterte Alischa. Dann schloss sie die Augen in banger, aber sehr erregter Erwartung.
Ich nehme die flache Hand, sagte Tim.
Ja, hauchte Alischa.
Ein winziger Augenblick verging.
Watsch!, zischte die Hand Tims auf Alischas nacktem Po.
Fffffff, machte Alischa. Ihr Po brannte.
Aber Alischa hielt still.
Watsch!, zischte die Hand Tims erneut auf Alischas nacktem Po. Es zog ordentlich – Tim hatte nicht zaghaft zugeschlagen.
Dreimal geschah es insgesamt.
Jetzt fragte Tim: Hältst du mehr aus?
Ja!, sagte Alischa ohne zu zögern. Schlägst du mich volle zehn Mal? Schlägst du mich bitte volle zehn Mal? Auch wenn ich zwischendurch Nein sagen würde?
Watsch!
Watsch!
Wieder und wieder traf die Hand Alischas Po und es brannte höllisch. Doch Alischa bat nicht darum, dass Tim aufhören sollte. Sie presste sich nur in den Bock und empfing in einem Sonderzustand rasender Erregung die klatschenden brennenden Schläge einem nach dem anderen, und doch als eine gesamte Sache. Erst als alle zehn Schläge vollführt waren, bat Alischa, der die Tränen aus den Augen liefen: Ich würde mich gerne befriedigen. Bitte.
Tim band Alischa zügig vom Bock los, massierte ihr kurz die Handgelenke, auf denen Seilabdrücke zu sehen waren, wischte ihr sehr vorsichtig, aber zügig, mit seinen Fingern die Tränen aus dem Gesicht, und dann trug er sie zu einer Liege. Dort legte er Alischa ab, schlug ihren Rock zurück, legte Alischas Hände in ihren Schoß, dessen Dreieck schlüpfrig gefüllt war, und dann setzte er sich selbst auf einen Hocker direkt neben sie, wobei er aber seine Ellenbogen bequem auf der Liege absetzte und sein Kinn auf seine Hände stützte. Auf diese Weise schaute er zu, wie Alischas Schenkel sich weit spreizten und ihr Befriedigungsfinger, der mittlere, sofort zu ihrem Pünktchen im Schoß glitt und vibrierte, während zwei Finger der linken Hand den Zugang geöffnet hielten. Alischa hatte ihren Kopf zu Tim hingedreht und starrte, halb abwesend, mit glasigen Augen auf dieses Bild: Den begehrten unerreichbaren Mann, bekleidet, aber mit freigelegtem Penis und barfüßig, der Mann, für den sie Milch gab, damit er leben konnte, der sie beschützte, und der sie eben gezüchtigt hatte. Da kam sie in einer langsam, sehr langsam aufwallenden warmen Welle, die sie lange auf ihrem Gipfel trug, bevor sie allmählich wieder verebbte.
Ruh dich noch einen Augenblick aus, sagte Tim und berührte Alischa dabei kurz mit seiner Hand an der Schulter. Ich bin gleich wieder da.
Alischa träumte mit wachen Augen, während sie langsam wieder zu sich kam. Ihr Po brannte und das fühlte sich erstaunlich gut an.
Der Mensch ist seltsam, dachte Alischa. Zigtausend Jahre menschliche Entwicklung und trotzdem ist noch so viel Tier in einem drin. Und wir verleugnen das. Nein, muss ich ja gar nicht, dachte Alischa. Jedenfalls nicht hier. Mein Kleid ist extra so geschnitten, dass ich an mich rankomme. Oder andere an mich rankommen. Und alle hier tragen solche Kleider und bekommen Befriedigung, sobald sie es wollen. Wie sie es wollen. Was für eine Welt... Warum ist das eigentlich in der übrigen Welt ... dem Diesseits ... ein solches Problem? Bonobo-Affen haben doch auch kein Problem damit und sind dazu noch unsere nächsten Verwandten [22].
Allmählich kam Alischa wieder zu sich und fühlte sich frisch und ausgeruht. Just in dem Moment, als sie sich aufrichtete, kam Tim zurück. Er hatte einen mittelgroßen Lederrucksack dabei und einen kleinen, der offenbar für Alischa bestimmt war.
Etwas Wegzehrung und was wir sonst noch unterwegs brauchen, sagte Tim und klopfte auf den großen Rucksack.
Ich denke, hier wächst alles an Bäumen? Warum das Geschleppe?
Wasser findest du in der Regel, weil fast jedes Tal einen Bach hat, antwortete Tim, aber es gibt nicht alle Pflanzen überall. Also brauchen wir etwas, um gefundenes Essen transportieren zu können.
Das leuchtete ein.
Komm sagte Tim, es wird Zeit, dass wir aufbrechen.
Und wer räumt auf?, fragte Alischa zurück.
Tim zwinkerte mit den Augen: Dafür gibt’s Personal.
Deshalb also konnte das andere Kleid unten einfach liegenbleiben. Alischa hatte nichts dagegen. Beide stiegen die Treppen zum Schankraum hinunter und Alischa bedauerte fast, die schöne Örtlichkeit mit ihrem traumhaften Ausblick verlassen zu müssen. Aber ihre Neugier auf Peridëis überwog. So stiegen sie die große Freitreppe von der Fels-Taverne ins Tal hinunter. Mit noch immer brennendem Po.
Der azurblaue Pflasterweg
Als Alischa und Tim von der Taverne herabgestiegen und unten im Tal angelangt waren, liefen beide nebeneinander, er mit dem großen Vorratsrucksack, sie mit ihrem winzigen Rucksack, der nur wenig die Ästhetik ihres Kleides störte. Die Luft strich angenehm zwischen ihren Beinen hindurch, da machte sich bemerkbar, dass der Rockteil ihres Kleids in der Mitte vorne und hinten mit Spitze freigelegt war, und ihre Brüste wippten im Takt ihrer Schritte. Alischa hatte mal gelesen, dass die Frauen in manchen afrikanischen Stämmen genau deshalb eine Schnur waagerecht um Schulter und obere Hälfte der Brüste trugen. Aber nicht, weil das Wippen störte, sondern weil »hüpfende Brüste die Männer verrückt machen«, wie die Frauen das formulierten. Genau das schien hier aber gar kein Problem zu sein ... oder Teil der Lösung. Was für eine Welt. Alischa hatte eine regelrechte Euphorie erfasst. Vor ihr lag das Paradies, das Abenteuer bereithielt, extra für sie gemacht, Geheimnisse und viel Spaß, nicht eingeschränkt durch eine verlogene Scheinmoral.
Da sah Alischa vor sich zwischen den Bäumen einen Weg, der mit glänzenden blauen Backsteinen belegt war und an beiden Seiten einen Begrenzungsstreifen aus gelben Backsteinen hatte.
Diesen Weg gehen wir!, sagte Tim, das ist der azurblaue Pflasterweg.
Mein Po brennt, sagte Alischa.
Tim lachte.
Sag doch mal - wie ging es dir dabei?, fragte Alischa.
Seltsam erregend.
Du willst nicht darüber reden?
Doch, schon. Aber ich glaube, ich brauche noch Zeit dafür.
Hat es dir denn nicht gefallen?
Doch. Das ist ja gerade das Problem.
Warum Problem, wenn es mir gefallen hat?
Weil mir mein Leben lang beigebracht wurde, dass ein Mann das nicht darf. Und jetzt habe ich gemerkt, dass mich das aber sehr erregt.
Daher weht der Wind, sagte Alischa nachdenklich. Aber dafür, grübelte sie laut, dürfen Frauen ihre Beine nicht einfach öffnen, wenn es ihnen gefällt. In manchen Gegenden der Welt wirst du als Frau dafür sogar umgebracht. Hilft dir das weiter?
Dein Vergleich hat was, sagte Tim. Im Zeitalter funktionierender Verhütung fragt sich aber, warum es diese Norm noch immer gibt. In anderen Gegenden der Welt oder früher mal, gut, da konnte es eine Frau immerhin ins Unglück stürzen, unverheiratet schwanger zu werden. Aber bei uns? Heute? Eigentlich wäre es egal, solange sie frei und ungebunden ist. An der Stelle spinne ich mal weiter. Zumindest bei uns ist es kein Thema, dass Frauen und Männer die gleichen Rechte haben. Unter diesen Umständen wäre es doch eigentlich egal, wenn sich eine Frau entscheidet, diese gar nicht haben zu wollen. Oder auch umgekehrt. Geht es schief, kann sich das Paar trennen oder noch einfacher, man nimmt sich seine Rechte wieder. Ist da ein Denkfehler drin?
Dass es im echten Leben oft nicht ganz so einfach ist, sagte Alischa und setzte nach: Ich will jetzt keinen Unfug erzählen, nur um mir Vorteile zu verschaffen.
Was das echte Leben anbelangt, sagte Tim, wir sind hier im Peridëis und da gehen Träume in Erfüllung. Aber trotzdem ist was dran. Was allerdings auch fürs Beinebreitmachen gilt. Ungewollte Schwangerschaften, Krankheiten, dumme Leute, was weiß ich.
Aber auch da gilt: Wir sind in Peridëis und da gehen Träume in Erfüllung, lachte Alischa. Hier kann ich bedenkenlos die Schenkel öffnen, wann immer ich will?
Natürlich. Wie in einem Traum, wie beim Bücherlesen, Film gucken.
Dann darfst du mich auch bedenkenlos, überwältigen, fesseln, auspeitschen?
Ich bemerke, dass du das Vergewaltigen rücksichtsvoll weggelassen hast.
Alischa lachte.
Wie hat sich das eigentlich angefühlt?, fragte Tim.
Es hat wehgetan, sagte Alischa. Trotzdem war es hochgradig erregend. Aber das ging mir schon beim Fesseln so. Ich habe dabei Gedanken gehabt, die noch viel weiter gingen, aber mit diesen Untiefen meiner Seele muss ich erst einmal selber ins Reine kommen. Es könnte sein, dass sich so etwas bei mir im richtigen Moment bis zum Höhepunkt steigert. Würdest du es wieder für mich tun?
Gib mir etwas Zeit.
Gut, Themenwechsel!, sagte Alischa. Erzähle, was haben wir jetzt vor und was gibt es hier alles? Warum bin ich hier? Ich und niemand anderes?
Wir beide ziehen jetzt zur Roten Rosenstadt, wo du dich einer der Peris offiziell vorstellen wirst, antwortete Tim, und die sagt es dir. Darüber hinaus bringst du dich selbst ein, du bereicherst Peridëis durch dein Hiersein. Und zwar nicht wenig, sonst hätten dich die Peris nie herholen lassen.
Ich?, fragte Alischa verwirrt. – Was soll denn an mir Besonderes sein?
Offenbar ist an dir aber etwas Besonderes, antwortete Tim. Irgendetwas, das einfach da ist. Ich habe jedenfalls nicht den Auftrag, dass du etwas tun sollst. Ich zeige dir einfach das Land und irgendwann sind dann wir in der Roten Rosenstadt angekommen. Dazwischen gibt’s eine Menge Dinge, die ich selber nicht weiß. Ich verspreche dir einen ganz wunderbaren Urlaub. Lassen wir uns überraschen!
Und dann?
Und dann? - Dann könntest du zwischendurch auch mal nach Hause zurückkehren und wiederkommen und nach Hause zurückkehren und wiederkommen und so weiter. Ich bringe dich dafür auch noch zu einer anderen Taverne. In deren Nähe liegt ebenfalls ein Übergang ins Diesseits. Und weißt du, wohin der führt?
Und?
Direkt nach Hause ohne Umweg per Flugzeug.
Ach nee. Da hätten wir den Weg hierher aber auch einfacher haben können.
Hätten wir. Theoretisch.
Lassen wir uns also überraschen, lachte Alischa und beide zogen los, den azurblauen Pflasterweg entlang, gespannt auf das, was vor ihnen lag.
Der azurblaue Pflasterweg zog sich durch ein langgestrecktes Tal zwischen schwindelerregend hohen gelb-roten Felsen dahin. Mal war das Tal breiter, mal war es schmaler, und ab und zu mündete ein anderes Tal ein. Sie aber folgten dem azurblauen Pflasterweg. Ein klarer Bach begleitete sie, der ab und zu ein winziger See wurde, in dem man gut baden konnte. Manchmal mündete ein anderer Bach ein, manchmal aber teilte sich der Bach auch, um Wasser für ein abzweigendes Tal abzugeben. Blumenbedeckte Wiesen wechselten sich mit undurchdringlichem Dschungel ab, der gerade so noch dem Weg Durchlass gewährte.
Zum Übernachten suchte Tim eine der zahlreichen kleineren und größeren Höhlen aus, die sich in den hohen Felsen fanden. Man hätte durchaus draußen schlafen können, denn warm genug war es zu jeder Zeit, aber in der Zeit kurz vorm Sonnenaufgang regnete es ab und zu. Tim erzählte Alischa, dass es nahezu ausschließlich nachts regnete, weil die Luft sich oben etwas abkühlte, während hier zwischen den Felsen der Boden auch nachts noch genug Tageswärme abstrahlte. Aber weiter oben reichte die Abkühlung, um verdunstetes Wasser zu Tropfen zu kondensieren und wieder herabfallen zu lassen. Die nötige tiefe Temperatur wurde kurz vorm Sonnenaufgang erreicht. Der Regen erwärmte sich unterwegs und unten kam warmer Sommerregen an. Wer davon überrascht wurde, konnte sich einfach nackt ausziehen, um die Kleidung trockenzuhalten, und wenn der Regen nach spätestens einer halben Stunde vorüber war, zog man die Anziehsachen wieder an. So einfach war das.
Institut für Spezialphysik (Objekt P)
Kundschafter im Dienst
Das Eingangstor von Objekt P trug ein Schild mit der Aufschrift »Institut für Spezialphysik«. Dahinter befand sich etwas zurückgesetzt ein kleines ehemaliges Forsthaus mit Garten, das von einem eigenen Zaun mit Hecke umgeben war. Das hatte man weniger aus Sicherheitsgründen so gelassen, sondern weil etwaige objektfremde Personen aus Geheimhaltungsgründen nicht ins Institutsgebäude gebracht werden sollten. Der Garten war trist und lieblos gestaltet, aber sehr ordentlich gepflegt. Die Inneneinrichtung des ehemaligen Forsthauses war neu, blitzsauber und wenig abgenutzt, aber geschmacklos, was durch die Beleuchtung mit Neonröhren noch verstärkt wurde. Schmückende Elemente fehlten völlig. Die Fenster waren mit Gittern versehen und mit dicken Gardinen verhängt. Drinnen war eine Art Wohnzimmer mit Schrankwand, Auslegeware, Fernseher und dergleichen, daneben eine Art Arbeitszimmer mit Sitzgruppe und Schreibtisch, eine kleine Küche, ein Bad, eine leere Waffenkammer und zwei Schlafzimmer. Irgendwelche Geheimnisse außer einer Abhöranlage im Arbeitszimmer gab es nicht, aber selbst die Abhöranlage bestand nur aus zwei eingeputzten Mikrofonen unter der Tapete, deren Leitungen zu einer Telefon-Steckdose in der Ecke führten. Dort konnte bei Bedarf ein Tonbandgerät angeschlossen werden. Es war im Moment aber keins dran; das Gerät wurde, bei Bedarf, mitgebracht.
Im Arbeitszimmer des Hauses saß Stasi-Hauptmann Prillwitz in Felddienstuniform, trommelte mit den Fingern nervös auf dem Tisch herum und rauchte eine Zigarette nach der anderen. Der Aschenbecher quoll über. Allerdings hatte ihm dabei sein Chef geholfen, der ihn vor einer Stunde für den bevorstehenden Einsatz instruiert hatte. Das Problem war, dass Hauptmann Prillwitz als Führungsoffizier stets vor seinem unterstellten Mitarbeiter anwesend zu sein hatte. Immer. Da gab es kein Diskutieren, Vorschrift war Vorschrift. Das Zimmer und das Haus hatte er schon –zig mal kontrolliert, es war alles erledigt, da gab es nichts mehr zu tun. Sein IM, Inoffizieller Mitarbeiter, war neu, und das machte die Sache so anstrengend. Der Neue war von Beruf Filmschauspieler. Solche Leute nannten sich zwar »Mitarbeiter«, gehörte aber in Wirklichkeit nicht zur Firma, und hatten eher Informationen zu liefern, als dass sie welche bekamen. Das war Prinzip. So konnten sie nichts verraten, weder versehentlich noch absichtlich und spielten die ihnen zugedachte Rolle besser. Man musste sie etwas streicheln und in Watte packen und nett loben und dann taten sie für einen die Wunderdinge, die man selber nicht erledigen konnte. Oder durfte.
Da! - Draußen war das typische Zweitakt-Röhren einer Wartburg-Limousine zu hören. Das musste er sein. Hauptmann Prillwitz drückte hastig seine Kippe aus, sprang zum Fenster und riss es auf. Die hereinströmende frische Luft verursachte fast einen Rausch, er hätte schon vorher lüften sollen. Der Wartburg wurde gerade an der Eingangsschranke kontrolliert, da hörte Hauptmann Prillwitz auch schon weiter hinten den Trabant, der seinen Chef wieder zu ihm nach vorne brachte.
Der Chef hatte den neuen IM wie abgesprochen am Tor abgefangen und brachte ihn zum Forsthaus her. Das Fenster stand noch zum Lüften offen und Hauptmann Prillwitz säuberte schnell den Schreibtisch von der Zigarettenasche. Anschließend schaute er in der Küche nach dem längst fertigen Kaffee und dem Kuchen, den er heute früh selbst beim Bäcker in der nahen Kleinstadt gekauft hatte. Man wollte dem neuen IM einen angenehmen Eindruck bereiten, schließlich tat er seinen Job nicht für Geld und da durfte man sich nicht lumpen lassen. Der Zigarettenmief verflüchtigte sich zum Glück etwas. Jetzt klapperte die Außentür und Hauptmann Prillwitz hörte die ungewohnt aufgeräumt tönende Stimme seines Chefs und sogar ein Lachen von ihm.
Komm rein!, tönte er. Kein Siezen, das machte man bei IMs normalerweise nicht, weil das kumpelhafte »Du« Nähe schuf.
Jetzt ging auch Hauptmann Prillwitz zur Tür. Hallo!, grüßte er den IM, der Schauspieler war, und gab ihm die Hand, ebenfalls fröhlich lachend, ich bin Udo. Seine schweißnasse Hand verriet aber wahrscheinlich seine Aufregung. Ich bin Steffen, antwortete der IM, was Hauptmann Prillwitz natürlich längst wusste.
Setzt euch, dröhnte sein Chef ohne seinen Namen zu nennen und ließ sich in einen Sessel fallen. Hauptmann Prillwitz verschwand kurz in der Küche und kehrte mit Kaffee und Kuchen zurück. Beim Geschirr hätte man nicht so sehr sparen sollen, fiel ihm auf, es war billigstes Kantinenporzellan und trug Spuren früherer Verwendung. Und das Besteck war aus Aluminium, da könnte man sich mal was anderes leisten. Egal, das war jetzt nicht mehr zu ändern.
Aber zum Glück war der Kuchen recht ordentlich und nicht zu knapp bemessen.
Während sie die Kaffeezeit zelebrierten und über belanglose Dinge sprachen, besah sich Hauptmann Prillwitz verstohlen den IM Steffen. Donnerwetter, kein Null-Acht-Fünfzehn-Durchschnittstyp, relativ groß, aber nicht zu sehr, Nickelbrille, lange mittelblonde Haare, schwarze Anziehsachen mit erkennbarem Stil (Westsachen?), der würde nicht überall gleich auffallen. Wo die bloß immer solche Leute auftrieben... Aber er würde schauen müssen, ob IM Steffen tatsächlich den Prinzipien der Partei treu war. Wenn einer Westsachen trug, und sowieso bei Künstlertypen, da wusste man das nie.
Der Chef kam langsam zur Sache, Hauptmann Prillwitz wurde aufmerksamer. Er stellte ihn noch einmal vor. Mit Vornamen, Udo, so war das üblich, den Nachnamen sagte man nicht, auch den eigenen Dienstgrad überging man, als gäbe es den nicht, selbst wenn er gerade Felddienstuniform trug. Den eigenen Namen zu nennen, vergaß der Chef wieder.
So, jetzt war er dran. Der Chef hatte sich erhoben und verabschiedete sich. Hauptmann Prillwitz brachte ihn pflichtschuldig zur Tür. Als er diese geschlossen hatte und sich wieder umdrehte, sah er in die neugierigen Augen des IMs. Intelligente Augen, fand Hauptmann Prillwitz, hoffentlich wuchs der einem nicht über den Kopf. Er ging auf den IM zu, wirklich erleichtert, dass sein Chef weg war und stellte sich noch einmal vor: So, jetzt noch mal richtig - ich bin Udo! - Steffen! Beide gaben sich nochmals die Hand und lachten. Die Atmosphäre war nun deutlich entspannter. Hauptmann Prillwitz ließ sich erneut in seinen Sessel fallen.
Mit deutlich festerer Stimme als in Anwesenheit des Chefs fragte er: So! Hast du eine Ahnung, worum es geht?
Gar keine.
Wirklich? Überhaupt gar keine?
Nein, gar nichts. Ich weiß nur, dass Schauspielkunst gefragt sein soll und vor allem das Hineinfühlen in völlig fremde Gedankenwelten. Und dass ich niemandem etwas erzählen darf.
Dann wirst du jetzt staunen, meinte Hauptmann Prillwitz und freute sich auf die eigene Erzählung, denn er hatte etwas zu bieten: Was ich dir bieten kann, sagte er zu IM Steffen, stellt jedes Theater und jeden Spielfilm weit in den Schatten, und das ist noch untertrieben. ... Aber erst noch einen Kaffee.
In der Küche dachte der Hauptmann Prillwitz noch einmal nach, wie er am besten anfangen sollte. Am besten nicht zu viel erzählen, sondern lieber erst zeigen und danach beschreiben.
Pass auf, sagte er, als der Kaffeenachschub auf dem Tisch stand, ich zeige dir die Märchen aus Tausendundeiner Nacht, aber ich zeige sie dir wirklich; das ist besser als jede Beschreibung.
Hauptmann Prillwitz griff zum Telefon, wählte eine zweistellige Nummer und sprach in den Apparat: Wir wollen in einer Viertelstunde in die Zone, ist bei euch alles klar? - Er nickte, als könne sein Gesprächspartner das sehen und warf den Hörer wieder auf die Gabel. Anschließend griff er auf seinen Schreibtisch, wo ordentlich zusammengefaltet eine funkelnagelneue Felddienstuniform und ein Päckchen Unterwäsche lag. Er nahm die Uniform und griff zugleich unter den Tisch, wo ein Paar neue Felddienststiefel standen. Das alles packte er auf den Kaffeetisch, die Stiefel auch. Waren ja neu, da musste man nicht zu pingelig sein.
So, sagte er, zieh dir das Zeug hier an. Deinen Zivilkram lässt du hier im Haus, auch Unterwäsche, Socken, Schmuck, Uhr, Papiere und so weiter. Alles. Lass die Sachen einfach auf dem Sofa liegen, hier kommt in der Zwischenzeit keiner rein und nichts weg. Auch die Zigaretten bleiben hier, kriegst welche von uns dafür...
IM Steffen pfiff durch die Zähne: Marke »Duett«! Da lass ich meine freiwillig hier.
Hauptmann Prillwitz ging nicht auf den Scherz ein: Das ist wirklich wichtig - du darfst rein gar nichts mitnehmen, und was du kriegst, muss hinterher auch alles hier bleiben. Schleusenprinzip, verstehst du? Deshalb musst Du dich wirklich komplett umziehen. Wie gesagt, alles, auch Socken und Unterwäsche. Ich muss sowieso kurz noch mal in die Küche.
Ist doch egal, brummte der IM (Steffen), kannst auch hier bleiben, kommt öfter mal vor, dass Schauspieler sich umziehen, da kann man nicht jedes Mal ein großes Gewese veranstalten.
Ich muss aber tatsächlich noch was aus dem Kühlschrank holen, grinste Hauptmann Prillwitz.
Der IM Steffen begann, sich auszuziehen und warf seine Zivilsachen achtlos aufs Sofa. Zwischendurch genehmigte er sich noch einen Schluck Kaffee. Dieser war deutlich besser als der davor. Wahrscheinlich hatte der erste Kaffee schon ewig in der Kaffeemaschine gestanden. Rattengift, ganz furchtbares. Bevor er sich auch seiner Unterhose entledigte, schaute er aber doch nach, ob im Stapel der Uniformsachen auch eine Unterhose lag. Es war eine da. Allerdings so eine lange weiße vom Typ Liebestöter. Na gut, was sollte es, es ging ja nicht zum Tanz. Er entledigte sich also seiner eigenen Unterhose und zog den Liebestöter an und anschließend den Rest. Die Felduniform passte wie angegossen, man schien gut informiert zu sein. Nach dem Umschnallen des Koppels fiel IM Steffen auf, dass an der Felddienstuniform die üblichen Dienstgradabzeichen fehlten. Blieb er wohl auch militärisch verkleidet der Zivilist, der er war.
Schick siehste aus, kommentierte Hauptmann Prillwitz und ergänzte: Es hat übrigens nichts zu sagen, dass es eine Felddienstuniform ist, Arbeitsklamotten hätten es auch getan, aber dieses Zeugs haben wir nun mal massenweise herumzuliegen und im Gelände ist es besser als alles andere. Wir gehen nämlich gleich ... raus. Übrigens, trink das hier, ergänzte er und wies auf zwei Tassen, die er auf dem Schreibtisch abgestellt hatte.
Was ist das?
Nun, sagen wir, eine Art Serum, zögerte der Hauptmann Prillwitz keinen Augenblick, wir müssen es beide trinken, sonst dürfen wir unseren Job nicht machen, meint der Arzt.
Und was ist es und wofür oder wogegen hilft es?
Es ist nicht schädlich und schmeckt nicht einmal schlecht, wich Hauptmann Prillwitz aus. Milch mit irgendwas drin.
Zum Beweis nahm sich Hauptmann Prillwitz eine der beiden Tassen und trank sie in einem Zug leer. Los, munterte er IM Steffen auf, jetzt du!
IM Steffen war durchaus nicht entgangen, dass seine Frage unbeantwortet blieb, nahm aber die angebotene Tasse in die Hand und schaute hinein. Nicht weiß, sondern leicht beigefarben. Er nippte mit den Lippen daran. Es roch wie Milch und schmeckte wie Vanillemilch. Er gab sich einen Ruck und trank die gesamte Tasse. Es war ganz normale kühle Milch mit einer Winzigkeit Vanille, ganz leicht gesüßt. Und molkiger. Vielleicht direkt von einem Bauernhof, die Qualität war deutlich höher als üblich. Würde jede Medizin so schmecken, wäre die Welt ein Stück besser, befand er und leckte sich die Lippen ab. Man würde ihnen vermutlich nichts geben, was bedenklich sein könnte, dachte er. Andererseits war es ihm grundsätzlich nicht geheuer, ein unbekanntes Medikament ohne Not zu schlucken, vor allem, wenn man an die Gerüchte dachte, die über muskelstrotzende Spitzensportlerinnen mit Gladiatorenfigur und Bassstimme in Umlauf waren.
Nachher gibt es noch eine Portion, ließ sich Hauptmann Prillwitz zu allem Überfluss vernehmen. Dann setzte er nach: Und jetzt geht’s los.
Der letzte Satz wirkte auf IM Steffen wie ein Umschalter. Ist doch völlig egal, was in der Milch drin war, schob er seine Bedenken beiseite, er war ausersehen, an einem Geheimnis teilzuhaben. Und offenbar war nur er selbst in der Lage, bestimmte Dinge zu schaffen, die sie selber nicht hinkriegten. Und wer ganz besondere Dinge tun wollte, musste eben bestimmte Dinge in Kauf nehmen. Nur der Tod war umsonst und der kostete das Leben. Also los.
Draußen war wieder der Wartburg zu hören. Die beiden verließen das Haus. Hauptmann Prillwitz mit zwei leichten feldgrauen Rucksäcken in der Hand.
Der Fahrer war ebenfalls Offizier, sogar Major, also in der Rangordnung eine Stufe über Hauptmann Prillwitz. Er begrüßte IM Steffen per Handschlag: Auf IM Steffen wirkte er angenehmer als Hauptmann Prillwitz, nicht so steif, nicht so verspannt. Aber wer weiß, vielleicht war Hauptmann Prillwitz auch bloß aufgeregt, was ja verständlich wäre.
Auf ins Abenteuer, ließ sich der Major hören, ich bring euch die paar Meter bis zum Tor.
Sie fuhren auf einem Betonplattenweg durch den Kiefernwald, der das Gelände durchzog. Etwa alle 20 Meter passierten sie einen Laternenmast und nach vielleicht 300 Metern zweigte die Straße nach links zum Dienstgebäude ab. Sie aber fuhren weiter geradeaus. Die Fahrt dauerte nicht lange und endete an einem Zauntor, das mit Kette und Vorhängeschloss gesichert war und neben dem sich von innen und außen erreichbar eine olivgrüne Wechselsprechanlage befand. Zehn Meter hinter dem Tor endete die Betonstraße. Links und rechts vom Tor waren olivgrüne Metallkästen zu sehen, die Teile einer elektronischen Sicherungsanlage sein mochten, aber genausogut auch alles andere sein konnten. An einem Mast war eine wettergeschützte schwenkbare Kamera zu sehen. Hinter dem Zaun befand nur noch lockerer Mischwald mit relativ viel Unterholz, Gesträuch, ab und zu Flächen mit Waldgras oder Sand, aber sonst nichts. Kein Weg, keine Beleuchtung, keine Technik.
Sie stiegen aus dem Wartburg aus und der Major ging zur Wechselsprechanlage:
Zwei Personen passieren den Durchlass zur Zone!
Verstanden, zwei Personen, tönte es blechern zurück.
Der Major öffnete das Tor mit einem Schlüssel, der durch eine Schnur mit seiner Uniformjacke verbunden war. Er öffnete das Tor etwa einen Meter weit. Gerade genug, damit Hauptmann Prillwitz und IM Steffen bequem hindurchgehen konnten. Rein mit euch und viel Erfolg! - Und du, er schaute Hauptmann Prillwitz an, gibst mir gut acht und wirst nicht übermütig, alles klar?
Alles klar, brummte der Hauptmann Prillwitz, wenn ich jetzt noch eine Belehrung kriege, fange ich an, sie laut zu singen.
Schon gut, antwortete der andere Offizier und klopfte dem Hauptmann Prillwitz auf die Schulter und gab IM Steffen die Hand.
Also los ihr beiden, keine Hektik, ihr habt den ganzen Tag Zeit.
Als der Hauptmann Prillwitz mit IM Steffen in der Zone verschwanden, schloss der Major das Tor sorgfältig zu, sah ihnen lange nach und sprach schließlich in die Wechselsprechanlage:
Zwei Personen haben die Zone betreten.
Verstanden, zwei Personen in der Zone drin, tönte es blechern zurück.
Der Major schaute noch einmal lange durch den Zaun in die Zone und steckte sich dabei eine Zigarette an. Seine Hände zitterten. Er hatte Angst vor der Zone. Sie war unheimlich und er wäre überall lieber als hier. Aber das hatte er nicht zeigen dürfen.
Als er aufgeraucht hatte, trat er die Kippe sorgfältig auf dem Beton aus, stieg wieder in den Wartburg, wendete und fuhr zum Dienstgebäude zurück.
Die Zone
Der ist bloß neidisch, dass er hier nicht rein darf, knurrte Hauptmann Prillwitz. So, jetzt geht’s aber definitiv los. Er drückte IM Steffen einen der beiden Rucksäcke in die Hand. Setz dir den auf! Da ist Verpflegung drin und diverse Sachen, die wir später brauchen. Er warf sich den anderen Rucksack selbst über die Schulter.
IM Steffen tat es ihm nach und fand den Rucksack bequem, zumal die Schulterriemen mit einem Brustgürtel versehen waren, der einen guten Sitz gab.
Hauptmann Prillwitz steuerte auf das Unterholz direkt vor ihnen zu und kommentierte: Da drüben zwischen den Bäumen fängt eine Art Pfad an. Halt dich hinter mir, den Rest erkläre ich nachher.
Beide zogen los. An den Bäumen angekommen schob Hauptmann Prillwitz die Zweige auseinander und schlüpfte in eine Lücke. Die Zweige schlugen zurück und IM Steffen ins Gesicht.
Musst selber aufpassen, murmelte Hauptmann Prillwitz. Weißt du, nachher kann ich nicht ständig nach hinten schauen. Bleib am besten relativ genau drei Meter hinter mir, dann geht’s am besten. IM Steffen machte, was ihm gesagt worden war, und tatsächlich, so konnte er besser auf den Weg achtgeben.
Der schmale, fast gar nicht erkennbare Pfad schlängelte sich zwischen den Bäumen hindurch. Genau gesagt war auf dem Boden gar nichts zu sehen; nur die Lücke im Wildwuchs der Pflanzen ließ ahnen, dass dieser Pfad öfter genutzt wurde.
Nach einigen Minuten machten sie halt. Eine kleine Lichtung lag vor ihnen.
Ab hier müssen wir aufpassen, erklärte Hauptmann Prillwitz IM Steffen. Weißt du, hier beginnt die eigentliche Zone. Schau auf den Boden. Du siehst, dass das Gras hier bei uns noch ganz normal ist, aber ab dieser Linie dort (er zeigte mit dem Finger nach vorne) sieht es seltsam aus und fasst sich auch seltsam an. Komm mit.
Beide gingen bis zu der bezeichneten Stelle. Und tatsächlich: Entlang einer scharf umrissenen Linie war das Gras auf ihrer Seite ganz normal, auf der Seite der Zone aber hatte es ein seltsames Aussehen. Irgendwie fehlte die Farbe, alles sah eine Spur grauer aus, aber grellgrau, und das Gras wirkte wie künstlich gemacht. An der Grenzlinie sah es aus, als würde ein Riss den Boden durchziehen.
Das dahinter ist alles tot, kommentierte der Hauptmann Prillwitz, in der Zone lebt nichts. Das Seltsame ist: Man siehst es erst, wenn man ganz nahe dran ist. Wenn du weiter weg bist, mit Teleobjektiv, dann sieht das Zeug völlig normal aus. Aber hier drin: Du kannst mit Gewalt Tiere reinbringen, aber die flüchten sofort wieder. Die besten Hunde verweigern schlicht den Befehl. Trägst du Pflanzen hinein, dann sind die nach einiger Zeit genau wie dieses Zeug hier, als wären sie aus Plastik gemacht. Sie scheinen nicht eigentlich abzusterben, aber sie wachsen nicht weiter. Bringst du sie wieder raus, zerfallen sie unter deinen Fingern förmlich zu Staub, wie ausgetrocknet. Aber seltsamerweise nicht innerhalb der Zone. Da ändern sie sich nicht. Aber jetzt kommt’s: Wenn du sie abbrichst oder umsägst, nur dann fangen sie plötzlich an zu wachsen. Und zwar so lange, bis sie exakt ihren alten Zustand erreicht haben, ohne die winzigste Änderung!
Hauptmann Prillwitz setzte seinen Rucksack auf den Boden und holt ein Paar schwarze Gummihandschuhe heraus. So, sagte er, bei dir sind auch welche drin, ein Paar für den Hinweg, ein Paar für den Rückweg und noch weitere fünf Paar zur freien Verwendung. Die Gummihandschuhe ziehen wir jetzt an.
IM Steffen setzte seinen Rucksack ebenfalls ab und öffnete ihn. Tatsächlich. Er enthielt zwei Paar Handschuhe und außerdem einen weiteren Rucksack und einen zusammengefalteten Plastikbeutel.
Da drin sind noch zwei Bekleidungspäckchen, Verpflegung und ganze drei Feldflaschen mit Wasser und weitere Dinge, kommentierte Hauptmann Prillwitz. Aber die lässt du erstmal drin.
IM Steffen holte ein Paar schwarze Gummihandschuhe heraus, setzte den Rucksack wieder auf den Rücken und zog sich die Handschuhe an, wie es Hauptmann Prillwitz bereits getan hatte.
Was um Himmels willen ist das hier für eine Gegend?, fragte IM Steffen.
Du darfst niemandem davon erzählen, antwortete Hauptmann Prillwitz. Absolut niemandem. Im Moment wissen auch wir noch nicht wirklich, was das hier ist. Ein Phänomen, das untersucht werden muss, bevor es jemand anders vor uns tut. Und dabei vielleicht Sachen findet, die uns sehr schaden können, verstehst du? Was dich selbst anbelangt, kann ich dich beruhigen - es konnte keine bekannte Strahlung gemessen werden. In der Zone selbst versagen allerdings sämtliche Messinstrumente. Es ist auch kein Gift hier. Wir werden regelmäßig spezialärztlich untersucht, da konnte nichts festgestellt werden. Selbst dieses, ähm, Serum, ist erst für nachher. Du wirst schon sehen. Das hier war jedenfalls kein technischer Unfall und überhaupt ist es nichts, was wir selber gemacht haben. Nicht mal die Nazis vor '45, das hier muss alles noch älter sein. Über die Gegend gibt es ein paar alte Legenden von bösen Geistern, die hier wohnen sollen, die Leute haben das Gebiet gemieden und keiner wollte es haben. Die Nazis hatten das Gebiet abgesperrt und Göring persönlich soll hier gewesen sein. Aber offenbar nichts sonst, nur abgesperrt. Kurz vor Kriegsende hat es hier nach Bevölkerungsberichten eine gewaltige Explosion gegeben. Es ist aber niemand hergekommen, um nachzuschauen, jedenfalls nicht, soweit es uns bekannt ist. Die hatten alle Angst vor Gift oder sonst was und haben sich gesagt, wenn, dann ist wegen der Explosion sowieso alles kaputt. Etwa drei Monate nach Kriegsende gab es mehrere Todesfälle bei Leuten, die nicht aus dieser Gegend kamen. Da haben die Leute ihren Kindern tagelange Dresche für den Fall angeboten, dass sie ihren Fuß auch nur in die Nähe dieser Gegend setzen. Die scheinen sich auch daran gehalten zu haben, jedenfalls gab es in der Zeit danach unseres Wissens keine weiteren Todesfälle. Irgendwelche Aufzeichnungen über die Zone wurden nicht gefunden. Gar nichts. Wir mussten völlig bei Null anfangen. Die Freunde [23] waren nach dem Krieg kurz mal hier, haben sich für das Gebiet aber nicht weiter interessiert und es auch nicht untersucht. Es stand ja auch nichts weiter hier. Erst später haben uns einige seltsame Berichte auf die Zone aufmerksam gemacht, da ging es um neuere Unfälle, die unglaubwürdig schienen, bis wir dachten, dass hier vielleicht doch noch was von den Nazis rumliegt. Wobei zuerst an Chemikalien, vielleicht Giftgas, oder eine geheime Forschungsstätte gedacht wurde. Nach tödlichen Unfällen bei der offiziellen Erkundung war ein paar Jahre Ruhe und man hatte nur den Absperrzaun erneuert und Schilder aufgestellt. »Munitionsverseuchtes Gebiet« und »Lebensgefahr«. Hat man auch geglaubt, damals. Tja, und irgendwann hat sich ein klügerer Kopf die Aufzeichnungen mal genauer angesehen und die Zone wurde zur Sache des MfS [24] erklärt.
Aber wenn es Tote gab...? - IM Steffen war etwas verunsichert.
Beherrschbar!, antwortete Hauptmann Prillwitz fest. Und er erschien ehrlich überzeugt davon, was IM Steffen beruhigte. Beherrschbar!, wiederholte Hauptmann Prillwitz noch einmal. Der Fachmann staunt, der Laie wundert sich. Man muss die Dinge sorgfältig erkunden, Gefahren eingrenzen und Regeln aufstellen, die man diszipliniert einhält. Dann ist die Gefahr keine mehr. Wir kennen die Gefahrenpunkte inzwischen und ich bin schon -zig mal hier durch. Wenn es dich beruhigt: Ich bin ausgebildeter Einzelkämpfer.
Daran hatte IM Steffen keinen Zweifel. Hauptmann Prillwitz wirkte jetzt wie eine gespannte Feder. Wo er draußen ausgesprochen blasiert und verspannt gewirkt hatte und jener prototypische Stasi-Mensch war, den man auf unangenehme Weise zehn Meilen gegen den Wind bei Nacht und Nebel als Stasi-Menschen erkannte, da wirkte er hier vor allem als eiserner und absolut fähiger Kämpfer. Er schien sich hier auch wohl zu fühlen. IM Steffen beruhigte das ungemein.
Tu einfach, was ich dir sage, sagte Hauptmann Prillwitz kumpelhaft. Mehr musst du nicht tun. Ich kenne die erkundeten Bereiche der Zone wie meine Westentasche, ich kenne den Weg, ich kenne die Gefahren, ich weiß, wie man sich wo und wann verhalten muss. Bleib hinter mir, hör auf mich, tue strikt, was ich sage. Dann gibt es auch keine Probleme. Tote hat es hier nur am Anfang gegeben, als man noch nicht wusste, was los war. Und wo wir noch nicht wissen, was los ist, da gehen wir auch nicht lang. Eine einzige Ausnahme gab’s vor zwei Jahren, änderte Hauptmann Prillwitz plötzlich seinen Ton. Da ist so ein Trottel illegal über den Zaun geklettert, trotz der Sperrgebietsschilder. Irgend so ein Spinner. Den hat’s erlegt, kann ich dir sagen. (Hauptmann Prillwitz lachte.) Hat sich keiner getraut, ihn hinterher rauszuholen, weil man in der Ecke der Zone nicht genau Bescheid wusste. Ist auch besser so. Am Ende hätte es noch jemanden erwischt und dem Trottel hätte es sowieso nicht mehr geholfen. Wer es war, haben wir auch anders rausgekriegt, insofern war es das Risiko nicht wert.
Liegt er da heute noch?, fragte IM Steffen.
Weiß man nicht, antwortete Hauptmann Prillwitz. Überhaupt wissen wir nur deshalb von ihm, weil ihn ein Wachposten außerhalb der Zone gestellt hatte und der Kerl aber in die Zone hinein abgehauen ist. Da haben die Wachposten striktes Zutrittsverbot. Also haben wir von denen Meldung gekriegt und ein paar von unseren eigenen Leuten sind innen am Zaun entlang hin. Nicht direkt in die echte Zone hinein, so bescheuert ist keiner von uns. Nach einer Weile haben die dann einen Lichtblitz gesehen und jedem war klar, was gelaufen ist. Wir haben sicherheitshalber ein paar Tage lang im Gelände gelegen, um zu gucken, ob er doch noch lebt. Das war vielleicht ein Scheiß-Job, aber erwartet hat keiner was und er kam auch nie wieder zurück. Richtig hin und nachgucken ist natürlich niemand, aber der Fall war ja auch so sonnenklar. So kann’s einem gehen, wenn man nicht hören will und Schilder nicht lesen kann.
So, schloss Hauptmann Prillwitz ab, jetzt aber los. Fass nichts an und bleib schön hinter mir und dir passiert auch nichts. Und wenn eine Atombombe gezündet wird, guckste schön hin, denn sowas kriegt man nur einmal im Leben zu sehen.
Hauptmann Prillwitz ging los, auf die innere Zone zu.
IM Steffen folgte ihm. Seine Beruhigung von vorhin war wieder weg. Ein konkreter Toter war etwas anderes, als eine eher abstrakte Gefahr. Und der dämliche Witz mit der Atombombe war erstens abgedroschen und zweitens löste das Wort Atombombe bei IM Steffen zwiespältige Gefühle hervor. Er war selbst bei der NVA gewesen, Wehrpflicht scheinfreiwillig verlängert auf drei Jahre, und bei der NVA hatte er dieses Thema hassen gelernt. Dieses Gefühl der grauenvollen wirklich existenziellen Bedrohung, nicht den Kasernenhofdrill. Mit dem normalen Drill war er klargekommen, indem er gelernt hatte, wie man sich möglichst gut vor unangenehmen Dingen drückte. Den blöden Witz mit der Atombombe hättest du dir echt klemmen sollen, dachte IM Steffen bei sich. Aber er sagte nichts.
Sie liefen beide auf die kleine Lichtung und überschritten in deren Mitte die Grenze zur eigentlichen Zone. Die Sonne glühte auf einmal unbarmherzig, obwohl der Himmel bedeckt war. Alle Farben in ihrer Umgebung verblassten und die Landschaft erschien nahezu grau. Das plötzlich trockene Gras zerbrach unter ihren Füßen zu Staub, um wenige Augenblicke später nachzuwachsen. Und wo sich hinter ihnen deutliche Fußspuren gebildet hatten, verschwanden diese wie von Geisterhand eine nach der anderen, bis alle wieder weg waren. Als Hauptmann Prillwitz und IM Steffen einmal stehen blieben, sah es aus, als würde ihnen jemand nachlaufen, weil die Spuren Schritt für Schritt nacheinander verschwanden.
Gruselig, sagte IM Steffen. Als gäbe es hier Geister.
Irgendein Phänomen, antwortete Hauptmann Prillwitz, nichts weiter.
Und weiter ging es. IM Steffen hatte den Drang, sich dicht bei Hauptmann Prillwitz zu halten. Mochte der sonst sein, wie er wollte, aber sein Fachgebiet schien er mit traumwandlerischer Sicherheit zu beherrschen. Und diese Sicherheit brauchte IM Steffen gerade. Nur mit Mühe zwang er sich, stets einen Abstand von drei Metern zu Hauptmann Prillwitz einzuhalten.
Sie schlugen sich durchs Unterholz. Zweige nur mit Handschuhen berühren.
Sie liefen im Entengang, während ein unsichtbares Feuer über ihnen glühte.
Sie übersprangen einen Graben, der mit einem seltsam flüssig wabernden Gewebe gefüllt war.
Sie durchschritten ein Gebiet, in dem Totenstille herrschte und nicht einmal ihr eigener Atem zu hören war.
Sie sahen plötzlich alles auf dem Kopf stehen und Momente später war das genauso plötzlich wieder vorbei.
Sie sahen eine große knallbunte Blume in der Luft schweben.
Sie wichen einem eigenartigen Nebelwirbel aus.
Sie warfen Hände voller Sand in die zitternde Luft vor ihnen, um eine seltsam brachiale Kraft erkennen und ihr ausweichen zu können.
Und die Sonne glühte unbarmherzig, obwohl der Himmel bedeckt war.
Schweiß lief übers Gesicht und in die Augen. Nicht abwischen! Niemals! Nur pusten!
Die Hände schwitzten in den Gummihandschuhen.
Die Sachen klebten am Leib.
Die Kehle war ausgedörrt. Erst nachher trinken!
Und die Angst. Bei IM Steffen.
Doch Konzentration und fast heitere Stimmung bei Hauptmann Prillwitz.
Dann auf einmal standen sie vor einem kleinen Hügel, der mit Sträuchern und kleinen Birken bewachsen war, soweit man hier noch von Birken und Sträuchern reden durfte. Auch Hauptmann Prillwitz war außer Atem, trotz seiner schier unglaublichen Zähigkeit.
IM Steffen sah aus dem Hügel Reste eines längst verfallenen Gebäudes herausragen, unten ein Feldsteinsockel und oben Ziegel. Viel war nicht mehr zu sehen, aber eine Kellertreppe gab es noch. Und auf die steuerte Hauptmann Prillwitz zu.
Wir sind da, sagte Hauptmann Prillwitz und lachte herzhaft. Nicht das Gesicht abwischen, setzte er nach.
Danke, antwortete IM Steffen. Endlich!, setzte er nach, ich kann kaum noch und verstehen tue ich schon lange nichts mehr.
Hast es geschafft, sagte Hauptmann Prillwitz aufgeräumt.
Es war erstaunlich. Hauptmann Prillwitz schien wie ausgewechselt. Seine Verspanntheit war völlig verschwunden. Fast würde IM Steffen sagen, dass Hauptmann Prillwitz ... ja ... glücklich wirkte. Wirklich glücklich. Euphorisch geradezu. Seltsam. Warum?
Los, komm, sagte Hauptmann Prillwitz, da in der Ruine die Treppe runter. Unten drin machen wir erst einmal Pause.
Und Hauptmann Prillwitz ging wieder voran.
Sie stiegen die halbzerstörte Treppe hinunter. Beton. Unten hing eine zerborstene Stahltür schief in den Angeln. Es öffnete sich ein Gang aus Beton in desolatem Zustand, die Decke halb zerstört und seitlich fiel Tageslicht hinein. Man sah, dass linkerhand Räume gewesen waren, doch diese waren allesamt zerstört. Der Gang, durch den sie gingen, war offenbar nach der Zerstörung wieder freigelegt und gesäubert worden.
Am Ende des Gangs blieb Hauptmann Prillwitz stehen. In dem Raum geradeaus ist unser Ziel, ließ er sich hören. Und hier links ist unser kleiner Pausenraum.
Vor ihnen war auf dem Fußboden mit Ölfarbe eine dicke weiße Linie gezeichnet worden. Beide Räume lagen dahinter.
IM Steffen war neugierig: Warum nicht geradewegs zum Ziel?
Nein, sagte Hauptmann Prillwitz. Erst Zigarettenpause und etwas Erholung, und anschließend muss ich dich noch einweisen. Wir brauchen die Pause. Hinter der weißen Linie kannst du dich frei bewegen, aber die verdreckten Klamotten bleiben draußen. Ich führe dir vor, wie man das macht. Pass sehr genau auf.
Hauptmann Prillwitz zog erst die Felddienstjacke aus und achtete demonstrativ darauf, nicht mit der Außenseite der Jacke in Berührung zu kommen. Die Jacke legte er auf den Boden. Vor dem weißen Strich. Danach zog er ein Bein aus dem Stiefel und trat mit dem bloßen Fuß, nur auf Socken, hinter den weißen Strich. Den anderen Fuß zog er auf dieselbe Weise nach. Nun stieg er vorsichtig aus der Hose, ohne dass diese den Boden berührte. Die Hose legte er zur Jacke. Anschließend entledigte er sich auf dieselbe Weise seiner Unterwäsche. Ebenfalls lange Unterwäsche. Seinen Slip behielt er an. Als er nur noch in Socken, Slip und Gummihandschuhen dastand, griff er nach dem Rucksack und öffnete diesen so weit es ging. Er entledigte sich des linken Gummihandschuhs und griff nach dem zweiten Rucksack, der sich im Außenrucksack befand. Er zog ihn mit der unbedeckten Hand heraus und setzte ihn auf seiner »sauberen« Seite des Gangs ab. Gleiches mit dem zusammengefalteten Plastikbeutel, der sich im Außenrucksack befand. Schließlich packte er mit der handschuhbewehrten Hand Uniform, Unterwäsche, Stiefel und den Außenrucksack in den Plastikbeutel und verschloss diesen.
So macht man das, kommentierte Hauptmann Prillwitz. Der Beutel bleibt hier. Ziel ist, dass kein Körperteil von dir mit dem Dreck der Zone in Berührung kommt. Es hat sich zwar noch nichts als schädlich herausgestellt, aber da wir nicht messen können, gehen wir auf Nummer sicher. So, jetzt du.
IM Steffen dachte sich seinen Teil. Der Hauptmann hätte ihm nichts erklären müssen, er kannte die Prozedur ganz genau, und zwar von Übungen bei der NVA, wenn es um Gift- oder Atomwaffen ging. Ihn beruhigte nur, dass hier Gasmaske und Schutzanzug offenbar unnötig war. Sei’s drum, dachte er. Er zog sich wie vorgeschrieben aus und wurde von Hauptmann Prillwitz ausdrücklich gelobt.
Nach dem Umkleiden gingen sie in den Raum, den Hauptmann Prillwitz »Pausenraum« genannt hatte. Die Wände des Raums waren zwar ebenfalls angeknackst, sahen aber insgesamt noch stabil aus. Und der Raum war wie der Flur völlig freigeräumt. Auch der Boden war blitzsauber, soweit man das in einer Ruine sagen konnte. Die Druckwelle der Sprengung ist offenbar an diesem Raum vorbeigegangen, kommentierte Hauptmann Prillwitz. Was aber wichtiger ist: Der Raum wird von unseren Mitarbeitern regelmäßig gründlich gereinigt und ist sicher.
Da hier kein Außenlicht einfiel, stellte Hauptmann Prillwitz eine Taschenlampe auf den Boden. Als Sitzgelegenheit gab es »Stühle«, die jemand aus Steinen aufgeschichtet hatte. In der Mitte stand eine große leere Konservendose, die als Aschenbecher diente. Doch zunächst holten sie jeder neue Unterwäsche und eine neue Felddienstuniform aus dem Innenrucksack und zogen diese an. Erst als das erledigt war, forderte Hauptmann Prillwitz IM Steffen zum Essen auf und nahm auf einem der »Stühle« Platz. Das Essen war zu seiner Überraschung gar nicht so übel. Klappstullen, aber ordentliche und reichlich, Salami, Käse, sogar ein Joghurt mit Löffel dazu, alles ordentlich eingepackt und in Folie verschweißt. Aber leider nur Wasser aus der Feldflasche dazu.
Wasser ist universeller zu verwenden als Kaffee, kommentierte Hauptmann Prillwitz, aber sonst ist unsere Köchin immer sehr besorgt um die Leute, die in die Zone gehen. Spül dir ruhig kurz etwas die Hand ab, bevor du die Stullen damit anfasst, Sicherheit, die nichts kostet, sollte man nicht einsparen.
Er machte es vor und ließ das Wasser dabei einfach auf den Boden laufen. Das Wasser auf dem Boden macht nichts, sagte er, eigentlich sollten die Hände auch so sauber sein. Dann trank er einen kräftigen Schluck aus der Flasche.
IM Steffen tat es ihm nach.
Eine Weile fiel kein Wort. Jeder war mit Essen beschäftigt, ging seinen Gedanken nach und erholte sich.
So. Jetzt kommt das große Geheimnis, sagte Hauptmann Prillwitz schließlich. Aber zunächst zog er eine Schachtel Zigaretten und eine Streichholzschachtel aus der Jacke. Schon wieder Marke Duett, das Beste, was es gab in der DDR.
Auch eine?
IM Steffen nahm auch eine Zigarette.
Hauptmann Prillwitz entflammte ein Streichholz und gab Feuer. Er machte einen tiefen Zug und blies den Rauch hörbar aus. - Nebenan ist der Beweis, dass der Kommunismus recht hat. Und dass er siegen wird.
IM Steffen verschluckte sich fast und hustete. Er war ja auch in der Partei ... also in der SED. Aber irgendwo gab es doch sowas wie ein stilles Übereinkommen, nicht gar zu sehr auf den Putz zu hauen. Außer man war ein Streber. So ein ganz Strammer. Bei den Russen mochten schwülstige Reden üblich sein, aber die übertrieben ja überall ein wenig. Wer das als Deutscher tat, noch dazu unter vier Augen, bei dem sollte man aber besser aufpassen, was man sagte. Andererseits hatten die ein Sperrgebiet und eine ganze Stasi-Einheit nur um diese Ruine herum drapiert. Das sprach dafür, dass zumindest etwas an der Aussage dran sein musste. Na mal hören.
Der Kellerraum da drüben, sagte Hauptmann Prillwitz nun, ist vor langer Zeit mit Feldstein gemauert worden. Und aus dem Kellerraum führt eine Treppe noch zwei Meter tiefer zu einer kleinen Nische, auch alles aus Feldstein. Alles ist ziemlich alt und niemand weiß, wie alt. Wie gesagt, unsere Technik funktioniert hier einfach nicht. Gar nichts. Man kann also nur gucken und dann erzählen. So. Und nun haben hier die Nazis kurz vor Kriegsende eine ziemlich gewaltige Sprengung gemacht. Du hast ja gesehen, wie viel von dem Beton da vorne übriggeblieben ist. Wir können anhand der Zerstörungen und der Sprengstoffreste exakt sagen, woher die Druckwelle kam - sie kam aus diesem alten Raum, genau gesagt aus der Nische. Und nichts, ich sage dir nichts wurde in diesem Raum zerstört. Erst außerhalb, in dem neueren Gebäudeteil, hat die Explosion eine Wirkung entfaltet.
IM Steffen pfiff anerkennend durch die Zähne.
Nur an diesem Raum hier, wo wir gerade sitzen, ist die Druckwelle wie gesagt vorbeigerast, setzte Hauptmann Prillwitz fort, und offenbar erst seit dieser Explosion setzten in der Zone die seltsamen Phänomene ein. Ältere Berichte von Leuten aus der Gegend berichten so etwa nicht. Soweit wir wissen. Da gibt es zwar einen Aberglauben diesen Ort betreffend, ja, aber eher ungenau, nichts Konkretes. Vor allem keine Toten. Auffallend sind nur Sagen über eine Unterwelt, über Sagengestalten, die aus dieser Unterwelt emporsteigen und über Leute, die hundert und mehr Jahre in der Unterwelt waren. Solche Sachen eben. Und das Ding ist eben, es gibt diese Unterwelt.
Wie bitte???
Richtig gehört. Man geht in diesen alten Raum da nebenan, die paar Stufen zwei Meter tiefer runter, in die Nische da unten, und in der Nische ist das geheime Tor zur Unterwelt.
IM Steffen hörte atemlos zu.
Das ist eine komplett eigene Welt. Hast du Bücher von Jules Verne gelesen?
Ja.
Auch die »Reise zum Mittelpunkt der Erde«?
Ja.
So ungefähr musst du dir das vorstellen, nur viel prachtvoller. Und es leben Leute dort. Die sind nicht unser Problem. Auch diese Welt als solche nicht. Das müssten Wissenschaftler erforschen, nicht wir. Unser Problem ist, was es an Wechselwirkungen zwischen dieser Unterwelt und uns gibt, also solche, die gefährlich werden könnten. Du hast selber erlebt, was in der Zone los ist. Das sind Kräfte, die jemand für Waffen nutzen könnte, um uns zu erledigen. Das könnten durchaus Waffen sein, die die Bedeutung von Atombomben um Einiges übersteigen. Frage ist, was sind das für Kräfte und wo kommen die her? Wir wollen die nicht nutzen, es sei denn, man könnte Energie daraus gewinnen, aber was, wenn der Feind davon erfährt? Das müssen wir also unbedingt aufklären. Und wir haben den Verdacht, dass entweder Personen illegal in die Unterwelt gehen oder umgekehrt zu uns kommen oder beides. Auch das müssen wir unbedingt herausbekommen, wer was wann wo wie warum in wessen Auftrag tut. Die sieben großen W. Und das ist deine Aufgabe. Fühlst du dich dem gewachsen?
Du hast gesagt, diese Unterwelt ist prachtvoll?
Unvorstellbar prachtvoll, antwortete Hauptmann Prillwitz, man sagt, sie hätte eine regelrechte Suchtwirkung, so beeindruckend wirkt sie auf den, der sie sieht. Deshalb gehen wir hauptamtlichen Mitarbeiter normalerweise auch nicht selbst dort hin, verstehst du, damit wir den objektiven Blick behalten. Du erlebst und berichtest, und ich muss nüchtern bleiben, um die wesentlichen Fakten objektiv herausziehen zu können. Das heißt, du gehst alleine in diese Unterwelt und ich warte hier draußen auf dich. Keine Angst, es ist nicht gefährlich und ich warte auch nicht bei Fuß vor der Nische, sondern vertrete mir die Beine. Aber ich bleibe eben hier.
Und wenn ich mich verirre? - Ich weiß doch gar nicht, wie es dort aussieht. Bei Jules Verne war der Hinweg ja auch nicht verwendbar, um wieder zurück in die Oberwelt zu kommen.
Kein Problem, sagte Hauptmann Prillwitz, der Weg ist viel kürzer. Im Grunde nur wenige Meter. Und heute sollst du auch nur eine Erkundung ohne Auftrag machen. Kurzurlaub auf Staatskosten. Erste Eindrücke sammeln. Lauf etwas herum, schau dich um, gönn dir was. Du kannst dich auch mal irgendwo hinlegen und sonnen und essen, was du willst. Du bleibst eine Nacht, und morgen bei Sonnenuntergang, weder früher noch später, kommst du zurück und wir werten das Ganze aus.
Über Nacht?, fragte IM Steffen.
Ja. Es wird dir gefallen. Bereit?
IM Steffen nickte beklommen. In seinem Kopf raste ein Sturm. So etwas war der Traum der Träume ... und er war dabei.
Die Zigaretten waren aufgeraucht und in die große Konservenbüchse geworfen.
Hauptmann Prillwitz griff in seinen Rucksack und holte zwei kleine Tetrapaks heraus, wie sie IM Steffen von Kondensmilch kannte; sie waren kleiner als die Viertelliter-Milch-Tetrapaks, welche die privilegierte Berliner Jugend an den Schulen kriegte, während man in der Provinz aus schnöden Flaschen trinken musste.
So. Noch einmal das Serum. - Er reichte IM Steffen eins der Tetrapaks. Und einen Trinkhalm.
»Picasso-Titten«, kommentierte IM Steffen die Tetrapaks grinsend. Dann las er die Aufschrift:
ultrahocheritzt, keimfrei homogenisiert
6 Wochen ungeöffnet ohne Kühlung haltbar
Inhalt: 100ml - 5,5 % Fett
Himbeeraroma
Nur für den Dienstgebrauch
IM Steffen riss die Augen auf. - Ihr lasst euch das ja was kosten, ein Leben wie der Kaiser von China! [25] - Er piekte seinen Trinkhalm durch das Verschluss-Etikett am oberen Ende des Tetrapaks. - Donnerwetter, brummte er, dass ich das noch ein zweites Mal erleben darf. Sogar als H-Milch. - Er kostete vorsichtig und sehr bewusst. - Nicht übel!, lobte er. Klar, muss ja auch, würde das wie Zwickauer Bier schmecken, wäre die Menschheit längst ausgestorben.
Hauptmann Prillwitz sagte dazu keinen Ton. So schwieg auch IM Steffen und trank sein Tetrapak leer. Bis aufs letzte Tröpfchen, soweit der Trinkhalm dies zuließ.
Anschließend erhoben sich beide und Hauptmann Prillwitz ging voran, die eingeschaltete Taschenlampe in der Hand. Das Essen und die Rucksäcke blieben einfach im »Pausenraum« liegen. Der Nachbarkeller musste tatsächlich vor Jahrhunderten gebaut worden sein. Der Boden schien aus gestampften Lehm zu sein, der Rest war Feldsteingewölbe ohne Backstein dazwischen. Erstaunlich, dass so etwas eine gewaltige Explosion ohne Schäden überstanden hatte. Hauptmann Prillwitz leuchtete mit der Taschenlampe umher, damit sich IM Steffen den Raum anschauen konnte. Am Ende des Gewölberaums führte eine schmale Treppe in die Tiefe. Dort hinunter richtete Hauptmann Prillwitz jetzt den Lichtkegel der Taschenlampe. Die Treppe führte etwa zwei Meter hinunter und endete vor einer Nische, deren Rückwand ein gewaltiger Findling bildete. Um den Findling herum glitzerte es golden.
Gold!, rief IM Steffen.
Nein, antwortete Hauptmann Prillwitz. Nur Schwefelkies-Kristalle. Katzengold. Allerdings gehören die geologisch absolut nicht in diese Gegend, wurde mir gesagt.
IM Steffen ernüchterte etwas. Aber nur etwas. Dann sah er, dass in den Findling eine etwa meterhohe Frau eingraviert war. Die Hände der Frau hielten dem Betrachter die Brüste entgegen, als wollte sie ihm die Brüste direkt anbieten oder doch wenigstens darauf hinweisen. Die Beine der eingravierten Frau waren als großes »O« stilisiert, als würde man eine geöffnete Vulva andeuten wollen.
Ist das eine SheelaNa-gig?, fragte IM Steffen fast ergriffen, weil ihn die Frau auf dem Findling wieder weg von der Goldgier zurück zur Neugier gebracht hatte.
Eine was?
Solche Darstellungen gibt’s in Irland und Großbritannien, sagte IM Steffen aufgeregt, da er kulturell durchaus gebildet war. Frauenfiguren, die in den Stein gemeißelt sind, ergänzte er. Aber die ziehen, soweit ich weiß, ihre Vulva weit auseinander, statt die Brüste anzubieten. Die Normannen sollen die aus Spanien und Frankreich dort hingebracht haben.
Weiß ich nicht. Glaube ich nicht, brummte Hauptmann Prillwitz.
Aber es soll immerhin »Hexe mit Brüsten« oder »Frau mit Brüsten« oder so ähnlich bedeuten, setzte IM Steffen nach.
Ich weiß bloß von ähnlichen Darstellungen im Nahen Osten, sagte Hauptmann Prillwitz, aber das muss uns jetzt nicht interessieren.
IM Steffen knurrte unwillig.
Na na na, wir sind hier nicht auf einer Urlaubsreise.
Dass stimmte zwar nur halb, aber IM Steffen bohrte nicht nach, denn ihn erwartete ja weit mehr als nur dieses Frauenrelief. Und Erklärungen mochte man auch später finden, aufgeschoben war nicht aufgehoben.
So!, schnitt Hauptmann Prillwitz die Diskussion ab. Der Schwefelkies da unten ist echt, aber der große Stein in der Mitte ist nur eine optische Täuschung. Es ist ein Eingang zu dieser Unterwelt, der vor zufälligen Beobachtern versteckt bleibt. Du gehst da einfach runter, auf dieses Relief zu und läufst da durch. Das geht, als wäre das bloß ein Vorhang. Kleiner Ruck, und durch bist du. Das geht ganz einfach, du darfst nur nicht den Fehler machen, zu zögerlich zu sein.
IM Steffen holte Luft.
Nein, nicht jetzt, unterbrach ihn Hauptmann Prillwitz. Also mit Schwung einfach durch. Bist nicht der Erste, also keine Bedenken haben. Wenn du drin bist, wird es erst einmal ziemlich dunkel und das Laufen fällt etwas schwer. Ungefähr wie unter Wasser. Aber keine Angst, man kann atmen. Einfach durch! Anschließend kommst du in einem Raum, wo eine Waschgelegenheit ist. Komplett ausziehen, gründlich waschen. Wenn das erledigt ist, dann nicht anziehen, sondern umschauen. Da ist so eine Art großer Tisch. Da legst du dich drauf. Einen Augenblick später wirst du durch einen noch ungeklärten Effekt in diese Unterwelt transferiert.
Unglaublich, hauchte IM Steffen. Eine Hochtechnologie?
Wissen wir noch nicht. Wahrscheinlich. Kann aber auch ein Naturphänomen sein, was Physikalisches, das jemand auf unbekannte Weise genutzt hat. Es verunmöglicht leider, Gegenstände aus dieser Unterwelt hierher zu bringen.
Ich dachte, ihr habt genau davor Angst?
Wie auch immer, es geht jedenfalls nicht, unterbrach ihn Hauptmann Prillwitz. Weder in die eine, noch in die andere Richtung. Du würdest sogar ohne deinen Felddienstanzug ankommen. Mach dir darüber keine Gedanken, FKK ist in dieser Unterwelt ... eher ... was Übliches. Also man fällt ohne Anziehsachen nicht auf. Wenn du angekommen bist, in Ruhe umschauen und keine Hektik, aber keine zu großen Ausflüge. Eindrücke sammeln, übernachten, und morgen bei Sonnenuntergang zurück. Nicht später, nicht früher, aber auch nicht übertrieben genau. Und Kontakte vermeiden, falls du Leute siehst. Solltest du angesprochen werden, dann dumm stellen. Keine Ausreden ausdenken, keine Erklärungen abgeben, mit sowas verstrickt man sich bloß. Fragen mit Gegenfragen abblocken. Aber wie gesagt, es ist unwahrscheinlich, dass du jemanden triffst. Schlimmstenfalls hast du dich eben verirrt. Aber niemandem von dem Durchgang erzählen, hörst du? Niemals! Bei der Rückkehr kommst du wieder durch diesen Raum mit der Waschgelegenheit, aber da musst du nicht noch mal baden. Einfach zurück, fertig. - So, und jetzt geht’s aber los. Keine Angst, es wird dir mehr gefallen, als du denkst.
Hauptmann Prillwitz lächelte sogar. Das Lächeln eines nicht sonderlich sympathischen Menschen, eines hochkontrollierten zwanghaften Menschen, aber immerhin, er lächelte. Und IM Steffen hatte das Gefühl, Hauptmann Prillwitz zeigte gerade das Maximum an Entspanntheit, das bei ihm überhaupt möglich war.
IM Steffen hatte sehr wohl Herzklopfen, aber die Erwartungsfreude überwog bei weitem. Also stieg er entschlossen die Stufen zur Nische hinab.
Hinter seinem Rücken hörte er noch einmal Hauptmann Prillwitz: Ach ja, noch was - wenn du durch bist, steht ganz nahe am Eingang was an die Wand gemalt. Ein Text. Merk dir das, bevor du zurückkommst. Das ist bloß eine Art Gedächtnistest. Musst du aber erst kurz vorm Zurückkommen machen. Und für den Fall, dass ich nachher gerade nicht hier im Raum bin, lasse ich dir die Taschenlampe hier stehen. Alles klar?
Alles klar, rief IM Steffen über die Schulter, Text erst kurz vor der Rückkehr lesen, merken und nachher steht die Taschenlampe hier rum.
IM Steffen holte tief Luft und lief entschlossen auf den großen Findling mit dem Frauenrelief zu. Ein Schritt ... und IM Steffen verschwand im Stein.
Hauptmann Prillwitz schaute auf die Uhr. Er blieb stehen. Genau fünf Minuten wartete er. Dann stieg er selbst die Treppe hinunter. Ohne Zögern. Und als er selbst durch den Stein schritt, hätte ein Beobachter den Eindruck gewinnen können, dass er dies routiniert tat.
Peridëis
Hauptmann Prillwitz ruderte durch eine dunkelrot schimmernde wabernde Flüssigkeit. Er arbeitete sich mit Kraft hindurch. Kraft hatte er. Einen trainierten Körper hatte er. Nicht übertrieben muskulös, aber zäh. Als Kind war er noch als kleiner Dicker gehänselt worden, aber er hatte sich geschworen, es irgendwann allen zu zeigen. Bis er seine Chance bekam. Es wurden Leute für die FDJ-Ordnungsgruppen gebraucht, für den Einsatz bei Großveranstaltungen. Und da gab es ein Selbstverteidigungstraining. Elemente aus Judo und Karate, aber nicht als Wettkampf, sondern um Gegner zu überwältigen, festzunehmen und um stark zu erscheinen. Zum ersten Mal in seinem Leben machte Udo Prillwitz ein Sport wirklich Spaß. Sogar beim ungeliebten 3000-Meter-Lauf kämpfte er verbissen, bis er zum ersten Mal die Norm schaffte. Die Note 4. Und er wurde noch besser, bis irgendwann die Note 1 erreicht war. Willen! Eiserner Willen! Die zuständige FDJ-Kreisleitung wurde aufmerksam auf ihn und machte ihn zum Chef einer lokalen Ordnungsgruppe. Seine Ordnungsgruppe wurde die beste, zuverlässigste, weil Udo Prillwitz zuverlässig war. Und irgendjemand machte die Stasi auf Udo Prillwitz aufmerksam. Den Eigenbrötler, der längst glaubte, die anderen könnten ihn nur deshalb nicht leiden, weil er als Einziger den wahren Standpunkt der Partei klar und ohne faule Kompromisse vertrat. Aber niemand wagte sich mehr an ihn heran. Eine einzige Schlägerei nach dem Schulunterricht hatte klargestellt, dass mit ihm nicht gut Kirschen essen war. Schließlich war der Tag seines Lebens gekommen. Man hatte ihn ins Wehrkreiskommando eingeladen. Dort aber hatte ein Mann vom Ministerium für Staatssicherheit auf ihn gewartet. Ob er sich vorstellen könne, im Ministerium für Staatssicherheit für den Sieg des Kommunismus zu kämpfen. Als Offizier. Wie stolz er da war. Die Elite. Und er sollte dazugehören. So hatte er unterschrieben, über den Kontakt mit niemandem zu reden. Man half ihm, das Abitur zu machen und danach war es soweit. Nicht Einberufung, Einstellung nannte man das im MfS. So war er zum Einzelkämpfer ausgebildet geworden, Fallschirmspringen, Tauchen, Hubschrauber fliegen, Kleinflugzeug, Fremdsprachen, Auslandseinsätze als Ausbilder und Militärberater, Begleitung von Geheimtransporten. Und nun die Krönung. Die Zone. Nichts war geheimer als die Zone. Und er gehörte zum ganz kleinen Kreis der Leute, die von ihr wussten.
Und er wusste noch ein wenig mehr ... mehr, als weniger bewusste Genossen wissen durften, die ideologisch noch nicht so gestählt waren wie er.
Und das erste Mal in seinem Leben hatte er etwas gefunden, das ihn vollständig erfüllte. Ohne dass man überall mit Verrat und Abweichlern rechnen musste. Er persönlich würde einen Weg finden, der Welt zu zeigen, wie man wahres Glück für alle gestaltet. Und alle würden ihm dafür noch dankbar sein, ja zu Füßen liegen.
Jetzt hatte Hauptmann Prillwitz das Gestein durchschritten, das tiefrote Gewabere verlassen.
Er war in einer sauber weiß gekachelten Duschkabine aufgetaucht, mit eisernem Umkleideschrank davor. Hinter ihm sah man an der Wand eine stilisierte Frau, die ihre Brüste dem Betrachter darbot. Aus Fliesen gelegt. Die Riffeln der ziegelroten Bodenfliesen stellten ebenfalls diese Frau dar.
Hauptmann Prillwitz zog sich aus, hängte seinen Felddienstanzug ordentlich in den Umkleideschrank und schloss diesen.
Danach duschte er ausgiebig. Haarwaschmittel hatte bereitgestanden. Aber ein Handtuch hatte man vergessen. Schlamperei. Hauptmann Prillwitz streifte sich so gut es ging das Wasser aus den Haaren und von der Haut.
Der Raum hinter der Dusche war vielleicht 3 Meter lang und 2 Meter breit, also nicht groß, aber das reichte ja völlig. Der größte Teil dieses Raums wurde von einem gut 2 Meter langem gefliesten Betonquader eingenommen, der an den Seiten mit weiße Fliesen verkleidet war und oben mit ziegelroten geriffelten Fliesen, die eine stilisierte Frau zeigten, die ihre Brüste dem Betrachter darbot.
Hauptmann Prillwitz legte sich auf den gefliesten Quader und schloss die Augen.
Ein Wirbel erfasste ihn und schüttelte ihn durch.
Doch nur wenige Augenblicke.
Ihm schwanden die Sinne.
Dann war es geschehen.
Hauptmann Prillwitz schlug die Augen wieder auf.
Ein Schauer des Glücks durchfuhr ihn. Das Land der Träume. Die lichte Zukunft. Und er hatte Aufgaben, für deren Wichtigkeit seinen Vorgesetzten der tiefere Einblick fehlte. Und die nötige höhere Moral, die auch im Kommunismus noch zu entwickeln war. Aber er hatte den tieferen Einblick und die höhere Moral. Ach, wenn die Menschheit nur wüsste...
Wie jedes Mal kam wieder diese physisch-emotionale Reaktion. Hauptmann Prillwitz riss sich zusammen. Er hatte zu tun. Einen Orgasmus kann ein Mann unterdrücken, wenn er nur genug Willen hat.
Also stand Hauptmann Prillwitz auf. Er ging in die Knie und pustete heftig. Aber er schaffte es. Er hatte seine Kraft nicht verschwendet.
Hauptmann Prillwitz befand sich in einer anheimelnden Felshöhle, frische Luft und warmes Tageslicht strömte herein. Draußen war ein hübsches Tal zwischen himmelhoch steilen Felsen zu sehen. Aber dafür hatte Hauptmann Prillwitz keinen Blick. Die Pflicht rief. Nicht dass die Zeit übermäßig knapp war, aber Pflicht ist eben Pflicht. Hauptmann Prillwitz wandte sich einem niedrigen Höhlendurchgang zu, der nicht nach draußen, sondern leicht abwärts in den Berg hinein führte. Er bückte sich und ging hinein.
Finster war es zunächst in dem Felsgang, der sich öffnete. Aber Hauptmann Prillwitz kannte sich aus. Er hielt einfach beide Arme seitwärts, um die Orientierung zu behalten. Er wusste, dass man sich hier den Kopf nicht stoßen konnte und dass der Boden stets aus dem gleichen festen Kies bestehen würde, ohne plötzliche Erhebungen, ohne Stufen, ohne Abgründe.
Drei oder vier Minuten mochte sich Hauptmann Prillwitz durch den Gang stetig abwärts bewegt haben, als langsam ein schwach grün fluoreszierendes Licht wahrnehmbar wurde. Noch etwas später wurden die Konturen des Gangs erkennbar. Er hätte zuvor nicht nach draußen in den hellen Tag blicken sollen. Überhaupt nicht! In diesem Fall wäre die Gewöhnung an die Dunkelheit nämlich viel schneller erfolgt. Aber egal. Jedenfalls brauchte man hier keine Lampe. Nie. Hauptmann Prillwitz lief jetzt zügiger.
Nach knapp zehn Minuten endete der kleine abwärtsführende Gang und Hauptmann Prillwitz gelangte in eine große ebene Höhle, in der auch die Wände etwas heller leuchteten. Mehrere Gänge mündeten in diese Höhle und überall war der Boden gleichmäßig mit festem Kies bedeckt. Einer der Gänge war durch eine Schranke verschlossen. Eine rot-weiße Schranke, wie man sie von Bahnübergängen her kennt. Allerdings sehr viel einfacher gemacht, aus einem einfachen Baumstamm. Über dem Gang mit der Schranke stand auf der Felswand in etwas ungelenken Buchstaben:
Zutritt verboten!
Soweit man das in Peridëis beurteilen konnte, war die Aufschrift deutsch.
Ein Mann wartete in der Höhle auf Hauptmann Prillwitz. Der Mann trug einen Herrenanzug seltsam hässlicher Beliebigkeit, etwas abgewetzt, dazu Oberhemd und Schlips, und auf dem Kopf eine noch seltsamere Mütze mit umlaufendem Rand. Aus der Anzugjacke lugte links ein Doppelriemen heraus, an dem eine Reitgerte und ein zusammengerolltes Stück Seil hing. Die Anzughose war etwas anders geschnitten, als man dies von draußen kannte, denn vorne war kein Hosenschlitz, sondern ein breiter Latz wie bei einer Trachtenhose. Das hatte praktische Gründe zur Erleichterung der Bedürfnisbefriedigung mit einer passenden Genossin, die ihrerseits einen passenden Rock bedürfnisbefriedigungserleichternder Gestaltung trug. Warum der seltsame Mann aber den Hintern freigelegt trug, blieb fraglich.
Das alles wäre einem unbedarften Beobachter wahrscheinlich gar nicht aufgefallen, zumindest wenn er von vorne schaute, denn neben dem Mann befand sich etwas viel Auffälligeres: Ein zotteliges, massiges riesiges Tier mit breitem Schädel, das dröge grinste und dabei Steine aus der Wand fraß. Das ging ja noch, warum sollte so ein Vieh nicht Steine aus der Wand fressen. Aber das Vieh hatte Beine ähnlich denen eines Elefanten oder Nashorns, und zwar sechs davon. Es war ein Sechsfüßler und die lebten ausschließlich in den zahlreichen unterirdischen Gängen und Höhlen dieser Unterwelt.
Der Mann nahm Haltung an, als Hauptmann Prillwitz die Höhle erreicht hatte. Hauptmann Prillwitz fand es selbstverständlich, dass da ein Mann auf ihn wartete und nickte ihm nur wortlos und mit dienstlichem Gesichtsausdruck zu. Ein Vorgesetzter durfte nicht zeigen, dass ein Unterstellter ihn mit seiner akkuraten Pflichterfüllung zutiefst begeisterte. Man würde ihn irgendwie irgendwann auszeichnen müssen. Hauptmann Prillwitz verwarf die Idee aber wieder. Am Ende machte die Auszeichnung den Mann bloß frech und schlampig.
Der Mann überreichte Hauptmann Prillwitz einen ebensolchen Anzug, wie er ihn selbst trug. Hinternfreie Hose, vorne mit Latz statt Schlitz, dazu Oberhemd und Schlips, und für den Kopf eine seltsame Mütze mit umlaufendem Rand. Sogar abgewetzt war der Anzug. Und einen Doppelriemen mit Reitgerte und Seil daran, die sich Hauptmann Prillwitz an die linke Seite schnallte.
Als Hauptmann Prillwitz alles angezogen hatte, zog der Mann seine Gerte aus dem Halfter, gab dem Sechsfühler damit einen maßvollen Klaps aufs Hinterteil und rief: Platz!
Knurrend legte sich der Sechsfüßler auf den Boden. Der Mann half Hauptmann Prillwitz, auf den Rücken des Sechsfüßlers zu steigen. Er selbst stieg aber nicht auf.
Auf! Der Sechsfüßler bekam noch einen leichten Klaps mit der Gerte aufs Hinterteil. - Das Tier erhob sich.
Der Mann ging zur Schranke und öffnete diese.
Los! - Und gemächlich trottete der Sechsfüßler los, unter der geöffneten Schranke hindurch weiter in die Tiefen des Höhlensystems hinein. Der Mann schloss die Schranke und folgte dem Sechsfüßler. Er musste zügig laufen, denn der Sechsfüßler legte trotz seiner Massigkeit ein passables Tempo vor. Der Gang wurde mal größer, mal kleiner, dann wieder zweigten Seitengänge ab, einmal durchzogen sie eine Höhle, die riesenhaft groß erschien und sich noch weiter schräg nach unten zog. Ganz unten in der großen Höhle ahnte man ein sattrotes Leuchten, aber Hauptmann Prillwitz interessierte sich nicht dafür. Ansonsten war alles von dem seltsamen grün fluoreszierenden Leuchten durchzogen. Nur einmal sah man sogar am Ende eines Seitenganges das Tageslicht, aber da wandte der Sechsfüßler unwillig seinen Kopf ab; offenbar mochte er das Tageslicht nicht sonderlich.
Die Zeit verging. Gang um Gang, Höhle um Höhle. Manche davon wunderschön anzusehen, andere wieder bizarr. Und sogar seltsame Flugwesen umstreiften die Höhlendecke. Doch es ging stetig immer weiter.
Genosse!, ließ sich plötzlich der seltsame Führer mit dem seltsamen Anzug hören.
Was?, fragte Hauptmann Prillwitz unwirsch zurück, der im stetigen Trott seinen Gedanken nachgehangen hatte.
Ich müsste ... ich kann nicht ...
Unwilliges Knurren. Gut, sagte Hauptmann Prillwitz. Ich bin ja kein Unmensch. Machen wir eben eine Pause. Aber erst die Marschverpflegung auspacken.
Jawohl, Genosse!
Der seltsame Mann zog seine Gerte aus dem Halfter, gab dem Sechsfühler damit einen maßvollen Klaps aufs Hinterteil und rief: Platz!
Als Hauptmann Prillwitz abgestiegen war, lud der seltsame Mann noch zwei Taschen vom Sechsfüßler ab, rief: Auf!, und überließ dem Sechsfüßler einen Felsen eigener Wahl zum Verzehr. Anschließend entnahm er den Taschen zwei Sitzkissen und ein kleines rundes Tischtuch, das er auf dem Boden ausbreitete. Dann packte er aus den Taschen eine Fackel aus, die oben mit einem Korken verschlossen war. Als er den Korken oben aus der Fackel zog, flammte von selbst ein Feuer auf. Der Sechsfüßler, der vielleicht zehn Meter weiter an einem Felsen dinierte, ließ ein unwilliges Knurren hören, fraß aber gemächlich weiter. Der Feuerschein schien nicht so unangenehm wie das Tageslicht für ihn zu sein. Oder es war ihm sogar ganz egal und das Knurren war nur eine gewöhnliche Überraschungsäußerung gewesen.
Darf ich jetzt ..., Genosse..?, fragte der seltsame Mann wieder.
Ja, antwortete Hauptmann Prillwitz, aber trödle nicht zu sehr. Milch hast du mitgebracht?
Der seltsame Mann nickte.
Trink sie hinterher. Jetzt geh!
Der seltsame Mann entfernte sich schnell. Während Hauptmann Prillwitz aß, was er »Marschverpflegung« genannt hatte, hörte man bisweilen entfernt ein schnelles Keuchen, wenn der Sechsfüßler sein Maul mal schloss. So brachte man es diesen Tieren bei, weil das Zerkleinern von Steinen auch in Peridëis nicht eben eine leise Angelegenheit ist. Dazu muss gesagt werden, dass es nur Hauptmann Prillwitz war, den die Geräusche des entfernt keuchenden Manns störte; normalerweise hatte man sich mit dergleichen in Peridëis nicht so. Aber schließlich war Ruhe und der seltsame Mann kehrte zu Hauptmann Peridëis zurück.
Setz dich, sagte Hauptmann Prillwitz. Hast du deinen Samen zurückhalten können?
Ja, Genosse Hauptmann.
Sehr gut. Trink trotzdem deine Milch!
Hauptmann Prillwitz griff zu zwei Phiolen, die offenbar mit Milch gefüllt waren, reichte eine davon dem seltsamen Mann, während er die andere selbst nahm.
Zum Wohl!
Zum Wohl!
Beide tranken ihre Phiole bis zum letzten Tröpfchen aus.
Wie schaffst du es nur, dich derartig zusammenzureißen?, fragte der seltsame Mann.
Selbstdisziplin, antwortete Hauptmann Prillwitz.
Und wenn Frauen anwesend sind und deine Sinne betören?
Muss man sich wenigstens zusammenreißen, solange es geht.
Aber...
Warte, warte. Ich sage ja gar nicht, dass ihr das müsst. Ich bin doch kein Unmensch. Aber ich muss es, weil ich eine Aufgabe habe. Eine wichtige Aufgabe!
Schweigend aßen sie die »Marschverpflegung« auf, dann wurde gepackt, der Sechsfüßler geholt und weiter ging es.
Noch länger ging es durch Gänge und Höhlen, Höhlen und Gänge, und wieder wurden zahlreiche Gelegenheiten ausgelassen, wahre Schönheiten an Höhlen zu bewundern. Obwohl es sich wirklich gelohnt hätte, denn nur einige der Höhlen zeigten das gleichmäßig halbdunkel fluoreszierende Grün, die meisten schillerten in den unterschiedlichen Farben, wenngleich nie so hell wie das Tageslicht oben. Einmal aber passierte man direkt einen Ausgang ins Freie. Der seltsame Mann musste dem Sechsfüßler eine Augenbinde umlegen, weil der sich geweigert hatte, am Ausgang vorbeizugehen. Dabei schien sich das Tier nur am Tageslicht zu stören, helle Höhlen dagegen machten ihm nichts aus. Im Gegenteil: Dass Tier schien durchaus ästhetische Empfindungen zu haben, denn bei einigen Höhlen wollte es verharren, als wenn ihm diese besonders gefielen. Es machte jedenfalls den Eindruck, aber es konnte natürlich auch sein dass es in solchen Höhlen auch andere Dinge gab, die es lockten. Aber was half’s! Dienst ist eben Dienst, das galt auch für den Sechsfüßler. Und weiter ging es, Mal um Mal.
Nur einmal befahl Hauptmann Prillwitz zu halten, als sie durch eine große Höhle zogen, deren schwarze Wände mit kleinsten Kristallen besetzt waren, die in allen Regenbogenfarben leuchteten. Man musste nur seinen Kopf etwas bewegen, um völlig andere Farben schillern zu lassen. Minutenlang saß Hauptmann Prillwitz auf dem Sechsfüßler und schaute starr in die Höhle. Kein Ton war zu hören. Als er schließlich das Weitergehen befahl, klang seine Stimme belegt. Und wäre es heller gewesen, hätte man sehen können, dass sich eine Träne ihren Weg die Wange hinab gebahnt hatte. Aber er verlor kein Wort darüber.
Und weiter ging’s.
Doch irgendwann war man am Ziel. Jedenfalls soweit es die seltsame Welt aus Höhlen und Gängen anbelangte. Das Tier hatte es lange vorher gewusst, denn es war zum Schluss immer schneller geworden.
Man hielt neben einer silbrig-gold glänzenden großen Höhle. Hier fehlte das grün fluoreszierende Leuchten fast völlig, sodass der seltsame Mann eine der Fackeln aus der Tasche holte. Er hielt sich auffällig von der silbrig-gold glänzenden Höhle fern, als wäre schlechte Luft darin. Der seltsame Mann zog den Korken oben aus seiner Fackel und siehe, ein Feuer entflammte und erleuchtete den Gang vor der Höhle. Als der Schein der Fackel in die Nachbarhöhle fiel, funkelte dort selbst aus den hintersten Ecken der Schein der Fackel zurück. Nebenbei gesagt: Es war Katzengold, das man auch Schwefelkies nennt. Genau solches, wie man in der normalen Welt an dem Findling gesehen hatte, der den Übergang zwischen dem Diesseits und dem Jenseits verbarg. Warum auch hier Katzengold zu finden war, wusste man nicht. Es war eben da und sah hübsch aus. Fertig. An vielen Stellen in Peridëis fand man Katzengold; das war nun wirklich keine weltbewegende Sache. Außer wenn sich darin ganz besonders schöne Kristalle formten. Nur mochten die Einwohner dieses Landes das Katzengold nicht besonders. Selbst Tiere schienen es zu meiden. Warum auch immer.
Nachdem der Sechsfüßler sich auf Befehl niedergelegt hatte, stieg Hauptmann Prillwitz ab und der seltsame Mann mit dem seltsamen Anzug ließ den Sechsfüßler frei. Der Sechsfüßler verschmähte (siehe da!) das Katzengold und trottete lieber dorthin, wo es Sechsfüßlerbullen gab. Der Sechsfüßler war nämlich eine Sie, eine Sechsfüßlerin. Das ist übrigens völlig ohne Bedeutung, aber es gibt ja noch ganz andere Bücher, wo in einem fort das Geschlecht betont wird, ohne dass das eine Bedeutung hat. Neben wir also an, die Sechsfüßlerkuh wollte zu den Sechsfüßlerbullen, um ein wenig Spaß der unkomplizierten Sorte zu haben. Aber wie gesagt, eine Rolle spielt das nicht, denn Sechsfüßler brauchte man nur zu rufen und schon kamen sie. Einfach so. Vielleicht waren sie ja neugierig, trauten sie sich aber nicht alleine durch fremde Höhlen, weil sie zu doof waren, um alleine wieder zurückzufinden. In diesem Fall wäre die Arbeit als Lasttier ein Geschäft zu beiderseitigem Nutzen, Kraft gegen Intelligenz, und die Tierschützer unter den Lesern könnten sich wieder entspannt zurücklehnen.
Aber wir sind abgeschweift.
Hauptmann Prillwitz hielt inzwischen die Fackel, und der seltsame Mann mit dem seltsamen Anzug hatte die beiden Taschen. Gemeinsam strebten sie einem kleinen Gang zu, über dem auf der Felswand in etwas ungelenken Buchstaben stand:
SPEZIALDIENSTLEISTUNGEN
Soweit man das in Peridëis beurteilen konnte, war auch die Aufschrift deutsch.
Der schmale Gang führte sie sanft ansteigend zur Oberfläche hinauf.
Spezialdienstleistungen
Sie kamen in lichtdurchfluteten Räumen an, geschlagen in die hohen Felsen, welche die Täler in Peridëis überall säumten. In Räumen, die vielleicht zehn Meter hoch über dem angrenzenden Tal lagen. Unten am Fuß des eigenen Felsens schloss sich eine kleine Stadt an, die entstanden sein mochte, weil sich an dieser Stelle vier Täler kreuzten. Eine Stadtmauer mit je einem Tor schloss die kleine Stadt nach außen ab. Jenseits der Stadtmauer sollten den Erzählungen nach die seltsamsten Dinge geschehen, die den Grundsätzen des dialektischen Materialismus nach Marx und Engels widersprachen. Hauptmann Prillwitz war noch nie draußen gewesen. Auch in die Stadt ging er aus Geheimhaltungsgründen nur in Zivil. Wenn überhaupt.Ein Glücksgefühl fuhr durch Hauptmann Prillwitz, als er in der Raum schaute und nach draußen. Hier war die lichte Zukunft. Das Glück der Menschheit. Und er war der Vorreiter der alten Welt.
Ach ja, Vorreiter. Die Pflicht rief.
Alle Genossen seiner eigenen geheimen Dienststelle hier im Inneren des Felsens waren in Formation angetreten. Außer dem Genossen, der am Eingang zur Höhle Dienst tat. Und natürlich noch zwei weitere Genossen, die weiter unten Wachdienst hatten, die Treppe hinunter, dort, wo man von der Straße aus hinein in ihr Felsengebäude gelangen konnte.
Doch alle anderen Mitarbeiter waren angetreten. Ganz hinten die Männer der Wacheinheit in Uniform mit Stiefelhosen (leider ohne Stiefel, man kriegte hier keine), etwas näher zu ihm in Dienstuniform mit langen Hosen die Männer des Rückwärtigen Dienstes (Koch, Hausmeister, Melder und so weiter). Außer den Kraftreitern für die Sechsfüßler, weil diese einheitliche Zivilanzüge trugen, die für den Außendienst vorgeschrieben waren. Die Zivilanzüge übrigens alle etwas abgewetzt, keiner wusste warum, denn die Uniformen waren im Gegensatz zu den Zivilanzügen in einem akkuraten Zustand. Und alle trugen an der linken Seite eine Gerte, denn in dieser Gegend waren keine Waffen beschaffbar, selbst für die beste Frauenmilch nicht. Die Männer trugen alle Hosen mit einem Latz, der den Penis bedeckte. Nur der Hintern der Männer blieb unbedeckt. Ärgerlich war, dass die Dienstkräfte von Hauptmann Prillwitz keine feldgraue Uniform tragen durften, wie das in der DDR üblich war. Diese Farbe trugen schon die Büttel, die die Peris vertraten. Eine Frechheit, dass ihm die eigene Uniform verboten wurde, während die Büttel dieses Landes diese Uniform einfach so trugen. Aber da konnte man nichts machen, mit den Peris war nicht gut Kirschen essen, sagte man. Sonst drohte das Schlimmste, die Ausweisung. Also waren die Uniformen einfach aus demselben Anzugstoff gemacht, der für die Zivilanzüge Verwendung fand. Sah am Ende gar nicht so schlecht aus, fand Hauptmann Prillwitz, manchmal muss man zu guten Dingen gezwungen werden, solche »Ziviluniformen« müsste man beim MfS für den Innendienst vorschreiben, denn wie manche der jüngeren Genossen zum Dienst erschienen, war empörend. Aber weiter: Vor den rückwärtig dienenden Männern seiner Einheit, am nächsten zu Hauptmann Prillwitz, stand der wichtigste Teil seiner Dienststelle, die Kampfeinheit. Das waren alles Frauen. Sie trugen ein rosa Uniformschleifchen in den Haaren (Mützen waren schlicht nicht durchsetzbar), ein kurzes rosa Uniformkleid, das die Brüste freiließ und dessen Rockteil so kurz war, dass eine Spur Po und Scham hervorlugte. Die Frauen trugen natürlich keine Gerte an der Seite. Ach ja, und ganz vorne standen noch drei Männer in rosa Uniform, die man nicht vergessen sollte. Es waren unverzichtbare Spezialkräfte der Kampfeinheit, unbestechlich, was Frauen anbelangte.
Hauptmann Prillwitz schritt mit der rechten Hand salutierend die Front ab, während die linke Hand auf dem Griff seiner Gerte lag.
Als er am Ende der Formation angekommen war, wandte er sich einer Tafel zu, die dort an einer Wand angebracht war:
Donnerwetter!, dachte Hauptmann Prillwitz, als er die Tafel betrachtete. Jedes Tröpfchen auf der Tafel stand für einen Becher Milch und Genossin Helga hatte gestern wieder zehn Becher Milch gegeben!
Denn unter Genossen sprach man sich mit »Du« an, selbst wenn es um unangenehme Dinge ging. Hier aber war eine respektable Leistung zu würdigen. Noch dazu waren die Buchstaben auf der Tafel fast fehlerfrei abgemalt worden.
Er wandte sich um, sodass er jetzt auf seine angetretenen Mitarbeiter schaute. Genossin Helga, Genossin Gabriele und Genossin Monika, vortreten!, rief er und gab sich Mühe, Wärme in seine Stimme zu legen. Das gelang ihm leider nicht immer, aber diesmal klang es fast ein wenig entspannt.
Die drei Genossinnen traten vor.
Hauptmann Prillwitz legte Feierlichkeit in seine Stimme: Für unsere wichtige Aufgabe benötigen vor allem eins: Devisen! Die drei Genossinnen hier haben einen hervorragenden Beitrag zur Devisenbeschaffung geleistet. Dafür werden die Genossinnen in wenigen Minuten von mir persönlich ausgezeichnet. Mein Dank gebührt aber euch allen. Sowohl für die Milch, die euch täglich abgemolken wird, als auch für den unermüdlichen körperlichen Einsatz, der bei den Zielpersonen zur Ejakulation, damit zu deren Erschöpfung und letztlich damit zur Erhöhung unseres Milchverkaufs im Operationsgebiet, also der Erwirtschaftung von Devisen führt. Genossen! Die spezifischen Bedingungen dieses Landes gilt es für unsere Aufgabe zu nutzen! Das Gold dieses Landes ist die Milch unserer Frauen! Die Frauen, sie leben
Hoch! - Hoch! - Hoch!
Wir wollen aber auch nicht die Männer vergessen, die wichtige Hilfsleistungen erbringen und damit überhaupt erst die Bedingungen schaffen, unter denen es den Frauen möglich ist, entspannt ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit nachzugehen. Im Namen unserer wichtigen Aufgabe spreche ich auch euch, Genossen, einen ausdrücklichen Dank aus.
Hauptmann Prillwitz nickte nach ganz rechts, wo die Wachsoldaten standen. Die verstanden und vier von ihnen eilten in eine Ecke, wo ein großer Liegestuhl stand. Diesen schleppten sie eilends herbei und stellten ihn neben Hauptmann Prillwitz, genau vor den auszuzeichnenden drei Genossinnen ab. Anschließend griffen sie an die Seite des Liegestuhls und klappten eine Vorrichtung hoch, welche die Funktion des Stuhls nun klar erkennen ließ: Es war ein Bum-Bum-Stuhl, und auf die Stützen an der Seite konnte die Frau zu ihrer Bequemlichkeit ihre Beine ablegen. Die vier Soldaten eilten in ihre Reihe zurück.
Genossin Monika, du hast heute den dritten Platz geschafft, sagte Hauptmann Prillwitz, so sanft er konnte, leg dich auf den Luststuhl, damit du deine Auszeichnung empfangen kannst!
Genossin Monika erstrahlte, eilte zum Stuhl und legte sich rücklings hinein, die Beine mithilfe der beiden Stützen weit gespreizt.
Hauptmann Prillwitz trat an sie heran und öffnete die zwei Knöpfe, die seinen Hosenlatz verschlossen. Der Hosenlatz klappte herunter und legte seinen erigierten Penis frei. Er trat an Genossin Monika heran, deren Schoß in idealer Höhe lag, und führte ihn ein. Er keuchte, rein-raus, rein-raus, rein-raus, rein-raus. Genossin Monika jauchzte begeistert auf, so wie er es am meisten mochte. Ja, er war schon ein Glücksfall für die Frauen, die ihn ehrlich verdient hatten. Rein-raus, rein-raus, rein-raus. Er musste aber aufpassen, dass er nicht zu früh seinen Samen ergoss. Da! Das Jauchzen der Genossin Monika steigerte sich im Nu zu einem spitzen Kreischen und da zog sich schon ihr Geschlecht rhythmisch zusammen, verkündend, dass sie ihre Auszeichnung empfangen hatte.
Das sollte ihm jemand nachmachen. Nur wenige Bewegungen und schon kamen die Frauen.
Genossin Monika stand etwas benommen auf, und noch keuchend reihte sie sich wieder in die Formation ein, während Genossin Gabriele sich unaufgefordert näherte, wie es bei solchen Auszeichnungen üblich war. Auch Genossin Gabriele erhielt ihre Auszeichnung, noch bevor Hauptmann Prillwitz seinen Samen nicht mehr hätte halten können.
Nun trat Genossin Helga vor, die zehn Becher Milch gegeben hatte und legte sich zurecht. Seine Beste! Hauptmann Prillwitz trat schnell an sie heran, damit sich sein Samen nicht von alleine und damit unnütz ergoss. Es waren wenige Bewegungen, bis auch Genossin Helga ihren Zenit erreichte und das Pulsen ihres Geschlechts seinen Samen förmlich aus ihm heraussaugte. Er hielt sich an ihr fest und brach vor Lust fast zusammen. Die Welt kreiste vor seinen Augen. Jaaaaaa!, er war ein Hengst, er hatte es drei Genossinnen gezeigt, was für ein Hengst er war. Dass das so war, wunderte ihn nicht. Er war der Mann für diese Welt, zu Hause war man nur noch nicht für ihn bereit.
Heftig atmend löste er sich und stand auf.
Eine Genossin kam mit einem feuchten Tuch vorgehuscht, um ihm damit vorsichtig seine Scham zu trocknen. Nach getaner Arbeit knöpfte sie den Latz zu und huschte davon.
Genossin Helga, die Beste, lag noch weit geöffnet im Luststuhl.
Genossen!, sagte Hauptmann Prillwitz keuchend, Genossen!, wir haben eine schwere Aufgabe, und jeder hat seinen Platz. Ich werde jetzt zunächst speisen, aber in einer Stunde werde ich eure Dienstorte inspizieren. Ich erwarte, dass ihr eure Arbeit ordnungsgemäß verrichtet. Wegtreten!
Alle Mitarbeiter liefen in die verschiedensten Richtungen auseinander. Nur Genossin Helga blieb zurück.
Komm!, sagte Hauptmann Prillwitz, begleite mich in den Speiseraum!
Der Speiseraum lag ein Stockwerk höher im Gewirr der verschiedenen Felsräume und bot einen angenehmen Ausblick auf die kleine Stadt zu ihren Füßen. Obwohl das zu betonen eigentlich überflüssig ist, denn diesen Ausblick hatte man aus fast allen Räumen. Aber da der Ausblick schön war, sollte man es auch nicht unterschlagen.
Sobald Hauptmann Prillwitz auf einem Stuhl nahe einer Fensteröffnung Platz genommen hatte, trat Genossin Helga heran und reichte Hauptmann Prillwitz ohne weiteres Zaudern ihre Brust zur Stärkung. Er hatte sein Sperma in sie vergossen, da brauchte er einen Ausgleich. Nur leider trank Hauptmann Prillwitz zwar stets gewissenhaft, aber nie mit jener Leidenschaft, mit der sich andere Männer bei dieser Gelegenheit gerne in einen regelrechten Rausch hineinsteigerten. Nicht dass das nötig war, aber irgendwie beflügelte es ein wenig. Besonders die zwei Flügelchen zwischen den Beinen und was diese zudeckten. Da Genossin Helga aber vorbildlich mit Milch gesegnet war, bekam Hauptmann Prillwitz bequem und reichlich, was er brauchte. Ja, sie hätte noch weit mehr geben können.
Du darfst gehen, sagte Hauptmann Prillwitz, und wischte sich den Mund ab.
Und jetzt das Essen!, setzte er laut nach.
Obwohl er, wenn er es sich ehrlich eingestand, regelrecht satt war. Aber das Essen war gut hier.
Nachdem er gegessen hatte, es hatte zartes Lammfleisch mit Trüffeln, Gemüse und neuen Kartoffeln gegeben, dazu ein außerordentlich guter Weißwein, entschloss er sich, zuerst das Bordell zu inspizieren. Um mehr Männer anzulocken, hatte er zwei Arten Bordell eingerichtet. Das eine war eine Art Schnellimbiss, für Männer gedacht, die eilig zwischen zwei Arbeiten ihren Trieb befriedigen mussten. Man hätte natürlich je eine Genossin zur Anregung lasziv tanzen lassen können, während der betreffende Mann die Handentspannung an sich vornahm, aber das fand Hauptmann Prillwitz unmoralisch, schließlich war der Sexualtrieb nicht für einen selbst da. Also hatte er an der Außenseite seiner Dienststelle die Fensteröffnungen so mit Brettern verschließen lassen, dass nur eine Anzahl von Löchern blieb. Die Löcher waren gerade groß genug, dass je eine seiner Genossinnen ihren Unterkörper durch das Loch hindurch nach außen schieben konnte. Draußen auf der Straße fesselte ein Genosse ihre Beine in gespreiztem Zustand mit Schlaufen über dem Loch, sodass die Genossin sich nicht unnötig anstrengen musste. Auf diese Weise lag im Licht der Straße nur der geöffnete Schoß fertig zur Benutzung bereit, alles oberhalb aber nicht. Und einer der Genossen machte draußen Dienst an der Kasse und hatte ein Auge darauf, dass nur Penisse in die dargebotenen Pflaumen gesteckt wurden und man die angeschnallten Beine nicht kitzelte. Der Schnellimbiss brachte bei Licht betrachtet leider herzlich wenig ein und außerdem wurde nur allzu oft ein Auge zugedrückt, wenn ein Mann wieder einmal den Kassierer beschwatzt hatte oder jemand schummelte. Aber letztlich ging es ohnehin nur darum, die Männer zum Samenerguss zu verleiten, weil sie in diesem Fall dringend Milch brauchten, die man ihnen wenige Meter weit in bekanntermaßen allerbester Qualität pulverisiert oder als Frauenbutter verkaufen konnte. Verkauft wurde gegen Schuldscheine für Arbeiten aller Art, die der betreffende Mann mit seinem Fingerabdruck besiegelte, oder gegen Naturalien. Wenn ein Mann seinen Samen zurückhielt, hatte man eben Pech gehabt, aber die Genossin, wenn er gut war, wenigstens ihr Vergnügen, ohne einen Finger dafür krumm machen zu müssen.
Die zweite Art Bordell ein Dutzend Meter weiter im Inneren der straßennahen Felsenräume war ergiebiger. Ohnehin dienten im ersten Bordell nur die Frauen, welche je nach momentaner Mode gerade weniger gefragt waren, oder solche, die momentan keine Lust zu irgendeiner Anstrengung verspürten. Oder die gerade keine Lust auf Männer hatten, wohl aber auf prall geschwollene Penisse. Man legte sich eben hin und überließ den Penissen (nicht Männern) den anstrengenden Teil. Und dabei malte man sich vor dem inneren Auge irgendeinen Prachtkerl aus, oder, je nachdem, in welche Richtung die betreffende Frau neigte, vielleicht auch einen brutalen Kerl oder eine rechte Sau oder wen oder was auch immer. Dergleichen Wunschträume sind nicht selten, da soll man sich nichts vormachen.
Im zweiten Bordell nahm man deutlich mehr ein, aber dafür war von den Frauen hier auch Fantasie und Hingabe gefragt. Das lief so: Sobald ein Mann den Raum betrat, bezirzte ihn sofort eine der Genossinnen und heizte ihm gehörig ein. Eine schwierige Aufgabe, denn wenn der Mann absprang, dann saß die arme Genossin mit pitschnassem Schoß da und konnte zusehen, wie sie ihn selbst beruhigt bekam. Aber das war zum Glück nicht die Regel. Sie heizte ihn jedenfalls an, so gut sie nur konnte. Und wenn er seinen Verstand schon ganz verloren hatte, handelte man den Preis für ihre Milch aus, die hier frisch aus der Brust im Angebot war. War man sich einig, in Naturalien oder gesiegelter Arbeitsverpflichtung, so ritt sie ihn. Oder er sie. Oder man machte noch andere Spiele. Schließlich ergoss er sich in ihr oder verweigerte seinen Samen, worüber sie allerdings schmollen würde. An sich war es ganz egal, ob sich der Mann in die Frau ergoss, denn die Milch war bereits bezahlt. Aber so manche Frau machte es zum Bestandteil des Vertrags, dass er sich ergießen würde, weil es irgendwie ihr Selbstgefühl stärkte, frischen männlichen Samen in sich zu tragen. Der Beweis, dass man begehrt war. Man sagte auch, dass es gut für die Stimmung war, schöner machte und lauter solche Dinge, bei denen man nie wusste, ob sie stimmen. Aber da man nie weiß und es auch nicht schadete, war es nur recht und billig, wenn sich die Männer in die Frauen ergossen, wenn sie denn schon deren Milch bekamen. Tja, und nach dem Schlussakkord folgte in der Regel eine kleine Pause. Da schwatzte man und aß oder trank vielleicht etwas. Zum Schluss aber, stets und ohne Ausnahme, holte er sich aus ihrer Brust mit Gewinn zurück, was ihm eben aus dem Penis entflossen war. Denn ohne das riskierte er, zum Satyr zu verkommen. Schließlich folgten Schwüre, sich wiederzusehen, oder auch nicht. Und er ging befriedigt seiner Wege, sie aber ruhte etwas aus oder holte sich den nächsten Mann. Das war eine wichtige Aufgabe, hatte der hochverehrte unvergleichliche geniale Hauptmann Prillwitz ihnen gesagt. Zwar wusste man in Peridëis gar nicht, was das Wort »wichtig« bedeutete, aber etwas zu tun, was Hauptmann Prillwitz gefiel, bereitete allemal Vergnügen.
Hauptmann Prillwitz fand im Bordell alles zum Besten, drückte ein Auge zu, als ein Mann sich an der Kasse vorbeischummelte und stieg an den Wachen vorbei wieder die Treppen zu den höheren Stockwerken empor. So gelangte er zur Molkerei, die wegen der wertvollen Milchbestände durch eine eigene Wache gesichert war. Hier zeigte sich, wozu die rosa uniformierten Spezialisten da waren. Es handelte sich um die Melker, wegen ihres Feingefühls allesamt schwul, wahre Zauberer, was die Kunst anbelangte, den Brüsten der gemolkenen Genossinnen den letzten Tropfen Milch zu entlocken. Dazu muss man wissen, dass eine Brust weit mehr Milch gibt, wenn man sie streichelt, lockt und überlistet, als dass man den Versuch unternimmt, sie zwingen zu wollen. Eine Brust muss wollen, muss wimmern, dass man ihr die Milch entnimmt, sagten erfahrene Melker. Die besten von ihnen kamen nur in die Nähe einer Brust und schon fing die an zu tropfen oder gar zu spritzen. Melkböcke gab es aber vielerlei, je nachdem, was die betreffenden Frauen gerade bevorzugten und welche Art Brust sie hatten. Da gab es Liegen mit Aussparungen in Brusthöhe, die man heben, senken oder kippen konnte, da gab es einfache Griffe an der Wand und darunter ein Tisch für den Milchkrug und vieles mehr. Und noch einen Vorteil hatten die schwulen Melker: Sie fassten die Frauen nicht an. Hauptmann Prillwitz war stolz auf seine Idee der schwulen Melker. Sultane und so weiter waren doch allesamt Trottel gewesen, dass sie arme Knaben kastrieren ließen. Er als Marxist verachtete sie für diese Grausamkeit, dabei war die Lösung doch so einfach.
Einer der Melker kam jetzt zu Hauptmann Prillwitz: Ach Genosse Hauptmann! Sie wollten doch so gerne wissen, ob man Milch in verschiedenen Geschmacksrichtungen züchten kann. Leider ist uns das noch nicht gelungen, ich bin untröstlich. Nur eins haben wir herausgefunden: Ernährt man eine Frau bei Vollwertkost mindestens vier volle Tage lang nur mit pflanzlicher Kost, also ganz ohne Milch und ohne Fleisch, dann wird ihre Milch sauer, wenn man die stehen lässt. Bekommt die Frau aber wieder Fleisch, und sei es nur wenig, so wird die Milch nicht sauer [26].
Hauptmann Prillwitz rieb sich das Kinn. Und antwortete schließlich: Aber das ist doch schon ein Ergebnis, merkt ihr das nicht? Sieh zu, was man daraus machen kann. Aber geheimhalten! Wo ich herkomme, schafft man es, aus Milch weit mehr zu machen, als man es hier kennt. Man nennt es Joghurt, Käse und so weiter [27]. Der Melker entfernte sich.
Hauptmann Prillwitz war nicht unzufrieden. Die Genossen hier in seiner eigenen geheimen Dienststelle führten Befehle gewissenhafter aus, als er das aus dem Diesseits kannte. Und das, obwohl es keine Entlohnung gab. Hier war man nahe am Kommunismus! Nur musste man den Leuten regelrecht vorkauen, was sie zu tun hatten. Wirkliche eigene Ideen hatten die nicht. Andererseits: Auf die Weise hatten sie auch keine dummen eigenen Ideen. Aber dass die Männer direkt von der Milch der Frauen abhängig waren, das war ein echtes Problem. Hoffentlich eins, das lösbar war. Er arbeitete daran. Vorerst war es das Wichtigste, Macht zu konzentrieren. Und wirtschaftliche Macht erlangte man hier durch Milch und natürlich auch durch Besitz. Nicht dass der in Peridëis eine Rolle spielte, weil man fast alles ohne viel Arbeit kriegte, aber trotzdem. Besitz zu konzentrieren war ganz sicher eine strategisch wichtige Entscheidung.
Hauptmann Prillwitz stieg die Stufen empor zur obersten Etage im Felsen. Diese Etage war alleine ihm vorbehalten. Eine Wache salutierte. Noch zwei Treppenabsätze und Hauptmann Prillwitz war oben. Er öffnete die schwere Holztür zu seinem Gemach. Ein lichtdurchfluteter Raum bot sich dar. Ein riesiger Raum. Mit eigenem Schwimmbecken, das aus einem Felsquell gespeist wurde, herrlichem Ausblick, Möbeln aus traumhaft schön gemasertem Holz, der Fußboden belegt mit seltenen bunten Steinen, die man tief unten im Höhlensystem von Peridëis fand, einem riesigen Bett und auch sonst allem, was man an Annehmlichkeiten finden konnte.
Hauptmann Prillwitz ließ sich auf das riesige Bett fallen und stöhne vor Wonne auf. War das schön hier! Er hatte das verdient. Er arbeitete an der Zukunft dieses Landes. Er war der Einzige, der einen Plan hatte, der die Menschheit in die lichte Zukunft führen konnte.
Rechts neben ihm war ein Brett mit einer Reihe von dicken Schnüren mit je einer Holzmurmel am Ende. Über jeder dieser Schnüre war ein Symbol gezeichnet. Er zog die Schnur, über der eine nackte Frau gezeichnet war. Eine mit überdeutlich betonter Vulva. Nur wenige Augenblicke später klopfte es, und als er Herein! rief, erschien eine wunderschöne ganz nackte Frau. Als sie ihn fragend anschaute, sagte er kurz: Mach’s mir mit dem Mund.
Er lag auf reglos dem Rücken, die Augen geschlossen, sie huschte lächelnd herbei, kniete sich zwischen seinen Beinen nieder, öffnete ihre Lippen und saugte seinen Penis in sich...
...als er seinen Samen ergossen und sie sich mit seiner Erlaubnis einen Schluck der eigenen Milch zum Nachtrinken gestattet hatte, versorgte sie ihn mit dem nötigen Ausgleich aus der eigenen Brust und dann huschte sie davon und schloss leise, sehr leise, die schwere Holztür und Hauptmann Prillwitz war wieder alleine.
Als er wieder zu sich gekommen war, ging Hauptmann Prillwitz zur Fensteröffnung und schaute nachdenklich hinaus.
Eigentlich rief die Pflicht und er müsste wieder zurück, dachte er. Aber ach was, eine Nacht gönnte er sich. Es war noch nicht dunkel, aber er war müde. Und so ging er zurück zu seinem Bett, ließ sich fallen und schlief Sekunden später ein.
Etwas später wurde es draußen dunkel und die immer im Zenit stehende Sonne verwandelte sich in den Nachtmond. Leise Geräusche drangen von außen herein und die Nacht war mild und angenehm. Hauptmann Prillwitz schlief einen tiefen und erholsamen Schlaf.
Am nächsten Morgen wachte er frisch und erholt auf. Guten Morgen, sagte eine hübsche Sklavin, nein, Genossin, die neben seinem Bett stand. Sie war mit einem aufreizenden leichten rosa Nachtkleid versehen, das die Brüste frei ließ. Die Sonne schien schon hell. Die Vögel schwatzten ihr übliches dummes Zeug, das sie irgendwo aufgeschnappt hatten und einer von denen klaute gerade ein Stück Brot von dem Frühstück, das auf dem Tisch bereitstand. Frühstück aß Hauptmann Prillwitz nämlich gerne alleine. Sollte er doch, der Vogel, dachte Hauptmann Prillwitz versöhnlich, Krankheiten und Parasiten gab es hier nicht. Hauptsache, der latschte ihm nicht durch die Frauenbutter. Doch siehe da, man hatte seine Weisungen beachtet, die Frauenbutter war abgedeckt.
Die hübsche Skla ... Genossin legte sich neben Hauptmann Prillwitz ins Bett und bot ihm eine Brust als Morgentrunk dar. Durch die Brust einer Frau wach zu werden, war natürlich etwas anderes, als durch die Hupe in seiner Dienststelle im Diesseits. Wenngleich es ärgerlich war, dass ein Mann hier gar keine andere Wahl hatte - er brauchte die Milch der Frauen ja. Hauptmann Prillwitz hatte einmal probiert, wie lange er ohne Milch auskommen konnte und hatte noch immer unangenehme Erinnerungen daran. Ein Schmerz wie bei einer Auspeitschung. Da war wohl nichts zu machen und er ergab sich in die Notwendigkeit. Gut, zugegeben. Unangenehm war die Medizin ja nicht (besonders jetzt gerade und die Genossin sprudelte nur so aus ihren wirklich hübschen Brüsten), aber Hauptmann Prillwitz mochte es nun einmal nicht, wenn ihm etwas aufgezwungen wurde. Beim Genuss des Morgentrunks (die Genossin, half mit melkenden Fingerbewegungen) wurde Hauptmann Prillwitz langsam wach. Und irgendwann war er zufrieden.
Hauptmann Prillwitz stand nun auf und begab sich auf die Toilette. Eine blitzsaubere Wassertoilette, gespült von einem stetig quirlenden Bergquell, oben aber aus edlen Holz, bei dem alles außer der Sitzfläche mit Ornamentschnitzereien verziert war. Mit dabei sogar das seltsame immer wieder auftauchende Symbol der Frau, die ihre Brüste dem Betrachter mit ihren Händen darbot und deren Füße zu einem großen »O« geformt waren.
Anschließend ließ sich Hauptmann Prillwitz in sein Schwimmbecken fallen, dessen Wasser wie immer eine ideale Temperatur hatte. Wie machen die das bloß?, fragte sich Hauptmann Prillwitz einen Moment lang, denn Technik irgendwelcher Art gab es hier ja nicht. Aber er verfolgte den Gedanken nicht weiter. Das Schwimmbecken war groß genug für ein paar echte Schwimmstöße, Hauptmann Prillwitz tauchte einmal tief unter, und als er hochkam, stand die Genossin schon bereit, um ihn mit einem großen Tuch trockenzureiben.
Hauptmann Prillwitz stand ganz still und genoss die Behandlung. Dass sich sein Penis aufrichtete, störte ihn nicht. Im Gegenteil, es zeigte der Genossin, wie sie ihn motivieren konnte, wieder hierher zu kommen, um ihnen allen den Weg in die lichte Zukunft zu zeigen. Und siehe! Sie verstand. Oder er erregte sie, was wahrscheinlicher war. Jedenfalls rutschten ihre Lippen über seinen steifen Penis, der daraufhin seine volle Größe erreichte. Hauptmann Prillwitz schloss die Augen und verließ sich darauf, dass ihn die Genossin im Gleichgewicht halten würde, ein Vertrauen, das er im Diesseits nie würde aufbringen können. Die Lippen saugten geschickt, ließen den Penis wieder aus dem Mund herausgleiten, nochmal und nochmal. Und Hauptmann Prillwitz sah, als er die Augen öffnete und nach unten schaute, wie die Brüste der Genossin, im Takt ihrer Bewegungen wippten. Da kam es ihm und sein Samen spritzte Stoß um Stoß in ihren Mund. Gleich nach dem Aufwachen kam sein Orgasmus leider nie so tief aus dem Inneren des Körpers wie tagsüber, aber was machte das schon. Die Genossin hatte ihre Aufgabe jedenfalls gut erfüllt. Er dankte und erlaubte ihr, sich einen Becher Fruchtsaft von seinem Tisch zu nehmen. Dann machte die Genossin einen Knicks vor ihm und ging. Diesen Knicks konnte man den Frauen hier einfach nicht abgewöhnen. Man brachte ihnen mühsam das Salutieren bei, und beim nächsten Mal machten sie doch wieder einen Knicks.
Jetzt war Hauptmann Prillwitz wach genug für sein Frühstück. Er setzte sich an die Fensteröffnung, allerbester Laune, und nahm sich eine dieser seltsamen Kaffeefrüchte. Hauptmann Prillwitz drehte und zog rhythmisch und vorsichtig am Stiel der Frucht, bis er ihn aus der Frucht herausgezogen hatte. Siehe da: Dampf und Kaffeeduft entstieg der Frucht. Hauptmann Prillwitz kippte ihren Inhalt in die bereitstehende Kaffeekanne und nahm sich auch gleich eine Tasse voll. Ein Kännchen Milch stand bereit und er kippte reichlich davon in den Kaffee. Von Frauenmilch musste man deutlich mehr für den Kaffee nehmen, als es bei Kuhmilch nötig war, aber andererseits schmeckte der Milchkaffee auf diese Weise ausgezeichnet. Hauptmann Prillwitz nahm sich eins der frisch gepflückten Brötchen, die angeblich von Zwergen hierher gebracht wurden. Aber er hatte noch nie einen Zwerg gesehen. Die Butter war sehr weiß und zartschmelzend. Auch diese war aus Frauenmilch gemacht, da der Genuss von Tiermilch als widernatürlich galt. Anfangs hatte sich Hauptmann Prillwitz sehr überwinden müssen, diese zu kosten, denn es war etwas Anderes, im Zustand sexueller Erregung eine Frauenbrust zu genießen (da machte man noch ganz andere Dinge), als im Normalzustand, soweit es diesen hier in Peridëis gab, sich Frauenbutter aufs Brötchen zu schmieren und dieses zu essen. Aber es schmeckte delikat und wenn man etwas Erfahrung hatte, konnte man unterschiedliche Aromen herausschmecken, je nachdem, welche Frau die Milch für die Butter gegeben hatte. Nur minderwertige Produkte wurden aus wahllos zusammengekippter Milch gemacht! Nein, normalerweise versuchten die Frauen durch spezielle Ernährung, eine ganz besondere Milch zu geben, deren edlen Geschmack sich umso mehr in der daraus gewonnenen Butter entfaltete. Es gab wahre Schulen, wo diese oder jene Ernährung gelehrt wurde, um am Ende edelste Milch geben zu können. Einiges davon schien aber auch blanker Unsinn zu sein und kein Mensch bemerkte einen Unterschied. Doch wehe dem Mann, der nicht wenigstens Beifall heuchelte, selbst wenn er keinen Deut merkte. Nicht so die Frauen untereinander. Entweder hatten sie tatsächlich einen viel feineren Geschmackssinn oder sie ahnten schlicht besser, was die andere Frau hören wollte.
Das erste Brötchen aß Hauptmann Prillwitz jedenfalls nur mit Butter und spürte auf dem Gaumen dem feinen Aroma nach. Beschweren konnte man sich nicht. Das war eine wirkliche Delikatesse. Aber beim zweiten Brötchen langte er doch zur Salami und beim dritten Brötchen noch einmal.
Ach war das ein Leben! Die ganze Menschheit würde das haben können, wenn sie nicht alles verdarben, sondern auf ihn hörten. Verzwickt war nur dies: Man hatte ihm klipp und klar gesagt, dass er nur gerade so geduldet wurde. Und auch nur hier an diesem Platz. Die Peris duldeten nur, wen sie selbst hergeholt hatten. Fast ein Wunder, dass es bisher bei dem einen und einzigen Besuch der Büttel geblieben war, wobei Hauptmann Prillwitz nicht einmal ansatzweise ahnte, wie man ihn entdeckt hatte. Eine Meldebehörde gab es in diesem völlig unübersichtlichen Land ja nicht. So blieb er lieber unscheinbar und beschränkte sich auf vorsichtige Erkundungen und auf die Schaffung der wirtschaftlichen Basis. So wie er es jetzt tat. Mehr würde bloß alles verderben. Und die Genossinnen der Kampfeinheit waren instruiert, die Männer, die sie besuchten, vorsichtig zu agitieren und solche Männer zu melden, die eventuell zur Erkundung dieses Landes infrage kamen. Hauptmann Prillwitz hatte ihnen eingehämmert, dass das überhaupt das Wichtigste war: Dass sie mit ihren wunderbaren Körpern die Männer anlocken konnten, um sie für den Kampf für die lichte Zukunft zu gewinnen. Männer, die man sonst nie erreicht hätte und die sonst nie zugehört hätten. Lagen sie erst einmal erschöpft in ihren Armen, dann waren sie bereit, vorsichtige winzige Dosen der großen Sache zu erfahren. So war das. Das war das geheime Werk. Dass man Milch dabei verkaufen konnte und Arbeitsleistungen erwerben, das war natürlich ein kluger Schachzug von ihm, denn ohne materielle Basis konnte man nun mal nicht operieren. Eigentlich würde sich Hauptmann Prillwitz das Land gerne selbst anschauen. Das winzige Städtchen zu seinen Füßen lag am Ende eines Tals. Zwischen den hohen steilen Felswänden des Tals verschloss eine Mauer mit einem festen Stadttor den einzigen Zugang. Was dahinter kam, hatte er leider nie mit eigenen Augen sehen können. Schon die Höhlen waren unglaublich, wie musste da erst das übrige Land sein. Man erzählte sich Sagenhaftes, und wenn da nur ein Zehntel stimmte... Aber er wagte nicht, gegen die Befehle der Büttel zu verstoßen, auf gar keinen Fall. Zu viel stand auf dem Spiel. Also musste er Kundschafter aussenden, die ihm ausführlich berichteten.
Hauptmann Prillwitz war satt und sah noch einmal wehmütig nach draußen. Leider würde er jetzt wieder abreisen müssen. Man hatte durch diese seltsamen Zeitdehnung zwar einige Zeit zur Verfügung, aber leider nicht beliebig viel. Hauptmann Prillwitz erhob sich und stieg die Felsentreppen nach unten. Seine geheime Einheit war bereits zur Verabschiedung angetreten. Hauptmann Prillwitz sprach noch zwei oder drei Ermahnungen, machte es ansonsten aber kurz. Als er fertig war, schritt er auf die rosa uniformierten Frauen seiner Kampfeinheit zu, ließ seinen Blick von Frau zu Frau wandern und wählte schließlich eine aus: Du kommst mit, Genossin, sagte er. Die Genossin war sozusagen seine Wegverpflegung. Das klang etwas unschön, aber letztlich war es nur keine Lüge.
Er nickte seinem persönlichen Kraftreiter zu. Bist du befriedigt, oder...?
Ja, Genosse Hauptmann. Ich bin soweit fertig zum Aufbruch.
Ausgezeichnet!
So stiegen alle Drei, der Kraftreiter (in dem seltsamen Anzug), Hauptmann Prillwitz und die Genossin in ihrer aufreizenden rosa Uniform, die Felsentreppen hinunter in den Untergrund. Der Kraftreiter hatte eine Fackel mit, damit sie nicht erst ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnen mussten.
Im Gang vor der gold-silber-glitzernden Höhle stand schon ein Sechsfüßler bereit, fraß aber nicht, da der gold-silber-glitzernde Stein ihm offenbar nicht schmeckte.
Platz!, rief der Kraftreiter.
Der Sechsfüßler legte sich bereitwillig nieder und die Genossin stieg nach Aufforderung durch Hauptmann Prillwitz auf, während er sich hinter sie setzte.
Auf!, rief der Kraftreiter und das Tier richtete sich mit ihnen auf.
Und los ging es, Höhle um Höhle, Gang um Gang, zurück zum Übergang, der wieder ins Diesseits führte.
Die Genossin vor ihm auf dem Sechsfüßler erwies sich als etwas zappelig, denn ständig zog sie die Hand von Hauptmann Prillwitz hin zu ihrem versteckten Pünktchen, auf dass er ihr die Zeit vertreibe oder zu ihren Brüsten, auf dass er dort ein wenig herumspiele. Hauptmann Prillwitz vermutete laut, ob sie wohl den Dienst geschwänzt habe, wenn es sie so sehr jucke. Irgendwann reichte es ihm, er saß vom Sechsfüßler ab, übernahm selbst dessen Führung und befahl dem Kraftreiter, aufzusteigen und oben der Genossin etwas Ruhe zu verschaffen. Erst als dies erledigt war und der Kraftreiter auch seine verlorene Essenz an ihren Brüsten ausgeglichen hatte, tauschen sie wieder ihre Rollen und da die Genossin etwas schmollte, wurde Hauptmann Prillwitz klar, woher der Wind wehte. Wenn wir angekommen sind, nehme ich dich, vorher nicht!, sagte er ihr. Sofort besserte sich ihre Laune.
Noch eine gute Stunde später befahl er der Genossin, sich zu ihm umzuwenden und labte sich an ihren Brüsten, ohne durch eine Pause Zeit zu verlieren. Dem Kraftreiter gönnte er den Trunk während der obligatorischen Picknick-Pause, in der auch das Tier seinen Hunger an den umliegenden Felsen stillen konnte.
An der große Höhle, deren schwarze Wände mit Kristallen besetzt waren, die in allen Regenbogenfarben leuchteten, wurde auch noch einmal gehalten.
Doch irgendwann war man angekommen. In der Höhle mit der Schranke, in der die Hinreise begonnen hatte. Nun hieß es, wieder Abschied zu nehmen. Nein, nicht Abschied nehmen, er durfte ja nicht zeigen, dass er Peridëis verließ. Soviel wusste er, dass die Einwohner von Peridëis niemals erfahren durften, dass man von Draußen war. Hauptmann Prillwitz hatte einmal versucht, eine schöne Genossin mit ins Diesseits zu nehmen, aber diese bekam regelrecht Todesangst, als sie den steinernen Tisch sah, der einen ins Diesseits hinaus brachte. Schon vor der Höhle hatte sie sich kreischend mit allen Kräften gewehrt, gebissen, gekratzt und ihm schließlich, schon auf dem Altartisch, mit aller Kraft in die Hoden getreten. Als er aufwachte, war er nicht mehr in Peridëis, sondern schon im weißgekachelten Duschraum des Übergangs zum Diesseits. Der Schmerz hatte nur den Bruchteil einer Sekunde gedauert und war hier jedenfalls wie fortgeblasen. Und die Genossin auch, wie er feststellte, als er wieder nach Peridëis zurückgekehrt war. Er sah sie nie wieder: Seitdem traute er sich nicht mehr so recht aus seiner Dienststelle in die Täler von Peridëis hinaus. Auch nach Peridëis selbst hatte er sich danach lange nicht mehr getraut, aber es zog ihn magisch zurück, er konnte einfach nicht anders. Seine Tat hatte aber in Peridëis keine erkennbaren Folgen gehabt. Nichts! So hatte er langsam wieder Selbstvertrauen gewonnen, doch wie gesagt: Draußen war es ihm nach wie vor etwas unheimlich. Auch wegen der Peris und ihrer Büttel, die ihn nur duldeten. Aber auch sonst. Leute wie er, die von draußen kamen, galten den Leuten hier eben als Zauberer, Hexen, als unheimliche Wesen, die über gefährliche unerklärliche Kräfte verfügten und die keinesfalls zu den Ihrigen zählten. Das wollte Hauptmann Prillwitz nicht. Er hasste es auch, dass er über solche Kräfte verfügte, Kräfte, von denen er sehr wohl wusste. Beispielsweise das Besenfliegen. So etwas verstieß grundlegend gegen die Lehren des Dialektischen Materialismus und deshalb machte er so etwas nicht. Das war ja, wie manche seiner Mitgenossen, die zu Hause im Diesseits heimlich in den Intershop gingen, sich dort zum Beispiel West-Duschbad kauften und dieses gut sichtbar in ihr Bad stellten. Und am Ende vielleicht noch mit Duschbad aus DDR-Produktion auffüllten, wenn das Westprodukt alle war. Das war nicht ehrlich, und so einem Genossen war nicht zu trauen. Er aber wollte konsequent sein. Wenn er erst einmal an der Macht wäre, würde er das Zaubern einfach verbieten und dann würde sich das Thema durch Vergessen irgendwann von selbst erledigen. So einfach war das. Das Sein prägt das Bewusstsein und Zaubern war so etwas wie Religion, absterbend, stinkend, faul. Eine tiefere Bewusstseinsstufe.
Doch ... für diesmal war die Reise zu Ende.
Platz!, hörte er den Kraftreiter rufen. Der Sechsfüßler legte sich. Sie stiegen ab.
Komm her!, rief er die Genossin zu sich. Die ließ sich das nicht zweimal sagen und lüpfte ihr Uniformröckchen lockend.
Ja, leg dich hin, sagte Hauptmann Prillwitz. Und als sie auf dem weichen angenehm temperierten Kies lag und ihre Knie anhob, hielt es auch ihn nicht mehr. Den ganzen Ritt über hatte er nicht ein einziges Mal Befriedigung gehabt. Er ging selbst auf die Knie, öffnete seinen Latz und die Genossin half ihm, seinen aufgerichteten Penis in ihre Scheide zu schieben. Diesmal dauerte der Genuss länger und der Kraftreiter hatte sich längst gegen den Sechsfüßler gelehnt zu Ende befriedigt, als Hauptmann Prillwitz sich endlich in die Genossin ergoss. Aber zum Abschied konnte man sich auch mal etwas Zeit nehmen, befand Hauptmann Prillwitz. Er trank nur so viel Milch, wie tatsächlich nötig war (die Genossin schmollte wieder etwas) und überließ dem Kraftreiter den Rest. Die Frauen hier hatten zwar mehr als genug Milch für zwei Männer, aber sicher war sicher, man musste wirklich kein Unwohlsein riskieren.
Hauptmann Prillwitz zog sich nackt aus und übergab seinen Anzug dem Kraftreiter.
Ich gehe jetzt nach oben, sagte er. Ihr kennt eure Aufgabe.
Beide nickten.
Nach der Verabschiedung machte Hauptmann Prillwitz sich durch den schmalen Gang auf den Weg zum Übergang, der ihn zurück ins Diesseits bringen würde. In die Zone. Dort, wo IM Steffen auch bald eintreffen würde.
Da war auch schon der Ausgang ins Freie, wo grell die Tagessonne herein schien. Hauptmann Prillwitz ging auch diesmal nicht nach draußen, sondern bog direkt ab zu der Höhle mit dem seltsamen Steintisch mit dem Symbol der Frau, die dem Betrachter ihre Brüste entgegenhielt.
Es musste sein.
Er legte sich nackt auf den Steintisch.
Ein Blitz knallte, die Welt verschwand, er wirbelte herum, Farben zuckten und dann...
...war er wieder in der weiß gekachelten Duschkabine mit den stählernen Umkleideschränken. Er öffnete den Umkleideschrank, in den er seinen Felddienstanzug gehängt hatte, und zog diesen an.
Als dies getan war, schritt er auf die Wand zu, in die mit Fliesen die Frau dargestellt wurde, die ihre Brüste dem Betrachter entgegenhielt. Er ging in die Wand hinein. Die Wand schloss sich hinter ihm, als wäre nichts gewesen.
Hauptmann Prillwitz schritt langsam mit den Händen rudernd durch die tiefrot wabernde Flüssigkeit.
Und dann war er plötzlich wieder im Diesseits.
Hauptmann Prillwitz ging sofort lautlos in die Hocke. War der IM etwa schon da? Er lauschte. Er schaute. Nein!
Wieder einmal Glück gehabt, er sollte nicht zu viel riskieren. Wie angekündigt stellte Hauptmann Prillwitz eine Taschenlampe für den IM bereit und nutzte die verbleibende Zeit für eine Zigarette. Nach dem Rauchen räumte er alles sorgfältig auf und verpackte das Verbrauchsmaterial vorsichtig in eine doppelte Folie, die er in seinen Rucksack tat.
Als er nach einiger Zeit ein Geräusch hörte, rief Hauptmann Prillwitz: Schon da?
Ja! Ich bin zurück!
Wenige Augenblicke später kam IM Steffen in den »Pausenraum«.
Den Bericht verschieben wir auf nachher, sagte Hauptmann Prillwitz und erhob sich. Auch wenn es noch so sehr drückt. Zieh Gummihandschuhe an, und dann ohne Zeitverzug los und raus aus der Zone! Rauchen können wir später. Und denk daran: Vorsichtig bewegen, immer direkt hinter mir halten. Liege ich im Dreck, liegst du Bruchteile von Sekunden später ebenfalls und so weiter. Absolute Konzentration auf die Zone, für alles Andere haben wir nachher alle Zeit der Welt. Alles klar?
Alles klar.
Dann los. ... Ach ja, ehe ich es vergesse: Hast du übrigens diesen Text gelesen - den ganz am Eingang?
Hab ich: Ergieße dich mit Lüsten, labe dich an Brüsten. stand dort.
Ausgezeichnet. Und jetzt los. Dran denken: Vorsicht und größte Konzentration!
Bin ganz Auge und Ohr.
Operativer Bericht
Treffbericht
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Datum: ████████████
Deckname: Schauspieler
Treffort: Objekt P
Mitarbeiter: Prillwitz
Treffvorbereitung:
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- Erster Kontakt mit dem Inoffiziellen Mitarbeiter
- Erstmaliger Zutritt des IM zum Operationsgebiet P
- geplantes Treffen
- Besuch der Zone 24h vorher anmelden
- Gästehaus reservieren, ganzer Tag
- Besucherwartburg mit Fahrer nach Berlin
- Treffpunkt 10.00h, S-Bahnhof Berlin-Buch, vor Bahnhofshalle
- Kennwort: "Kaffee-Ausflug"
- Rückfahrt: Abend, unbestimmte Uhrzeit!
- Chef einen Tag vorher an Termin erinnern
- Standardausrüstung für Zone, 2x
- Kantine: 2x Verpflegung Zone
- 1x Kaffee Moccafix Gold, gemahlen
- Nach Einsatz: Holzkohle, 1 Pckg. Bratwürste, Senf, Ketchup,
2x Grillfleisch, 6 Fl. Berliner Bier, 1 kl. Flasche Goldbrand,
Brötchen s.u.
- 08.00h: Kuchen und Brötchen von Bäcker abholen
- Geheimhaltungsverpflichtung, unterschriftsfertig vorbereitet
- OdH [28]: Kontrolle nach dem Einsatz
- Ist IM bereits vorinstruiert?
Treffauswertung:
================
Erster Treff mit dem MA [29], IM war nur sehr allgemein vorinstruiert. In Zone diszipliniertes Verhalten, keine Ängstlichkeit, keine Übermütigkeit. Kontrolle nach Einsatz: Keine Kontamination feststellbar, alle Schutzregeln offenbar eingehalten. IM hat sich in der Dusch-Schleuse selbständig mit Sorgfalt gereinigt (vorh. Erfahrungen NVA). Konspirative Prüfung der Einsatzbekleidung: Keine Artefakte aus Zone entwendet.
IM zeigte offen Begeisterung für das Operationsgebiet P, zeigte sich sehr beeindruckt, akzeptierte Erklärungsansatz eines physikalisch-psychologisch noch nicht erklärbaren naturwiss. Phänomens. Kein Hang zu Mystifikation erkennbar.
IM erzählte nicht von sich aus über intime Beobachtungen. Erst auf gezielte Nachfrage gab er an, hochgradige sexuelle Erregung verspürt zu haben. Obwohl er instruktionsgemäß Personenkontakte hätte vermeiden wollen, wäre dies aber nicht möglich gewesen, weil ihm direkt zwei weibliche Personen über den Weg liefen (Identität nicht feststellbar), welche an den Brüsten unbekleidet gewesen wären und ihn direkt in ein Haus gezogen hätten, welches nach Beschreibung des IM in einen hohen Felsen eingebaut war und sich als eine Art Nachtbar herausgestellt hätte. Fragen habe man ihm aber keine gestellt. Man habe ihn bewirtet und anschließend zum Geschlechtsverkehr genötigt, welchen er zweimal mit je einer anderen Frau vollzogen habe. Von sich aus ergänzte der IM, dass ihm eine der beiden weiblichen Personen angeboten hätte, direkt aus ihren spezifischen sekundären Frontalgeschlechtsorganen Milchsekret zu sich zu nehmen, was der IM auch getan habe, weil ihn dies persönlich gereizt habe. Besonders aufgefallen sei ihm die exotische Bekleidung der anwesenden Personen, die aus den zwei bereits erwähnten weiblichen Personen, einer männlichen Person hinter der Bar und vier Musikern bestanden hätten. Die Musiker hätten mit ihm unbekannten Instrumenten einen Musikstil gespielt, welchen der IM nicht einordnen könne. Aber die Musik sei von der Komposition und von der Ausführung her als qualitativ äußerst hochwertig einzuordnen gewesen.
Der IM verbrachte nach eigenen Worten die Nacht in dem betreffenden Haus.
Am nächsten Vormittag nahm der IM nach eigenen Worten mit den beiden weiblichen Personen das Frühstück im Bett ein. Der IM gab an, anschließend erfolgreich zu weiteren Intimhandlungen gedrängt worden zu sein, die diesmal mit beiden weiblichen Personen im gleichen Zeitraum vollzogen worden wären. Später hätte sich der IM zur vereinbarten Zeit auf den Rückweg begeben (Ankunftszeitpunkt wie vorgesehen).
Instruktionsgemäß las der IM den Begrüßungstext im Operationsgebiet P und gab ihn nach seiner Rückkehr korrekt wieder mit "Ergieße dich mit Lüsten - labe dich an Brüsten."
Sehr überrascht zeigte sich der IM darüber, dass außerhalb des Operationsgebiets deutlich weniger Zeit als erwartet vergangen war.
Nach dem Einsatz Dekontamination und geselliges Beisammensein ohne meldenswerte Ereignisse.
Berichterstattung beim Leiter der Diensteinheit am selben Tag.
Überwachung nach Plan.
Neuer Auftrag und Verhaltenslinie:
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- Mehr Konzentration auf den eigentlichen Auftrag.
- Belehrung über strikte Geheimhaltung jedem gegenüber. Bei Redebedarf MA anrufen. Tel-Nr. des OdH übergeben, Kennwort "Schauspieler".
- IM-Betreuung: Nächstes Treffen im Pkw, ggf. gemeinsamer Gaststättenbesuch, wird telefonisch vereinbart, ca. 2 Wochen.
- Nächster Einsatz Richtung Operationsgebiet P vorauss. 4 Wochen abh. v. Verfassung des IMs.
Hptm. Prillwitz berichtet dem Dienststellenleiter
Hauptmann Prillwitz klopfte an die Tür des Leiters der Dienststelle »Objekt P«.
Herein!
Hauptmann Prillwitz öffnete die Tür. Gestatten, dass ich eintrete?
Komm rein, setzt dich. Wie ist es gelaufen?
Hauptmann Prillwitz setze sich an den Tisch. Eigentlich zwei Tische, hellgrünes Sprelacart [30], T-förmig angeordnet, der Leiter am Quertisch und bis zu 5 Unterstellte am Längstisch. Unterlagen hatte Hauptmann Prillwitz nicht mitgebracht. Was zu sagen war, hatte er im Kopf. Nur sein VS-Arbeitsbuch [31] lag vor ihm, um eventuell Notizen machen zu können. Hauptmann Prillwitz berichtete, dass er soweit mit dem IM zufrieden sei, sein Verhalten wäre erwartungsgemäß gewesen.
Ein wissendes Grinsen huschte über das Gesicht des Dienststellenleiters. Hauptmann Prillwitz grinste nicht. Mein Gott, dass der Kerl nicht mal etwas locker sein kann, dachte der Dienststellenleiter bei sich, mit dem im Nacken kann man sich rein gar nichts erlauben. Aber er sagte es nicht.
Und hat er ... den Gedächtnistest ... bestanden?, frage er beiläuftig.
Ja. Der IM berichtete, dass er den Text »Ergieße dich mit Lüsten - labe dich an Brüsten« an einer Felswand nahe des Übergangs gelesen hat.
Der Dienstvorgesetzte von Hauptmann Prillwitz wurde blass.
Hauptmann Prillwitz bemerkte es aber nicht.
Gab es sonst noch etwas?, frage er nach einem kurzen Zögern.
Nein, normale Instruktion, nächster Treff wird in etwa 14 Tagen telefonisch vereinbart, nur als Betreuung, Treff im Pkw, bis dahin verdeckte Prüfung auf Ehrlichkeit und Verschwiegenheit wie geplant durch inoffizielle Kräfte.
Gut. Bitte an der Stelle nicht schlampen. Ansonsten war das alles.
Hauptmann Prillwitz erhob sich. Gestatten...?
Ja ja, kannst gehen.
Als Hauptmann Prillwitz den Raum verlassen hatte, griff der Leiter der Dienststelle zum Telefon. Meinen Wagen in zehn Minuten bitte. Ob ich was? Nein, den Abend kannst du streichen, wir fahren nach Berlin, das kann dauern.
Der Dienststellenleiter berichtet dem Minister
Genosse Minister?
Komm rein, Genosse.
Darf ich berichten?
Setz dich und leg los.
Also, um es kurz zu machen: Der schlimmste anzunehmende Fall ist eingetreten. Wir haben im Operationsgebiet P...
Sprich offen hier.
Also wir haben in Peridëis ganz nahe am Eingang einen Spruch an die Wand schreiben lassen. Ein unverfänglicher Zweiteiler, nur etwas mehr als 40 Zeichen, weil kurze Texte grundsätzlich schwieriger zu entschlüsseln sind. Wir haben einen Spruch genommen, der in Peridëis recht bekannt ist und deshalb kein Aufsehen erregt, den aber der IM nicht kennen konnte, den wir zum Testen hingeschickt haben. Also dieser Spruch wurde herkömmlich verschlüsselt, mit einer guten Maschine, wie sie auf regierungs- und zwischenstaatlicher Ebene verwendet wird. Kein Spielzeug. Auf der Felswand stand also ein wirrer Buchstaben- und Zahlensalat. Was der IM uns aber geliefert hat, war der entschlüsselte Text!
Wie geht das?!
Wir wissen es nicht. Aber wir wissen schon seit einer Weile, dass die Leute in Peridëis zwar nicht lesen und schreiben können, was den Versuch in seiner Aussagekraft etwas einschränkt - aber alle Leute verstehen sich ohne Ausnahme gegenseitig, und zwar einschließlich aller Sprachen, die wir an ihnen testen konnten. Sogar Tiere versteht man, wenngleich diese auch ein extrem eingeschränktes Vokabular haben, und sowieso keinen Satzbau, wie wir ihn haben. Aber man versteht sie. Und ich vermute, da ist der Zusammenhang, warum auch der verschlüsselte Text einfach so verstanden werden kann, als wäre er gar nicht verschlüsselt. Da ich nicht an Zauberei glaube, muss es dort eine Hochtechnologie geben, die offenbar den Code spielend leicht knacken kann. Auf welchem Weg auch immer.
Mit anderen Worten, die US-Amerikaner könnten eine unserer verschlüsselten Nachrichten mit dorthin nehmen und da einfach lesen?
Ja, so ist es, Genosse Minister. Das heißt, nicht ganz. Man kann ja nichts dorthin mitnehmen. Gar nichts. Sie müssten sich den Code also einprägen und das geht bei sinnlosen Buchstaben-Zahlen-Folgen nicht ganz so einfach. Ohne größeren Aufwand merkt man sich nur ungefähr sieben Zeichen und selbst das ist bei starker Ablenkung schon nicht ganz sicher. Genosse Minister, sie dürfen nicht vergessen, dass der Eintritt in Peridëis jedes Mal aufs Neue mit der Auslösung einer starken sexuellen Entladung gekoppelt ist. Das bindet Kapazitäten.
Na gut, dann schicke ich eben hundert Leute und schon habe ich einen Text von fünfhundert Zeichen entschlüsselt, wo ist das Problem?
Aber auch die müssen danach erst einmal eine Pause einlegen - was glauben sie, wie fertig unser Mitarbeiter war, als er diesen kurzen Spruch in mehreren Teilen, bei jedem Betreten von Peridëis eine physiologische Entladung, endlich angebracht hatte. Der war komplett dienstunfähig. Wie stellen Sie sich das bei den Amerikanern vor, also rein vom Praktischen her? Die sind noch dazu sehr prüde!
Nutzt das, verstärkt das! Aber vor allem muss man sehen, dass es um eine grundsätzliche Frage geht. Geheimzuhaltende Informationen dürfen nicht im Kleinsten bekannt werden! Gibt es denn rein gar keine Möglichkeit, sich zu schützen?!
Doch, die gibt es. Verschlüsselungsverfahren, bei dem jeder einzelne Buchstabe mit einem neuen Schlüsselzeichen verschlüsselt wird, der nur ein einziges Mal verwendet werden darf. Unendlich lange Schlüsselreihen mit einem guten...
Ja ja ja, erspare mir jetzt den technischen Kram. Es gibt also ein theoretisch sicheres Verschlüsselungsverfahren?
Ja. Ich habe mich auf Ihren Befehl hin mit dem Zentralen Chiffrierorgan beraten. Die Mathematiker sagen, bei so einem Verfahren bleibt nur noch ein Rauschen übrig, aus dem man auch mit zukünftig denkbaren Verfahren nichts mehr herausrechnen könnte. Auch nicht mit zukünftig denkbarer Zukunfts-Rechentechnik.
Absolut?
Absolut! Sagte man mir.
Wie geht sowas? Du darfst jetzt genauer werden.
Nun, schreiben wir mal das Alphabet auf. Darunter schreiben wir die Position, die jedes Zeichen im Alphabet einnimmt. Und wir brauchen natürlich noch einen Schlüssel, sagen wir mal, das wäre ein »C«. So:
Alphabet: - A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Position: 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26
Schlüssel: C
Angenommen, Sie wollen jetzt das Wort »Affe« verschlüsseln. Unser Schlüssel, in unserem Beispiel »C«, ist der dritte Buchstabe im Alphabet. Das bedeutet, jeder zu verschlüsselnde Buchstabe unseres Textes muss in der Tabelle um 3 Positionen nach rechts verschoben werden. Eigentlich eine ganz einfache Sache.
Sie suchen sich oben im Alphabet das »A«. Der Wert dieses Zeichens ist 1. Addiert mit dem Wert des Schlüssels, ist 1 + 3 = 4. Das Zeichen, das der 4 zugeordnet ist, das können wir in der Tabelle nachlesen, ist das Zeichen »D«. Bei »F« ist es die 6, also 6 + 3 = 9, und bei 9 steht der Buchstabe »I«. Dasselbe gleich noch mal, weil wir in »AFFE« zwei mal »F« haben, macht bisher »DII«. Der letzte Buchstabe »E« hat den Wert 5 und 5 + 3 = 8, das ist der Buchstabe »H«. Macht also zusammen »DIIH« als verschlüsselter Text. Ist das soweit verständlich gewesen?
Soweit ja, aber wie wird der Buchstabe »Y« verschlüsselt? Mit den 3 Stellen nach rechts komme ich doch über das Ende der Tabelle?
Normal weiterzählen und dabei wieder am Anfang anfangen: Drei Stellen hinter dem »Y« steht dann das »A«.
Gut, verstanden. Und die Entschlüsselung?
Alle Zeichen von »DIIH« jeweils wieder minus 3. Fertig.
Und das ist sicher?
Nein. So hätten wir ja nur 27 Kombinationen. Das könnte man einfach durchprobieren oder statistisch die Häufigkeit der Buchstaben analysieren und so weiter. Interessant wird es erst, wenn der Schlüssel länger als ein Zeichen ist. Hätte der Schlüssel 5 Stellen, so würde das bei unserem kleinen Alphabet immerhin schon 27 hoch 5 gleich 1.4348.907 Möglichkeiten bedeuten.
Donnerwetter! Wie wird das praktisch gemacht?
Angenommen, der Schlüssel ist »CATYL«, ...<
Alphabet: - A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Position: 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26
Schlüssel: CATYL
... dann wird das erste Zeichen des zu verschlüsselnden Textes mit »C« verschlüsselt, der zweite mit »A«, der dritte mit »T«, der vierte mit »Y«, der vierte mit »L«, der fünfte wieder mit »C«, der sechste mit »A« und so weiter. Also immer wieder von vorne. Um die Sicherheit weiter zu erhöhen, kann man noch zusätzliche Spielereien einbauen, die für alle Verschlüsselungsmaschinen für eine gewisse Zeit vereinbart werden. Also zum Beispiel eine sehr spezielle Reihenfolge für die Schlüssel. Zum Beispiel nicht die Schlüsselreihenfolge 1-2-3-4-5-1-2-3-4-5-1-2-3-4-5 und so weiter, sondern 1-2-3-4-5-4-3-2-1-2-3-4-5-4-3-2-1 oder auch ganz zufällig. Das erhöht nicht nur die Anzahl der Kombinationen gewaltig, sondern bringt zusätzlich einen weiteren Sicherheitsaspekt: Würde nämlich jemand in den Besitz der Schlüssel kommen, dann würde das alleine noch immer nicht ausreichen, um den Text zu entschlüsseln.
Und wir sollen dieses Verfahren jetzt mit einem unendlich langem Schlüssel betreiben? Also, wenn ich das richtig verstehe, nicht nur 5 Schlüssel, die wiederverwendet werden, sondern jedes Zeichen ist mit einem neuen Schlüssel zu codieren. Ist das nicht sehr aufwendig?
Man kann Lochstreifenrollen nehmen; da sind bis zu 400 Schlüssel pro Meter Papier möglich. Man müsste sie rechtzeitig in ausreichender Menge per Kurier verteilen, dann hält sich der Aufwand in Grenzen. Oder sogar moderne digitale Speichermöglichkeiten nutzen. EDV-Technik. Aber die Umstellung wird aufwendig, weil ja alle Verschlüsselungsgeräte ausgetauscht werden müssen und das Personal neu zu schulen ist. Außer wenn nur das Innenleben der Geräte ausgetauscht wird und die Bedienung im Prinzip gleich bleibt. Zum Teil wäre das machbar und hätte den Vorteil, dass der totale Wechsel der Verschlüsselungsmethode nicht sofort dekonspiriert wird. Einige Geräte müssen allerdings ohne Wenn und Aber ausgetauscht werden.
Jedenfalls ist der jetzige Zustand unhaltbar. Hältst Du den Aufwand angesichts der entdeckten Unsicherheit der jetzigen Verfahren für gerechtfertigt?
Ja, Genosse Minister. Momentan halte ich kein anderes Verfahren für sicher, weil wir nicht mit den bekannten Größen rechnen dürfen.
Dann muss es sein. - Ich werde mich mit dem Zentralen Chiffrierorgan beraten. Dir vorläufig Danke. Eure Entdeckung hat einen unschätzbaren Wert! Ich lasse mir eine Kleinigkeit für deine Dienststelle einfallen, damit das gewürdigt wird. Du kannst jetzt zurück in deine Dienststelle, das Thema ist für dich abgeschlossen. Und denke daran: Zu niemandem ein einziges Wort!
Selbstverständlich, Genosse Minister!
Darf ich wegtreten?
Ab durch die Mitte!
Als der Dienststellenleiter von Objekt P den Raum des Ministers für Staatssicherheit verlassen hatte, schaute der Minister zunächst auf die Uhr und griff anschließend zum Telefon. Hallo? Versuchen Sie, den Chef des Zentralen Chiffrierorgans noch zu erwischen und bestellen Sie ihn für morgen früh um 08.00 Uhr zu mir. Wenn er nicht mehr erreichbar ist, dann zu Hause aufsuchen. Und sagen Sie alle anderen Termine für morgen ab. Wie? Nein ... diesen Termin natürlich nicht absagen, sondern verschieben. Nächstmöglicher Zeitpunkt. Und noch etwas: Bis auf Weiteres sind bei chiffrierten Fernschreibverbindungen nur noch Nachrichten bis maximal »Vertrauliche Verschlusssache« gestattet. Diese Meldung als Geheime Verschlusssache per Kurier an alle Dienststellen. Ausführung sofort, Vollzugsmeldung bis 24.00 Uhr an den diensthabenden Offizier des Hauses. Tragen sie den Befehl mit Nummer ins Buch ein. Danke.
Peridëis
Das Blitzen
So liefen sie, Alischa und Tim, Tag über Tag den azurblauen Pflasterweg entlang. Mal standen die Bäume dicht beieinander, mal gaben sie den Blick auf die hohen Felsen links und rechts des Wegs frei, und immer wieder staunte Alischa über die Schönheit von Peridëis. Mal säumten bunte Wiesen den Weg, mal kreuzten ihn Bäche und manchmal verlief der Weg auch geradewegs neben einem Bach. Die Nächte verbrachten sie direkt auf dem Boden liegend und nur mit einem hauchdünnen Tuch bedeckt, denn die Nächte in Peridëis waren niemals kühl. Und Alischa verspürte des Nachts auch keine Angst, was wohl daran lag, dass der Mond des Nachts für so viel Helligkeit sorgte, wie man brauchte, wenn man unbedingt mal nach dem Rechten schauen musste. Aber vielleicht war es auch die befreite und frohe Grundstimmung, die ganz von Alischa Besitz ergriffen hatte.
Und wie sie so mehrere Tage gewandert waren, saß Alischa eines Morgens am Ufer eines kleinen Bachs, aß ihr Frühstück und sah Tim zu, wie dieser sich ganz nackt im Bach wusch. Er war nicht unbedingt sehr muskulös, das heißt, seine Muskeln wiesen durchaus auf Kraft hin, aber nicht vordergründig. Sein Hintern und seine Oberschenkel waren knackig und ohne ein Gramm Speck; das sah man gut, wenn er sich bückte. Am Bauch hatte er ein klein wenig Wohlstandsspeck, aber der passte dorthin, wo er war. So einer kriegte unbedingt eine Frau, zumal wenn man so viel im Köpfchen hatte und derartig geschickt und erfahren war. Wie hielt das jemand wie er nur im Zölibat aus? Alischa war aus Rücksicht zu ihm dazu übergegangen, sich nicht unnötig aufreizend zu befriedigen und nutzte auch unbeobachtete Augenblicke zu ihrem Wohl. Das war schon gemein, wenn Peridëis einem den Saft in die Lenden trieb und man ihn nicht zweckdienlich nutzen konnte. Sie wurde etwas dadurch entschädigt, dass Tim ihr die Milch nahm, was ihr gleichermaßen angenehm war, egal ob er seine Finger zaubern ließ oder seine Lippen. Letzteres hatten sie sich, obwohl sehr intim, aus praktischen Gründen gestattet, in aller Anständigkeit natürlich, aber es löste stets aufs Neue einen Wonneschauer in Alischa aus, wenn sich Tims warme Lippen um ihre Höfe und Brustspitzen schlossen. Und weitere Wonneschauer später. Zugegeben.
Alischas rechte Hand wanderte Stück für Stück zu ihrem pochenden Schoß. Die Gelegenheit war günstig, weil das Bachufer sie bequem mit den Beinen nach unten sitzen ließ. Sie schob den vorderen Rockschlitz etwas beiseite. Leider hatte sie am Rücken keinen Baum zum Anlehnen, aber das machte nichts. Sie stellte ihre Beine etwas breiter auf den Boden. Ihre linke Hand glitt unters Kleid und öffnete damit die Türflügel, die sich vor ihre Pforte legten, wenn sie gerade keinen Besuch begehrte. Der Mittelfinger ihrer rechten Hand glitt währenddessen zu dem versteckten Glockenschwengel und begann, ihn schnell vibrierend zum Schwingen zu bringen. Alischas Blick wurde starr und war auf Tim gerichtet, in der Hoffnung, in wenigen Augenblicken zum erlösenden Pulsen kommen zu können.
Doch: Oh nein! - Da drehte sich Tim um, Alischa war ganz kurz vor der Erlösung gewesen, Tim aber hatte wohl sofort erfasst, was Alischa quälte und bleib zögerlich stehen. Vielleicht hoffte er, dass Alischa noch die letzten winzigen Bewegungen ihres Fingers tun würde, aber sie tat es nicht. Doch was er übersah, war, dass sich sein Penis in voller Größe erhoben hatte. Und wie er da nackt stand, ihr nun ganz zugewandt, mit steifem Luststab, da überfiel es Alischa. Langsam, halb abwesend, stand sie auf, sprang zu ihm an den Bach hinunter, drückte Tim mit ihrem Körper auf den Hang hinunter, stülpte mit einer einzigen Bewegung ihre Weiblichkeit über seine Männlichkeit und ritt ihn, bis sie nach wenigen Augenblicken kam.
Noch während die letzten Zuckungen durch ihren Schoß liefen und die heißen Wallungen noch durch ihren Körper zogen, nahm sie mit Schreck war, dass auch Tim ins Lustirresein gefallen war und nun unter ihr zuckte.
Was hatte sie getan! Vergoss er seinen Samen? Jetzt gerade? In diesem Augenblick? Es war nicht zu leugnen, sie spürte das Strömen tief in ihrer Scheide.
Alischa ließ sich ganz auf Tim fallen, weinte und flüsterte: Das hab ich nicht gewollt, das hab ich nicht gewollt, bitte verzeih mir...
Gleichwohl umschlang ihr Schoß noch immer, was ihr Inneres ausfüllte und presste fest gegen seinen Leib, damit das auch so blieb.
Es dauerte einen Augenblick, dann griff Tims Hand sanft um Alischas Hinterkopf und streichelte ihre Nackenhaare. Ist nicht so schlimm, sagte er, ich habe es ja nicht selbst getan. Ich glaube, so gilt es vielleicht auch eher als Dienst an dir und nicht als eigene Befriedigung.
Aber dein Sperma?, fragte Alischa. Deine Essenz! Du darfst doch nichts davon verlieren?
Ich habe vielleicht die Hälfte von dem vergossen, was da war, meinte Tim. Aber dafür weiß ich nun ungefähr, wie die Männer hier in Peridëis das Vergießen verhindern.
Wie?, fragte Alischa. Dein Sperma kommt dann nicht herausgeflossen und du hast trotzdem einen Orgasmus? Du hattest doch einen, oder?
Ja, antwortete Tim, sogar einen sehr schönen.
Alischa wurde rot.
Ja, fuhr Tim fort, aber nach einem Moment habe ich dem Sperma den Weg versperren können. Halb. Fast. Jedenfalls muss was davon in mir geblieben sein. Und es ist trotzdem lustvoll geblieben. Etwas anders lustvoll.
Da fiel es Alischa ein: Stimmt, du hattest mir davon erzählt. Und wenn du das Herausfließen unterdrückst, fühlt sich das genauso an?
Ich weiß nicht. Ganz hat es ja nicht geklappt. Es fühlt sich anders an, intensiver und viel länger, und es hat viel öfter und länger gepulst. Aber der Wunsch, mich zu ergießen, ist trotz des stärkeren Lustgefühls geblieben und deshalb ist zum Schluss doch noch mein Samen in dich geflossen. Erst ganz zum Schluss. Und noch etwas ist seltsam: Ich begehre noch immer. Wahrscheinlich könnte ich sogar ziemlich bald wieder.
Das dürfte manche Frauen aber interessieren, meinte Alischa. Trotzdem, irgendwie ist es Beschiss.
Für die Frauen?
Ja.
Wieso eigentlich?, fragte Tim. - Das habe ich nie verstanden. Die Frauen hier in Peridëis verlangen nämlich, dass die Männer sich auch tatsächlich in ihren Schoß ergießen und nehmen es als Beleidigung, wenn er sein Sperma zurückhält. Dabei gibt es keinen einzigen körperlichen Grund; die Frauen brauchen das Sperma gar nicht. Für nichts! Und wenn unbefriedigte Frauen auf Dauer ungenießbar sind, wird das an der fehlenden Befriedigung liegen, und nicht am Sperma.
Interessante Frage, meinte Alischa, aber es hat ja auch eine Bedeutung, wenn der Mann sich in die Frau ergießt. Und die ist nicht egal. Frauen jedenfalls nicht. Es ist ein Unterschied, ob sich der Mann der Frau ganz und gar hingibt oder ihr doch nicht alles gibt. Wie Sex, ohne sich auszuziehen, wie Zusammenleben ohne Heirat.
Hm.
Aber es gibt noch was, sinnierte Alischa, wenn der Mann hier in Peridëis sein Sperma ergießt, dann verliert er doch sozusagen Lebensenergie?
Ja. Jedenfalls dramatisch mehr, als wenn er ohne Samenerguss bleibt.
Und über die Milch der Frau kriegt er neue Lebensenergie?
Ja, genau.
Aber so ist der Fall doch klar, befand Alischa, indem der Mann sich in die Frau ergießt, hebt er nicht nur ihre Bedeutung, sie bindet ihn auch an sich. Eine Art Symbiose: Du erhältst durch mich verlässlich Lust und Lebensenergie, ich aber sorge gleichzeitig dafür, dass du nicht von mir wegkannst, sondern bleibst und für mich sorgst, damit du verlässlich Lust und Lebensenergie bekommst. Ein geschlossener Kreis. Hält er seine Essenz aber zurück, so ist seine Bindung viel schwächer. Würde er weglaufen, dann käme er viel weiter. - Selbst wenn das faktisch gar keine Rolle spielt, bleibt aber das Symbolische, sozusagen die Bedeutungsebene.
Interessanter Gedanke, antwortete Tim, zumal der Sex ja auch im Diesseits der Bindung der Partner dient.
Komm, lass uns frühstücken und anschließend weiterwandern, schwenkte Alischa vom Thema ab, weil es auch für sie durchaus eine Erfüllung gewesen wäre (ganz wörtlich!), wenn Tim sich ohne Rückhalt frei in ihren Schoß ergossen hätte. Endlich hob sie den Schoß und ließ damit den Penis aus ihrer Vagina frei.
So frühstückten sie in aller Ruhe, Alischa gab ihm reichlich Lebensenergie aus ihren Brüsten, ganz wie er es verdient hatte (sie hatte beschlossen, nicht etwa undankbar zu sein), und dann dachte Alischa, dass es unmittelbar weitergehen würde.
Nein, meinte Tim, wir müssen noch etwas erledigen. Komm, wir gehen zu den Felsen am Talrand!
Er hieß Alischa, alle Sachen am Wegesrand liegen zu lassen und so schlugen sich beide querab vom Weg zu den hohen Felsen, die das Tal links und rechts säumten. Sie mussten nicht weit gehen, denn hier war das Tal vielleicht nur hundert Meter breit, und angesichts der schwindelerregend hohen Felsen befanden sie sich eigentlich in einer tiefen Schlucht. Nur weil die Sonne stets direkt über ihren Köpfen stand, wirkte die Schlucht nicht eng und war stets hell und freundlich erleuchtet.
Die Felsen waren mit blütengeschmückten Kletterpflanzen überwuchert, sogar Wein entdeckte Alischa (ausgezeichneten!) und immer wieder waren die Felsen von Höhlen und Gängen durchbrochen, als wäre es ein Schweizer Käse. In eine der größeren Höhlen ging Tim und Alischa folgte ihm auf dem Fuß. Tim hatte eine dieser seltsamen Fackeln aus seinem Rucksack geholt, die es hier in Peridëis gab und die sich selbst entzündeten. Tim zog den Korken oben aus der Fackel und siehe da, sie flammte auf und gab ihnen Licht.
Es gibt unglaublich viele Höhlen in Peridëis, kommentierte Tim, als sie vielleicht hundert Meter tief in einen der Gänge hineingegangen waren, und hier in den Höhlen und Gängen gibt es sagenhafte Dinge und seltsame Tiere.
Alischa gruselte sich.
Tim lachte. Keine Angst, wir gehen nicht noch tiefer, wir sind wegen einer anderen Sache hier.
Tim ging jetzt zu einer Nische in der Höhlenwand, wo es eigenartig glitzerte, suchte sich auf dem Boden einen herumliegenden Stein und schlug diesen Stein dort gegen die Wand, wo das Glitzern zu sehen war. Mehrmals tat er dies, und mit Kraft. Zweimal waren sogar Funken zu sehen. Auf die Weise brach er ein Stück, nur kieselgroß, aus der Wand heraus. Er zeigte es Alischa.
Alischa betrachtete das herausgeschlagene Stück, konnte aber nichts Besonderes entdecken. Es war ein Kristall, sah hübsch aus, gewiss, es glänzte matt golden, schien aber kein Gold zu sein, sondern nur irgendein Mineral.
Was ist das?, fragte sie.
Eins der ganz großen Geheimnisse von Peridëis!, antwortete Tim. Diese goldglänzenden Kristalle findest du oft in Peridëis. Es ist Katzengold. Früher haben es die Leute als Feuerstein verwendet. Man hat das Katzengold schon immer als magischen Stein angesehen und die Alchemisten des Mittelalters sahen in ihm den »Stein der Weisen«, den Grundstoff zur Herstellung von Gold. Andere glauben, dass er ein Energiestein ist, der die Kraft anderer Zaubersteine verstärkt. - Hier in Peridëis ist dieses Mineral tatsächlich magisch. Die Einwohner von Peridëis berühren Katzengold niemals, jedenfalls nicht freiwillig. Es hat unter anderem eine Art Ortsgedächtnis. Ich habe dir doch erzählt, dass dich Peridëis blitzartig zum Übergangsort zurückbefördert, wenn dir etwas widerfährt, das unerträglich für dich ist.
Diese Art Notrettung?
Ja, genau diese. Du landest in so einem Fall stets dort, wo du Peridëis betreten hast. Also am Übergangsort. Je nachdem, über welchen Übergangsort du gekommen bist, es gibt ja zahlreiche. Mit diesen Kristallen kannst du etwas ganz Ähnliches machen. Nimm so einen Kristall mit an einen anderen Ort. Dort nimm ihn in die Hand und stell dir ganz intensiv den Ort vor, von wo du ihn geholt hast - und Knall!, Schwefelgestank, grüner Blitz!, schon bist du dort. Los, das probieren wir jetzt!
Tim steckte die brennende Fackel in den kiesbedeckten Boden, und beide gingen zurück zum Ausgang der Höhle. Tief im Gang sah man noch den flackernden Schein der Fackel.
So, sagte Tim, als sie wieder draußen im Tal waren, und drückte Alischa den goldschimmernden Kristall in die Hand. Er hatte für seine Größe ein beachtliches Gewicht und fühlte sich deshalb nicht uninteressant in der Hand an.
Alischa lehnte sich gegen einen nahen Baum und schaute noch einmal in den Gang, wo im Dunklen der flackernde Schein der Fackel zu erkennen war. Dann schloss sie die Augen und konzentrierte ihre Gedanken auf die Stelle, wo Tim den Kristall abgeschlagen hatte.
Grüner Blitz! Donnerschlag! Schwefelgestank! - Eine gewaltige Kraft packte Alischa ... und schon war es geschehen. Alischa stand unmittelbar vor dem Felsen im Inneren der Höhle, die brennende Fackel etwas seitlich von ihr. Als sie aufkreischte, war längst alles vorbei. Vom Eingang her hörte sie ein Lachen. Kein gehässiges - Tim schien sich wie ein Lausbube zu freuen, dass er ihr ein großartiges Ding hatte vorführen können.
Aber irgendetwas stimmte nicht. Alischa schaute an sich hinunter.
Sie war ganz nackt! Und den goldenen Kristall hatte sie auch nicht mehr in der Hand.
Na so etwas. Aber da kam schon Tim fröhlich im Laufschritt angerannt und hatte wunderbarerweise ihr Kleid in der linken Hand. Bei Alischa angekommen präsentierte er außerdem den Kristall in seiner rechten Hand. Wenn du dich wirklich mal schnell ausziehen musst, ist das ein Weg, lachte er. Bei dieser Art Beförderung wirst du nämlich nur höchstselbst mitgenommen; und da deine Anziehsachen nicht du höchstselbst sind, bleiben die zurück. Genauso wie der Katzengold-Kristall. Das ist bei dieser Notflucht ganz genauso. Und dass es beim Betreten von Peridëis ebenso ist, hast du ja schon erlebt. Nur du selbst in deinem höchsteigenen Körper wirst befördert, nichts sonst, auch nicht Schminke oder Pappnase.
Großartig!, kommentierte Alischa. Und als sie ihr Kleid wieder anziehen wollte: Ähm, übrigens, das Kleid hat einen Dreiangel. Mist. Wo hab ich mir den denn eingerissen?! War das eben?
Ich hoffe, ich war das nicht, sagte Tim, das Kleid hing an dem Baum, an den du dich gelehnt hattest. Vielleicht habe ich es zu unachtsam abgerissen. Tut mir ehrlich leid!
Schade, trauerte Alischa, die das Kleid hin und her wendete. Aber vielleicht war ich es ja auch selbst, in dem Moment, als ich fortgetragen wurde.
Alischa wendete das Kleid hin und her. Da war nichts zu machen und Nadel und Faden hatten sie ja auch nicht. Alischa kletterte wieder in das Kleid hinein. Sehr vorsichtig.
Tim half ihr beim Ankleiden. So schlimm ist das nicht, sagte er, müssen wir eben ein neues besorgen.
Alischa fiel ein, dass das hier in Peridëis kein Problem sein sollte - und selbst nackt würde sie weder frieren, noch peinlich wirken. Als sie auch noch an die anderen schönen Kleider dachte, die sie in der Taverne gesehen hatte, verbesserte sich ihre Laune zusehends.
Das Wegblitzen zu einem anderen Ort können übrigens nur die Peris und wir Besucher, sagte Tim jetzt. Aber nicht die normalen Einwohner.
Sowas hätte ich gerne im wirklichen Leben, sie sagte es Tim.
Zerrissene Kleider?
Alischa lachte, nein, solche Zauberei wie den Hexensprung eben.
Ist das hier denn kein wirkliches Leben? Er grinste. Woher wissen wir denn, was wir wissen? Was gibt dir die Sicherheit darüber, dass etwas real ist?
Alischa stutzte. Eine schwierige Frage. Der gewöhnlichste Traum konnte einem manchmal real erscheinen ohne dass man es bemerkte. Und andererseits hatte sie schon nachts im Halbschlaf auf dem Klo gesessen und nicht gewusst, ob sie loslassen durfte oder nicht; aus Angst, im nächsten Moment in einem nassen Bett aufzuwachen.
Tim hatte ihr Mienenspiel beobachtet. Ich weiß, meinte er leise, wir könnten hier in einer Art virtuellen Realität sein, aber wer gibt uns die Gewissheit, dass wir draußen nicht ebenfalls bloß eine Art kompliziertes Computerprogramm sind oder noch etwas anderes...
Alischa dachte nach.
Peridëis ist echt, sagte Alischa schließlich und blickte Tim in die Augen. Ich erlebe das Märchen, ich kann das Märchen fühlen, ich kann das Märchen anfassen, also ist das Märchen echt. Alles andere ist unwichtig. Irrelevant. Der einzige Sinn des Lebens ist das Leben selbst. Es gibt keinen anderen. Und das hier ist reales Leben und ich habe nur eins. Tote Materie muss mich nicht interessieren, wenn es um das geht, was mich wirklich berührt.
Tim war ehrlich verblüfft. Du glaubst also ehrlich nicht, dass Peridëis eine virtuelle Welt sein könnte oder dergleichen? Vielleicht von einer außerirdischen Zivilisation? Oder einer zweiten Spezies, die mal zusammen mit uns auf der Erde gelebt hat? Oder dass überhaupt alles nur eine Vorspiegelung ist? Also all diese wissenschaftlich halbwegs vorstellbaren Sachen?
Wozu? Wenn ich es doch nicht entscheiden kann, welchen Zweck hat der Zweifel dann? Er vermiest mir höchstens das Leben. Ganz wie Misstrauen die beste Beziehung kaputtmachen kann. Und Peridëis ist schön und ich will mir Peridëis nicht vermiesen lassen!
Alischa hatte ehrlich Tränen in den Augen.
Entschuldigung, murmelte Tim, deine Sicht hat ja was. Kannst du akzeptieren, dass mein Weltbild ... schwieriger ist, wenn ich deins auch einfach so akzeptiere?
Kann ich, sagte Alischa fest. Aber es fällt mir schwer, solchen Blödsinn wie virtuelle Realitäten angesichts solcher handfesten Realitäten zu akzeptieren...
Das ist kein Blödsinn!
Wenn ich dir jetzt auf den Kopf pinkle, bist du nass. Sehr real nass! Ist das weibliche Unlogik?
Jetzt lachte Tim. Ist gut, ist gut, ich halte ja schon den Mund.
Und?, fragte Alischa.
Was, und?
Was machen wir jetzt?
Ach so, antwortete, Tim, ich bin noch nicht ganz fertig. Der Kristall bringt uns nicht vorwärts, kann uns aber viel nützen, falls was passiert. Wir nehmen uns von diesem Ort hier zwei Kristalle mit, einen für dich und einen für mich. Wenn wir zwischendurch immer wieder mal die alten Kristalle wegwerfen und uns neue holen, haben wir stets einen Ort in halbwegs erreichbarer Entfernung, zu dem wir flüchten können oder an dem wir uns wiedertreffen können, falls wir uns verlieren. Egal ob man zu Fuß dorthin zurückgeht oder durchs Blitzen. Obwohl ich selbst strenggenommen gar keinen Kristall bräuchte.
Strenggenommen? - Spiel jetzt nicht Helden, sagte Alischa, warum denn nicht?
So einen Kristall braucht man eher nur als Anfänger. Er hilft, ist aber nicht zwingend nötig. Wir üben später, wie es ohne geht. Merk dir gut, dass die Einwohner sowas nicht können, und da wir für sie Hexen sind, nennen sie das auch nicht »Blitzen« oder so, sondern »Hexensprung«. Lass dich von denen bloß nicht dabei sehen, die haben vor allem Angst, was sie nicht verstehen.
Ja. Und?
Was und?
Wie geht das nun ohne Kristall?
Im Grunde nicht viel anders. Du musst den Zielort sehr genau kennen, machst die Augen zu und stellst dir das Ziel möglichst plastisch, lebendig und detailliert vor. Und wünschst dir sehr intensiv, dort sofort hin zu gelangen. Knallbumm bist du da. Aber diese genaue Vorstellung muss man wirklich üben, und an Orte, wo du noch nie warst, kommst du natürlich auch nicht. Und wenn jemand gemeinerweise was verändert hat an dem Zielort, klappt das sowieso nicht mehr. Bestenfalls landest du in so einem Fall irgendwo in der Nähe.
Huch, kann dabei was passieren?
Nein. Es ist wie mit einem Ball, den man in einem Gebirge wirft - selbst wenn das gewünschte Ziel eigentlich ein Hang war, dauert seine Reise trotzdem so lange, bis er an einem stabilen Ort zu liegen kommt. Du landest also nicht in einem Feuer, mitten in einer Mauer oder auf dem Wipfel eines Baums, sondern immer auf sicherem festem Boden. Und deshalb brauche ich im Gegensatz zu dir auch nicht zwingend so ein Steinchen.
Aber ich will es einfach.
Mache ich ja auch. Nur aus Nettigkeit.
Alischa lachte: Danke, ich fühle mich wirklich besser dabei.
Tim schlug einen weiteren Kristall aus der Felswand.
Alischa trat näher, um ihm dabei zuzuschauen.
Pass etwas auf, sagte Tim, wenn ich auf dem Stein herumschlage, fliegen manchmal Splitter durch die Gegend.
Alischa trat hinter Tim, sodass sie über seine Schulter schauen konnte.
Sag mal, sagte Alischa, könnte man nicht einen etwas schöneren Kristall herausschlagen? Meiner ist doch bloß ein hässlicher Klumpen verglichen mit den hübschen großen Kristallen, die hier noch so in der Wand sind.
Der funktioniert kein bisschen schlechter, antwortete Tim und machte eine Pause, und wenn er runder ist, kratzt er weniger in der Tasche, als wenn er eckig ist.
Ich will aber einen von den da drüben, sagte Alischa, von den würfelförmigen Kristallen.
Alischa zeigte auf ein paar tatsächlich sehr schön gewachsene silbrig-golden glänzende Kristalle, die fast eine ideale Würfelform hatten, jeder etwa zwei Zentimeter Kantenlänge. Einen von denen will ich, sagte sie.
Aber mal ehrlich, antwortete Tim, es ist doch...
Ich will die wirklich! Lass uns so einen nehmen.
Und wer hat die Arbeit?
Du!
Tim stöhnte lachend auf. Also mal wirklich, startete er einen letzten Versuch, tausend kleine Einzelkristalle glitzern doch viel mehr, als ein einzelner großer!
Bitte!
Tim gab auf und ging zu der Stelle, auf die Alischa gezeigt hatte. Er brauchte eine ganze Weile, bis er es geschafft hatte, einen der würfelförmigen großen Kristalle herauszuschlagen, und zwar so, dass er nicht zersprang.
So, bitteschön! - Tim überreichte Alischa den Kristall, steckte selbst aber schnell ein beliebiges kleines eher rund geformtes Bruchstück in die Tasche.
Dankeschön!, sagte Alischa, der ist wirklich hübsch. Und gab Tim einen Kuss auf die Wange. Dann setzte sie nach: Die nächste Milch wird ganz besonders gut sein, wart’s ab.
Tim hatte ihr längst verziehen. Beide gingen zurück zum Ausgang und machten sich wieder auf den Weg. Raus aus dem unterirdischen Gang, weiter durch das herrliche Tal.
Doch Alischa hatte noch kein Auge für die schöne Landschaft, die an ihnen vorbeizog: Warum hast du das Katzengold eigentlich aus der Wand geschlagen und nicht einfach vom Boden aufgehoben? Da unten im Gang lagen doch etliche von diesen Kristallen herum, mit denen man keine Mühe gehabt hätte?
Bei herumliegenden Kristallen hast du keine absolute Sicherheit, dass die wirklich zu diesem Ort gehören, antwortete Tim. Der könnte ja von woanders hierher getragen worden sein - oder gespült, geweht oder was auch immer. In dem Fall würde er nicht funktionieren, weil du dir den falschen Ort dazu vorstellen würdest.
Das leuchtete Alischa ein.
Du musst deinen Kristall nicht in der Hand behalten, sagte Tim mit Blick auf Alischa.
Alischa knurrte. Aber Tim hatte recht. Das Kleid hat innen versteckte Taschen. Muss von einem Mann geschneidert worden sein, dachte Alischa, Frauen vergaßen über der Ästhetik bisweilen die praktische Seite der Sache, bei Schmuck immer und bei Anziehsachen fast immer. Im Diesseits hatten Kleider und Röcke im Grunde niemals Taschen, um zumindest mal ein Taschentuch oder einen Tampon unterbringen zu können, nicht zu reden von Schlüsseln oder Portemonnaie. Zum Heulen war das. Alischa schob den Kristall in eine ihrer Taschen. Er beulte das Kleid nach außen auf und piekte etwas.
Laut sagte Alischa: Aber wenn ich eine stattliche Sammlung Kristalle zusammenhabe, wie behalte ich da noch den Überblick?
Wenn du ein Häufchen in der Hand hast, entscheidet, welchen der passenden Orte du dir vorstellst. Ansonsten hilft nur, Ordnung zu halten, sonst hast du Pech. Und müll dich nicht mit Kristallen zu.
Was soll denn das schon wieder heißen?
Na hör mal, Frauen, wollen doch am liebsten immer alle Sicherheiten auf einmal, aber wenn du alle zehn Meter einen Kristall aus dem Felsen haust, kommen wir erstens nicht mehr voran und zweitens siehst du bald nicht mehr durch. Geschweige denn, dass du dir überhaupt alle zugehörigen Orte merken könntest. Nein. Besser ist, man schmeißt die Kristalle der älteren Etappen einfach weg. Auf die Weise landen wir beide auch nicht versehentlich an zwei verschiedenen Orten, und das ist eine höhere Sicherheit, als wenn es unzählige Möglichkeiten auf einmal gibt.
Ach was sind logisch denkende Männer doch manchmal praktisch!, lästerte Alischa und klapperte schauspielernd mit den Augen. Jetzt war es Tim, der ihr die Zunge herausstreckte.
Alischa lachte.
Ähm, Alischa juckte sich am Oberschenkel und blieb stehen. Sag mal, bei der Gelegenheit...
Du willst doch lieber einen kleineren Kristall ohne scharfe Kanten?
Alischa lachte noch einmal. Ja.
Dachte ich mir.
Tim kramte in seiner Tasche. Und als seine Hand wieder zum Vorschein kam, siehe: Zwei zentimetergroße Stückchen runder Form, an denen unzählige kleine Kristalle in der Sonne funkelten.
Du hast von Anfang an daran gedacht?
War kein Kunststück. Du hast dich nur verführen lassen, weil es das erste Mal war.
Tim gab Alischa eins der beiden Stücken. Nachdem Alischa ihren Kristall weggesteckt hatte (er zwickte und störte nicht), drehte sie den hübschen Würfel lange in ihren Händen hin und her. Eigentlich trotzdem schade, sagte sie, er ist schön.
Du wirst noch viel schönere zu sehen bekommen, tröstete sie Tim, und das Glitzern der vielen kleinen Kristalle ist außerdem auch nicht zu verachten.
Stimmt.
Ach, noch was, sagte Tim. Die runden Stücken haben noch einen Vorteil. Solltest du mal in die Hände von jemanden geraten.
Wer denn?
Egal wer. Sollte so etwas passieren, dann kannst du den Kristall in einer Körperöffnung verstecken, falls man dich auszieht. Nimm eher den Po, auch wenn das jetzt komisch klingt.
Alischa sah Tim fragend an.
Tim ergänzte: Der Mund ist prima für kurze Augenblicke, aber er bleibt kaum längere Zeit zu. Achselhöhle ist auch gut, aber da muss man aufpassen, wenn man sich bewegt oder nicht frei entscheiden kann, wie man sich bewegen will. Und für die Scheide gilt das Gleiche wie für den Mund.
???
Vergiss nicht, wo du bist. Du erregst Männer genauso, wie dich Männer rasend machen werden.
Alischa wurde rot.
Und übrigens hattest du recht.
Wie? Was meinst du?
Ich meine die Sache, dass ich genauso wie du einen Kristall mitnehmen soll. Weißt du, der Hexensprung ohne Kristall verlangt ziemliche Konzentration und weder die Konzentration noch das Gedächtnis sind beim Menschen besonders zuverlässig. Manchmal klappt es gar nicht oder nicht sofort und noch viel öfter landet man nicht genau an der gewünschten Stelle, sondern nur irgendwo in der Nähe. Vor allem bei Aufregung und starker Ablenkung. Das muss beim Schöpfer von Peridëis anders gewesen sein, also zumindest scheinen die Peris das erheblich besser zu können.
Können die auch an Orte reisen, die sie gar nicht kennen?
Nein, das nicht. Soweit ich weiß. Aber wenn ein Satyr hinter mir her ist, um mich von hinten ... äh ... dann hätte ich nie im Leben die nötige Konzentration.
Alischa kicherte. Schon passiert?!
Nein, brummte Tim. Aber ich habe mal von einer Peri gehört, der die Leute gerade ihr Schloss abgefackelt hatten. Alles war dahin! Und die hat denen in aller Ruhe gesagt »Wir sehen uns wieder.« Und Rums! war sie weg und Rums! erschien sie im Dorf der Leute, wo nur noch die Frauen waren, denn alle Männer waren ja gerade vor ihrem Schloss gewesen. Diese Frauen hat die Peri aus dem Dorf gejagt, nicht allzu weit, aber weg ist weg. Anschließend, als das Dorf leer war, hat sie den ganzen Schatz an Milchvorräten vernichtet. Also die getrocknete Milch und die Frauenbutter, die sie über lange Zeit gesammelt hatten. Du kannst dir vorstellen, wie blass die Männer waren, als sie zurückkamen. Frauen weg! Milchvorräte weg! Und die Peri stand auf einem Felsen und hat sie laut ausgelacht. Erst am nächsten Tag ist sie Rums! zu den Frauen und hat ihnen erlaubt, zu den Männern ins Dorf zurückzukehren. Das möchte ich können!
Da war die Peri aber noch fair zu den Männern, sagte Alischa.
Trotzdem war der Milchvorrat weg. Das ist, als wenn du bei uns Geld verbrennst. Oder die ganze Ernte. Und vielleicht bekommst du bei dieser Geschichte auch eine Ahnung, warum wir uns besser nicht als Hexen zu erkennengeben. Denn das sind wir nun mal für die normalen Leute hier.
Können wir noch mehr solcher Sachen?
Klar, ein paar.
Ich trage es mit Fassung, zur Hexe geworden zu sein, auch wenn die Leute das nicht leiden können, antwortete Alischa.
Tim lachte. Wie meinst du das genau?
Das Mädchen mit den größten Möpsen in unserer Klasse, der alle Jungs aus der Hand fraßen, hat immerfort gejammert, dass sie nicht nur über ihre Möpse definiert werden will. Dabei hatte die ansonsten nur Stroh im Kopf, diese Ziege, und auch sonst nichts zu bieten. Manche meckern eben immer, egal was sie haben. Ich für meinen Teil finde die Fähigkeiten, die ich hier erhalten habe, großartig. Punkt.
Ich auch. Punkt.
Das Städtchen
Alischa und Tim waren nur eine weitere Stunde den azurblauen Pflasterweg entlang gewandert, da stand ihnen plötzlich nach einer Kurve eine Stadt im Weg. Ach was sage ich Stadt, selbst das Wort Städtchen wäre noch übertrieben gewesen. Es war ein winziges, aber sehr hübsches Nest, das man in ein Gewirr kleiner Felsen hineingebaut hatte. Ein Tor versperrte den Weg und genau in dieses Tor hinein führte der azurblaue Pflasterweg. Leuchtend rote Mauern versperrten überall dort den Zugang zur Stadt, wo Lücken zwischen den Felsen waren. Die Mauer war nicht sonderlich hoch, vielleicht etwas über zwei Meter. Und so ungleichmäßig, wie sie gebaut war, würde man auch leicht eine Stelle finden, an der man die Mauer bequem überklettern könnte. Auf jedem der roten Mauerabschnitte zwischen zwei Felsen war stets einmal die stilisierte Frau abgebildet, die dem Betrachter die Brüste entgegenhält und deren Beine als großes »O« dargestellt waren. Oben, über der Stadtmauer, sah man zahlreiche winzige Häuschen herauslugen, wobei jedes Haus in einer anderen leuchtenden Farbe gehalten war und jedes in einer anderen verrückten Form. Nichts war gerade und jede nur denkbare Form kam vor. Sogar solche Formen, bei denen man Zweifel am der Nutzen dieses Hauses bekommen konnte.
Alischa sperrte den Mund auf und blieb stehen. Meine Güte, ist das schön!, hauchte sie. Weißt du, das ist es, was zu Hause fehlt. Farben! Formen! Und schmückende Elemente! Unsere Städte sind grau, die Dörfer sind grau, und Schmuck gibt es nur da an den Häusern, wo er noch nicht wegen Altersschwäche abgefallen ist. Oder nur gerade Linien, ganz glatte Flächen und rechte Winkel. Das ganze Verspielte fehlt an den Häusern zu Hause völlig. Weißt du, Freunde meiner Eltern haben mal ein Haus in einem Dorf geerbt. Der Hof und die Einfahrt waren mit Feldsteinen gepflastert. Ganz witzig, ihnen hatte es sehr gefallen. Aber weißt du, was passiert ist? Die Nachbarn haben denen Hilfe dabei angeboten, die Einfahrt zu betonieren. Damit es endlich ordentlich aussieht, haben die gesagt. Ordentlich!
Alischa schüttelte sich.
Dann setzte sie fort. Die normalen Leute! Norm! Ordentlich heißt doch, dass alles einer Ordnung folgt, alles im Grunde gleich zu sein hat, die ganz große Gleichmacherei. Aber lernst du einen sogenannten Aussteiger kennen, ist der im Grunde auch wieder bloß allen anderen Aussteigern gleich. Anders gleich. Spießer sind sie allesamt, weil sie immer nur das für akzeptabel halten, was ihre eigene Norm ist. Oder was sie dafür halten. Doch das hier (Alischa wies auf das Städtchen vor ihnen) ist wirklich anders.
Lass uns einfach hingehen, sagte Tim.
Muss ich was beachten?, fragte Alischa, jetzt doch etwas bange.
Nein, eigentlich nichts, antwortete Tim, du bist einfach du und ein anderer ist ein anderer; du wanderst durchs Land und willst den Peris eine Aufwartung machen und ich zeige dir den Weg. Das ist alles. Im Zweifel gibt’s hier dafür das Sprichwort Es ist gleich, wie die Frau heißt, wenn sie nur gute Milch gibt. Direkter gesagt: Biete an, was du anzubieten hast, und die Leute fressen dir aus der Hand.
Du meinst, ich soll...
Ja. Wie war das mit dem Mädchen, das bloß mal mit den Brüsten wackelt und schon liegen die Jungen ihr zu Füßen? - Hier erlebst du die konsequente Fortsetzung davon. Keine Frau arbeitet, weil sie alles auch so kriegt. Biete deine Brüste an oder lüpfe deinen Rock und die vergessen, was sie vorher eigentlich wollten. Darüber hinaus haben wir eine seltsam starke Wirkung auf die Leute hier. Also wir Besucher aus dem Diesseits. Wir von Draußen.
Jede Frau von Draußen?
Ja, jede. Noch mal: jede. Die Männer übrigens auch.
Warum macht mich das nass? Aber wenn ich die Männer nicht mag und trotzdem was brauche?
Du klingst gerade sehr unglaubwürdig, wenn ich mir gerade deinen sehr angeregten Dauerzustand überlege...
Alischa lachte. Ja gut, aber theoretisch.
Keine Ahnung. Augen zumachen? Musst du eben abwägen, ob du doch lieber wartest. Aber auf jetzt und dieses Städtchen vor uns bezogen: Wenn es dir lieber ist, kann ich an deiner Stelle antworten, wenn die Leute Fragen stellen.
Ja, es wäre mir lieber. Mir ist etwas bange.
Mach ich. Wichtig ist im Grunde nur eins: Sag nie, dass du von Draußen bist.
Was machen die mit Hexen?
Oh, wie überall: Es kommt darauf an. Hast du Macht oder wollen sie was von dir, so kriechen sie dir in den Arsch, und zwar gewaltig. Aber wehe, du stolperst, dann wirst du bespuckt, zerhackstückt oder verbrannt.
???
Neiniiiin, keinen Schreck kriegen, du bist doch Hexe und kannst ja einfach abhauen, weißt du noch? Hexensprung. Blitzen. Flucht.
Alischa nickte. Einen Augenblick später fragte sie aber: Was ist mit den armen Frauen, die unschuldig verbrannt werden?
Männer und Frauen, korrigierte Tim. Dann setzte fort: So schnell passiert das nicht, und vergiss nicht, dass es in Peridëis weder Tod noch unerträgliche Schmerzen gibt. Wir Besucher würden flüchten und genau das wäre das eigentliche Ziel des Feuers. Dass wir weg sind. Ein unschuldiger Einwohner würde aber wutentbrannt aus dem Feuer springen oder sofort bewusstlos werden. Doch ihm passiert nichts. Und dann haben die Täter ihn hinterher zu fürchten, denn er wird es ihnen heimzahlen. Und seine Freunde. Und eine Schuld wäre abzuzahlen. Das reguliert die Sache erheblich. Denunziantentum und Verleumdung gedeiht nur dort, wo der Denunziant oder Verleumder nichts zu fürchten hat. Hat er hier aber. Trotzdem sind die Leute nicht nachtragend. Wo heute aus einer Situation heraus ein Streit entsteht, kann morgen schon wieder beste Freundschaft sein. Nur haben sie vor uns eben Angst und du müsstest schon eine Menge Beweise liefern, dass du keine Gefahr für sie bist. Das kann dir gelingen, wenn du hier längere Zeit lebst, doch selbst in diesem Fall bleibt ein ungemütlicher Respekt vor dir. Aber noch einmal zu uns selbst, so wie wir hier gerade stehen: Selbst wenn du keinen Kristall bei dir hast und den Hexensprung noch nicht kannst, würdest du schlimmstenfalls herausgerissen werden, wenn es wirklich unerträglich für dich wird. Das wäre höchstens ärgerlich und um die Gegend müsstest du künftig einen Bogen machen, solange man dich noch im Gedächtnis hat. Aber das ist schon alles.
Aber was heißt unerträglich? Warum wird man nicht schon herausgerissen, wenn es einfach unangenehm wird?
Mal ehrlich, was wäre das für ein Leben, das keine Höhen und Tiefen hat? Wenn du nur aus dem Feinkostladen lebst, ist das Zeug irgendwann auch nicht bedeutender als Kantinenfraß. Bloß teuer ohne Nutzeffekt. Der Mensch urteilt nicht absolut, sondern im Vergleich. Wenn alle Kinder artig sind, gilt ein Kind als böse, das bloß mal »Bäh!« gesagt hat. Wenn jedes Unbill von dir ferngehalten wird, fängst du an zu heulen, wenn bloß mal ein Blümlein umgeknickt ist. Aber das Eigentliche daran: Man fühlt sich unterm Strich nicht besser. Ich meine, die Leute suchen ja auch das Abenteuer, den Kick, das Bunte, den Nervenkitzel. Nichts ist öder als spießige, gleichmäßige Langeweile.
Das Graue...
Ja, das Graue.
Das Grauen.
Grauenhaft.
Alischa lachte.
Das richtige Maß ist allerdings eine knifflige Frage, setzte Tim nach, weil das jedesmal anders sein kann. Ich war mal als Betreuer in einem Kinderferienlager, das war ganz nett, weil die mich dafür vom Dienst freigestellt hatten.
Hier oder draußen?
Draußen, also die Stasi, die Kinder waren von Mitarbeitern. Lästere nicht rum, das waren ganz normale Kinder, in jeder Beziehung. Also, da hatten wir eine Nachtwanderung gemacht. Ferienlager ohne Nachtwanderung geht ja gar nicht. Ich war als Gespenst in den Wald abgeordnet. Und der Lagerleiter hatte die Richtlinie ausgegeben, bei den ganz kleinen Kindern hübsch vorsichtig zu sein und dass wir Gespenster uns notfalls vor den Kindern »enttarnen« sollten, wenn die zu viel Angst hatten. Hallo!, das sind doch bloß wir, und echte Gespenster, die gibt’s doch gar nicht. Sowas in der Richtung. Haben wir auch gemacht und die waren ganz begeistert darüber. Aber bei den älteren, also den 13- und 14-jährigen, da sollten wir ordentlich auf die Pauke hauen, und auch bei den Mädchen nicht zu zaghaft sein, sonst meckern die hinterher, dass das bloß für Weicheier gewesen wäre. Haben wir auch gemacht und die waren ganz begeistert darüber. Hinterher.
Du Mistkerl, ich glaube dir jedes einzelne Wort!
Tim lachte. Und die Moral aus der Geschücht, Berge ohne Täler gibt es nücht.
Die beiden liefen zur Stadtmauer des kleinen Städtchens, dort wo sie ein Tor sahen. Es war ein blaues Tor mit einer knallroten Frau daraufgemalt, die dem Betrachter ihre Brüste entgegenhielt.
Heda!, rief Tim, weil das Tor fest verschlossen war. Wobei das Wort »Tor« etwas übertrieben ist; es war nämlich gerade einmal so breit, dass zwei Personen nebeneinander hindurchpassten, und auch das nur mit Mühe.
Wie sollen hier denn Wagen durchkommen?, fragte Alischa.
Welche Wagen?
Fuhrwerke, Kutschen und so weiter.
So etwas gibt es in Peridëis nicht, antwortete Tim. Du gehst zu Fuß oder lässt dich von einem Sklaven in einem winzigen Wägelchen ziehen oder reitest bestenfalls auf irgendeinem faulen Vieh. Alles andere können nur Hexen.
Aber...
Psssst. Tim legte warnend seinen Finger auf die Lippen. Alischa verstand sofort. Hier konnten sie gehört werden.
Und wieso baut man keine Wagen?, flüsterte Alischa, weil ihre Neugier zu groß war.
Die zerbrechen, flüsterte Tim zurück. Hier gibt’s keinen Strom, und jede Mechanik zerbricht nach kurzer Zeit. Du sucht im Wald nach brauchbaren Gegenständen, die dort wachsen, aber auch die halten nicht sehr lange. Nur künstlerische Sachen, die nicht so belastet werden oder alles Weiche und Biegsame, das hält halbwegs. Aber nichts Hartes.
Und das Tor hier? Das ist doch hart und hat eine Mechanik. Oder ist die Türangel und der Riegel keine Mechanik?
Tim gluckste. - Sowas wächst hier. Wie Zierkürbisse.
Wie bitte?!
Nein, nicht wirklich. Soweit ich weiß, gibt es Bäume, die keine Jahresringe im Stamm haben, sondern schneckenartig aufgebaut sind. Die äußeren Schichten sind frisch sehr weich. Da rollen die Leute einfach soviel ab, wie sie gerade brauchen, schneiden es zurecht und warten, bis das abgeschälte Holz knochenhart geworden ist. Damit baut man was. Viele Männer sind hingebungsvolle Bastler. Sogar kleinere Häuser werden aus diesen Platten gebaut. Allerdings ist da nicht alles über jeden Zweifel erhaben. Diese Platten sind sehr leicht und gäbe es hier Stürme, dann würden hier wohl ganze Ortschaften einfach so weggepustet werden. Die Häuser hier halten vielleicht drei oder vier Jahre, aber das ist glaube ich sehr unterschiedlich.
Heda!, rief Tim nochmals.
Ich kann auf zwei Fingern pfeifen, sagte Alischa.
Ja, mach mal.
Alischa stieß auf zwei Fingern einen gellenden Pfiff aus.
Wenige Augenblicke später öffnete sich das Tor. Es hatte gar keine Türangeln, sondern wurde einfach beiseitegeschoben.
Wie macht man das Geräusch, das ich eben gehört habe? - Ein kleines buntgeschecktes Männlein mit Narrenkappe und Glöckchen hatte ihnen geöffnet.
Alischa kreischte auf, schlug sich dann aber erschrocken die Hand auf den Mund. Dieses Männlein hatte sie schon einmal gesehen! Ihr Herz klopfte ihr bis zum Hals. Ob sie jetzt verraten wurde? Ach was, das Männlein war ja selber draußen gewesen. Im Diesseits.
Wir wollen rein!, sagte Alischa mit fester Stimme.
Hab ich dir nicht gesagt, du sollst dir gefälligst was anderes suchen? Keiner will dich, so wie du aussiehst, also zisch ab!
Ich werde dir!!! - Alischa war ehrlich erzürnt und griff nach dem frechen Männlein, dass sich flugs entwand und laut schreiend davonrannte.
Aber immerhin war das Tor jetzt auf.
Was war das?, fragte Tim, ich habe die Stimme gehört, aber nur sehr undeutlich etwas gesehen.
Ein Männlein, antwortete Alischa, aber ich habe es in aller Deutlichkeit gesehen. Und zwar schon zum zweiten Mal, einmal zu Hause, und jetzt hier. Damals hat mich das Männlein genauso beleidigt und gesagt, auf Achselhaare, Hängebrüste und ungefärbtes Kopfhaar würde keiner warten.
Da hat das Männlein schon mal gelogen, antworte Tim. So, wie bei uns im Diesseits die bestmögliche Anpassung an die angebliche Norm idealisiert wird, so ist es hier die Besonderheit, die bewundert wird. Deshalb gibt es hier auch kaum so etwas wie eine Mode. Wenn die Leute hier etwas nachahmen, dann eher wegen der praktischen Idee, die dahinter steckt. Ansonsten sind die Leute hier eher kreativ nach dem Motto Leben und leben lassen. Das gilt genauso für die Haartracht, egal wo am Körper, und sowieso für die Brüste. Deine sind übrigens deutlich voller geworden, seit wir hier sind.
Ehrlich? Und hängen die auch nicht mehr so?
Ehrlich. Aber ob die stramm abstehen oder hängen, ist hier nicht der Punkt, Kleinmädchenbrüste gibt’s hier nun mal nicht, hier gibt’s lauter echte Frauenbrüste, die nur so vor Milch strotzen. Und zu Hause ist es auch nicht so, dass Männer bloß auf langweilige Plastikbrüste stehen. Wenn du mich fragst, sind die bloß deshalb Norm, weil die so langweilig sind und deshalb auf Bildern keinen Anstoß erregen. Weil sie gar nicht erregen. Es gibt Naturvölker, wo das anders ist.
Aber stehen Hängebrüste nicht eher für Alter und stramme Brüste für Fruchtbarkeit?
Stehen Milchbrüste nicht viel eher für Fruchtbarkeit? Und die zeigen doch fast immer nach unten.
Oft. Nicht immer.
Aber meist, sogar schon in der Schwangerschaft. Also ausgerechnet in der Zeit, wenn die Frau am meisten Fruchtbarkeit ausstrahlt.
Zugegeben, aber zu diesem Zeitpunkt ist sie ja bereits befruchtet und auch schon besetzt. Die Jungfrau aber nicht. Die ist noch frei.
Stimmt, brummte Tim. Aber es bleibt trotzdem nur potentielle Fruchtbarkeit, nicht bewiesene. Fakt bleibt, dass die Hängebrust nicht einfach so für Alter steht, und außerdem gibt’s da Unterschiede.
Tim machte eine Geste, die Alischa zum Lachen brachte.
Mal ehrlich, fragte Alischa, stehst du auf Hängebrüste? Es klingt so.
Das heißt ja nicht, dass ich die anderen nicht mag, außer diese unfertigen Pubertätsbrüste. Aber um deine Frage zu beantworten: Ja. Auf bestimmte.
Wie ich sie habe?, fragte Alischa leise.
Ja.
Danke.
Sie dürften aber durchaus noch mehr...
Mistkerl! - Alischa trat ihm mit dem Knie in den Oberschenkel.
Aua!, soviel zum Thema, Männer sollen ehrlich sein, ich wollte bloß sagen, dass deine durchaus noch etwas zulegen werden und dass ich mich darüber freue, und...
Hm.
Wirklich!
Na gut.
Und nur nebenbei: Die meisten Männer sind geneigten Brüsten durchaus zugeneigt.
Hm [32].
Aber jede Brust ist anders. Und das ist der besondere Reiz. Hier fragen die Leute nicht nach der öffentlichen Norm für Brüste, sondern gehen danach, was bestimmte Brüste bei ihnen auslösen. Ganz unmittelbar tief im uralten animalischen Teil der eigenen Seele, nicht im trockenen Verstand. Wobei das natürlich für alles hier gilt.
Alischa wandte ein: Aber wenn der Trieb alles reguliert, dann...
... gibt es trotzdem Mitgefühl; auch das ist hier stärker. Und den Rest reguliert ... auf seltsame unerklärliche Weise ... Peridëis. Es ist ja nicht so, dass hier alles perfekt läuft, Peridëis ist keine ... Idealwelt, aber es gibt sozusagen keine allzu scharfen Kanten.
Einen Moment lang war Stille. Dann betraten Alischa und Tim das Städtchen.
Wie schön es ist!, rief Alischa entzückt aus.
Alischa drehte sich um. Was sie sah, empörte sie ehrlich. Statt sich für das schöne Städtchen zu interessieren, untersuchte Tim gerade die Mechanik des Stadttors. - Die Tür rutscht auf irgendwas Glattem!, rief er, und der Schöpfer dieses Tors sollte dringend einen Kurs für Türenbau besuchen oder wenigstens mal darüber nachdenken, wozu ein Tor da ist. Das hier kann man jedenfalls einfach auf- und zuschieben, da ist nicht einmal ansatzweise irgendwas zum Versperren vorgesehen.
Immerhin haben wir eine Weile davor herumgestanden, merkte Alischa an, vielleicht ist das ja nur gegen Tiere.
Oder nur wegen der Gemütlichkeit, brummte Tim.
Alischa lachte. Los komm, schau dir doch mal die schöne Stadt an, ist die nicht hübsch? Sag doch mal was!
Und in der Tat. - Die Straßen, oder besser gesagt, Gassen des winzigen Städtchens waren mit hellem Kies bedeckt und links und rechts säumten winzige Häuser zwischen einzelnen Felsen eingeklemmt die Gassen, jedes Häuschen in einer anderen leuchtenden Farbe gehalten, alle nur ein Stockwerk hoch, aber dafür gingen die Gassen in Wellen auf und ab und bogen und verzweigten sich, wie es die vorhandenen Felsen offenbar gerade hergegeben hatten. Die Felsen waren hier vielleicht drei Meter hoch und breit und waren in einem Abstand von wieder etwa drei Metern in die Gegend gestreut worden. Nicht regelmäßig, aber ungefähr. Manche waren größer oder kleiner. Aus den meisten Häusern führte eine Leiter oder Treppe auf den benachbarten Felsen, wo bisweilen ein weiteres Zimmer errichtet worden war, sich aber meist eine Art Terrasse befand. Die Felsen waren, wie so oft in Peridëis, mit Pflanzen und Blüten übersät. Rechts und links zweigten unregelmäßig kleine Gassen ab, sodass trotz der Winzigkeit dieses Städtleins ein Labyrinth entstand, in dem man glaubte, sich verirren zu können. Und immer wieder erweiterten sich die schmalen Gassen zu kleinen Plätzen, auf denen Markt gehalten wurde.
Und die Leute erst! Die Frauen trugen wie Alischa samt und sonders ihre Brüste zur Schau und schienen bestätigen zu wollen, was Tim vorhin gesagt hatte: Große Brüste, kleine Brüste, schmale Brüste, breite Brüste, große Höfe, kleine Höfe, flache Brustwarzen, prominente Brustwarzen, kurze Brustwarzen, lange Brustwarzen, Apfel-Brüste, Zitronen-Brüste, Mango-Brüste, jede Art und Form bot sich dem Genuss des geneigten Betrachters dar. Und nicht nur das, es zeigte sich, dass sie wie Kopf und Hände Teil der Ausdrucksform waren; da wurden sie auffordernd geschüttelt, da wogten sie lockend beim Gehen mit einem Eigenleben, als wollten sie mit den Füßen nichts zu schaffen haben wollen, da wippten sie beim Lachen, da schaukelten sie beim Bücken, da wurden sie emporgehoben, um sich selbst oder ihren Inhalt zu preisen. Kurz: Sie waren Teil des wimmelnden Lebens. Und zwar ein quicklebendiger und wohlbeachteter Teil des wimmelnden Lebens.
Es war ein ganz eigenartiges Gefühl für Alischa. Sie war die ganze Zeit bis hierher barbusig gewesen. Na gut. Nicht nur einfach barbusig, sondern mit einem Kleid, das die Brüste betont frei ließ. Betont. Den Blick darauf ziehend, also nicht bloß einfach freigelassen. Und genauso den Schoß. Auch der war nicht wie beim heimischen FKK-Strand einfach nackt gelassen, sondern man trug als Frau die Scham gerne betont frei, und der Schlitz des Kleides war so, dass beim Laufen oder Sitzen ständig ihr Bär (so sagten ihre Freundinnen dazu) hervorblitzte. Selbst das ging ja noch, aber hier machten es alle Frauen so. Zwar in Variationen, aber alle! Auch nicht, wie am FKK-Strand, weil das angeblich nicht anzüglich wäre, sondern gerade, weil es anzüglich war. Im ganzen Land! Und das rief bei Alischa ein prickelndes Gefühl hervor. Es war irgendwie sehr reizvoll. Dabei schätzte Alischa sich selbst gar nicht als besonders, wie sagte man doch, exhibitionistisch, ein, aber sich zeigen zu dürfen, reizen zu dürfen, das war ... schön. Es war ja sowieso mehr als auffällig, dass Frauen sich gerne entblätterten, wenn sie fern der Heimat waren, wo sie niemand kannte. Wieso war das Zeigen überhaupt verboten?! Vielleicht, weil die anderen Frauen argwöhnisch darauf achteten, dass keine ihre Waffen zu scharf machte, und damit die Mannsbilder von ihnen selbst weglenkten. Sozusagen ein Abrüstungspakt, bei dem man stets nach links und rechts schielte, ob ja keine Schlampe dagegen verstieß. Aber vielleicht auch wegen der Mannsbilder selbst. Sie sollten ja gucken, aber nicht so hungrig werden, dass sie ohne Erlaubnis zubissen. Und da hing es wieder davon ab, was als normal galt, wie die anderen Frauen sich präsentierten. Aber die Männer guckten, soviel stand fest. Alischa hatte das mal mit einer dunklen Sonnenbrille und dünnem T-Shirt ohne BH getestet. Die Männer guckten immer zuerst auf die Brüste, nicht ins Gesicht, auch wenn sie selbst das Gegenteil behaupteten. Ein interessantes Vergnügen! Seltsamerweise schauten aber auch die Frauen, da war Alischa sich sicher. Wieso eigentlich [33]? Egal. Jedenfalls waren diese zwei Dinger bestimmt nicht umsonst genau da angebracht, wo man sie gar nicht übersehen konnte, und es gefiel ihr, sie auszuführen, sie von allen Leuten begucken zu lassen. Und zwar nicht bloß wie am FKK-Strand, wo man sie quasi zu übersehen hatte, sondern so, dass man sie zu beschauen und zu loben hatte, wie einen kunstreichen und wertvollen Schmuck. So wie jetzt hier! Und waren sie nicht auch ein Schmuck? Hübsch rund und groß mit zwei auffällig gefärbten Spitzen, und jede anders. Aber das hatten wir ja schon. Eine wogende Menge! Man feiert, was man hat!
Alischa war euphorisch.
Die kleinen Marktplätze an den Kreuzungen und Einmündungen waren mit zahlreichen Sitzgelegenheiten, aber auch festen steinernen Ständen ausgestattet. Das waren Quader von Tischgröße, jeder meist um die zwei Meter lang und vielleicht einen Meter breit, sodass die Händler bequem ihre Ware ausbreiten konnten. Und was es alles gab! Was Gebrauchsgegenstände anbelangte, war Auswahl an sich gar nicht so groß, aber jeder Becher, jeder Teller, jeder Stuhl, jeder Teppich war irgendwie anders gestaltet, alles reich verziert, bemalt, geschnitzt, geknetet, gewebt, geschnitten und was sonst man tun konnte. Kurz: Das ganze Städtlein war ein einziger Kunstmarkt. Freilich war nicht jeder Gebrauchsgegenstand über jeden Zweifel erhaben, wenn man seinen eigentlichen Nutzen als Kriterium zugrunde legte. Der schönste Becher taugt ja wenig, wenn er ein riesiger reich verzierter Humpen ist, dessen fingerhutgroßer Behälter aber kaum noch von den Lippen erreicht werden kann. Das schien die Leute hier aber nicht zu kümmern, und so mancher Stand war mit Krempel angefüllt, der bei Licht betrachtet nicht den geringsten Nutzen hatte. Doch seien wir nicht ungerecht: Welchen Nutzen hat zum Beispiel ein gewöhnlicher Seidenschlüpfer, wie er im Diesseits in ganz gewöhnlichen Dessousläden für viel Geld verkauft wird? Keinen. Na also. Und gewisse Automobile müssen auch sofort in die Werkstatt, wenn man zu kräftig neben ihnen niest. Ich erwähne das nur, damit die Männer nicht Siehste! zu den Frauen sagen und mit dem Finger auf sie zeigen. Aber diese Dinge sehen eben hübsch aus und deshalb verkaufen sie sich. Wenn man genug Geld hat. Aber das war in Peridëis nun wirklich nicht das Problem. Die Verkäufer lechzten förmlich danach, dass jemand die wahre Größe ihres Handwerks anerkannte, indem er ihnen die Ware abnahm.
Wo war ich stehengeblieben?
Ach ja, der Markt. Da waren natürlich auch Händler, die anboten, was sie an besonderen Früchten im Wald gefunden hatten, an Geheimstellen, die sie niemals verraten würden, oder was sie sogar selbst gezüchtet hatten. Und es gab noch die Gaukler. An einem Stand blieben Alischa und Tim stehen, denn die Frau, die dahinter saß, hatte rein gar nichts auf dem Steinquader vor sich zu liegen. Die Frau schaute versonnen in den Himmel und ließ keine Reaktion erkennen.
Was verkauft diese Frau?, fragte Alischa.
Ich weiß nicht, antwortete Tim, lass uns einfach einen Augenblick hier bleiben.
Es dauerte gar nicht lange, da steuerte eine Frau ohne zu zögern direkt auf den Stand zu. Sie hielt der Frau hinter dem Stand eine kleine Phiole hin.
Die Frau öffnete die Augen.
Alischa erschauerte. Die Frau hinter dem Stand hatte sehr eigenartige Augen. Man schien kilometerweit in sie hineinschauen zu können und verlor sich darin.
Die Frau hinter dem Stand schaute auf die Phiole.
Da ist Milchpulver drin oder Frauenbutter, flüsterte Tim.
Alischa hatte es geahnt, war aber dankbar für die Information.
Schau mir in die Augen, sagte die Frau hinter dem Stand.
Die Kundin lehnte sich mit ihrem Unterleib locker gegen den Steinquader und setzte sich dem Blick der Frau hinter dem Stand aus.
Noch ein Schauer durchlief Alischa, selbst bei ihrer Entfernung, und obwohl sie der Frau hinter dem Stand gar nicht direkt in die Augen schauen konnte.
Die Kundin hatte einen starren Blick angenommen und war völlig vom Blick der Frau hinter dem Stand gefangen.
Alischa und Tim hörten gerade noch so die leisen, aber sehr intensiv und suggestiv gesprochenen Worte...
Wohlige Wärme wallt in deine weiche Vulva...
Der Rest war leider nicht verständlich, zu weit waren Alischa und Tim von den beiden Frauen entfernt [34].
Doch es dauerte nicht lange, wenige Sekunden nur, da fing die Kundin heftig an zu atmen, immer mehr und mehr und schließlich klappte sie aufstöhnend zusammen zu einem heftigen Orgasmus.
Die Frau hinter dem Stand hatte sie mit den Händen aufgefangen und hielt sie, bis die Kundin wieder zu sich gekommen war.
Danke sagte die Kundin.
Beehre mich bald wieder, sagte die Frau hinter dem Stand.
Und die Kundin ging wieder ihrer Wege.
Die Frau hinter dem Stand setzte sich wieder und ihr Blick wandte sich versonnen gen Himmel.
Die Frau hinter dem Stand kann nur mit Blicken und Worten einen Orgasmus machen!, rief Alischa verblüfft.
Großartig, sagte Tim, das war gekonnt. Sogar mich hat es mit erwischt.
Alischa schaute ihn besorgt an.
Nein, sagte Tim, kein Samenerguss, nur die Erregung.
Bei mir ist es auch angekommen, sagte Alischa, ich verstehe schon lange, warum man hier als Frau keinen Schlüpfer trägt.
Weißt du, wie man das nennen könnte, was die Frau da macht?
?
Schnellimbiss. Lach ruhig, aber es ist doch wahrhaftig wie bei Hunger, wenn man keine Zeit für einen Gaststättenbesuch hat. Bei dem starken Trieb hier in Peridëis braucht man die Schoßentspannung doch so regelmäßig, wie das Essen. Was also machen, wenn die Termine drücken?
Die beiden schlenderten weiter.
An der nächsten Ecke fiel Alischa der erste Stand auf, an dem eine Frau auf einem Hocker sitzend ihre Milch in einen Becher ausmolk. Vor ihr stand ein Mann, der diese Milch offenbar kaufen wollte.
Alischa zupfte Tim aufgeregt am Ärmel: Schau, sie macht es ganz offen auf der Straße!
Ich staune eher, dass wir noch nicht mehr zu sehen bekommen haben. Das wirst du noch sehr oft erleben, antwortete Tim. Aber so wie jetzt gerade, gab es das auch im Diesseits. In China gab es Frauen, die genauso wie hier ihre Milch offen auf dem Markt verkauft haben. Man hat geglaubt, dass die gut für die Gesundheit ist. Zumindest in Süd-China gab es früher überhaupt gar keine andere Milch zu kaufen. Ein Becher voll hat so viel wie der Tageslohn eines einfachen Arbeiters gebracht. Erst Mao Tse-tung hat das verboten, was für die betroffenen Leute schlimm war, wenn es die einzige Einnahmequelle der Familie war. Auch in Persien konnte man auf dem Marktplatz Frauenmilch bekommen; die Nomadenfrauen haben es wie hier und wie in China direkt von der Brust weg verkauft, weil man ja die Echtheit zu beweisen hatte. Und hier ist es für die Frauen die einzige Einnahmequelle, denn als Frau darfst du hier ja nicht arbeiten. Nur kreative Arbeit ist erlaubt, aber die bringt nicht wirklich was.
Und ich könnte meine Milch hier genauso verkaufen?
Aber ja! Das müssen wir sogar. Hast du gerade Hunger?
Nein.
Dann lass uns zuerst schauen, ob wir ein neues Kleid für dich finden.
Als sie Rast machten und an einem leeren Steinquader Platz genommen hatten, wurde Alischa von einem Mann angesprochen. Schwer zu beschreiben, was an ihm interessant war, aber er war interessant. Und es war überdeutlich zu erkennen, dass er gerade eine heftige Erektion hatte. Alischa wurde tiefrot, weil es absolut eindeutig war, dass der Mann die Erektion nur wegen ihr bekommen hatte. Sie spürte, wie ihr die Hitze ins Gesicht stieg. War dem Mann das gar nicht peinlich? Alischa bemühte sich, nicht den aufgerichteten Penis anzustarren, wenngleich dieser ihre Gedanken völlig beherrschte. Und pitschnass war sie auch. Alischa spürte, wie ihr die Nässe innen an den Beinen herunterlief.
Tim hatte sofort erfasst, was passiert war.
Dein Typ?
Ich zerfließe.
Warum fragst du ihn nicht?
Bist du irre? Meinst du das ernst?
Tim fasste Alischa am Arm: Alischa, sagte er, Peridëis ist so gemacht, dass man Lust hat, sich den Lüsten aber auch hingibt. Da es mir verboten ist, dir die Befriedigung selbst zu verschaffen, wäre es für mein und dein Wohlbefinden dringend zu raten, dir einen anderen Befriediger zu nehmen. Und der Mann dort bietet sich jetzt direkt an.
Nein, das kann ich nicht, hauchte Alischa, das gehört sich nicht. Das verstehst du als Mann nicht.
Tim schaute zu dem fremden Mann. Sie begehrt dich. Gefällt sie dir?
Sehr! Leihst du sie mir?
Gerne!
Tim umfasste Alischa ohne zu zögern mit einem kräftigen Griff von hinten, indem er seinen rechten Arm um Alischas Arme und Oberkörper schlang, während sein linker Arm Alischas Gesäß anhob. So zog er sie vor sich in seinem Schoß, während er selbst etwas nach hinten rückte. Dann streifte Tim Alischas Rock hoch, griff ihre Oberschenkel und zog diese auseinander. Alischas nasses Geschlecht bot sich der Stadt und allen Leuten dar. Nur ihr Geschlecht, nicht sie selbst. Sie selbst lag in der Achselhöhle Tims und atmete dessen Achselgeruch. Tim roch anregend nach Mann.
Alischa fühlte sich in einer Art Duldungsstarre. Keine Verantwortung. Das war nicht sie, das war er. Sie hatte nichts gemacht. Er war verantwortlich. Stillhalten. Nichts ändern. Das Seltsame: Alischa fühlte sich geborgen, so, wie sie von Tim umschlungen und festgehalten wurde. Er würde sie niemals im Stich lassen. Ihr Schutzengel, der tief in sie hineinsah. Alischa saugte ihre Lippen am Oberarm Tims fest und drückte ihr Gesicht an seine Achselhöhle. Dunkel war es; sie hielt ihre Augen geschlossen und ließ ihn einfach machen, was er für richtig hielt
Nicht bewegen. Nichts tun, was den Augenblick ändern könnte. Geschah es? Wann kam der Kerl endlich?
Da! - Ah! Ah! Ah! Der fremde Mann war ohne Umstände sofort in Alischa eingedrungen. Alischa stöhnte auf. Stoß um Stoß ging es. Fern hörte sie Tim sagen: Lass deinen Samen in sie strömen, ich verspreche dir ihre Milch, eine ganze Brust. Sie hat gute Milch.
Fern wurde zurückgefragt: Versprochen?
Fern wurde geantwortet: Versprochen!
Die Stöße in Alischa wurden kräftiger, tiefer, rhythmischer, der Schoß des fremden Mannes schlug klatschend gegen Alischas nasse Vulva. Und endlich spürte Alischa, dass eine Woge langsam in ihr aufstieg, stetig mehr werdend. Nicht aufhören, flüsterte sie, nicht aufhören, nicht aufhören, nicht aufhören, nicht aufhören, nicht aufhören ... und daaaaaa! Ihre Scheide zog sich zu einem tiefen Orgasmus zusammen und umschlang den fremden Penis, um auch diesen zu dem zu führen, was der Mann sich wünschte. Und siehe! Noch während Alischas gesamte Vulva eine Woge der Lust in jede Stelle des Körpers strömen ließ, spürte sie, wie sich der Mann aufbäumte und mit einem Stöhnen ebenfalls kam. Sein Penis zuckte, und sie spürte das ganz leichte Pulsen des männlichen Samens, der tief in ihre Scheide floss.
Alischa atmete heftig.
Der fremde Mann atmete heftig.
Und da rutschte auch der weich werdende Penis der fremden Mannes langsam aus Alischas Scheide. Und etwas von seinem Samen floss aus Alischa heraus. Aber nur etwas.
Tim schloss Alischas Beine, hob Alischa selbst hoch und legte sie seitlich so auf den großen Steinquader, dass ihr Kopf einen weichen Platz in seinem Schoß fand. Das heißt, nicht alles an seinem Schoß war weich. Sein Penis war hart. Der arme Mann, er durfte ja nicht. Alischa legte ihr Gesicht so, dass ihre Wange direkt an seinem Penis ruhte. Und küsste ihn wenigstens einmal. Der Arme. Sterne kreisten vor Alischas Augen. Etwas Ruhe brauchte sie noch. Wenigstens etwas.
Sag mal, hörte sie Tim fragen, weißt du, wo man hier schöne Kleider bekommt?
Drüben auf der anderen Seite der Stadt, aber es ist schwer zu beschreiben, wie ihr hinkommt. Ich werde euch hinführen, ich habe sowieso gerne eine kleine Pause zwischen der Befriedigung und dem Trinken aus der Brust.
Wie sieht’s aus? - Tim tippte Alischa mit dem Finger fragend auf den Kopf.
M-m. Alischa verneinte murmelnd und ohne den Kopf zu heben.
Die beiden Männer lachten. Aber nicht auf eine gemeine Weise.
Alischa döste. Und döste noch etwas. Etwas. Nur etwas.
Da stieg ihr Bratenduft in die Nase. Und der machte sie sofort munter. Sie hob den Kopf, um nachzuschauen, woher der Duft kam.
Da. Der fremde Mann hatte ihnen Essen besorgt. Drei, tja was war das, drei ... halbe ausgehöhlte Brötchen, so könnte man es vielleicht nennen. Oder Teigtaschen?. Egal, sie waren jedenfalls mit einer Art Gulasch gefüllt, mehr Fleisch als Soße. Und darin steckte je ein Löffel.
Hunger? - Der fremde Mann hielt Alischa eins der gulaschgefüllten halben Brötchen hin. Keine Bange, ergänzte der Mann, je besser ich dich jetzt füttere, desto besser gibst du nachher Milch. Die Frau melkt durch den Hals, heißt es doch nicht ohne Grund. Er lachte.
Alischa nahm das hingehaltene Essen an. Der fremde Mann setzte sich neben sie und so saßen sie zu dritt nebeneinander und ließen den bunten Trubel des Städtchens an sich vorüberziehen. Das Fleisch war gut gewürzt und himmlisch zart. Alischa hatte doch Hunger. Im Gegensatz zu dem, was sie vorhin gesagt hatte. Es herrschte, was man gefräßige Stille nennt. Jeder aß mit Genuss, zum Schluss das Brötchen, und ganz zum Schluss stellte sich heraus, dass sogar der Löffel essbar war. Er schmeckte süß mit einer leicht würzig-fruchtigen Note. Schwer zu beschreiben.
Wasser hatte Tim reichlich dabei und sie gaben auch dem fremden Mann davon zu trinken. Dieser lobte den angenehmen Geschmack des Wassers.
Während sie essend und trinkend dasaßen und die Beine baumeln ließen, entwickelte sich ihnen gegenüber ein Gescherze, Geschäkere und Gebalze zwischen sechs Frauen und einem Mann plötzlich zu einem Kreischen und Lachen der Frauen, und als Alischa genauer hinsah, bemerkte sie, dass der Mann scheinbar urplötztlich überrumpelt worden war und jedenfalls Fesseln trug. Die Frauen schoben, zogen und drängelten den Mann mit großem Hallo rücklings auf einen freien Steinquader, eine bot ihren Schoß als Kopfkissen, eine andere aber kletterte auf ihn hinauf.
Willst du wohl einen Steifen kriegen?, rief die Frau, die nach oben geklettert war. Lockend hob sie ihren Rock hoch und dem gefesselten Mann gab ihre Scham zu riechen.
Doch der hatte gar keine Zeit zu reagieren, denn schon rief eine andere: Lass mich das machen. Schwupp!, hatte sie ihre Lippen um seinen Luststab geschlossen und sog daran.
Nicht du!, rief da wieder die andere, die oben war.
Die anderen Frauen lachten, während sie den Mann niederhielten. Aber so, dass sie selber nicht allzu kurz kamen, und der arme gefesselte Mann war vollständig belegt mit sich quirlenden Leibern, zwischen wehenden Haaren, Brüsten und nassen Geschlechtern. Wobei zwei davon sich immerhin an den Schienbeinen des Mannes schadlos hielten, während ihre Besitzerinnen halfen, das Zentrum des überwältigten Mannes für die Freundin bereitzumachen.
Und siehe!, schneller als gedacht erhob sich der Stab und schwoll zur weiteren Erhöhung der Lustbarkeit an, und die oben hockende Frau ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und schob den erhobenen Zauberstab in ihr schmachtendes Loch. Dann ritt sie ihn aufstöhnend.
Der gefesselte Mann gab seine Abwehr auf.
Weiter ging der Ritt und die fünf anderen Frauen hatten auch ihren Spaß.
Wirst du spritzen?, fragte die eine, um den Mann zu ärgern.
Nein!, keuchte der, du spinnst ja wohl!
Ooh! Wäre dein Hintern jetzt erreichbar, ich würde nachhelfen!
Die anderen Frauen gackerten.
Ach, weißt du, setzte die fragende Frau scheinheilig nach, wir sind ja nun eins-zwei-drei-vier-fünf-sechs Frauen. Wenn die erste fertig ist, macht einfach die zweite weiter, die dritte, die vierte, die fünfte und die sechste. Und weißt du, was danach passiert? Die erste ist am Ende wieder völlig erholt!
Geheuchelt riss die Frau die Augen auf.
Und dann ... und dann ... geht es wieder von vorne los. Du armer, armer Mann!
Währenddessen schob die reitende Frau genussvoll schnell ihren Schoß um den Luststab herum auf und nieder, dass es nur so schmatzte.
Lass uns einen Kompromiss machen, rief die verhandelnde Frau, du ergießt dich und kriegst Milch dafür. Frische gute Milch direkt aus meiner Brust, allerbeste Qualität durch ausgewählte Ernährung!
Du-wirst-mich-am-Ende-bloß-behumsen!, entfuhr es dem gefesselten Mann ruckartig hauchend.
Es sah aber so aus, als wäre nicht mehr viel Zeit zum Verhandeln.
Gut, gab die verhandelnde Frau nach, du kriegst jetzt sofort deine Milch, aber wehe, du lässt deinen Samen nicht fließen, wenn dein Luststab zuckt!
Sie hob ihre Brust zum Mund des gefesselten Mannes hin. Der öffnete seine Lippen und sog die gereichte Brustwarze in seinen Mund. An seinen Mundbewegungen und am kurzen Aufseufzen der Frau war zu erkennen, dass der Mann nahm, was ihm angeboten wurde. Vielleicht war es so, dass der zusätzliche Reiz seinen Luststab noch einmal anschwellen ließ oder in den entscheidenden günstigen Winkel brachte, jedenfalls stöhnte auch die Reiterin auf ihm auf und ging plötzlich zu rhythmisch-stoßend-verhaltenden Bewegungen über, um sich auf den Gipfel zu schwingen. Und das war es, was den Mann seinerseits wohl auf den Gipfelweg brachte - sein Körper verspannte sich plötzlich und ließ keinen Zweifel daran, was wenige Augenblicke später geschehen musste.
Da rief die Frau, deren Brust im Mund des Mannes war: Genug, genug, lass ihn schnell frei, wir wollen alles sehen können.
Und siehe, die Reiterin war nicht undankbar - sie hob ihren Schoß so schnell sie konnte, und der Penis des Mannes glitt aus ihrem Schoß heraus. Darauf ergriff sie ihn schnell mit der rechten Hand und brachte ihn durch rasch wiederholtes Vor- und Zurückbewegen der Vorhaut an den Punkt, wo es kein Zurück gibt. Doch als dieser Moment überschritten war, hielt sie die Vorhaut zurückgezogen und reizte den Luststab nur noch unterhalb der Eichel, damit für alle gut zu sehen war, wie der Mann in seiner Lust seinen Samen ausstieß, noch einmal und noch einmal. Langsamer werdend führte die Reiterin die Bewegungen fort, bis der Mann schließlich ruhig geworden war. Seine Lippen hatten sich von der dargebotenen Brust gelöst und er atmete heftig. Da streifte die Reiterin vorsichtig etwas vom ergossenen Samen mit ihrem Zeigefinger ab, zog mit der linken Hand ihre Schamlippen auseinander und benetzte mit dem Samen auf ihrem Finger ihre Lustknospe. Dann brachte sie sich in kürzester Zeit mit vibrierenden Bewegungen selbst zum Höhepunkt. Sie ließ sich nach vorne fallen und ihr Geschlecht auspulsen, während sie auf dem Mann ruhte.
Den Mann mussten die Frauen jetzt nicht mehr festhalten. Als sich die Reiterin wieder erhob, sagte eine der anderen Frauen: So, Mädels, nächster Kerl, nächstes Glück. Jetzt bin ich dran!
Die Reiterin gab dem liegenden Mann einen Kuss, der nutzte die Ablenkung für einen kräftigen Klaps auf ihren Hintern und anschließend zogen die Frauen ab. Offenbar auf der Suche nach einem neuen Opfer.
Der Mann blieb noch einen Augenblick auf dem Steintisch liegen, seinen zusammengeschrumpften Zauberstab den Blicken freigegeben. Dann hob er die Arme und betrachtete die Handfessel.
Eine Frau rief ihm zu: Warte die Zeit doch einfach hier in meiner Taverne ab, mein Bier ist gut! - Sie war Wirtin einer winzigen Taverne und ließ sich neue Kunden nicht entgehen.
Gute Idee, antwortete der gefesselte Mann, erhob sich und folgte der Wirtin in ihre Taverne.
Einige Leute hatten zugeschaut, andere waren achtlos an der Szene vorbeigelaufen und hatten offenbar Besseres zu tun.
Alischa hatte das Geschehen fasziniert mitverfolgt. Was ist das für eine Fessel und wieso macht er sie nicht ab?, fragte sie.
Diese Fesseln kriegst du nicht ab, bevor sie sich selber öffnen, antwortete Tim. Sie wachsen an bestimmten Bäumen. Frisch gepflückt bleiben die ungefähr drei Stunden lang zusammengezogen, wenn du damit jemanden fesselst.
Willst du so eine Fessel haben?, fragte der Mann, der Alischa zuvor seinen Samen in den Leib ergossen hatte. Ich kann dir in wenigen Augenblicken eine verschaffen, sagte er, sie werden halbwegs frisch hier auf dem Markt verkauft. - mit der Garantie, dass sie wenigstens eine Stunde lang fest zusammengezogen bleiben, was bei den meisten Spielen doch völlig ausreichend ist. Was ist, willst du eine für deinen Büttel da?
Soll ich?, fragte Alischa und lachte Tim an.
Unterstehe dich, antwortete der.
Dann machten sie sich zu dritt auf den Weg zum Kleidermarkt. Er war gar nicht weit entfernt, aber nie hätten sie den Weg alleine gefunden! Mal ging es rechts ab, mal wieder links, denn zahlreiche Wege endeten völlig planlos als Sackgasse, überall waren hübsche kleine Häuser, ein jedes in einer anderen Farbe, keines gerade gebaut, kein Fenster und keine Tür gleich groß, alles in phantastischen Formen gehalten, zahlreiche kleine Läden und Verkaufsstände, bunte Menschen überall, und mehrfach sah Alischa auf Tischen wie Bänken Paare beim Sex auf ganz unterschiedliche Weise, schwatzende Paare, bei denen der Mann die Brust seiner Frau streichelte oder auch seine Hand zwischen ihren Schenkeln hatte, oder umgekehrt, dass sie seinen Penis mit der Hand verwöhnte, eine Frau hatte den Penis eines Mannes kniend im Mund, während er zurückgelehnt die Behandlung genoss, und immer wieder waren auch Paare zu sehen, bei denen sich der Mann in den unterschiedlichsten Stellungen an ihrer Brust labte oder sie in einen Becher ausmolk. Auf den Tischen war aber nicht bloß Milch in den Bechern zu sehen, nein es schien Bier zu geben, Fruchtsäfte, Wasser - was man sich nur wünschen konnte.
Aber sie waren doch schneller am Ziel, als sie gedacht hätten. Es gab nur so viel zu sehen, und die zahlreichen Sackgassen ließen das verwinkelte Städtlein größer erscheinen, als es in Wirklichkeit war. Jetzt lag endlich eine Gasse vor ihnen, in der es nichts als Kleider zu kaufen gab. Kaum hatten die Verkäuferinnen Alischas abgewetztes Kleid zu sehen bekommen, da stürzten sich schon alle auf sie zu.
Mädchen, rief die eine, wie kann man nur so abgerissen rumlaufen, wo ich doch die schönsten Kleider habe!
Mädchen, rief eine andere, schau meine Kleider, da sehen deine Brüste glatt so aus, als würden sie das Doppelte geben!
Mädchen, lästerte eine dritte, bei mir kriegst du ein Kleid ganz und gar kostenlos, wenn du mir bloß deinen knackigen Büttel für ein Viertelstündchen ausleihst.
Alischa kicherte und rief Tim durch den Lärm zu: Sind Büttel denn als Liebhaber begehrt?
Tim rief durch den Lärm zurück: Man glaubt, dass Büttel ganz besonderen Samen haben. Die Peris würden den keiner anderen Frau gönnen.
Klingt nicht unlogisch, brüllte Alischa.
Tim deutete mit zwei Fingern am Mund an, wie er ihr Ruhe verschaffen könnte.
Alischa nickte und Tim ließ daraufhin einen gellenden Pfiff hören.
Augenblicks war Ruhe. Scheinbar kannte man hier laute Pfiffe nicht.
So. Jetzt ist aber Ruhe hier, sagte Tim streng. Wir suchen selber, klar?
Die Verkäuferinnen huschten zurück zu ihren Läden.
Um es kurz zu machen: Es folgte ein Martyrium für die beiden Männer, das der fremde Mann schließlich beendete, indem er seine Belohnung verlangte. Als Alischa unwillig noch etwas Geduld verlangte, bot ihr Tim eine Tracht auf den Hintern an. Auch für den Fall, dass ihre Milch schlecht flösse, weil sie unwillig wäre.
Die kleine Zwangspause stellte sich aber als recht angenehm heraus, und zwar mindestens, weil längst die Beine schmerzten. Als der fremde Mann seine Belohnung an Alischas Brust trank, erlebte diese zum ersten Mal, dass die freie Brust von alleine zu tropfen anfing. Schau, wie gut die Milch fließt, flüsterte Alischa Tim zugewandt und zeigte auf ihre freie Brust.
Wir sollten die Brust vielleicht jetzt schon ausmelken, sagte Tim und zog einen Becher aus seinem Rucksack. Als er gerade erst angefangen hatte, Alischas Brust zu melken, kam schon eine der Kleiderverkäuferinnen angesprungen. Ihr Männer werdet das nie vernünftig lernen!, schimpfte sie, das muss man mit viel mehr Gefühl machen – so kommt mindestens das Doppelte raus!
Die Händlerin nahm Tim die Brust einfach aus der Hand, massierte sie mit gekonnten Bewegungen einmal zügig durch, griff anschließend zielgenau hinter Alischas Brustwarze und wrang sie verhalten ziehend aus, ließ locker und wiederholte das Ganze ohne abzusetzen Zug um Zug, mit einem angenehmen streng langsamen Rhythmus. Sie setzte die Hand nur ab, um wie ein Uhrzeiger langsam um Alischas Brustspitze herumzuwandern. Laut zischend spritzte Alischas Milch Strahl um Strahl in den Becher. Alischa schnurrte
Das möchte ich auch so können, sagte Tim, der gespannt zuschaute.
Ihr Männer habt eben keine Brüste, wo ihr das selber nachfühlen könnt, antwortete die Frau, ohne dabei den Rhythmus zu verändern. Und als die Brust völlig geleert schien, walkte die Händlerin Alischas Brust durch und holte so noch weitere Milch heraus, die sich tief irgendwo im Inneren der vielen Milchdrüsen versteckt hatte. Ihre Finger griffen vorsichtig in Alischas Milchdrüsen hinein, massierten diese mit viel Taktgefühl ... und noch einmal mehr überlegte es sich die Brust und ließ ein Kribbeln folgen, das weitere Milch ankündigte.
Danke, sagte da der fremde Mann, der währenddessen Alischas andere Brust ausgebeutet hatte. Das war gekonnt gemacht. Die Brust hier auf meiner Seite hat gleich mitgemacht. Ich bin mehr als zufrieden, zumal ich noch nie in meinem Leben Milch solch unglaublicher Kraft getrunken habe. Und von feinstem Aroma ist sie auch, dass du davon leben könntest, nur einmal im Monat davon zu verkaufen.
Der fremde Mann erhob sich, verbeugte sich, wünschte ihnen alles Gute und ging.
Ich habe noch nie so auf eine solche Weise mit einem Mann Sex gehabt!, sagte Alischa zu Tim.
Wie? Begrüßung, Sex, Belohnung, Danke, Abschied?
Ja, so in etwa.
Und wie fühlt es sich an?
Überraschend gut. Anders, unverbindlich, aber gut. Vielleicht, weil es nur die Befriedigung war und sonst nichts. Das hatte ich noch nie.
Hattest du es denn schon mal in der Fantasie?
Ja, beim Befriedigen. Nur nicht so konkret - der Mann bleibt dann eher schemenhaft, fast wie im Nebel, und er verschwindet wieder im Nichts, anonym. Das kommt mir gar nicht so selten hoch.
Dann weißt du, warum es hier ebenfalls passiert. Wenn du einen richtigen Ehemann hast, musst du allerdings aufpassen, dass du die wirkliche Intimität nur mit dem hast, sonst fehlt dir am Ende der Klebstoff, der die Beziehung zusammenhält und die Beziehung geht kaputt.
Du glaubst nicht an offene Beziehungen?
Nein.
Ich auch nicht so richtig. Aber das hier war eben anders, das war ... nicht wirklich intim ... also im eigentlichen Sinn. Und das kannte ich an mir noch nicht.
Außer die Fantasien, wenn du dich selbst befriedigst.
Stimmt, außer die Fantasien, wenn ich mich selbst befriedige.
Die Händlerin hatte die Brust ergriffen, die zuvor der Mann gehabt hatte. Darf ich? Meist ist da noch viel drin. Reinste Verschwendung.
Ja, gerne, sagte Alischa und schaute zu, wie die Händlerin ihre Brust erst durchwalkte und dann leermolk. Tatsächlich. Sie hatte am Ende noch eine ganz erstaunliche Menge Milch mehr herausgeholt.
Es fühlt sich gut an, sagte Alischa. Das Melken, meine ich. Und seltsamerweise bin ich richtig stolz darauf, dass ich Milch habe. Irgendwie...
Verwunderlich ist das nicht, antwortete Tim, es ist urweiblich und hier in Peridëis hat es ja auch eine sehr zentrale Bedeutung.
Die Frau sah Alischa verschmitzt an: Wie sieht es aus, jetzt, wo deine Brüste leer sind, willst du dir meine Kleider anschauen?
Geschäftstüchtig bist du schon. Alischa lachte und war ganz und gar nicht ungehalten. Die Frau hatte wirklich gut gemolken. Alischa war nicht nur von der Milchmenge beeindruckt, sondern ihre Brüste fühlten sich auch sehr angenehm an.
Gerne, sagte Alischa.
Oh, ich habe auch Kleider, die deinem sehr ähnlich sind, sagte die Händlerin.
Und wirklich! Alischa war entzückt, als sie ein Kleid entdeckte, dass ihrem nicht nur ähnlich war, sondern auch ein klein wenig besser passte und außerdem besser geschürzt werden konnte, was beim Wandern bestimmt sehr praktisch war. Dazu waren innen Knöpfe angebracht, wo man die beiden Hälften des geschlitzten Rockteils hochheben und einknöpfen konnte. Gedacht war das eigentlich dafür, die Scham von vorne oder hinten besser freilegen zu können, wenn man von einem Mann genommen wurde, aber man konnte die Möglichkeit ja auch anders nutzen.
Was kostet das Kleid?, fragte Alischa zaghaft.
Oh, ich freue mich, dass ein Kleid von mir gekauft wird, sogar von einer Fremden, die gewiss Besseres kennt!, rief die Kleiderhändlerin und schlug die Hände zusammen. Was für eine Freude für mich! Aber ich würde gerne frische Milch von dir nehmen, wenn du sie entbehren kannst. Wenn du vielleicht noch zwei Stündlein warten könntest, bis wieder neue Milch sprudelt? Zusammen mit der schon gemolkenen Milch würde ich ganz und gar zufrieden sein.
Jetzt war es Tim, der antwortete: Händlerin, log er dreist, das Weib, das ich begleite, wurde erst gestern in einem geheimen Ritual von einer wahren Unzahl wilder Männer genommen, mehr als an vier Händen zählbar sind, und alle haben ihren Samen tief in sie hinein vergossen. Und daraufhin haben diese Männer sie mit ihrem Loch nach oben aufgehängt, worauf auch nicht ein einziges Tröpflein des Samens verlorengehen konnte. Begreife also, Händlerin, dass die Milch, die du ihr eben abgemolken hast, vermutlich eine ganz besondere Kraft besitzt. Versuche sie! Bevor du sie etwa zu billig aus der Hand gibst!
Alischa glaubte ihren Ohren nicht zu trauen, biss sich aber glucksend auf die Zunge und sagte keinen Ton.
Oh Büttel, sagte die Frau, das mag sein, aber kein Loch ist unendlich tief.
Koste sie, erwiderte Tim.
Freilich schulde ich euch besonderen Dank und ich bin stolz, dass euch mein Kleid gefällt! Aber ich habe viele Wochen an dem Kleid genäht und verwende besondere Kleiderstoffe, die an einer geheimen Stelle wachsen.
Doch dann tippte sie auf Alischas Brustwarze. Du meinst, die Milch darin wäre zauberkräftig?
Das nicht, beeilte sich Tim zu sagen. Aber sehr wirksam. Nur das wollte ich sagen.
Wundersame Milch, sinnierte die Frau und kniff die Augen zusammen. Dann rief sie nach ihrem Mann und gab ihm eine Fingerspitze von Alischas Milch zu kosten.
Eine wahre Kostbarkeit!, rief der Mann der Kleiderhändlerin begeistert, nachdem er die Kostprobe von Alischas Milch probiert hatte.
Bist du einverstanden mit dem Tausch?, fragte Tim.
Abgemacht, sagte die Kleiderhändlerin schnell.
Als sie mit dem neuerworbenen Kleid unterm Arm draußen waren, zog Tim Alischa an der Hand mit sich in die nächste Gasse.
Schnell, hole deinen Kristall heraus und wünsche dich in den unterirdischen Gang zurück! Warte dort am Ausgang. Ich selbst komme zu Fuß.
Warum?, fragte Alischa erschrocken.
Mein Fehler. Ich misstraue der Kleiderhändlerin. Sie ahnt vermutlich, dass du eine Hexe bist, jedenfalls war ihre Reaktion danach. Wir riskieren lieber nichts.
Und du?
Ich komme klar. Los, beeile dich!
Tim zog Alischa in eine Nische.
Alischa wurde es jetzt doch etwas bange. Rasch zog sie den goldglänzenden Kristall heraus und hielt ihn mit der Hand sehr fest. Sie schloss die Augen und stellte sich so intensiv wie möglich die Stelle im unterirdischen Gang vor, an der Tim den Kristall aus der Felswand geschlagen hatte.
Ein grüner Blitz! Schwefelgestank! Ein Donnerschlag! Eine gewaltige Kraft packte Alischa ... und schon war es geschehen. Alischa stand unmittelbar vor dem Felsen im Inneren der Höhle, doch diesmal stand keine brennende Fackel in ihrer Nähe. Es war ganz dunkel, aber Alischa spürte, dass sie jetzt nackt war. Tim würde das Kleid bringen, es war offensichtlich, dass er genau daran gedacht hatte!! In weiter Ferne war der helle Lichtfleck des Ausgangs zu sehen. Vorsichtig tastete sich Alischa in Richtung Ausgang. Aber es dauerte nicht allzu lange, da hatten sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt und sie nahm das phosphorisierende grüne Licht war, das die Wände hier ausstrahlten, wie sie es schon in den Kellergängen der Taverne kennengelernt hatte. Donnerwetter! Das Blitzen hatte geklappt. Sie war eine Hexe. Eine echte Hexe mit besonderen Kräften. Jedenfalls hier in Peridëis.
Sehr weit war die Stadt nicht entfernt; also würde Tim in vielleicht einer Stunde hier sein. Alischa hatte keine Angst um ihn, er würde das schon machen.
Erst einmal suchte sie sich eine Ecke, und als sie ihre Blase erleichtert hatte, legte sie sich an eine sonnige Stelle vor dem Eingang auf den Boden, schaute empor und döste schließlich ein.
Tim hatte Blitz, Knall und Schwefelwolke abgewartet, und als Alischa verschwunden war, raffte er Kleider und Katzengoldkristall vom Boden auf. Er nahm die Sachen in die linke Hand und rannte abrupt los. Tim raste förmlich durch die Gassen, umrannte Leute, indem er sich mit den Füßen an den Wänden abstieß, fand eins der zahlreichen Tore, die aus dem Städtchen herausführten, stellte fest, dass es wider Erwarten verschlossen war, schwang sich mit großer Eleganz und der Technik eines echten Könners samt Kleidern über die Mauer, rannte weitere hundert Meter ins Dickicht der Pflanzen, schlug einen Haken, und dann warf er sich urplötzlich zu Boden. Er glitt unter einem dichten Strauch, drückte seinen Mund in eine Erdhöhle und atmete dort hinein, um möglichst unhörbar für andere wieder zu Atem zu kommen. Gleichzeitig lauschte er aufmerksam. Drei oder vier Minuten lang lag er dort vollkommen reglos.
Nein, niemand hatte ihm folgen können. Jetzt hieß es, sich zügig zu orientieren und rasch fortzukommen.
Er stand auf.
Hier mündete ein weiteres Tal ein. Nicht ihr Tal, dieses hier war viel schmaler. Von hier waren sie nicht gekommen und hatten sie auch nicht zu gehen. Wie sah es hinter seinem Rücken aus? Verflucht, nein, er war auf der falschen Seite der Stadt gelandet und die Stadt verschloss alle drei Täler, weil sie sich genau in der Mitte befand. Alischa war auf der anderen Seite der Stadt. Was nun?
Tim lauschte. Es war nichts Auffälliges zu hören.
Was aber tun? Tim überlegte. Als Büttel war er zu auffällig. Er war als Beauftragter der Peris zwar immun, aber man würde ihn zumindest sehr aufhalten, Wenn es ganz schlecht käme, würde seine Immunität gegen einen rasenden Mob auf Hexenjagd auch nicht helfen. Eine Verkleidung hätte man haben müssen... Da kam Tim eine Idee. In Peridëis war es nichts Besonderes, nackt zu sein. Und wenn man zum Baden an den Bach ging, nahm man nicht unnötig Kleider mit, sondern ging nicht selten nackt. Wie meist die Sklaven, aber die hatten ein Halsband. Sich ganz auszuziehen, wäre durchaus eine gute Idee, denn ein nackter Büttel war kein Büttel.
Tim zog sich also aus und wickelte Alischas neues Kleid, den Kristall, seine Gerte und die eigenen Anziehsachen in Alischas altes Kleid ein, um das er sein Seil schlang. Das so geschnürte Bündel klemmte er anschließend unter seinen Arm. Er suchte den Bach und schlenderte vom Bach kommend in Richtung Städtlein.
Das Stadttor Richtung Bach ließ sich problemlos aufschieben; vielleicht war das andere Tor nur verklemmt gewesen oder er hatte es in seiner Hektik verkantet. Was auch immer. Tim schlenderte betont gemächlich innerhalb der Stadtmauern weiter. Aber immer in der Nähe der Mauer, nicht durch die Stadt hindurch. Niemand kam ihm entgegen. Waren alle im Inneren der Stadt? Da! Im Laufschritt kam ein Mann angelaufen und sein Blick zeigte, dass er auf der Suche nach irgendetwas war. Die Muskeln Tims spannten sich. Bloß einer! Er würde mit weit mehr als einem Mann klarkommen, nur sinnvoll war das eben nicht.
Der Mann hielt vor Tim im Laufen inne. Hast du einen Büttel gesehen, der mit einer schönen Hexe unterwegs ist?, fragte der Mann.
Nein.
Und eine schöne Hexe ohne einen Büttel?
Nein.
Und wenn du eine schöne Hexe siehst, sagst du mir Bescheid?
Wie erkennt man die?
Weiß ich nicht.
Woran willst du die denn erkennen?
Stimmt, sagte der Mann, daran habe ich gar nicht gedacht. Meinst du, ich soll mit Suchen aufhören?
Klar. Ist doch sinnlos. Geh nach Hause.
Und was mache ich da?
Tim fluchte innerlich. Gut, sagte er laut, du kannst natürlich auch in den Puff gehen.
In den Puff! - Die Augen des Mannes leuchteten auf. Das ist besser als Rumrennen, sagte er. Und: Danke für den Ratschlag.
Bitte, bitte.
Der Mann ging seiner Wege.
Tim atmete auf und lief weiter. Er kam noch an mehreren Leuten vorbei, darunter ein junges Paar, das mit ganz anderen Dingen als Hexenjagd beschäftigt war. Aber niemand fragte mehr nach einer schönen Hexe mit oder ohne Büttel. Niemand fragte nach gar nichts, um es genau zu sagen. Vielleicht suchte auch kaum noch jemand. Die Leute hier waren vergesslich und schnell ablenkbar.
Ah! Da war auch das Tor, durch das sie gemeinsam ins Städtchen gekommen waren. Unbeanstandet öffnete Tim das Tor, passierte es und verschloss es von außen wieder.
Als Tim draußen vor dem Städtchen war, fiel ihm auf, dass sich seitlich ein Obsthain befand, der ihm beim Betreten der Stadt gar nicht aufgefallen war. In der Nähe von Ortschaften fand man oft ausgesucht leckere Dinge, ein Abstecher würde sich also bestimmt lohnen. Und siehe, gleich in der Nähe fand sich ein Baum, an dem Brötchen wuchsen, von denen sich Tim die frischesten aussuchte. Wohin damit? Tim zog Alischas altes Kleid aus dem Bündel heraus und schnürte es zu einer Art Beutel, in den er die Brötchen tat. An den benachbarten Bäumen wuchsen andere gute Dinge, von denen Tim ebenfalls ein paar Kostproben mitnahm und einfach in Alischas altes Kleid einwickelte.
Als Tim wieder auf dem azurblauen Pflasterweg war, sah er nach vielleicht zweihundert Metern plötzlich ein Huhn am Wegesrand stehen. Wobei, genau gesagt stand das Huhn nicht einfach bloß da. Vielmehr klapperte das Huhn ihn verheißungsvoll mit den Augen an, dass es direkt etwas unanständig wirkte, und außerdem hatte es eines seiner Oberschenkel aufreizend zur Schau gestellt.
Als Tim näherkam, sah er noch mehr Hühner in genau der gleichen Stellung am Rand des Wegs.
Und alle plinkerten ihn mit den Augen an und stellten ihre Oberschenkel aufreizend zur Schau.
Und da lüpfte eins der Hühner auch noch etwas die Federn, die die Oberschenkel bedeckten.
Pfui Geier, entfuhr es Tim, habt ihr keinen Hahn?!
Doch da fiel ihm endlich der Groschen. - Er suchte sich sachlich eins der Hühner aus und rief ihm zu Put-Put-Put, und siehe, da kam das gerufene Huhn begeistert angerannt. Die anderen Hühner, die jetzt etwas zudringlich wurden und sich gemein gegenüber dem gerufenen Huhn benahmen, scheuchte Tim weg. Ksch-ksch, haut ab. Beleidigt zogen die anderen Hühner davon. Unbedingt beleidigt, das war eindeutig an ihrem Gackern zu hören. Da auch Hühner ein klein wenig sprechen konnten, waren obszöne Beleidigungen zu hören, die von wenig Intelligenz zeugten, und die hier nicht wiedergegeben werden sollen.
Komm, sagte Tim zu dem Huhn und lief los, zum azurblauen Pflasterweg zurück. Eine Stunde Marsch waren offenbar eine Herausforderung für ein Huhn, denn mehrfach musste Tim das trödelnde Tier ermahnen, dicht hinter ihm zu bleiben.
Schließlich war er wieder an der Stelle angelangt, wo sie den Katzengoldkristall aus der Wand geschlagen hatten. Als Tim den Eingang zum Felsen erreicht hatte, lag Alischa in aller Seelenruhe auf dem Boden und schlief.
Tim ließ sich neben der nackten Alischa nieder, betrachtete sie eine Weile versonnen und pustete ihr schließlich ins Gesicht.
Aufwachen, sagte er, ab jetzt darfst du das neue Kleid tragen.
Au ja! Alischa war sofort wach. Doch dann stutzte sie und fragte: Meine Güte, wie war es?
Ach, nichts Besonderes. Kleiner Sprint, Lageerkundung und zurück hierher. Das Städtchen sollten wir vorsichtshalber nicht mehr betreten, sie suchen uns.
Ist das schlimm?
Nein. Wir sind echte Hexen und können zaubern. Hast du das vergessen?
Alischa lachte froh. Schön das wir das sind, auch wenn es schlecht ist, dass wir jetzt vermutlich einen Umweg machen müssen. Habe ich recht?
Ja. Die Stadt versperrt das Tal und bei diesen Tälern hier in Peridëis weiß man selten, wo man bei Umwegen am Ende herauskommt. Ob es Wege durch die unterirdischen Gänge und Höhlen gibt, weiß man auch nicht.
Und nun?
Ich weiß nicht. Entweder wir verkleiden uns oder wir probieren es nachts oder wir finden noch einen Weg. Ich glaube nicht, dass das allzu schwierig wird.
Puh!
Nein, das ist wirklich kein Problem. Los, zieh das neue Kleid an!
Alischa sprang auf.
Ihr Blick fiel auf das Huhn, das sie neugierig beäugte.
Was ist das?
Ein Huhn.
Sehe ich, aber wo kommt das her?
Oh, ich habe etwas Essen eingesammelt und das Huhn hat sich angeboten, als Hauptspeise mitzukommen.
Alischa lachte. Freiwillig?
Die soziale Lage des Huhns und seine Gesamtsituation habe ich nicht prüfen können, aber es scheint wohlgenährt, macht einen gepflegten Eindruck und vermittelte mir glaubwürdig den Eindruck, freiwillig mitgekommen zu sein. Und es ist volljährig. Aber wollen wir trotzdem erst mal das Kleid anprobieren?
Ja. - Augenblicklich hatte Alischa das Huhn vergessen.
Tim half ihr beim Anziehen. Etwas nachteilig war, dass da neue Kleid hinten geschnürt war, was das An- und Ausziehen etwas umständlicher machte. Das alte Kleid hatte Knöpfe gehabt. Aber das Schnüren sorgte andererseits für einen perfekten Sitz. Alischa drehte sich hin und her. Es ist wirklich ein schönes Kleid, sagte sie. Und die Brüste wirken sogar etwas größer darin, wenn ich mich nicht täusche. Schade, dass die Kleiderhändlerin so eine Petze war.
Nimm es ihr nicht übel, sagte Tim, selbst wenn sie deine Milch hüten wird wie einen Schatz, haben die Leute hier trotzdem vor allem Angst, was von draußen kommt oder dem Draußen nahesteht. Sie leben in den Tälern von Peridëis, wollen nicht zu hoch auf die Felsen hinauf, wollen nicht zu tief in die Höhlen hinab, haben panische Angst vor den Übergängen und natürlich auch vor den Hexen, denen, die von Draußen kommen, die über unerklärliche Kräfte verfügen, die über eine unerklärlich hohe Denkfähigkeit verfügen.
Unerklärlich hohe Denkfähigkeit?, echote Alischa. Ich habe nicht bemerkt, dass die Leute hier dümmer wären.
So würde ich das auch nicht sagen. »Anders« wäre ein besseres Wort. Sie denken eher sehr unmittelbar, sind auf der anderen Seite aber auch fest im Hier und Jetzt zufrieden. Und dass sie sehr kreativ sind und künstlerisch hochbegabt, das hast du ja selbst gesehen.
Es ist unglaublich, was die für schöne Sachen hinbekommen!, warf Alischa dazwischen.
Ja, unbedingt, antwortete Tim. Aber alles Abstrakte ist nicht ihr Ding. Man merkt es im Alltag nicht unbedingt, erst bei Anforderung. Sie können zum Beispiel nicht lesen und schreiben und du kannst es ihnen auch nicht beibringen. Bestenfalls etwas Buchstabieren und bei den Zahlen nur etwas Zählen, aber kein Rechnen. Oder technische Zeichnungen, Landkarten und dergleichen. Sowas gibt es hier gar nicht. Aber so richtig bemerkst du das erst bei komplexeren Zusammenhängen. Sie können komplizierte Sachen einfach nicht nachvollziehen und deshalb auch nicht sehr weit nach vorne denken. Das ist es, woran du die Einwohner und uns Besucher-»Hexen« sofort voneinander unterscheiden kannst.
Und was ist der Unterschied zwischen Peris und Hexen?
Für uns, dass die Peris früher als wir hier waren und offenbar ein paar Geheimnisse kennen, die uns nicht zugänglich sind. Manche Leute sagen, sie sind zumindest ein anderer Entwicklungszweig der Menschheit. Aber wie soll man so etwas entscheiden, es sei denn, es gibt tatsächlich den geheimen Ort, das zentrale Heiligtum, der Auskunft gibt über die Vergangenheit von Peridëis. Was aber die Einwohner anbelangt, da würde ich sagen, eine Peri ist eine, die Macht hat und eine Hexe ist eine, die keine Macht hat. Der einen kriecht man in den Arsch, die andere verjagt man. Und von beiden nimmt man aber, was man kriegen kann. Fertig.
Wie kriechen die Leute den Peris in den Arsch? Du hast Heiligtum gesagt; gibt es denn eine Art Religion oder Verehrung? Oder ist das praktischer zu sehen?
Praktisch kriegen die Peris sowieso, was sie wollen. Wir auch. Aber die Peris schmeichelt die Verehrung. Sie hat durchaus religiöse Züge, aber der eigentliche Glauben der Ureinwohner ist viel direkter. Im Gegensatz zur biblischen Geschichte wurden Mann und Frau als ein Mensch erschaffen und dann geteilt. Deshalb sehnen sich beide Hälften zueinander zurück und brauchen einander. Dabei dienen Brüste, Möse, Penis und Mund dem Zweck, die vereinigende Symbiose zwischen Männern und Frauen zu ermöglichen. Die Frau erzeugt in sich Lebensenergie und gibt sie dem Mann, der aber nutzt diese praktisch und übernimmt alle schweren Arbeiten. Was klar damit zu beweisen ist, dass die Brust des Manns platt und untätig ist, er aber viel mehr körperliche Kraft als die Frau hat, dass die Frau mehr Feuchtes von sich gibt, als der Mann, und weil alle beide unfehlbar danach sehen, dem anderen zu geben, was sie selber zuviel haben.
Und der Samen des Manns?
Der hält ihn bei der Frau, bringt aber auch ihre Brüste zum Schwellen.
Das ist mal eine hübsche Religion.
Ach, die ist gar nicht so fern von bestimmten Glaubenselementen im Diesseits. Der chinesische Taoismus macht zum Beispiel ähnliche Überlegungen, nur etwas männlicher hingebogen.
Mit Ficken und Blasen?
Tim lachte. Nein, das nicht, aber ein sexuelles Element ist trotzdem drin, auch das mit den sexuellen Energien. Nur läuft es seltener über den echten Energieaustausch, als über ein einseitiges Aufnehmen und Zurückhalten von Energien beim Mann hinaus. Auch da soll der Mann seinen Samen nicht verschwenden und sich Energie von der Brust der Frau holen, genauso aber auch aus Vagina und Mund der Frau. Aber es läuft mehr auf Enthaltsamkeit hinaus, nicht wie hier, wo du dir als Mann die verlorene Energie einfach zurückholen kannst und die Frau das Ergießen des Samens einfordern darf.
Ob jemand aus China mal hier war?
Wer weiß [35]? Aber dann haben sie ein paar Dinge vergessen. Ich war übrigens noch nicht fertig: Der Glaube hier besagt auch, dass die Frauen deshalb den größeren Hintern haben, damit sie bei all dem nicht völlig übermütig werden und...
...Du Mistkerl lügst jetzt!!!
Alischa hatte sich lachend auf Tim geworfen und trommelte mit ihren Fäusten auf ihn ein. Der ließ sich seinerseits nach hinten sinken und lachte ebenfalls.
Nein wirklich!, sagte er. Das war nicht geflunkert. Es deutet wohl an, dass man nicht unfehlbar ist. Und dass jemand da ist, der die Macht hat, Grenzen zu setzen.
Alischa hörte auf zu trommeln. Tim lag unter ihr, noch ganz nackt, denn er hatte seine Uniform noch nicht angelegt gehabt. Und weil Alischas Kleid sich weit ausgebreitet hatte, berührte ihr Geschlecht jetzt direkt das Tims. Und nun, da sie ruhig verharrte und Tim in die Augen schaute, er, der dazu bestimmt war, sie in ihre Grenzen zu verweisen, spürte sie, wie sich ihr eigenes Geschlecht mit Blut füllte, sich öffnete und schlüpfrig wurde. Und das Tims steif wurde. Noch ein wenig mehr, und sein Penis würde ohne eigenes Zutun in sie hineinrutschen.
Entschuldige, sagte Alischa, das habe ich nicht gewollt. Und noch einmal: Entschuldige!
Alischa hob ihren Schoß etwas empor, damit das Ersehnte, aber Verbotene, nicht geschah. Jetzt merkte sie erst recht, wie nass sie geworden war.
Alischa sagte darauf verlegen: Magst du meine Milch trinken? Ich glaube, meine Brüste sind wieder gut gefüllt.
Ja gerne, sagte Tim einfach.
Alischa legte sich rechts neben Tim, wandte sich ihm im Liegen zu und hob ihre Brust dem Mund Tims entgegen. Der nahm diese mit seiner Hand entgegen und führte sie in seinen Mund.
Alischa schloss die Augen und gab sich dem Gefühl hin, das ihren Körper nun durchflutete und zu ihren Brustspitzen hin floss. Warum faszinierte sie der Gedanke, von diesem Mann auch mal eine auf den Po zu bekommen? Oder zwei? Oder drei? War es dieser Mann? Oder war es sie selbst? War es Peridëis? Oder war es noch mehr? Sie beschloss, dass es Peridëis war. Das war das Einfachste.
Noch einige Augenblicke später fand Alischas rechte Hand ihren Weg zum Schoß. Sie hielt es einfach nicht aus. Es ging nicht. Ihr oben liegendes rechtes Bein winkelte sich ab und ihr Mittelfinger rutschte in den Schlitz, zwischen dem sich ihre Lustperle nach außen drängte. Der Mittelfinger suchte hektisch sein Ziel, die beiden benachbarten Finger schoben die Schamlippen beiseite so gut es ging und der Mittelfinger begann, über der zarten Haut ihrer Lustperle zu vibrieren. Alischa bemühte sich ehrlich, Tim davon nichts merken zu lassen. Aber sie versteifte sich wohl doch zu sehr und stieß Tim mit ihrem Bein, und zu allem Überfluss war der immerhin sehr rasch heranwogende Orgasmus zu heftig, als dass sie ihren Schrei hätte unterdrücken können. Also gab sie auf und ließ es geschehen, was ihr immerhin noch einige Nachwellen schenkte, bis sie in eine Halbdämmerung versank.
Tim streichelte ihren Nacken, was Alischa etwas von ihrem schlechten Gewissen nahm.
Als er sich sattgetrunken hatte, sagte er: In dem Moment, wenn du einen Orgasmus hast, kommt ganz besonders viel Milch.
Ehrlich? - Ich verspreche dir trotzdem, mich in Zukunft etwas zusammenzureißen.
Versprich es nicht. Weder würdest du das schaffen, noch wäre es gut, wenn du ständig mit einem schlechten Gewissen herumrennst. Es ist nicht dein Problem, dass ich im Zölibat lebe und es ist gegen die Natur von Peridëis, die Lust zu unterdrücken. Außerdem hast du dich gehenlassen, obwohl man dir dabei zugeschaut hat. Kein gutes Zeichen für deine Selbstbeherrschung.
?!
Tim zeigte mit dem Finger zum Huhn, das zwei Meter von ihnen entfernt stand und ihnen neugierig zuschaute.
Alischa lachte.
Sie fragte Tim: Wie schaffst du das nur? Ich meine nicht das Huhn, sondern die Sache mit der Selbstbeherrschung.
Manchmal schaffe ich es ja gar nicht. Wenn es mir ohne eigenes Zutun kommt, probiere ich, den Höhepunkt so zu bekommen, dass der Samen nicht ausgestoßen wird. So wie es die anderen Männer hier können. Und irgendwann werde ich es auch wie die anderen Männer hier hinkriegen. Ich habe nur nicht so viele Gelegenheiten zum Üben. Es widerspricht sich, erstens einen Orgasmus haben zu wollen, zweitens keinen Orgasmus haben zu wollen und drittens auch einen Orgasmus zu haben und viertens dabei den Samen zurückzuhalten. Aber das letzte Mal war eine gute Gelegenheit. Noch sehr verunglückt, aber ich glaube, ich habe jetzt begriffen, wie der Trick geht.
Wer soll das überhaupt kontrollieren?
Würdest du das ernsthaft riskieren?
Alischa dachte einen Augenblick nach. Nein, sagte sie schließlich. Der Preis ist es wert, dass man sich bemüht.
Ich glaube, um dieses Bemühen geht es auch, antwortete Tim.
Wann..., Alischa zögerte etwas, ... wann war es dir das letzte Mal gekommen?
Du hattest dich am Bach gewaschen, sehr weit vorgebeugt, und deine Vulva war traumhaft gut zu sehen und deine Brüste schaukelten. Da war es mir passiert.
Soll ich so etwas besser vermeiden...?
Nein. Lass mir die Freude.
Das Letztgesagte löste bei Alischa einen feinen Puls aus, das sich blitzartig bis in ihre Zehenspitzen hin ausbreitete.
So. Sagte Tim, jetzt erst einmal Schluss mit den schlüpfrigen Sachen. Lass uns Picknick machen, und sobald die Sonne langsam dunkler wird, sehen wir zu, wie wir unauffällig durch die Stadt auf die andere Seite kommen, damit wir unseren Weg weitergehen können.
Tim entrollte Alischas altes Kleid und breitete es wie ein Tischtuch aus. Alles da, was das Herz begehrte. Nur das Wasser war gerade alle, aber das würde man unterwegs ergänzen können.
Dann sagte Tim: Put-Put-Put und das Huhn kam begeistert gackernd angerannt.
Alischa wurde es doch etwas mulmig. Seinem Essen will man nicht in die Augen schauen.
Der Blick des Huhns nahm einen ernsthaft besorgten Ausdruck an.
Alischa fiel das Schinkenschwein in der Taverne ein. Ob das mit dem Huhn ganz ähnlich war? Aber wie?
Das Huhn hielt ein Bein hin.
Tim kratzte sich am Kopf. Ich habe hier noch nie Huhn gegessen, gestand er.
Das Huhn krempelte mit seinem Schnabel ziemlich grob die Federn hoch, die seine Schenkel bedeckten. In etwa, als wäre es eine Hose. Und siehe! Darunter wurden fertig gebratene Hähnchenschenkel, nein Hühnchenschenkel sichtbar.
Das musste es wohl sein.
Tim griff zu und stellte fest, dass sich das heiße (!) und sehr knusprige Fleisch ganz einfach von den Schenkeln lösen ließ. Darunter blieb nur eine dünne Lage Muskeln, die offenbar nicht gegessen werden sollten.
Das Huhn stöhnte auf, ließ sich nach hinten fallen und verdrehte die Augen.
Tut es ihm weh?, fragte Alischa besorgt.
Tim schaute nach. Nein, stellte er fest, das perverse Vieh hat eher so etwas wie einen Orgasmus, wie es aussieht.
Alischas kicherte und ihr schlechtes Gewissen machte sich klammheimlich davon.
Tim löste auch den zweiten Schenkel und gab ihn Alischa. Au!, heiß war das gebratene Fleisch. Alischa zögerte noch ... aus grundsätzlichen Erwägungen, aber da der Braten allzu verführerisch duftete, biss sie schließlich hinein. Großartig!, rief sie.
Das Huhn gackerte zufrieden, vergaß aber nicht, besorgt zu Tim hinzuschauen.
Ist ja gut, sagte der, ich probiere auch!
Er biss in seinen Braten. Hm!, rief er, der ist wirklich gelungen, und die Haut wunderbar knusprig.
Das Huhn atmete auf. Dann rappelte es sich auf und machte sich, etwas humpelnd, auf den Rückweg. Wahrscheinlich, um vor den anderen Hühnern anzugeben, wie gut ihre Bratschenkel sogar den Ausländern gemundet hatten.
Nach dem Essen griff Tim das Geschehene noch einmal auf: Weißt du Alischa, wahrscheinlich wird es nicht das letzte Mal sein, dass jemand wegen der Qualität deiner Milch ahnt, dass du eine Hexe bist, eine von Draußen. Zum Glück ist die Wirksamkeit jeder Milch aber jedes Mal anders, bei jeder Frau, je nach Tageszeit, je nach Nahrung, je nach seelischem Zustand, je nach tausend Dingen. Über das Thema schwatzen die Frauen ständig und haben unzählige Ratschläge, wie man die Wirksamkeit erhöhen kann. Manches stimmt, manches ist Unsinn, und eigentlich kann keiner sagen, was hilft und was nicht. Deshalb gibt es eigentlich normalerweise keine Probleme und du kannst immer sagen, dass bei dir alle glücklichen Umstände mit einem Mal zusammengetroffen sind. Bloß ab und zu trifft man auf Leute, die sehr helle sind, und denen auffällt, dass deine Milch noch um einiges mehr wirkt, als die allerbeste denkbare normale Milch. Vielleicht auch bei Leuten, die schon einmal Hexenmilch gekostet haben. Damit musst du rechnen.
Und was macht man dann am besten?, fragte Alischa.
Je nach Situation, sagte Tim. Wenn du in der betreffenden Gegend nichts Besonderes mehr vorhast, wie heute, einfach weg, egal wie. Ansonsten dumm tun, und wenn das nicht klappt, ein Geschäft vorschlagen. Deine Milch ist so wertvoll, dass die Leute fast immer darauf eingehen werden, zumal sie nicht wissen, ob du sie nicht verzaubern könntest oder so etwas. Mit dreimal melken kommst du immer davon. Wird noch mehr verlangt, dann drohe mit einer Strafe. Dass du ihnen einen Ziegenkopf anzauberst oder so. Das wird fast mit absoluter Sicherheit reichen, und zwar schon deshalb, weil dreimal Hexenmilch wirklich viel ist. Aber es muss alles geheim geschehen, die Leute müssen sicher sein, dass keiner ihr geheimes Geschäft bemerkt hat. Sonst schwärzen sie dich an, um sich reinzuwaschen.
Und was mache ich in diesem Fall?
Trickserei, Flucht, Scheiterhaufen, zurücklaufen, falls du deinen Kristall verbummelt hast. Also gut auf den Kristall achtgeben. Aber wie gesagt, der hohe Wert deiner Milch wird das Problem normalerweise lösen. Die meisten, die den Wert deiner Milch bemerken, werden von sich aus keinen Mucks sagen und stattdessen lieber zusehen, dass sie heimlich und leider völlig unwissend so viel wie möglich davon kriegen.
Das erste Mal bin ich über die Korruptheit des Menschen erfreut, sagte Alischa.
Tja ja, erst die Milch und dann die Moral, sagt man dazu hier. Wie im Diesseits - je mehr Geld man kriegt, desto großzügiger wird man mit seinen moralischen Grundsätzen. Und da du sozusagen eine wandelnde Gelddruckmaschine bist...
Alischa lachte: Aber wer viel Geld hat, der schläft schlechter.
Oh, antwortete Tim, vergiss nicht, dass du sozusagen eine waffenstarrende Gelddruckmaschine bist, die bei der kleinsten Berührung losgehen könnte.
Alischa warf sich in die Brust: Ich bin ein gefährliches Web.
Überzeugt?
Überzeugt.
Irgendwann machten sie sich auf den Weg. Auf den azurblauen Pflasterweg. Alischas altes Kleid hatten sie samt den Essenresten in die Nähe des Wegs gelegt. Sollte sie jemand suchen, würde er aufgrund dieser falschen Spur in der falschen Richtung suchen. Denn sie gingen ja wieder in Richtung Stadt zurück, an der sie irgendwie vorbeimussten.
Noch während sie in Richtung Städtchen unterwegs waren, brach allmählich mit einem bunten Farbenspiel die Abenddämmerung herein. Und was Alischa immer wieder freute: Es war nicht mit einer Abkühlung der Luft verbunden. Sie hatte tatsächlich noch nicht ein einziges Mal in Peridëis gefröstelt. Als gäbe es das hier gar nicht.
Als schon ein Halbdunkel herrschte, kam das Städtlein in Sicht.
Sie liefen gerade durch die Reste des Waldes. Wiesen lagen vor ihnen, jetzt aber liefen sie unter niedrigen Bäumen und zwischen locker stehenden Sträuchern.
Ein Räuspern war aus den Sträuchern zu hören. Sie sahen einen Schatten.
Alischa kreischte erst auf, dann lachte sie.
Dort stand ein Hahn. Ein richtiger Hahn. Und der hatte sich geräuspert. Als sie hinschauten, zog der Hahn seine Federn auseinander, um seine kräftigen Waden vorzuzeigen.
Ach du armer Hahn, sagte Alischa und schlug die Hände zusammen, keiner will deine strammen Schenkel genießen?
Der Hahn guckte betroffen zu Boden.
Weißt du was, sagte Alischa, eigentlich könnten wir ein Nachtmahl noch ganz gut vertragen. Wir können aber nichts bezahlen. Oder nimmst du Milch?
Der Hahn schüttelte sich entsetzt.
Du tust es einfach so?
Der Hahn nickte aufgeregt mit den Kopf. Er wollte wohl nicht durch lautes Krähen zu viel Aufmerksamkeit erzeugen.
Komm hehr, put-put-put, rief Alischa und ging auf die Knie.
Der Hahn kam herbeigerannt.
Alischa setzte sich ins Gras: Komm her, rief sie, nahm den Hahn auf den Schoß und kraulte ihm den Nacken, während Tim nahm, was der Hahn unbedingt loswerden wollte.
Bist aber ein Hübscher, lobte Alischa den Hahn.
Der reckte sich stolz.
Und wie du schmeckst!, setzte Tim schmatzend nach.
Jetzt krähte der Hahn doch, fiel auf Alischa zurück und hechelte aus, was ihn an Lob mit Nachdruck durchfahren hatte.
Alischa ließ ihm Zeit zur Erholung, während auch sie ihr Nachtmahl genoss. Das ist schon ein verrücktes Land, schmunzelte sie. Noch einige Augenblicke später stahl sich der Hahn hinkend, aber mit stolz erhobenem Kopf, davon.
Sie warteten ab. Noch war es zu hell. Alischa und Tim lagen zwischen den Sträuchern, faulenzten und schauten in den Himmel. Einige Zeit später wandte sich Alischa im Liegen Tim zu und hielt ihm die Brust hin. Wir wollen die Zeit nutzen, ja?
Tim nahm, was ihm freigiebig angeboten wurde.
Alischa unterstützte die Milchgabe, indem sie ihren Finger vibrieren ließ, wo ihre Schenkel zusammenliefen. Der Sog an ihren Brustspitzen war es, der sie stetig zum Höhepunkt hinzog und den Orgasmus aus ihr heraussog. Mit Nachbeben.
Als es endlich ganz dunkel geworden war oder besser gesagt nicht ganz, denn der Mond leuchtete ja hell über ihren Köpfen, wagten sie sich zur schon bekannten Pforte an der Stadtmauer vor. Das Städtlein lag in tiefem Schlaf. Tim schob vorsichtig das Tor einen Spalt weit auf und lugte in die Stadt. Niemand war zu sehen. Sollte man es riskieren? Aber Alischa würde sich nicht wie er verteidigen können und hätte überdies keine Chance, im Kleid einem leichtfüßigen Mann zu entwischen. Nein. Erst einmal sollte man schauen, ob es außen einen besseren Weg gab. Vielleicht der Bach, der musste ja irgendwie durch die Stadt oder unter der Stadt hindurch.
Es ist niemand da, flüsterte Tim zu Alischa, aber wir probieren trotzdem lieber erst, ob der Bach einen Weg bietet. Weißt du, vielleicht können wir direkt im Bach waten - wer schaut schon nachts in den dunklen Bach. Auf einer Straße sind wir dagegen sofort zu sehen. Und die Geräusche des Wassers würden außerdem unsere eigenen Geräusche übertönen. Lass uns erst einmal zum Bach gehen!
Beide liefen außen an der Stadtmauer entlang, bis sie am Bach angelangt waren.
Der Weg stellte sich als viel einfacher heraus, als sie gedacht hatten. Das Städtlein bestand nämlich aus zwei Teilen, die vom Bach getrennt wurden. Vielleicht sogar aus drei Teilen, weil das einmündende kleinere Tal bestimmt auch einen eigenen Bach in der Mitte führte. Das war jetzt in der Dunkelheit nicht erkennbar. Jedenfalls hatte jeder Teil des Städtleins eine eigene Stadtmauer und der Bach verlief in der Mitte dazwischen. Sie mussten zwar wie geplant in der Mitte des Bachs laufen, aber der hatte in seiner Mitte einen Grund aus festem Kies und nur selten störte ein großer Stein den Lauf. Nicht einmal Schuhe störten, da sie keine trugen. Selten so komfortabel gelaufen, sagte Tim laut zu Alischa, denn die Geräusche des Bachs machten ein Flüstern unnötig, ja sogar unmöglich.
Bei den Wassertemperaturen sowieso, lachte Alischa. Dass ihr neues Kleid geschürzt werden konnte, kam ihr jetzt sehr gut zustatten.
Tim zeigte nach schräg oben. Schau!
Alischa sah vor sich eine große Brücke, welche die beiden Teile des Städtchens verband. Eigentlich war es gar keine Brücke, jedenfalls keine künstlich gebaute. Es waren Felsen, durch die sich der Bach einen Weg gesucht hatte. Sie liefen jetzt durch eine Art Tunnel. Der Tunnel mochte vier oder fünf Meter breit sein und vielleicht zweieinhalb Meter hoch. Jedenfalls mussten sie sich nicht bücken. Der Tunnel war überraschend lang, vielleicht fünfzig Meter. Und in seinem Inneren leuchteten sie schwach in der bekannten phosphoreszierenden grünen Farbe, die Alischa schon kannte.
Deshalb haben wir den Bach in der Stadt nicht gesehen!, sagte Tim. Da stehen einfach Häuser drüber!
Als sie den Tunnel auf der anderen Seite wieder verließen, mündete rechts der viel kleinere Bach ein, der aus dem anderen Tal kam. Noch etwas weiter entfernten sich die Stadtmauern voneinander und sie konnten das Wasser verlassen. Noch ein wenig weiter fanden sie die andere Seite des azurblauen Pflasterwegs.
Geschafft! - Tim atmete auf - So. Jetzt lass uns noch zwei oder drei Stündlein wandern, bis wir genug Abstand zur Stadt haben. Außerdem hatte ich vergessen, neues Katzengold mitzunehmen. Bist du munter?
Bin ich!
Dann los. Gespenster gibt es hier nicht. Glaube ich.
Du blöder...
Tim lachte. Nein, ich weiß ehrlich nichts von Gespenstern und ich kenne auch keinen, der gehört hätte, dass jemand gehört hätte.
Ehrlich?
Ehrlich. Ich schwöre und bereue den blöden Witz.
Dann los. Alischa war ehrlich beruhigt. Hexe hin, Hexe her, Schreck blieb eben Schreck.
Tim erzählt seine Geschichte
Alischa und Tim liefen den azurblauen Pflasterweg entlang und der Mond genau über ihnen beleuchtete den Weg. Es war für Alischa ein ganz seltsam neues Gefühl, mitten in der Nacht durch einen Wald zu laufen und keine Angst zu haben. Nicht die mindeste. Alischa war geradezu euphorisch. Der Mond sah schön aus, tausende Sterne halfen beim Leuchten, und der Weg vor ihnen war klar erkennbar, auch wenn die hohen Felsen rechts und links neben ihnen nur schemenhaft zu sehen waren. Der Bach neben ihnen kam mal näher und begleitete sie dann mit seinem Plätschern, und mal entfernte er sich wieder etwas. Wenn die Baumwipfel über ihnen zusammenwuchsen, bemerkte Alischa, dass man trotz der Nacht sogar ein ganzes Stück zwischen den Baumstämmen hindurchschauen konnte.
Vor allem war es angenehm warm.
Ich vermisse es gar nicht, dass wir keine Lampe dabeihaben, sagte Alischa zu Tim. Die Lampe würde der Nacht ihren Zauber nehmen.
Es wird dich verblüffen, sagte Tim, aber mit Lampe sieht man weniger. Und es macht mehr Angst.
Alischa war tatsächlich verblüfft. Warum?, fragte sie.
Die Augen gewöhnen sich an die Dunkelheit. Wenn du aus dem Hellen kommst, siehst du zuerst gar nichts, weil du geblendet bist. Machst du dann keine Taschenlampe an, erreichen deine Augen erst nach 10-20 Minuten ihre volle Empfindlichkeit. Du darfst zwischendurch natürlich nicht in helles Licht schauen. Das wissen viele Leute nicht, weil sie nie so lange gewartet haben. Draußen ist immer etwas Restlicht da, nur in Gebäuden oder Tunneln nicht. Aber durch einen halbwegs lichten Wald kannst du ohne Lampe gehen, notfalls drehst du den Kopf hin und her, weil man seitlich etwas mehr sehen kann und außerdem Bewegungen besser erkennbar sind, als stehende Objekte. Wir mussten sowas bei der Ausbildung üben. Auch weil man dann selbst nicht so schnell entdeckt wird.
Und warum macht es weniger Angst, ohne Lampe?
Bei einer Taschenlampe bist du geblendet. Du kannst nur sehen, was im Lichtkegel liegt, aber nicht, was rechts und links davon ist. Das macht Angst, das Dunkle, das Unkalkulierbare. Nicht so ohne Taschenlampe. Du erkennst zwar weniger Einzelheiten, aber dafür kannst du die Gesamtsituation einschätzen, und das ist entscheidend dafür, ob dir die Situation Angst macht oder nicht.
Ob ich mich deshalb gerade so wohl fühle?
Vielleicht. Aber es ist bestimmt auch Peridëis selbst.
Ganz bestimmt. Du ... sag mal ..., Alischa zögerte etwas. Du hast von deiner Ausbildung gesprochen. Weißt du, ich weiß fast gar nichts über dich. Darfst du über dich erzählen?
Darf ich, sagte Tim. Niemand außer der Stasi hat es mir verboten.
Alischa lachte. Erzähle!, verlangte sie. Wann, wenn nicht jetzt hier in der Nacht, ist die Gelegenheit gut dafür.
Tja, sagte Tim, wo fange ich an? - So viel ist das eigentlich gar nicht. Mein Vater war Kriegswaise und wie er meint, wäre er höchstens ein Suffkopp geworden, hätten die ihn damals nicht für die Stasi geworben. Sprich: Er ist auch bei der Stasi. Meine Mutter nicht, aber dafür hat die bei der Partei eine steile Karriere hingelegt. Und ich bin in der Schule erfolgreich so halbwegs mit dem Strom mitgeschwommen. Nicht grundsätzlich, aber so in der Summe. Zu Hause gab’s nichts zu meckern, also heile Welt, außer dass wir nie Westfernsehen gucken durften. Außer heimlich Westradio wegen der Musik, die ich mitgeschnitten habe. Das Schlagerzeug, was bei uns im DDR-Radio kommt, ist ja unerträglich.
Alischa lachte.
Und bei Kumpels haben wir natürlich wahllos geguckt, was im Westfernsehen kam. Vor allem solche Endzeitfilme hatten es mir angetan, wo die Zivilisation zusammengebrochen ist und sich jeder durchschlägt, so gut er kann. Wenn solche Schinken kamen, haben wir es jedes Mal wie eine Art Fete organisiert, sowas zu gucken. Einschließlich Ausweichfernsehort, falls Fernseher Nummer Eins unerwartet nicht zugänglich gewesen wäre. - Irgendwann hatte ich Kontakt zu einem Judo-Zirkel bekommen, was wirklich Spaß machte. Aber leider war es ein echter Schlampenverein; mal fand das Training statt, und mal stand man vor der Tür und der Trainer kam nicht. Das passierte immer wieder und war auf die Dauer ziemlich frustrierend. Deshalb ging ich auf die Suche nach einer Alternative. Was ich fand, war eine Kampfsport-AG bei Dynamo.
Der Stasi-Sportverein.
Das war mir damals gar nicht so klar. Andererseits war es mir aber auch egal. Die hatten eine erstklassige Turnhalle und vernünftige Umkleidemöglichkeiten mit Duschen und so. Vor allem aber: Du kamst, und das Training fand tatsächlich statt. Ein erstklassiger Trainer, der mit uns nicht bloß Judo machte, sondern auch andere Kampftechniken. Wir hatten bloß aufzupassen, was im Wettkampf zulässig war und was nicht. Ansonsten war er für alles offen. Im Trainingslager im Sommer hat der sogar so Pfadfinderzeugs mit uns gemacht, Orientieren im Gelände und was es sonst noch so gibt. Aber hauptsächlich trotzdem Kampfsport.
Hast du das auch bei Prügeleien genutzt?
Ich musste mich gar nicht prügeln. Jeder wusste, dass ich Kampfsport mache, da sind auch die größten Schwachköpfe sehr nett zu einem.
Alischa lachte.
Nein wirklich. Da gab’s nie Stress, und die Schule lief auch sonst ganz gut, weil mein übliches Gemeckere, wie nannten die das, »progressiv« war und »konstruktiv«. Nicht bloß dusslig, wie das bei den meisten von uns Mode war. Na, und irgendwann nervten die natürlich rum vonwegen Längerdienen, Berufssoldat und solchen Sachen. Mein Spruch war, drei Jahre sehe ich ein, aber nicht gerne und schon gar nicht noch länger. Dass ich kein Kasernentyp bin. Bis wir zu Hause Besuch von zwei Herren kriegten, die nach einigem Hin und Her mit der Sprache rausrückten, dass die mich gerne für die Stasi hätten, so Sondereinheit, Einzelkämpfer. Keine Kaserne. Laufende Weiterbildung im Dienst, Fernstudium bis zum Offiziersrang, tja, da hatte der mich genau an meiner schwächsten Stelle und ich habe unterschrieben.
Und dann?
Peinlich, peinlich. In der Schule gehörte ich ab da offiziell zum FDJ-Bewerberzirkel für militärische Berufe, offiziell für die Armee, und alle haben gelästert. Aber gut, das hat sich auch wieder gelegt. Nach dem Abitur kam die Einstellung bei der Stasi. Ausbildung, Weiterbildung, Auslandseinsätze als Militärberater und dann ein paar faule Dinge, die sich nicht mit dem offiziellen Anspruch von Partei, Staat und Stasi vertrugen. Darüber hatte ich am falschen Ort und zur falschen Zeit laut gemeckert, was mich meinen Dienstgrad kostete.
Was war das?
Waffen an die falschen Leute.
Alischa pfiff durch die Zähne. Und dann?
Dann war ich bloß noch Leutnant und bin in ein Außenobjekt in der tiefsten Provinz versetzt worden, das »Objekt P« genannt wurde. Aber die waren dort immerhin richtig nett zu mir. Als die mir eröffneten, worum es ging, hat es mich umgehauen. Weißt du, die hatten einfach so im Wald einen Übergang nach Peridëis entdeckt und dann als Sperrgebiet abgeriegelt. Genau so ein Übergang wie der, durch den wir beide nach Peridëis gekommen sind, und auch bei dem hatte man versucht, ihn zu zerstören, angeblich noch die Nazis. Und wie beim Übergang in Algerien passierten in der Folge auch um diesen Übergang herum seltsame Dinge. Gefährliche, unerklärliche Dinge.
Alischa staunte: Es gibt mitten in der DDR noch einen weiteren Übergang? – Du hattest mir nur erzählt, dass es noch einen in Berlin gibt.
Warum denn nicht, antwortete Tim, Peridëis ist älter als der real existierende Sozialismus. Das Gebiet rings um den Übergang hatten die jedenfalls abgesperrt, angeblich wegen Fundmunition, aber irgendwo war das ja auch nicht falsch, weil in dem Gebiet tatsächlich viele unberechenbar gefährliche Dinge passierten. Ansonsten war das Objekt aber ziemlich klein, etwas mehr als 20 Leute und davon nur eine Handvoll Leute, die tatsächlich in die Zone reingingen. Dafür wurde ich nach entsprechender Instruktion eingesetzt, selber rein, Gefahren erkennen, Bewegung im Gelände, Beobachtungen machen und hinterher aufschreiben. Noch etwas später habe ich manchmal auch Leute bis zum Übergang gebracht.
Was waren das für Leute, Spione?
Echte Inoffizielle Mitarbeiter, die nach Peridëis reingehen sollten, habe ich nur drei gesehen, nicht mehr. Aber das muss nichts zu sagen haben, denn die sollte ja auch gar keiner kennen; nur die IM-führenden Mitarbeiter, die direkt mit denen zu schaffen hatten. Niemand sonst durfte die eigentlich zu sehen kriegen. Aber darüber hinaus kamen ab und zu dubiose Leute aus Berlin, die in dicken Wagen vorfuhren und nicht nach Stasi aussahen. Angeblich Wissenschaftler, ich habe nie rausgekriegt, wer das war und danach fragen durfte man auch nicht. Dafür war ich ein zu kleines Licht. Also, diese Leute sind auch nach Peridëis rein und wir haben die bis zum Übergang geführt. Selber bis nach Peridëis rein durften wir aber nicht. Das war uns strikt verboten.
Warum denn?
Verschiedene Begründungen, Außenabsicherung, Gefahrenminimierung, hohes Risiko und so weiter, hauptsächlich aber, dass es uns ohne umfangreiche Zusatzausbildung korrumpieren würde wie eine Droge, dass es Einfluss auf die Psyche hätte, eventuell schädigend wäre und so weiter. Die IM-führenden Mitarbeiter haben das ihren IMs vermutlich aber nicht so klar gesagt.
Ist es denn schädigend?
Schädigend ... in der Zone ... wahrscheinlich nicht, in Peridëis ganz sicher nicht, aber korrumpierend ist Peridëis tatsächlich. Letztlich ist mir ja genau das passiert, wovor die gewarnt hatten.
Und was ist passiert?
Über Ostern war bei uns in der Dienststelle tote Hose. Alle waren auf Urlaub und nur einer blieb als Diensthabender für irgendwelche Eventualitäten da. Die passierten aber nie, die Eventualitäten. Man sollte regelmäßig rumgucken, ob alles verschlossen ist und konnte ansonsten Fernsehen gucken, Radio hören oder Bücher lesen. Langweilig. Um die Zone herum gibts zudem ein extra Sperrgebiet, das von einer Wacheinheit bewacht wird, mit der wir dienstlich nichts zu schaffen haben. Außer was direkt an unser Objekt grenzt. Also muss man im Grunde noch nicht einmal auf die Zone aufpassen. Und da habe ich mir eines Tages den Schlüssel fürs Tor gegriffen und bin ohne Erlaubnis alleine in die Zone rein. Ich rechnete mit drei Stunden, das war also ein kalkulierbares Risiko: Eine Stunde hin, eine Stunde drin, eine Stunde zurück. Ich muss dir nicht erzählen, was man beim Übergang erlebt. Es war überwältigend! Es hat mich umgeworfen. Körperlich, aber auch innerlich. Ich kapierte einfach nicht, warum man so etwas geheimhielt. Warum man sowas Schönes den Leuten vorenthielt. Mir kam die DDR urplötzlich fade vor, faul, verlogen. Mir wurde klar, dass diese sogenannten Wissenschaftler hohe Tiere waren, Bonzen, die sich schlicht vergnügten. Fährt ein Wissenschaftler mit einem Wolga, Tschaika, Tatra, Volvo oder Citroën?! Also blöde bin ich auch nicht. Aber nicht das hat mich so erwischt, sondern die unglaubliche Schönheit von Peridëis.
Und dass man den Leuten das vorenthält.
Ja. Genau das ist der Kern. - Ich war beim ersten Mal etliche Stunden in Peridëis, nicht nur eine, wie ich es geplant hatte. Und als ich schweren Herzens wieder zurückgekehrte, hatte ich größte Angst, dass alles aufgeflogen wäre. Aber alles war ruhig. Und als ich schließlich in meinem Dienstzimmer war, sah ich zu meiner Verblüffung, dass ich sogar weniger als die drei geplanten Stunden in der Zone gewesen war. Gefühlt waren es sieben oder acht Stunden! Ich habe erst später begriffen, dass zwölf Stunden in Peridëis nur auf eine Stunde im Diesseits hinauslaufen. Verrückt. Ich war damals noch nicht dafür eingesetzt, direkt Leute zum Übergang zu begleiten, deshalb kannte ich dieses Zeitdehnungsphänomen noch nicht. Begriffen hatte ich zuerst gar nichts, aber ich bin wie ein Bücherwurm durch die Bibliothek unseres Objekts. Die stand jedem von uns ganz offiziell zur Verfügung und hatte Fachbücher wie Sagen, Märchen und moderne Science-Fiction-Romane, mit dabei wahre Zentner von Westbüchern. Rein logisch gesehen blieb nach dem Lesen diverser Bücher nur die Erklärung Märchenreich oder Hochtechnologie einer fremdem Intelligenz. Und als strammer Genosse habe ich mich für die stramm wissenschaftliche Erklärung entschieden.
Wie süß, dass du einen Ausweg offenlässt. Erzähl weiter.
Tim lachte. Tja, und ich riss mich zusammen, nicht um Dienste zu betteln, um nur ja nicht aufzufallen. Aber die nächste Gelegenheit kam und die übernächste und die überübernächste. Und dann wieder rein nach Peridëis. Ich habe mich mit Macht gezwungen, wirklich sicherzugehen, dass alle weit weg waren; erst dann bin ich los. Und habe Peridëis erkundet, bin das erste Mal in meinem Leben mitten beim Masturbieren erwischt worden...
Alischa lachte
Ehrlich. Mittendrin, auf einer Wiese. Es war eine Frau, und die hat ohne rot zu werden gesagt, dass das Verschwendung ist, und sich auf mich draufgesetzt, um die Sache auf nützlichere Weise zu Ende zu bringen, wie sie das nannte. Anschließend überredete sie mich, aus ihrer Brust zu trinken und schon war sie weg.
Warum ist sie denn weg?
Damals wusste ich das nicht, aber heute würde ich sagen: Der Grund lag in mir selbst. Kein Bindungswunsch, aber das würde jetzt zu weit führen. Es gab jedenfalls immer wieder Frauen, die ich sehr hübsch und auch sehr nett fand, aber die mir erst die Brust und danach einen Kuss gaben und anschließend weg waren. Das Seltsamste, damals jedenfalls: Nach einem kurzen Moment des Bedauerns war ich am Ende immer froh, weiter herumziehen und Peridëis erkunden zu können. Zumindest die Umgebung des Übergangs, aber da gab es ja genug zu sehen. Weiter weg traute ich mich nicht, denn mir war von den Frauen gesagt geworden, warum man als Mann immer Frauenmilch trinken musste. In Peridëis war das überlebenswichtig! Ich habe das einmal erlebt. Zuerst kommen leichte Schmerzen, die nach und nach immer heftiger werden. Mehr habe ich damals nicht riskiert und bin schleunigst wieder zurück. Also übertrieb ich meine Ausflüge grundsätzlich nicht und freute mich über das, was auch so auf mich zukam. Und im normalen Dienst fiel mir noch etwas auf. Wir hatten ja eine wirklich gut ausgestattete Bibliothek, aber sie wurde kaum genutzt. Dazu etliche Dienstzimmer, die ebenfalls kaum genutzt wurden. Als hätte jemand erst tief Luft geholt und auf einmal plötzlich den Mut verloren. Dabei war schon alleine die Zone ein höchst interessantes Phänomen, das einen doch interessieren musste. Aber alles machte den Eindruck, als wenn man manches gar nicht wissen wollte.
Weil es nicht ins eigene Weltbild passte?
Weil es nicht ins eigene Weltbild passte oder weil sich noch mehr Leute haben korrumpieren lassen.
Warum nicht und - merkst du nicht, dass du gerade am eigenen Weltbild kratzt?
Warum kratzen? Nein. Der Fachmann staunt, der Laie wundert sich. Der Unterschied ist, ob man sehen und begreifen will. Ich will begreifen. Ich akzeptiere ja, dass es Dinge gibt, die ich noch nicht begreifen kann, aber wenn ich wirklich begreifen will und nicht bloß glauben, dann will ich auch wissen, warum die Dinge sind, wie sie sind. Wo ist sonst der Unterschied zwischen Kirche und Sozialismus, wenn jeder bloß an sein eigenes hübsches Bild glaubt und alles ignoriert, was nicht in dieses Bild passt?
Gut. Treffer. Aber ich zwinge den anderen nicht mein eigenes hübsches Bild auf.
Treffer. Solange das so bleibt. War ja nicht immer so in der Geschichte.
Treffer. Aber erzähle weiter!
Na ja, für mich war das Prinzip verletzt, dass man sich dem Neuen stellen muss, das Prinzip von Rede und Widerrede, bei dem ehrlich geprüft wird, wer das bessere Argument hat, bei dem mit offenen Augen gesucht wird und bei dem eine Theorie ungültig wird, wenn sie jemand überzeugend widerlegt. Kurz: Mein geliebter Sozialismus war offenbar auch bloß eine Art Religion, eine Tüte Luft, aber schön verpackt, um die Ware verkaufen zu können und sich selbst beim Verkauf rundzufressen bei gleichzeitig gutem Gewissen. Ich aber hatte an den Inhalt geglaubt, nicht an die Verpackung.
Tröste dich, sagte Alischa, die Kirche ist in ihrem Inneren auch nicht immer so christlich, wie sie vorgibt.
Um so mehr war mir Peridëis so wertvoll... Einer dieser angeblichen Forscher musste wohl mal was loswerden und hat mir »unter dem Siegel der Verschwiegenheit« ein paar Bruchstücken erzählt. Das waren ein Haufen Dinge, die ich selbst in Peridëis nie gesehen hatte. Vermutlich dachte der auch, ich als »Eingeweihter« wüsste sowieso über alles Bescheid. Das Entscheidende war: Er hat erzählt, dass die Leute ihn als Gott angebetet hätten. Oh Mann! Fällt dir was auf?
???
Weißt du nicht, was das bedeutet?
Neieeein, was meinst du?
Tim gluckste: Zunächst hat es bei mir nur Neugier ausgelöst, der wahre Hintergrund ist mir erst später aufgegangen. In Peridëis werden deine tiefsten innersten Wünsche wahr, wenn die Erfüllung nicht von anderen Besuchern gestört wird oder sich mit deren Wünschen zu einem Kompromiss vermengt. Was also war der tiefste Wunsch dieses sozialistischen Oberkämpfers?
Oh Mann!, lachte Alischa. Sag ja keine Namen. Ich will’s gar nicht wissen.
Es sind also Götter unter uns, schloss Tim scheinheilig, und was sagt uns das: eine Gesellschaft muss wohl so gebaut sein, dass sie auch mit Pappnasen, Eierköpfen, Hornochsen und Psychopathen an der Spitze trotzdem noch funktioniert. Und für ein Diktatürchen trifft das gewiss nicht zu, selbst wenn sie allesamt lauter heilige Proletarier, Vegetarier, Humanoide oder wahre Christenmenschen sind, mit oder ohne Schamhaaren.
Was hat das nun wieder mit Schamhaaren zu tun?
Na, eben nichts. Sag ich doch gerade.
Erzähl weiter.
Der Rest ist schnell erzählt. Ich bin später auch an einer anderen Stelle über den Zaun. Ich wusste ja, wo man kein Risiko eingeht und wann niemand in der Zone war. Das war weiter kein Problem. Aber irgendwann wurde ich in Peridëis selbst erwischt. Von den Bütteln der Peris.
Büttel???
Ja, so wie ich jetzt.
Hatten die etwa auch diese Uniform an?
Ja, hatten die. Mich hat das ganz fertig gemacht. Genau diese Uniform, aber mit Gerte und Seilstück statt Pistole, und oben an der Mütze das Symbol mit der Frau, die dem Betrachter die Brüste entgegenhält statt dem DDR-Emblem.
Und was hast du da gedacht?
Nichts, ich dachte, ich bin irre geworden.
Alischa lachte: Das kann ich mir gut vorstellen. Und was wollten diese Büttel?
Auf verratene Übergänge hält man halbwegs ein Auge. Wenn ein unerlaubter Besucher erwischt wird, versucht man in der Regel, ihn auf eine bestimmte Gegend festzunageln oder zu verschrecken oder er kriegt alternativ eine Chance. Mich haben sie zu einer der Peris geschleppt und ich habe meine Chance bekommen, indem ich den Peris eine Zeit lang als Büttel diene. Auch dadurch, dass ich in der DDR-seitigen Zone ein paar Dinge tue.
Wie das?
Ach, Kleinigkeiten. Zum Beispiel hatte ich angeblich einen Unfall in der Zone. Wenn sowas passiert, haben die einen Grund, weniger Leute da reinzulassen. Und jetzt gab es auch mal einen richtig angenehmen Auftrag von den Peris.
...
Du musst jetzt fragen, welchen.
Welchen?
Alles vorzubereiten, um dich nach Peridëis zu holen.
Echt, du warst da mit dabei? Schon zu Hause?
Dort noch nicht. Aber andere Besucher waren im Spiel.
Und diese seltsamen Dinge, die da passiert sind?
Was denn?
Na hör mal, da sind Dinge passiert, die nicht unbedingt in den Bereich der Wahrscheinlichkeit größer als ein hundertstel Prozent gehören.
Ach sowas ... ja ... da sind wir an einer Stelle, wo ich dir teilweise recht geben muss. Um diese Übergänge herum passieren auch im Diesseits manchmal seltsame Dinge ... oder man findet seltsame Dinge mit seltsamen Wirkungen, die ich dir nicht ansatzweise erklären kann. Jedenfalls nicht auf Grundlage der Physik, der Chemie und so weiter. Dinge, über die sich auch der Fachmann wundert...
Ach!
Ja. Also ein solches kleines Ding hast du bekommen.
Die Geschichte?
Ja. Die Geschichte. Das Büchlein mit der Geschichte ist, soweit feststellbar, nicht irdischer Herkunft, besser ausgedrückt: Es ist nicht aus dem Diesseits. Du hättest es nie erhalten, wenn die Gefahr bestanden hätte, dass es jemand anderem in die Finger fällt. Wenn man dieses Buch in den Händen hatte, dann hat das irgendwie Wirkungen. Wie soll ich das beschreiben ... an dem Buch klebt märchenhaft ausgedrückt sozusagen schon ein klein wenig von dem, das man hier in Peridëis erfährt. Aber was da passiert, ist mir ein echtes Rätsel. Es bewirkt jedenfalls Dinge.
Warum der Aufwand, warum nicht einfach durch einen Übergang in der DDR?
Erinnere dich...
Ach ja, erst, wenn man Peridëis selbst erfühlt hat... Aber wenn man mir die Augen verbunden hätte?
Keiner weiß, was die Peris treibt. Sie haben hier letztlich alles in der Hand und sie verraten ihre Geheimnisse nicht.
Hm.
So war es doch aber viel schöner?
Ja, das stimmt! Bloß eben der riesige Aufwand...
Vielleicht bist du den Peris wichtig.
Noch eine Weile zogen Alischa und Tim so durch das mondbeschienene Tal dahin. Doch schließlich suchte Tim einen Schlafplatz, Alischa machte noch eine kleine Handentspannung zum Einschlafen, während Tim Alischa um jenes Elixier erleichterte, das er so dringend zum Leben brauchte. Das brachte Alischa um so leichter zum ersehnten Höhepunkt, während Tim seinerseits genau dadurch zu mehr von jenem frischen wertvollen Elixier kam. Und da niemand ihnen gefolgt war und niemand sie störte, schliefen sie einen tiefen erholsamen Schlaf.
Am nächsten Morgen bestand Tim darauf, aus einer Höhle neue Katzengoldstücke zu holen, und dann ging es weiter durch das endlose und doch so schöne Tal mit seinen prachtvollen Blüten, Früchten, mal Wald, mal Hain, mal Wiese und ab und zu einer Badestelle im Bach. Das heißt, an sich war das Tal gar nicht endlos, denn es mündeten zahlreiche andere Täler ein, doch nur selten führte ein Weg hinein.
Das Dornröschenschloss
Nach einigen Tagen Wanderung auf dem azurblauen Pflasterweg und vielen Pausen zu Alischas Entspannung öffnete sich plötzlich das Tal mindestens auf seine dreifache Breite und der Wald wich einer blumenbedeckten Wiese. Doch der Bach führte weiter geradeaus, direkt an einem Berg vorbei, der sich mitten im Tal befand. Und neben ihm der azurblaue Pflasterweg. Alischa und Tim liefen fröhlich schwatzend geradewegs den Weg entlang.
Doch als sie an dem Berg in der Mitte des Tals angelangt waren, sahen sie, dass der Berg ein Felsen war und der Felsen über und über von Rosen bedeckt. Und nicht nur das. Der azurblaue Pflasterweg verzweigte sich und die Abzweigung führte geradewegs in den Felsen hinein. Neugierig näherten sich Alischa und Tim.
Was mochte dort sein?
Doch genau in dem Augenblick, als sie vor dem Felsen standen, begannen sich die Rosen zu teilen und legten ein großes Tor vor ihren Blicken frei. Was war das?
Sie traten näher.
Und da wurde erkennbar, dass der Felsen gar kein Felsen war, sondern ein großes und prächtiges Schloss, das über und über von Rosen überwuchert war.
Ob wir da reingehen können?, fragte Tim.
Aber was, wenn die Rosen sich wieder schließen?, fragte Alischa zurück.
Beide traten vorsichtig näher und schauten durch das Tor.
Schau mal da!, rief Alischa aufgeregt und zeigte in den linken Teil des Schlosshofs. Was sie sahen, waren zahlreiche Menschen, wie sie nun einmal zum Leben in einem Schloss gehören, aber alle standen wie Puppen herum und waren in einer Bewegung erstarrt, als hätte jemand einen Spielfilm plötzlich abgehalten. Aber worauf Alischa gerade zeigte, das war noch etwas Besonderes. Es war ein Koch, der gerade einem Küchenjungen eine Ohrfeige geben wollte.
Das sieht aus, wie das Schloss von Dornröschen!, sagte Alischa und kniff Tim in den Arm.
Aua, sagte der, aber du scheinst recht zu haben, das mit dem Koch und dem Küchenjungen habe ich auch genauso in Erinnerung.
Aber bei Dornröschen haben sich die Rosen nicht wieder geschlossen!, sagte Alischa. Das hieße, dass wir gefahrlos reingehen könnten.
Tim blieb skeptisch. Alischa löcherte ihn, bis er schließlich nachgab, aber die Bedingung stellte, erst selbst auf Erkundung zu gehen. Notgedrungen zügelte Alischa ihre Neugier. Als Tim den Schlosshof schließlich betrat, blieb Alischa so nahe wie möglich am Tor stehen.
Tim machte einen Schritt.
Nichts änderte sich.
Er schaute misstrauisch nach oben und machte noch einen Schritt.
Nichts änderte sich.
Noch einen Schritt.
Die Rosen blieben ganz ruhig.
Dann ging Tim entschlossen weiter.
Was hatte er vor? - Nun, ganz einfach. Tim griff sich mehrere lange Tische und Bänke und schleppte sie alle zum Tor. Dort baute er aus den Tischen und Bänken eine Art Tunnel, durch den man notfalls hätte kriechen können, falls die Rosen auf die Idee kämen, den Eingang wieder schließen zu wollen.
Gar nicht so blöd, kommentierte Alischa anerkennend.
Als Tim fertig war, lud er sie ein, ebenfalls auf den Schlosshof zu kommen.
Alles war genau wie im Dornröschen-Märchen beschrieben. Nur dass die Barbusigkeit der Frauen im jugendfreien Märchen wegzensiert war, der Küchenjunge sich als Erwachsener herausstellte und dass etliche Schlossbewohner Dinge taten, die man in Jugendbüchern gewöhnlich ebenfalls verschweigt, selbst wenn deshalb leider im Dunklen bleibt, warum sich Mann und Frau zusammentun, statt es bleiben zu lassen, wo doch die offiziell erwähnten Interessen oft so unterschiedlich sind. Hier machten verschiedene Leute jedenfalls kein Rätsel daraus, was sie gegenseitig so magisch anzog, und die Gesichter ließen erkennen, warum sie es taten. Alischa entdeckte auch zwei eng umschlungene Frauen. Als sie neugierig herantrat, erfuhr sie, was sie aus rein technischem Interesse schon immer wissen wollte. Nämlich, dass längliche Gegenstände nicht zwingend erforderlich waren.
Du bist ein Ferkelchen, ließ sich Tim hinter Alischas Rücken hören.
Alischa hatte nämlich unter den Rock schauen müssen, um ihre Bildungslücke zu schließen.
Ich wollte es wirklich gerne wissen, verteidigte sich Alischa, sie machen es genau wie ich. Es hat mich ganz ehrlich interessiert.
Tim kratze sich am Kopf. Da wären wir wieder bei der Moralfrage. Aber weißt du was? Das Dornröschenschloss erinnert mich an die verschüttete Stadt Pompeji: Eine Augenblicksaufnahme, die man sonst nie bekommt. Das wirkliche unverstellte Leben vor uns zum Anschauen ausgebreitet. Wollen wir es zum Lernen nutzen? Das Schloss rauf und runter, überall schauen, was die Leute machen?
Gemacht! - Alischa war begeistert. Aber lass es uns machen wie ich eben: Nichts auslassen. Sonst ist es sinnlos und wir haben gar nicht den ehrlichen Blick.
Alischa und Tim durchstreiften das Schloss. Sie öffneten Türen und Verliese, genau wie sie Schränke und Schatullen öffneten, genau wie sie Hosen öffneten und Röcke anhoben. Sie sahen Hui und Pfui, sie sahen ... das unverstellte Leben. Das echte. Das normale, das im normalen Alltag doch so oft als das Unnormale hingestellt wird. Und sie hatten Zeit, das Heimliche in Ruhe zu betrachten und darüber zu sinnen. Und obwohl Alischa wie Tim in Umkleideräumen und anderswo oft genug hätten schauen können, wie die heimlichen Stellen der anderen Geschlechtsgenossen aussahen, so galt eben doch die Regel, dass man sie übersehen musste. Tim erzählte bei der Gelegenheit, dass dies auch bei den barbusigen Völkern der Welt so war: Es war den Männern strikt untersagt, die Brüste der Frauen anzustarren. Erst als die sogenannten zivilisierten Leute kamen und zu starren anfingen, da begann man, sich auch in den barbusigen Kulturen zu bedecken. Genau deshalb und wenigstens dann, wenn die Zivilisierten in der Nähe waren.
Alischa und Tim waren jetzt unverschämt zivilisiert. Alischa erzählte von Fleisch- und Blutpenissen, während Tim staunte, wie sehr unterschiedlich doch jede Vulva war. Wobei sie sich nicht einigen konnten, was die Mehrzahl von Vulva ist [36]. Und was die Leute nicht alles taten, statt zu arbeiten! Aber das würde jetzt zu weit führen. Es wurde ein sehr spannender Nachmittag.
Doch irgendwann standen beide zu Füßen des Schlossturms.
Ich gehe da nicht hoch, sagte Tim.
Wie?, fragte Alischa. Du willst nicht Dornröschen sehen?
Nein, sagte er. Bei manchen Träumen will ich, dass sie Träume bleiben. Dornröschen ist ein wunderschönes Märchen, das mir sehr gefällt und ich habe auch ein inneres Bild von Dornröschen. Das soll bleiben, wie es ist. Außerdem willst du bestimmt, dass ich Dornröschen wachküsse.
Natürlich, sagte Alischa, was ist dabei.
Nein, mache ich nicht, sagte Tim. Dann würde ich das Märchen ändern, es sei denn, ich würde selbst als Prinz dableiben. Aber ich habe keine Lust, Märchenprinz zu sein. Und glaubst du, da reicht ein Kuss? Die werden in dem offiziellen Märchen wieder mal was weggelassen haben und ich soll der Depp sein, der sie entjungfert und erst das macht sie wach.
Erst war Alischa etwas betroffen gewesen, jetzt aber lachte sie. Ach komm, das bisschen Entjungfern...
Noch ein schwerwiegendes Argument gibt es, griff Tim den Faden wieder auf, rechne mal, wie alt war sie, als sie in den Zauberschlaf versenkt wurde? Vierzehn - Und wie lange sollte der Zauber währen? - Hundert Jahre - Macht zusammen? - Hundertundvierzehn Jahre - Siehste.
Du lügst, du lügst! In Peridëis altert man nicht!
Gut, erwischt, aber heiraten käme noch. Eine eingebildete, launische und wahrscheinlich hässliche Prinzessin, einzig das Zölibat käme mildernd in die Waagschale, aber ich kenne was Besseres. Nicht so reich, aber...
Tim schwieg erschrocken und wurde tiefrot.
Alischa fasste ihn an der Hand. Dann sagte sie heiser: Komm, lass uns gehen.
Beide wandten sich dem Tor zu, Tim räumte die Bänke und Tische beiseite und sie verließen das Schloss. Als sie beide draußen waren, verschlossen die Rosen das Tor wieder wie zuvor.
Alischa und Tim gingen zurück auf den Hauptweg, den azurblauen Pflasterweg, und setzten ihre Wanderung fort.
Und man sagt, dass just in diesem Augenblick der echte Prinz um die Ecke bog. Aber genau weiß man es nicht. Es müsste mal jemand nachschauen gehen.
Das Hexenhaus
Alischa und Tim liefen fröhlich schwatzend geradewegs den azurblauen Pflasterweg entlang. Die Vögel kreischten, zwitscherten, sangen, krächzten, pfiffen, die Sonne über ihnen strahlte durch die Baumwipfel hindurch und der dichte Wald überraschte immer wieder aufs Neue mit seltsamsten Bäumen und bunten Blüten. Und so bemerkten sie zunächst gar nicht, dass der azurblaue Pflasterweg allmählich von Gras überwuchert wurde und dass noch etwas weiter die Sträucher immer näher an den Weg heranreichten. Doch endlich hielten sie inne, denn das letzte Stückchen Weg verschwand unter einer Grasdecke und nur eine Schneise zwischen den Bäumen ließ erkennen, wohin der Weg führte.
Was nun?, fragte Alischa.
Hm!, brummte Tim, eine Wahl haben wir nicht - wir müssen diesen Weg nehmen. Also - es hilft ja nichts, schlagen wir uns durchs Unterholz. Verirren können wir uns eigentlich nicht, weil wir ja im Tal bleiben. Wir müssen nur aufpassen, dass wir nicht versehentlich umkehren und zurücklaufen.
Kann man sich nicht nach der Wetterrichtung der Bäume richten, also gucken, wo das Moos wächst oder so etwas in der Art?, fragte Alischa.
Geht in Peridëis nicht, antwortete Tim. Es gibt keine Wetterrichtung und die Sonne steht immer genau über uns. Nicht einmal die Sterne helfen nachts, weil die sich einfach um die Sonne drehen und das hilft nicht weiter.
Kompass?
Hab ich nicht und gibt’s hier auch nicht. Wenn du dir einen baust, dann zeigt er keine gleichbleibende Richtung. Es gibt Leute, die das probiert haben.
Alischa schwieg betroffen.
Lass uns Picknick machen, bevor wir uns in den Wald schlagen, munterte Tim sie auf, ich habe da drüben Kaffeefrüchte gesehen.
Er warf seinen Rucksack zu Boden und lief, eine der Früchte zu pflücken. Alischa ließ sich auf dem Boden nieder, wobei sie den Rockteil ihres Kleids rings um sich ausbreitete. Wie gut, dass es hier keine Ameisen gibt, dachte Alischa, als ihr Hintern den Boden berührte. Sie schaute zu Tim, der die Kaffeefrucht gerade vorsichtig vom Baum abpflückte. Nachdem er zurückgekommen war, legte er die Frucht auf den Boden und kramte Becher und diverse Essensvorräte aus dem Rucksack heraus. Er stach vorsichtig zwei Löcher in die Frucht und goss ihnen den heißen Kaffee in die Becher.
Mit Milch hätte ich es gern!, witzelte er.
Kann ich machen, antwortete Alischa, die das in ihrem Inneren längst nicht mehr als Witz oder etwas Seltsames abgehandelt wissen wollte. Sie nahm mit ernstem Blick den einen der beiden Becher unter ihre Brust.
Tim verstand sofort und war ihr dankbar. Witzeln ist bei Männern gar nicht selten nur ein Zeichen von Unsicherheit.
Aua!, der Kaffee ist viel zu heiß!, entfuhr es Alischa und sie zuckte zurück.
Tim kratzte sich am Kopf. Hm, meine er, daran hätte ich auch vorher denken können. Kipp den Kaffee einfach weg, wir müssen ja nicht sparen.
Alischa tat es und schwenkte den Becher zum Abkühlen noch etwas durch die Luft. Anschließend hielt sie die rechte Brust zu Tim hin. Willst du ... mich nicht melken?
Probier’s doch mal selbst, meinte Tim, lernen musst du es sowieso.
Alischa hielt sich den Becher mit der linken Hand unter die rechte Brust.
Nimm den Daumen und zwei Finger!
Alischa tat es und drückte. Heraus kam nichts, obwohl die Brust kurz zuvor auf die bekannte Weise an den Seiten gezwickt hatte. Alischa probierte es mit Ziehen.
Tim kniete sich hinter Alischa und zeige es ihr langsam: Also, Daumen auf die eine Seite, Zeige- und Mittelfinger auf die andere. Du setzt etwas hinter den Höfen an und machst eine wringende Bewegung nach vorne. Etwa so, als würdest du eine Zahnpastatube ausdrücken wollen. Solange die Brust noch nicht selbst reagiert, machst du das mit einer rollenden Bewegung, also möglichst nicht über die Haut streifen, damit du sie auf die Dauer nicht wund machst. Sobald Brust und Finger mit Milch benetzt sind, geht’s auch einfacher. Mach mal!
Alischa probierte es. Ansetzen, reindrücken, nach vorne rollen ... gar nicht so einfach. Ihre Brustwarze zog sich in die Länge, bis sie mit dem Finger endlich das letzte Zipfelchen der Brustspitze erreicht hatte. Da! Drei oder vier Milchtröpfchen quollen an unterschiedlichen Stellen aus der Brustwarze. Na, immerhin. Sie griff wieder nach hinten und wiederholte die Bewegung. Wieder und wieder. Es wurden mehr Milchtröpfchen und schließlich begann ein Rinnsal ihre Brust hinunterzulaufen. Leider nicht in den Becher. Das Rinnsal löste sich auf dem Weg ihre Brust hinunter in der Mitte zwischen Brustwarze und Bauch und machte das Kleid nass. Egal. Tim spornte sie an. Alischas Bewegungen wurden sicherer, stetiger, rhythmischer. Sie begann, die traubenartigen Strukturen der Milchdrüsen im Inneren ihrer Brüste zu erfühlen, die ahnen ließen, wo gerade Milch zu holen war. Instinktiv massierte sie diese Stellen und schob die Milch von dort zur Brustspitze hin. Da! Jetzt war ein richtiger Milchspritzer aus ihrer Brust gekommen. Leider wieder nicht in den Becher, den sie in der linken Hand hielt, sondern in ihren eigenen, der auf dem Boden stand. Alischa lachte.
Wring die Brust immer bis ganz zum Ende der Brustwarze, ließ sich Tim hinter ihr hören. Und nimm genau die Stelle, die eben schon mal Milch gegeben hatte. Beute die aus, bis sie ganz leer ist und erst dann setzt du die Hand woanders an. Genauso kannst du nachher immer wieder die Brust wechseln. Und mach alles schön rhythmisch, finde deinen eigenen Rhythmus, der die meiste Milch bringt. Es gibt so etwas wie einen Optimaltakt.
Da! Noch ein Spritzer. Alischa war mit Feuereifer dabei. Noch einer, und der war richtig gehaltvoll! Jetzt zielte Alischa mit der Brust besser in den Becher. Melken. Es wurden zwei Spritzer. Melken. Drei oder vier Spritzer. Melken. Eine ganze Dusche von Milch aus vielen Brustöffnungen gleichzeitig. Leider in alle möglichen Richtungen, statt in den Becher. Melken. Melken. Melken. Schön rhythmisch. An der Brust ziehen. Melken. Näher an den Becher. Etwas weiter hinten an der Brust massieren. Melken. Milchstrahlen. Milchstrahlen. Milchstrahlen.
Nur leider war auch nach etlicher Zeit gerade mal der Boden des Bechers bedeckt.
Musst nicht frustriert sein, tröstete Tim in ihrem Rücken, das kommt schon noch. Komm, ich mache den Rest.
Tim griff auf die gewohnte Weise unter ihren Armen hindurch nach ihrer Brust und machte die gewohnten Melkbewegungen, die Alischa zum Schnurren brachten. Was der für einen Rhythmus hatte! Und wie der erfühlte, wo die Brust gemolken werden wollte. Alischa schloss die Augen und gab sich dem Gefühl hin. Die linke Brust, wieder die rechte, noch einmal die linke, wieder die rechte
Fertig! Tim pustete Alischa ins Ohr. Alischa schauerte.
Wie machst du das bloß ...
Ins Ohr pusten?
Bäh! - Alischa streckte ihm die Zunge heraus. Los, dass uns endlich essen.
Der Kaffee ist aber kalt.
Och neeeee!
Jetzt sprang Alischa selber auf, holte eine neue Kaffeefrucht und goss ein. Tim nahm einen Milchkaffee der Mischung Halb-Halb. So viel Milch war inzwischen da.
Wie schmeckt er?, erkundigte sich Alischa.
Wunderbar!, kam es zurück. Halb-Halb ist bei Frauenmilch die ideale Mischung. Weniger Milch ist Sparen an der falschen Stelle, eher darf es sogar mehr sein. Irgendwann probiere ich auch mal viel Milch mit einem Schuss starkem Mokka. Das schmeckt bestimmt großartig. Bei Tee kann man übrigens deutlich weniger Milch nehmen, nur bei Kaffee nicht [37].
Als sie fertig gegessen hatten, schaute Tim prüfend zu den Felswänden, die das Tal einschlossen. Er zeigte nach vorne: Wenn das Tal sich teilt, müssen wir uns links halten, aber vielleicht finden wir den Weg ja auch schon vorher wieder. Notfalls muss ich eben mal auf einen Baum oder Felsen klettern. Komm, lass uns gehen!
Er winkte Alischa zu, diese schüttelte ihr Kleid aus, und beide machten sich auf den Weg. Das Unterholz war weniger dicht, als Alischa gedacht hatte. Eigentlich lief es sich ganz gut. Nicht ganz so gut, wie auf dem Weg, aber es ging. Doch der Wald wurde mit der Zeit immer dichter und auch die Wegschneise war nicht mehr immer eindeutig erkennbar. Aber Lücken zwischen den Bäumen erlaubten von Zeit zu Zeit einen Blick auf die Felsen, die das Tal begrenzten - und so verloren sie auch dann nicht völlig die Richtung, als die Wegschneise gar nicht mehr auszumachen war. Langsam wurde es Alischa mulmig und sie fragte sich, wie Tim überhaupt noch in der Lage war, den Weg zu finden.
Schlimmstenfalls verlieren wir Zeit, meinte Tim. Das ist nicht furchtbar, weil wir davon reichlich haben.
Irgendwann ist mein Urlaub aber trotzdem vorbei, oder?
Ja und nein. Du bist in Peridëis und wir haben deshalb zwölffach mehr Zeit.
Aber trotzdem will man doch nicht ewig herumirren. Du weißt noch, wo wir ungefähr sind?
Nein.
Wie? - Alischa hatte Tim innerlich für so etwas wie einen Halbgott gehalten, der sich unter anderem selbstverständlich niemals verirren würde.
Macht doch nichts, knurrte der. Erlebst du nicht das eine Abenteuer, erlebst du eben ein anderes. Peridëis ist nie langweilig und das ist ein Versprechen! Wart’s nur ab.
Ich mein ja nur.
Ich auch, sagte Tim leichthin. Komm, da entlang sind die Bäume weniger dicht. Ich habe nur eine einzige Sorge: Verhungern werden wir nicht, aber das Speiseangebot hier in dieser Gegend ist dürftig, was die Geschmacksrichtungen angeht. Du wirst eventuell darben müssen. Er schaute Alischa mit deutlich geheucheltem Mitleid an.
Ich?
Ja du! Ich habe keinen Grund zur Beschwerde, immerhin machst du aus dem ekelhaftesten Kantinenfraß noch wohlschmeckende Milch. Wenn’s ganz schlimm käme, würde ich dir also bei der Volksspeisung den Vortritt lassen und mich mit deinen persönlichen Erzeugnissen begnügen.
Mistkerl!, lachte Alischa.
Aber Tim hatte nicht unrecht. Was hier wuchs, schmeckte wenig reizvoll. Ungefähr so gut, wie eine Betriebskantine der schlechteren Sorte. Tim neckte Alischa, dass ihre Milch wie Schokolade schmeckte oder wie Vanilleeiscreme. Aber auch er musste letztlich die Früchte dieser Gegend essen, denn was Alischas Brüste hergaben, hätte nie im Leben gereicht, um ihn sattzukriegen. Der Vorteil der Sache war nur, dass Alischas Brüsten mehr Beachtung zukam, als es unbedingt hätte sein müssen, und das wiederum trug zum Wachsen und Gedeihen derselben nicht unbeträchtlich bei.
So schlugen sie sich durch den Wald.
Nachdem sie schließlich ein kleines Fließ überquert hatten, glaubte Tim, mit einem Mal wieder einen Pfad zu erkennen. Und tatsächlich! Ab und zu sah man sogar, dass einzelne Äste abgeschnitten waren und auf dem Boden wurde ein schmaler Sandweg erkennbar. Mochte hier mitten im Wald ein Mensch wohnen?
Sie gingen weiter.
Und siehe, da lugte ein Häuschen zwischen den Bäumen hervor. Und nicht, dass es nur ein einfaches Häuschen gewesen wäre, nein, es war ein Häuschen, das ganz und gar aus Pfefferkuchen gebaut war.
Alischa jauchzte: Ein Pfefferkuchenhaus! Ob’s hier auch eine Hexe gibt?
Alischa brach sich einen Pfefferkuchen ab, als sie beim Häuschen angelangt waren. Hm, der schmeckte ganz anders, als das ganze Zeug hier drumherum, nur etwas trocken war er, aber dafür war der Geschmack vorzüglich.
Tim gluckste, als würde er etwas ahnen, brach sich aber ebenfalls einen Pfefferkuchen ab.
Da ließ sich eine Stimme vernehmen: Knusper, Knusper, Knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?
Der Wind, der Wind, das himmlische Kind!, antwortete Tim und hatte schon Tränen vor Lachen in den Augen, aß aber weiter, denn die Pfefferkuchen schmeckten wirklich ausgezeichnet. Alischa dagegen riss die Augen auf und vergaß das Weiteressen, so beeindruckt war sie.
Da ging mit einem Mal die Tür des Häuschens auf und eine Hexe kam heraus. Aber die war nicht so alt, wie es in einem gewissen Buch für kleine Kinder geschrieben steht, in dem ohnehin wichtige Teile zu fehlen scheinen und in dem andere Teile die Wahrheit, nun, nicht in ganzer Ausführlichkeit wiedergeben. Wie auch immer, die Hexe war älter als Alischa und Tim. Sagen wir mal, sie war in jenem reifen Alter, in dem bei den Frauen das Feuer schon ganz ausgebrochen ist, aber alt war sie wirklich nicht. Auch nicht krumm. Ganz im Gegenteil, sie strotzte geradezu vor Kraft und Gesundheit und die winzigen Fältchen im Gesicht mochten eher als Zeichen dafür gelten, dass sie aus jenem Alter heraus war, wo Frauen an das Märchen der ehrbaren Jungfrau glauben, welches ihre Beine ohne vernünftigen Grund zusammenhalten soll. Wie man sieht, gibt es viele Vorurteile über Hexen, die man beiseitelegen muss. Aber die Hexe hatte einen direkten, machtgewohnten Blick, unter dem schwache Naturen sicher ganz von alleine in die Knie gingen. Nicht böse. Eigentlich. Schwer zu sagen. Etwas eindeutig Magisches und sehr Seltsames ging von ihrem Blick aus. Ein Feuer loderte darin und Alischa traute sich kaum, hineinzuschauen, aus Angst, sich darin zu verlieren. Gekleidet war die Hexe ganz in schwarzes Leder. Das Oberteil erinnerte Alischa ein wenig an ein Dirndl, nur eben aus kompliziert geschnürtem Leder, und dass die sehr vollen Brüste der Hexe nicht im Balkon ausgestellt waren, sondern schwer und ganz im Freien hingen. Der kurze Rock hatte vorne einen Schlitz und ließ die Scham (schwarzgelockt) frei und war hinten kurz genug, um den recht prachvollen Po noch etwas herauslugen zu lassen. Tim kriegte Alischas Ellenbogen in die Seite, weil ihr seine Blickrichtung nicht zusagte.
Die Hexe aber pfiff durch die Zähne und sagte: Na ihr beiden Hübschen, wo seid ihr denn hergekommen? Kommt herein zu mir, ihr sollt es heute gut bei mir haben, leckeres Essen bekommen und auch einen Platz zum Schlafen. (Rechtsanwälte dürfen notieren: Mehr versprach die Hexe nicht.)
Im Hexenhaus wurde Alischa und Tim ein gutes Essen aufgetragen, Milch (Alischa war etwas skeptisch) und Pfannkuchen mit Zucker, Äpfel und Nüssen, und dann wurden zwei schöne Betten bereitet, da legten sich Tim und Alischa hinein (Alischa in das eine, Tim in das andere) und sie meinten, sie wären wie im Himmel.
Die Hexe aber war es, die dafür gesorgt hatte, dass der azurblaue Pflasterweg nicht mehr zu finden war und sie hatte das Pfefferkuchenhaus mitten im Wald nur gebaut, um verirrten Leuten aufzulauern und sie hereinzulocken. Wenn welche in ihre Gewalt kamen ... aber wir werden ja sehen, was jetzt kommt.
Alischa und Tim taten nach dem Essen jedenfalls einen tiefen Schlaf, da sie sehr müde gewesen waren. Aber die Hexe hatte ihnen auch einen guten Schlaftrunk unter das Essen gemischt.
Und was fanden Alischa und Tim vor, als sie des Morgens erwachten? Nun, Tim fand sich nackend in einem Käfig wieder, während Alischa von der Hexe angeherrscht wurde, sich anzuziehen und die Stube zu wischen. Die Hexe aber hatte eine meterlange Ledergerte in den Händen, die sie des Abends davor noch nicht gezeigt hatte. Die Gerte war durchaus etwas länger, als die Gerte, die Tim an seiner Uniform trug. Oder besser, getragen hatte. Eine Tür zu einem hinteren Zimmer stand geöffnet, die am gestrigen Abend noch nicht offen gestanden hatte. Und was sah Alischa zu ihrem Schrecken? Nun, das hintere Zimmer war voll mit verschiedenstem Gerät, dazu gedacht, finsteren Gelüsten Genugtuung zu verschaffen, schlichteren Gemütern aber einen gehörigen Schrecken einzujagen.
Tue ja, was ich dir sage, drohte die Hexe Alischa mit blitzenden Augen, sonst zeige ich dir meine Zauberkünste.
Alischa blieb stumm. Warte nur, dachte sie bei sich, das Wischen gibt mir Zeit zum Nachdenken und mir wird schon etwas einfallen. Laut fragte sie aber: Wie soll ich den Fußboden wischen, wo ich doch nichts habe, um dies zu bewerkstelligen?
Du dummes Lisel, zischte die Hexe und Tim lachte in seinem Käfig, als er hörte, wie die Hexe Alischa genannt hatte.
Rache!, schwor Alischa, alte Hexe, das vergesse ich dir nicht! Aber sie dachte auch: Wenn Tim lacht, kann’s so schlimm nicht sein.
Du dummes Lisel, sagte die Hexe noch einmal, da hinten findest du Eimer und Lappen, und wo der Bach ist, weißt du. Also hurtig und trödele mir ja nicht herum.
Und du, wandte sich die Hexe mit falscher Freundlichkeit an Tim, wer keine Brüste hat, zahlt mit dem übrigen Körper. Du wirst mir also anders dienstbar sein. Lange schon ist mein Schoß nicht mehr gedehnt und gewalkt und gefeuchtet worden von einem kräftigen Stößel, wie der, mit dem du so prachtvoll versehen bist. Besorg es mir in aller Gründlichkeit und ihr beide seid frei!
Nie im Leben!, antwortete Tim. Außerdem darf ich gar nicht, wie du wohl weißt, weil ich ein Büttel bin.
Ich weiß es wohl, kicherte die Hexe, aber wenn du dazu gezwungen wirst, dann zählt das ja wohl nicht, oder?
Tim schwieg.
Dacht ich’s mir doch, meinte daraufhin die Hexe. Wir werden sehen. Du bist ein Mann, noch recht jung, und meine Erfahrung sagt mir, dass junge Männer von ihrem Drang gehörig geschüttelt werden, wenn man sie nur genug anheizt. Am Ende wirst du mir ja doch dienstbar sein, früher oder später, eine Frau kann da geduldig sein, im Gegensatz zu euch Männern, wart’s nur ab. So, und jetzt zeig mir, ob dein Stößel schon steif ist.
Tim aber zeigte ihr mit klarem Blick seinen Penis - und der war ganz schlaff und für die Hexe nicht zu gebrauchen.
Na warte, rief die Hexe wütend und hieb mit der meterlangen Ledergerte durch die Gitterstäbe.
Aua!, rief Tim, denn der Schlag hatte gut gesessen. Die Hexe hatte Übung und war nicht ungeschickt.
Schieb deinen Lustfinger durch die Gitterstäbe, forderte sie.
Tim zögerte.
Na? – Die Hexe holte noch einmal mit der meterlangen Ledergerte aus.
Tim gehorchte lieber, da er keine Deckung hatte in seinem Käfig, und presste seinen Leib ans Gitter.
Die Hexe erfasste seinen Lustfinger, probierte ihre Künste und fand ihn am Ende aber so schlaff wie zuvor.
Hm, knurrte sie. Wir werden sehen.
Gerade da kam Alischa mit dem Eimer voll Wasser vom Bach zurück und die Hexe spürte, wie Leben verräterisch in den Lustfinger Tims kam.
Wütend wandte sich die Hexe ab.
Lisel, knurrte sie, stell den Eimer ab und komm her.
Sie winkte Alischa zum Ofen.
Alischa näherte sich der Hexe und dem Ofen zögernd. Als sie da war, langte die Hexe aber ins Feuerloch, wo im Augenblick gerade kein Feuer loderte und holte eine Handvoll Ruß heraus, die sie Alischa ins Gesicht schmierte.
So!, kommentierte die Hexe kichernd, jetzt siehst du nicht mehr so reizend aus wie vorher.
Da fiel der Blick der Hexe auf Alischas Brüste
Die Hexe kicherte nochmals: Ich habe da so eine Idee, warten wir’s ab, warten wir’s ab...
Setzt dich da drüben auf den Stuhl!, herrschte sie Alischa an.
Alischa kam kaum von den stechenden Augen der Hexe los und ihr war nicht wohl, weil der bezeichnete Stuhl kein gewöhnlicher Stuhl war, sondern einer, an dem Fesseln angebracht waren.
Aua! – Die Hexe hatte Alischas Rock flink am Hintern gelupft und ihr mit der meterlangen Ledergerte im selben Augenblick kräftig eine übergezogen.
Fffffff!, entfuhr es Alischa und sie wand sich, während sie auf den Zehenspitzen von einem Bein aufs andere trat, während sie mit der linken Hand die schmerzende Hinterbacke rieb.
Und?, fragte die Hexe, hilft dir das etwas beim Hinsetzen?
Alischa lief schnell zum Stuhl und setzte sich.
Fesseln schlossen sich um Alischas Handgelenke und um ihren Hals.
So mein Lisel, meinte die Hexe (Alischa hörte ein Glucksen aus dem Käfig), so. Wohle Frau, volle Brüste, ich werd dich schon nicht züchtigen, wenn du dir artig deine Milch nehmen lässt. Sei also artig und ich züchtige dich nicht. Darauf ergriff sie Alischas Brüste und begann, diese nach allen Regeln der Kunst durchzuwalken. Und sie war gut, die Hexe! Alischa wurde ganz anders, und was mit ihrem Leib geschah, entzog sich der Kontrolle ihres Geistes. Geschickte Hände durchpflügten ihre Brüste, weitaus geschickter, als die Tims – oh, Welten lagen dazwischen! Alischa keuchte und verlor in undenkbar kurzer Zeit, was man gemeinhin den Verstand nennt. Die Hexe konnte wahrhaft zaubern. Ihre Hände walkten, wrangen, streichelten, lockten, schüttelten, pressten, kitzelten, tingelten, klopften und zogen. Alischa bekam Gänsehäute, schüttelte sich, stöhnte, fiepte, jauchzte, weinte und kurz: war wohl.
Die Milch spritzte Strahl um Strahl in den Becher, den die Hexe vor Alischas Brüsten auf den Tisch gestellt hatte, und füllte sich Schwall um Schwall.
Endlich ließ die Hexe nach und Alischa kehrte durch einen Schleier von Tränen in die Welt zurück. War das eine gemeine Frau, die eine derartige Macht über sie erlangen konnte!
Die Hexe indes löste die Fesseln des Stuhls, zog Alischa mit ungeahnter Kraft nach oben, gab ihr einen Klaps auf den Hintern und fuhr sie mit schneidender Stimme an: Ab, Lisel! Du hast noch den Boden zu wischen. Alischa machte sich flugs auf den Weg.
Sie selbst aber, die Hexe, sog den Duft der ausgemolkenen Milch ein. Hm, sagte sie, einer geklauten Frau soll man die Brüste nicht begucken und meinte damit, dass es hätte mehr sein können. Gibt das Lisel immer so wenig Milch?, wandte sie sich an Tim.
Die Frau gibt nicht jedem Milch, der sie melken will, parierte Tim.
Werd ja nicht frech, sagte darauf die Hexe und kostete die gemolkene Milch. Hab schon bessere getrunken, knurrte sie, sag mal, Lisel, was hast du in den letzten Tagen gegessen? Vogelmist? Dabei schaute die Hexe allerdings drein, als hätte sie soeben eine überaus starke Droge genommen.
Alischa, die auf dem Boden kniete und wischte, sagte lieber nichts.
Die Hexe aber ging einen Stuhl umrennend mit dem gefüllten Becher zu ihrem Kochherd, wo ihr ein Topf herunterfiel, machte Feuer, verbrannte sich dabei die Finger, und man sah, dass sie geheime Kräuter zerrieb, noch mehr Kräuter zu Boden fallen ließ, den Rest als Pülverchen in die Milch tat, und diese köchelte. Um den Herd herum hingen Bündel getrockneter Kräuter, und links und rechts vom Herd war die Wand mit Regalen bedeckt, in denen zahlreiche große und kleine Töpfe und Dosen standen, die wer weiß was enthalten mochten.
Die Hexe stand nun, immer noch trunken wirkend, vorm Herd, auf dem Alischas Milch erhitzt wurde. Und man hörte, dass sie die ganze Zeit über Sprüche vor sich hinmurmelte. Ihre rechte Hand vollführte kreisende Bewegungen über dem Topf, während die linke Hand die Milch umrührte. Das schien sehr gut zu gelingen. Und dies alles tat die Hexe, bis im Topf nichts als ein Pulver übriggeblieben war. Das Pulver aber zerkleinerte sie nochmals ganz fein mit einem bronzenen Messer auf einem hölzernen Brettchen, und schließlich gab sie es zur Hälfte in einen bronzenen Topf mit Deckel. Die andere Hälfte aber vermischte sie mit einem blau schimmernden Pulver, murmelte erneut Sprüche darüber, vermischte es endlich mit ein ganz klein wenig Wasser und formte daraus schließlich ein kleines viereckiges Etwas, das aussah wie eine Pille, wie sie von Apothekern gemacht wird. Nur eben viereckig, oder besser gesagt: rhombusförmig [38]. Was sie warum machte, das blieb Geheimnis der Hexe. Schließlich aber nahm die Hexe die viereckige blaue Pille, tat sie in ein kleines tönernes Gefäß und kicherte dabei. Warten wir’s ab, warten wir’s ab, murmelte sie vor sich hin, als sie fertig war.
Großartiges Gesöff, murmelte die Hexe vor sich hin und ließ sich nach getaner Arbeit auf einen Stuhl fallen. Was die Hexe meinte, wurde nicht ganz klar.
Alischa aber hatte die ganze Zeit über den Boden des Pfefferkuchenhäuschens zu wischen, doch Wasser und Holz holte die Hexe selbst. Sie hatte damit nicht viel Mühe, denn vor dem Pfefferkuchenhaus stand ein Waschzuber, dem man nur »Flieg!« sagen musste und schon flog der. Da hinein packte sie wahlweise das Holz oder kippte ihn voll Wasser oder flog auch selber. Ganz neidisch wurde Alischa, als sie dieses praktische Gefährt sah. Die Hexe vergaß darüber nicht ihre meterlange lederne Gerte, aber wie schon bei den Arbeiten für Alischa übertrieb sie es auch damit nicht gar zu sehr. Den Grund dafür murmelte die Hexe leise vor sich hin: Schwitzen leert Zitzen. Denn alle zwei oder drei Stunden wurde Alischa ihre Milch genommen und davon wollte die Hexe so viel wie möglich. Ja sie war ganz gierig darauf, und stets fertigte sie Pülverchen, Salben und Tränke daraus. Und nie vergaß sie, eine Probe von Alischas Milch zu nehmen, diese zu kosten, Vogelmist zu murmeln und anschließend wie volltrunken zu wirken.
Eins wunderte Alischa: Die Hexe molk sich selbst wohl, aber stets fertigte sie daraus nur Pulver und Salben, die ohne geheime Kräuter und ohne Zaubersprüche zustande kamen und die in einem anderen Topf aufbewahrt wurden.
So verging der Tag, Alischa wischte den Boden, die Hexe wachte mit ihrer meterlangen Ledergerte, dass dies auch ja ordentlich geschah, anschließend räumte Alischa noch auf, wischte die Tische und legte unzählige Male die Anziehsachen Tims ordentlich zusammen.
Des Abends gestattete die Hexe Alischa das erste Mal, Tim durch die Gitterstäbe hindurch einmal die Brust zu reichen, aber auch das nur kurz.
Das wird gerade so reichen für dich, gerade so.
Lisel, sagte die Hexe, du wirst jetzt dafür sorgen, dass Tim nicht seinen Käfig beschmutzen muss. Und wies auf einen Krug, der neben dem Käfig auf dem Boden stand. Und wie Hexen so sind, war das noch nicht genug der Gemeinheit, denn die Hexe setzte sich auf einen Stuhl und wollte zuschauen, wie Tim seinen Käfig nicht beschmutzte.
Hopp hopp!, rief die Hexe.
Alischa errötete, aber da die Hexe ihre meterlange Ledergerte auf ihrem Schoß zu liegen hatte, wagte sie keinen Widerspruch, bückte sich nach dem Topf und wandte sich Tim zu.
Komm, flüsterte Alischa, es hilft ja nichts, komm her, ich mache es gern für dich.
Tim näherte sich zögernd, denn auch er war etwas unsicher unter dem Blick der Hexe.
Noch näher, flüsterte Alischa zärtlich, um ihm Mut zu machen. Und als er es getan hatte und ihr zugewandt dicht ans Gitter gedrängt stand, ergriff sie seinen Penis, um ihm die Richtung in den Topf zu weisen.
Doch da hatte Alischa nicht bedacht, welche Wirkung ein solcher Griff von einer Frau haben kann, und bei ihr unfehlbar haben musste. Der Penis versteifte sich zunehmend und schaute nun nach oben aus dem Topf heraus, statt nach unten in den Topf hinein.
Da war guter Rat teuer.
Alischa verstellte den Blick zwischen Hexe und Tim.
Wirst du wohl?!, ließ sich die Hexe daraufhin vernehmen.
Alischa drehte sich flugs beiseite, denn ihr Po in diesem Augenblick war arg in Reichweite der Hexe.
Was sehen wir da, was sehen wir da!, freute sich die Hexe.
Und sie setzte nach: Na, mein Hübscher, klappt’s nicht?
So eine Gemeinheit! Tim probierte ehrlich, seinem Drang nach Entleerung nachzugeben, aber das war unter diesen Umständen ein schwieriges Ding.
Er schaute in die Luft. Es klappte nicht.
Er schaute aus dem Haus heraus. Es klappte ein wenig. Nach einer Weile. Aber nur sehr wenig.
Er schaute die Hexe an. Sein Stößel schaute wieder ganz nach oben. Die war ja auch nicht hässlich. Nein, nicht das!
Er schaute auf den Boden. Es klappte nicht.
Tim fiel ein, was er außerhalb von Peridëis war, nämlich ein schnöder Soldat der Stasi. Er dachte an seinen Parteisekretär und diesmal klappte es. Er ließ Wasser, bis der Topf gut gefüllt war, und währenddessen hatte nicht einmal Alischas warme Hand eine belebende Wirkung.
Musst du auch noch ... hinten?, fragte Alischa zögerlich.
Nein, antwortete Tim.
Ehrlich nicht, ergänzte er auf Alischas forschenden Blick hin.
Alischa brachte den Krug aus dem Haus, leerte ihn und wusch ihn aus.
Als Alischa zurückkehrte, kochte die Hexe ein überraschend gutes und überraschend reichhaltiges Mahl. Tim verzehrte seinen Teil in seinem Käfig, während Alischa und die Hexe bei Tisch aßen.
Mag die Frau essen, was sie will, wenn sie nur gute Milch gibt, knurrte die Hexe vor sich hin. Und Tim werde ich auch noch seinen Teil abverlangen, ergänzte sie im Stillen.
Auch diesmal hatte die Hexe einen guten Schlaftrunk unter das Essen gemischt. Alischa jedenfalls überfiel eine bleierne Müdigkeit, Tim gähnte herzhaft in seinem Käfig und beide fielen kurz darauf wieder in einen tiefen Schlaf.
Und so vergingen mehrere Tage. Tim verweigerte sich der Hexe, die täglich prüfte, ob sein Stößel groß und fest wurde, wenn sie ihn durch die Käfigstangen hindurch mit ihrer Hand prüfte. Doch hatte sie noch immer keine Macht über diesen.
Doch die Hexe war weder dumm, noch unerfahren. Als Alischa einmal bei der Prüfung des Stößels zugegen war, meinte die Hexe beiläufig: Nun, mein Hübscher, du bist ja selber schuld daran, dass ihr hier in meinem Häuschen verharren müsst.
Selber schuld?, ließ sich Alischa nun doch vernehmen.
Nun, sagte die Hexe, das Jüngelchen soll nichts weiter tun, als es mir einmal gründlich besorgen, und schon seid ihr frei. Aber wenn er nicht will...
Alischa fing schallend zu lachen an. Auf dieses doch so naheliegende Ding war sie gar nicht gekommen, so unbefangen (oder doch befangen?) war sie. Oooooch, sagte sie scheinheilig zu Tim, du willst es der Hexe nicht besorgen? Nicht ein einziges Mal?
Husch! – Da war die Hexe schon über Alischa, klemmte sich diese zwischen die Beine, und während Alischa sich wand, war im Nu ihr Po freigelegt und die meterlange Ledergerte sauste eins-zwei-dreimal nicht zu heftig, aber gut gezielt auf Alischas Hintern nieder.
Au-Au-Au!, jammerte Alischa, lachte aber immer noch, ich sag nie wieder Hexe!
Hexe darfst du wohl sagen, meinte die Hexe knurrend, aber frech werden sollst du nicht. Und vier-fünf-sechs sauste die meterlange Ledergerte erneut auf Alischas Po. Wieder nicht allzu arg, aber gut gezielt.
Pass auf, meinte die Hexe (und diesen Satz hatte sie sich lange überlegt), wir machen ein Geschäft: Du heizt ihn mit deinem hübschen jungen Körper so richtig an...
Nein!, rief Tim im Käfig verzweifelt,
...und ich, fuhr die Hexe fort, bin so großzügig, ihn dir nach ausgiebiger Benutzung wiederzugeben und euch ziehen zu lassen.
Alischa musste sich sehr zusammenreißen, um nicht laut loszujubeln. Und zu lachen vor allem. Na, so eine Gelegenheit, billig davonzukommen, es Tim mal so richtig zu zeigen und ihm außerdem noch Erleichterung zu verschaffen, ohne dass er dafür Ärger kriegte. Dass ihn die Hexe rammeln würde, das würde er schon überleben. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Alischa biss sich auf die Lippen. Ehrenwort?, fragte sie, immer noch zwischen den Beinen der Hexe eingeklemmt.
Hexenehrenwort!
Aua-Aua-Aua-Aua! – Alischa hatte überraschend noch vier auf den Hintern gekriegt, womit die Zehn voll war. Warum denn die noch?, fragte sie vorwurfsvoll, während sie sich das Hinterteil rieb. Die Striemen würden bestimmt drei Tage lang zu sehen sein.
Damit du nicht etwa vergisst, wer hier die Herrin ist, meinte die Hexe. Jetzt aber wasche dich gründlich, damit er von deinem Anblick so richtig in Fahrt geraten kann. Aber nur das Gesicht, damit er dich gut riechen kann!
Alischa aber verließ das Haus eilig, um sich am nahen Fließ das Gesicht waschen zu gehen.
Da aber ging die Hexe und holte das kleine tönerne Gefäß, in das sie die seltsame viereckige blaue Pille getan hatte und einen Becher Wasser. Und mit beidem ging sie zu Tim in seinem Käfig.
Da! Schluck das runter!
Sie hielt ihm Pille und Wasserbecher hin.
Und wehe nicht!
Tim weigerte sich.
Da zischte die meterlange Ledergerte wie ein Blitz. Eins! Zwei! Drei!
Na? Die Hexe zog eine Augenbraue hoch. Kein wenig wütend; sie wusste sehr wohl, wer am Ende gewinnen würde.
Tim rieb sich die Waden, weigerte sich aber noch immer.
Die Hexe holte langsam aus. Noch kräftiger diesmal. Das sah bedenklich aus.
Halt, halt!, rief Tim da und sein Gesicht verzog sich. Du gewinnst ja doch, stöhnte er, da spare ich mir lieber die Züchtigung.
Das Lächeln der Gewinnerin war das einer machtgewohnten Frau, die sich ihrer selbst sehr sicher war.
Tim schluckte die Pille, die Hexe war aber nicht dumm und schaute genau hin und sogar die Zunge herausstrecken musste Tim hinterher.
Braver Mann!, lobte die Hexe ihn und kicherte. Dann setzte sie nach: Wird dir nicht schaden, wirst es nicht bereuen, andere würden viel geben dafür. Wart’s ab, wart’s ab, höchstens ein halbes Stündlein...
Die letzten Worte (Wart’s ab, wart’s ab, höchstens ein halbes Stündlein...) waren eine große Gemeinheit, denn Tim ahnte wohl, was die geheime Wirkung jener blauen Pille war. Und wie der Stößel bisweilen unter Druck und Zwang unter den beobachtenden Blicken eines Eheweibs nicht hinaufkommen will, so wollte er jetzt, weil er gerade nicht sollte, auf gar keinen Fall unten bleiben. So kämpfte Tim, bis er ins Schwitzen kam. Ihm kamen die Brüste von Alischa in den Sinn, wie sie beim Gehen wippten, unversehens flog ein Wind durch die Stube, der ein Quentchen von ihrem Schoßduft zu enthalten schien, plötzlich waren es ihre weiblichen Hüften, die sich ihm unbedingt als Bild aufdrängen wollten, kurz: Der arme Tim litt Höllenqualen. Was man auf gar keinen Fall haben darf, macht einem den Mund eben am meisten wässrig, umso mehr, wenn man die Gewissheit hat, das es unaufhaltsam auf einen zukommt, wie ein fliegendes Brathuhn im Schlaraffenland.
So verging wohl eine knappe Viertelstunde.
Alischa kam vom Waschen zurück und das Wasser glänzte noch in ihrem Gesicht.
Tim unterdrückte ein Stöhnen.
Sein Stößel richtete sich nicht auf. Es war eine gewaltige Leistung!
Doch die Hexe ließ keine unnötige Zeit verstreichen. Komm her, Lisel!, forderte sie und griff Alischa aber bei ihren Haaren.
Aua!, rief Alischa, warum denn?
Doch die Hexe zog sie zu dem geheimnisvollen Raum, dessen Tür offen stand. - Musst keine Angst haben, kommentierte sie, was jetzt kommt, wird dir mehr gefallen, als dir lieb ist!
Sie zog Alischa über die Türschwelle, und innen angelangt warf sie mit einem Fußtritt die Tür zu.
Tim braucht jetzt noch etwas Ruhe, sagte sie zu Alischa, du aber wirst jetzt zu meinem eigenen und zu deinem Spaß eine kleine Behandlung erfahren, die dich auf das vorbereitet, was in einem Viertelstündlein kommen wird.
Was war das nur? Was wollte die Hexe?
Die Hexe aber zog Alischa zu einem großen Holzrahmen aus guten festen Balken, vielleicht so groß wie ein Tisch oder Bett, das Holz sorgsam geglättet und mit Ornamenten verziert, und zwischen den Balken war nicht etwa nur Luft, sondern zahlreiche flache breite Lederriemen nebeneinander aufgespannt, wie Streifen eines Zebras. Darauf legte sie Alischa bäuchlings und rückte sie so zurecht, dass ihr Kopf überraschend bequem zu liegen kam und ihre Brüste zwischen den breiten Lederriemen frei in der Luft schaukelten. Sie band Alischa die Arme fest, schob ihren Rock hoch, zog ihre Beine auseinander und fesselte diese ebenfalls. Alischa war bange zumute, konnte sich aber noch immer nicht erklären, was jetzt kommen sollte. Immerhin hingen an den Wänden nicht nur Seile und Ketten und Fesseln aller Art, sondern auch Peitschen, Gerten und anderes Foltergerät.
Musst nicht ängstlich sein, mein Lisel, meinte die Hexe und gab ihr einen sanften Klaps auf den nackten Po. All diese Gerätschaften bekommen artige Leute nur zu spüren, wenn sie es selber ausdrücklich wünschen. Artige Leute! Du bist doch artig, oder?
Ja, Herrin, entfuhr es Alischa.
So ist’s brav, sagte die Hexe fast zärtlich. Pass auf, mein Lisel. Du sollst nachher Tim für mich in Flammen setzen, damit ich ihn zum Löschen meiner eigenen Glut benutzen kann. Das kannst du aber nicht, wenn du dich wie ein Holzklotz benimmst. Also werde ich dich etwas vorbereiten und das muss Tim nicht sehen, denn er soll seine eigene Flamme ja nicht frühzeitig verbrauchen.
Dann begann die Hexe, Alischa den Nacken zu streicheln! Ja, streicheln! Ganz zart machte die Hexe das und Alischa liefen Schauer durch den Körper. Verflucht, dass man hier so leicht erregbar war! Wieder hatte die Hexe es geschafft, Alischa zu überrumpeln, denn die Empfindungen schlichen sich auf geheimen Wegen ein und Alischa konnte nicht anders, als zu schnurren.
Rauf und runter, links und rechts, Nacken, Rücken (wo sie trotz des Kleides herankam), Arme, Beine ... Po schließlich, von dort auf die Innenseite der Schenkel ... und, und ... nein, die Finger ließen Abstand zur erblühenden feucht werdenden Rose, nun wieder den Körper empor. Der Griff wurde fester, massierte Alischas Körper durch, wurde wieder sanfter, ein Streicheln, zarte Bewegungen ... Nacken ... Po ... diesmal etwas näher an der Rose zwischen ihren Schenkeln, die zwischendurch etwas geschlafen hatte, nun aber erneut erwachte und wieder zu erblühen begann. Die Finger kreisten auf den Innenseiten der Schenkel, näherten sich diesmal sehr deutlich ... und da! Endlich eine Berührung. Die Rückseiten der Finger strichen jetzt über die nektarbenetzte Blüte, die sich zu öffnen begann, spielten damit, fuhren in den Kelch hinein, waren flink wieder heraus, spielten außen, fanden wieder den feuchten dunklen Kelch, öffneten ihn ein wenig, spielten mit den Blütenblättern und fanden schließlich ein festes Pünktchen, das sich zwischen den Blättern verborgen hatte, nun aber frech hervorlugte. Ein vorsichtiges Umstreichen dieses Pünktchens, ein zartes Bewegen der Blüte, die das Pünktchen umgab, Hin, Her, Bewegen, Zittern, Vibrieren, einen Moment innehalten...
Alischa zerfloss. Das war Zauberei. Für so etwas würde sie Geld bezahlen. Sie vergaß, wo sie war und wollte nur eins: Dass das nie aufhörte.
Doch die Hexe achtete sorgsam darauf, das Hochrecken von Alischas Po nicht zu beantworten und auf ein williges Vibrieren ihres Beckens mit einem Augenblick Zurückhaltung zu reagieren. Kurz: Sie heizte Alischa nach allen Regeln der Kunst an, gestattete aber nicht mehr. Glühen sollte sie, aber nicht verbrennen.
Alischa bettelte schließlich: Bitte, bitte, Herrin, mach mehr. Nicht so zart, bitte mehr!
Nein!, flüsterte ihr die Hexe leise ins Ohr und fuhr fort. Warte es ab!
Doch bevor die Stimmung umkippen konnte, war das Viertelstündlein vorbei, vielleicht auch ein wenig mehr, wozu streiten, aber jedenfalls hatte die Hexe in dieser Zeit mit ihren Zauberkünsten eine lüsterne, willige Sklavin aus Alischa gemacht. Und man bedenke, dass zuvor längst Peridëis mit seiner besonderen Wirkung an ihrem verborgenen Pünktlein genagt hatte, welches in ihrem Schoß daher längst merklich seine Rechte einforderte. Arme Alischa.
Die Hexe band Alischa los und öffnete die Tür zum Zimmer.
Jetzt hopp!, drängte die Hexe und zog sie an den Haaren zu Tim. Alischa nahm das ein einer Art Trancezustand war.
Von dem armen Tim wollen wir gar nicht reden.
So, sagte die Hexe, Lisel, jetzt will ich einen einzigartigen Tanz sehen, der seinen Samen fast von alleine aus dem Stößel springen lässt. Die Hexe fasste Alischa mit der Hand unters Kinn und schaute ihr von oben mit ihrem seltsam fesselnden Blick tief, sehr tief in die Augen. Alischa wurde noch einmal ganz anders.
Alischa löste sich nun langsam von der Hexe und sah Tim mit einem begehrenden heißen und halb abwesenden Blick an.
Nein! Tu es nicht!, flehte Tim, aber sein Stößel richtete sich bereits merklich auf.
Alischa, mit abwesendem Blick und nassen Augen, ließ das Kleid langsam zu Boden gleiten. Langsam, Stück für Stück.
Die Hexe klatschte in die Hände und daraufhin ertönte plötzlich von irgendwo Musik. Wieder diese eigenartige Musik, von kräftigen Trommelschlägen begleitet.
Alischa ließ das Kleid ganz fallen und tat einen Schritt nach vorne auf Tim zu. Sie leckte ihre Lippen und hielt den Mund wollüstig geöffnet. Sie umfasste ihre Brüste, knetete sie langsam und wiegte sich im Rhythmus der Musik.
Bitte nicht!
Alischa wiegte ihre Hüften, bewegte im Rhythmus der Musik erst zur Seite und dann wie beim Koitus vor und zurück. Aber langsam und fordernd.
Tim schaute wie gebannt auf Alischa. Da! Jetzt hatte er sich vergessen und sein Stößel richtete sich zu seiner vollen Größe auf und wurde vollends fest und ganz steif.
Alischa tanzte, drehte sich, streichelte sich, leckte ihre Lippen, hauchte, zeigte verborgene Stellen, hob die Brüste, ließ sie schaukeln, zeigte ihren sich bewegenden Po, bückte sich, beugte sich, richtete sich wieder auf, ließ ihn ihre verschwitzten Achseln riechen, tanzte tanzte tanzte...
Währenddessen hatte die Hexe sich von Tim unbemerkt neben den Käfig geschlichen und zog dann mit einem Ruck einen kräftigen Lederriemen um ihn herum und zerrte ihn damit zur Holzwand, die den Käfig nach hinten hin abschloss. Während Tim an diesem Lederriemen zerrte, hatte sie schon einen zweiten befestigt und noch einen dritten. Die Hexe war erfahren und man merkte, da half keine Kraft. Da! Jetzt hatte sie ihn ganz fest an die hölzerne Rückwand des Käfigs gefesselt. Sie schloss nun den Käfig auf. Doch Tim schien ohnehin völlig von Alischas Tanz gefangen zu sein. Und siehe da, die Gitter ließen sich abnehmen, da war Tim wohl nicht der Erste, der einen Dienst an der Hexe zu leisten hatte. Doch was nun? Ah! - Mehr noch, die hölzerne Rückwand konnte nach hinten gekippt werden. Eine Falle, gebaut, um wehrhafte Männer gefügig zu machen.
Und nun lag Tim da rücklings auf einem Tisch, gefesselt und wehrlos.
Doch was war das? Sein Stößel hatte in seiner Schwellung ein ganz klein wenig nachgelassen.
Dem musste abgeholfen werden.
Lisel! – Die Hexe musste nicht mehr sagen und da war Alischa auch schon heran und gab Tim ihre im Schoß verborgene, längst sehr feuchte und weit geöffnete Rose zu riechen. Gierig sog Tim den betörenden Duft ein und hatte inzwischen wohl auch längst vergessen, was geschah. Alischa aber hockte sich über das Gesicht Tims, sodass dieser nur ihre gekräuselte Rose und ihren Leib darüber sehen konnte, während die Hexe die Gelegenheit nutzte, um ebenfalls Tim zu erklimmen - aber verkehrt herum, mit ihrem Gesicht zu seinen Füßen! Heißa, rief sie, das ist die Hexenart! Ließ den inzwischen hart angeschwollenen Schwengel Tims in sich hineingleiten und begann, ihn wie wild zu reiten, was auf Hexenart überraschend gut vonstatten ging.
Alischa ihrerseits geriet in Raserei und rieb ihren Schoß am Mund Tims, während sich die Hexe hinter ihrem Rücken an seinem fest geschwollenen Schwengel vergnügte. Und als die Hexe immer schneller wurde und ihr Stöhnen den nahen Höhepunkt verhieß, ...
...überfiel Alischa aber mit einem Mal eine gewaltige Eifersucht und ihre Raserei war schlagartig vorbei.
Es war wie ein Guss Wasser und die Erregung hatte sich mit einem Schlag in Wut gewandelt. Wut gegen die Hexe, zärtliches Mitgefühl aber für Tim.
Zitternd hob Alischa ihren Schoß vom Gesicht Tims und stieg vom Tisch.
Die Hexe jedoch in ihrer Raserei merkte nichts davon und schaute sowieso in die ganz andere Richtung. Sie ritt schreiend, als wäre die wilde Jagd hinter ihr her.
Warte, dachte Alischa kühl, jetzt kommt meine Rache, und wer weiß, ob dir überhaupt zu trauen ist, du Miststück. Alischa schob sich vorsichtig hinter die rasende Hexe, deren Schoß auf und nieder schnellte, während ihre Lustrufe das Haus füllten. Schneller und schneller wurden die Bewegungen ihres Schoßes, lauter und lauter wurde ihr Stöhnen und Rufen, bis sie sich endlich in einem einzigen langen gellenden Schrei entlud und ihr zuckender Schoß in einen tiefen pressenden Rhythmus wechselte.
Das aber hatte die unkontrollierbaren Reiche in der Seele Tims längst in Wallung gebracht und so kam es, das sich in seinen Lenden längst unaufhaltsam aufbaute, was er ehrlich zurückzuhalten versucht hatte; es zog von den Seiten zu seinem Stößel hin, kam immer näher, immer näher, er versuchte mit aller Macht, es aufzuhalten, er hechelte, er hielt den Atem an, und ... endlich war es nicht mehr zu verhindern ...
Doch in diesem Augenblick sprang Alischa mit einem gewaltigen Satz hinzu und stieß die Hexe in hohem Bogen von Tim herunter. Noch während die Hexe flog, stülpte sich Alischas Mund über den Penis Tims (mehr war nicht zu schaffen) und sein Samen pulste aus seinem Penis heraus tief in Alischas Mund hinein, noch einmal und noch einmal, während Alischa den Lebenssaft Tims augenblicklich hinunterschlang und noch einmal saugte. So tief war der Penis Tims in ihrem Mund, dass Alischa kaum hätte sagen können, wie er wirklich schmeckte, Hauptsache nichts davon preisgeben.
So, du alte Hexe, fauchte Alischa anschließend. Nichts von seiner Lebensessenz hast du bekommen, nichts! Kein winziges Tröpflein! Ich habe all seinen Samen in mir, hörst du?
Die Hexe aber lag wimmernd vor Wut und Enttäuschung auf dem Boden und war auch zu sehr außer Atem, als dass sie irgendetwas gegen Alischa hätte unternehmen können.
Alischa aber zögerte nicht und befreite Tim flugs von seinen Fesseln. Komm, rief sie, schnell weg hier. Und küsste ihn noch schnell auf den Mund. Dann raffte sie rasch ihr Kleid auf, holte die Sachen Tims aus der Ecke, vergaß auch nicht Uniformgürtel mit Gerte und Seilstück, und zerrte den benommenen Tim mit sich und vor das Pfefferkuchenhaus.
In den Waschzuber!, rief Alischa, warf die Anziehsachen hinein und zog Tim, der schließlich mehr in den Zuber fiel, als dass er einstieg. Dann sprang Alischa selbst hinein.
Flieg!, rief sie - und siehe da, der Waschzuber erhob sich mit den beiden in die Luft...
Dorthin, wo der azurblauen Pflasterweg weitergeht!, kommandierte Alischa - und siehe, der Waschzuber machte sich gemächlich auf den Weg.
Alischa war bange, dass die Hexe schneller sein könnte, denn der Waschzuber flog wirklich langsam und zudem geradeso über den Wipfeln der Bäume. Doch sie hatten Glück, die Hexe kam nicht.
Und so flogen sie und flogen und siehe, nach etlicher Zeit war der azurblaue Pflasterweg wieder zwischen den Bäumen zu sehen.
Alischa herrschte den Waschzuber an: Weiter, weiter! Flieg den Weg entlang! - Und der Waschzuber flog schaukelnd weiter und weiter.
Endlich glaubte Alischa, dass die Hexe sie nicht mehr einholen würde und bekam aufatmend wieder einen Blick für die wunderschöne Landschaft von Peridëis. Das Rot der Abendsonne (die direkt über ihnen stand!) und die steilen Felsen des Tals, in denen sich immer wieder das Glitzern von Bächen ausmachen ließ und die mit immer wieder anderen Pflanzen bewachsen waren.
Doch plötzlich näherte sich der Waschzuber zügig dem Boden, setzte hart auf und zerbrach.
Was war denn los?, fragte Alischa Tim, der stumm neben ihr gesessen hatte.
Er wird nicht mehr weiterfliegen, antwortete Tim. Hexenbesen, Waschzuber und Teppiche fliegen immer nur eine gewisse Strecke. Dann werden sie mürbe und gehen kaputt.
Schade, meinte Alischa.
Tröste dich, meinte Tim. Bequem sind diese Dinger nicht und langsam auch. Es gibt eine bessere Art zu reisen, aber die kommt jetzt noch nicht infrage.
Wollen wir lieber noch etwas laufen, um Abstand zu gewinnen?, fragte Alischa.
Ja. Erst einmal weg von hier, antwortete Tim, lass uns ruhig auch mal in der Nacht wandern.
Bist du wieder etwas erholt?, fragte Alischa besorgt. Sie wusste nicht, wie sich so ein Geschehen wie vorhin auf einen Mann auswirkte, der im Zölibat lebt. Und Tim hatte schon wieder eine volle Erektion. Wer weiß, was das für ein Zaubermittel war, das ihm die Hexe gegeben hatte.
Aber ja, es geht mir gut!, antwortete Tim. Und etwas erleichtert fühle ich mich auch. Komm, wir sollten uns anziehen und losgehen.
Alischa lachte. Das ist keine Antwort.
Nein wirklich. Und danke übrigens. Der da (er schaute seinen Penis an) kommt schon wieder runter und hat die Behandlung durchaus erlebenswert gefunden. Aber lass sowas trotzdem nicht zur Gewohnheit werden.
Alischa musste schmunzeln. Gewonnen!, dachte sie. Auf der ganzen Linie gewonnen! Nicht einmal ihr Schoß meldete mehr Ansprüche - die erlangte Genugtuung reichte offenbar. Glücklich zog sie ihr Kleid wieder an, rückte den Rock zurecht und zog ihre Brüste über den großen Ausschnitt. Hm, dachte sie, es sah durchaus prachtvoll aus, wie die Hexe die Brüste über ihr Kleid drapiert hatte. Aber warte, dachte sie, meine wachsen auch noch.
Und beide machten sich wieder auf den Weg. Den azurblauen Pflasterweg. Ab und zu schielte Alischa auf die Hose Tims, die ja dessen Penis freiließ. Er war noch immer steif und gab einen ungewohnten Anblick beim Laufen. Was für ein Zauberpulver, dachte sie! - Aber irgendwann war es schließlich vorbei, denn kein Zauber wirkt ewig.
Darüber wurde es allmählich dunkel. Aber was heißt schon dunkel. Was tagsüber die Sonne genannt wurde, leuchtete in Peridëis des Nachts in einem anderen Farbton als Mond. Viel dunkler natürlich und von anderer Farbe. Es war jedenfalls genug Licht da, um nicht zu stolpern. So schritten sie frisch aus, beide genossen die angenehme Luft der Nacht und Alischa erlebte erneut, wie man in der Nacht durch den Wald laufen und dabei putzmunter und bester Stimmung sein kann. Nur einmal machten sie Rast, als Alischa den Drang verspürte, ihre Milch loszuwerden.
Der Hexensprung
Nach einigen Tagen Wanderung auf dem azurblauen Pflasterweg ragte mitten im Tal auf einem winzigen Hügel eine große goldfunkelnde Säule aus der Erde. Sie war nahezu kreisrund mit einer ebenso runden Spitze, vielleicht fünf oder sechs Meter hoch und mochte einen Durchmesser von einem Meter haben. Prachtvoll glitzerte die goldene Säule im Sonnenlicht. Der Weg aber machte seltsamerweise einen sehr großen Bogen um diese Säule.
Nur Katzengold, sagte Tim. Dass der Weg einen großen Bogen macht, wundert mich nicht. Die Leute haben eine abergläubische Scheu vor Katzengold, weil sie das mit Magie in Verbindung bringen.
Ach, lachte Alischa. Ist ja ein Ding.
Ja genau. Aber weißt du, was wir hier machen können?
Nein. Nicht ich.
Jetzt war es Tim, der lachte. Nein, dafür ist die Säule zu groß. Aber das Ding sieht derartig eindrucksvoll aus, dass wir hier den Hexensprung üben können, das Blitzen. Also die echte Art. Ohne Kristall.
Alischa sah an der Säule entlang nach oben. Es stimmte. Das Ding war so eindrucksvoll, dass man es gut im Gedächtnis behielt, wenn man es sich nur einmal angeschaut hatte.
Was muss ich tun?, fragte Alischa.
Nimm erst einmal deinen Katzengold-Kristall aus der Tasche, damit keine Versehen passieren.
Alischa gab ihm den Kristall.
So, sagte Tim, schau dir die Säule ganz genau an und präge dir auch Kleinigkeiten davon ein, wenn dir welche besonders auffallen. Das behalte alles als Bild in deinem Gedächtnis. Anschließend mach die Augen zu.
Alischa machte es und schloss anschließend die Augen.
Behalte die Augen zu, sagte Tim. Ich führe dich jetzt ein paar Meter weiter fort.
Alischa spürte, wie Tim sie auf dem azurblauen Pflasterweg fortführte. Schwer zu sagen, wie weit.
Tim stand hinter Alischa.
Dann sagte Tim: Jetzt stelle dir die Säule noch einmal ganz plastisch vor, so intensiv wie möglich. Entspanne dich, sei ruhig und entspannt, entspanne deine Muskeln, denke an nichts als die Säule.
Und er setzte mit lauter Stimme nach: Und nun wünsche dich so intensiv wie möglich zur Säule hin.
Nichts geschah.
Macht nichts, sagte Tim, das klappt fast nie sofort. Mach die Augen auf!
Sie gingen wieder zurück zur goldenen Säule.
Dort wieder angekommen, sagte Tim: Stell dir vor, alles hier, also Peridëis, und die Säule, und du selbst, wie du hier bist, all das hier wäre wirklich ein Traum oder ein Theater oder auch eine virtuelle Realität wie in einem utopischen Roman. Auf die Weise kannst du besser das Gefühl entwickeln, dass der Sprung wirklich funktioniert. Du sitzt quasi am Faden der Marionette, statt die Marionette selbst zu sein, die den Ereignissen hilflos ausgeliefert ist. Weißt du, einfach als Denkkrücke. Welche dieser Beispiele würde bei dir am besten funktionieren?
Gar keins davon. Eher Zauberei und Märchen und Hexe.
Echt? – OK, nehmen wir das. Dann stell dir vor, du bist wirklich in einem Märchen und du bist eine Hexe, eine echte Hexe, und du wirst jetzt von hier verschwinden und neben der goldenen Säule wieder auftauchen. Jetzt noch einmal die Säule intensiv anschauen und die Augen schließen.
Sie versuchten es erneut.
Noch einmal.
Und noch einmal.
Und noch einmal.
Als Alischa anfing, an sich zu zweifeln, führte es ihr Tim vor. Er sah die Säule einen Augenblick lang konzentriert an, drehte sich um und ging mit offenen Augen, aber nach innen gekehrtem Blick, hundert Meter weiter weg und...
Grüner Blitz! Knall! Schwefelgestank und Wolke!
Die Uniform Tims fiel auf den Boden, während er selbst blitzartig verschwand und Bruchteile von Sekunden später splitternackt genau neben der Säule wieder auftauchte.
Splitternackt. Alischa empfand das genau so, denn während Tim sie sehr oft nackt zu sehen bekam, war es umgekehrt nicht so. Er hatte fast immer diese Uniform an. Nur sein Penis lag frei. Immerhin konnte Alischa so dessen ganz eigenen Willen verfolgen, aber Tim ganz und gar nackt war noch eine ganz andere Sache. Vielleicht spürte Tim das und wollte sie nicht provozieren.
Alischa klatschte Beifall und ließ sich nicht anmerken, wie sehr sie der Anblick Tims bewegte.
Tim rannte flink los und holte seine Uniform. Als er sie angezogen hatte, legten sie eine Pause ein. Als sie fertig gegessen hatten, legte sich Alischa seitlich hin und hob eine Brust als Angebot zum Trinken an. Tim legte sich neben sie und sog ihre Brustwarze in seinen Mund. Als Alischa spürte, wie ihre Milch zur Brustspitze hin zu drängen begann, gab sie dem Wunsch nach, sich Entspannung zu verschaffen und ließ ihren Finger in den Schoß gleiten. Es musste sein.
Irgendwann kam Alischa die Große Entspannung. So hatte es Tim einmal genannt.
Irgendwann hatte Tim Alischas Brüste leergetrunken. Sein Penis war steil aufgerichtet.
Soll ich irgendwas machen?, fragte Alischa entschuldigend, Ich konnte nicht anders.
Nein, gar nichts, sagte Tim. Das ist schon gut so. Vergiss nie, dass ich mich freiwillig so entschieden habe. Und übrigens: Ablenkung hilft am besten. Los - weiter geht es!
Es war trotzdem ein interessanter Anblick, Tim bei normalen Handlungen mit einem steil aufgerichteten Penis zu sehen.
Sie übten. Noch einmal und noch einmal.
Und endlich:
Grüner Blitz! Knall! Schwefelgestank und Wolke!
Alischa hörte das Jubeln Tims aus ziemlicher Entfernung. Sie öffnete die Augen. Sie war 50 oder 60 Meter von Tim entfernt!
Tim kam begeistert angerannt: Du hast es geschafft! Du bist großartig!!!
Es war nicht so, dass Alischa direkt neben der Säule gelandet wäre, aber immerhin...
Sie übten beide noch einige Stunden lang. Nicht immer gelang es und manchmal landete Alischa sogar direkt neben der Säule, meist aber nur sehr ungenau irgendwo in der Nähe.
Irgendwann war Tim zufrieden. Sie verbrachten die Nacht neben der Säule und Tim molk ihr zum Gefallen ihre Brüste nach langer Zeit wieder einmal mit den Händen aus. Alischa gestand ihm, dass sie das besonders mochte. Danach erlaubte ihr Tim noch einmal, sich an ihn gekuschelt zu befriedigen. Nur als ihre Hand unter seine Uniform wanderte, legte er diese vorsichtig wieder auf ihren eigenen Körper zurück und Alischa murmelte eine Entschuldigung.
Am nächsten Morgen schlugen sie sich aus einem der zahlreichen unterirdischen Gänge, die in die Felsen des Tals führten, neue Kristalle aus der Wand. Man kann nie wissen. Aus der Säule wollte Tim sie nicht schlagen, Naturschönheiten beschädigt man nicht. Dann machten sie sich wieder auf den Weg.
Der See
Einige Tage später öffnete sich das Tal, der azurblaue Pflasterweg führte etwas abwärts und, siehe da, ein großer dunkelblau glitzernder herrlicher See versperrte ihnen den Weg und der azurblaue Pflasterweg führte direkt ins Wasser hinein, als würde er mitten durch den See gehen.
Geht’s hier weiter?, fragte Alischa.
Hier geht’s weiter, bestätigte Tim.
Dann will ich baden! Sofort! Alischa jubelte auf, rannte augenblicks zum Ufer des Sees, warf das Kleid ab und sprang nackt hinein.
War das wunderbar! - Alischa hatte längst das Gefühl gehabt, in ihrem Kleid festzukleben. Und das Wasser war nicht zu warm, nicht zu kalt, auf jeden Fall aber etwas wärmer, als es die heimatlichen Badeseen im Sommer meist waren. Alischa schwamm auf den See hinaus.
Tim, der das Gepäck zu tragen hatte, folgte gemächlicher, am See angekommen warf er aber seine Büttel-Uniform ab und sprang in den See.
Wunderbar!, rief Alischa wieder und bewegte sich auf Tim zu. So schwammen sie und tauchten, bis beide halbwegs erschöpft und erfrischt waren.
Alischa kroch auf allen Vieren durchs seichte Uferwasser und entschied sich, im Wasser sitzen zu bleiben. Nur ihr Kopf schaute aus dem Wasser heraus und sie blickte über den See. Tim setzte sich neben sie. So betrachteten sie alle beide schweigend die schöne Landschaft am Ufer des Sees.
Am gegenüberliegenden Ufer erkannte Alischa einen weißen Strand und hinter diesem wieder den dichten Urwald, der das Tal gewöhnlich füllte. Rechts wurde der See durch eine steile Felswand begrenzt und an mehreren Stellen stürzte Wasser den Felsen hinab in den See hinein. Links wurde der See ebenfalls durch einen hohen Felsen begrenzt, aber genau in der Mitte klaffte eine breite Lücke. Man sah darin breite Terrassenstufen, die immer schmaler werdend hinaufführten. Wo sie hinführten, war von hier aus nicht zu sehen. Sie würden einen Abstecher dorthin machen, hatte Tim Alischa versprochen und so fiel es Alischa nicht schwer, ihre Neugier zu zügeln und den Moment zu genießen.
So saßen sie im Wasser, beschauten die Gegend, schwatzten über dieses und jenes und ließen es sich wohl sein. Und während sie so erzählten, ließ Alischa ihre Finger an diesen und jenen Stellen ihres Körpers herumspielen. Erst waren die Zehen dran (wer pult schon nicht zwischen den Zehen herum), dann wanderten sie an die unterschiedlichsten Stellen des Körpers, vor allem die Körperhöhlen (auch so weit sehr vernünftig), schließlich spielten ihre Finger etwas zwischen den Schenkeln, was ja ebenfalls menschlich ist, irgendwann aber landeten sie an der Falte unter den Brüsten, wobei Alischa hier nichts zu fassen bekam, weil die Brüste schwerelos im Wasser schwebten und so dem Wasser bereits einen säubernden Zugang verschafft hatten, womit selbst Frauen, die es mit der Reinigung völlig übertrieben, beim besten Willen nichts mehr zum Putzen gefunden hätten. So kam es, dass Alischas Finger aus halb aus Langeweile und halb aus Lust ein wenig an den Brustwarzen herumzogen. Warum auch nicht. Doch die Sache hatte etwas Ästhetisches: Eine weiße Unterwasserfontäne sprühte heraus und verteilte sich im klaren Wasser des Sees als hübsches weißes Wölkchen. Alischa probierte es gleich noch mal und wieder. Gar kein uninteressantes Spiel, einen Unterwasser-Fotoapparat müsste man haben! Aber irgendwann ließ Alischa auch davon ab, lehnte ihren Oberkörper etwas zurück, schaute in die Ferne und döste im angenehmen Wasser.
Doch plötzlich kreischte Alischa auf: Sie hatte eine schnelle Bewegung im Wasser bemerkt und dann gespürte, wie sich etwas Warmes um die Brustwarze ihrer rechten Brust schloss und augenblicklich festsaugte. Noch während Alischa erschrocken aufsprang, geschah das Gleiche an der linken Brust. Erst warm, dann sofort festsaugend. Was war das?!
Alischa war aufgesprungen und stand nun im seichten Wasser, alles ab dem Schoß aufwärts war draußen.
An ihren beiden Brüsten hingen zwei blaue Fische mit großen runden Augen und dicken Kusslippen. Sehr hübsche Fische, vielleicht 30 Zentimeter lang, wohlgerundet, aber nicht kugelrund.
So hübsch sahen sie aus, dass Alischa es nicht wagte, heftig an den Fischen zu zerren, um sie von ihren Brüsten abzubekommen. Die aber saugten kräftig und hatten es unzweifelhaft auf die süße Milch abgesehen, die aus Alischas Brüsten zu bekommen war.
Was es nicht alles gab in Peridëis!
Und wohl wurde es Alischa mit einmal.
Sehr ... sehr ... angenehm ... wohl.
Warme Schauer durchliefen ihren Körper, Trägheit erfasste sie und die Welt um sie herum erschien mehr und mehr fern und unwichtig. Sanfte Schauer wallten durch ihren Körper zu den Brüsten hin, von Lustempfindungen begleitet, die ihren Schoß nicht leer ausgehen ließen. Alles wurde sehr bunt. Und alle Geräusche waren wie traumhaft schöne Musik. Alischa torkelte zum Ufer hin.
Nur ganz aus der Ferne nahm Alischa wahr, wie Tim zu ihr sprach. Er versuchte wohl, sie zu beruhigen.
Irgendwie landete sie auf seinen Armen und er trug sie irgendwo hin.
Wohin denn?
Egal.
Eine Art Boot.
Aha.
Treppen.
Ah ja.
Dann Räume.
Ein Bett.
Ein wohliges Bett in einem wunderbaren Raum.
Woran erinnerte der Raum?
Egal.
War das schön, dieses Gefühl.
Und die blauen Fische waren so hübsch!
Mochten die hübschen blauen Fische doch saugen ... an ihren beiden Brüsten.
Hauptsache nicht einschlafen, damit sie nichts von diesen wunderbaren Lustwellen in ihrem Körper versäumte.
Ein tiefer Rhythmus, noch mehr Wellen der Lust ... und Alischa war eingeschlafen.
Es folgten nebelhafte Phasen halber Wachheit in tiefer Trance, verbunden mit unendlicher Lust, ausgelöst durch die unglaublich hübschen blauen Fische, die an ihren Brüsten saugten, ohne diese loszulassen.
Dunkel bemerkte Alischa, wie ihr ein Becher mit Wasser an den Mund gesetzt wurde, mechanisch trank sie, aß, was ihr gereicht wurde, lächelte Tim dankbar dafür an, dass er sie umsorgte, und dann ließ sich wieder in die Welt der Lustträume zurücksinken.
Der Tempel der Anka
Nach drei Tagen wachte Alischa wieder auf. Tim hatte erzählt, dass so viel Zeit vergangen war. Alischa fühlte sich benommen und hatte einen leichten Kater. Sie schaute an ihrem Körper hinunter: Die hübschen blauen Fische mit den großen Augen und dem Kussmund waren weg. Oder war das alles nur ein Traum gewesen? Nein, offenbar nicht, denn ihre Brüste fühlten sich an, als hätten tonnenschwere Gewichte drangehangen, wären durch eine Wäschemangel geleiert worden und anschließend wie Luftballons prall aufgeblasen worden. Und danach wieder ausgelutscht. Und wieder von vorn. Irgendetwas in der Richtung. Aber man sah ihnen nichts an. Deutlich voller wirkten sie; wobei es das Wort »praller« vielleicht noch besser traf. Vor allem an den Seiten.
Was war das?, fragte Alischa.
Fische, antwortete Tim. Einfach Fische. Ab und zu bekommen die einen Rappel. So wie unsereiner plötzlich Schokoladenhunger kriegt. Entschuldigung, dass ich dich nicht gewarnt hatte. Aber keine Bange, gefährlich sind die Fische nicht ... nur etwas ... intensiv. Tut mir wirklich leid, aber irgendwann hättest du die Fische ohnehin kennengelernt oder sogar ganz freiwillig gesucht. Wahrscheinlich war Milch aus deiner Brust ausgetreten und das hat sie angelockt.
Alischa kam eine Erinnerung hoch und knurrte. Da bin ich wohl selber schuld, sagte sie, ich hatte dran herumgespielt und mit den Fingern Milch rausgedrückt. Es sah lustig aus, wie sich die Milchwolken unter Wasser verteilten.
Das wird es gewesen sein, antwortete Tim. Weißt du, die Fische in Peridëis leben sozusagen in Symbiose mit den Säugetieren. Für sie auf der einen Seite ist die Milch wohl einfach ein Leckerbissen. Und auf der anderen Seite gibt es Frauen, die diese Fische gezielt suchen.
Die Fische sind wie eine Droge?
Ja, das auch. Damit du den Fisch nicht von der Brust abreißt oder ihn verletzt, sondert er eine starke Droge ab. Vielleicht befördert das sogar etwas den Milchfluss [39]. Die Wirkung der Droge dürftest du ja mehr als deutlich verspürt haben.
Mehr als deutlich.
Um die Erfahrung beneide ich dich etwas, denn um Männer scheren sich diese Fische nicht. Da gibt’s anderes ... aber lassen wir das, es ist ein anderes Thema. Die Fische jedenfalls saugen sich für ungefähr drei Tage fest und leben von dir.
Auch außerhalb des Wassers?
Ja, auch außerhalb. Nach etwa drei Tagen lassen sie von alleine wieder los. Ich habe die beiden Fische zum See zurückgebracht.
Aber wenn keiner da ist, der das macht?
Ohne mich wärst du ja nicht weit vom See weggekommen.
Es wäre schade um die wunderhübschen Fische gewesen, sagte Alischa leise, obwohl sie wegen des Katers nicht die beste Laune hatte.
Es gibt Frauen, die völlig in diese Fische vernarrt sind, antwortete Tim, aber sei vorsichtig damit: Das kann zur ernsten Sucht werden und nicht nur eine Frau hat sich völlig vergessen daran und ist bis auf die Knochen abgemagert.
Und dann?
Prinzipiell schwellen die Brüste an, um dem Bedarf gerecht zu werden, der an den Brustwarzen angemeldet wird. Aber nur so lange, wie dein Körper auch gefahrlos liefern kann. Sobald aber dein Körper ernsthaft angegriffen wird, trocknen die Brüste aus [40], die Fische wollen dich nicht mehr und lassen los. Aber solche Frauen geraten nicht selten in eine Schleife von wahren Fressorgien, die sich mit Phasen von dumpfer Rausch-Lethargie abwechseln, bis Peridëis sie rausschmeißt, wenn sie Besucherinnen sind. Bewohnerinnen von Peridëis natürlich nicht, die sind fester Teil von Peridëis und können gar nicht raus. Die Fische werden sogar gefangen und in versteckten Teichen ausgesetzt, um sie für diese Orgien zur Verfügung zu haben.
Aber warum tut man nichts dagegen?
Tim zuckte mit der Schulter. In Peridëis ist jedes Land anders, jedes Städtchen, jedes Dorf hat eigene Sitten. Und wenn du in der freien Natur lebst oder in einem einsamen Häuschen, dann machst du sowieso, was du selber willst. Also ist es deine eigene Entscheidung. Aber es finden sich Leute, die Mitleid haben und solche Frauen auflesen. - Auf der anderen Seite haben die Fische aber auch einen wirklichen Nutzwert, denn weil sie die Brüste sehr stimulieren, wird die Milchproduktion stark angeregt. Bei manchen Frauen hat sich die Milchmenge nur durch die Fische in drei oder vier Tagen von einem halben Liter auf zwei volle Liter gesteigert!
Ehrlich!?
Aber ja, wir können es nachher gleich probieren. Du wirst zugeben, dass das ein echter Nutzen dieser Fische ist.
Alischa knurrte: Wenn bloß der Kater nicht wäre ...
Man kann nicht drei Tage ohne Pause im Rausch sein, ohne dass das Folgen hat. Aber etwas Bewegung und eine kühle Dusche reicht, und der Kater ist wie fortgeblasen. Komm, da hinten ist eine gute Waschgelegenheit, danach essen wir was, ich befreie dich von deiner Milch und hinterher geht es dir garantiert wieder besser!
Alischa schaute sich erst jetzt richtig um. Wo sind wir?
In einem Felsentempel. Erinnerst du dich? Am oberen Ende der großen Terrassentreppe. Schau aus dem Fenster!
Alischa stand aus ihrem Bett auf und trat an das reich verzierte Holzgitter, das die Felshöhle nach außen abgrenzte. Was sie sah, erinnerte sie an einen Tempel aus dem alten Ägypten. Sie waren etwa zehn Meter über dem See, rechts gingen die Terrassenstufen zum See hinunter; direkt vor ihnen endeten die Stufen auf einem Plateau, das vielleicht dreißig mal dreißig Meter im Quadrat messen mochte und mit gelben Steinen ausgelegt war. Etwa in der Mitte stand ein hölzerner Pfahl, der zweieinhalb Meter hoch sein mochte und im oberen Teil einen Metallring trug. Sollte es hier Opferungen geben und an diesem Ring wurde das Opfer gefesselt?! Im hinteren Teil des Plateaus sah Alischa einen stark erhöhten steinerner Thron. Zu dessen Füßen schloss sich etliche Stufen tiefer ein quadratischer Altartisch mit dicker Decke an, der wiederum über einige Stufen bequem erstiegen werden konnte. Wer auf dem Thron saß, mochte einen hervorragenden Blick auf den See und die breite Treppe haben, die zum Plateau hinaufführte. Der Altar war wie der Thron aus gelbem Stein gebaut, aber oben mit einer dicken schwarz-gold bestickten Decke bedeckt. Das hintere Ende des Plateaus war von hohen Säulen gesäumt und links und rechts befand sich in vielleicht zwei Metern Höhe je eine Reihe von Fenstern, deren Öffnungen mit verzierten Holzgittern versehen waren. Durch ein solches Fenster schauten Alischa und Tim gerade nach außen. Das untere Ende der Terrassenstufen grenzte direkt am Wasser, unterbrochen von einigen quaderförmigen Steinen, die als Poller dienen mochten, um daran die Bootsleinen zu schlingen. Eingerahmt wurde die Terrassentreppe von den üblichen hohen Felsen, die die unzähligen Täler von Peridëis säumten. In Höhe der Treppe sah Alischa Zeichnungen an den Felswänden. Sie waren zu weit weg, um Genaueres erkennen zu können, waren aber eindeutig Motive aus dem alten Ägypten.
Der herrliche See war von hier aus leider nur teilweise zu sehen. Die Felsen der gegenüberliegenden Talseite mochten einen Kilometer entfernt sein und Alischa konnte trotz des eingeschränkten Blickwinkels immerhin erkennen, dass der See das Tal von der einen bis zur anderen Seite absperrte.
Doch viel Zeit zum Schauen blieb nicht, denn Tim zog Alischa durch einen Gang, an dessen Ende sich zwar kein komfortabler Wasserfall fand, aber immerhin eine ergiebige Quelle. Tim ersetzte die fehlende Dusche durch einen Holzeimer, den er immer wieder füllte und über Alischas Kopf goss.
Der Kater verflog rasch und Alischa merkte, dass sie einen Mordshunger hatte.
Hunger. Hunger? War da was?
Um Himmels willen!, fuhr Alischa auf, ganze drei Tage! Brauchst du nicht furchtbar dringend Milch?
Was das anbelangt, hatten wir großes Glück, antwortete Tim. Noch einen Tag länger und es wäre in der Tat mulmig für mich geworden. Ich sollte in Zukunft immer einen Notvorrat extra abmelken. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich so schnell in Bedrängnis geraten könnte. Trotzdem...
Komm!, sagte Alischa und hob mit der Hand ihre rechte Brust entgegen. Trink!, sagte sie.
Als hätte Tim nur auf dieses Signal gewartet, drängte er Alischa gegen die Felswand, ergriff die angebotene Brust mit beiden Händen und saugte sich augenblicks fest. Alischa atmete heftig aus, weil sie spürte, dass ihr die Milch sofort einschoss. Auch die freie Brust reagierte und entleerte ihre Milch ohne fremdes Zutun dorthin, wo sich ihre beiden Körper aneinanderdrückten. Der Druck der Körper schien das noch zu verstärken, denn es schien wirklich viel Milch zu fließen. Tim führte seinen linken Arm auf Alischas Rücken, während sein rechter Arm einfach zwischen ihre Beine fuhr und von dort ihren Hintern packte. So hob er Alischa an, ohne auch nur einen Augenblick ihre Brust aus seinem Mund zu lassen. Mit Alischa auf dem Arm und gierig trinkend lief er zurück in den Schlafraum, in dem sie zuvor gewesen waren. Hatte er die ganze Zeit darben müssen? Im Schlafraum angekommen legte er sie zurück aufs Bett, noch immer ohne von ihrer Brust abzulassen, und schob sich neben sie. Gierig sog er Schluck um Schluck, und Alischa, die einen großen Druck in der freien Brust spürte, hatte es schwer, ihn dazu zu bewegen, auch ihre andere Brust zu leeren. Dann gelang es ihr, und so kam auch die andere Brust zu ihrem Recht. Eigentlich seltsam, dachte Alischa, dass die Brust noch drückt, obwohl sie ganz von alleine schon so viel Milch verloren hatte. Die Bettdecke unter ihnen war jedenfalls nass und ihr Leib auch.
Endlich ließ Tim nach.
»Angenehm leere Brüste«, dachte Alischa und so fühlten diese sich auch beim Anfassen an. Seltsam. Ein solcher Gedanke ihre Brüste betreffend war ihr früher nie gekommen. Vor allem nicht als etwas Schönes und Angenehmes, Erstrebenswertes. Sie fühlte Stolz.
Du kannst die rausgetropfte Milch gut zur Hautpflege nehmen, riet ihr Tim.
Auch eine Idee. In Alischas Bauchfältchen wie im Bauchnabel fanden sich durchaus erhebliche Mengen, die Tim zuerst im Gesicht und dann auf dem restlichen Körper verrieb. Alischa half ihm. Die Milch trocknete schnell und das anfängliche klebrige Gefühl verwandelte sich in eine angenehme Hautspannung.
Kleopatra hatte nichts Besseres, lachte Tim. - Die römische Kaiserin Livia hat sich angeblich Tausende deutsche und gallische Frauen kommen lassen, die ihre Milch in silberne Wannen spritzen mussten. Und Livia hat dann mit andern unzüchtigen Römerinnen darin gebadet [41]. Aber jetzt komm, ich zeige dir, wer zumindest einmal Erste Hilfe für mich geleistet hat.
Alischa wurde neugierig. Doch ... wo war ihr Kleid? Alischa sah sich suchend um.
Ich hab dein Kleid waschen lassen, wenn es das ist, wonach suchst, kommentierte Tim, der ihre Blicke aufgefangen hatte, aber du wirst langsam ein neues brauchen. Die Farbe hat ziemlich nachgelassen und einige Stellen sind etwas hinüber. Tim griff in eine Kiste, holte das gewaschene Kleid heraus und gab es Alischa.
Alischa wendete das Kleid hin und her. Was für ein Jammer, dachte sie, als sie ihr Kleid begutachtete, es sah so hübsch aus.
Tim half ihr beim Anziehen, und als sie fertig waren, kommentierte er: An dir dran sieht es gleich viel prachtvoller aus, aber wir schauen bei Gelegenheit vielleicht trotzdem mal, ob wir was Neues finden.
Beide gingen schweigend in den Felsengang zurück. Tim in seiner seltsamen Uniform mit Gerte an der Seite statt einem Säbel und mit freiem Penis, und sie in ihrem Kleid, dessen auffälligster Schmuck die freiliegenden Brüste waren. Als Tim am Ende des Gangs eine der Holztüren öffnete, blickte Alischa auf einen reich gedeckten Tisch ... und zu ihrer Überraschung: Auf eine andere Frau. Alischa schrie vor Verblüffung auf.
Na na, lachte die andere Frau, ich bin kein Geist und auch nicht gefährlich. Sie vollführte vor Alischa einen Knicks. Einen formvollendeten, bei dem sie die Zehenspitzen des rechten Beins hinter das linke Bein setzte. Und dabei hoben ihre beiden Hände den Rockteil ihres Kleids leicht an. Ach ja, das Kleid, es ließ wie Alischas Kleid die Brüste frei. Aber das Kleid wie auch der Kopfschmuck und die Haartracht passten sich in die Umgebung ein: Dem alten Ägypten.
Alischa versuchte ebenfalls einen Knicks, bekam ihn aber nicht ganz hin.
Beide Frauen und Tim lachten gleichzeitig los. Den Knicks musst du aber noch üben, meinte die Frau schnippisch, den hat Tim dir nur sehr schlampig beigebracht.
Ich kann ja nicht alles, knurrte Tim. Der Knicks ist hier bei Frauen übrigens die übliche Begrüßung.
Hab ich durchaus selber bemerkt und selber gemacht, sagte Alischa schnippisch.
War ja auch in Ordnung. Aber ich kriege das nicht hin, also kann ich es auch nicht zeigen. Lass dir bloß nicht einfallen, eine Verbeugung zu machen. Das macht man nur als Unterwerfungsgeste gegenüber hochrangigen Personen, weil es die Bedeutung hat, dass du bereit bist, dich von dieser Person melken zu lassen. Oder bei anderen förmlichen Gelegenheiten, wenn du ausdrücken willst, dass dein Gegenüber ein Recht auf deine Milch hat.
Ein Recht auf meine Milch?! echote Alischa.
Zum Beispiel, wenn du sie verkauft hast oder dergleichen. Die Verbeugung bedeutet in einigen Gegenden dann die Besiegelung des Geschäftsabschlusses. Lass dir deshalb ja nicht einfallen, im Alltag eine Verbeugung zu machen.
Gibt’s noch mehr solcher Sachen zu beachten? Sag’s mir rechtzeitig, nicht dass ich einem Mann stets eine blasen muss, sobald ich den Mund aufmache.
Die armen Männer – das wäre zu viel verlangt! - Tim sagte es laut lachend, bekam dafür von Alischa aber einen beachtlichen Hieb in die Seite verpasst. Er wurde wieder ernst: Nein, es gibt keine komplizierten Regeln, sagte er, - dass du Milch geben willst, zeigst du ganz direkt, indem du eine Melkbewegung an der Brust mit Daumen und Zeigefinger andeutest. Damit du auf gleicher Ebene beziehungsweise bestimmst sogar die Situation. Genauso eindeutig kannst du auch Sex initiieren, wenn du ihn gerade brauchst. Zeig es eindeutig und fertig.
Und was ist mit dieser Geste, wo man als Frau die Brüste anhebt?
Du meinst das Peridëis-Symbol?
Ja.
Hm, schwierig, antwortete Tim. Das hat eine allgemeinere Bedeutung. Grundsätzlich bedeutet es natürlich die Bereitschaft, seine Milch zu geben, aber es kann auch heißen »Siehe, ich bin eine Frau!« oder »Ich habe Milch« oder »Ich mag dich sehr«, aber jedenfalls ohne dass es zwingend eine Aufforderung ist. Es ist eher ein allgemeines Symbol grundsätzlicher Bedeutung.
So, genug, mischte sich die fremde Frau ein, ich zeige dir nur noch einmal den Knicks, weil es peinlich ist, den nicht zu können. Aber dann geht’s zum Essen - du hast bestimmt einen Mordshunger.
Sie zeigte Alischa noch einmal den Knicks und nach drei oder vier Versuchen klappte es leidlich.
Alischas Magen schmerzte mittlerweile tatsächlich vor Hunger. Vorher mochte er noch abgelenkt gewesen sein, aber jetzt pochte er auf sein Recht und nichts schien Alischa wichtiger, als sich den Bauch vollzustopfen.
Sie nahmen am Tisch Platz, wobei Alischa sich direkt an die Fensteröffnung setzte, der den besten Ausblick auf draußen bot. Was auf dem Tisch stand, muss man kaum erwähnen; es waren die üblichen Köstlichkeiten von Peridëis in reicher Menge, allerdings diesmal mit orientalischer Note.
Die Frau klatschte in die Hände und wenige Augenblicke später huschte eine weitere Frau herbei. Sie trug nur ein feines goldenes Kettchen um die Taille, goldene Arm- und Fußreife und ein enganliegendes goldenes Halsband, aber ansonsten war sie nackt. Eine Sklavin. Die Frau war sehr zierlich, fast knabenhaft gebaut, mit sehr kleinen prall wirkenden Brüsten, die durch zahlreichen feine Adern interessant verziert wurden. Das und ihre aufreizend zerklüfteten Brustspitzen ließen ahnen, dass diese Brüste eher spritzten als tropften, wenn man sie reizte.
Die Dienerin brachte auf einem silbernen Tablett eine Kanne mit frischem Kaffee und eine weitere Kanne mit heißem Wasser, das für die Zubereitung von Tee gedacht sein mochte. Alischa ließ sich Kaffee reichen. Aber ihre dunkle Ahnung, dazu Milch frisch aus der Brust der Dienerin serviert zu bekommen, erfüllte sich nicht. Die Milch wurde auf ganz gewöhnliche Weise in einem Tonkännchen gereicht. Trotzdem sahen die Brüste der Dienerin verdächtig nach sehr viel Milch aus. Pah! Alischa goss sich reichlich ein, Hälfte Kaffee, Hälfte Milch. Jetzt war sie in Peridëis, was scherten sie die Sitten des Diesseits, wenn die Dienerin gute Milch gab. Sie kostete trotzdem mit spitzen Lippen, war über das Resultat aber sehr zufrieden.
Der Gastgeberin waren Alischas Blicke nicht entgangen und kommentierte: Meine Sklavin bekommt nur bestes Essen und ihr Körperduft ist betörend. Ihre Milch ist allererster Güte!
Dankeschön, meinte Alischa und tat, als wäre das die größte Selbstverständlichkeit der Welt, wurde aber rot. Und ihr rutschte die ganz unnötige Bemerkung heraus, dass bei Licht betrachtet das Trinken von Tiermilch die größere Sauerei wäre.
Man merkt, dass du neu in Peridëis sein, lachte die Gastgeberin und stellte sich vor: Ich heiße übrigens Anka. Jedenfalls hier in Peridëis.
Mein Vater wollte mich eigentlich Alicia nennen, antwortete Alischa kauend, aber das hat meiner Mutter nicht gefallen und so haben sie sich auf Alischa geeinigt. Der Name soll aus Indien kommen.
Ich komme aus Ägypten, aus dem sogenannten modernen Ägypten, antwortete die Frau, und mein echter Name ist todlangweilig, weil er wegen seiner religiösen Bedeutung in Ägypten so oft vorkommt. Deshalb tut er auch nichts zur Sache, wenn du verstehst, was ich meine...
Ja natürlich, stotterte Alischa, aber glaubst du an ... bist du ... oder doch nicht?
Muslimischen Glaubens? - Ein wenig. So wie alle. Ich suche mir heraus, was in meine Lebenswelt passt und gut ist, und vertraue ansonsten darauf, dass Allah es mir schon machen wird.
Jetzt war es Alischa, die laut loslachte.
Dann schaute sich Alischa die Frau neugierig näher an. Die Frau, die sich Anka nannte, war nur wenig älter als Alischa, vielleicht Mitte zwanzig. Die Frau, also Anka, trug pharaonischen Schmuck, ein pharaonisches Kleid und der Raum war ... natürlich ... pharaonisch eingerichtet. Allerdings wirkte der Raum weniger streng als auf den Bildern, die Alischa bisher gesehen hatte. Eine orientalische Note war deutlich darin erkennbar. Das Kleid passte dagegen gar nicht zum Orient: Das Kleid Ankas war aus weißem Stoff gefertigt und so dünn, dass er die Körperlinien durchscheinen ließ. Das Kleid begann unterhalb der Brüste, die frei blieben, und wurde von zwei verzierten Tragbändern über die Schulter festgehalten. Unten reichte das Kleid bis zu den Knöcheln, wo es in einer schwarz-goldenen Borte endete. Um die Hüften war ein ebenso schwarz-goldenes Hüftband geschlungen, dessen Enden vorne herunterhingen.
Alischa platzte heraus: Wie bist du hierher gekommen und was machst du hier?
Anka antwortete: Eigentlich bin ich studierte Ägyptologin. Aber als solche bin ich ehrlich gesagt eine miserable Wissenschaftlerin. Es ist eher so, dass ich eine ausgeprägte ästhetische Faszination für die alte Zeit habe, richtig einen Fetisch, besonders für die Pharaonen, wie du siehst, aber auch für andere alte Völker. Und wie das mit einem Fetisch so ist: Ich suche gar nicht die wirkliche Realität der Pharaonenzeit, sondern habe ein bestimmte Fantasie darüber. Wie eine Schriftstellerin. Ich suche mir heraus, was mir gefällt und ändere, was mir nicht passt. Das war mir noch nicht von Anfang an klar, aber hier ist es mir klargeworden. Und was dabei herauskommt, lebe ich hier aus, indem ich mich von den Einwohnern als Tempelpriesterin anbeten lasse.
Alischa riss die Augen auf: Du lässt dich anbeten? So richtig? Hast du deinen eigenen Kult erfunden?
Eigentlich schon, antwortete Anka, wobei ich es vorziehe, von »offenbaren« und »verkünden« zu sprechen. (Anka zwinkerte Alischa zu.)
Schon klar, antwortete Alischa großzügig.
Eine bessere Beschreibung wäre aber trotzdem, dass es »mir geschieht«. Vieles von meinem Leben hier habe ich gar nicht bewusst initiiert, eher ist es wie in einem Traum: Da passieren plötzlich Dinge, die irgendwie mit dir zu tun haben, mit verborgenen Wünschen und Sehnsüchten, aber auch Aggressionen, die man in sich hat. Und dann geschehen Dinge. Manchmal Dinge, da denkst du erschrocken: »Wie verwerflich!«. Aber sie geschehen. Und so nimmst du sie. Und du merkst, dass sie dir gut tun. Und plötzlich passiert etwas, dass dir gar nicht gefällt und du denkst, warum passiert das jetzt? Und hinterher merkst du, dass dir das aber langfristig gut tut. Und so geschehen hier Dinge und ich lasse sie geschehen. Meine eigene Welt hier ist ein wenig sumerische und ein wenig ägyptische Kultur, mit mir selbst als Zentrum. Weißt du, ich wollte anfangs schon wirklich gerne als Archäologin arbeiten, so ganz ernsthaft und ohne Spinnerei dabei. Aber ich habe es nur bis zur Fremdenführerin gebracht und wäre auch kaum weitergekommen. Wenn überhaupt. Denn selbst mit einem guten Ehemann sorgt die Familie dafür, dass du nicht aus der Reihe tanzt, und selbst mit einer guten Familie wird die sich dem Druck der Nachbarn beugen. Schicksal der meisten Frauen! Was noch gar nicht das Problem ist, wenn man sein Schicksal wenigstens frei wählen dürfte. Jedenfalls wäre ich vielleicht nur eine durchschnittliche Mutter mit einem Pharaonen-Hobby geworden, das der Ehemann finanziert. Aber es passierte etwas: Ich hatte das unglaubliche Glück, ein bisher völlig unbekanntes Felsengrab zu entdecken. Nur ein kleines, und auch das schon ausgeraubt, wahrscheinlich bereits vor Jahrhunderten. Nur im vorderen Teil schien jemand in der Neuzeit zugange gewesen zu sein, denn dort waren einige Bilder aus der Wand herausgebrochen worden, was nach Leuten aussah, die mit zweifelhaften Souvenirs ihr Geld verdienen. Ansonsten war das Grab aber unbekannt, und an den verbliebenen Bildern und verschiedenen Details wurde schnell klar, dass es ein sehr ungewöhnliches Grab war. Die Besonderheit dieses Grabs war ganz und gar meine eigene Entdeckung, wisst ihr? Meine! Ich hatte meinen kleinen Bruder eingeweiht und habe das Grab mit seiner Hilfe in aller Heimlichkeit mühsam freigelegt. Alleine wäre das gar nicht machbar gewesen. Mein kleiner Bruder verehrt mich, einen besseren Helfer hätte ich also niemals finden können. Das Problem war: Hätte ich den Fund offiziell gemeldet, wäre das der korrekte Weg gewesen, aber man hätte mir das Grab sofort weggenommen und andere hätten sich damit einen Namen gemacht. Aber es war mein Fund und meine Chance, die man nur einmal im Leben kriegt. Also dachte ich: Erst komplett erkunden und dokumentieren, und anschließend bekanntgeben. Einiges deutete zum Beispiel darauf hin, dass es nicht nur ungewöhnlich, sondern eine Art Scheingrab war, also kein echtes, sondern eine ziemlich schlampige Tarnung für etwas anderes. Die ungewöhnliche Wandbemalung hatte ich schon erwähnt, aber das war eben nicht das Einzige. Zu einzigartig für eine kleine Fremdenführerin. Tja und dann passierte, was einer Archäologin nie hätte passieren dürfen...
?!?!
Nun, da sich mein Bruder sehr für mich, aber nicht für alte Geschichte interessiert, habe ich später auch alleine im Inneren des Grabs weitergebuddelt. Bei so einer Gelegenheit ist der Gang hinter mir eingestürzt. Selbst das wäre normalerweise gutgegangen, denn mein kleiner Bruder hätte mir ja helfen können oder Hilfe holen. Aber ausgerechnet diesmal war er auf Reise. Und niemand außer ihm wusste, wo ich war. Mit Hilfe war in den nächsten zwei Wochen also nicht zu rechnen. Aber immerhin war ich nicht verletzt - ich hatte rechtzeitig tiefer in den Gang hinein flüchten können. Essen und Trinken war erst einmal nicht das Problem. Da ich schon oft dort gewesen war, hatte ich längst ein gar nicht so kleines Depot mit Essen, Trinken, Gerätschaften und sogar einer Schlafstelle eingerichtet. Also habe ich gesucht, ob es nicht doch noch einen versteckten Weg gibt, der mich hätte nach draußen führen können. Alles bin ich abgelaufen und abgekrochen, alles habe ich untersucht. Aber irgendwann musste ich mir eingestehen, dass es keinen Ausweg gab. Und durch die eingestürzte Stelle war auch kein Durchkommen, weil dort ständig Sand und Steine nachsackten. Die Einsturzstelle schien ziemlich groß zu sein und ein ganzer Sandberg war darüber. Soweit, so schlecht für mich. Also saß ich erst nur herum. Um die Langeweile totzuschlagen, fing ich schließlich an, die Grabkammer noch einmal systematisch zu durchwühlen. Die eigentliche Grabkammer war nicht besonders groß und mochte einem höheren Beamten gehört haben, sehr viel Neues war deshalb nicht zu erwarten. Also schaute ich mir diverse Einzelheiten noch einmal genauer an. Und da kam eine Überraschung - ich fand nämlich eine Geheimtür zu einem Seitengang. Und dort war etwas, das ungewöhnlich war, weil es nicht in eine Grabkammer hineinpasste. Der Gang endete abrupt ohne weiteren Raum. Die Wand am Ende des Gangs trug aber dieses Bild von der Frau, die ihre Brüste dem Betrachter entgegenhält. Du weißt, welches Bild ich meine?
Ja!, hauchte Alischa, die ihren Hunger vergessen hatte, und gespannt lauschte.
Genau so ein Bild war in der Mitte dieser Wand. Und darunter war ein Hieroglyphentext, und zwar ein Gedicht. Das Gedicht aber kannte ich schon aus einem Tempel Ramses II., nur in einer anderen Schrift, der hieratischen Schrift. Es ist ein Liebesgedicht; ich kenne es längst auswendig:
Das Mädchen singt:
Ich bin ganz bei dir,
Aber dein Herz ist nicht länger bei mir.
Willst du mich nicht mehr umarmen?
Hast du keine Lust mehr,
meine Schenkel zu liebkosen?
Ist es, weil du Hunger spürst,
und dein Leib zwingt dir seinen Willen auf?
Ist es, weil dir die Kleidung fehlt?
Ich nenne feinste Kleidung mein eigen.
Oder wolltest du gehen, weil du Hunger hast?
Nimm meine Brüste und lass meine Milch für dich fließen.
Lieber ein Tag in den Armen des Geliebten,
als hunderttausende anderswo. [42]
Alleine dieses Gedicht in meiner Grabkammer war eine eigene kleine Sensation, aber ich verstand seinen Sinn damals noch nicht und konnte den Zusammenhang zur Grabkammer und diesem Geheimgang nicht herstellen. Die stilisierte Frau in der Mitte, die ihre Brüste anbietet, hätte einen religiösen Sinn nahelegen können, zumal Pharaonen ihre Göttlichkeit erst über die Milch einer Göttin verliehen bekamen. Sie wurden also nicht gesalbt, sondern gesäugt. Erst das, was man als eine Art Akt der Adoption interpretiert, machte die Pharaonen gottgleich. Aber zum einen passte die stilisierte Frau nicht nach Ägypten, sondern vielleicht eher ins sumerische Reich oder zum Aschera-Kult der Juden [43], also jedenfalls in den Norden. Dort finden sich unzählige solcher Darstellungen in unzähligen Varianten, auch als Skulpturen. Doch eine Göttin über einem profanen Liebesgedicht? Und hinzu kam, dass an den Wänden des Ganges in zahlreicher Wiederholung Paare dargestellt waren - jeweils ein erwachsener Mann, der an der Brust einer großen Frau saugt. Solche Darstellungen hatte ich fragmentarisch schon im äußeren Teil des Grabs gesehen, wahrscheinlich waren die dortigen Bilder von Grabräubern herausgeschlagen worden. Aber hier im Geheimgang waren die Bilder dieser Paare eben völlig unzerstört, wunderschön und in voller Pracht zu sehen.
Also, setzte Anka fort, unten dieses rätselhafte Liebesgedicht, in der Mitte das Relief mit der Frau, die dem Betrachter die Brüste anbietet und im Gang rechts und links zahlreiche Bilder, wo ein Mann an der Brust der Frau saugt. Und noch dazu hätte das Bild in der Mitte eher ins sumerische Reich gehört. Das war also sehr rätselhaft. Und außerdem sprach das alles irgendetwas tief in mir an ... es faszinierte mich mehr als alles Andere; das hatte nichts mit meinem wachen Verstand zu tun, das berührte etwas Archaisches tief in mir.
Tja, und irgendwann habe ich das Reliefbild am Ende des Gangs endlich berührt. Endlich! Das hätte ich mal früher machen sollen. Und was passierte? - Meine Hand verschwand einfach in der Wand! Da hättest du meine Augen sehen müssen. (Anka lachte schallend.) Aber ich traute mich erst nicht weiter. Gut. Eine Stunde lang. Schließlich sagte ich mir, dass sterben oder sterben auf das gleiche Resultat hinausläuft, und so wäre ich wenigstens nicht dumm gestorben. Also habe ich einen entschlossenen Schritt gemacht und den Rest kennst du aus eigenem Erleben. Ich kam jedenfalls in einem prachtvollen Raum an, der von Licht überflutet war und in dem, oh Wunder!, ein Wasserbecken zum Baden einlud. Ich dachte tatsächlich, dass ich einen Weg nach draußen gefunden hätte, so hell war es dort. Aber ich fand keinen Weg nach draußen und konnte noch nicht einmal herausbekommen, woher das Licht kam. Es war eine Art Tempelraum mit einem Altartisch in der Mitte, wo ich noch mehrfach die Darstellung der Frau fand, die dem Betrachter ihre Brüste entgegenhält. Und ringsherum lag ein Haufen Krempel verstreut, anders kann man das nicht bezeichnen. Lauter Zeug, wie wahllos hinterlassen, aber alles sehr alte Sachen.
Da ich essen musste, lief ich irgendwann in den Geheimgang und die Grabkammer zurück und stellte bei der Gelegenheit natürlich fest, dass man beliebig durch die Wand hin- und herlaufen konnte. Aber in dem Altarraum ließ es sich weitaus netter leben, von der komfortablen Bademöglichkeit gar nicht zu reden, also holte ich all meinen Krempel einschließlich Esssachen dorthin.
Tja, und es dauerte weitere gefühlte sieben Tage, bis ich mich mal auf den Altartisch legte, der sich in der Mitte des Raums befand. Einfach aus Neugier, aus Langeweile oder warum auch immer. Knallbumm und ich war hier im Paradies. Nackig, was von meiner Erziehung her einigermaßen ungewohnt für mich war, aber glücklich. Glücklich! Und mein Schoß zerriss sich förmlich vor Freude. War das ein Sprung ins Paradies! Ich will auch nie wieder zurückziehen in die Welt, aus der ich herkomme. Nirgendwohin! Besuche in der Außenwelt ja, aber nur, soweit sie nicht zu vermeiden sind. Hier bin ich frei, aller Sorgen enthoben und kann noch dazu gewisse Dinge ausleben, die ich an mir entdeckt habe und die nicht in die echte Welt passen, weißt du? Hier bin ich wirklich »Ich«, ohne irgendetwas an mir verleugnen zu müssen. Und ich habe meinen Spaß ohne anderen Leuten ihren Spaß am Leben zu verderben und andere Leute haben ihren Spaß, ohne mir meinen Spaß damit zu verderben. Weißt du, wie meine Zusammenfassung für Peridëis ist?
?!
Anka kicherte: »Jeder soll seinen Spaß haben, ich aber auch.« Das sollten die ganzen Weltverbesserer im Diesseits mal als Paragraph Eins in ihre Gesetze schreiben, damit das ewige Abschlachten endlich aufhört. Weißt du, im Diesseits ist es doch so, dass das eigene Glück fast immer auf Kosten anderer gemacht wird, zumindest wenn es um die größere Sorte Glück geht. Siehe all diese Menschheitsretter - stets haben die ein sooooo großes Glück zu bieten, dass kein anderes daneben existieren darf. Und wer nicht dieses Glücks teilhaftig werden will, kriegt eins auf den Hut. (Alischa kam eine gewisse Erinnerung an ihre eigene Heimat.) Und sie selbst setzen sich selbstverständlich als unfehlbare Oberpriester dieses Glücks ein. Hier ist das nicht so. Weil es nicht ein Glück für alle gibt, weil es hier ein Mehrzahlwort für Glück gibt - jeder kann sein ganz eigenes Glück leben. Auch zu zweit, wenn man will, zu dritt, ganz wie du willst, was als Schnittmenge nicht weniger Glück sein muss, je nachdem. In Peridëis sind die Gedanken nicht nur frei, sie formen sich darüber hinaus auch zu anfassbaren Dingen. Ein zur Realität gewordener Traum. Weißt du, was ich als erstes gemacht habe?
???
Nun, du kennst ja die Wirkung, die Peridëis auf einen hat, also die körperliche, sinnliche Wirkung. Als ich den ersten Willkommensorgasmus noch nicht ganz hinter mir hatte, da habe ich mich mit beiden Händen und je zwei Fingern brutal selbst entjungfert. War das ein Schmerz! Ich war nämlich noch Jungfer, ich sollte ja anständig heiraten. Ich hab einfach mit den Zeigefingern beider Hände grob reingefasst, mit zwei weiteren Fingern nachgegriffen und förmlich an mir gerissen, bis ich komplett aufgefetzt war. Ja, aufgefetzt, das war es, was ich brauchte. Und hinterher fühlte ich mich gut darüber, obwohl es höllisch wehtat. Das mischte sich zu einem Lustschmerz. Es war ein Akt der Befreiung ... das heißt, nein, eine Öffnung, eine Öffnung für alle Dinge, die mir bis dahin verschlossen geblieben waren, Freiheit, selbst wenn es wehtat...
...Kannst du dir das vorstellen?
Nein! - Alischa lachte und schüttelte sich. Bei mir ging’s zarter zu.
Anka zwinkerte ihr zu. Tja, Peridëis. Das war die Erfüllung aller Träume, auch der ganz dunklen. Ganz ehrlich, soll man da zurück, wenn man eine kleine muslimische Frau mit großen Einsichten, aber ohne große Aussichten ist? Aber jetzt kommt erst die Pointe, weißt du, was dann passiert ist?
?!
Als ich das erste Mal wieder im Diesseits war, da war ich Jungfer wie zuvor! Das war vielleicht eine Pleite.
(Alischa und Tim hielten sich die Bäuche vor Lachen.)
Du kannst nämlich in Peridëis mit deinem Körper machen, was du willst, fuhr Anka fort, als Alischa und Tim einigermaßen wieder zuhören konnten, aber wenn du ins Diesseits zurückkehrst, kriegst du ihn zurück, wie er zuvor war. Ein Traum für Teenager, die als Jungfern in die Ehe gehen müssen. Nicht davon zu reden, dass den Paradiesjungfrauen im Koran die Jungfernschaft ständig erneuert wird. Jedenfalls angeblich [44]. Sie lachte. Ich kann es bestätigen, wenn auch in abgewandelter Form. Zunächst begriff ich gar nicht, was los war und warum. Aber der Symbolgehalt für mich war, dass die alte Moral mich mit Zähnen und Klauen festhielt und den endgültigen Schritt nicht akzeptierte, mich zurückholen wollte ... dich Hure kriegen wir auch noch gezähmt. Also riss ich mir das Jungfernhäutchen beim nächsten Mal in Peridëis wieder kaputt, noch mal und noch mal. Ich kämpfte! Ich wollte nicht zurückfallen! Bis ich mir in Peridëis mal einen kleinen Kratzer holte, der im Diesseits spurlos verschwunden war. Da benutzte ich endlich mal meinen Verstand und begriff, was mir in Sachen große Brust und Milch noch nicht aufgefallen war: Dass dich Peridëis so wieder ans Diesseits zurückgibt, wie es dich aus dem Diesseits erhalten hat. Exakt so. Diesmal, im Diesseits, hat das Entjungfern endlich geklappt. Die Tür, die mein Lustloch versperrte, das Siegel des Anstands, das mir aus dem Diesseits nachhing, war endlich weg. Wobei das mit der muslimischen Frau an sich noch klargegangen wäre, der Koran hat da durchaus sehr lebendige Versprechen, aber die überkommenen Landessitten können dich fesseln, bis du völlig bewegungslos bist. Die Religion stopfen die Leute bloß als Begründung obendrauf. Hast du mal von der Mädchenbeschneidung gehört?
Nur sehr allgemein, antwortete Alischa verwirrt, aber nichts Genaues.
Die schnippeln kleinen Kindern untenrum alles weg. Den Jungs die Penisvorhaut, den Mädchen die Schamlippen, und wenn’s schlimm kommt, sogar noch den Kitzler, und sie nähen das Loch zu. Auch was die Jungs anbelangt, gibt’s Völker, wo die viel mehr kaputtmachen, als bloß die Vorhaut. Der Länge nach aufschlitzen, halb amputieren, alles gibt’s da. Natürlich im Namen der sogenannten Anständigkeit, und bei uns behaupten sie, der Islam würde das fordern. Quatsch! Das steht nirgendwo im Koran, weder für Jungs, noch für Mädchen. Bloß einige Überlieferungen, noch dazu schlecht bewiesene, erwähnen das, und selbst die können so interpretiert werden, dass es um die Abmilderung einer lange existierenden Sitte geht, wenn sie schon nicht völlig beseitigt werden kann. Die Beschneidung gab es nämlich schon zur Zeit der Pharaonen, lange vor dem Islam. Wenn du mich fragst, geht es sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen nur darum, nach Möglichkeit Selbstbefriedigung zu verhindern. Eine boshafte missgünstige Tradition - warum sollst du bekommen, was ich selber nicht kriege? Und so sind es meist die Frauen, die die Beschneidung der Mädchen fordern und die Männer die der Jungen.
Alischa schluckte: Hast du ... bist du ... selber ...
Beschnitten? Nein, antwortete Anka. Ich hatte Glück. Wir kommen zwar aus dem Süden, und da ist die extreme Pharaonische Beschneidung üblich, aber mein Vater war ein gebildeter Mann und hat das verhindert. Meine Sklavin Zelima, die schon in meiner Kindheit meine beste Freundin war, die hat es damals aber voll erwischt.
In unerwartet herrischem Ton rief Anka: Zelima! Komm her!
Die Sklavin eilte herbei, fiel vor Anka auf die Knie und küsste ihr die Füße.
Was wünscht die Herrin?, flüsterte sie und schaute von unten zu Anka hinauf.
Komm hoch, befahl Anka, ergriff die Sklavin, drehte diese um und legte sie so auf ihren eigenen Schoß, dass Zelima auf dem Rücken zu liegen kam, und zwar mit den Beinen Richtung Alischa und Tim. In derselben Bewegung packte Anka die Oberschenkel ihrer Sklavin und zog die Beine weit auseinander. Die Scham der Sklavin Zelima war damit ganz und gar zur Betrachtung freigelegt.
Sie ist ja ganz zugenäht!, rief Alischa.
Das ginge ja noch, antwortete Anka, die ihre Sklavin festhielt, aber man hat ihr auch die Klitoris und die kleinen Schamlippen weggeschnitten, sodass Zelima jetzt unten fast gar nichts mehr spürt. Völlig taub! Sie hat damals furchtbar geweint. Aber ...
Anka zog Zelima zu sich hinauf, bis ihre Köpfe auf gleicher Höhe waren. Als Zelima auf ihrem Schoß saß, presste Anka sie mit überkreuzten Armen sehr fest an ihren eigenen Leib. Ihre Finger fuhren über Zelimas kleine, aber doch auf eine spezielle Weise sehr prall wirkende Brüste und streichelte ihre Brustwarzen. Die Sklavin schloss die Augen, lehnte sich zurück und stöhnte leise auf.
... aber, fuhr Anka leise fort, Allah ist barmherzig und hat die Lust in ihre Brüste geleitet, die umso empfänglicher geworden sind und ihr eine Wonne verschaffen, die manche Frau noch nie in ihrem Schoß erfahren hat. Wenn sie den Gipfel der Lust erreicht hat, dann fährt diese noch dazu von ihren Brüsten in ihren gesamten Körper bis in die Zehen und die letzten Haarspitzen [45]. Ich wusste schon als pubertäres Mädchen, dass Zelima so für ihr Unglück entschädigt worden war. Weil sie es mir selbst gezeigt hat, als wir heimliche Spiele miteinander spielten. Es war in Peridëis mein größter Wunsch an die Peris, Zelima hierher holen zu dürfen und sie haben es mir erlaubt, ohne dass ich irgendeine Gegenleistung bringen musste. Um sie zu holen, bin ich durch einen anderen Übergang ins Diesseits zurück und ein Büttel hat mir geholfen, Zelima zu entführen.
Aber ich begreife eins nicht, sagte Tim, soweit ich bisher weiß ... und du hast es doch auch erlebt ... erhält man in Peridëis seinen Körper in unbeschädigter Form. Warum also ist Zelima hier beschnitten und verschlossen?
Frag Zelima, sagte Anka.
Zelima, weißt du es?, fragte Tim Zelima.
Zelima antwortete nicht mit Worten, strich aber mit ihren Fingern über ihre Brüste.
Aaaaah, ich ahne etwas, sagte Tim. Vielleicht empfängt sie so viel Befriedigung über ihre Brüste, dass sie keine Änderung will, weil sie Angst hat, eine Änderung in ihrem Schoß könnte ihr Brustgefühl verderben? Er sah Zelima fragend an.
Doch Zelima antwortete nicht und hielt die Augen geschlossen. Und so gab es wieder ein Rätsel mehr in Peridëis.
Aber warum ist sie Sklavin?, fragte Alischa. Hast du sie gegen ihren Willen entführt?
Wo denkst du hin!, antwortete Anka, die beim Erzählen fortfuhr, die Brustwarzen ihrer stöhnenden Sklavin zu streicheln. Den Wunsch zur Unterwerfung hatte sie schon immer, und wir hatten schon als Mädchen entsprechende Spiele gespielt. Heimlich natürlich. Man hätte sie natürlich niemals gehen lassen. Deshalb die Entführung. Als ich ihr von einer anderen unerreichbar fernen Welt erzählte, in die ich endgültig ziehen wollte, da wollte sie sofort mit und es war ihr ausdrücklicher Wunsch, als meine echte Sklavin in dieser fernen unerreichbaren Welt zu leben, statt die Unterwerfung nur im Spiel zu leben. Das ist bei uns beiden eine komplizierte Sache. – Ihre Stellung als Sklavin ist nicht nur Lust, sondern hat auch eine Funktion. Ich genieße ihre Unterwerfung, aber ich bin, anders als Zelima, Männern zugeneigt und brauche den Mann zur Befriedigung. Wenigstens ab und zu. Das weiß Zelima und sie weiß, dass das nicht zu ändern ist. Aber Befriedigung ist nicht Zärtlichkeit und Nähe - diese beiden Dinge suche ich bei Zelima und finde sie nur bei ihr. Sie ist meine andere Hälfte und nur zur körperlichen Befriedigung benutze ich Männer. Hier in Peridëis wurde mir ein Weg gegeben, das alles zu leben.
Du benutzt Männer?, fragte Alischa. - Warum das Wort »benutzen«?
Ich will sie unterworfen haben und ich will die Bedingungen setzen. Harte Befriedigung. Nichts darüber, aber auch nichts darunter. Das ist es, was mich richtig in Erregung bringt. Ich habe keine Ahnung, ob es etwas damit zu tun hat, dass Zelima schon immer Sklavinnenwünsche in sich trug, oder umgekehrt, ob wir uns zusammengefunden hatten, weil wir uns durch unsere gegensätzlichen Wünsche überhaupt erst gegenseitig anzogen. Wie auch immer, in Europa wäre ich vielleicht eine Domina geworden. Es ist jedenfalls nicht so, dass ich etwas gegen die Männer habe, im Gegenteil, und wenn es irgendein passendes frühkindliches Erlebnis gibt, dann höchstens, dass mein Vater zu lieb und zu anständig war, statt irgendwelchen Nachbarn mal so richtig eine rüberzuziehen. Anka lachte.
Aber bist du da nicht trotzdem eine Lesbe?
Nein, ich glaube nicht. Die Männer ziehen mich ja an, ich begehre die Kerle durchaus. Auch körperlich. Frischer Männerschweiß macht mich zum Beispiel rasend. Männer um mich kämpfen zu sehen, macht mich rasend. Aber ich will sie unterwerfen. Bei Zelima bin ich kein anderer Mensch, aber es ist so, dass nur sie es schafft, mich mit ganzer Seele glücklich zu machen und ich habe gleichzeitig den Wunsch, sie glücklich zu machen. Sie liebe ich wirklich.
Das klang außerordentlich ehrlich.
Anka streichelte ihrer Sklavin über den Kopf und befahl knapp: Deine Brust!
Die Sklavin Zelima stand gehorsam auf und drehte sich zu Anka um. Die Blicke zwischen den beiden Frauen schienen pure Energie zu übertragen und die Luft knisterte förmlich. Anka setzte die Sklavin Zelima rittlings auf ihren Schoß, zog sie an beiden Brustwarzen zu sich heran und begann ohne Umstände, die Milch ihrer Sklavin frisch aus der Quelle zu trinken.
Gönnen wir den beiden ihre Intimität!, sagte Tim mit einem guten Gefühl für die Situation, ergriff die ziemlich beeindruckte Alischa, zog sie zu einem Lehnstuhl, der am anderen Ende des Raums an der Wand stand, drückte sie in den Sitz, schob sich kniend zwischen ihre Beine, hob eine Brust mit der Hand zum Mund und leerte ihr anschließend beide Brüste sehr gründlich. Alischa ließ sich dabei in eine Traumwelt zurücksinken, die von Sklavinnen und den alten Ägyptern handelte und probierte den Gedanken aus, bei einem Festessen des Pharao als größter Leckerbissen herumgereicht zu werden. Mit anschließender fachkundiger Konversation über den edlen Geschmack ihrer Milch, den hervorragenden Zustand ihrer Brüste und verschiedenen Kostproben ihrer Milch in Kombination mit diversen Speisen, Getränken und Gewürzen.
Irgendwann war auch das vorbei. Tim erhob sich als Erster und Alischa sah, dass sein Penis steil aufgerichtet war, während an seiner Brust ein nasser Fleck zu sehen war, der eindeutig kennzeichnete, wo zuvor ihre Vulva geruht hatte. Erst dadurch wurde Alischa wirklich bewusst, wie sehr sie selbst in den Sphären der Wonne geschwebt hatte und vor allem, wie es Tim gehen musste. Sie flüsterte erschrocken: Du Armer! Und etwas unsicher fügte sie hinzu: Kommst du klar?
Wenn ich an die Belohnung denke, die ich am Ende bekomme, geht das ganz gut, antwortete der, allerdings mit etwas heiserer Stimme.
Dein Penis scheint anderer Meinung zu sein? Alischa war wieder ganz sie selbst und zog eine Augenbraue hoch.
Mistkröte!, antwortete Tim, wenn du draufstarrst, kommt der bestimmt nicht runter.
Alischa starrte drauf. Mach ihn mal runter, heuchelte sie.
Da hatte Tim sie schon gepackt, saß selber auf dem Lehnsessel, Alischa bäuchlings auf dem Schoß, Rock hochgezogen und eins-zwei-drei klatschte die flache Hand auf Alischas Hintern. Wie praktisch, dass unterm Rock keine Unterwäsche war.
Aua-Aua-Aua! - Alischa lachte, dass ihr die davon die Tränen kamen. Vom Lachen. Die kleine Züchtigung war gar nicht so uninteressant gewesen, dachte sie bei sich. Sie sagte es aber nicht laut. Stattdessen ging sie zum Tisch, nahm einen Becher klares Wasser; und da sich keine Serviette fand, machte sie die Uniformjacke Tims mit einem Stück Brot und Wasser sauber. Das ging gar nicht so schlecht und entspannte die Situation.
Inzwischen hatte auch Anka ihre Sklavin leergetrunken. Sie zwinkerte Alischa zu, als könne sie ihre Gedanken lesen. Dann drückte sie mit Daumen und Zeigefinger noch etwas Milch aus Zelimas Brüsten, die sie wie eine Salbe auf ihren Brüsten verteilte. So, fertig!, sagte sie und Zelima erhielt ebenfalls einen abschließenden Klaps auf den Hintern und wurde entlassen.
Zu Alischa und Tim gewandt, sagte Anka: Ist es nicht herrlich, seinen Wünschen einfach nachgeben zu können? Ohne böses Aufwachen, egal ob es um einen selbst oder um andere geht? Ich gehe ab und zu ins Diesseits zurück, auch um meinen kleinen Bruder oder meine Eltern zu treffen, aber mein wahres Leben findet hier statt. Meist bin ich bloß in einer Bibliothek zum Recherchieren oder gehe in Museen. Ansonsten denken meine Eltern, dass ich in der Welt herumreise. Die meiste Zeit aber genieße ich hier mit Zelima. Oder ich spaziere durchs Land, baue mein Reich aus, erkunde es, bewundere es, erlebe Abenteuer und genieße natürlich, dass sich die Männer mir vor die Füße werfen und mir zu Willen sind. Also die eingeborenen Männer von Peridëis. Dein interessanter Büttel tut das leider nicht - als ich ihn dazu aufforderte, hat er mir wie dir eben ein paar auf den Hintern verpasst und mich anschließend ohne Federlesen leergesogen, der Mistkerl.
Anka warf Tim mit ihren schwarzen Augen einen Blick derart lüsternen Blick zu, dass ihm davon der Samen ohne weiteres Zutun hätte verlustig gehen müssen. Tat er aber nicht. Stattdessen knurrte Tim: Schau mich noch einmal so an und du kannst drei Tage lang nicht sitzen, das verspreche ich dir.
Anka verdrehte gespielt die Augen. Was für ein Mann!, hauchte sie. Und zu Alischa gewandt: Willst du mir den nicht überlassen?
Nein!, lachte Alischa, und jetzt weiß ich auch, wie er zwischendurch zu seinem Notimbiss gekommen ist. Mundraub! - Übrigens, sag mal, woher kannst du eigentlich so gut Deutsch?
Du weißt gar nicht?...
Was weiß ich denn nicht?
Ganz ehrlich?
Aber was denn?
Au, sagte Anka, das ist ein Spaß, den ich mir jetzt nicht verderben lasse. Komm, ich sage nichts - ich zeige dir stattdessen etwas. Bist du halbwegs satt?
Alischa stotterte: Was ... äh ... Nein, noch nicht ganz...
Ach was, sagte Anka, du kannst nachher weiteressen. Was ich dir zeigen will, dauert nicht lange. Komm!
Anka klatschte noch einmal in die Hände und wieder kam ihre Sklavin Zelima angehuscht. Wir gehen kurz ins Grab, sagte Anka, Zelima nickte, und als Anka sich umdrehte und losging, winkte Zelima Alischa und Tim, ihnen zu folgen.
Alischa und Tim folgten den beiden neugierig.
Die Tempelpriesterin Anka führte Zelima, Alischa und Tim einen Flur entlang, der durch Fackeln erhellt wurde. Es folgten weitere Gänge und Räume, bis sie schließlich in einen kleinen halbverfallenen Raum gelangten, fast eine Kammer, an dessen Ende sich eine Art steinerner Altar befand. Darüber war das bekannte Symbol der Frau zu sehen, die dem Betrachter ihre Brüste entgegenhält. Daneben aber war Hieroglyphenschrift auf die Wand gemalt.
Sind die Hieroglyphen echt?, fragte Alischa.
Nein, antwortete Anka, es ist eine Kopie, die ich selbst angefertigt habe. Lies mal!
Alischa las ein Textstück daraus: ... Nimm meine Brüste und lass meine Milch für dich fließen.
Sie staunte. Wieso kann ich die Hieroglyphen lesen?! Das ist doch das Gedicht, von dem du vorhin erzählt hast?
Anka lachte: Ist es! Und jetzt legt euch nacheinander nackt auf den Altar.
Zelima half erst Anka beim Auskleiden, danach Alischa und Tim, und zum Schluss legte sie selbst ihren Hauch von Kleidung ab.
Alischa legte sich nun nackt auf den Altartisch.
Bum!
Als Alischa die Augen wieder aufschlug, fand sie sich in einem lichten pharaonischen Tempelraum wieder. Vor ihr befand sich ein großes Wasserbecken mit einer spiegelglatten Wasseroberfläche. Alischa wusste sofort, dass es der Übergangsort war, von dem Anka erzählt hatte.
Aua! Alischa wurde grob beiseitegestoßen, weil Anka neben ihr aus dem Nichts erschien.
Well, girl, don't dawdle (Tja, Mädchen, trödel nicht), hörte sie Anka schnippisch auf Englisch mit arabischem Akzent sagen. Anka glitt vom Altartisch und schob auch Alischa herunter.
Alischa lachte.
Nacheinander erschienen Tim und die Sklavin Zelima.
Anka legte ihren Finger auf die Lippen, dass sie nun schweigen sollten.
Warum? Egal.
Anka verlor keine Zeit, winkte, umrundete das Wasserbecken und verschwand im Nu an dessen anderer Seite in einer Wand, die wieder mit dem bekannten Peridëis-Frauenbildnis geschmückt war. Alischa und Tim liefen ihr nach, die Sklavin Zelima blieb aber am Altar zurück.
Kribbeln. Dunkelrotes diffuses Licht. Wabernde seltsame Umgebung, als wäre man unter Wasser. Alischa war durch und Tim folgte ihr unmittelbar.
Dumpfe Luft empfing sie, als sie die Wand wieder verließen. Neben Alischa und Tim stand Anka und leuchtete mit einer Taschenlampe. Alischa sah einen unterirdischen Gang vor sich, an dessen Wänden in endloser Wiederholung Paare gemalt waren, bei denen ein Mann jeweils aus der Brust einer Frau trank.
Sind wir wieder im Diesseits, also nicht mehr in Peridëis?, fragte Alischa an Tim gewandt leise.
Ja, genau, flüsterte Tim.
Anka leuchtete mit der Taschenlampe in den Gang hinein, damit sich Alischa und Tim die Wandbilder im Gang anschauen konnten. Anka hatte nicht übertrieben gehabt - in leuchtenden Farben prangten an den Wänden des Ganges Bilder von Paaren, und auf jedem dieser Bilder labte sich ein Mann an den Brüsten einer Frau.
Anka ließ ihnen einige Augenblicke Zeit, die Bilder zu betrachten. Als Alischa Luft holte, um erneut eine Frage zu stellen, deutete Anka mit dem Finger auf den Lippen erneut an, dass sie schweigen sollte.
Dann aber richtete Anka die Taschenlampe auf jene Wand hinter ihnen, die sie alle gerade durchschritten hatten. Vor sich an dieser Wand sah Alischa das Bild der brustanbietenden Frau in kräftigen Farben an die Wand gemalt. Nicht auf eine glatte Wand, wie bei den Bildern im Gang, sondern als farbig ausgemaltes Relief. Links und rechts davon waren zahlreiche kleinere Bilder und Hieroglyphentexte an die Wand gemalt. Auf eins davon wies Anka besonders. Doch schon wenige Augenblicke später winkte Anka, um sie zur Rückkehr aufzufordern, zögerte auch nicht und schob Alischa zum Bild der brustanbietenden Frau in der Mitte. Alischa begriff und schritt auf das Bild zu.
Kribbeln. Dunkelrotes diffuses Licht. Wabernde seltsame Umgebung, als wäre man unter Wasser. Momente später war Alischa im Übergangsraum mit dem Wasserbecken und dem Altar. Frische Luft. Sie trat beiseite und wartete. Tim erschien kurz nach ihr, und dann folgte Anka, die Taschenlampe in der Hand, die jetzt aber ausgeschaltet war. Sie legte die Lampe behutsam ab.
Weniger behutsam schubste sie Alischa einfach ins Wasser.
Alischa kreischte, doch Platsch!, musste sie erst einmal die Luft anhalten. Als sie auftauchte, schwammen Tim und Anka längst lachend neben ihr.
Anka schwamm zügig zum Ende des Wasserbeckens, wo Zelima mit mehreren eindeutig historischen Handtüchern wartete. Doch Anka drängelte auch hier. Nachdem sie sich grob abgetrocknet hatten, kam Alischa auf den großen Altartisch und...
Bum!
...war Alischa nach einem gefühlten Purzelbaum wieder in Peridëis zurück. Trocken! Trotzdem dachte sie diesmal daran, sofort vom Altar zu steigen und wunderte sich erst hinterher. Keinen Augenblick zu früh, denn Tim folgte unmittelbar, und nach ihm Anka und Zelima.
Als Tim vom Altartisch kletterte, sah Alischa seinen Penis steil nach oben gerichtet. Trotz der kräftigen Körperbewegungen schaukelte er nur wenig, so steif war er. Kaum auf dem Boden angelangt, krümmte sich Tim und Alischa sah, dass er ganz kurz vor einem Orgasmus stand. Alischa hatte ihren sehr ähnlichen Zustand ein wenig ausbremsen können, stürzte sich nun aber auf Tim. Ein heftiges nicht unterdrückbares Begehren durchfuhr ihren eigenen Leib. Sie warf sich vor Tim auf die Knie, umschlang mit ihren Händen seinen festen Po und sog seinen prachtvollen Penis in ihren Mund. Sie hatte ihn gerade noch rechtzeitig mit ihren Lippen umschließen können, um seinen herausgestoßenen Samen aufsaugen und in sich aufnehmen zu können. Alischa rieb ihre glitschig-nasse Vulva an Tims Bein und hatte das Glück, mit wunderschönen Wallungen zu kommen, noch während Tims Samen in sie pulste. Vorsichtig saugte Alischa Tims Penis sauber, bis kein Samen mehr zu schmecken und zu spüren war. Dann ließ sie mit einem Abschiedskuss von Tims Penis ab. Dieser Samenerguss zählt nicht, flüsterte Alischa und freute sich, dass Tim nickte.
Neben ihnen lagen Anka und Zelima auf dem Boden und liebten sich. Anka lag auf Zelima und saugte an ihrer rechten Brust, während sie sich selbst an Zelimas Scham rieb. Es war schön, auch die beiden kommen zu sehen, Zelima mit lautem Schreien und beide mit Aufbäumen und innigem Umschlingen. Anka ließ bei ihrem Orgasmus nicht von Zelimas Brust ab und stöhnte durch die Nase. Erst einen ganzen Augenblick später ließ ihr Mund von der Brust ab und sie lag heftig atmend mit dem Kopf auf Zelimas Brust, um die Wellen abklingen zu lassen, während ihre Finger noch sanft an Zelimas Brüsten spielten. Obwohl für Alischa ungewohnt, war es für sie ein schöner und sehr angenehmer Anblick.
Als sie sich alle gesammelt hatten, ging erst ein Lachen durch den Raum.
Uns hat noch nie jemand zugeschaut!, rief Anka. Sie gab Zelimas Brust einen tiefen saugenden Kuss. Eindeutig floss dabei Milch. Dann aber wechselte Anka das Thema (rieb trotzdem ihre Vulva an Zelimas Knie):
Was ist dir aufgefallen?
Alischa war ehrlich ratlos. - Aber was denn? Dass die Zeichnungen schön waren?
Himmel, bist du schwer von Begriff, warf Anka ein. Die Hieroglyphen?
Alischa verstand noch immer nicht.
Anka half etwas nach: Warum haben wir dort nicht miteinander gesprochen?
???
Na gut, sagte Anka. Das sind verschlossene unterirdische Gänge im Diesseits - und irgendwann hat man dort alle Luft veratmet, was lebensgefährlich würde. Aber sag, welche Sprache habe ich gesprochen?
Englisch, sagte Alischa. Und gar kein schlechtes.
Und hier?, fragte Anka erbarmungslos.
Alischa schaute wohl etwas betreten, weshalb alle in Lachen ausbrachen.
Alle dieselbe Sprache, rätselte Alischa. Zelima auch. Spricht sie nur arabisch?
Anka nickte. Dann setzte sie nach: Ich Englisch, Zelima arabisch. Und die Hieroglyphen?
Ich kann sie merkwürdigerweise lesen. Wieso verstehe ich die? - Alischas Geist kam nicht recht auf Trab. Vielleicht wegen der vergangenen drei Tage im Rausch. Sag es mir, bat sie Anka verlegen. Macht Peridëis das?
Ja!, rief Anka stolz. Du hast es! Ist das nicht toll? Ganz einfach, aber unerklärlich - jeder versteht in Peridëis jeden und es gibt kaum eine Schrift, die du nicht lesen kannst. Hast du die Hieroglyphen da draußen in den Gang lesen können?
Nein!, rief Alischa aufgeregt. Ich habe die Hieroglyphen in dem Gang nicht lesen können! – Sie schlug sich an die Stirn. - Endlich habe ich es begriffen....
Weißt, du, was das für eine Ägyptologin bedeutet?, fragte Anka ernst.
Alischa konnte das sehr gut vorstellen. An Tim gewandt fragte sie: Hast du eine Idee, wieso das geht?
Nein, sagte der knapp. Man sah, dass ihn das wurmte.
Siehste, es gibt eben doch Märchen, lästerte Alischa.
Wieso, wehrte sich Tim, angenommen ein riesiger Computer, der uns eine virtuelle Welt vorgaukelt, verbindet alle Intelligenzen aller Leute, die hier sind, und die hier jemals waren, und...
Alischa verdrehte die Augen. Der Kerl steht mitten im Paradies und verleugnet nicht nur das Paradies, sondern auch noch seine eigene Existenz. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich denke, also bin ich. Fertig. Wie ich bin, ist mir Wurst, letztlich sind Atome auch bloß elektrische Ladungen, mit anderen Worten: Nichts. Schlussfolgerung: Das Paradies ist echt.
Anka lachte: Ich sehe es wie du: Peridëis ist ... Märchen aus 1001 Nacht, das verlorene Paradies, Atlantis, alles zusammen.
Und jetzt lasst uns an den Tisch zurückkehren und weiteressen. Ich habe nachher nämlich noch einen wichtigen Termin. Sie gab Zelimas Brust erneut einen tiefen saugenden Kuss, bei dem eindeutig Milch floss. Dann erhob sie sich von Zelima. Sie zwinkerte Alischa und Tim zu, wirkte aber einen Augenblick später, als sie wieder auf dem Boden stand, plötzlich sehr erhaben und machtvoll. Als Alischa ihr Kleid aufheben wollte, sagte sie: Lass den Fetzen liegen, du kriegst ein neues Kleid von mir. Sagte es, ließ auch ihr eigenes Kleid (und Zelima!) achtlos auf dem Boden liegen und ging voran, um das unterbrochene Frühstück fortzusetzen. So waren es nur Zelima und Tim, die ihre Kleider wieder anlegten, wobei Zelimas Hauch von Körperbedeckung natürlich kaum als Kleidung bezeichnen werden konnte. Eher als Schmuck. Anka und Alischa aber blieben gänzlich nackt.
Der Kampf um Anka
Anka, Alischa, beide nackt, und Tim, dieser aber in seiner Bütteluniform, saßen schwatzend und essend zusammen und schauten aus der Fensteröffnung in das traumhafte Tal mit dem wunderschönen See. Die frische Milch für den Kaffee kam diesmal von Alischa. Anka hatte ihr aufgenötigt, sich von der Sklavin Zelima melken zu lassen, die sich als Meisterin der Einfühlsamkeit erwies und das letzte Tröpfchen Milch aus dem hintersten Winkel ihrer Brüste hervorgelockt hatte. Einen halben Becher Milch hatte Zelima ausgemolken und Alischa war unglaublich stolz darauf, zumal sich erwies (Zelima führte es Alischa vor), dass etwa zwanzig Minuten später schon wieder ausgesprochen viel Milch in ihrer Brust war. Anka erzählte ihr, dass Zelima dies als Spiel bisweilen stundenlang machte - während beide schwatzten und faulenzten, massierte ihr die Sklavin nebenbei die Brüste, pausierte, spielte weiter daran, molk heraus, was sich an Milch darin fand, pausierte, massierte wieder, solange sie Lust daran fanden. Und ein wenig Milch, erzählte Anka, war nach kurzer Pause immer wieder da.
Stimmt’s?, fragte Anka ihre Sklavin Zelima, die gerade hinter Alischa stand.
Die griff unter Alischas Arme, ergriff deren rechte Brust, ein Daumen-Zeigefinger-Griff tief in Alischas rechte Brust hinein, nach vorne zur Brustwarze hin durchgezogen und zisch............. hatte Anka einen Strahl von Alischas Milch im Gesicht.
Ich werd dir...
Zelima rannte kreischend und lachend weg.
Anka kriegte sie aber und Watsch! gab’s eine auf den Hintern. Danach einen Kuss auf die Lippen.
Warum diese Eile, als wir draußen im Diesseits waren?, fragte Alischa.
Endlos genießen kannst du hier in Peridëis, sagte Anka, draußen ist unsere Lebensspanne bemessen und Peridëis macht keine Falten, das Diesseits aber schon. Sie kicherte. Außerdem haben wir Luft und die Taschenlampen-Batterie verbraucht. Das alles erneuern sich nicht, und schwatzen können wir besser hier.
Die Taschenlampe wartet dort auf dich?, fragte Alischa.
Ja. Aber Batterien kann ich nicht aus Peridëis mitbringen, man kann gar nichts mitbringen. Also müsste ich aus dem Diesseits heraus den Übergang wieder öffnen und das kommt nicht in Frage. Der Zugang weiter draußen ist nach wie vor verschüttet. Sogar im Freien haben wir alle Spuren beseitigt.
Die Taschenlampe an sich aber bleibt im Übergangsraum. Wie auch all die Sachen früherer Besucher, die man dort findet. Dort haben die Besucher ja all ihren Krempel abgeladen, den sie hinterher wieder mit zurücknehmen wollten. Zum Beispiel Kleidung. Und weil vieles davon hinterher vergessen wurde, entstand eine wahre Fundgrube von unterschiedlichsten Dingen unterschiedlichster Zeiten. Eine echte Schatzkammer für mich!
Aber was machst du mit dem Zeug?
Nichts! Ich habe es mir nur angeschaut, gemerkt, bin wieder zurück nach Peridëis und habe es dort aufgezeichnet. Es hat mir Erkenntnis gebracht, es war interessant, nichts sonst. Weißt du, was wir normalerweise aus der Pharaonenzeit finden, sind Grabbeigaben. Wir wissen also sehr viel über den Totenkult dieser Zeit. Aber banale Dinge aus dem täglichen Leben sind viel weniger bekannt und dafür hatte ich hier die tollsten Zeugnisse gefunden. In schöner Umgebung, in dem Übergangsraum auch stets bei bester Luft und wunderbarer Beleuchtung. Aber das ist jetzt mehr Nostalgie für mich, dieser Übergang bringt mir selbst inzwischen nichts Neues mehr. Als ich Zelima geholt habe, bin ich durch einen anderen Übergang raus. Auch als ich mit einem Büttel raus bin, um an dem Grab außen alle Spuren zu beseitigen. Unser Geländewagen stand ja noch dort, das Zelt und so weiter. Wir haben mit Sorgfalt sämtliche Spuren beseitigt und alles wieder zugeschippt. Niemand sollte die Stelle finden können. Mein kleiner Bruder ist der Einzige, der zumindest eine halbe Ahnung hat, was passiert ist. Aber er wird schweigen und vermutlich würde selbst er das Grab nicht mehr wiederfinden. Er hat sogar von meinen kleinen Spielen mit Zelima gewusst und mich nie verraten. Es gab nie ein richtiges Geheimnis zwischen uns. Ich habe mich als große Schwester notfalls wie eine Furie für ihn eingesetzt und er andererseits hat mir grenzenlos vertraut und wichtige Fragen immer mir zuerst gestellt. Als Jugendlicher hat er sogar mal ein westliches Pornoheftchen angeschleppt, das er irgendwo ergattert hatte. Das haben wir uns zu dritt mit roten Köpfen angeschaut und in allen Einzelheiten theoretisch durchdiskutiert. Leider darf ich ihn nicht in das Geheimnis von Peridëis einweihen, das haben mir die Peris gehörig eingebläut. Aber er kommt gut klar im Diesseits, ich muss also kein schlechtes Gewissen haben. Apropos Diesseits, wollt ihr noch etwas wissen zu den Sachen, die ihr dort gesehen habt? Na los, fragt mich, ich bin nach wie vor stolz auf meinen Fund!
Alischa hatte sofort eine Frage: Woher willst du bei diesen Zeichnungen eigentlich wissen, dass es sich tatsächlich um erwachsene Männer handelt, die Milch aus der Brust der Frau trinken? Wenn der Mann kleiner als die Frau gezeichnet ist, könnte das Bild doch immerhin auch ein größeres Kind darstellen, das noch gestillt wird?
Nein, antwortete Anka. Es gibt sehr strenge ikonographische Regeln für solche Zeichnungen. Ein Kind wird zum Beispiel mit einer Kindslocke gekennzeichnet. Die fehlt bei allen Bildern, die ihr gesehen habt, und in so einem Fall ist eindeutig ein erwachsener Mann gemeint. Dass die Frau größer dargestellt ist, macht sie ikonographisch zur höherstehende Person. Auch der Unterschied zwischen Sklaven und Herren wird zum Beispiel so dargestellt. Trinkt ein erwachsener Pharao an der Brust einer Göttin, dann wird auch dieser genau wie der Mann auf unseren Bildern kleiner als die Göttin gezeichnet. Damals dachte ich erst, es wäre eine unbekannte Göttin oder mehrere, weil viele Darstellungen bekannt sind, bei der eine Göttin einem Pharao die Brust zum Trinken reicht. Aber hier bei unseren Bildern fehlt jede Kennzeichnung der Frauen als Göttin, es scheinen also normale Frauen zu sein, wenn auch höherstehende. Auch die Männer sind übrigens ohne Insignien für irgendeine besondere Stellung. Bloß ... wie du sicher weißt, haben Frauen in Peridëis per Definition eine höhere Stellung als Männer, aber davon wusste ich damals ja noch nichts.
So verging vielleicht noch eine halbe Stunde. Dann aber rief Anka Zelima herbei: Du weißt, ich habe heute noch noch Pflichten.
Ja, Herrin, antwortete Zelima und machte einen tiefen Knicks. Einen mit Verbeugung. Sie entfernte sich und kehrte mit einer Art Sessel zurück, der eine hohe Lehne hatte, vor allem aber nach hinten sehr lang war und über zwei Sitze verfügte – hinten höher und vorne tiefer. Das Geheimnis des Sessels klärte sich bald. Nachdem Zelima den Sessel nämlich an den Tisch gerückt hatte, nahm sie zunächst selbst breitbeinig hinten im Sessel Platz, und anschließend setzte sich Anka so hinein, dass Zelima etwas erhöht hinter Anka saß, während Anka sich mit ihrem Rücken bequem gegen ihre Sklavin Zelima lehnte. Zelima begann, Ankas Brüste zu massieren, aber sie drückte keine Milch heraus. Anka schloss zunächst schnurrend die Augen, schwatzte nach etlichen Augenblicken aber weiter, während Zelima die Arbeit hatte. Zu erzählen gab es viel, denn Alischa nutzte die Gelegenheit und fragte ihr über Peridëis, seine Schönheit und seine Abenteuer ein Loch in den Bauch.
Es mochten zwei oder drei Stunden vergangen sein, da bemerkte Alischa mit einem Mal Bewegung auf dem See. Gleichzeitig war ein rhythmisches Bum-Bum zu hören. Und wieder Bum-Bum.
Was ist dort?, fragte Alischa laut.
Anka antwortete: Sie kommen. Das ist Besuch für mich. Sie kommen alle 14 Tage und mit den Pauken kündigen sie sich an. Es sind Bewohner dieser Gegend, die hier ihren Tempel haben und ich bin ihre Hohepriesterin. Die einzelnen Dörfer kämpfen vorher darum, wer herkommen darf. Und die zwei besten Kämpfer machen hier im Tempel den Schlusskampf. Davor haben beide das große Privileg, sich mit meiner eigenen Milch direkt aus meinen eigenen Brüsten stärken zu dürfen. Damit hat selbst der Verlierer des Schlusskampfes einen großen Gewinn für sich selbst.
Ist das Glaube oder tatsächlich so?, fragte Alischa. – Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass meine eigene Milch ... nun ... zauberkräftig sein soll.
Statt Anka antwortete Tim: Es ist tatsächlich so. Man merkt das ganz direkt. Habe ich deine Milch getrunken, kann ich hier für viel längere Zeit existieren, als wäre es nur die Milch der Bewohnerinnen. Es gibt keine echte Umrechnungsformel dafür, denn direkt aus der Brust getrunkene Milch wirkt stärker, als getrocknete oder welche aus einem Krug. Außerdem ist die Wirkung noch abhängig von deiner Stimmung, sehr feminine Frauen haben wirksamere Milch und so weiter. Als Mann merkst du den Unterschied spätestens, wenn die Wirkung nachlässt. Darüber wird viel erzählt, was größter Unsinn ist und du kannst dir gar nicht vorstellen, was manche Frauen für ein Zeug schlucken, um angeblich die beste Milch aller Frauen zu kriegen. Oder sie gehen zu Ritualen und angeblichen Brustzauberern, die sich selbst Mammanen nennen, und die stellen die seltsamsten Dinge mit den Brüsten an, die im besten Fall gar nichts bewirken.
Ein paar Sachen bewirken aber was!, warf Anka ein.
Tim stöhnte leidend auf, fing sich dafür aber von Alischa einen Klaps auf den Hinterkopf ein. Wie auch immer, setzte er fort, gekonnte Massagen wirken. Das ist ein ständiges Thema bei den Frauen und man kann gar nicht schnell genug wegrennen. Die Peris sollen angeblich noch zauberkräftigere Milch haben, aber das glaube ich nicht, vermutlich wirkt die nicht mehr und nicht weniger als die von euch. Sonst müssten die Melksklaven der Peris ja schon sonstwas sein. Sind sie aber nicht.
Während das Gespräch vor sich hin plätscherte, massierte die Sklavin Zelima unbeeindruckt mit Hingabe Ankas Brüste. Doch irgendwann sagte Anka, Schluss jetzt, es ist Zeit, mich für das Tempelritual vorzubereiten. (Zelimas Hände sanken nach unten.) Die beiden ausgewählten Kämpfer werden sich nachher von meiner eigenen Milch für den Abschlusskampf stärken. Das war es, worauf Zelima meine Brüste vorbereitet hat - es regt meine Milchbildung an. Nach der Stärkung kämpfen die beiden Männer darum, wer mich befriedigen darf und zum Lohn dafür eine Phiole voll zauberkräftigem Milchpulver erhält, die er seinem Dorf bringen kann.
Das gibt’s ja gar nicht, sagte Alischa, du lässt dir den besten Kerl der ganzen Gegend raussuchen und der muss dich befriedigen! Alischa war beeindruckt. Wofür nehmen die deine Milch? Und machen die das wirklich freiwillig?, setzte sie nach.
Sie machen es freiwillig, darauf darfst du dich fest verlassen. Deinen Kerl hätte ich aber noch lieber, lachte Anka. Doch zurück - der Kämpfer nimmt das Pulver entgegen, aber es wird gerecht oder ungerecht unter allen Leuten seines Dorfs verteilt, auch an die Frauen. Sein Sieg ist also ein Sieg für das ganze Dorf. Davon erhoffen sie sich, über eine möglichst lange Zeit nie an Frauenmilch-Mangel zu leiden. Das ist direkt ein religiöser Glaube. Wirklich zu sich nehmen werden sie es aber höchstens in einer Notsituation, normalerweise tragen sie es in einem Beutelchen um den Hals oder vermengen es mit beliebigen Sachen, um sie besser, wirksamer, sicherer oder sonst was zu machen. Du wirst es inzwischen selbst wissen - die Milch von Besucherinnen und damit auch meine Milch wirkt viel stärker als die der Einwohnerinnen, aber der Glaube an eine übersinnliche Wirkung ist wie jeder Glaube: Niemand kann es beweisen, aber bekanntlich versetzt der Glaube Berge und zwei Drittel der Heilung kommt durch den Glauben daran. Also hilft es oft auch wirklich. Wenn es nicht funktioniert, schieben sie es darauf, dass sie vielleicht einen Krümel weniger als ein Anderer bekommen haben, dass das Milchpulver schlecht aufbewahrt wurde oder bei den Männern, dass sie selbst unbemerkt Samen verloren haben oder Ähnliches.
Tust du in die getrocknete Milch auch etwas rein?, fragte Alischa, die ja schon bei der Hexe gesehen hatte, wie die Milch zu Pulver verarbeitet worden war.
Nein, wozu?, antwortete Anka. Es ist meine pure Milch, bei Hitze verdunstet, nicht gekocht, und fein zerkleinert. Mehr nicht. Normalerweise fülle ich die Phiole zusätzlich mit dem Brenngas, mit dem unsere Fackeln leuchten und treibe damit die Luft aus der Phiole, aber man kann auch etwas Branntwein nehmen, da gibt’s tausend Rezepte, genauso wie zur Trocknung, und jede Frau hat so ihre eigenen kleinen Geheimnisse für die Zubereitung und Aufbewahrung ihrer Milch.
So, jetzt werde ich mich aber hübsch machen für das Tempelritual, schloss Anka ab - und du, Alischa, kriegst das versprochene neue Kleid! Anka erhob sich von ihrem Doppelstuhl und Zelima huschte hinter ihr weg.
Warum eigentlich nur zwei Kämpfer in der Endauswahl?, fragte Alischa, während sie aufstand. - Normalerweise gibt es doch immer diese magischen Zahlen, drei, sieben, zwölf oder so.
Erschlagend einfach, antwortete Anka. Habe ich drei Brüste?
Tim lachte. Alischa wurde rot.
Oooooch, mach dir nichts draus, tröstete sie Anka, auf die einfachsten Lösungen kommt man oft nicht sofort. Kommt mit, ich muss mich wirklich fertig machen. Ab in die Kleiderkammer! Anka lief voraus.
Du hast den hübscheren Arsch, flüsterte Tim Alischa zu, als Anka vor ihr ihnen herlief, sie ist zwar schlanker, aber bei dünnen Frauen fehlen eben die Kapazitäten für einen ordentlichen Hintern.
Na, Danke. Aber woher hat die ihre großen Titten?, raunte Alischa vulgär zurück.
Milchbrüste bekommen ihre Größe von den Milchdrüsen, nicht vom Fettgewebe wie bei ruhenden Brüsten, raunte Tim zurück.
Anka hatte es zum Glück nicht gehört.
Aber Alischa fand selbst, dass sie den schöneren Hintern hatte, wenn nur die Waden ... na egal. Aber es war schön, das von Tim zu hören. Das mit den Brüsten würde sich finden - immerhin hatte man, was das anbelangte, hier eine faire Chance. Im Gegensatz zum Diesseits. Also kein Grund zu Neid und Missgunst.
Die Sklavin Zelima wartete schon an einer geöffneten Tür. Was Anka eine Kleiderkammer genannt hatte, erwies sich als lichter großer Raum, der sogar einen gut ausgestatteten Schneiderplatz enthielt. Der Raum enthielt ausschließlich Frauenkleider im pharaonischen Stil, soweit Alischa das beurteilen konnte. Such dir aus, was du willst!, sagte Anka großzügig und nahm sich selbst ohne große Umstände eins der Kleider, das sie Zelima überreichte. Nehmt euch Zeit, ergänzte sie, ich lasse mich inzwischen im Nachbarraum von Zelima fertig machen. Kommt rüber, wenn du was gefunden hast. Wenn es nicht passt, kann Zelima es dir umnähen.
Und schon verschwand Anka durch die Tür, Zelima folgte ihr mit dem Kleid und Alischa war mit Tim alleine in der lichtdurchfluteten Kleiderkammer, die zahlreiche große holzvergitterte Fenster aufwies und einen guten Blick auf den Tempelplatz mit Thron und Holzpfahl bot. Von draußen hörte man, wie das Bum-Bum allmählich näher kam. Aber es blieb offenbar noch Zeit. Alischa schaute sich neugierig um. Bei den Kleidern herrschte die Farbe Weiß vor, und wie bei den Kleidern in der Taverne waren alle so geschnitten, dass die Brüste draußen blieben. Aber irgendetwas störte Alischa. Waren es die Schnitte? Waren es die Ornamente? War es der Stoff? Alischa schritt von Kleid zu Kleid und wurde nicht recht fündig. Sie probierte einige der Kleider an, war aber nie zufrieden.
Nicht dein Fall?, fragte Tim leise, der ihr an die Wand gelehnt zugeschaut hatte.
Ich weiß nicht...
Du musst überhaupt nichts von hier nehmen, sagte Tim. Wenn dir dein eigenes Kleid besser gefällt, nimm dein eigenes Kleid und fertig.
Alischa zögerte.
Niemand zwingt dich. (Die Stimme Tims wurde kräftiger.) Nimm dein Kleid! Ich sehe es doch; mit denen hier wirst du nicht glücklich.
Alischa war über den Zuspruch Tims erleichtert: Ich kann nicht genau sagen, was es ist. Ich war so stolz, als ich mein Kleid das erste Mal angezogen hatte. Es hatte eine so große Bedeutung für mich, weißt du? Und das zweite aus dem Städtchen ist von derselben Machart. Das ist mir wichtig.
Tim verstand sehr wohl, was Alischa meinte.
Weißt du, setzte Alischa fort, diese Kleider hier lassen die Brüste frei, ja, aber sie zelebrieren sie nicht, sie lassen sie einfach nur irgendwie draußen. Mein Kleid aber umrahmt die Brüste und macht sie zu was Besonderem, zu einem eigenen Schmuck. So etwas will ich.
Sie drehte sich zu Tim um.
Der löste sich von der Wand. Wofür hast du mich schließlich, meinte er, ich geh voran und sage es Anka. Ich glaube, du musst aber keine Bange haben, die wird das schon verstehen.
Tim ging voran und Alischa folgte - noch immer völlig nackt. Noch im Türrahmen des Nachbarraums verkündete er laut und ohne Umschweife: Alle Kleider abgelehnt!
Au, war das peinlich! Aber zu Alischas großer Erleichterung war ein lautes Lachen von Anka zu hören. Tim hatte wohl doch den richtigen Ton getroffen. Männer!
Als Alischa den Nachbarraum betrat, der genauso lichtdurchflutet war, wie die Kleiderkammer nebenan, sah sie, dass Anka aufwendig von Zelima geschminkt wurde und nahezu ihr ganzer Leib von prachtvollen Ornamenten verziert war. Im Haar trug sie einen Stirnreif und über die Arme und Beine waren zierliche Goldringe gestreift.
Anka kommentierte: Keine Bange wegen deines Kleids, eigene Sachen sind eigene Sachen, also bleib bei deinem Kleid. Zelima wird es gleich holen und nachschauen, was da nachzubessern ist.
Und als Anka hinter sich eine Bewegung hörte, fügte sie in scharfem Ton an: Zelima, ich sagte, du wirst das Kleid holen und nachbessern! Du kannst noch oft genug zuschauen, wie mich die Männer befriedigen.
Zelima zeigte ihren Gehorsam, indem sie auf den Boden fiel und Anka die Füße küsste. Doch sie kam nur zögerlich wieder hoch und ihre Augen waren feucht.
Ist sie eifersüchtig?, fragte Tim.
Ja, sagte Anka kurzangebunden. Aber sie weiß ganz genau, dass ich ab und zu einen Mann zur Befriedigung brauche, und trotzdem nur sie liebe. Sie hat es immer gewusst. Schon als wir in die Pubertät kamen, hat sie es gewusst. Und jetzt schaut sie jedes Mal heimlich aus dem Fenster zu, wie ich mich befriedigen lasse, statt auf mich zu hören und einfach wegzugucken. Sie begreift nicht, dass ich nicht anders kann, obwohl sie mich die gesamte übrige Zeit für sich alleine hat.
Anka zog Zelima zu sich herauf: Wer hat dich nie im Stich gelassen? Wer hat dich aus dem Dreck geholt? Wer hat dich ins Paradies gebracht? Wer lebt Tag für Tag mit dir zusammen mit Ausnahme von zwei Stunden alle Dutzend Tage? Wer liebt im Kopf und im Herzen mit aller Zärtlichkeit ein Mädchen, und nur der Kelch schreit nach einem groben Stößel?
Anka stand auf und gab Zelima sanft einen Kuss auf die Stirn. Was mir möglich ist, sagte sie, gebe ich dir. Alles! Aber was jetzt für zwei Stunden folgt, ist ein Abgrund. Mein Abgrund. Und jetzt geh das Kleid holen.
Die Sklavin Zelima machte gehorsam einen Knicks und verließ mit gesenktem Kopf den Raum.
Anka wandte sich an Alischa und Tim: Entschuldigt. Ich warte stets mit innerer Raserei auf diesen Augenblick. Das hier ist mein Kompromiss. Das notwendige Minimum. Und im Moment beherrscht es mich. Schaut selbst...
Mit einem Kopfnicken leitete Anka die Blicke zu ihrem Schoß hin und alleine ihr stoßweiser Atem hätte gereicht, was der Blick auf ihren Schoß nur unterstrich: Anka lief förmlich aus.
Da kam die Sklavin Zelima mit Alischas schon leicht lädiertem Kleid, dessen Rockteil in der Mitte weit geschlitzt war und dessen Oberteil die Brüste freiließ. Anka warf einen Blick darauf und kommentierte: Alischa, du hast einfach einen anderen Geschmack als ich; lass Zelima mal machen, dann hält das Kleid auch noch eine Weile.
Und an Zelima gewandt: Jetzt mach aber erst einmal mich fertig!
Zelima holte etwas, was wie ein Bündel Goldschnüre aussah, mit unzähligen zierlichen Goldringen daran. Es handelte sich um ein kompliziertes Schnürkorsett, das mehr zeigte als versteckte und die Brüste natürlich freiließ. Vor allem aber bildeten die zahlreichen goldenen Schnüre gezielt einen Rahmen für die Ornamente, die auf Ankas Leib gemalt waren und selbstverständlich auch für die Brüste. Prachtvolle Nacktheit wäre die passendste Beschreibung gewesen.
Nachdem Zelima Anka dieses komplizierte Gebilde anlegt hatte, band sie Anka einen weiß-goldenen Rock um, der vorn geschlitzt war. Als Zelima vor Anka auf dem Boden kniete, um den Rock an ihrem Leib zu richten, fuhr plötzlich mit einem Ruck ihre Nase in Ankas Schoß, um dort einen tiefen, sehr tiefen Atemzug zu nehmen. Im selben Augenblick hatte Anka sie aber gepackt und ihr drei Schläge mit der flachen Hand auf den Hintern verpasst. Anschließend griff sie der Sklavin Zelima ins Haar und zischte sie an: Du machst es dir nur schwerer!
Ihre Augen funkelten. Doch es lag keine Wut in ihren Augen, eher sogar eine gewisse Zufriedenheit. Selbst die Sklavin Zelima, die sich verstohlen den Hintern rieb, schien das Geschehene für keinen gar so üblen Tausch zu halten. Jedenfalls war der Blick der Eifersucht aus ihrem Gesicht verschwunden und sie war geschäftig dabei, die Hohepriesterin für ihre Amtshandlung in Hochform zu bringen.
Anka wandte sich noch einmal an Tim und an Alischa: Ich habe eine Bitte ... ein echter Wunsch ... ich habe nicht sehr oft Besucher wie euch ... Ich ... hätte es wirklich gern, wenn ihr zuschaut, hier am Fenster. Ihr habt von hier einen guten Blick und da ihr im Schatten steht, kann euch wegen des Holzgitters auch niemand sehen, nicht einmal ich. Schaut ihr zu? Die ganze Zeit, ja? Ich würde mich wirklich darüber freuen.
Gerne, sagte Tim.
Und, setzte sie zögernd nach, ... die Männer machen das freiwillig, denkt bitte daran. Ja?
Die Hohepriesterin Anka hatte jetzt einen wirklich flehenden Blick.
Aber ja!, sagte Tim.
Natürlich!, sagte Alischa.
Wisst ihr, setzte Anka leise nach, es geschieht einfach. Es kam ungerufen, war einfach da und geschieht. Ich nehme es nur entgegen wie ein Geschenk. Wie ein Traum, den man einfach träumt, der einfach da ist. Die Kämpfe der Männer hier in dieser Gegend sind auch ohne mich blutig. Aber nie unfair und nie über einen bestimmten Punkt hinaus. Es gab sogar Männer, die mehrfach gekommen sind, ergänzte sie, auch wenn sie mal einen Kampf verloren hatten. Das ist genau meins...
Anka, wir glauben dir das!, ließ sich Tim noch einmal hören, für Alischa ist es neu, aber ich kenne Peridëis inzwischen etwas, und im Zweifelsfall kann ich Alischa erklären, was nötig ist. Ich ahne durchaus, was jetzt geschieht. Lass es geschehen! Ich für meinen Teil will sehr gerne zuschauen.
Danke, sagte Anka leise. Ihr Atem ging stoßweise und ihr Blick war glasig
Fertig, sagte die Sklavin Zelima.
Die Hohepriesterin Anka lächelte, gab ihrer Sklavin noch einen Kuss auf die Stirn und verließ den Raum.
Wenige Augenblicke später sahen Alischa und Tim durch die holzvergitterte Fensteröffnung, wie Anka in würdevollem langsamem Schritt auf das Plateau trat. In ihrer linken Hand trug sie eine reich verzierte bläulich schimmernde Phiole, deren Deckel mit etlichen kunstvoll verschlungenen Schnüren fest verschlossen war. In der rechten Hand aber trug sie einen Kristallpokal, der mit Wasser gefüllt zu sein schien.
Was trägt sie in den Händen?, frage Alischa.
Die Phiole enthält ihre zu Pulver gemachte Milch, antwortete die Sklavin Zelima, die direkt hinter Alischa stand. Der Pokal in der rechten Hand ist aus einem großen Kristall geschliffen und enthält einfaches Wasser. Er symbolisiert, dass die Milch aus einfachem Wasser entsteht und erst durch das Geheimnis und die Macht des weiblichen Körpers seine besondere Wirkung erhält.
Danke, sagte Alischa.
Danke, sagte Tim, ohne sich dabei umzudrehen. Aber Zelima, ich glaube, du solltest wirklich auf Anka hören. Es bringt dir nichts, das zum tausendsten Mal zu sehen und dich dabei zu verzehren. Aber wenn du Alischas Kleid wieder schmuck machst, dann machst du Alischa eine große Freude.
Danke für den guten Grund zum Wegschauen, sagte Zelima leise hinter ihrem Rücken. Ehrlich.
Zelima huschte hinter ihrem Rücken davon.
Inzwischen ging die Hohepriesterin Anka langsamen Schrittes zum steinernen Thron. Der Thron stand stark erhöht im hinteren Bereich des Plateaus genau in dessen Mitte. Eine Treppe von vielleicht zehn oder zwölf Stufen führten vom Thron hinab zunächst auf eine Art Altartisch, der einen quadratischen Querschnitt hatte und mit einem sehr dicken schwarz-golden bestickten Tuch bedeckt war. Und erst von diesem Altartisch führten weitere Stufen hinab aufs Plateau. Die Hohepriesterin Anka stellte sich vor die Stufen zum Altartisch, vollführte, die Phiole in der linken und den Kristallpokal in der rechten Hand vor sich hin haltend, einen tiefen Knicks aus (keine Verbeugung!). Sie erstieg die Stufen zum Altartisch, überschritt diesen, stieg weiter die Stufen zum Thron hinauf und setzte sich schließlich auf den Thron. Bevor sie sich setzte, hielt sie Phiole und Kristallpokal aber erst in die Höhe, um sie anschließend links und rechts von sich in Vertiefungen der Armlehne zu stellen, die genau für diesen Zweck gemacht zu sein schienen. Erst danach setzte sie sich auf den Thron. Sie saß sehr aufrecht. Dann streifte sie würdevoll die beiden Hälften ihres Rocks auseinander und stellte ihre Beine weit auseinander, sodass sie den Tempelbesuchern ihre weit geöffnete erregte Vulva darbot. So blieb sie unbeweglich sitzen.
Alischa und Tim hatten hinter ihrem Fenster atemlos zugesehen und vergessen, einen Blick zum See hinunter zu werfen. Dort hatten inzwischen etwa zwanzig lange Ruderboote festgemacht, je zehn auf jeder Seite der breiten Treppe, die zum Plateau hinaufführte. Bei den linken Booten herrschte die Farbe Blau vor, bei den rechten Booten die Farbe Rot. Es waren Frauen und Männer zu sehen, die sich scheinbar wahllos mischten, während sie die Boote verließen. Insgesamt mochten es um die hundert Leute sein, die sich am Fuß der Treppe sammelten. Jetzt war zu erkennen, dass die Leute sich ordneten. Ganz vorn je ein einzelner Mann und erst nach einigen Metern Abstand die anderen Leute. Die einzelnen Männer schienen die Kämpfer zu sein, die gegeneinander antreten sollten. Nun setzten wieder die Pauken ein, bei beiden Gruppen im gleichen Takt: Ein rhythmisches Bum-Bum, erst ein Bum von der linken Seite, danach eins von der rechten. Und wieder Bum-Bum. Zur gleichen Zeit begannen die Leute, die Stufen hinauf zum Plateau zu erklimmen, in zwei langgestreckten Reihen, alle Leute hintereinander und alle im gemeinsamen Takt der Pauken, als wolle man symbolisieren, dass man getrennt, aber nach denselben Regeln handele. Die Pauken selbst bildeten den Abschluss der beiden Menschenschlangen, die linke Menschenschlange blaugewandet und die rechte rot.
Bum-Bum. Schritt und Schritt.
Bum-Bum. Schritt und Schritt.
Bum-Bum. Schritt und Schritt.
Ein Blick zur Hohepriesterin Anka.
Es war deutlich zu erkennen, dass die Hohepriesterin schnell atmete. Und blass im Gesicht war. Und einen starren Blick hatte. Die rechte Hand der Hohepriesterin griff nach dem Kristallpokal, führte ihn an ihre Lippen und benetzte diese. Dann setzte sie den Pokal wieder ab. Ihre Hand zitterte deutlich.
Jetzt hatten die Kämpfer als erste das Plateau erreicht und stellten sich mit Blick in Richtung ihrer Hohepriesterin in der Mitte des freien Platzes zwischen Thron und Pfahl. Nun folgten die anderen Leute, einer nach dem anderen.
Bum-Bum. Schritt und Schritt. Bum-Bum. Schritt und Schritt.
Schließlich hatten alle einen Halbkreis um den Thron gebildet, die beiden Pauken in der Mitte, links vom Thron herrschten blaue Farben vor, rechts aber rote Farben und der Pfahl trennte die beiden Parteien. Es waren Frauen und Männer zu etwa gleichen Teilen anwesend, ohne sich in der Menge nach Frauen und Männern zu teilen. Der Halbkreis war ohnehin nicht streng gezirkelt, und noch dazu ohne erkennbare Ordnung mal ein-, mal zwei- und mal dreireihig.
Die beiden Kämpfer hatten in der Mitte Aufstellung genommen. Beide waren nur mit einer Art Schurz bekleidet, der knapp das Hinterteil und die Seiten bedeckte, vorn aber den Penis freiließ und sich nur oberhalb der Scham als eine Art Gürtel schloss. Der Schurz des einen Kämpfers war rot, der Schurz des anderen aber blau, und beide waren mit Borten umrandet und reich verziert. Vorn machte die Borte eine sanfte Rundung nach oben, um dem Penis einen gut sichtbaren Platz zu lassen. Vielleicht symbolisierte der Ausschnitt im Schurz die Bewerbung der Kämpfer für das Eindringen in die Vagina ihrer Hohepriesterin. Der eigentliche Sinn des Schurzes schien aber zu sein, daran die Bewaffnung für den Kampf zu tragen. Jeder der beiden Kämpfer hielt senkrecht in der rechten Hand etwas, das zunächst wie eine Lanze wirkte. Aber es waren in Wirklichkeit lange Peitschen, deren Schaft fast drei Meter lang sein mochte, und an deren Enden sich eine vielleicht ein Meter lange Peitschenschnur befand. Am Gürtel aber trugen die Kämpfer je eine meterlange steife Gerte, die am Ende eine kurze Schnur trug, vielleicht zehn oder fünfzehn Zentimeter lang, dazu einen kurzen Flogger mit zahlreichen Schnüren am Ende des Griffs, die je etwa 20 Zentimeter lang sein mochten, und außerdem noch ein aufgerolltes Seilstück.
Die Hohepriesterin Anka erhob sich vom Thron und hielt die Phiole mit ihre getrockneten Milch in der linken Hand empor und den Kristallpokal mit dem klaren Wasser in der rechten Hand.
Alle etwa hundert Leute erwiderten den Gruß. Die Frauen, indem sie einen Knicks ausführten, die Männer, indem sie ihren Kopf beugten, was vielleicht eine halbe Minute dauern mochte und Alischa und Tim wie eine Ewigkeit vorkam.
Doch nun war die Begrüßung beendet und die Hohepriesterin stellte die Milchphiole wieder ab. Den Kristallkelch setzte sie aber an die Lippen und trank daraus Schluck um Schluck, bis dieser halb leer war. Dann stellte sie auch den Kristallkelch wieder an seinen Platz zurück.
Als das getan war, begann sie, langsam von ihrem Thron zum Altartisch hinabzusteigen.
Die beiden Kämpfer aber erstiegen die Stufen hinauf zum Altartisch, der blaue links und der rote rechts.
Die Pauken ertönten wieder im Takt der Schritte: Bum-Bum. Schritt und Schritt.
Schließlich standen sich Hohepriesterin und Kämpfer gegenüber.
Bum!
Und die Pauken schwiegen.
Die Kämpfer legten ihre langen Peitschen zu Boden und sanken vor der Hohepriesterin auf die Knie.
Anka machte einen Schritt auf sie zu. Sie fasste mit der linken Hand unter ihre linke Brust und mit der rechten Hand unter ihre rechte Brust. Die linke Brust reichte sie dem blaugekleideten Kämpfer und die rechte Brust dem rotgekleideten. Beide erfassten die Brustwarzen mit ihren Lippen und begannen, die zauberkräftige Milch der Hohepriesterin zu trinken.
Stille herrschte auf dem Tempelplatz.
Einige Augenblicke später war in der herrschenden absoluten Stille ein Seufzen der Hohepriesterin zu hören, eine unwillkürliche Bewegung der beiden Kämpfer zu Anka hin zu bemerken, und man sah deutlich, dass die Kämpfer in eine Art Rausch zu fallen schienen. Die Trinkbewegungen ihrer Unterkiefer waren im gleichen Augenblick deutlich langsamer, aber kräftiger geworden. Anka aber hatte die Augen geschlossen wie zu einer Meditation, als würde sie Energie aus der Luft aufsaugen, um sie über ihre Brüste in Form von Milch wieder ausströmen zu lassen.
Immer noch herrschte totale Stille auf dem Tempelplatz.
Minuten vergingen.
Wie das Peridëis-Symbol, hauchte Alischa hinter ihrem Fenstergitter im Schatten versteckt.
Sie stärken sich für ihre Aufgabe - und so hat nach dem Kampf selbst der Verlierer einen Gewinn gehabt, hauchte Tim zurück, aber Anka ahmt das Peridëis-Symbol glaube ich nur nach.
Meinst du?
Wie denn sonst? Sie ist nur eine Besucherin wie wir.
Stimmt. Aber so viel Wasser hätte ich nicht getrunken. Was, wenn sie zwischendurch plötzlich pinkeln muss?
Woran du bloß denkst!, Tim gluckste. – Aber selbst wenn das getrunkene Wasser nicht in Form von Milch aus ihr rausgesaugt wird, wenn sie einfach lospinkeln würde, wäre das vermutlich Kult für die Leute.
Wieso denn das schon wieder?
Hat die Königin einen Leberfleck im Gesicht, dann pappen sich die Hofdamen nachgemachte Leberflecken ins Gesicht und sächselt der Staatsratsvorsitzende, dann sächseln die strammen Genossen ebenfalls [46]. Und wenn Anka die Kämpfer unverfroren anpinkeln würde, dann kannst du dir denken, was die Frauen später beim Sex zu Hause tun würden.
Jetzt war es Alischa, die gluckste. Aber sie kriegte sich wieder ein und die Stimmung draußen nahm sie schließlich aufs Neue gefangen.
Es mochten zehn Minuten vergangen sein.
Es hatte atemlose Stille auf dem Platz geherrscht. Die einzigen Geräusche waren von der Hohepriesterin selbst gekommen und bisweilen von den beiden Kämpfern. Aber nie aus der Menge der Leute.
Da zog die Hohepriesterin mit ihren Händen ihre Brüste von den Kämpfern fort. Sie drehte sich um und schritt wieder zu ihrem Thron hinauf. Oben nahm sie wieder auf dem Thron Platz. Aufrecht sitzend, aber mit weit geöffneten Schenkeln.
Die beiden Kämpfer nahmen ihre langen Peitschen wieder vom Boden auf, erhoben sich und schritten auf die Treppe zu, die vom Altar hinab auf den Tempelplatz führten. Beide hatten einen steil aufgerichteten Penis und taten nichts, um das zu verstecken.
Die Pauken setzten wieder ein: Bum-Bum. Schritt und Schritt.
Wenige Augenblicke später waren die Kämpfer unten angelangt.
Die Pauken verstummten.
Beide Kämpfer nahmen links und rechts vom Pfahl Aufstellung, der blaue links und der rote rechts. Sie wandten sich einander zu und senkten ihre Peitschen. Die anderen Leute aber standen nach wie vor im Halbkreis um den Pfahl herum, die Kreishälfte zur Hohepriesterin und zum Altar hin offenlassend.
Die Hohepriesterin klatschte in die Hände.
Die Kämpfer beugten sich vor und senkten ihre langen Peitschen.
Wieder herrschte völlige Stille. Alischa atmete hörbar. Plötzlich sagte sie leise: Sieh! Bei beiden Männern ist der Penis wieder ganz nach unten gesunken. Eben waren die noch völlig steif gewesen!
Wundert mich nicht, antwortete Tim leise. Ablenkung wirkt am stärksten. Ich glaube, die meisten normalen Erektionsprobleme kommen davon, dass die Männer Gedanken nicht loswerden, die nichts mit Sex zu tun haben.
Beide schwiegen wieder und schauten gespannt nach draußen.
Die beiden Kämpfer begannen, sich lauernd um den Pfahl herum zu umrunden.
Da! - Der blaue Kämpfer hatte ausgeholt und die Peitsche zischte hörbar durch die Luft und ein lauter Knall war zu hören, fast wie ein Pistolenschuss.
Doch er hatte keine Aussicht auf einen Treffer, denn der rote Kämpfer befand sich genau auf der anderen Seite des Pfahls, den er geschickt als Deckung nutzte. Aber er antwortete mit seiner Peitsche auf die gleiche Weise. Ein lauter Knall war zu hören, wieder fast wie ein Pistolenschuss.
Doch der blaue hatte währenddessen einen zweiten Schlag versucht. Knall!
Doch der rote war geschickt unter der Peitsche weggeglitten und antwortete nun seinerseits mit einem sehr tief ausgeführten Peitschenschlag. Wieder zischte es und knallte ohrenbetäubend.
Sein Gegner wich durch einen Sprung aus und schlug von oben.
Der rote Kämpfer wich mit einer Seitwärtsbewegung aus.
Jetzt belauerten sich die Kämpfer und umkreisten den Pfahl, ihren Gegner keinen Augenblick aus den Augen lassend.
Die lassen sich ja gar nichts anmerken, hauchte Alischa, die Schläge müssen doch unglaublich wehtun!
Glaubst du, die haben sich gegenseitig getroffen?, fragte Tim.
Aber ja!, antwortete Alischa - hast du nicht das entsetzlich laute Knallen gehört?
Das muss kein Treffer gewesen sein, antwortete Tim, das Peitschenseil kann bei geschickter Handhabung an der Spitze Überschallgeschwindigkeit erreichen, haben Physiker mal errechnet, und das macht den Knall. Ich glaube, bei den langen Peitschen geht’s gar nicht bloß um den Schlag, sondern auch darum, den Gegner einzuschüchtern und die Zuschauer zu beeindrucken.
Die beiden Kämpfer umkreisten sich in sicherer Entfernung, den Pfahl immer in der Mitte haltend. Der blaue drohte mit einem gewaltigen Schlag in die Luft. Knall! Der rote Kämpfer antwortete nicht minder gewaltig. Knall!
Nochmals!
Nochmals!
Doch nun näherten die Kämpfer sich. Knall! Knall! Knall!
Treffer! - Der blaue Kämpfer zuckte zusammen, ein kurzes unterdrücktes Stöhnen war nach dem Peitschenschlag zu hören und ein roter Striemen zeichnete sich auf Bauch und Rücken ab.
Alischa hatte mitgestöhnt und war zusammengezuckt. Aber wie gebannt schaute sie dem Geschehen weiter zu.
Der Getroffene führte im Wutschmerz eine ganze Serie von Schlägen aus. Knall! Knall! Knall!
Der rote Gegner antworte auf die gleiche Weise.
Da! Knall! Treffer!
Noch einmal Knall! Treffer!
Beide Kämpfer mussten jetzt einstecken, noch einen Schlag, wieder einen Schlag. Die Beine von beiden zeigten Striemen, Bauch und Rücken zeigten Striemen.
Da, noch ein Schlag. Knall! Ein Aufschrei.
Plötzlich wurde der Kampf unterbrochen. Der blaue Kämpfer hielt das Gesicht mit den Händen und war offenbar dort getroffen worden. Doch was war das? Der rote Kämpfer ließ seine Peitsche zu Boden fallen und sank auf die Knie, als würde er um Verzeihung bitten wollen. Eine blau gekleidete Frau huschte heran und tupfte ihrem getroffenen Kämpfer das Gesicht ab.
Jetzt erhob sich der rote Kämpfer wieder von den Knien, ließ seine Peitsche aber achtlos auf den Boden liegen und blieb aufrecht stehen.
Was mochte das bedeuten? War der Kampf vorbei?
Nein, offenbar nicht. Der getroffene blaue Kämpfer nahm seitlich vom Pfahl vielleicht drei oder vier Metern vom anderen Kämpfer entfernt Aufstellung, seine Peitsche in der rechten Hand. Er holte langsam aus und zielte sehr sorgfältig ...
Der rote Kämpfer stand starr und bewegungslos vor ihm.
Nein, er wird doch nicht, ... hauchte Alischa.
Sieht aber so aus, antwortete Tim. Es scheint strenge Regeln für verbotene Körperbereiche zu geben. Ich habe mich schon gewundert, dass der Penis so ungeschützt ist, denn was nutzt Anka ein Sieger, dem der Penis oder die Hoden schmerzen? Er schaute zu Anka hinauf. Diese schien in der Tat ungehalten zu sein, jedenfalls waren im Moment ihre Schenkel geschlossen und ihr Gesicht wirkte ärgerlich.
Da ließ sich der zu bestrafende rote Kämpfer hören: Ich bitte um meine Bestrafung, sagte er.
Starr stand er da. Blass im Gesicht, man sah seine Angst. Aber er rührte sich keinen Millimeter.
Zisch - Knall!
Der rote Kämpfer fiel auf die Knie und hielt sich das Gesicht. Die blaugekleidete Frau war im Nu bei ihm und pflegte sein Gesicht. Eine Frau der Gegenpartei!
Doch es verging nicht viel Zeit, da nahmen die Kämpfer wieder Aufstellung. Auch der rote Kämpfer hatte wieder die Peitsche in der Hand und war in Kampfstellung. Der blaue Kämpfer schlug zuerst. Dann ging es weiter, Schlag um Schlag.
Die Hohepriesterin Anka saß wieder mit geöffneten Schenkeln auf ihrem Thron. Tim schaute fasziniert zu ihr hinauf, denn Anka war vom Anblick des Kampfs offenbar hocherregt, ihr Atem ging schnell, ihr Blick war starr und ihr Oberkörper angespannt nach vorne gebeugt.
Da! Es war dem roten Kämpfer gelungen, das Peitschenseil seines Gegners zu erfassen. Nicht ganz folgenlos, denn man sah den Striemen auf seinem linken Unterarm. Er nutzte seinen Vorteil sofort, um einen Volltreffer auf dem Rücken seines Gegners zu landen. Das Ende seiner Peitsche umschlang dabei den Rücken des blauen Kämpfers, unter den Achseln hindurch bis vor zur Brust, wo sich nun ein roter Streifen abzeichnete.
Der blaue Kämpfer klappte vor Schmerz zusammen, stöhnte auf, aber es gelang ihm, mit Arm und Hand seinerseits die Peitsche seines Gegners zu erfassen.
Beide Kämpfer schlangen hastig die Schnur der gegnerischen Peitsche ums eigene Handgelenk. Damit hatte keiner der beiden die Chance, die eigene Peitsche noch einmal zum Einsatz zu bringen.
Wie würde es nun weitergehen? Bliebe es beim Patt? Würde man dem Gegner die Peitsche entreißen, um einfach damit weiterzukämpfen?
Nein! - Beide verloren mit solchen Versuchen gar keine Zeit. Stattdessen zerbrach jeder die Waffe seines Gegners in zahlreiche Stücke und warf diese zu Boden. Zum Schluss fielen die nutzlos gewordenen Peitschenseile.
Doch jetzt zog jeder der beiden Kämpfer die Gerte aus dem Gürtel und ließ sie drohend durch die Luft zischen. Beide achteten sichtlich wieder darauf, den Pfahl zwischen sich und den Gegner zu bringen. Die Gerten erwiesen sich als lange nicht so laut wie die Peitschen, aber das Zischen machte durchaus klar, dass man besser nicht in Reichweite der Gerten geraten sollte. Noch eins war jetzt anders: Die Gerten hatten am Griff eine Schlaufe, sodass man sie dem Gegner nicht so einfach aus der Hand würde reißen können.
Wieder umkreisten sich die Kämpfer. Mal um Mal ließen sie ihre Gerten drohend durch die Luft zischen. Schweiß rann über die Körper der Männer und würde in die zahlreichen Striemen eindringend sicher zusätzlichen Pein bewirken.
Zisch, Treffer! - Der blaue Kämpfer war mit einem Satz am Pfahl vorbeigesprungen, hatte mit einem Fußtritt auf den Pfahl zusätzlichen Schwung geholt, flog am roten Kämpfer vorbei, verpasste diesem einen Hieb auf den Oberschenkel, während sein Sprung den Schlag des Gegners aber in die Leere gehen ließ. Noch gar nicht richtig auf den Füßen vollführte er einen zweiten gekonnten Schlag auf den Oberschenkel des anderen Beins. Der rote Kämpfer klappte zusammen, ohne dass sein Willen dazu beigetragen hätte; es war eine dieser unwillkürlichen Reaktionen, denen man sich beim besten Willen nicht entziehen kann. Doch genau darauf schien es der blaue Kämpfer abgesehen zu haben - Schlag auf Schlag hagelte auf den roten Kämpfer nieder, noch bevor dieser sich irgendwie erholen konnte.
Da! - Jetzt lag der rote Kämpfer auf der Seite, im Nu war sein Gegner über ihm, zerrte das Seilstück aus seinem Gürtel, fesselte dem roten Kämpfer damit die Hände, zerrte das Seilende schließlich durch den Ring des Pfahls und verknotete dieses dort.
Der Sieger erhob beide Hände zur Siegerpose. Tosender Beifall und Jubel kam von seinen eigenen blaugekleideten Leuten, einfaches Klatschen aber (immerhin!) von den rotgekleideten Verlieren.
Die Hohepriesterin auf ihrem Thron klatschte ebenfalls huldvoll. Nach einigen Minuten aber machte sie mit beiden Händen eine Geste, welche die Leute eindeutig zum Verlassen des Tempels aufforderte.
Die Leute, die roten wie die blauen, verbeugten sich tief vor ihrer Hohepriesterin. Der blaue Kämpfer schritt zurück zum Pfahl und nahm dem besiegten roten Kämpfer die Fesseln ab. Beide verbeugten sich voreinander und schließlich nahmen die rotgekleideten Leute ihren Kämpfer in Empfang, um ihn zu trösten und schließlich fortzuführen.
Die roten wie die blaugekleideten Leute stiegen die Stufen wieder vom Tempel zum See hinunter. Ungeordnet. Und die Pauken schwiegen diesmal.
Es war leer auf dem Tempelplatz. Nur Anka, die Hohepriesterin, saß auf ihrem Thron, und unten, zwischen Pfahl und Altartisch, stand mit gesenktem Kopf der Sieger. Alischa und Tim schauten aus ihrem Versteck heraus atemlos zu. Wie es Anka gerne gewollt hatte.
Jetzt klatschte die Hohepriesterin Anka laut vernehmlich die Hände. Der alleine auf dem Tempelplatz zurückgebliebene blaue Kämpfer erhob seinen Kopf und schaute zu Anka hinauf. Die Hohepriesterin Anka bot ihm breitbeinig sitzend ihre weit geöffnete Vulva dar. Er musste einen direkten Blick geradewegs in diese hinein haben. Nur Alischa und Tim in ihrem Versteck hatten leider keinen Blick darauf. So hocherregt, wie Anka wirkte, musste ihr Geschlecht dem Kämpfer einen unzweifelhaft auffordernden Anblick bieten: Stark geschwollen, vielleicht sogar leicht geöffnet, ganz sicher pitschnass und ganz sicher einen betörenden Duft verbreitend.
Eine ganze Weile lang war wieder Stille.
Der Penis des Siegers begann sich zu erheben, bis er steil nach oben stand.
Die Hohepriesterin nahm wieder den Kristallpokal, der mit klarem Wasser gefüllt war. Sie setzte den Kristallpokal erneut an ihre Lippen und trank ihn diesmal völlig leer, Zug um Zug. Dann setzte sie den Kristallpokal wieder rechts von sich ab.
Als sie dies getan hatte, nahm sie die reich verzierte bläulich schimmernde Phiole, deren Deckel mit etlichen kunstvoll verschlungenen Schnüren fest verschlossen war, in beide Hände. Sie erhob sich und schritt mit der Phiole in den Händen langsam und würdevoll die Stufen ihres Altars hinunter.
Ein leises Geräusch war hinter Alischa und Tim zu hören.
Tim drehte sich um. Zelima, tu es nicht, sagte er halblaut.
Es quält mich aber, flüsterte Zelima, die sich wieder herangeschlichen hatte.
Das ist um so mehr ein Grund, es nicht zu tun, antwortete Tim. Sind dir nie die Gedanken entglitten, wenn du dich selbstbefriedigt hast, weg von Anka? Und du liebst Anka trotzdem über alles?
Doch, ja, das kommt vor. Zelima flüsterte es sehr sehr leise.
Das hier ist nichts anderes, sagte Tim. Peridëis ist ein Traum und Träume sind frei. Wenn deine Träume nicht frei sind, bist du selbst nicht frei und es steht schlimm um dich. Dann hat jemand anderes die Kontrolle über dich, dir aber fehlt der Ausgleich, den du zu deiner eigenen Gesundheit brauchst. Wie die Kunst ein Ausgleich in der realen Welt ist. Es steht schlimm um die Welt, wenn Kunst nicht mehr frei ist. Fällt es dir leichter, wenn du es so siehst?
Nein.
Himmel Arsch!, polterte Tim mit gedämpfter Stimme los, damit draußen nichts von der Auseinandersetzung zu hören war. Fällt es dir leichter, wenn ich dir eine Tracht auf den Hintern verspreche?!
Ja.
Tim war ehrlich verblüfft.
He!, sagte er, lass mir einen Ausweg, dann belohne ich dich ja.
Ja. Zum ersten Mal war auf Zelimas Gesicht ein Lächeln zu sehen. Ein verschmitztes. Ich bin schon weg, versprach sie und - husch - tatsächlich war sie wieder verschwunden.
Ob sie Anka mit ihrer Widerspenstigkeit provoziert?, fragte Tim an Alischa gewandt.
Ich glaub schon, antwortete Alischa. So unlogisch ist das gar nicht.
Hm, sagte Tim.
Hm, sagte Alischa. Guck mal raus, sonst verpasst du das Beste.
Die Hohepriesterin Anka stand bereits auf dem quadratischen altarartigen Tisch, der mit einem dicken schwarz-golden bestickten Tuch bedeckt war. Die reich verzierte bläulich schimmernde Phiole, deren Deckel mit etlichen kunstvoll verschlungenen Schnüren fest verschlossen war, stand inzwischen hinter ihrem Rücken auf der Treppe, die zum Thron hinaufführte.
Der Sieger war gerade dabei, langsam die Stufen vom Tempelplatz hinauf zum Altartisch zu ersteigen, wo ihn die Hohepriesterin erwartete. Direkt vor ihr, oben auf dem Altartisch mit dem dicken schwarz-golden bestickten Tuch darauf, blieb er stehen. Er senkte seinen Kopf wieder.
Die Hohepriesterin Anka trat zum Sieger heran. Sie griff neuerlich unter ihre beiden Brüste. Doch was tat sie? Siehe - sie spritzte aus ihren eigenen Brüsten Milch auf die verletzten Stellen des Kämpfers und verteilte diese anschließend vorsichtig mit ihren Fingern. Ihre Hände glitten über die Haut des Kämpfers, benetzten diese, und immer wieder holten ihre Hände frischen Milch aus ihren Brüsten, die erneut sehr vorsichtig auf der Haut des Kämpfers verteilt wurde. Die Hände Ankas vergaßen auch das Gesicht des blaugekleideten Kämpfers nicht, vergaßen Ohren und Nacken nicht, sogar der steil aufgerichtete Phallus erhielt seinen Teil, und schließlich sank die Hohepriesterin auf die Knie, um dem Kämpfer Ober- und Unterschenkel und sogar die Füße zu pflegen. Und immer wieder aufs Neue molk sie ihre Brüste aus, um reichlich Milch in breiten Strahlen als heilkräftige Wundersalbe für seine Haut zur Verfügung zu haben.
Zur Verblüffung der heimlich beobachtenden Alischa schlossen sich die Peitschenwunden zusehends. Nicht einmal rote Striemen blieben zurück, nichts!
Wie geht das?! Ist Ankas Milch doch zauberkräftig?, fragte Alischa leise Tim.
Nicht zauberkräftiger, als Anka gesagt hat, antwortete Tim. Deine Milch ist kein bisschen weniger heilkräftig, nur weitaus wirksamer, als die der Einwohnerinnen von Peridëis. Der Verlierer wird genauso versorgt, aber eben von der Milch einer gewöhnlichen Frau. In ein paar Stunden ist auch bei dem nichts mehr zu sehen.
Ist das immer so in Peridëis?, fragte Alischa.
Immer. Auch ohne Milch, nur etwas langsamer. Kein Tod. Keine schweren Verletzungen, keine Entzündungen. Vergiss nicht, wo du bist.
Ich vergesse es bestimmt nicht, wenn ich das da draußen sehe, sagte Alischa. Anka ist gerade drauf und dran, von einem Mann durchgenommen zu werden, wie ich ihn höchstens mal auf einem Foto oder im Fernsehen betrachten kann, und mein eigener Schoß protestiert mit aller Heftigkeit gegen seine eigene Vernachlässigung!
Aber befriedige dich doch!
...
Hilft es dir, wenn ich in ein anderes Zimmer gehe?, fragte Tim.
Nein, antwortete Alischa, ich will dich ja gerne hier haben. Ich halt’s schon aus. Aber es erregt mich eben sehr. Schon dieser Kampf hatte eine seltsame Wirkung. Vielleicht wegen der Belohnung, die dem Sieger winkt, aber auch so. Seltsam ... zwei Männer, die blutig um eine Frau kämpfen ... da ist etwas Archaisches drin, dem ich mich nicht entziehen kann.
Schweigen.
Beide blickten wieder nach draußen.
Die Hohepriesterin Anka kniete noch immer vor dem blaugekleideten Kämpfer, der die Augen geschlossen hatte und geschehen ließ, was mit ihm geschah. Anka widmete jetzt seinem steil aufgerichteten prallen Phallus ihre ganze Aufmerksamkeit, denn dieser würde in wenigen Augenblicken die Hauptrolle übernehmen. Ob Ankas Milch auch hier eine besonders zauberkräftige Wirkung entfalten konnte? Mindestens schien es Anka zu hoffen, denn der Phallus des Kämpfers bekam weit mehr von ihrer Zauberessenz zur Pflege, als jedes andere Körperteil. Und dies, obwohl er im vorangegangenen Kampf sorgfältig geschont worden war. Jetzt zog Anka das Häutchen zurück, dass den empfindlichsten Teil seines Phallus schützte, und tränkte diesen geheimen Teil ausgiebig mit ihrer Milch, salbte ihn und wusch ihn.
Die heimlich zuschauenden Alischa zerfloss. Dem armen Tim neben ihr musste es noch ärger ergehen. Doch Alischa verkrallte sich unwillkürlich in seiner Hand.
Jetzt schob Anka den Phallus des Kämpfers in ihren Mund. Ein lautes Aufstöhnen war zu hören. Der Kämpfer musste am Rand seiner Selbstbeherrschung sein, denn Anka hatte sich sehr viel Zeit genommen.
Der Kopf Ankas fuhr vor und zurück, während ihre Hände den Hintern des Kämpfers festhielten. Aber die Bewegungen waren nicht schnell, schon gar nicht von Hektik gezeichnet, sondern langsam, genussvoll, scheinbar ganz und gar von ihrer eigenen Lust geprägt, ohne Rücksicht darauf, ob der Kämpfer mehr begehrte. Es ging vor und zurück, mal betont langsam saugend, mal ein klein wenig schneller, und mal nahm sie den Phallus des Kämpfers wieder aus dem Mund heraus und umspielte mit ihrer Zunge seinen Eichelkranz und die Phallusspitze mit dem winzigen Löchlein, aus dem sein Samen herauswallen würde. Solche Spiele spielte sie mit dem Phallus des Kämpfers. Sehr langsam, sehr verhalten. Sehr quälend für diesen, der keine Bewegung wagte.
Wehe du kommst!, drohte Anka dem Kämpfer finster und doch rasend vor Begehren hochblickend.
Der nickte angestrengt.
Wenn doch, kommst du für einen Tag an den Schandpfahl, bis du wieder mit vollem Gewinn als Mann benutzbar bist.
Der Kämpfer nickte wieder angestrengt.
Dafür ist der Pfahl gedacht!, kommentierte Alischa leise hinterm Gitterfenster.
Ich bin ehrlich gesagt etwas erleichtert, antwortete Tim ebenso leise.
Ich auch, antwortete Alischa. Und jetzt bin ich gespannt, ob der Mann das schafft. Wie würde es dir an seiner Stelle gehen?
Ich weiß nicht, einerseits ist man durch das Zölibat zwar leicht reizbar, aber andererseits fehlt die Gewohnheit.
Woher weißt du das?!
Glaubst du, bei mir gibt es keine Momente, wo ich halb irre werde vor Begehren? Ich dachte früher, ich würde in solchen Momenten von alleine und innerhalb von Sekunden kommen, aber das ist gar nicht so. Jedenfalls bei mir und mit der Hand. Es blieb immer lange genug erfolglos, dass ich mich gebremst bekommen habe.
Seltsam. Und wenn dich Frauen angehen?
Hast du doch bei der Hexe gesehen. Da passiert etwas, was ich nicht mehr in der Hand habe.
Im wahrsten Sinne... Alischa gluckste.
Draußen auf dem Altartisch, der mit einem schwarz-golden bestickten Tuch bedeckt war, streichelte Anka dem Kämpfer den Phallus. Und endlich ließ sie sich langsam vom Knien auf den Rücken sinken. Schließlich lag sie rücklings mit gespreizten Beinen und weit zurückgeschlagenem Rock auf dem Altar.
Befriedige mich, starker Mann!
Der Kämpfer machte einen Schritt zur weit offen daliegenden Hohepriesterin. Sein Phallus ragte makellos in voller Pracht nach oben.
Nimm mich endlich!, schrie die Hohepriesterin. Ohne Wut. Es war dringendes Begehren.
Jetzt endlich ließ sich der Kämpfer fallen, packte Ankas erhobenen Hintern und stieß seinen Phallus mit einem starken Ruck in Ankas Schoß hinein. Beide stöhnten laut auf.
Alischa stöhnte leise.
Der Kämpfer hatte Ankas Hinterteil fest in den Händen und riss ihren Schoß rhythmisch in den seinen, Stoß um Stoß. Jetzt war da keine Scheu mehr, jetzt reagierte er wie ein wildes Tier, das seine Beute in den Fängen hat. Sein Hüfte stieß zu, seine Hände taten das Ihrige, Anka schrie laut auf vor Lust und Wonne, der Kämpfer keuchte, seine Augen wirkten wie irre, Verstand war da nicht mehr im Spiel, schneller und schneller wurden die Bewegungen, plötzlich war deutlich zu sehen, wie Ankas Körper sich anspannte, ihr Atem innehielt. Sie keuchte, nicht aufhören, nicht aufhören, nicht aufhören, gib dir Mühe, mach schon, jaaaaaaaaaaaaaa, und nur einen Bruchteil eines Augenblicks später geschah es ganz ähnlich dem Kämpfer, auch er krampfte, wurde einen Hauch langsamer, tiefer, rhythmischer, Anka spürte das, zerrte seinen Unterleib an ihren Schoß heran, um seinen Phallus tief in sich zu pressen und dann stöhnte auch er, jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa.
Man spürte förmlich, was jetzt tief im Inneren der Vagina geschah.
Nach dem Empfang der Befriedigung lagen beide keuchend aufeinander. Anka presste noch immer den Hintern des Kämpfers in ihren Schoß, um ja nicht die Verbindung zueinander zu verlieren, im Falle dass sein Penis jetzt weich und nachgiebig wäre und aus ihrer Vagina hinausgleiten könnte.
Eine Weile verging.
Anka fragte leise den Kämpfer: Hast du deinen Samen in mich ergossen?
Ja Herrin, ich habe meinen Samen in dich vergossen.
Und du hast auch nichts zurückgehalten?
Nein, Herrin, ich habe nicht das kleinste Tröpfchen zurückgehalten und mir besondere Mühe gegeben, alles herauszudrücken.
Dann hole dir jetzt deinen Lohn und bringe ihn als Trophäe nach Hause.
Ich danke dir, Herrin.
Der blaue Kämpfer erhob sich behutsam von Anka, setzte einen vorsichtigen Abschiedskuss auf ihre nasse Vulva, nahm von der Treppe zum Thron die reich verzierte bläulich schimmernde Phiole, deren Deckel mit etlichen kunstvoll verschlungenen Schnüren fest verschlossen war, und verließ seine Hohepriesterin. Alischa und Tim sahen, wie der blaue Kämpfer mit der Phiole in der Hand zügig die Treppe vom Tempel hinunter zu seinem Boot stieg, und etwas später, wie er sich über den See entfernte.
Da rief Anka: Tim! Alischa! Tut mir die Freude und kommt her! Zelima? Kaffee!
Sie selbst blieb auf dem Altartisch liegen und legte dabei ihre Beine hinauf auf die Stufen zum Thron, also wollte sie von dem empfangenen Samen schwanger werden.
Willst du schwanger werden?, fragte die herangekommene Alischa. Oder warum legst du deinen Schoß hoch?
Es gefällt mir, den Samen mit all seinen wimmelnden munteren kleinen Spermien tief in mir zu haben, lachte Anka. Wie ein Aquarium. Mindestens vier Tage lang leben die Spermien, wusstest du das?
Wusste ich. Ich kann auch bis 28 zählen, um nicht schwanger zu werden.
Anka lachte wieder. In Peridëis ist das aber nutzloses Wissen.
Jetzt lachte Alischa.
Anka tunkte ihren Finger in ihre Scheide. Nein, sagte sie, ab und zu brauche ich das animalisch Männliche wirklich und dazu gehört auch, mit männlichem Samen gefüllt zu werden. Nenne das Unsinn, aber mir geht das so.
Warum Unsinn?, antwortete Alischa, den Teil kann ich sehr direkt nachvollziehen. Außerdem muss es die Natur ja irgendwie auch schaffen, dass man sich vermehrt.
Da kam Zelima, stellte ein Tablett mit Kaffee, frischer Milch und Trinkbechern auf den Altar, verschwand aber sofort wieder.
Warum lädst du Zelima nicht zum Bleiben ein?, fragte Tim.
Ich will es nicht übertreiben, antwortete Anka, alles an mir riecht nach Mann und in mir fühle ich noch den Mann. Sie wird ihre Belohnung heute Abend bekommen, wenn ich gebadet bin und wenn meine Befriedigung sich gesetzt hat. Dann bin ich zu Zärtlichkeiten und noch mehr bereit und Zelima hat etwas von mir. An solchen Abenden kann es wild werden zwischen uns.
Seid ihr sonst gar nicht wild? Oder steckt das Wilde bei euch eher in dieser Beziehung zwischen Sklavin und Herrin?
Alles, antwortete Anka. Sie hatte sich jetzt halb aufgerichtet und goss Alischa und Tim Kaffee ein und schenkte frische Milch nach. Zelimas Milch aus einem Krug. Dann ergänzte sie: Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass es dieses regelmäßige Tempelritual ist, das unser Begehren immer wieder auf Trab bringt. Also nützt es nicht nur mir, sondern uns beiden. Leicht hat es Zelima trotzdem nicht, die Arme.
Weil sie Sklavin ist?
Nein, das gar nicht. Das ist für euch vielleicht schwer zu verstehen. Sklavin ... und unterwürfig mir gegenüber, das ist sie aus tiefstem inneren Antrieb. Und mir Wünsche zu erfüllen, macht sie glücklich. Vom Peitschen kann sie zum Höhepunkt kommen. Nein, ich meinte mich und dass ich nicht die Finger von den Männern lassen kann. Das ist schwer für sie, weil sie mich nie für sich alleine haben wird.
Einen Moment lang herrschte Schweigen.
Schließlich traute sich Alischa zu fragen: Lebst du diese lesbische Seite nur wegen ihr?
Ich weiß es nicht, sagte Anka. Es wäre möglich, dass ich ohne sie nie eine körperliche Beziehung zu einer Frau gehabt hätte. Andererseits waren wir beide immer zusammen, sodass das »nie« so gesehen schon wieder fast undenkbar erscheint. Der Wunsch, zu unterwerfen, hat damit aber nichts zu tun. Eher sind wir uns vielleicht nahegekommen und zusammengeblieben, weil wir auf diese Weise zueinander gepasst haben. Beide Anteile - finden, aber auch bleiben. Weißt du, ich bin in Zelima als Person verliebt. Dass sie zufällig Frau ist, ordnet sich dem unter. Vielleicht beschreibt es das am besten.
Jetzt begreife ich, fuhr Tim dazwischen, das ist der Schlüssel, den ich gebraucht hatte, um eure Beziehung zu verstehen.
Und was denkt ihr ... über das Tempelritual?, wechselte Anka urplötzlich das Thema und wurde sehr rot im Gesicht dabei.
Sowohl Alischa als auch Tim ging durch den Kopf, dass Anka die ganze Zeit auf diesen Augenblick gewartet haben musste.
Seltsam erregend, antwortete Tim als Erster.
Alischa druckste. Sehr blutig, sagte sie zögerlich. Nicht dass es unerotisch wäre, es würde mich auch nicht kalt lassen, wenn mehrere Männer um mich kämpfen würden. Aber ... muss das so ... blutig sein?
Es bringt mich geradezu in einen Rauschzustand, gestand Anka flüsternd. Genau so. Das sind meine dunkelsten Wünsche, Männer, die bis aufs Blut miteinander kämpfen, nur um einmal in meinen Schoß hineinfahren zu dürfen und den Samen drin zu ergießen...
Ich kann es irgendwo nachvollziehen, ergänzte Alischa. Meine Eltern hatten mich mal zu einem Boxkampf mitgenommen. Das war so eine Veranstaltung speziell für Jugendliche. Erst haben sie die Regeln des Boxkampfs ausführlich erklärt und nachher war ein richtiger Boxkampf. Im Ring waren, glaube ich, sogar ziemlich bekannte Kämpfer. Nach einer Weile hatte es mich richtig gepackt und in meiner Nähe habe ich Frauen gesehen, die völlig außer Rand und Band waren. Das war eine ganz seltsame Erfahrung, aber ich war später trotzdem nie wieder zu einem Boxkampf. Das hier war ähnlich, nur viel stärker, weil ... weil ... die um dich gekämpft haben, weil sie um eine Frau gekämpft haben, und ... weil da Blut und Schmerz im Spiel war. Ich habe von Geißlerumzügen im Mittelalter gelesen, dass die Stimmung da auch sexuell aufgeladen sein konnte und dass genau dies als lasterhaft bezeichnet worden ist.
Danke, dass du das so nett gesagt hast, sagte Anka leise.
Es ist wirklich so, sagte Alischa. Sag, hast du das alles arrangiert?
Nein, antwortete Anka, es ist mir geschehen. Ich kam, fand den leeren Tempel vor, die Leute erzählten mir, dass sie eine Hohepriesterin suchten, sagten, was erwartet wurde und flehten mich an, diese Rolle zu übernehmen, weil nur ich in Frage käme. Ich gehe davon aus, das bezog sich auf Eigenschaften, die uns Peridëis-Besucher und Hexen von ihnen als einfachen Einwohnern unterscheidet. Sie müssen das gespürt haben, selbst wenn ihnen nicht bewusst war.
Wie bei mir mit meiner Milch, warf Alischa ein. Die Leute merken die Wirkung.
Tim war noch ein anderer Gedanke gekommen: Aber Peridëis scheint dir diesen Tempel geschenkt zu haben, sagte er. Nur dir.
Danke, sagte Anka. Ich habe oft gerätselt, was hier geschieht. Wisst ihr, ich ziehe oft durch mein eigenes Land, aber ich komme selten in andere Gegenden von Peridëis, deshalb bin ich unsicher. Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen, aber dann wieder sehe ich, wie glücklich Zelima mit ihrem Leben ist und bekomme immer wieder bestätigt, dass die Leute zufrieden mit mir als Hohepriesterin sind, und dass es ihr innerster Wunsch ist, mir Männer zu senden, die darum kämpfen, mir dienstbar zu sein und dafür die Ehrung meiner Milch zu erhalten. Eigentlich bliebe kein Zweifel, aber trotzdem erwischt es mich bisweilen.
Deine Erziehung?, warf Alischa dazwischen.
Vermutlich, antwortete Anka. Deshalb habe ich auch nicht die geringste Lust, ins Diesseits zurückzukehren. Und da die Leute über den Tempeldienst hinaus auch ab und zu meinen Kopf brauchen, hat das Leben hier sogar einen Sinn.
Deinen Kopf?!, fragte Alischa verwirrt.
Meinen Verstand, antwortete Anka. Weißt du, die Leute hier ... ich weiß nicht, wo die ursprünglich herkommen, aber sie müssen eher vor ein paar Zehntausend Jahren als früher hergekommen sein, wenn du mich fragst, und hier in Peridëis sind sie scheinbar auf diesem Stand stehengeblieben. Sie sind völlig frei von allem technischen Wissen, können kaum zählen, geschweige denn rechnen und sie denken auch nicht sehr weit voraus. Auch wenn du das im Alltag nicht unbedingt merkst ... Manchmal brauchen sie jemanden mit etwas mehr Wissen und Weitblick, und das übernehme ich. Seht ihr, so sind Eros, Verstand, Ästhetik und Hilfsbereitschaft gleichermaßen gefordert, meine Macken bekommen ihren Sinn und alles ist ganz eitel. Bin ich jetzt gut oder schlecht?
Alischa und Tim lachten.
Lebe es einfach, sagte Tim. Mach dir nicht so schrecklich viele Gedanken, es geschieht für dich und wenn du es nicht annimmst, hilft das niemandem, sondern ist nur noch dumm und ganz bestimmt weder gut für dich, noch gut für Zelima. Peridëis, das sind laut ausgesprochene und zu Leben erwachte Gedanken. Und in unserer Sprache gibt es ein Lied, »Die Gedanken sind frei« heißt es. Also lass sie frei.
Anka legte sich wieder auf den Rücken zurück, die Beine wieder oben auf den Stufen zu ihrem Thron, und lächelte. Endlich wirkte sie wieder entspannt. Und, fragte sie schnippisch, hat euch der ... Fick ... gefallen?
Tim stöhnte.
Alischa lachte auf. Der Arme, ihm hat’s gar zu sehr gefallen, aber er darf ja nicht herauslassen, was dein Kämpfer in deinen Schoß ergossen hat.
Daran hatte ich gar nicht gedacht, entschuldigte sich Anka betreten.
Schon gut, sagte Tim, im Schlaf, wenn ich nicht verantwortlich sein kann, tauchen solche Dinge zum Ausgleich ab und zu wieder auf, manchmal sogar mit Erleichterung am Ende.
Ehrlich?
Ja. Kein richtiger Orgasmus, eher eine Art angenehmes erleichterndes Ausfließen. Ich weiß nicht, ob wirklich etwas fließt, aber jedenfalls träume ich es so.
Immerhin was, seufzte Alischa, die ehrliches Mitleid mit Tim hatte. Und übrigens, setzte sie an Anka gewandt nach, ich hab dich um den Kerl beneidet. Und auch, einen einfachen ... Fick ... zu einem großen Ritual zu erweitern, mit viel Aufwand und viel Drumherum, also ihn dadurch aufzuwerten, ein großes Vorspiel dazu zu inszenieren, das fand ich wirklich sehr erregend.
Anka lächelte.
Das Kleid ist fertig, ließ sich da Zelima von hinten vernehmen.
Als Alischa ihr Kleid angezogen hatte, spürten sie und Tim gleichermaßen, dass nun ein guter Zeitpunkt wäre, Zelima und die Hohepriesterin zu verlassen.
Zelima führte sie durch einen Felsgang auf die anderen Seite des Sees, wo der azurblaue Pflasterweg wieder aus dem See herauskam und wieder in ein Tal führte, in dem links und rechts steile Felsen hinaufragten, in der Mitte ein sattgrüner Urwald wuchs, mit zahlreichen Blumen, und wo die Sonne stets direkt von oben den azurblauen Pflasterweg beschien. Auch hier schlängelte sich wieder ein Bach durchs Tal, aus dem man bei Bedarf trinken konnte und der ab und zu Bademöglichkeiten anbot.
Zelima überreichte Tim einen Beutel mit einigen Leckerbissen, umarmte Alischa zum Abschied und fragte plötzlich mit einem schalkhaften Blick: Darf ich?
Was denn??? - Alischa schaute sie verwirrt an.
Zelima fasste Tim mit beiden Händen an die Oberarme, reckte sich zu ihm hoch und küsste ihn mitten auf den Mund. Ich find dich nett, sagte sie zum Abschluss. Danach ergänzte sie schnell: Ich finde euch natürlich beide nett!
Alle drei lachten, die Sklavin Zelima drehte sich anschließend um und ging zum Tempel zurück.
Alischa und Tim schauten Zelima nach, bis diese in dem Geheimgang verschwunden war, durch den sie vom Tempel ins Tal gekommen waren. Tim tat Zelimas Verpflegungsbeutel in seinen Rucksack, beide schauten noch einmal zurück zum See und den Tempeltreppen, die sich zur Seite hin in den Felsen hinein erstreckten.
Lass uns losgehen, sagte Tim.
Lass uns losgehen, antwortete Alischa.
Lass uns doch nicht losgehen, sagte Tim.
?!
Tim lachte. Auch wenn du den Hexensprung schon kannst, hätte ich trotzdem gerne etwas Sicherheit für den Fall, dass was passiert oder wir uns verlieren. Lass uns zu den Felsen gehen und einen neuen Kristall holen, den du mitnehmen kannst.
Du auch.
Jaaaaaaaaaaa. Ich auch.
Beide liefen am Seeufer entlang, bis sie an der steilen Felswand angelangt waren, die das Tal begrenzte. Als sie am Felsen entlang liefen, zweigte schon nach wenigen zehn Metern der erste Gang in den Felsen ab. Beide liefen hinein und fanden auch bald eine Stelle in der Wand, an der sie das bekannte Katzengold anglänzte. Tim schlug zwei Stücken heraus, was nicht ganz ohne Mühe ging, ließ Alischa ihr altes Katzengold fortwerfen und gab ihr anschließend den neuen Kristall. Alischa steckte ihn in eine ihrer Kleidtaschen und Tim packte sein Stück ebenfalls ein.
Das Seeufer ist eindrucksvoll genug, um es sich leicht einprägen zu können, meinte Tim, als beide noch einmal über den See zurückblickten.
Und wenn man beim Hexensprung hier landet, hat man auch gleich Gesellschaft und eine komfortable Unterkunft, ergänzte Alischa.
Stimmt.
Dann gingen die beiden wirklich los. Erst zum azurblauen Pflasterweg zurück und schließlich diesem folgend ins Tal hinein.
Gespräche über Anka
Eine Weile lang liefen beide schweigend nebeneinander den azurblauen Pflasterweg entlang. Jeder hing seinen Gedanken nach.
Weißt du, woran mich Anka erinnert?, fragte Tim schließlich. - An eine Gottesanbeterin oder eine Schwarze Witwe.
Eine was?
Gottesanbeterin oder Schwarze Witwe. Die fressen beim Geschlechtsakt das Männchen auf. Die interessante Frage für mich ist: Leidet das Männchen oder nicht? Das ist ja nicht ganz klärbar und eine ethische Frage erübrigt sich bei Tieren. Aber leiden die Männchen nun unter dem Aufgefressenwerden oder ist es so, dass die Männchen bei sexueller Erregung eventuell sogar Lust am Aufgefressenwerden haben? Und nur dann fliehen, wenn die Erregung bereits abgeklungen ist?
Du denkst jetzt weniger an Anka, als an die Männer, die um sie gekämpft haben?
Ja. Vielleicht hätte man das Anka erzählen können.
Lieber nicht, sagte Alischa, willst du mit einer Spinne verglichen werden?
Brrrrr. Nein. Aber abgesehen davon, ergänzte Tim, ist bei den Einwohnern ja ohnehin nicht ganz klar, ob wir sie mit uns vergleichen können.
Du hältst sie tatsächlich für eine Illusion? Anka offenbar nicht.
Schwer zu sagen. Nach allem, was ich bisher gehört oder gesehen habe, sind sie ein Teil von Peridëis, warum sollen sie anderen Gesetzen unterliegen, als Peridëis insgesamt? Wenn mein Denkansatz richtig ist, erinnern sie mich an Traumgestalten ... nur da, weil ich träume. Oder wie die Romanfiguren eines Schriftstellers: Was sie tun, hat stets etwas mit ihm selbst zu tun, aber sie existieren nicht ohne ihn. ... Peridëis ist schon eine faszinierende Welt. Wenn es dazu geschaffen wurde, einem selbst die Seele zu reinigen, dann wäre es ja geradezu falsch, sich nicht solchen Dingen hinzugeben, wie es Anka tut. Genau wie Kunst, wie Literatur, wie Film. Da passieren auch Dinge, die man in der Wirklichkeit verwerflich finden würde. Trotzdem lesen wir gerne Krimis.
Und schlüpfrige Geschichten, ergänzte Alischa nachdenklich. Wir haben sowas im Unterricht unterm Tisch rumgereicht.
Übrigens, sagte Tim, ist dir aufgefallen, wie fair die beiden Männer gekämpft haben und wie fair die Zuschauer waren?
Stimmt.
Das ist typisch für Peridëis. Die Männer kämpfen oft blutig, aber immer ausgesprochen fair und die Frauen würden Hinterhalte oder Ähnliches auch sehr verübeln, das bedeutet Schmach. Es zählen nur echte, ehrliche Siege.
Gibt es auch tödliche Kämpfe?
Niemals. Hast du vergessen, dass man in Peridëis nicht stirbt?
Stimmt. Also auch bei Unfällen oder bei Kämpfen nicht?
Nein. Kämpfe enden damit, dass der Gegner sich unterwirft, sei es durch Bezwingung, durch Erschöpfung oder durch Schmerz.
Und dann?
Je nachdem. Einfach Schluss oder Gefangenschaft oder Versklavung. Das kommt eben darauf an.
Wie verträgt sich eigentlich Sklaverei damit, dass das hier das Paradies ist?
Weil sie anders als im Diesseits ist und anders empfunden wird. Außerdem findet einmal im Jahr ein großes Fest statt, dabei wird die Erschaffung von Peridëis gefeiert. An diesem Tag geht die Sonne mittags ungefähr eine Minute lang aus und es herrscht totale Finsternis. Wenn sie wieder hell wird, ist es das Symbol für die Erschaffung von Peridëis und das Fest beginnt [47]. In diesem Moment ist jeder Sklave frei und er hat das Recht, zurückzukehren oder auch nicht. Der Besitzer darf aber niemals einen Sklaven gegen seinen Willen entlassen. Natürlich machen die Sklavenbesitzer ein paar Wochen vor dem Fest eine Menge Versprechungen, die sie natürlich meist nicht einhalten und sorgen überhaupt für eine gute Stimmung unter ihren Sklaven.
Und die fallen darauf rein?!
Aber klar, bei Verpackungen, Politik und Revolutionen klappt das doch auch.
Stimmt. Und mit dicken Titten.
Wegen der Milch?
Nein, weil das Weib hinter den dicken Titten doof sein kann und trotzdem mehr Chancen hat.
Was eine Fürsprache für die prüde Fraktion der Menschheit ist.
Alischa lachte. Nein, man soll ein Weib nicht bloß nach ihrem Verstand beurteilen.
Das ich das noch erleben darf ... wo war ich überhaupt stehengeblieben? Ach ja, die Sklaven. – Ein Sklavenbesitzer kann es einem Sklaven aber auch besonders ungemütlich machen, wenn er ihn loswerden will.
Warum sollte der das wollen? Und warum sollte der Sklave bleiben wollen?
Man ist nur für eine gewisse Zeit Sklave, antwortete Tim. - Lohnarbeit kennt man in Peridëis nicht. Entweder du arbeitest frei für dich selbst oder du verkaufst dich für eine vereinbarte Zeit. Hat man einen Sklaven angenommen, dann hat man diesem gegenüber eine Versorgungspflicht. Es wird auch vereinbart, was dem Sklaven garantiert wird. Hält der Besitzer das nicht ein, dann kann der betreffende Sklave aus seinem Besitz genommen werden und es wird notfalls beschlagnahmt, was dem Sklaven als Unterhalt für die noch verbliebene Zeit zugestanden hätte. Also ungefähr wie beim Ausgleich nach einer Scheidung von Ehepartnern. Deshalb ist es unter Umständen gar nicht so einfach, Sklave zu werden bzw. anders herum kann das attraktiv werden, weil man als Sklave in gesicherte Lebensumstände kommen kann. Der Sklave gibt sich allerdings stets ganz und gar.
Ist das wörtlich zu nehmen?
Aber ja. Sklave ist Sklave.
Das hieße doch, wenn ich mich für einen einzigen Tag verkaufe, kann mich der Besitzer nicht nur arbeiten lassen, sondern auch vergewaltigen.
Erstens arbeiten Frauen in Peridëis nicht. Höchstens ästhetische und künstlerische Sachen wie Schmuck oder Kleidung oder vielleicht als Händlerin. Du wirst vor allem gemolken werden. Aber natürlich wirst du auch zur Befriedigung benutzt; denkst du, man braucht als Sklavin bloß rumzugammeln?
Die Männer vorhin waren nicht übel. Sind hier alle Männer so?
Ja. Vergiss nicht, was Peridëis ist. Und vergiss deine eigene Dauererregung nicht. Damit redest du dir jeden schön, wenn’s nur genug juckt. Richtig unattraktiv wirkt hier keiner. Man findet an jedem anziehende Sachen und niemand muss sich nur selbst befriedigen oder kann nie Sklave werden.
Im Moment wären mir 15 Minuten als Lustsklavin ganz recht, sagte Alischa. Darf ich mich in die Büsche schlagen, um etwas gegen diesen Wunsch zu tun, ohne dich damit zu belasten?
Abgelehnt, sagte Tim. Damit fangen wir gar nicht erst an. Ich hätte eine bessere Idee, die mir schon kam, als Anka über Zelima erzählt hatte.
Was meinst du?
Tim lächelte Alischa eigenartig an und dann verengten sich seine Pupillen auf eine Weise, dass Alischa ganz anders wurde.
Was hast du vor?, flüsterte Alischa. Ihr Herz klopfte.
Tim antwortete nicht, sondern packte Alischas Handgelenke sehr fest. Dabei schaute er Alischa noch immer in die Augen. Du willst 15 Minuten Sklaverei? Wie Zelima? Ich war dir noch eine Antwort schuldig, was Fesseln und Peitschen anbelangt. Willst du die Antwort jetzt? Sofort?
Ja! Danke, dass du das nicht vergessen hast. - Alischa geriet blitzartig in einen hocherregten Zustand und atmete stoßartig.
Mit einer Bewegung entrollte Tim das Seil, das er stets an der Seite trug. Er schlang es um Alischas Handgelenke und fesselte sie stehend zwischen zwei Bäumen.
Ja mein Herr, fessle mich, flüsterte Alischa, versklave mich. - Sie wollte wissen, wie es sich anfühlte, so etwas auszusprechen. Es erregte sie noch mehr.
Vorher nehme ich dir deine Milch, sagte Tim. Er saugte sich nur einen Moment später mit dem Mund an einer Brust fest, während er die andere Brust grob ausmolk, in die Länge zog und in die Brust hineingriff, um noch mehr zu bekommen.
Alischa stöhnte vor Schmerzen auf. Ja, nutze mich aus, hauchte sie, benutze mich, sei grob zu mir.
Nach einer Weile löste sich Tim von ihrer Brust. Ich werde dich mit der Gerte auspeitschen, sagte er. Dann zog er seine Gerte aus dem Halfter und hielt sie Alischa an die Brust. Er molk Milch aus Alischas Brust auf die Gerte, um diese damit geschmeidig zu machen. Dann molk er weitere Milch aus Alischas Brust und cremte Alischa damit den Rücken und den Po ein, indem er mit seiner Hand um sie herum griff.
Schließlich stellte sich Tim hinter Alischa. Beine breit!
Alischa stellte sich schnell mit geöffneten Beinen auf den Boden.
Zähle laut!, befahl Tim.
Dann schlug er mit er Gerte zu.
Ha! Eins!
Ha! Zwei!
Ha! Drei!
28 Schläge erhielt Alischa, allmählich kräftiger werdend. Die ersten sechs Schläge waren mit heftigem stechendem Schmerz verbunden, die nächsten sechs Schläge brannten höllisch, nach dem zwölften Schlag geriet sie urplötzlich in einen Rauschzustand. Sie schwebte. Ihr Gesicht zeigte ein geradezu irrsinniges Glücksgefühl. Sie schrie auf eine Weise, bei der ein zufälliger Beobachter kaum hätte entscheiden können, ob es Schmerz- oder Lustschreie waren. Es waren Lustschreie. Jeder weitere Peitschenschlag war ein Hochgenuss. Dann kam sie.
Tim fing sie auf, löste schnell die Fesseln und hielt Alischa in den Armen, bis ihr Orgasmus vollends verklungen war.
Danke!, sagte Alischa, küsste Tim und war wirklich dankbar.
Sie legten noch einen langen Weg zurück, bevor die Nacht hereinbrach. Alischa war froh, dass sie keinen Schlüpfer trug, denn ihr Po brannte. Doch sie genoss es.
Institut für Spezialphysik (Objekt P)
Fernschreiben
Absender: Büro des Ministers
Empfänger: Objekt P, Leiter der Diensteinheit
Geheime Verschlusssache / GVS
Gemäß Ministerbefehl sind sämtliche Berichte, die sich auf auf den Themenkomplex "Objekt P" beziehen, ab sofort ausschließlich per Kurier zu befördern. Fernschriftliche Mitteilungen, auch verschlüsselt, sind ohne Ausnahme untersagt. Ich füge zu Ihrer Information den Bericht bei, der zum Befehl des Ministers für Staatssicherheit geführt hat.
----------------------------------------------------------
[Originaltext des Berichts]
BETR.: Innerhalb des MfS dekonspirierter Bericht von Obj. P
Hiermit berichten wir über eine Dekonspiration [48] innerhalb des MfS. Eine Dekonspiration nach außen kann nach eingehender Untersuchung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.
Sachverhalt:
Ein Fernschreiben mit Absender Objekt P war von Mitarbeitern trotz eindeutiger Kennzeichnung als Geheime Verschlusssache irrtümlich für eine Erzählung pornographischen Charakters privater Herkunft gehalten worden. Begünstigt wurde dies durch Berichtbestandteile, die deutlich märchenhaften Charakter trugen. In der Folge verbreiteten Mitarbeiter des Fernschreib- und Chiffrierdienstes Teile des betreffenden Berichts im Original, sowie in Form abgewandelter Fassungen, offen über das interne Fernschreibnetz des MfS zu Unterhaltungszwecken, insbesondere nachts oder an Wochenenden und Feiertagen in Zeiten geringer Arbeitsbelastung.
Auswirkungen:
Die Verbreitung des fraglichen Textes konnte lediglich eingedämmt werden, da der Text schon zu oft vervielfältigt worden war und zu auffällige Nachforschungen vermieden werden sollten. Begünstigt wurde die Verbreitung dadurch, dass herkömmliche Fernschreibmaschinen stets mit einem Lochbandstanzer ausgestattet sind, mithilfe dessen der betreffende Text im Prinzip beliebig oft repliziert werden kann.
Die Gefahr, die von den weiterverbreiteten Texten ausgeht, wird als gering eingeschätzt, da ein Zusammenhang mit dienstlichen Belangen weder erwähnt noch nahegelegt wird und nach eigener Einschätzung auch nicht naheliegend erscheint. Bestenfalls wäre eine allgemein zu fassende Gefahr zu sehen, wie sie stets von Schund- und Schmutzliteratur ausgeht.
Maßnahmen:
Disziplinarische Maßnahmen schienen aus Gründen der Konspiration nicht ratsam. Zur Verschleierung des Originaltextes und zur Verstärkung des Eindrucks eines fiktiven Hintergrunds wurden zahlreiche weitere Fernschreiben sexuellen Inhalts, aber mit anderen Handlungshintergründen, innerhalb des MfS Umlauf gesetzt.
Anschließend wurde nach einer gewissen Wartezeit veranlasst, dass alle Fernschreibstellen innerhalb des MfS allgemein auf unnötig gelagerte Lochbandrollen und Fernschreibdokumente kontrolliert wurden und es wurde unter Anderem allgemein darüber belehrt, dass es strikt untersagt ist, private und dienstferne Nachrichten über die Fernschreibverbindungen zu versenden.
Drei Textvarianten des fraglichen Berichts sind in Kopie angehängt.
[Im Original folgen etwa 1200 Zeilen mit den weiterverbreiteten Textvarianten]
Die Genossin
Genossin Gisela, knapp 50 Jahre alt, unverheiratet, schlank, hochattraktiv, sehr gepflegte Erscheinung, hochintelligent und Mitglied der Zentralen Parteikontrollkommission (ZPKK), saß fluchend in ihrem Dienstwagen Typ Lada. Kein Wagen für kleine Lichter, aber auch so brauchte sie gewöhnlich nur wenige gewählte Sätze, in leisen freundlichen Worten gesprochen, um klarzustellen, wer sie war.
Sie schaute in die Landkarte, die auf ihren Knien lag. Sie hätte sich wohl doch besser eine militärische Karte geben lassen sollen, denn in der Nähe von geheimen Objekten waren öffentliche Karten gewollt ungenau und mit fehlerhaften Angaben gespickt. Vermutlich deshalb fand sie ihr Ziel nicht. Das letzte Dorf hatte noch gestimmt, aber hier kam sie nicht mehr weiter.
Da! – Es näherte sich ein Traktor. Genossin Gisela wartete, bis der Traktor herangekommen war. Sie stieg aus und winkte dem Traktorfahrer zu.
Als der Traktor auf ihrer Höhe war, hielt er an, die Tür knallte auf, und der Bauer schrie über den Motorenlärm hinweg: Is’n los?
Ich suche etwas, schrie Genossin Gisela zurück.
Na watt denn? Bin keen Hellseher, Mädel.
Institut für Spezialphysik!
Ein was?
Institut für Spezialphysik!
Jibt’s hier nich.
Doch! Muss hier sein!
Na wo denn?
Irgendwo gleich im Wald da drüben. (Genossin Gisela zeigte die Richtung.)
Ach, die Stasi meinste!, rief der Bauer. Fährste zurück zur Straße, dann links, dann’n halber Kilometer, dann der Betonplattenweg nach rechts. Die Nachtwächter in Uniform findste rechts im Wald und die janz Jeheimen sind links. Aber dett die Physik machen, gloobe ick nich. Höchstens sehr spezielle.
Der Bauer deutete Masturbationsbewegungen an, grüßte und fuhr mit seinem Traktor davon.
Genossin Gisela kochte vor Wut. Wozu bezahlte die Partei einen Geheimdienst, wenn hier schon der erste Bauer, den man traf, bestens Bescheid wusste?!
Sie startete ihren Wagen wieder und machte sich auf den bezeichneten Weg.
Peridëis
Kampfbrüste
Anka hatte stramme Brüste, sagte Alischa zu Tim.
Geht das schon wieder los?
Aber es ist doch so. Und Zelima erst. Wie machen die das?
Anka hatte kleinere Brüste, Zelima ganz kleine, das ist alles. Und nur nebenbei. Die Brustwarzen und Höfe sind bei beiden lange nicht so hübsch wie bei dir.
Aber meine sind doch so ... so hässlich groß.
Fraulich.
Also unattraktiv.
Himmel, Arsch und Zwirn! Guck mal an mir runter.
Du hast einen Ständer.
Aber erst, seit du von deinen hässlich großen Brustwarzen und Höfe sprichst. Reicht das als Antwort?
Aber noch besser könnte doch...
Waaas, meine Erektion könnte noch besser werden?
Alischa lachte. Nein, sagte sie, es ist eine ganz überaus prachtvolle Erektion, wie sie niemals besser sein könnte und wie es jede Frau maßlos erfreuen würde.
Danke. Und?
Und waren die Höfe von Anka nicht trotzdem irgendwie hübscher? Ich schäm mich immer für meine.
Ankas Höfe waren weniger erotisch.
Aber schöner.
Hatten wir das nicht schon ein paarmal? Also da ich ein Mann bin und mich Frauen anmachen, geht es mir bei solchen Dingen wie den Brüsten weniger um abstrakte Schönheit, als um das, was deine Brüste bei mir auslösen. Ob sie mich erregen. Deine erregen mich stark, aber Ankas Brüste waren bloß hübsch. Ein Handwerkerspruch lautet »Nach fest kommt ab«. Auf unser Thema umgemünzt übersetze ich das mit: »Nach ästhetisch kommt langweilig«. Was willst du? - Dass die Männer schmachten bei deinem Anblick oder bloß staunen?
Jetzt musste Alischa doch lachen. Aber eins wird trotzdem vergessen - die reden immer von den zwei Eigenschaften der Brust, auf der einen Seite als erotische Brust und auf der anderen Seite als nährende Brust. Aber weißt du, was fehlt?
???
Die aggressive Kampfbrust.
?????
Ja, ist so! Frauen gucken genauso auf die Titten anderer Frauen, wie das Männer tun. Bloß aus einem anderen Grund: Sind die besser als meine? Und dann takeln sie sich auf, hetzen rum, stechen sich gegenseitig aus. Dafür brauchste eben doch die stramm abstehende Brust.
Hast gewonnen.
Beide lachten. Dann setzten sie ihren Weg fort.
Der Halbsatyr
Nach etlichen Tagen Wanderung auf dem azurblauen Pflasterweg kamen Alischa und Tim an eine Stelle, an der vom azurblauen Pflasterweg ein grauer Pflasterweg abbog. Und der graue Pflasterweg führte in ein Tal, das rechts von ihrem Tal abzweigte. Ein abzweigendes Tal war nun nichts Neues und ein abzweigender Weg auch nicht. Doch das war gar nicht das Erstaunliche. Erstaunlich war etwas ganz anderes: Alischa sah am Wegesrand einen Pfahl mit einem Brettchen, auf dem zu lesen war:
Das Schild löst irgendeine Erinnerung in mir aus, wunderte sich Alischa laut. Aber ich weiß nicht, was es ist! Und was soll denn in dem anderen Tal sein, wo Peridëis auch so schon kaum zu überbieten ist? Wollen wir mal nachschauen?
Zeit haben wir, antwortete Tim. Aber ich finde das Schild seltsam.
Warum?
Weil die Einwohner weder lesen noch schreiben noch rechnen können. Wie sollen die denn so ein Schild anfertigen? Es müsste also von einer Peri oder einem Besucher gemacht sein. Aber selbst dann: Für wen soll das Schild bestimmt sein, wenn es sowieso niemand lesen kann? Bei den Einwohnern würde das nur Misstrauen auslösen wie Gaunerzinken [49].
Und wenn das Schild für uns beide bestimmt ist?
Unwahrscheinlich. Und zu unkonkret. Außerdem hast du ja recht mit der Frage, was in Peridëis noch zu wünschen bleibt. Lass uns hier erst einmal Picknick machen und dann schaue ich mir die Sache an. Aber lieber erst einmal alleine.
Die beiden ließen sich am Wegrand nieder. Tim hatte frisches Wasser vom nahen Bach geholt und Alischa war umhergestreift, um zu schauen, was die Umgebung an besonderen Früchten bot. Das Mahl war wie immer mehr als reichlich und Alischa freute sich, dass das Essen keine Speckringe am Körper hinterließ. Den Abschluss des Mahls bildete wie immer ein halbes Stündlein Ruhe, bei dem Tim seinen Teil aus Alischas Brüsten bekam, während Alischa die dabei aufkommende Erregung nutzte, um sich eine Entspannung mithilfe ihres Mittelfingers zu verschaffen. Ihre deutlich voller gewordenen Brüste begeisterten nicht nur Tim und noch dazu wirkte seine Begeisterung auf Alischa zurück, was ihre Brüste noch mehr als früher zu einer Quelle der eigenen Lust und des eigenen Begehrens machte.
Doch irgendwann waren beide ausgeruht und zufrieden.
Jetzt gehe ich mal nachschauen, was hinter der Biegung in dem anderen Tal ist, sagte Tim. Bleib einfach hier.
Ich kann die Zeit ja für ein Bad nutzen, meinte Alischa.
Gute Idee, sagte Tim, ich rechne mit zwei oder drei Stunden.
Dann machte sich Tim auf den Weg. Den grauen Weg ins andere Tal.
Alischa zog ihr Kleid aus, ging nackt zum Bach hinunter, suchte eine Stelle, wo sich etwas Wasser zu einem kleinen See aufgestaut hatte und sprang ins Wasser. Da viel Zeit blieb, wusch sie sich auch die Haare und kam auf die Idee, auch das Kleid einmal gut auszuspülen. Das Trocknen ging in Peridëis schnell, aber das war nicht der Grund; Frieren war in Peridëis ein unbekanntes Ding. Selbst splitternackt.
Anschließend streifte Alischa zum Zeitvertreib umher und entdeckte solche auberginenähnlichen Früchte, die sie schon kennengelernt hatte, als sie gerade in Peridëis angekommen waren. Wenn man sie pflückte, mit den Händen anwärmte (oder gar im Inneren des Schoßes), schwollen sie heftig an und vibrierten.
Ob sie diese Früchte noch einmal ausprobieren sollte?
Nein. Wenn Tim nicht da war, war der Reiz dazu viel geringer.
Alischa ließ die Früchte hängen.
Aus purer Langeweile befriedigte sich Alischa aber noch einmal. Ganz profan mit dem Finger.
Wo nur Tim sein mochte?
ω ω ω
Tim war den grauen Pflasterweg entlanggegangen, ins Seitental eingebogen, noch etwas gelaufen, konnte aber nichts entdecken.
Er blieb stehen und ließ seinen Blick umherschweifen.
Schließlich sah er auf einem einzeln stehenden kleineren Felsen eine Art Burg.
Und das sollte alle Wünsche erfüllen?!
Tim schüttelte den Kopf.
Da sprang mit einem Satz eine fellbedeckte Gestalt von hinten an Tim heran, stieß einen Schrei aus, und in Bruchteilen von Sekunden lag Tim gefesselt am Boden.
Es hatte keinen Zweck, sich gegen diese Fesseln zu wehren. Sie würden sich nach einer gewissen Zeit von alleine lösen, aber bis dahin half auch keine scharfe Kante oder Ähnliches, so zäh waren diese Fesseln.
Tim lag am Boden und fluchte. Wie hatte er sich nur so übertölpeln lassen können?
Die fellbedeckte Gestalt beugte sich über Tim und brummte zufrieden. Es war ein Halbsatyr. Echte Satyrn handeln nicht planvoll. Dieser aber hatte ihn sogar gefesselt, was mindestens eine begrenzte Denkfähigkeit voraussetzte. Halbsatyrn entstanden niemals ohne fremdes Zutun. Diese bedauernswerten Kreaturen waren stets die gezielte Schöpfung einer Person, die sie absichtlich in diesem Zustand ließen, hörige Werkzeuge ohne eigenen Willen. Man fing einen Satyr und gab ihm gerade so viel Milch, dass er gezähmt war, aber nur für den, der ihm die Milch gab. Und anschließend tat er alles für diese Person, was sie wollte, ohne aber den Verstand und den eigenen Willen wiedererlangt zu haben.
Tim beschloss, seine Kraft aufzusparen und nichts zu tun. Ärgerlich war nur, dass Alischa ahnungslos alleine zurückblieb.
Doch Tim nestelte mit ziemlicher Mühe am Gürtel, und es gelang ihm schließlich, seine Gerte zu Boden fallen zu lassen, damit Alischa ein Zeichen von ihm hatte.
Der haarige Halbsatyr lud Tim mit Leichtigkeit auf seine Schulter und trug ihn im Nacken wie einen Sack Mehl. Tim staunte ehrlich, über wie viel Kraft die Satyrn verfügten. Der Halbsatyr hatte wie die Satyrn eine Dauererektion. Auch äußerlich hätte ihn Tim nicht von einem Satyr unterscheiden können. Nur sein Verhalten war anders, denn Satyrn ließen sich einfach gehen.
Der Halbsatyr machte sich auf den Weg. Zehn Meter weiter ließ Tim sein Seil in Laufrichtung auf den Boden gleiten. Weitere fünfzig Meter später warf er auch den leeren Gürtel zu Boden. Hoffentlich reichte das, um Alischa anzudeuten, wohin es ging. Alischa war nicht dumm, tröstete sich Tim. Mehr Dinge zum Fallenlassen hatte er jedenfalls nicht. Den Halbsatyr interessierte das gar nicht. Tim hätte auch einen Brief schreiben und zu Boden werfen können, wenn er einen gehabt hätte.
Der Halbsatyr trug Tim ohne erkennbare Ermüdung durch den Wald.
Eine halbe Stunde später erreichten sie die Burg. Sie stand auf einem Felsen, der von Wasser umflossen wurde. Eine morsche alte Zugbrücke führte über den Bach zu einem Tor, das dringend repariert werden sollte. Die Zugbrücke ließ sich nicht hochziehen und das Tor nicht schließen, das sah man auf den ersten Blick.
Innen führte eine Felsspalte zur Burg hinauf.
Und au weh, wie sah die Burg erst aus! Das Dach löcherig, die Fensterläden hingen schief, die Wände waren rissig, löcherig und bröckelnd. Doch der Halbsatyr lief weiter, bis sie zum kleinen Burgturm kamen. Der Burgturm war in einem halbwegs passablen Zustand und der Hof unmittelbar davor aufgeräumt und sogar mit einigem Geschmack gestaltet, wenngleich die vollführten Reparaturen nicht immer über jeden Zweifel erhaben waren. Aber wohnlich war es und sogar ein Bretterzaun verschloss diesen Teil des Innenhofs.
Der Satyr brummte laut.
Wenige Augenblicke später öffnete sich die Tür des kleinen Turms.
Ein Begeisterungsschrei ertönte und eine etwas heisere Frauenstimme erklang: Ei, was hast du mir denn da eingefangen, mein pelziger Liebling! Bring ihn mal rein, den Leckerbissen, den feinen!
Es war eine sehr schlanke Frau mit hellblonden, streng hochgesteckten Haaren, die ein hautenges Oberteil aus weichem, schwarzem Leder trug, das mit zahlreichen goldschimmernden Kristallen besetzt war. Katzengold? Konnte das sein? Ihre Brüste ragten stramm und makellos aus dem Lederoberteil heraus. Die Frau trug keinen Rock, sondern lange schwarze Lederstrümpfe aus dem gleichen schwarzen weichen Leder wie das Oberteil. Diese Strümpfe reichten ihr bis knapp unter den Po, ließen dabei aber dem Geschlecht reichlich Platz. Po (ein bissel mager, fand Tim) und Scham blieben wie die Brüste frei. Die Brüste waren an den Verhältnissen von Peridëis gemessen recht klein (im Diesseits hätte man das nicht so gesehen) und machten einen ungewöhnlich festen regelrecht prallen Eindruck. Nicht übel, musste Tim still zugeben, selbst wenn es nicht seine Lieblingsform war.
Der Halbsatyr trug Tim in den Burgturm hinein und hoch hinauf in den zweiten Stock. Wie gut, dass die Stufen aus Stein waren, so morsch, wie hier sonst alles aussah.
Oben war ein helles Erkerzimmer, in dessen Mitte ein großer massiver Holztisch stand, der ganz und gar nicht morsch war. Und stehen konnte er nur dort, weil der Raum einen Boden aus Stein hatte. Die zweite Etage war auf einem erhöhten Felsstück gebaut worden. Der Raum hatte Fenster in zwei Richtungen, mehrere Truhen waren zu sehen, und an einem der Fenster befand sich ein großer Tisch aus Felsstein. Besser gesagt, er war Felsstein und gewiss schon lange da gewesen, bevor man die Burg gebaut hatte.
Der Halbsatyr warf Tim wie einen nassen Sack auf den großen massiven Holztisch.
Aua!, rief Tim, aber mehr aus Protest, denn er hatte sich zum Glück gut abfangen können.
Hab dich nicht so, mein süßes Schnittchen, ließ sich die Frau mit ihrer heiseren Stimme hinter dem Rücken des Halbsatyrs hören. Jetzt wirst du erst einmal fein gefesselt.
Und mit geschickten Bewegungen hatte die Frau Eins-zwei-drei Tim auf dem Tisch erst links und rechts die auseinandergezogenen Beine festgebunden, und danach die Arme. Die Arme vorläufig nur auf einer Seite, denn noch hatte die Fessel des Halbsatyrs in ihrer Wirkung nicht nachgelassen - und da ließen sich die Arme eben nicht einzeln auf jeder Seite des Tischs fesseln. Ganz zum Schluss wurde zur Sicherheit noch einmal extra der Leib am Tisch gefesselt.
Die Frau durchsuchte Tim und fand den Kristall.
Na sowas, sagte sie, wir wollen doch nicht ausbüxen, oder? - Und nahm den Kristall, legte ihn, für Tim gut sichtbar, auf den großen Steintisch nahe dem Fenster. Dann schlug sie mit einem anderen Stein so lange darauf herum, bis der Kristall zu lauter kleinen goldfarbenen Stücken zerschlagen war. Sie schlug mit Wut, weil das Katzengold hart war. Das dauerte etwas. Funken stoben immer wieder zur Seite.
So, sagte die Frau außer Atem, als sie fertig war. Jetzt gehörst du mir!
Tim hatte da seine Zweifel. Vorläufig hatte sie allerdings recht. Er war gefesselt und vermutlich aufgeregt genug, um tagelang keinen Hexensprung vollführen zu können. Aber da war auch etwas Interessantes: Diese Frau hatte ganz offensichtlich keine Scheu vor dem Katzengold und wusste um dessen Geheimnis. Sie musste also wie er selbst aus dem Diesseits stammen. Was wollte sie von ihm, das sie nicht viel leichter von einem Einwohner hätte bekommen können?
Er musste nicht fragen.
Du, mein Hübscher, sagte die Frau, du bist jetzt mein Sklave. Was für ein Fang! Ein Büttel, ein Büttel!
Aber, hielt die Frau inne, ich sollte meinen pelzigen Liebling belohnen. Komm her!, rief sie streng und der Halbsatyr kam mit einem Sprung.
Die Frau griff in eine der Truhen und holte einen Topf heraus, dessen Deckel mit einer Schnur fest verknotet war. Das reichte offenbar, um dessen Inhalt für den Halbsatyr unerreichbar zu machen. Der Topf enthielt zu Pulver getrocknete Frauenmilch. Die Frau schüttete etwas davon in ihre geöffnete Hand und reichte diese dem Halbsatyr. Dieser leckte ihre Hand gierig aus.
So, du hast jetzt genug getan, sagte die Frau in ihrem heiseren Ton, aber durchaus zärtlich, zum Halbsatyr. Du darfst jetzt schlafen gehen. - Geh!
Der Halbsatyr zog sich brummend zurück. Die Frau sah ihm hinterher, bis er verschwunden war. Sie verschloss den Topf wieder sorgfältig, stellte ihn in die Truhe zurück und schloss auch den Deckel der Truhe.
Einen hübschen großen Penis hat mein Liebling, nicht war?, wandte sich die Frau dem gefesselten Tim zu. Aber leider taugt sein Samen nichts, der hat keine Kraft. Und damit sind wir schon bei dir. Ein einfacher Mann hätte mir ja bereits genügt, um brauchbare Essenz für meine Zwecke spenden zu können. Und ein Besucher aus dem Diesseits mit seiner großen Kraft hätte mich als großer Glücksfall über alle Maßen zufriedengestellt. Aber ein Büttel, der im Zölibat lebt?
Sie schüttelte sich vor Lachen. Ihrem heiseren Lachen.
Du, mein schöner Mann, flüsterte sie ihm ins Ohr, du bist die Krönung. Durch deine dumme Enthaltsamkeit hast du viel Lebensenergie in dir gesammelt. So viel Lebensenergie, dass ich wohl keinen zweiten Mann fangen muss, um mein Ziel zu erreichen. Diese Lebensenergie werde ich dir jetzt nehmen. Ich werde das letzte Tröpflein Samen aus dir heraussaugen, bis dir dein geistiges Licht ausgeht. Und glaube ja nicht, dass du Ersatz von mir erhältst. Ich will nehmen, nicht geben. Und ich hasse das Milchgeben! Ich hasse es, dass ich mich gegen diese geschwollenen Dinger nicht wehren kann! Und gegen die Schmerzen, wenn sie prall sind! Ich, oh mein hübscher Gefangener, behalte meine Milch für mich. Und so sammle ich immer mehr Milch in mir, immer mehr und mehr, und das wird mich mächtig machen. Nur wenn die zwei Brüste allzu arg pressen, nur in diesem Fall streiche ich Milch aus. Aber weißt du überhaupt, was das ist, ausstreichen?
Tim schüttelte den Kopf.
Nun, sagte die Frau, das ist mein Geheimnis. Ein Geheimnis, das man in Peridëis nicht kennt, weil diese ganzen Kühe alle darauf aus sind, nur ja so viel Milch wie möglich zu geben. Mein Geheimnis geht aber in die andere Richtung: Man erregt die Brustwarzen nicht, sondern im Gegenteil, man berührt sie gar nicht. Überhaupt nicht! Kein bisschen! Man streicht mit den Fingern nur seitlich die Brüste entlang, von hinten nach vorne, aber nicht bis ganz zu den Brustwarzen. Und auch das nur so lange, bis jene Milch heraus ist, die am furchtbarsten gedrückt hat. Danach hört man auf! Das reicht geradeso, um meinen pelzigen Liebling nicht wieder ganz zum Satyr werden zu lassen, ist aber lange nicht so viel, dass er sich wieder in einen Menschen verwandelt. Und ich aber, ich behalte meine Kraft in mir. Und weißt du, welche Aufgabe du erfüllen wirst?
Tim schüttelte den Kopf.
Du, mein Hübscher, wirst deinen Samen spenden. Deinen starken, überaus wirksamen Samen! Und dieser Samen wird mich zu einer Peri erheben!
Jetzt wurde Tim etwas bange. Er glaubte zwar nicht daran, dass das funktionieren würde, aber die Frau glaubte daran. Eine Wahnsinnige. Und wenn sie ihn wieder und wieder zum Samenerguss bringen würde, dann bestand ernste Gefahr, dass er zu einem Satyr verkümmern würde. Man hatte ihm beschrieben, wie das lief: Es war wegen der lustvollen Seite der Befriedigung nicht in dem Maß unerträglich, dass man zum Übergang geschleudert wurde, womit man sich der Gefahr entzogen hätte. Und war man erst Satyr, dann war es nach den Berichten so, dass man keine Lust verspürte, diesen Zustand wieder zu verlassen. Man ging seinem Trieb nach, zu Essen gab es überall in Hülle und Fülle, nur der Verstand fehlte eben, aber das empfand man nicht als Leid, wenn man keinen hatte. Eine echte Falle, die einzige, die es in Peridëis gab. Eine Falle nur für Männer. Und er war ein Mann.
Was aber tun?
Doch ihm bleib keine Zeit zum Denken. Erst recht nicht würde er das Wegblitzen schaffen. Die ledergekleidete hochhackige Blondine schenkte Tim ein grausames Lächeln.
Jetzt wirst du gleich entsamt, mein Hübscher, und du kannst nichts dagegen machen! Schau, ich gebe mir sogar Mühe, denn ich will ja, dass dir das gefällt. Ich will sogar, dass es dir sehr gefällt.
Und umschloss seinen Penis mit ihrer Hand. Einer warmen Hand.
Gefällt dir das?
Der Penis wurde steif. Tim versuchte, mit seinen Gedanken dagegenzuarbeiten. Diese Frau sprach etwas in ihm an, das reagierte. Nicht alles ist erklärbar. Der Penis wurde noch steifer.
Dir gefällt das also? – Wer hätte das gedacht. Ich werde noch mehr tun, was dir gefällt.
Und die Blondine begann, sanft und langsam die Vorhaut vom Penis zurückzuziehen. Bis ganz nach hinten. Eine winzige Pause, und sie zog die Vorhaut des Penis langsam wieder nach vorne zurück.
Das ist schön, nicht? Und schau dir mal meine Brüste an. Sind sie nicht wunderbar fest? Sie stehen ab, wie bei einer Fünfzehnjährigen. Und schau meine Schenkel...
Die blonde Frau stand auf. Aber sie behielt den Penis Tims in der Hand und zog in sanften langsamen Bewegungen die Vorhaut des Penis vor und zurück, vor und zurück, vor und zurück, vor und zurück... Als die Blondine aufgestanden war, kam ihre Scham ins Sichtfeld Tims. Und ihre Schenkel. Stramme feste Schenkel. Schau, wie interessant meine Scham ist, sagte die Blondine und stelle ein Bein auf den schweren Holztisch.
Der Blick Tims fiel gegen seinen Willen auf die Scham der Blondine. Und da sah er ... der Blondine war die Situation nicht egal, sie war selbst sehr erregt. Ihre Vulva war geschwollen und ihre Schamlippen geöffnet. Und nicht nur das, alles glänzte feucht und schlüpfrig.
Tim kämpfte gegen die starken Empfindungen an, aber es half nichts.
Jetzt fing die Blondine an, die Bewegungen an seinem Penis allmählich schneller werden zu lassen. Ohne es aber zu übertreiben. Sie steigerte die Bewegungen mit Geschick und gekonnter Zurückhaltung.
Tim stöhnte auf.
Als er die Augen wieder öffnete, fiel sein Blick auf die Brüste der Blondine: Sie fingen an zu tropfen. Noch einen Augenblick später rann ein Rinnsal von Milch die Brüste herab. Und weitere Momente danach spritzte Milch heraus. Erst ein Strahl, dann zwei Milchstrahlen, und schließlich ganz viele. Eine wahre Dusche von Milch ergoss sich auf den Leib Tims, auf dessen Gesicht, auf seine Uniform, überallhin. Was für ein Jammer, er hätte diese Milch jetzt gerne für sich gehabt. Er versuchte, wenigstens etwas von dieser Milch mit seinem Mund aufzufangen, um ein klein wenig ausgleichen zu können, was die Blondine ihm gerade zu nehmen versuchte.
Die Blondine setzte ihre Handbewegungen wütend fort.
Du kannst auch nichts dagegen machen, dachte Tim bei sich, kein Mittel kann deine spritzenden Brüste jetzt verschließen. Es war offensichtlich, dass die Blondine sexuell hochgradig erregt war. Hatte man in so einer Situation prall gefüllte Brüste, dann kam die Milch von alleine. Es war nun einmal derselbe Körpermechanismus: die Brüste waren direkt mit dem Schoß verbunden, was in Peridëis jeder mehr als gut wusste. Und selbst im Diesseits, wo man nicht darüber redete, da erfuhren es trotzdem die Mütter, wenn der Körper sie fürs Stillen ihres Kindes belohnte. Man redete nur nicht darüber, sondern sah sich in verräterischen Momenten höchstens wissend, lächelnd, aber schweigend in die Augen. Freilich konnte man mit Macht gegen seine Belohnung ankämpfen, aber dann wurde auch der Milchfluss spärlicher. Eine üble Falle. In Peridëis aber half der Wille weder gegen den Milchfluss, der Gefühle auslöste, noch gegen die Gefühle, die den Milchfluss auslösten. Es war den Gefühlen schlicht egal, was der Wille wollte, sie schufen sich ihre Bahn.
Die Blondine fing wütend an zu heulen, was bei ihren Brüsten aber geradezu das Gegenteil bewirkte, und sie versuchte, den Penis schneller zu masturbieren.
Irgendwann war Tim trotz der grotesken Situation nicht mehr in der Lage, sich zurückzuhalten, auch weil die Blondine durchaus geschickt war und alles andere als unattraktiv. Der Atem Tims und sein Stöhnen verriet der Blondine, dass sich die Lenden Tims bereits zusammenzogen. Und da beugte sie sich vor, nahm seinen Penis sehr tief in ihren Mund und begann rhythmisch zu saugen. Die Wärme ihres Mundes und die Verstärkung der Empfindungen brachten Tim zum Aufbäumen und einem heftigen Höhepunkt. Er ergoss sich mit Macht in ihren Mund, noch einmal, noch einmal und noch einmal. Sie aber saugte mit größtmöglichem Gefühl in seinem Rhythmus mit, um auch das allerletzte Tröpflein Samen aus ihm herausbekommen zu können. Und schluckte den Samen hinunter. Und leckte anschließend seinen Penis ab, damit auch ja kein winziges Bisschen verschwendet wurde.
Als Tims Penis kein Tröpflein mehr von sich gab, ließ ihn die Blondine liegen und verließ den Raum. Doch Tim blieb nicht lange allein. Nach vielleicht zehn Minuten kam die Blondine zurück. Und Tim war wieder dran. Er wand sich unter ihrer masturbierenden Hand, weil ihre Bewegungen so kurz nach seinem Samenerguss schmerzhaft für ihn waren. Die Blondine ging darauf ein. Nicht Folter war ihr Ziel, sondern, Tim restlos auszusaugen. Sie wurde langsamer in ihren Bewegungen, vorsichtiger, viel behutsamer. Und tatsächlich, auf diese Weise richtete sich der Penis wieder auf, zunächst noch recht weich, aber nach einiger Zeit wurde er wieder fest und Tim konnte sich nicht entziehen. Leider spritzten die Brüste der Blondine nicht mehr wie beim ersten Mal. Wohl, weil der Druck nicht mehr so hoch war. Sie tropften, aber das reichte nicht aus, um den Mund in die Reichweite der Milch zu kommen. Die Blondine merkte das.
Nein, mein Hübscher, sagte sie, du kriegst nichts von meiner Milch. Du sollst rein bleiben. Ohne irgendwas von mir, aus mir. Deine Kraft muss ganz und gar Kraft von außen sein.
Sie verstärkte ihre Kunst am Penis Tims. Es dauerte diesmal länger, aber auch jetzt hatte er wieder nicht die Kraft zum Widerstehen und ergoss sich in ihren Mund.
Erneut verließ die Blondine den Raum und ließ Tim liegen. Und wieder kehrte sie nach zehn Minuten zurück, um ihm abermals seinen Saft aus den Lenden zu saugen. Und nochmals hatte sie Erfolg, selbst wenn Tim weit weniger Samen ergoss.
Als die Blondine nochmals nach einer kurzen Pause zu Tim zurückkehrte, hatte sich Tim sich erleichtern müssen, es ging nicht anders und Tim war längst alles egal, zu erschöpft war er. Die Blondine zeigte sich zu seiner Überraschung aber nicht empört. Nein. Sie wusch ihn zunächst gründlich. Anschließend nahm sie sich Zeit, die Hände neu zu fesseln, weil die ursprüngliche Fesselung inzwischen nachgelassen hatte. Befreien hätte sich Tim trotzdem nicht können.
Die Blondine wusch Tim sorgsam und war dabei nicht grob. Man merkte, dass Tim einen Wert hatte. Sie gab ihm auch Essen. Gutes Essen. Sie gab ihm zu trinken. Wasser. Gutes Wasser. Anschließend wischte sie ihm den Mund ab.
Doch danach nahm die Blondine Tims Penis erneut in die Hand. Vorsichtig erregte sie ihn, aber sehr bestimmt. Und lockte mit ihren Brüsten. Und gab ihm ihre Scham zu riechen, was Tim verriet, dass die Blondine aufs Äußerste erregt war, allerdings leider auch eine starke Wirkung auf ihn hatte. Die Blondine masturbierte den erneut steif gewordenen Penis, bis er wieder seinen Samen preisgab, nicht sehr viel mehr, aber immerhin. Die Blondine war rechtzeitig mit ihrem Mund darüber und ihre Hand streifte dabei den Penis von der Wurzel her aus, um noch einige Tröpflein hervorzuholen, die ihr saugender Mund alleine noch nicht zutage gebracht hatte.
So zog sich das durch die Nacht. Die Blondine bleib bei ihm und streichelte ihn zwischendurch. Vor allem an den Hoden. Reizte ihn nach allen Regeln der Kunst. Sie glaubte wohl, dass damit mehr neuer Samen gebildet wurde. Oder es war tatsächlich so. Oder dieser Wunsch beflügelte ihre eigene Lust. Wer weiß.
Tim quälte nicht nur der Schmerz am Penis - er hatte auch heftige Gliederschmerzen bekommen und spürte Schläge auf der Haut, als würde er mit der Rute gezüchtigt. Das Gemeine war, dass sich diese Schmerzen mit Lust verbanden, zumal ihn die Blondine die ganze Zeit über in sinnlicher Erregung hielt. Und Tim begann zu verstehen, warum man zum Satyr werden konnte. Man musste dagegen ankämpfen, aber das war unendlich schwer, wenn einem gleichzeitig Lust widerfuhr. Er war in eine Art Trancezustand geraten, einem Schaukeln durch Lust und Schmerz. Und so schnell, wie ihm seine Essenz entzogen wurde, bestand ernste Gefahr, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb. Seinen Willen hatte er längst verloren.
Endlich, tief in der Nacht, war die Blondine müde genug, um von Tim abzulassen.
So, mein Hübscher, hauchte sie in ihrer heiseren Art und streichelte seine Hoden, jetzt schlaf schön und mache schön viel frischen Samen für mich. Und nach dem Aufgehen, mein Hübscher, sauge ich dich restlos aus.
Sie verließ den Raum.
Tim schlief wenige Minuten später ein.
Nein, doch nicht.
Er wäre eingeschlafen, wenn...
...ja wenn in diesem Augenblick nicht Alischa in den Raum gehuscht wäre.
Du Armer, weinte Alischa, ich hatte solche Angst um dich! Ich habe die ganze Zeit zuschauen müssen, wie sie dir deinen Samen genommen hatte.
Milch, flüsterte Tim, Milch!
Hastig hielt ihm Alischa ihre Brust an den Mund und Tim begann schwach zu saugen. Alischa melkte mit ihrer Hand mit, um ihm ihre Milch in den Mund zu drücken. Nach und nach wurde sein Saugen kräftiger.
Wollen wir nicht erst fliehen?, fragte Alischa leise.
Nein, antwortete Tim, keine ... Kraft, ... erst ... Milch!
Alischa half, wie sie konnte, und presste das letzte Quentlein Milch aus ihrer Brust. Sie küsste Tim auf die schweißnasse Stirn und flüsterte: Ich konnte nicht früher, da war dieses Tier. Und die Frau hätte ich auch niemals überwältigen können.
Erst eine ganze Weile später setzte Tim ab. Alischa, flüsterte er, bind mich jetzt los, ich glaube, jetzt geht es wieder.
Alischa band ihn los, erst die Hände, dann den Leib, dann die Füße.
Was du gesehen hast, war ein Halbsatyr, flüsterte Tim, ein Satyr, denn man nur halb aus seinem Zustand herausholt und bewusst in diesem Halbzustand lässt. Ein höriges Untier. Es war richtig, dass du abgewartet hast, er wäre schon von deinem Geruch rasend geworden; nur so konnte es klappen.
Tim stand auf.
Sein Gang war sehr unsicher. Alischa stützte ihn erschrocken.
Das wird schon, flüsterte Tim, die Milch muss erst noch richtig wirken. Gib mir nur ein oder zwei Minuten.
Tim verharrte bewegungslos in seiner augenblicklichen Stellung und Alischa hielt ihn am Arm fest. Nur das laute Atmen Tims war zu hören, sonst war es totenstill.
Plötzlich flüsterte Tim: Komm, lass uns abhauen.
Geht es jetzt?
Viel besser. Zumindest für die Flucht wird es reichen.
Alischa reichte Tim seinen Gürtel, seine Gerte und das zusammengerollte Seil, das er am Gürtel getragen hatte. Sie hatte die Sachen gefunden, die richtigen Schlüsse gezogen und die Sachen auch mitgebracht.
Tim hielt inne, um den Gürtel umzuschnallen. Gerte und Seil behielt er aber in der Hand.
Leise schlichen sie die Treppe hinunter. Was für ein Glück, dass das eine Steintreppe war, eine Holztreppe hätte bei dem schlechten Zustand der Burg ganz bestimmt geknarrt.
Das Hoftor draußen ist offen, flüsterte Alischa. Nur die Haustür musste ich zumachen, damit keiner was merkt.
Alles klar, flüsterte Tim.
Doch da stolperte Tim, weil er wohl doch noch zu schwach war. Ein lautes Poltern war zu hören, weil er irgendetwas umgestoßen hatte.
Eine gewaltige Gestalt näherte sich ihnen im nächsten Augenblick laut brummend aus dem Wohnraum des unteren Stockwerks und bewegte sich in ihre Richtung. Ein Höllenlärm entstand.
Raus!, brüllte Tim.
Alischa stürzte zur Ausgangstür und sprang in die Nacht hinaus.
Tim hatte einen Vorteil: Er stand im Gang und der Halbsatyr konnte so nicht seine ganze Kraft zum Einsatz bringen. Er seinerseits konnte aber sein Können und seine Planungsfähigkeit in die Waagschale werfen.
Vor seinen Füßen lag, was er umgestoßen hatte. Ein Hocker.
Tim warf dem Halbsatyr den Hocker vor die Beine.
Der Halbsatyr stürzte zu Boden.
Tim holte mit der Gerte aus und schlug dem Halbsatyr mit voller Kraft mehrfach auf die Handrücken und die Finger.
Der Halbsatyr heulte vor Schmerz auf. Aber das Wichtigste: Seine Hände kamen für einen Kampf erst einmal nicht infrage. Das nutzte Tim, indem er blitzschnell die Hände des Satyrs mit seinem Seil fesselte und anschließend mit dessen Füßen verkoppelte.
Dann sprang auch Tim in die Nacht. Wo war Alischa? Ah - die war schon am Tor und hielt dieses zur Flucht auf. Großartig! Tim rannte los. Schnell war er nicht, da fehlte ihm noch die Kraft. Aber immerhin.
Alischa stieß hinter ihnen die Tür zu. Sie rannten über den restlichen Burghof, den der Mond gut beleuchtete.
Über die Brücke gingen sie bereits. Tim fehlte wirklich die Kraft. Aber hinter ihnen waren keine Geräusche zu hören, sie waren mehrfach stehen geblieben und hatten gelauscht.
Was für ein Glück.
Komm, lass und jetzt normal gehen. Können wir uns verirren? - Ich bin noch nicht ganz bei mir.
Ich glaube nicht, sagte Alischa, die hohen Felsen geben eine gute Orientierung.
Führe du mich, sagte Tim. Auf mich ist noch kein Verlass. Weißt du, ich sehe im Moment nicht viel und denken kann ich auch noch nicht.
Alischa nahm ihn an der Hand. Sie gingen einfach geradeaus durch den nächtlichen Wald. Der Mond leuchtete ihnen. Und wenn man einen Arm vors Gesicht hielt, schlug einem auch nicht überraschend ein Zweig ins Gesicht
Schließlich erreichten sie den Weg.
Welcher Weg ist das, fragte Tim, der blaue oder der graue?
Der graue, antwortete Alischa.
Sicher?
Sicher. Wir sind noch in dem Seitental. Wir müssen jetzt nach links.
Nun fiel das Laufen leichter. Hinter ihnen war noch immer nichts zu hören gewesen.
Irgendwann waren sie an der Abzweigung mit dem Schild angelangt. Alischa wollte es wütend aus dem Boden reißen und beiseite werfen.
Lass es, sagte Tim. Wenigstens jetzt noch. Und wir sollten uns eine Höhle oder einen Gang als Versteck für die Nacht suchen.
Zehn Minuten später hatten sie eine winzige, genau passende Höhle im Felsen gefunden.
Alischa gab sich alle Mühe, Tim noch so lange wachzuhalten, bis er genug Milch aus ihrer Brust getrunken hatte. Und als er schon halb schlief, molk sie ihm mit der Hand noch so viel Milch in den Mund, wie irgend möglich war. Er schluckte sie auf ihre Anweisung hin gehorsam herunter. Danach schlief er ein.
Alischa aber zwang sich zum Wachbleiben. Nicht dass sie Angst hatte, gefunden zu werden. Dafür waren sie zu gut versteckt und echte Angst hatte sie hier in Peridëis seltsamerweise ohnehin nie. Nein, sie hatte etwas anderes vor. Sie weckte Tim nach gut zwei Stunden, weil sie wusste, dass nach dieser Zeitspanne ihre Brüste wieder gut mit Milch gefüllt waren. Und erneut brachte sie Tim dazu, alles zu trinken, was sie ihm zu bieten hatte. Erst danach schlief sie in seinen Armen ein. Und als sie morgens aufwachte, war auch ihr erster Gedanke, Tim mit der Brustwarze an den Lippen zu kitzeln, um ihm sein Lebenselixier zukommen lassen zu können. Am Morgen trank er auch wieder mit der gewohnten Kraft. Alischa atmete auf.
Als Tim aufstehen wollte, war er ziemlich wackelig auf den Beinen. Doch zunächst zischte er vor Schmerz auf und griff sich an seinen Penis.
Was ist?, fragte Alischa besorgt.
Ach nichts, sagte Tim, das ist eine Lappalie.
Was heißt denn Lappalie, wenn es dir weh tut?
Wirklich!, sagte Tim. Der Entzug meiner Essenz war bedeutsam, aber das bisschen hier am Penis gibt sich schnell.
Und zischte wieder vor Schmerz auf.
Leg dich in!, befahl Alischa barsch. Und keine Widerrede!
Gehorsam legte sich Tim hin.
Auf den Rücken!
Muss das...?
Ja, muss. Hab dich nicht so. Es ist nicht das erste Mal, dass ich deinen Penis sehe.
Tim legte sich auf dem Rücken, sodass Alischa im Hosenausschnitt den Penis Tims zu sehen bekam.
Aua!, sagte sie. Die hat dir den Penis ganz wund gerieben.
Alischa hob den Penis vorsichtig an. Tim fuhr erneut zusammen.
Am Nähtchen ist dein Penis sogar etwas blutig, sagte Alischa leise.
Alischa überlegte einen Moment lang. Dann sagte sie: Leg dich mal seitlich hin.
Tim tat es.
Alischa nahm frisches Wasser und spülte den Penis Tims vorsichtig ab. Unter der Vorhaut ging dies aber nicht - Tim verweigerte es vor Schmerzen schlicht.
Aber wenn er sich nun entzündet?, fragte Alischa besorgt.
Er entzündet sich nicht, sagte Tim. Das gibt es hier einfach nicht, weißt du? Er wird in zwei oder drei Tagen wieder in Ordnung sein. Mach dir keine Gedanken, ich bin ein ganzer Kerl.
Ihr ganzen Kerle könntet manchmal auch etwas weniger ganze Kerle sein, schimpfte Alischa.
Tim stand auf.
Was willst du tun?, fragte Alischa.
Ich muss mal Wasser lassen, sonst nichts.
Tim stellte sich etwas entfernt an einen Baum.
Aaaaah, fffffff, hmmmmmmm, aua!
Alischa lachte.
Anschließend sammelten sie zusammen das Frühstück in der Nähe ihrer Höhle. Für den geringen Aufwand, den sie trieben, war das Ergebnis sogar recht passabel. Obwohl Tim meinte, dass der Halbsatyr ohne die Blondine gar nichts ausrichten konnte. Wahrscheinlich hatte ihn die Blondine sogar genau an die Stelle bringen müssen, wo Tim gefangen worden war, denn mehr als einfache Anweisungen begriff er vermutlich nicht.
Da Tim noch Erholungszeit brauchte, war genug Zeit, zu erzählen, was geschehen war. Tim schüttelte resümierend den Kopf: Dass Sperma eine Zauberwirkung hat, ist totaler Quatsch, sagte er, aber erzähle das mal den Leuten, die glauben, was sie glauben wollen. Der Wert kommt wahrscheinlich bloß daher, dass ein Mann davon so wenig hat im Vergleich zur Milch, und dass er verkümmert, wenn er davon zuviel rausrückt. Aber was diese Frau anbelangt: Es ist erstaunlich, dass sie überhaupt noch Milch in der Brust hat, wenn sie die Stimulation die ganze Zeit über verweigert. Und selbst dann: Wenn zu viel Milch in der Brust bleibt, ich glaube ein Fünftel der momentan vorhandenen Menge, dann verringert die Brust die Milchbildung. Die reagiert ja auf Anforderung. Das heißt mit anderen Worten: Im Grunde bewirkt die Frau das genaue Gegenteil von dem, was sie will. Sie trocknet ihre Brust aus, und dann hätte sie weniger Essenz statt mehr. Wahrscheinlich bewirkt nur Peridëis, dass sie überhaupt noch Milch hat. Es sei denn, sie gehört zu den Frauen, die von Natur aus ständig Milch haben.
Tja, schloss er. So wird sie also weiter einsam in ihrer halbverfallenen Burg hausen.
Wieso macht die das überhaupt?, fragte Alischa.
Vielleicht einfach bloß, weil sie ein mieser Typ ist. Die hat sich wahrscheinlich in ihrer eigenen Persönlichkeit verrannt. Hast du mitbekommen, dass die aus dem Diesseits kommt?
Waaaass?!
Alischa war ehrlich empört. Woher weißt du das?
Sie hat meinen Kristall gefunden und keine Angst davor gehabt. Und eine Peri kann sie nicht gewesen sein, weil sie erst eine werden wollte.
Aber wieso tut die sowas? Ich meine, die hat doch gar keine echte Lust daran gehabt?...
Ganz stimmte das nicht.
...Trotzdem, es ging ja gar nicht darum. Warum sucht die sich nicht was, womit sie zufrieden werden kann, so wie Anka und Zelima?
Sag ich doch, die hat sich verrannt. Teufelskreislauf. Ich habe mal einen Artikel über Halluzinogene gelesen, so Drogen, die die Wahrnehmung beeinflussen. Bestimmte Leute erleben die Hölle, wenn sie die nehmen. Und so scheint es dieser Blondine hier zu gehen. Jemand müsste sie an die Hand nehmen und ihr zeigen, dass das Leben schön sein kann. Einfach so.
Aber nicht ich.
Ich auch nicht, meinte Tim. Aber außerdem wissen wir auch zu wenig über sie. Stattdessen sollten wir morgen weiterwandern.
Bist du wieder fit?
Ich glaube schon. Du hast bessere Milch als die Einwohnerinnen. Schon vergessen?
Alischa lachte. Doch dann fragte sie: Und wirst du nicht Ärger kriegen mit den Peris. Wegen deines Zölibats?
Nein, sagte Tim, ganz bestimmt nicht. Ich habe das ja nicht selbst herbeigeführt und mich nach Kräften gewehrt.
Und war sie gut?
Wer?
Die Blondine?
Wie?
Na ... Alischa druckste ... immerhin hat sie es dir gemacht. Viele Male.
Nein, sagte Tim fest. Sie ist nicht mein Traum, die Blondine. Und kurz bevor es mir kam, habe ich immer die Augen geschlossen und an dich gedacht.
Danke.
Als sie an der Abzweigung mit dem Holzschild vorbeikamen, trat Alischa den Pfahl mit dem beschrifteten Brettchen wütend um. So viel musste sein. Tim hinderte sie diesmal nicht.
Der Ponywagen
Alischa und Tim beeilten sich nicht übermäßig bei ihrer Wanderung auf dem azurblauen Pflasterweg, denn schon wenige Kilometer entfernt war kaum noch damit zu rechnen, dass man ihnen folgen würde. Außerdem hatte der Erfolg des Halbsatyrs und seiner Besitzerin auch nur in der Überraschung gelegen. Tim versicherte Alischa, dass er dem Halbsatyr normalerweise gehörig den Hintern versohlt hätte. Aber was soll man machen? Überraschung ist eben Überraschung. Und immerhin war Tim zu Recht misstrauisch gewesen, als er das Schild gesehen hatte.
Wie geht es Dir jetzt?, fragte Alischa, nachdem es bereits Mittag war und Tim die ganze Zeit über gelaufen war.
Schlapp, aber gut, antwortete Tim. Und er setzte nach: Weißt du, das Fatale an der Sache war gar nicht diese Verbindung von Schmerz und Lust...
Schmerz wegen des Milchmangels?
Auch. Aber wenn ein Mann so kurz hintereinander befriedigt wird, dann tut das auch so weh.
Ich dachte, das geht gar nicht so einfach, weil der Penis nach dem Samenerguss weich wird?
Sie hat ihre ganze Kunst eingesetzt, Hand, Mund, sich zeigen...
Würde ich das auch...?
Alischa, jetzt ist es aber gut! Diese Frau kommt nicht ansatzweise an dich heran. Darf ich weitererzählen?
Ja, maulte Alischa.
Das eigentlich Fatale, erzählte Tim weiter, war, dass ich allmählich in eine Art lustvollen Dämmerzustand geraten bin, wie in einen Rausch. Es war wie ein Strudel, wo es anstrengend ist, dagegen anzuschwimmen, aber viel angenehmer, sich einfach treiben zu lassen. Ich habe mich nur damit gebremst, dass ich mir gesagt habe, es kann nicht das Ziel des Lebens sein, in einem Dämmerzustand zu leben. Und hatte natürlich dich, dass du alleine geblieben wärst und auch sonst. Dieses Ziel, dieser Sinn ... das war es, was mich als Einziges gebremst hat. Auch jetzt noch.
Auch jetzt?, echote Alischa verblüfft.
Ja. Ich hab doch gesagt, es war an sich ein angenehmer Zustand. Da gibt es eine Art Sog zurück...
Alischa blieb stehen und schaute Tim aufmerksam in die Augen.
Tim schlug die Augen verlegen nieder.
Um Himmels willen, flüsterte Alischa. He, du bist raus! Du bist wieder du. Und ... und .. und.
Alischa kam ein Gedanke: Und das hier hättest du vielleicht nie wieder bekommen!
Sie hob mit ihren Händen beide Brüste empor, so wie sie es auf diesen Bildern gesehen hatte und auf Skulpturen im Städtchen, das sie besucht hatten. Sie reckte Tim ihre beiden Brüste entgegen. Komm, flüsterte sie, ich habe gute Milch für dich. Nur für dich. Süße Milch. Voller Kraft. Und es bereitet mir große Lust, wenn du sie aus meinen Brüsten saugst! Und es hilft mir wunderbar darüber hinweg, dass dein Penis nicht in mich eindringen darf. Nimm das Schöne, das du von mir bekommst, genieße mich, nicht diesen Zustand des Satyrs, nicht diese Falle, aus der du alleine nicht herauskommst.
Alischa zog Tim auf den Boden, auf die Wiese, die den azurblauen Pflasterweg links und rechts säumte. Was machte es, wenn einige der Blumen umknickten, es gab doch so viele davon. Das Leben war schön, zu schön, um es im Dämmerzustand zu verschwenden.
Alischa legte sich seitlich und zog Tim herunter, zog seinen Kopf an ihre Brust, die sie ihm mit einer Hand entgegenhielt. Sie drückte einen Spritzer Milch mit den Fingern aus ihrer Brustwarze an seine Lippen, um ihn anzulocken, kitzelte mit ihrer Brustwarze seine Lippen, damit sie sich öffneten.
In Tim gab es einen Ruck. Er seufzte und schnappte mit aller Kraft zu. Alischa schrie auf, spürte aber, wie ihre Brust augenblicklich reagierte und Milch mit aller Macht in den Mund Tims presste. Tief hinten in Alischas Brüsten tat es richtig weh, so sehr hatten ihre Brüste reagiert. Doch es fühlte sich gut an und es machte Alischa glücklich, zu hören und zu spüren, wie Tim Schwall um Schwall schluckte und gierig um mehr an ihrer Brust sog.
Entspannung überkam Alischa. Die Aufregung der letzten Tage fiel von ihr ab. Sie spürte, wie das Saugen Tims weniger gierig wurde und dafür tiefer und rhythmischer. So fühlte es sich richtig an. So musste es sein. So war alles gut.
Alischa entspannte sich noch mehr. So war alles gut. In dieser wunderschönen Welt. Ein Gefühl von Glück stieg in ihr auf. Sie hatte eine Wunderdroge, die Tim helfen würde. Die von allen Männern begehrt wurde. Sie war eine Frau, und das war etwas. Etwas ganz Besonderes, hier in Peridëis. Diesem wunderbaren Paradies. Die Männer brauchten sie. Sie und ihre Brüste. Und die Milch, die jetzt gerade aus ihren Brüsten strömte. Und es fühlte sich gut an. Gut und richtig. Und entspannend. Sehr, sehr entspannend. Und sehr, sehr glücklich fühlte sich Alischa.
Baute sich da gerade etwas in ihrem Schoß auf?
Alischa spürte in diesem Augenblick ganz genau, wie die Milch durch ihre Brustwarze strömte. Tim sog sehr, sehr richtig. Er zog auch ihre Brustwarze auf genau die richtige Weise in die Länge. Genau so musste es sein. Genau so. So.
Alischas Schoß baute noch mehr von dem Gefühl auf. Genauer: Ihre Lustknospe. Nein. Nicht nur. Das zog sich längst zwischen die Beine und in die Oberschenkel.
Aber nicht wie ein spitzer Wasserstrahl. Eher wie eine sanfte Woge mit bedenklich viel Kraft.
Alischa wusste mit einem Mal, dass sie jetzt Mathematikaufgaben lösen könnte und die Woge trotzdem nicht weggehen würde. Interessanter Gedanke. Ach, Mathematik, was war das doch für eine schöne Sache. So schön...
Nein, es wäre doch nicht gut, auf der Woge sitzen zu bleiben, wahrscheinlich würde sie wahnsinnig werden an diesem Zustand.
Mach weiter so, flüsterte Alischa Tim zu. Nichts ändern, nichts ändern, genau so weitermachen, ja, genau so. Weitermachen, weitermachen, weitermachen, genau so, genau so, ja, ja, so weitermachen...
Sog um Sog spürte Alischa die Milch von ganz hinten nach vorn durch ihre Brustwarzen strömen. Und wie die Brustwarze in die Länge gezogen wurde.
Sog um Sog sandten die Brustwarzen sanfte elektrische Signale zu ihrem Schoß hin. Vor allem, wenn die Brustwarze gerade richtig langgezogen wurde.
Sog um Sog, Ziehen um Ziehen schwoll das Gebiet stärker an, das in ihrem Schoß Gewaltiges aufbaute. Nein, nicht Schoß. Alles Drumherum. Nein, nicht nur drumherum, das breitete es sich immer mehr in Alischas Körper aus, um sich endlich endlich aufzutürmen, anzuschwellen und ... Haaaaaaaaaaaaaaaaa ... in einer, genau einer Welle Besitz vom ganzen Körper zu nehmen, bis ins Gesicht, das von einem Ausläufer der Welle überlaufen wurde, bis hin zu ihren Haarspitzen. Es war eine warme Welle, eine sanfte Welle, aber eine gewaltige Welle, die nichts anderes als sich selbst duldete und den letzten Winkel von Alischas Körper durchflutete.
Alischa weinte vor Glück.
Zeit verging...
Tim streichelte ihre Haare. Er hatte langsam, ganz langsam, mit dem Trinken aufgehört, um so gut wie möglich mit Alischas Empfindungen mitzugehen.
Eine halbe Stunde musste Alischa danach noch auf dem Rücken gelegen haben, bis sie sich einigermaßen von dem Orgasmus erholt hatte.
Anschließend präsentierte Tim ihr lächelnd zwei neue Katzengoldkristalle, die er inzwischen in der Nähe frisch aus dem Felsen geschlagen hatte. Er zog Alischa sanft hoch, gab ihr einen Kuss (ja!!!!), und sie gingen gemeinsam, um sich die Stelle im Felsen noch einmal anzuschauen.
Merken!, sagte Tim, das ist unser neuer Treff, falls irgendetwas schiefgeht.
Alischa kam wieder zu sich. Nur ihr Schoß blieb seeeeehr, seeeehr entspannt, aber das fühlte sich gut an und Alischa gönnte ihrem Schoß diesen Zustand.
Auf dem Rückweg zum Bach liefen sie lachend durch Bäume und Sträucher, um ihr Mittagessen einzusammeln. Meine Güte, war das einfach in Peridëis!
Alischa hatte ihr Kleid geschürzt, um die eingesammelten Esssachen tragen zu können, als sie plötzlich ein Geräusch wie von einem Pferdewagen hörten. Nanu? - Die beiden eilten zum azurblauen Pflasterweg, um nachzuschauen.
Da das Tal hier eine Biegung machte, hatten Alischa und Tim den Weg etwas abkürzen können und waren am azurblauen Pflasterweg angekommen, noch bevor sich das seltsame Geräusch genähert hatte. Beide schauten erwartungsvoll in die Richtung, von der das Gefährt kommen musste. Und da kam es.
Doch was war das?! Sie hatten durchaus richtig gehört - es war ein Wagen, der sich näherte. Ein ganz kleiner und leichter übrigens. Er hatte nur eine Achse und entsprechend nur zwei Räder, obendrauf war nichts weiter als ein ebenso leichter Sitz. Und auf dem Sitz saß eine Frau. Alischa äugte skeptisch, denn diese Frau war wie die Frau in der Burg ganz in weiches schwarzes Leder gekleidet. Diesmal aber ein schwarzer, vorne offener Lederrock und darüber eine Art Ledergeschirr aus verschiedenen Riemen, die miteinander vernietet waren, und das von ihren gewaltigen Brüsten halb verdeckt wurde. Aber sie wirkte in ihrer Lederkleidung ganz anders, als die Frau in dieser verfallenen Burg, denn sie schien eher von der Sorte zu sein, die das Leben genießt, was auch die Größe ihrer mächtigen Brüste und ihrer Schenkel zeigte, denn sie stand ganz ausgezeichnet im Futter.
Etwas Besonderes war aber ihr Pferd. Besser, ihr Pony. Denn der Wagen war ja ein Ponywagen.
Das heißt, ein Pony war auch nicht davorgespannt.
Der Ponywagen mit der dicken Frau wurde von einem Mann gezogen. Von einem nackten Mann. Genau gesagt von einem nackten Mann, der angeschirrt war wie ein echtes Pony. Mit Zaumzeug. Lederriemen liefen über seinen Körper und seinen Kopf, links und rechts seiner Augen trug er richtige Scheuklappen, vor dem Mund eine Tremse, und zwei Deichseln waren links und rechts an seinem Zaumzeug befestigt. Sogar sein Penis war von Lederriemen gerahmt und schlug beim Laufen hin und her. Und oben auf seinem Kopf wippten zwei riesige bunte Federn, die am Zaumzeug befestigt waren.
Brrrrrrrr!, rief die Frau, als sie Alischa und Tim sah.
Gehorsam hielt ihr Pony, nein, der Mann, an. Er war ganz außer Puste.
Heda, wer seid ihr denn?, rief die dicke Frau.
Sei gegrüßt, wir sind auf dem Weg in die Rote Rosenstadt, zur dortigen Peri, antwortete Tim.
Da muss das Mädchen aber eine Person von sein, antwortete die dicke Frau, gerufen zur Peri und das mit einem echten Büttel als Begleitung!
In der Tat, antwortete Tim. Die Peri hat eine Aufgabe für sie. Aber wir wissen noch nicht, was. Und du, setzte Tim nach, was treibt dich durchs Land?
Ich bin Sklavenhändlerin, antwortete die dicke Frau, und ich erkunde den Weg, damit sich meine Ware nicht unnötig abnutzt.
Sklavenhändlerin!, echote Alischa erschrocken.
Keine Angst, ich bin eine ehrliche, antwortete die dicke Frau und lachte über Alischas Gesichtsausdruck. Ich nehme keine Ware zweifelhafter Herkunft und wildere auch nicht.
Da bin ich aber beruhigt, sagte Alischa.
Tim kicherte.
Alischa steckte ihm die Zunge heraus.
Wisst ihr was, fragte die dicke Frau, die Sklavenhändlerin war, es ist ohnehin Zeit, dass mein Pony eine Pause bekommt. Und wenn es euch recht ist, würde ich mich gerne zu einer Mahlzeit mit euch einladen wollen.
Jetzt war es Alischa, die kicherte. Oh, bitte, bitte, sagte sie, es ist genug zu essen da. Und wies in die Bäume und Sträucher, die um sie herumstanden.
Na dann sorg' mal für unser leibliches Wohlergehen, griff Tim den Faden auf. Ab mit dir und hole uns leckere Sachen. Und lüpfte unversehens ihr Kleid und Aua! hatte Alischa eine aufs Hinterteil gekriegt. Alischa verstand und nutzte augenblicklich die Gelegenheit, nicht mit der dicken Sklavenhändlerin allein zu bleiben. So hüpfte sie davon, um nachzusehen, was die Gegend an weiteren kulinarischen Besonderheiten zu bieten hatte. Wer weiß, wer weiß... Tim aber blieb. Die dicke Frau stieg von ihrem Wagen ab. Sie sah sich suchend um, entdeckte einen Strauch mit Früchten, die ihr zusagten, schirrte ihr Pony ab und zog es zum Strauch. Der Mann, nein, das Pony, biss augenblicks in eine der Früchte und ließ es sich schmecken. Er benutzte nicht seine Hände. Die dicke Frau schlang den Lederriemen ihres Ponys locker um einen Ast und sah sich ihr Pony aufmerksam von oben bis unten an. Anschließend kramte sie diverse Dinge aus ihrem Ponywagen, eine hübsche Decke, die sie zum Draufsetzen auf dem Boden ausbreitete, aber auch Geschirr und noch andere Dinge. Tim, der durchaus neugierig war, half ihr dabei.
Alischa kam zurück und trug zahlreiche Nahrungsmittel in ihrem hochgeschürzten Rock vor sich her. Als sie diese abgelegt hatte, wurde sie von der dicken Frau wenig unauffällig von oben bis unten angeschaut.
Mein Pony müsste dringend eine Frau bespringen, sagte sie. Es ist zu nervös. Ein Pony braucht eben seinen Teil. Ich aber treibe es nicht mit dem eigenen Pony, das ist nicht gut für die Disziplin. Bist du gerade nass?, fragte sie an Alischa gerichtet.
Alischa sah überrascht zu Tim, der im Schneidersitz auf der ausgebreiteten Decke saß. Dessen Augen lachten, aber er zeigte nichts, was Alischa als ja oder nein hätte deuten können.
Alischa blickte wieder zu der dicken Frau und stotterte ... im Moment bin ich ... nun, gerade sehr befriedigt, ich bitte vielmals um Entschuldigung.
Die dicke Frau seufzte. Dann muss mein Hengst eben noch etwas aushalten. Und ich auch. Aber wenn er durchgeht, bist du schuld. Sie zwinkerte Alischa zu.
Alischa atmete auf. Ihr eigener Schoß hatte noch den angenehm schwerelosen Zustand von ihrer wenig zurückliegenden Entspannung, und Alischa wollte auch nicht, dass sich das änderte.
Beim gemeinsamen Mahl erzählte die Frau auf Alischas Nachfrage, dass es der innerste Wunsch jenes Mannes wäre, ihr als Pony zu dienen. Auch bergauf.
Alischa und Tim lachten.
Mehr noch, sagte die dicke Sklavenhändlerin, er verlange keinen anderen Dank, als dass er wie ein normales Pony behandelt würde, sie ziehen dürfe, aber auch die Aufmerksamkeit erhielte, die einem guten Pony gebührte. Die Peitsche bekäme das Pony behutsam zugemessen, nicht übertrieben. Nur heute wäre einer der Tage, wo es an irgendetwas fehlte, wo man nie wusste, was es war. Das wäre der Grund, warum die dicke Frau gehofft hätte, in Alischa eine Deckstute gefunden zu haben. Umsonst gehofft. Ach, beklagte sie sich, die Billig-Ponys von heutzutage hätten einen viel zu hohen Pflegeaufwand, müssten außerdem alle zwei Stunden ejakulieren und bräuchten dann auch noch jedes Mal Milch zum Ausgleich. Apropos Milch. Die dicke Sklavenhändlerin schnalzte mit der Zunge.
Das Pony kam augenblicks angerannt.
Da! Trink!, sagte die dicke Sklavenhändlerin und zeigte auf ihre dicken Brüste.
Das Pony legte sich augenblicklich nieder und trank von der Seite. Was angesichts der riesigen Brüste wirklich gar kein Problem war und die dicke Sklavenhändlerin weder beim Schwatzen noch beim Essen störte.
Sag mal, fragte Alischa neugierig, geben so große Brüste auch mehr Milch?
Tim stieß Alischa in die Seite. Alischa!
Lass nur, lachte die dicke Sklavenhändlerin. Leider nein, es könnte gerne mehr sein. Ich habe Sklavinnen mit geradezu winzigen Brüsten, die das Vielfache an Milch geben. Was glaubst du, warum ich Händlerin bin? Am besten sind diese prallen kleinen Dinger, die von gut sichtbaren Adern durchzogen sind. Und mittelgroße Hängebrüste, die sich in der Mitte gut nach außen beulen. Glaubt’s mir, ich bin vom Fach. Aber es gibt auch Überraschungen, nur bei mir nicht.
Ich bin ja wohl noch immer satt geworden, mischte sich das Pony ein, und deine Fresserei hat die prachtvollsten Rundungen erzeugt, die ich je in der Hand hatte.
Wirst du wohl die Klappe halten? – Zisch!, hatte das Pony eine auf dem Hintern und verschluckte sich fast. Im Nu war es wieder dort, wo es eigentlich hinbefohlen worden war.
Ach ja, diese maßlosen Ponys, setzte die dicke Sklavenhändlerin ihren Faden fort. Billig-Ponys (solche, die alle zwei Stunden ejakulieren) bräuchten zu viel Milch. Was das koste! Selbst wenn’s nur die Zeit ist! Zudem wären sie anschließend erst einmal befriedigt und demzufolge eine Weile unwillig, den Wagen weiterzuziehen. Am besten zögen sie nun mal mit Druck in den Lenden, das müsse man ganz klar so sagen. Aber mit geschicktem Gebrauch der Peitsche ginge es halbwegs. Man müsse sich halt mehr kümmern, und nach einer Weile käme dem Pony wieder seine Erektion und es ziehe wieder freiwillig, so gut es könne. Teure Renn-Ponys könne man für die Reise aber auch wieder vergessen. Die würden schon nach kürzester Zeit ejakulieren, was einem gar nichts nütze. Deshalb auch der Sandboden bei den Ponyrennen, damit die nicht ausrutschen, und die vielen Boxenstops. Habt ihr schon mal so ein Rennen gesehen? Nein? Macht nichts, es dauere ja auch ewig, bis so ein Rennen zu Ende wäre, und Arbeitsponys wären sowieso viel nützlicher, die hielten viel länger durch. Leider wären sie dafür aber insgesamt fauler, langsamer und sowieso kaum spitzenbelastbar.
Hör endlich auf mit deinem Gejammer, lachte Tim. Erzähl, was hast du unterwegs erlebt?
Oh, jede Menge, erzählte die dicke Frau und hörte auf mit dem Gejammer. Ab da berichtete sie von den erstaunlichsten Begebenheiten, die sie auf ihren Zügen von Markt zu Markt erlebt hatte. So erzählte sie Alischa und Tim von einem Land, in dem sie rosa Zwerge gesehen hätte, die einen riesigem Penis hätten. So riesig wäre der Penis, dass sie diesen mit einer Schubkarre beförderten.
Flunkerst du auch nicht?!, lachte Alischa.
Nein, versicherte die dicke Frau. Sie wären unbeschreiblich dumm und vergesslich. Wohl aus diesem Grund würden sie den Gerüchten nach genommen, um dunkle Fantasien gewisser Frauen zu erfüllen, von denen sie hinterher nichts erzählen könnten. Trotz Naturschutz hätten einige Damen solche rosa Zwerge angeblich weggefangen und unter empörenden Bedingungen gehalten. Auf diese Weise hätten sich im Laufe der Zeit wohl auch ihre riesigen Penisse entwickelt. Denn soweit zu erfahren wäre, wusste man früher noch nichts von der enormen Ausstattung der rosa Zwerge.
Alischa machte große Augen. So etwas soll in absehbarer Zeit gehen, dass sich Körperteile vergrößern, bloß weil andere ein Bedürfnis danach haben?
Oh, das gibt es sogar da, wo wir herkommen, sagte Tim und schaute Alischa bedeutsam in die Augen. Es gibt bei einigen afrikanischen Völkern Frauen mit einem wirklich sehr großen Hintern. Und mit sehr meine ich wirklich sehr. Die Männer dieser Völker stehen da wohl sehr drauf und so hat sich das mit der Zeit entwickelt [50]. Aus deren Sicht sind die Frauen anderer Völker völlig unterentwickelt.
Ach, kicherte Alischa, wenn ich deine sehr gewöhnlichen Blicke richtig interpretiere, stehst du aber auch sehr auf meinen Arsch. Wird der davon auch größer?
Tim stieg darauf ein: Wenn du vier- bis fünftausend Jahre warten kannst, warum nicht!
Alischa steckte ihm die Zunge heraus und die dicke Sklavenhändlerin lachte.
Handelst du denn auch mit solchen Spezialitäten?, fragte Alischa.
Nein, sagte die dicke Frau, die Sklavenhändlerin war, im ernsten Ton. Mit Spezialitäten, ja, aber mit dunklen Geschäften belaste ich mich nicht. Sie nehme normale Sklaven auf Kommission.
Auf Kommission?, fragte Alischa. – Dann bist du ja eher Maklerin als Händlerin.
Wie soll das anders gehen, auf legale Weise?, wunderte sich die Sklavenhändlerin. Sonst habe ich nach kurzer Zeit einen Haufen Nichtsnutze und vertrocknete Meckertanten eingesammelt, die ich nicht wieder loswerde. Außerdem überschätzen Männer oft maßlos, was sie aushalten, und die Frauen nörgeln in einem fort, auf welche genau festgelegte Weise sie versklavt, geknechtet, gepeitscht und vergewaltigt werden wollen. Auf Kommission gibt sich die Ware dagegen Mühe und unterwirft sich völlig freiwillig meiner strengen Zucht. Wer nicht will oder nicht kann, wird nach einer Bedenkzeit aus dem Sortiment genommen. Fertig. Gute solide Ware züchtet man auf diese Weise. Zwielichtige Gestalten befassen sich dagegen nur mit Sklaven, die ihnen keine Mühe machen, weil sie schon von Anfang an besondere Eigenschaften haben.
Welche denn zum Beispiel?, fragte Alischa.
Sehr starke Männer, Männern mit ungewöhnlicher Manneskraft, solche mit großem Penis, ungewöhnlich schöne Frauen oder Frauen, denen schon vom Anschauen die Brüste tropften, aber auch besondere Spezialitäten.
Besondere Spezialitäten?
Nun, jeder hat doch seine eigenen Vorlieben, zum Beispiel große Brüste, kleine Brüste, feste Brüste, weiche Brüste, abstehende Brüste, hängende Brüste, große Brustspitzen, kleine Brustspitzen und noch mehr. Dafür gibt es einen Schwarzmarkt, weil man offiziell solche besonderen Spezialitäten nicht besonders anpreisen darf. Damit auch die Ramschware eine Chance hat.
Und du behauptest, dass du dir solche Geschäfte entgehen lässt?
Ich betone stets, dass ich eine Sklavin zum Beispiel nicht wegen ihrer besonderen zartrosa Brustwarzen verkaufe, wenn ich bemerke, dass sich der Kunde für zartrosa Brustwarzen interessiert. Ich betone stets die Gesamtpersönlichkeit, die um die zartrosa Brustwarzen herum besteht. Oder wie der vorzügliche Charakter einer Sklavin, ihr prachtvolles Aussehen und ihre vollen Brüste sich auf die besondere Milch ausgewirkt haben, welche die Sklavin gibt.
(Alischas Gedanken dazu sind schwer in Worte zu fassen.)
Apropos, sagte die dicke Frau, die Sklavenhändlerin war. Ich habe da eine Sklavin, die auf eine besondere Weise durchaus ansehlich ist, und diese Sklavin, die gibt eine Milch, sowas habe ich überhaupt noch nicht erlebt. Ihre Frauenbutter hat ein edles besonders feines Aroma. Probiert die mal! Die Sklavenhändlerin kramte in ihrem Vorrat, holte ein kleines Töpfchen hervor und schob dieses zu Alischa und Tim hinüber.
Tim zögerte nicht, nahm ein Brötchen und schmierte mit einem Messer reichlich von der dargebotenen Frauenbutter auf sein Brötchen und biss hinein.
Wirklich nicht übel!, kommentierte er.
Nicht übel? - Die dicke Sklavenhändlerin schlug entsetzt die Hände überm Kopf zusammen. Du Banause! Weißt du, was dieses winzige Töpfchen Frauenbutter auf dem Markt bringt?
Das Argument »teuer« brachte auch Alischa dazu, sich zu überwinden. Sie nahm sich eine Winzigkeit der schneeweißen und sehr zartschmelzenden Frauenbutter, tat sich diese auf ein Brötchen und biss hinein. Hm! Die Butter hatte ein wirklich sehr angenehmes feines Aroma. Alischa nahm sich mehr und kostete erneut. Die Butter war wirklich gut! Soviel konnte sie beurteilen. Doch alles darüber hinaus konnten wohl nur Kenner feststellen.
Wie bekommt man denn solchen Geschmack hin?, fragte Alischa möglichst allgemein.
Manches kannst du gar nichts ändern, antwortete die dicke Sklavenhändlerin, entweder deine Milch hat diesen exzellent feinen Geschmack oder sie hat ihn nicht. Das hängt auch mit deinem eigenen Körperduft zusammen, mit deiner Person insgesamt. Und deshalb werden die Leute auch immer Vorlieben für dieses und jenes behalten. Aber du kannst den Geschmack auch ändern, je nachdem, was du isst. Und wie man ja sagt: Verkniffene Frau, verkniffene Brust. Eine mies gelaunte Frau kannst du kaum melken und ihre Milch taugt einen Dreck.
Schließlich erzählte die dicke Sklavenhändlerin, dass sie vor zwei oder drei Stunden einer Gruppe von Männern begegnet war, die sehr merkwürdig war.
Wieso merkwürdig?, fragte Tim die Frau.
Nun, sagte die dicke Sklavenhändlerin, sie waren völlig ohne Frauen. Mal ehrlich, welcher Mann mit Verstand geht denn ohne Frau auf Reise?
Die dicke Sklavenhändlerin schüttelte missbilligend ihren Kopf. So ein Leichtsinn, schimpfte sie.
Damit waren die Gesprächsthemen erschöpft und man verabschiedete sich. Alischa und Tim standen auf, die dicke Sklavenhändlerin, die noch immer ihr Pony an der Seite hatte (die Milch floss bei ihr wohl wirklich schwer), blieb aber sitzen.
Und du willst nicht meinem Pony noch einen kleinen Gefallen tun?, probierte es die dicke Sklavenhändlerin noch ein letztes Mal bei Alischa.
Alischa, die längst auf den Füßen war, tröstete sie, vielleicht beim nächsten Mal.
Dann muss ich eben wieder einmal selber Hand anlegen, winkte die Frau ab.
So schlimm war es wohl doch nicht gewesen und Alischa wäre ihr nur als zusätzlicher Leckerbissen für ihr Pony gerade recht gekommen. Als Alischa und Tim sich zum Gehen wandten, küsste die dicke Sklavenhändlerin nämlich ohne großes Zögern ihrem Pony den Nacken und ihre Hand fuhr zwischen seine Lenden.
Na bitte, geht doch, flüsterte Tim Alischa zu.
Und du, fragte Alischa ebenfalls laut und mit spitzer Zunge, wäre das nicht auch etwas für dich, mich in so einem schicken Ponywagen durch die Gegend zu ziehen?
Bereits die nochmalige Frage ist ein sicheres Mittel, eine auf den Hintern zu kriegen, knurrte Tim.
Aber das Pony wirkte doch sehr zufrieden, lästerte Alischa, die der Hafer stach.
Zack! - Da hatte sie Tim bereits abwärts gewandt auf dem Arm, das Kleid rückwärtig beiseite gestreift und Alischa kriegte drei mit der flachen Hand auf den Po. Und zwar welche, die hinterher brannten.
Oooooh, wand sich Alischa, während sie sich, wieder auf ihren eigenen Füßen stehend, den Hintern rieb. Die waren nicht von schlechten Eltern.
Willste noch mehr?
Oh nein, versicherte Alischa lachend und drückte ihm einen Kuss auf den Mund, ich kann durchaus noch die vier- fünftausend Jahre warten, um meinen Hintern dicker werden zu lassen.
Beide lachten und weiter ging’s auf dem azurblauen Pflasterweg.
Spezialforscher
Alischa und Tim mochten zwei oder drei Stunden auf dem azurblauen Pflasterweg gewandert sein, das heißt, ein halbes Stündlein für eine Trinkpause (für ihn) und eine kleine Handentspannung (für sie) wäre abzuziehen, da blieb Alischa plötzlich wie angewurzelt stehen.
Ich habe eine Erscheinung!, hauchte Alischa.
Im selben Augenblick wurde sie von Tim ins Gebüsch gerissen. Tim hielt ihr dabei die flache Hand vor den Mund, sodass Alischas erschreckter Aufschrei erstickte.
Sei ganz leise, flüsterte Tim. Es droht wirklich Gefahr!
Alischas Herz klopfte aufgeregt. Tim drückte Alischas Kopf und ihren Hintern auf den Boden. Ganz flach machen und kein Geräusch, flüsterte er, Kopf unten, Hintern unten, keine noch so kleine Bewegung! Eilig, aber leise warf er lose Blätter und Zweige auf Alischa und presste sich anschließend selbst an den Boden und tarnte sich eilig.
Eine Gruppe Männer näherte sich ihnen auf dem azurblauen Pflasterweg. Atemlos beobachtete Alischa, wie diese an ihnen vorüberzogen. Wahrscheinlich bestand wenig reale Gefahr, denn die Männer waren sehr abgelenkt, lachten laut und hatten sich offenbar eine Menge zu erzählen. Sieben Männer zählte Alischa.
Und die Männer waren wirklich seltsam. Alle trugen ein- und denselben langweiligen Kurzhaarschnitt. Schmalzhaare, kommentierte Alischa innerlich. Und alle trugen einen Anzug, Oberhemd und Schlips. Geschmacklose Anzüge, geschmacklose Oberhemden und geschmacklose Schlipse. Und erst die Schuhe!
Himmel, die erinnern mich an zu Hause!, flüsterte Alischa aufgeregt, als die Männer vorübergezogen waren. Nur dass die Hosen einen Latz haben, ist anders.
Die sind von zu Hause, verfluchter Mist, polterte Tim leise.
Wie kann das sein?, fragte Alischa leise zurück.
Sehr einfach, sagte Tim, die sind durch den Übergang in der DDR gekommen, den die Stasi überwacht. Wie ich zuerst, erinnerst du dich?
Ja, natürlich!
Unsere Aufgabe war, Spitzel einzuschleusen und außerdem sogenannte Spezialforscher der Partei bis zum Übergang zu begleiten. Wir durften sie aber nie in Peridëis begleiten und haben auch nie erfahren, was die genau in Peridëis wollten.
Das sind solche Spezialforscher? Und jetzt willst du es wissen?
Ja! Die Chance ist einmalig. Die Gefahr für dich ist gering, selbst wenn sie dein Gesicht zu sehen kriegen. Sie würden es gar nicht mit der DDR in Verbindung bringen. Nur mich dürfen sie nicht sehen. Was mache ich am besten...
Na höre mal, das ist doch ganz einfach, wandte Alischa ein. Was bei dir an die DDR erinnert, ist deine Büttel-Uniform, egal ob jetzt alle Büttel die Uniform haben oder nicht.
Alle tragen sie, antwortete Tim.
Trotzdem, sagte Alischa. Es erinnert an die DDR und würde im Kopf die richtigen Weichen stellen. Zieh die Uniform einfach aus - als nackten Mann werden sie dich bestimmt nicht mit der Stasi zu Hause in Verbindung bringen.
Die Augen Tims leuchteten auf. So ist das Risiko vertretbar gering, entschied er und zog sich eilig aus.
Alischa und Tim traten auf den Weg zurück und Tim suchte einen prägnanten Ort, um die Uniform dort zu verstecken. Als das erledigt war, folgten sie den Spezialforschern in gebührendem Abstand.
Ihr Ziel kann nicht sehr weit von hier entfernt sein, überlegte Tim laut.
Weil keine Frauen dabei sind?
Ja, genau.
Die Spezialforscher machten Lärm wie eine Schulklasse, die Verfolgung war daher wirklich nicht schwierig und man brauchte nicht auf Sichtweite an sie heranrücken.
Die müssen irgendwas überspielen, meinte Alischa.
Warum?
Merkst du nicht, wie laut die sind? So künstlich hochgespult? Pausenloses lautes albernes Gequatsche. So was dient doch meist dazu, irgendwas zu überspielen, zum Beispiel irgendein Gefühl, das andere nicht bemerken sollen?
Hm. Was aber tut man, wenn man wie hier in Peridëis die Chance hat, seine innersten Wünsche in Erfüllung gehen zu lassen, sich aber nicht traut, weil man sich beobachtet fühlt? Meinst du so etwas in dieser Richtung?
Vielleicht!, meinte Alischa. Das könnte der Schlüssel sein.
Halt!, rief Tim plötzlich halblaut und hielt Alischa fest.
Was ist?
Sie haben angehalten.
Alischa und Tim blieben stehen und lauschten. Tatsächlich. Die Spezialforscher machten offenbar eine Pause.
Bleib hier, sagte Tim, ich schau nach, was los ist. Mach es dir einfach bequem. Falls es länger dauert, dann gibt es etwas Interessantes zu sehen oder lauschen, also mach dir keine Gedanken.
Tim huschte davon.
Nach einer Stunde war Tim wieder bei Alischa. Mit erdbeschmiertem Gesicht und ebenso schwarzem Körper. Ferkel!, lachte Alischa. Sie hielt ihm eine Überraschung hin: Einen Becher mit Milch. Eigene Produktion, verkündete sie. Es wurde Zeit, dass ich das mal selbst schaffe. War gar nicht so einfach, also kippe die Milch bitte nicht achtlos in dich hinein.
Schon passiert, antwortete Tim und wischte sich mit dem Handrücken den Mund ab, was eine saubere Spur auf seinem dreckigen Gesicht hinterließ. Aber, setzte Tim seinen Kommentar fort, es war ein Genuss, die Milch achtlos in mich hineinzukippen, statt sie dir mühsam entlocken zu müssen. Sie schmeckt abgekühlt übrigens ausgesprochen gut. Du darfst das öfter mal machen, selbst wenn die Milch an der Luft viel von ihrer Wirkung verliert. Dafür ist sie nämlich eine wahre Delikatesse. - Was hat dich zu diesem kulinarischen Experiment gebracht?
Ach, Langeweile, sagte Alischa. Und die Tatsache, dass du mir schneller erzählen wirst, was diese Kerle hier wollen, statt mich auf die Folter zu spannen, weil du erst deine Portion von mir haben willst.
Tim lachte. - Dann werde ich auch nicht auf die Folter spannen. Also. Diese Typen sind tatsächlich solche Spezialforscher. Davon gibts ja nur ganz wenige, und zwei von denen hier kenne ich. Hohe Tiere aus Berlin, die uns regelmäßig heimsuchen. Wie es aussieht, kann von Forschung wohl kaum eine Rede sein - das ist ein Gemisch aus Parteibonzen und anderen Leuten, die einen Posten weit oben in der Hierarchie ergattert haben. Sogar ein Stasi-General ist dabei. Die sehen sich eher als eine Art Club der Auserwählten. Reden sich alle mit »Genosse« an und führen sämtliche bekannten Parolen im Mund, aber eher wie eine religiöse Sekte, die jeden Wirklichkeitskontakt verloren hat. Viel habe ich leider nicht herausbekommen, nur dass in ein paar hundert Metern links ein Seitental abgeht, wo ihr Ziel liegt. Es muss ein Haus sein, eine Burg, ein Schloss oder so etwas in der Richtung. Diese Spezialforscher haben zwar überhaupt keinen Argwohn, aber da kann ich leider nicht hinterher. In einem Gebäude müsste ich mich ja zeigen...
Meinst du, das könnte ich machen?, fragte Alischa neugierig.
An sich ja, grübelte Tim laut, also wie gesagt, ich sehe da keine Gefahr. Traust du dir das denn zu?
Wie hast du das eben gemacht?, fragte Alischa zurück.
Das war doch genau mein Gebiet, lächelte Tim verschmitzt. Erst einfach drauflos und danach auf allen Vieren, mehr war das nicht.
Mindestens hast du dich aber vorher im Dreck gesuhlt.
Tim lachte: Das musst du aber nicht tun. Und - nein, es war wirklich kein Problem, so laut und unbesorgt wie die waren. Kommst du mit zum Bach?
Warum?, fragte Alischa.
Um mich zu waschen.
Ich dich?
Nein, das schaffe ich schon selbst. Einfach so, meinte ich. Wo sind deine Gedanken?
Beim letzten Putzen meiner Perle.
Wie oft?
Drei Mal.
In einer Stunde? Plus melken?
Es war sehr dringend. Alischa lachte. Los, sagte sie, ich komme mit.
Tim ließ sich leider nicht von Alischa waschen, wie sie es sich insgeheim doch erhofft hatte. Wahrscheinlich hätte es ihn unnötig aufgeregt. Aber Alischa nahm es ihm nicht übel. Der arme Kerl hatte es auch so schon schwer genug.
Als Tim sich gereinigt hatte und Alischa immerhin die Gelegenheit bekam, seinen durchtrainierten Körper ausgiebig betrachten zu können, nahmen beide noch eine Mahlzeit am Ufer des Bachs ein. Dabei berieten sie, was zu tun wäre. Am sinnvollsten erschien es, den Abstand wie bisher gebührend groß zu halten - und zwar mit dem Hintergedanken, dass Peridëis sich auf diese Weise viel mehr auf die Wünsche der Spezialforscher einstellen würde. Und erst am Ziel der Spezialforscher würde man ganz aufschließen.
So folgen sie den Spezialforschern, als sie merkten, dass diese aufbrachen. Tim nach wie vor ganz nackt und Alischa wie sie gerade war. In ihrem Kleid würde sie in Peridëis wirklich nicht auffallen.
Die Spezialforscher waren in ein schmales Seitental abgebogen. Als Alischa und Tim ihnen ein oder zwei Kilometer durch etliche Windungen des Seitentals gefolgt waren, bleiben beide nach einer weiteren Talbiegung verblüfft stehen. Mitten im Tal weitete sich der Weg zu einem kreisrunden Platz mit einem Durchmesser von vielleicht zwanzig Metern. In dessen Mitte stand eine große bronzene Skulptur, vielleicht fünf Meter hoch, wenn nicht sogar noch mehr. Die Skulptur stellte eine Frau dar, die ihre Brüste dem Betrachter anbot. Diesmal aber nicht die stark stilisierte Variante, wie man sie oft in Peridëis fand. Sie hatte auch keine Form, die halbwegs realistisch geformt war. Das heißt, sie hatte durchaus die typisch weiblichen Formen, aber grob gearbeitet, verzerrt, muskulös. Vielleicht wie eine Frau nach zehn Jahren Strafarbeit am Hochofen, doch selbst dann hätte sich die Darstellerin vermutlich für ihr Abbild geschämt, weil ihre betont lasziven Haltung in Verbindung zum gedachten Hochofen peinlich wirkte. Die Brüste schienen eher aus Muskelsträngen, denn aus Milchdrüsen gemacht, und auch ihr Blick war sehr seltsam. Er sollte wohl sexuelle Ekstase ausdrücken, ließ den Betrachter aber eher an eine Mischung aus da-drüben-gibts-Zitronen und schwerem Toilettengang denken. Der Bronzefrau ging jegliche Erotik ab.
Woran erinnert mich diese unglaublich hässliche Bronzefrau?, fragte Tim.
Alischa schüttete sich aus vor Lachen: Sozialistischer Realismus! Hatten wir bis zum Erbrechen im Abitur.
Au Backe, jetzt weiß ich’s, sagte Tim: »Lieber vom Leben gezeichnet, als von Sitte gemalt [51].« Tim war noch immer verblüfft und konnte gar nicht lachen. Das gibt’s doch nicht, kommentierte er. Sowas hier? In Peridëis? Jetzt wird es ja noch interessanter. Ich will wissen, was die geboten kriegen und was die machen. Ich kann es mir beim besten Willen nicht selber denken.
Ich auch nicht, antwortete Alischa, während sie sich eine Träne aus dem Auge wischte. Ich auch nicht. Bei diesem Anblick vergeht einem ja alles. Das Heroische wird durch das Erotische verdorben und das Erotische durch das Heroische. Es ist einfach sinnlos vermengt, als würde man zu politischen Parolen masturbieren.
Ich hatte schon immer den Verdacht, dass die das machen.
Alischa kicherte. Lass es uns herausfinden.
Beide eilten den Genossen Spezialforschern nach. Nach nicht allzu langer Zeit sahen sie wenige hundert Metern vor sich ein Gebäude. Seltsamerweise ... nein, doch nicht ... konsequenterweise (!) ein hässlicher rechteckiger Kasten, der aussah, als wäre er aus Beton gemacht.
Stop, sagte Tim leise und verschwand im selben Augenblick neben von Alischa im Gebüsch. Jetzt musst du alleine weiter, setzte Tim flüsternd fort. Ich warte hier. Geht das in Ordnung für dich?
Alles in Ordnung, antwortete Alischa. Ich werde mich jetzt als tapfere Kundschafterin in diesen Beton-Kasten begeben, um rauszukriegen, was die da tun. Es interessiert mich persönlich.
Ich mache es mir etwas abseits vom Weg gemütlich, flüsterte Tim. Lass dir so viel Zeit, wie du es für sinnvoll hältst.
Und Alischa machte sich auf den Weg zum Betonkasten.
Tim suchte sich abseits eine erhöhte Stelle, wo er gut schauen konnte ohne selbst gesehen zu werden und döste.
Es verging nicht einmal eine Stunde, als sich das bekannte Lärmen erneut näherte. Tim hob erstaunt seinen Kopf. Tatsächlich, da kamen all die Genossen Spezialforscher wieder zurück. Genauso lärmend. Nur eins war anders: Jeder trug in der rechten Hand einen Einkaufsbeutel, der jeweils mit einem großen Peridëis-Symbol bedruckt war.
Was war da losgewesen? Die Stimmen klangen aber ganz normal, als hätte es nichts gegeben, was irgend besonders war. Tim machte sich trotzdem Sorgen.
Ah! - Da sah er Alischa aus dem Gebäude kommen. Sie musste es sein, denn welche Frau hätte sonst folgen sollen.
Tim ließ die Spezialforscher an sich vorbeiziehen, wartete noch einen Augenblick ab und lief anschließend Alischa entgegen.
War es Alischa?
Ja, sie war es.
Und? Wie war es da drin?, fragte Tim etwas außer Atem, weil er Laufschritt auf Alischa zugelaufen war.
Alischa verdrehte die Augen. Grauenhaft!, sagte sie. Grauenhaft enttäuschend. Und lass uns zusehen, dass wir hier wegkommen. Dieser Ort ist durch und durch verdorben.
Sie liefen gemeinsam los. Nicht zu schnell, denn vor ihnen im engen Tal waren ja die sieben Spezialforscher auf dem Heimweg. Da musste man etwas aufpassen.
Alischa holte Luft. Also, sagte sie. Eigentlich hätte ich lachen müssen über so viel Armseligkeit, aber mir ist es vergangen. Ich kann nur hoffen, dass jeder von denen einzeln genommen irgendwo ein Mensch ist mit eigenem Geschmack, eigenen Gefühlen, eigenen Wünschen und so weiter. Aber was ist die Schnittmenge von sieben Duckmäusern, die immer nur die Meinung der anderen Duckmäuser vertreten? Ahnst du inzwischen, was da war in dem Haus?
N...nein, stotterte Tim.
Also, sagte Alischa. Du kommst rein. Drin nichts Besonderes, nur ordentlich. Wirklich langweilig. Eine Tür links, eine Tür rechts, welche willst du zuerst hören?
Äh, links, entschied Tim.
OK, sagte Alischa, aber das ist die Tür, durch die die Typen erst nachher gegangen sind.
Dann eben die rechte Tür zuerst, lachte Tim.
Halt dich fest, sagte Alischa. Eine moderne Glastür mit goldschimmerndem Aluminiumrahmen.
Schon furchtbar.
Eben. Aber dahinter kommt’s. Ein Schild.
Ein Schild?
Rate mal, was da drauf stand.
Schon schwierig, weil in Peridëis keiner lesen kann.
Stimmt nicht. Die Besucher schon.
Na gut. Also, was stand drauf?
Da stand drauf, halte dich fest: »Bitte warten, sie werden platziert!«
Nein!
Doch!
Wie in miefigen Konsum-Gaststätten in der Provinz? Wo man wie ein Depp eine halbe Stunde lang an der Tür rumsteht und den Kellnern zuschaut, wie sie in aller Seelenruhe eine Zigarette nach der anderen rauchen, statt zu arbeiten?
Genau so. Bloß dass dahinter sieben Nutten saßen, die in aller Ruhe eine Zigarette nach der anderen rauchten, statt zu arbeiten. Und unsere Herren Spezialforscher standen diszipliniert da und warteten, bis man sie aufrief.
Tim kugelte sich vor Lachen. Und dafür machen diese Deppen einen solchen Aufriss? Dafür??? Dafür????? - Aaaach, dass ich das nicht weitererzählen darf! Und durften sie anschließend wenigstens an die Damen ran?
Durften sie, sagte Alischa. Aber erst musste jeder auf seinem Bett noch einmal diszipliniert eine Extrazeit warten. Inzwischen gab es Kulturprogramm.
Aaaaah. Tim verzog sein Gesicht, als hätte er Zahnschmerzen.
Ja wirklich. Da war nämlich eine kleine Bühne mit einer Aufführung der ... sagen wir mal ... Betriebserotikgruppe des VEB [52] Untertrikotagen Ottendorf-Okrilla. So in der Art. Und die führte Damenunterwäsche vor. Zum Beispiel knackig-hübsche Körbchen-BHs aus Nischni-Nowgorod für verdiente Freundschaftspionierleiterinnen [53]. Das Ganze untermalt mit erzgebirgscher Volksmusik.
Oh grausam, aber jetzt übertreibst du. Oder?
Nur wenig, aber es war wirklich genau diese Sorte Ästhetik! Immerhin haben die leichten Damen, als sie endlich kamen, sich auch Mühe gegeben, soweit ich das beurteilen kann. Ich stand hinter der Glastür und kann es zumindest theoretisch beurteilen. Die waren übrigens allesamt hübsche Püppchen, wenn nicht...
Wenn nicht? Ich ahne Schlimmes.
...wenn sie nicht alle eine grausame Dauerwellen-Frisur gehabt hätten, so Mutti-Look, Provinzschminke in ihren hübschen Frätzchen und ganz üble Nuttentäschchen über der Schulter. Nicht zu reden von den Klamotten, die sie vor dem Dienst anhatten und für die ich jede dieser Schlampen zu Hause einzeln mit der Peitsche aus der Disco gejagt hätte. Und alle ließen sich einen Kirsch-Whisky spendieren.
Tim kriegte sich nicht ein vor Lachen und war gefährlich nah an einem Bauchkrampf. Geht’s noch weiter?, japste er.
Oh, es geht noch weiter, sagte Alischa. Mich haben sie übrigens auch für eine Nutte gehalten, aber zu meinem Glück waren die Genossen Spezialforscher zu diesem Zeitpunkt bereits befriedigt und außerdem hatte das Personal des Hauses eine bessere Naturausstattung als ich. Das lässt sich trotz aller Verhässlichungsmaßnahmen leider nicht verleugnen. Aber es war trotzdem das erste Mal in meinem Leben, dass ich über besser gebaute Konkurrenz glücklich bin, denn trotz der heftigen Hormonschübe von Peridëis war meine Möse staubtrocken.
Tim jaulte. Weiter, weiter, keuchte er.
Ach ja, sagte Alischa, ich wollte die Pointe nicht vorwegnehmen. Die Mäuschen wurden nämlich bezahlt, und weißt du womit?
Nein!
Tja, am Eingang hatte nämlich so ein blasierter Fatzke gestanden, und der hat jedem gegen Quittung ein Bündel Geld in die Hand gedrückt. Auch mir. Westgeld!
Tim stöhnte.
Damit haben die also ihre Mäuschen bezahlt. Aber es blieb noch Geld übrig.
Lass mich raten, die linke Tür?
Genau! Die linke Tür. Weißt du, was da für ein Schild dran war?
Spann mich nicht auf die Folter, sonst sterbe ich.
Da stand »INTERSHOP« [54].
Miau!, entfuhr es Tim.
Tja, alle rein, alle raus, die Einkaufsbeutel hast du sicherlich gesehen. Die haben dort sogar Frauenmilch gekauft, obwohl sie die frisch hätten von den Nutten kriegen können. Ich hab dir übrigens eine Packung Kaugummi gekauft. Magst du?
Ich würde mich von innen beschmutzt fühlen, wenn ich die jetzt essen würde, antwortete Tim.
Ich auch, sagte Alischa und schmiss die Kaugummis wütend ins Gebüsch. Und ihr Bündel Westgeld schmiss sie gleich hinterher.
Umweltbeschmutzer!
Dafür fühle ich mich jetzt aber besser, kommentierte Alischa ihr Handeln. Wie kann man nur so armselig sein?! Peridëis hat so viel zu bieten!
Könnte zu bieten haben, schränkte Tim ein.
Konjunktiv 2, ergänzte Alischa.
Das ist das Problem bei all diesen politischen Fanatikern, ergänzte Tim Alischas Ergänzung. Können wird zu könnte. Konjunktiv-2-Versprechungen. Was in der Theorie so schön ist, wird bei denen zu einem reinen Traum. Würde der Traum Realität, wären sie selbst und ihr ganzes Tun überflüssig.
Die hatten aber nicht mal einen Traum, widersprach Alischa.
Wahrscheinlich hatten sie ihn durchaus, aber sie haben ihn nicht mehr. Er ist ihnen auf dem Weg verlorengegangen.
Das wird es sein, meinte Alischa. Keine unwichtige Erfahrung, finde ich.
Und ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, dass ich dir diese Sache hier zumute. Eigentlich geht es bei unserer Reise durch Peridëis ja nur um dich, und ich soll alles andere komplett zurückstellen.
Nein, meinte Alischa, das war eine wirklich interessante Erfahrung. Ich habe in die Träume dieser Oberkämpfer für eine gerechte Welt geschaut. Und da war nichts. Das zu wissen, ist wertvoll.
Für mich auch, sagte Tim. Weißt du, wie ich solche Typen im Dienst aushalte? Also zu Hause?
Erzähl!
Die Idee ist mir bei einem ganz besonderen Exemplar von Vorgesetzten gekommen, Prillwitz heißt der. Ein Aaaaaa..., sage ich dir.
Arschloch?
Du sagst es. Also ich habe dem ständig widersprochen und immer wieder aufs Neue echten Ärger gekriegt. Und dann kam mir die erlösende Idee: Wenn dir solche Typen auf den Geist gehen, musst du sie dir in einer wirklich peinlichen Situation vorstellen. Das muss was wirklich Peinliches sein. Sofort hältst du es aus.
Und was hast du dir vorgestellt?
Wie der Kerl in Uniform mitten in Berlin mit freigelegtem Penis auf einer belebten Kreuzung den Verkehr regelt und dabei einen Stehpuller hat. - Dann ging’s. Ich fand ihn auf einmal erträglich.
Alischa lachte. Und jetzt trägst du selber so eine Uniform und kriegst immer einen Stehpuller.
Immerhin muss ich nicht den Verkehr regeln.
Ist dir das eigentlich peinlich? Das mit dem freiliegenden Penis?
Sind dir deine freiliegenden Brüste peinlich? Nein. Mir ist das nicht peinlich. Gar nicht. Nicht hier in Peridëis. Eher ist es ein Problem, dass die Erektion den Frauen ja normalerweise zeigt, dass der Mann bereit ist. Und das hat hier ja eine Funktion. Wie die Möse der Frau, wenn sie sich bückt und die geschwollen ist. Aber wenn eine Frau meine körperliche Bereitschaft sieht ... hier trennt man ja nicht zwischen Trieb und Verstand. Ich muss immer wieder klarmachen, dass ich trotz Erregung nicht nahbar bin.
Was machst du in solchen Fällen?, fragte Alischa.
Wenn die betreffende Frau sehr erregt ist, biete ich ihr notfalls meine Hilfe bei der Selbstbefriedigung an, schlimmstenfalls muss ich sie überwältigen.
Und dann?
Entweder ich mache es ihr mit der Hand oder sie kriegt die Peitsche.
Ehrlich, die Peitsche?
Büttel sind unantastbar. Das ist ein allgemein bekanntes Gesetz. Die Frauen wissen also sehr genau, was sie versuchen, wenn sie mich anspringen, vorausgesetzt, sie können noch klar denken. Dass die Peitsche auf eine bestimmte Weise eingesetzt auch ganz direkt eine sexuelle Entladung bewirken kann, war mir früher noch gar nicht so klar ... obwohl ich es ehrlich gesagt hätte wissen können.
Alischa schluckte. Ich könnte mich dieser Wirkung vielleicht nicht einmal entziehen. Jedenfalls nicht, wenn ich schon erregt bin, was hier ja der Grundzustand ist. Das hätte ich früher nie geglaubt, es ist ganz seltsam... Ob das bei den Geißlern im Mittelalter eine Rolle gespielt hat?
Bestimmt.
Deckung!
Tim riss Alischa schon ins Gebüsch, aber diesmal war es ein dichtes Gebüsch und es reichte, sich normal niederzulegen.
Gerade rechtzeitig, denn um die Wegbiegung kam ihnen nochmals eine Gruppe Männer entgegen.
Wer zum Henker ist das schon wieder?, zischte Tim.
Das sind nicht die Spezialforscher, flüsterte Alischa zurück, die sehen ja eher aus wie Mönche.
Und tatsächlich. Die etwas über zehn Männer, die ihnen recht zügig entgegenkamen, erinnerten an Mönche. Jeder von ihnen war mit einer Art weitem Jutesack bekleidet. Der Eindruck, dass es nur Jutesäcke waren, wurde noch dadurch verstärkt, dass diese sehr knapp bemessen waren. Scham und Hinterteil waren gerade noch so bedeckt und die Beine blieben völlig frei. Die Mönche rezitierten gemeinsam einen Vers, den der erste Mönch melodisch vorsprach und den die übrigen Mönche nachsprachen. Der erste Mönch schwenkte rhythmisch einen Behälter, der an drei zierlichen Ketten hing. Aber Weihrauch war es nicht, man sah nichts aus dem Behälter emporsteigen.
Auch die Mönche hatten wie die Spezialforscher einen einheitlichen Haarschnitt, allerdings kürzer. Was sangen sie da?
Jetzt war es zu hören:
»Gebenedeiet bist du unter den Weibern.
Und gebenedeiet sind die Früchte deines Leibes.«
Wie bitte?, flüsterte Alischa.
Was ist denn?, fragte Tim zurück.
Das Gebet ist falsch, flüsterte Alischa, es müsste heißen: »gebenedeiet ist die Frucht deines Leibes«. So denkt man ja an Titten.
Tim presste sein Gesicht in den Boden und lachte lautlos in den Dreck.
Es dauerte einen Moment lang, bis er wieder sprechen konnte.
Aber das machte nichts; denn sie mussten ja ohnehin warten, bis die Mönche vorbeigezogen waren.
Was heißt eigentlich das Wort »gebenedeiet«?, fragte er, als beides erledigt war, das Vorüberziehen der Mönche und sein Lachen.
Es heißt gesegnet, angebetet, verherrlicht, sagte Alischa trocken. Und hast du den Behälter gesehen, den der erste Mönch geschwenkt hat?
Nein, ich war mit Lachen beschäftigt.
Der war wie eine Hängebrust geformt. Das kenne ich nur von der Heiligen Agatha, der man die Brüste abgeschnitten hat. In Sizilien. Und bei Festen zu ihren Ehren formen sie jetzt Brötchen in Brustform mit Brustwarze. Die heißen dort auch richtig »Brüste der Jungfrau«. Behälter in Brustform gibt’s ebenfalls.
Meinst du etwa, das sind echte Kirchenvertreter?, fragte Tim.
Ach, antwortete Alischa, vor Leuten, die es übertreiben, ist keine Kirche sicher.
So so, knurrte Tim. Wenn wir diese Schutzbehauptung auf die Genossen Spezialforscher anwenden, was wäre dann das Ergebnis deiner Überlegungen?
Au Backe.
Meine ich doch, sagte Tim. Spezialtheologen. - Wenn, dann müssen wir alle Leute nach den gleichen Regeln beurteilen.
Aber du musst doch zugeben...
So?!
Ich bin ja schon ruhig, maulte Alischa. Leider hast du wohl recht. Trotzdem ist mir eine erotisch verehrte Heilige Jungfrau deutlich angenehmer, als diese Heldin der Nacktarbeit, die dort hinten als Skulptur rumsteht.
Warum?
Die Heilige Jungfrau ist schöner, hat Erotik, man kann sich daran erfreuen.
Und was sollen Leute sagen, die sie mit leerem Bauch anbeten müssen? Jenseits von Erotik und Schönheit ist der Kampf gegen den Hunger doch immerhin das Ziel der Kommunisten.
Der Kirche auch. Aber abgesehen davon: Ich will beides, die Gerechtigkeit und das Schöne, sagte Alischa trotzig. Wenn mich einer festbindet und mir täglich Mehlschleim in den Mund stopft, bin ich auch satt, aber trotzdem will ich nicht so leben.
Gut, das stimmt. Also ein Mittelweg?
Nein, alles. Sattsein und Menschlichkeit und Freiheit und Schönheit und Erotik. Alles. Der Mensch ändert sich mit den Umständen, in denen er lebt. Ist der Weg zum Paradies schlammig und verlogen, dann kommen lauter dreckige Lügner im Paradies an und versauen und verleugnen es. Wäre das noch das Paradies?
Schon gut knurrte Tim, nach dem er etwas nachgedacht hatte. Heiligkeit ist wohl kein Zustand, sondern eine Tätigkeit.
Den Spruch merke ich mir, antwortete Alischa.
Trotzdem wüsste ich gerne..., setzte zögerlich Tim nach.
Was?, fragte Alischa.
Ich wüsste zu gerne, was die Mönche jetzt tun.
Ich auch, sagte Alischa.
Willst du noch mal hinterher?
Könnte ich denn?
Warum denn nicht? Niemand treibt uns.
Also liefen beide, Alischa und Tim, den Mönchen langsam nach, bis sie wieder an dem Punkt angelangt waren, an dem sie sich schon einmal getrennt hatten.
Ob ich diesmal mitkomme?, fragte Tim, von den Mönchen kann mich ja keiner kennen.
Alischa überlegte einen Augenblick. Nein, meinte sie schließlich, es sei denn, die Neugier zerfrisst dich völlig. Aber weißt du, die Situation ist am ehesten die gleiche wie vorhin, wenn ich auch jetzt alleine gehe. Sobald du jetzt dabei bist, könnten sich die Dinge doch anders entwickeln, stimmt das?
Stimmt.
Deshalb!, setzte Alischa fort. Mich interessieren ja nicht nur die Mönche an sich, sondern, was jetzt anders ist. Und das ist am spannendsten, wenn möglichst alles gleich bliebt.
Du hast recht, antwortete Tim, ich warte gerne hier. Und jetzt mach hin, damit du nichts verpasst.
Bei den Mönchen dauerte es etwas länger, bis sie zurückkehrten, und Alischa nach ihnen. Da keine besondere Vorsicht mehr nötig war, kehrte Tim direkt auf den Weg zurück, nachdem die Mönche auf ihrem Rückweg an ihm vorbeigezogen waren. Alle Mönche trugen jetzt einen großen Tonkrug, der vermutlich Milchpulver oder Frauenbutter enthielt. Die Jute-Kutten der Mönche waren gerefft, sodass Penis und Hinterteil freilagen. Jeder der Mönche hatte eine starke Erektion, zeigte einen verzückten abwesenden Gesichtsausdruck und die Gesänge klangen viel kräftiger.
Nanu, was war geschehen? Die Mönche konnten kaum mit den Frauen in dem Haus geschlafen haben, sonst hätten sie niemals eine solch kräftige Erektion gehabt. Alle!
Doch da kam schon Alischa, die sicher Antwort geben konnte.
Und? Wie war es diesmal?, fragte Tim neugierig.
Alischa sah nachdenklich aus. Es war seltsam, sagte sie. Das Haus war völlig verändert. Immer noch derselbe Kasten, aber jetzt wirkte er mehr wie aus Lehm gemacht, nicht aus Beton. Und statt öde wirkte er jetzt schlicht. Also in dem Sinne, dass er plötzlich etwas hatte, Ästhetik durch Weglassen, Kargheit als Anregung für die Fantasie...
?!?!
Ja, wirklich. Ähnlich und trotzdem völlig anders. Auch die Mönche mussten demütig warten, aber das Demütige hatte diesmal eine ... eine ... sinnvolle Funktion. Die Mönche haben geschwiegen, jeder war irgendwie in sich versunken und die ... die ... nein, es waren keine Nutten ... diese Frauen, die hatten Kleider an wie Nonnen. Die Haare weggesteckt, die Kleidung ganz Ordensschwester, nur Gesicht, Hände und natürlich die Brüste waren frei. Die Nonnen schwatzten auch diesmal, während die Mönche warteten, aber es wirkte irgendwie anders, es hatte nicht dieses gewisse Etwas von gezielter Rücksichtslosigkeit.
Und dann?
Als die Mönche reingerufen wurden, hatte das etwas Zeremonielles. Es lief wirklich eine Zeremonie ab. Die Mönche sind gleich hinter dem Eingang nebeneinander auf die Knie gegangen und die Nonnen haben am Ende des Raums Aufstellung genommen. Beide Gruppen ganz weit voneinander entfernt und der Raum war diesmal völlig kahl. Weiße Wände, Fußboden mit roten Backsteinen, sonst nichts. Der Raum hatte, wohl durch seine Leere, einen seltsamen Eigenklang bekommen. Die Nonnen stimmten ein mehrstimmiges Lied an, und das klang wie ein Engelchor, wirklich. Das war schon alleine ein echter Traum, aber als zusätzlich die Männerstimmen der Mönche einfielen, habe ich geheult, so ergreifend war das.
Tim schwieg. Ob beeindruckt oder aus Rücksicht auf Alischa, war nicht ganz klar.
Ja wirklich, setzte Alischa fort. Das ging eine ganze Weile und die Mönche und Nonnen haben eigentlich kaum ganze Sätze gesungen, sondern eher Wörter intoniert und sich dem Klang dieser Wörter auf verschiedenste Weise hingegeben. Also, es ging eher um die Klänge der Silben.
Du willst nicht sagen, was sie gesungen haben?
Erwischt, antwortete Alischa. Natürlich gab es ein Thema. Jedenfalls andeutungsweise. Es war wie die Anbetung einer weiblichen Gottheit, aber nie so, dass ich es wirklich verstanden habe; ich setze nur zusammen und ergänze durch eigene Vermutungen. Es war eine sehr körperliche Anbetung, vor allem der Brüste, dem, was daraus fließt, aber auch dem Schoß, insgesamt dem Weiblichen als Ziel der Wünsche. Es hat mich ein wenig an bestimmte Formen der Marienanbetung erinnert, aber bestimmt gibt es das auch in anderen Religionen oder es gab sie früher.
Und dann?
Als der Gesang endete, sind die Mönche aufgestanden und langsam zu den Nonnen gegangen. Jeder Mönch hat sich vor eine der Nonnen gekniet und diese hat ihm mit beiden Händen ihre Brüste angeboten. Genau so wie in diesem Bild, das man immer wieder hier in Peridëis zu sehen bekommt. Und dann haben alle Mönche getrunken. Es ... es ... hatte etwas sehr Ekstatisches. Auch bei den Nonnen. Das war ganz und gar nicht mehr asketisch und versonnen, sondern eher sehr animalisch bis zur Raserei. Bei beiden, den Mönchen wie den Nonnen. Bei einigen Nonnen ist sogar Milch aus der freien Brust herausgespritzt.
Kein Wunder, unsere Spezialforscher haben die Frauen ja auf ihrer Milch sitzengelassen, kommentierte Tim
Stimmt. Aber trotzdem. Irgendwie schien es eher aus der Situation selbst heraus zu kommen. Tja, und nach einer ganzen Weile hat dieser arrogante Kerl an der Tür...
Den gab’s auch?
Ja ... also nach einer ganzen Weile hat der arrogante Kerl an der Tür plötzlich in die Hände geklatscht und alles war vorbei. Die Nonnen haben ihre Brüste weggezogen, die Mönche haben sich erhoben, und sind in einer Reihe raus.
Gab es auch diesmal den anderen Raum?
Ja. Aber diesmal war es nur so eine Art Andenkenladen.
Ein Devotionalienhandel?
Wenn du so willst, ja. Es gab kleine Krüge in jeder Form mit Frauenbutter und Milchpulver, den die Nonnen wohl gesammelt haben müssen, und es gab außerdem als Schmuck oder Andenken diese Frau, die ihre Brüste hält. In jeder erdenklichen Form und Variante, als Zeichnung, als Holzskulptur, als Tonrelief, als Anhänger, Als Ring, als Stein und was weiß ich noch. Ich habe dir was mitgebracht. Die Milch der Nonnen kriegst du nicht, du nimmst meine, aber ich habe dir ein Halsband mit so einem Anhänger mitgebracht. Alischa zeigte es Tim. Es war ein schlichtes dünnes Lederband, an dem aus Kupferblech gearbeitet die bekannte Frau hing, die dem Betrachter die Brüste anbot und deren Beine als übergroßes O gearbeitet waren.
Trägst du es für mich?, fragte Alischa Tim.
Wie, ich soll mir...?
Bitte, bitte!
Nur weil du es mir gegeben hast.
Danke! Alischa strahlte.
Tim hängte sich das Halsband um den Hals. Sag mal, fragte Tim schließlich, dein Ton ist sehr anders als vorhin?
Wie meinst du das?
Vorhin, bei den Spezialforschern, da hast du gelästert. Jetzt klingst du ganz anders. Könnte es sein, dass du voreingenommen bist?
Ja, gab Alischa zu. Vielleicht bin ich es. Aber weißt du, die Mönche wirken irgendwie ehrlicher. Gewiss mag es seltsam sein, was sie vielleicht glauben und was sie tun, aber immerhin ziehen sie ihren Glauben offenbar durch, das wirkt nicht geheuchelt, sondern sogar eher sehr ehrlich. Ich hab mich etwas geschämt, dass ich heimlich zugeschaut habe.
War es denn sexuell?
Irgendwo schon, also diese Ekstase. Mindestens wie ein Rausch. Aber der Penis war in keiner Weise einbezogen und auch nicht die Frauenschöße. Obwohl die Mönche alle eine Erektion hatten und es sehr nach Erregung roch, aber das ist ja auch zu verstehen.
Ach?
Ja.
Na gut.
Alischa und Tim liefen den Weg zurück. Nach wenigen hundert Metern waren sie wieder an dem kreisrunden Platz angelangt.
Beide stutzten.
Mitten auf dem Platz stand nach wie vor eine Skulptur. Die Skulptur war auch unverkennbar dieselbe Frau in derselben Haltung. Sowieso mit Händen, die die Brüste dem Betrachter entgegenhielten. Aber auch sonst war die Haltung noch dieselbe. Doch die Frau war trotzdem ganz anders; alles an ihr war sinnliche Erotik, ihr Blick so, wie Frauen ihn beim Höhepunkt haben, falls sie ihre Augen dabei geöffnet haben. Nur falls. Und ihr Körper drückte Hinwendung zum Betrachter aus, war sehr weiblich geformt und unglaublich schön.
Wie gebannt schauten Alischa und Tim auf die Statue.
Wie schön!, hauchte Alischa.
Ja, sagte Tim knapp, aber nicht weniger beeindruckt. Dann aber konnte er es sich doch nicht verkneifen, eine Bemerkung zu machen: In gewissen Heiligengeschichten aus dem Mittelalter ist die Jungfrau Maria berühmten Mönchen in nicht unbedenklichen Posen erschienen.
Du bist ein Ekel! Musst du das vermiesen? Diese Skulptur ist so schön!
Ist sie ja auch, entschuldigte sich Tim, ich hatte bloß meine Zunge nicht im Zaum.
Alischa schaute Tim skeptisch an.
Doch, ehrlich, sagte Tim. Sie ist nicht nur schön, sondern hat noch einiges darüber hinaus an sich. Wirklich.
Wie gut, dass die Mönche sie nicht sahen.
Die Mönche...
Sie standen in einer Reihe vor der Frauenskulptur, in einem Abstand von etwa zwei Metern voneinander. Hinter jedem der Mönche stand sein Krug abgestellt. Alle Mönche schauten hoch zur Frauenskulptur, aber ihr Blick hatte etwas Starres, völlig Abwesendes. Und sie gaben ein gleichförmiges Geräusch von sich, das wie ein langgezogenes »O« klang, aber es war ein Laut, der etwas in Richtung eines »A« ging. Irgendwo zwischen A und O, etwas mehr zum O hin. Der Ton klang gleichmäßig, aber wenn man genau hinhörte, bemerkte man, dass die Mönche chorisch atmeten, also jeder an einer anderen Stelle, sodass die Mischung aller Stimmen insgesamt ein Gleichklang blieb.
Tim zog Alischa vorsichtig in die Sträucher, wo sie sich beide hinlegten und zuschauten. Sie sahen aus ihrem Gebüsch seitlich auf die Reihe der Mönche.
Tim flüsterte: Die Skulptur hat zwar Züge der Jungfrau Maria, aber mich erinnert sie mehr an viel ältere Skulpturen.
Still!, unterbrach Alischa ihn.
Es fiel auf, dass einer der Mönche seinen Ton änderte, er klang gepresster und es war deutlich zu hören, dass der betreffende Mönch immer schneller atmete. Erst nach einigen Augenblicken fand Alischa heraus, welcher der Mönche es war. Alischa musste nicht lange rätselraten, warum der Mönch schneller atmete, denn plötzlich verzog sich dessen Gesicht in höchster Glückseligkeit, sein Körper krümmte sich etwas zusammen und Alischa sah, dass offenbar Samen aus seinem aufgerichteten Penis gespritzt kam.
Er hat sich gar nicht berührt, flüsterte Alischa aufgeregt, der Samen ist ihm einfach so gekommen!
Ob die anderen Mönche das auch versuchen?, fragte Tim leise.
Beistimmt, antwortete Alischa, warten wir’s ab.
Und da! Wenig später war erneut ein heftiges Atmen zu hören. Leider sah Alischa erst durch den spritzenden Samen, welcher Mönch es war. Sie hätte ihm gerne schon zuvor ins Gesicht geschaut. Aber dafür hielt der Höhepunkt bei dem Mönch lange an. Alischa fiel auf, dass die beiden Mönche jetzt aus dem Chor ausgeschieden waren und schwiegen. Nur die anderen Mönche ließen nach wie vor ihr »O« hören, das ein wenig in Richtung »A« ging. Schließlich ging es Schlag auf Schlag; ein Mönch nach dem anderen ergoss sich und sein Samen fiel in den Staub.
Warum verschwenden die Mönche ihren Samen?, fragte Tim leise. Das ist sehr ungewöhnlich in Peridëis, wenn man bedenkt, welchen Wert das Sperma für den betreffenden Mann hat.
Alischa grübelte laut: Ob es eine Art Opferkult ist?
Sieht so aus.
Ein Mönch war übriggeblieben. Sein »O« klang inzwischen etwas zitternd und Schweiß rann ihm übers Gesicht.
Er schafft es nicht, flüsterte Tim.
Jetzt griff einer der Mönche dem übriggebliebenen Mönch an den Arm. Der senkte seinen Kopf und gab auf. Alischa sah, dass ihm Tränen übers Gesicht rannen.
Noch ehe Tim Alischa hindern konnte, war sie aus dem Gebüsch heraus und schritt auf die Mönche zu. Sie ging sehr langsam. Tim blieb im Gebüsch und schaute gespannt zu, was sie tun würde.
Alischa zog das Gesicht des Mönchs ganz einfach an ihre Brust und half mit der freien Hand nach, die Milch in seinen Mund zu befördern.
Ob Alischa sich der überstarken Wirkung ihrer eigenen Milch bewusst war?, überlegte Tim. Aber ob das alleine reichen würde? Gut, immerhin lebte der Mönch wohl im Zölibat, aber trotzdem. Er selbst lebte ja ebenfalls im Zölibat. Obwohl ... er versuchte ja nicht, sich in einen erregten Zustand hineinzusteigern, sondern vermied das sogar. Aber wenn er es tun würde ... wahrscheinlich würde er ebenfalls kommen, ohne sich selbst zu berühren. Die Umstände waren eben ganz andere.
Einige Minuten später zog Alischa ihre Brust aus dem Mund des Mönchs. Sie zog den Mönch in eine aufrechte Position und stellte sich hinter ihn. Mit ihren Händen drehte Alischa den Kopf des Mönchs behutsam so, dass dieser wieder zu der schönen Frauenskulptur aufschaute. Alischas Hände blieben im Gesicht des Mönchs.
Gleichzeitig schien sie dem Mönch etwas zuzuflüstern.
Der Mönch begann wieder sein »O« zu intonieren, das ein wenig in Richtung »A« ging. Alischa hielt weiter seinen Kopf, wobei ihre Hände sich halb um sein Gesicht legten. Und sie flüsterte dem Mönch nach wie vor etwas ins Ohr.
Jetzt ging es ganz schnell. Das »O« des Mönchs wurde von schnellem Atmen durchbrochen, sein Gesicht verzückte und schließlich ergoss er sich. Alischa huschte davon, noch eher sich der Mönch erholt hatte.
Jetzt aber weg hier, lachte Alischa Tim an und beide schlugen sich durchs Gebüsch von den Mönchen weg.
Was war der Trick?, fragte Tim.
Ich habe ihn mit Parfüm frisch aus meinem Schoß betäubt. Das habe ich ihm direkt unter die Nase gehalten. So heiß, wie ich bin, hätte das vermutlich gereicht, um ein ganzes Kloster in Raserei fallen zu lassen.
Und was hast du ihm erzählt?
Nichts Besonderes. Nur dass er gleich kommen wird. Immer wieder aufs Neue.
Jetzt wundert es mich nicht mehr, sagte Tim. Solche Tricks kennen gute Huren bestimmt zuhauf.
Oh danke, sagte Alischa und lachte. Eine gute Hausfrau sollte die aber auch draufhaben, selbst wenn es nur darum ginge, schnell einschlafen zu können.
Beide lachten.
Was weißt du über solche Skulpturen und ihre Anbetung noch?, fragte Alischa. Du wolltest vorhin doch etwas darüber erzählen.
Ich weiß nicht sonderlich viel, sagte Tim. Nur, dass auch die Jungfrau Maria bisweilen sehr sinnlich verehrt wird. Selbst das mit der Milch ist vielfach überliefert. Das eigentliche Vorbild sind wohl ältere Kulte, egal ob Astarte oder Ischtar oder Aschera.
Tatsächlich mit Milch?
Mit Milch. Aber nicht überall. Man findet immer nur Spuren davon, Andeutungen, Reste. Aber vom Fernen Osten über Indien bis ins bronzezeitliche Mesopotamien, Ägypten, Zypern und Kreta findest du diese Darstellungen von Göttinnen oder Feen, die ihre Brust zum Trinken anbieten. Direkt mit einem trinkenden Mann weiß ich das aber nur von Königen und Pharaonen oder wenigstens berühmten Helden.
Seit wann kriegen denn normale Leute ein Denkmal?, warf Alischa dazwischen.
Auch wahr, bestätigte Tim. Aber jedenfalls sind solche Darstellungen später oft zerstört worden oder man hat sie versteckt. In Berlin habe ich im Museum mal solche alten Darstellungen gesehen. Aber das waren nur sehr kleine Skulpturen.
Die würde ich mir gerne mal ansehen, sagte Alischa, wo war das?
Im Neuen Museum in Berlin, auf der Museumsinsel.
Schaue ich mir an! Sag mal, was meinst du, ob die Mönche bei den Nonnen ihren Samenerguss absichtlich zurückgehalten haben?
Genau darum wird es gehen, vermute ich, antwortete Tim. Ich meine, denen geht es doch um etwas ganz Anderes, als mir, irgendwie lenken die ihre Sexualität um. Vielleicht hat ein religiöses Zölibat genau diesen Sinn.
Jedenfalls müssen katholische Mönche keusch leben, während katholische Priestern nur Ehelosigkeit auferlegt ist.
Wirklich?
Ja. Mich würde interessieren, wie das im Mittelalter war. Angenommen, du wächst in einem Kloster auf, kriegst niemals das andere Geschlecht zu sehen und keiner erzählt dir davon mehr als nur abstrakt. Du bist also völlig unschuldig. Müsste die aufkommende Sexualität sich da nicht einfach eine andere Bahn suchen?
Ich habe dazu etwas in einem Buch gefunden, sagte Tim, wir haben doch eine ziemlich gute Bibliothek; ein Jammer, dass da außer mir kaum jemand wirklich sucht. Das gibt es nicht nur in der Religion, sondern auch im Alltag und in der Kunst. Es ist gar nicht so selten, dass sich Sexuelles anders eine Bahn sucht. Aber man muss nicht unbedingt um mehrere Ecken denken, es gibt auch ein sehr direktes sexuelles Spiel. Dabei bleibt einer der beiden Partner bewusst unbefriedigt, während der andere alles darf, einschließlich sexueller Handlungen mit anderen direkt vor seinem Partner. Es geht wohl um die Demütigung, aber auch darum, dass der keusche Partner dadurch in eine Art unterwürfigen Zustand gerät. Aber das funktioniert wohl nur, wenn der keusche Partner auch freiwillig mitmacht.
Und so etwas macht jemand freiwillig?
Würdest du bestreiten, dass jemand freiwillig ins Kloster geht?
Das ist doch was Anderes!
Die größte aller Perversionen ist die freiwillige sexuelle Enthaltsamkeit.
Aber nur, wenn man »per vers« nett mit »für Version« übersetzt.
Von mir aus. Und es gibt abgesehen davon Leute, die Verzicht und Dienen als lustvoll empfinden, nicht bloß Klapse beim Sex.
Aber so wie diese Mönche?
Es muss doch gar nicht immer Schmerz sein. Verzicht als solcher und tausend andere Varianten tun es doch ebenso.
Aber der Verzicht der Mönche dient doch einem Zweck!
So so. Und welchen?
Aua. Na ... na ... na ..., also die Mönche glauben doch, dass ihr Verzicht etwas bewirkt! Das ist doch selbstlos! Nicht für den Lustgewinn!
Angenommen, sie tun es mit einem selbstlosen Motiv, wäre ein trotzdem kommender Lustgewinn nicht eine großartige Motivation, weiterzumachen?
Jetzt zäumst du aber das Pferd von hinten auf.
Nein, nehmen wir mal ein anderes Gebiet: Ärzte und Psychologen kennen zum Beispiel das Wort »Krankheitsgewinn«. Dass also jemand durchaus unbewusst in einem Krankheitszustand verharren kann, weil er durch seine Krankheit zum Beispiel Zuwendung bekommt, die er vorher nicht hatte. Aufmerksamkeit, Mitleid und vielleicht sogar Geld, also zum Beispiel eine Rente oder schlicht die Tatsache, dass er nicht arbeiten muss. Dass kann zumindest teilweise bewirken, dass er nicht gesund wird, obwohl er unter Umständen sehr unter seiner Krankheit leidet.
Hm. Und für so einen kleinen Gewinn sollen Mönche ein Zölibat aushalten?
Warum denn nicht. Du fühlst dich rein, nimmst an den höchsten Dingen des Seins teil, bist besser als andere, glaubst vielleicht sogar, die Welt zu retten. Und dann erlebst du in der Abgeschiedenheit, bei Verzicht auf jeden starken Reiz, bei täglicher Eintönigkeit im Gebet plötzlich wunderbare Zustände. Du erlebst sie als von dienem Gott kommend, als höchste Zuwendung, als Belohnung, als Verzückung...
Na gut, antwortete Alischa, vielleicht bei einer Frau, obwohl auch da reichlich verräterische Feuchtigkeit im Spiel sein dürfte. Aber ein Mann kann doch wohl kaum verdrängen, dass sein geheimstes Körperteil sich gerade schwungvoll entleert hat?
Das weiß ich auch nicht, gab Tim zu, bei diesen Mönchen hier eben schien der Samenerguss ja gewollt zu sein. Vielleicht war es wirklich eine Art Opferung. Aber im Diesseits ... vielleicht wird es wirklich verdrängt. Oder einfach verschwiegen. Nach dem Motto, nur man selbst erlebt so etwas, aber da alle anderen so etwas nicht erwähnen, wird man selbst wohl die Ausnahme sein.
Die Macht des Schweigens, kommentierte Alischa bestätigend. Aber weißt du, was mir gerade einfällt, die Männer in Peridëis beherrschen doch diese Technik, das Ergießen des Samens zu unterdrücken und trotzdem einen Höhepunkt zu haben. Vielleicht gibt es das im Diesseits ja auch.
Das ist im Diesseits definitiv bekannt, antwortete Tim. Mindestens in China, weil es in der taoistischen Religion den Glauben gibt, dass man mit seinen Samen viel Energie verliert. Hatte ich das nicht schon einmal erzählt? In einem Buch zur Sexualtherapie habe ich es beschrieben gelesen, als Warnung, dass es keine sichere Verhütungstechnik ist, sondern allenfalls einen rein luststeigernden Charakter hat oder verwendet werden kann, um einem höheren sexuellen Verlangen der Frau adäquat entsprechen zu können. Wirklich!
Alischa lachte.
Tim setzte fort: Bekannt ist diese Technik, nur eben nicht überall. Aber warum sollten Mönche so etwas nicht zufällig lernen, mit dem ehrlichen Willen, einen nicht bewusst provozierten Orgasmus zu unterdrücken? Oder sie glauben, er zählt dann nicht?
Das wäre zumindest vorstellbar.
Also ich glaube ehrlich, dass Mönche und Nonnen ihre Sexualität umleiten. Gar nicht im schlechten Sinne, sondern dass sie das einfach religiös dienstbar machen.
Solche Worte von dir!
Wieso? Ich habe nichts gegen Religion. Ich suche nur erst nach irdischen Erklärungen, bevor ich hochgeistig werde.
Und wie hältst du es mit dem Verlieben?
Hm. Jetzt hast du mich. Stimmt, wenn es darum geht, interessieren mich Fakten einen Kehricht.
Alischa kicherte und küsste Tim schnell, ehe der sich wehren konnte.
Na ja, sagte Tim, vielleicht ist Religion ja wie verlieben. Und ich gönnen denen auch alles einschließlich umgedeuteter Sexualität. Wenn sie mir bloß im Gegenzug nicht meine direkte Sexualität schlechtmachen würden.
Das stimmt leider, antwortete Alischa. Fast jeder Religionsführer versucht auf irgendeine Weise, die Sexualität seiner Anhänger zu regulieren.
Die Mönche sind weg, sagte Tim. Ob die dich jetzt für eine Art Geist halten?
Eine Heilige, wenn schon, kicherte Alischa.
Sie krochen aus dem Gebüsch und klopften die Erde ab. Alischa von ihrem Kleid, Tim, von seinem nackten Körper und beide aus den Haaren.
Weißt du was, sagte Alischa, letztlich passt es: Diese Spezialforscher waren derartig feige, dass sie noch nicht einmal die Milch aus den vollen Möpsen dieser hübschen Nutten genommen haben. Lieber haben sie sich im Intershop mit devisenträchtiger Instant-Milch eingedeckt. Die Mönche haben nun den Vorteil davon. Wohl bekommt’s, ich gönne es ihnen.
Sie liefen weiter. Etwas später hatten sie das Ende des schmalen Seitentals erreicht und waren wieder beim azurblauen Pflasterweg angelangt. Viel Zeit und unterschiedliche Vorräte an Milch trennten sie von den Spezialforschern – und da diese in dieselbe Richtung liefen, war kaum noch damit rechnen, dass man noch einmal auf sie traf. Wohin die Mönche gelaufen waren, war egal; es kümmerte sie nicht.
Du bist noch nackig, sagte Alischa zu Tim. Nicht dass mich das stört...
Hm. Da werde ich wohl schnell meine Uniform holen gehen, antwortete Tim. Sammle uns einfach schon ein Essen, ich mache das im Laufschritt und bin schneller wieder da, als du denkst.
Nein, bist du nicht, sagte Alischa mit einem seltsamen Blick. Ich hätte sehr gerne etwas Entspannung und würde es genießen, wenn du dabei sehr viel Wegzehrung aus mir heraussaugen würdest. Komm...
Alischa zog Tim mit der linken Hand ins Gras hinunter, an ihre Brust heran und fuhr gleichzeitig mit ihrer rechten Hand zwischen ihre Schenkel.
Als beides vollbracht war, seine Wegzehrung und ihre Entspannung, flüsterte Alischa schließlich: Jetzt darfst du. Lass dich nicht erwischen.
Bestimmt nicht.
Und schon war Tim verschwunden. Einem Panther gleich. Alischa bewunderte ihn, wie schon unzählige Male vorher.
Die Genossin
Alischa und Tim übernachteten auf einer kleinen Felsspitze, die mitten im Tal stand und gut zu erklimmen war. So hatten sie beim Einschlafen diesmal eine ganz andere Perspektive gehabt - nicht unter den Bäumen, sondern darüber. Die Baumwipfel breiteten sich unter ihnen wie ein Grasteppich aus, während sie einen schönen Blick auf die bunt bewachsenen Felsen hatten, die das Tal links und rechts säumten, und die zahlreichen Vögel, die dort ein- und ausflogen. Nach oben war der Blick frei auf die Sonne, wie sie sich abends zum Mond verwandelte, und auf den blauen Himmel, der abends seine Schwärze mit bunten Sternen schmückte. Alischa genoss den Ausblick, während sie Tim sein Lebenselixier frisch aus ihrer Brust reichte und sich den Empfindungen hingab, die ihr dabei geschenkt wurden.
Am nächsten Tag mochten sie drei oder vier Stunden gewandert sein, als ein infernalischer Gestank nach Verwesung zu ihnen herüberwehte.
Igitt, was ist denn das?, fragte Alischa.
Tim ging nachschauen. Nicht unbedingt freiwillig; Alischa hatte ihn vorgeschoben.
Erschrick nicht, sagte Tim, als er zurückkam, das dahinten ist unser Mittagessen, würde ich sagen.
Iiiiiih, das meinst du doch nicht im Ernst? Was ist das?
Halt dir mit dem Finger die Nase zu und komm mit!
Alischa hielt sich mit dem Finger die Nase zu.
Sie gingen beide in die Richtung, aus der der Gestank kam. Um es kurz zu machen, es war ein Wiener Schnitzelbaum. Offenbar gab es hier in der Gegend wenig fleischfressende Tiere, und so waren die reifen Schnitzel heruntergefallen und verfault. Die oben waren natürlich nicht verfault, und Tim pflückte etliche davon.
Allerdings: Selbst mit großer Entfernung zum Baum (frische Luft und so weiter), nach ausführlicher Erläuterung der Umstände (fehlende Löwen und so weiter), weigerte sich Alischa, auch nur ein einziges der gepflückten Schnitzels zu essen.
Riech und guck doch mal, sagte Tim, die sind doch völlig in Ordnung und hielt Alischa eins der Schnitzel vor die Nase.
Igitt, Alischa schüttelte sich.
Dann eben nicht, sagte Tim und aß ungefähr vier Schnitzel.
Alischa beobachtete ihn sorgfältig.
Erst als Tim nach einer geschätzten Stunde noch immer nicht unter Krämpfen verstorben war, ließ sich Alischa ein winziges Stück reichen. Nur zum Ausprobieren.
Und?, fragte Tim.
Versprichst du mit, dass die völlig in Ordnung sind?
Völlig.
Aber du weißt es nicht genau?
Doch.
Aber man kann nie wissen.
Das ist ein verbotenes Totschlagargument.
Hm. Gib mir mal ein Schnitzel.
Dann verlangte Alischa noch eins. Und weil man in Peridëis ohne den ausdrücklichen eigenen Willen nicht dick werden konnte, verzehrte sie schließlich noch ein drittes. Aber schließlich war sie satt.
Die scheinen doch nicht tödlich giftig zu sein, gestand sie ein. Etwas Zitrone hättest du mir dazu noch reichen können.
Tim schmunzelte, sagte aber nichts.
Sie mochten noch eine weitere halbe Stunde gewandert sein, da hörten sie plötzlich Rufe und Peitschenknallen. Was war das? Vorsichtig näherten sie sich der nächsten Talbiegung. Ein Seitental zweigte ab, und an der Wegmündung ins Seitental hinein war eine größere Gruppe Menschen zu sehen.
Ein Sklavenhändler mit seiner Ware, sagte Tim zu Alischa.
Vielleicht die Frau, die wir kennen; wollen wir hingehen?, fragte Alischa.
Nein, antwortete Tim. Die Spezialforscher sind mir noch zu nahe. Lass uns lieber in Deckung bleiben.
Es ist das erste Mal, dass ich Sklaven richtig sehe, maulte Alischa. Wieso waren im Städtchen keine?
Wir können sie ja beobachten, antwortete Tim, bloß hingehen wäre unklug. Außerdem waren natürlich Sklaven in dem Städtchen, es ist dir nur nicht aufgefallen. Du erkennst sie daran, dass sie ein enganliegendes Halsband mit einem Metallring tragen, und meist sind sie nackt. Aber nicht immer. Das eigentliche Kennzeichen ist jedenfalls das Halsband.
Und tatsächlich, nicht alle Sklaven waren nackt, aber alle trugen ein enganliegendes Halsband mit einem Metallring. Und alle waren an diesem Metallring über ein leichtes Seil miteinander verbunden.
Könnte man so ein dünnes Seil nicht einfach durchschneiden?, fragte Alischa.
Könnte man, antwortete Tim. Das Seil verhindert ohnehin nur, wie soll ich das nennen, ... Kurzschlussentscheidungen. Vergiss nicht, dass niemand gegen seinen Willen ewig Sklave bleibt und sowieso spätestens zum jährlichen Schöpfungsfest die Wahl hat, Sklave zu bleiben oder zu gehen.
Das hatte ich ganz vergessen. Und bleiben wirklich einige ganz freiwillig Sklave?
Ja. Manchen Leuten gefällt es, nichts Wesentliches selbst entscheiden müssen, und andere Leute wollen ehrlich eine Schuld abtragen. Und außerdem vergessen die Einwohner von Peridëis auch schneller als wir aus dem Diesseits.
Was soll das heißen?
Hast du noch nie Leute über die guten alten Zeiten reden gehört, wo alles noch besser war, der Rasen grüner und die Jugend nicht so frech? - Man vergisst schlechte Sachen schneller als gute, nur dass das bei den Einwohnern von Peridëis noch viel ausgeprägter ist. Oder denk an Frauen, die das Maß ihrer Wehenschmerzen bei der Geburt vergessen und nach kurzer Zeit wieder schwanger werden wollen. Hier machen es Sklavenbesitzer so, dass sie vor dem Schöpfungsfest für eine richtig schöne Woche sorgen. Schon sehen die Sklaven ihr Leben in den angenehmsten Farben, wogegen ihnen die ungewisse Zukunft der Eigenverantwortung und vielleicht des Alleinseins ganz grausam vorkommt. Selbst das ist im Diesseits nicht viel anders, nur eben weniger ausgeprägt. Wahrscheinlich geht das auch gar nicht anders, sonst gäbe es ständig Revolten und Völkerwanderungen.
Der Spatz in der Hand...
Ja, so ungefähr. Vielleicht ist das vom Grundsatz her sogar nötig, um die Gesellschaft stabil zu halten.
Alischa und Tim hatten einen Felsen erklommen, von dem sie einen guten Blick auf eine Art Lagerplatz mit den Sklaven und ihre Bewachern hatten. Sie mussten nicht übermäßig aufpassen, weil man unten sehr laut mit sich selbst beschäftigt war.
Eine Sklavin war auf einen liegenden Baumstamm gebunden worden. Alischa und Tim konnten aber nicht erkennen, warum. Währenddessen bereiteten mehrere männliche Sklaven ein Essen zu, während andere Sklavenmänner die Sklavinnen molken. Die Aufseher saßen währenddessen herum und schwatzten. Nur ab und zu kümmerten sie sich um die Sklaven, aber im Großen und Ganzen schienen diese zu wissen, was sie zu tun hatten.
Warum werden die Sklavinnen gemolken? Warum kriegen die Männer nicht die Milch der Sklavinnen?, fragte Alischa.
Die Milch der Sklavinnen ist das Wertvollste für den Sklavenbesitzer; die männlichen Sklaven bekommen nur so viel wie nötig. Vielleicht wird eine der Sklavinnen extra dafür nicht gemolken und muss nachher den Sklavenmännern die Brust geben. Nicht aus dem Krug, damit keine Milch verschwendet wird.
Und wie stellen die sicher, dass der letzte Sklavenmann tatsächlich auch noch etwas bekommt? Und nicht die ersten Männer alles wegtrinken?
Oh, da passen die schon auf.
Wirklich?
Ja, wirklich. Peridëis bietet einen solchen Überfluss an allem, dass es Neid bei den gewöhnlichen Dingen des täglichen Lebens kaum gibt. Selbst wenn. In so einem Fall wartet man zwei Stunden und die Brust ist wieder voll. Außerdem würde keiner einen Mann wirklich Milchmangel leiden lassen. Das macht niemand. Und keine Frau könnte das mit ansehen.
Zehn Minuten später sprang einer der Aufseher auf und klatschte in die Hände. Es war ein riesiger Kerl, muskulös, und ein beachtlich großer Penis hing vor seinem Leib oder, besser gesagt, vor seinen Beinen.
Alischa und Tim sahen von ihrem Felsen aus, wie sich alle, Aufseher wie Sklaven, um die gefesselte Frau gruppierten. Der Aufseher rief etwas und die Sklaven begannen, rhythmisch in die Hände zu klatschen.
Was geschah dort?
Der Aufseher klappte der gefesselten Frau den Rock hoch. Ihr nackter Hintern wurde sichtbar. Die Hand des Aufsehers fuhr langsam den Hintern der gefesselten Sklavin hinab, dabei leicht den Zwischenraum berührend. Er fuhr durch den Spalt, an dem die Beine begannen, und dann die Oberschenkel hinab. Alischa erschauerte. Ihr war sofort klar, was der Aufseher da machte: Er erregte die gefesselte Sklavin. Und er erregte sich selbst. Sein beachtlich großer Penis hatte sich aufgerichtet.
Das rhythmische Klatschen der Sklaven wurde lauter. Ein melodischer Gesang erhob sich, sehr rhythmisch, sehr seltsam. Und als Kehrreim tauchte immer wieder auf: »Bum Bum - Bum Bum«
Was singen die?, fragte Alischa.
»Bum Bum« heißt kopulieren, begatten, beischlafen, koitieren, Liebe machen, miteinander schlafen, Sex haben.
Was noch?, kicherte Alischa.
Bocken, bumsen, ficken, drübersteigen, pimpern, poppen, es treiben, höckern, penetrieren, rammeln, stöpseln, vernaschen, vögeln, vergewohltätigen, noch mehr?
Penetrieren klingt grausam.
Ich bevorzuge ficken.
Wieso ausgerechnet ficken?
Es ist keine Umschreibung, kein Hüllwort, sondern steht direkt ohne Hin- und Hergewinde ganz genau für eine einzige Sache. Und es klingt nach kräftigem Spaß.
Hm. Stimmt.
Und der Aufseher soll die Sklavin jetzt ficken?
Ich interpretiere seinen stehenden Zeiger so, sagte Tim. Und »Bum Bum« ist tatsächlich ein geläufiges Wort dafür. Alle anderen Wörter sind in Peridëis ebenfalls zugelassen, aber wie du hörst, bevorzugt man hier zu unseren Füßen gerade »Bum Bum«.
Der Kerl soll endlich mal anfangen mit Bum Bum, kommentierte Alischa, die Sklavin dürfte längst nass genug sein, wenn ich mal von mir auf sie schließen darf.
Als hätte Alischa tatsächlich Zauberkräfte, die ihre Worte nach unten trugen und wirken ließen, erklomm der Aufseher tatsächlich (endlich) genau in diesem Augenblick die gefesselte Sklavin und schob seinen riesigen aufgerichteten Phallus tief in ihren Körper hinein, um einen Augenblick tief darin zu verharren, dann aber mit kräftigen Hinternbewegungen sein Spiel zu beginnen.
Die versammelten Sklaven klatschten Beifall und johlten, um einen Augenblick später wieder rhythmisch zu klatschen und »Bum Bum« zu rufen.
Alischa sagte: Von hier oben, wo man unbeobachtet ist, hat man deutlich mehr vom Zuschauen, als in der Stadt - oder überhaupt in allen Situationen, in denen man selber gesehen werden kann.
Oh, das gibt sich mit der Zeit, sagte Tim. Du wirst es merken. Mit der Zeit soll es außerdem auch sehr reizvoll werden, sich selbst beim...
Ficken?
... beim Ficken zuschauen zu lassen.
Aber ist es nicht eher natürlich, das heimlich zu tun?
Wenn es ständig schlechtgemacht wird, dann bestimmt, aber ist dir noch nie aufgefallen, dass Tiere keine solche Scheu haben? Außer wenn sie Angst haben müssen, gestört zu werden? Ich habe mal gelesen, dass Schwäne das ganz gerne mal in Anwesenheit anderer Schwäne tun, um sich als Paar bekannt zu machen und abzugrenzen. Etwa so, wie man auch öffentlich heiratet und den Ehering gut sichtbar trägt, um zu zeigen: wir gehören zusammen und keiner von uns steht mehr dem Heiratsmarkt zur Verfügung. Abgesehen davon ist es sicher auch etwas Angeberei.
Seht her, ich werde gefickt! Und du nicht! - Alischa lachte.
Womit wir aber beim Grund für Heimlichkeiten sind, setzte Tim nach, Konkurrenz, die Frage, wer sein Erbgut durchsetzen darf. Das ist etwas, was es hier als Problem nicht gibt.
So schauten beide zu, bis der Aufseher mit dem großen Penis sichtbar für alle im Gipfel seiner Gefühle zuckte und die umstehenden Sklaven durch ihre Geschrei und ihr Klatschen selbst der arglosesten Klosterschülerin klargemacht hätten, dass gerade irgendetwas anders war, als noch Sekunden davor.
Der Aufseher mit dem großen Penis zog seinen großen Penis wieder aus der gefesselten Sklavin heraus. Jetzt zeigte er wieder nach unten. Der Penis. Groß war er aber trotzdem noch.
Ob er seinen Samen in die Sklavin vergossen hat?, fragte Alischa neugierig. Immerhin ist er doch Sklavenaufseher.
Ich glaube nicht, sagte Tim. Das machen die meisten nur bei ihrer eigenen Frau oder wenn sie sonstwie Milch im Überfluss bekommen. Aber bei Sklavinnen ist die Milch Bargeld, das ein Aufseher nicht einfach stehlen darf. Also wird er seinen Samen beim Orgasmus zurückhalten.
Der Aufseher beugte sich jetzt zum Gesicht der gefesselten Sklavin hinunter und sagte ihr etwas. Die begann auf einmal zu schreien und sich zu wehren.
Der Aufseher beugte sich nochmals zu der gefesselten Sklavin hinunter und sagte ihr noch einmal etwas. Bis zu Alischa und Tim hinauf gellte es: Nein, nein, nein, nein!
Da nahm der Aufseher mit dem großen Penis die Gerte in die Hand, die er vorher an einem Gürtel an seiner Seite getragen hatte.
Und versetzte der gefesselten Sklavin mit der Gerte eine auf den Hintern.
Die Sklavin schrie auf.
Was hat die denn?, fragte Alischa. Das war ja wohl wirklich nicht doll.
Ich glaube, sie hat nur einen Schreck bekommen, mutmaßte Tim.
Jetzt gab der Aufseher mit dem großen Penis der gefesselten Sklavin einen zweiten Schlag etwa gleicher Stärke, noch einen dritten und noch mehr. Sehr rhythmisch.. Diese Art zu schlagen sah ganz und gar nicht nach Wut aus.
Ein Profi, sagte Tim. Er reitet sie zu, würde ich sagen. Das scheint überhaupt der Sinn der ganzen Sache zu sein.
Die beiden beobachteten die Szene weiter. Die Schläge wurden allmählich stärker, bleiben aber rhythmisch, mal schneller, mal langsamer und allmählich die gezüchtigte Körperzone wechseln.
Das Stöhnen der gepeitschten Sklavin war zu hören.
Jetzt hörte der Aufseher die Auspeitschung abrupt auf. Ein Ruf war zu hören.
Ein Sklave trat nach vorne.
Der hat genauso einen riesigen Penis!, rief Alischa.
Um es kurz zu machen: Auch dieser Mann ritt die gefesselte Sklavin. Gegen den dritten Mann wehrte sich die Sklavin nicht. Alischa hatte schon den Verdacht, das die Sklavin ohnmächtig geworden war, als jemand vortrat, den Alischa kannte.
Jetzt war es Alischa, die aufschrie. Tim hielt ihr den Mund zu.
Das konnte doch nicht sein, dachte Alischa. Es war aber so. - Der dort vortrat, war ein kleines buntgeschecktes Männlein mit Narrenkappe und Glöckchen dran, und in der Mitte hatte dieses Männlein, wie schon bekannt, ebenfalls ein riesengroßes Ding. Und hässlich war dieses Männlein, unsagbar hässlich.
Alischa hatte den Eindruck, dass das Männlein hämisch zu ihrem Versteck auf dem Felsen hinaufschaute, und zog schnell den Kopf zurück.
Doch Alischa hörte einen Schrei von unten und schaute schnell, was dort los war. Die gefesselte Sklavin war doch nicht ohnmächtig geworden. Stattdessen schrie sie jetzt wie am Spieß, weil sie sich von dem hässlichen Männlein nicht nehmen lassen wollte. Es gelang ihr sogar, ihren Oberkörper etwas aus den Fesseln zu entwinden und sie wandte sich um. Für einen kleinen Augenblick war ihr Gesicht erkennbar, das zuvor von ihren Haaren verdeckt worden war. Alischa hörte von Tim neben ihr einen erstaunten, aber immerhin leisen Ausruf, doch schon im nächsten Augenblick gab es im Tal einen Knall und einen grünen Blitz...
... und die Fesseln, die zuvor die Sklavin gehalten hatten, fielen lose herunter, und auch der Rock und das Oberteil der Sklavin fielen in sich zusammen.
Die Sklavin selbst war weg.
Sie war eine Hexe!, tönte es von unten, und alle redeten aufgeregt durcheinander.
Sie war eine Hexe!, rief der Aufseher.
Der hässliche Zwerg mit der Narrenkappe aber war ebenfalls spurlos verschwunden.
Ich habe die Frau eben erkannt, sagte Tim. Ich bin mir ganz sicher. Sie gehört im Grunde zu diesen Spezialforschern. Aber was ist da passiert?
Hast du es nicht gesehen?
Ich habe nur undeutliche Konturen von jemandem gesehen, aber nichts Genaues. Und am Ende die Flucht.
Alischa antwortete: Da ist so eine seltsame Gestalt, die mir schon zu Hause begegnet ist, später noch einmal im Städtchen, und jetzt noch einmal hier. Ein Zwerg mit Narrenkappe.
Der ist da eben gewesen?
Ja.
Seltsam, sagte Tim. Ich habe ihn nicht gesehen. Dann muss das ganz direkt mit dir zu tun haben. Mit dir und nirgendwem sonst. Nein, doch nicht. Außer natürlich noch mit der Frau, die da unten war. Was ist da passiert?
Die Frau wollte auf gar keinem Fall von diesem Zwerg genommen werden.
Hm, grübelte Tim. Also diese Frau gehört definitiv zu diesen Spezialforschern. Aber sie ist nie mit nach Peridëis gegangen, sondern hat nur mit denen zu tun, was auch immer. Aber nicht Vorgesetzte der Spezialforscher, das hätte man gemerkt. Unser Chef ist nicht gut auf die zu sprechen. Mich selbst hat diese Frau mal über die Spezialforscher ausgefragt, aber was hätte ich schon sagen sollen; ich hatte die immer nur bis zum Übergang begleitet und von dort wieder zurück. Mitgehen durften wir ja nicht. Also konnte ich auch nicht viel erzählen. Aber ich sage dir, beim Gespräch mit der haben bei mir alle Alarmglocken geklingelt. Die hatte sowas Lauerndes, was Raubkatzenartiges. Eine hochintelligente, sehr schöne Frau. Aber du hattest das Gefühl, die tut nur gönnerhaft, steht aber meilenweit über dir, weiß alles über dich und andere, und irgendein falsches Wort, und sie überführt dich des Landesverrats oder was weiß ich wessen. Ich habe damals, ehrlich gesagt, alles über diese Spezialforscher erzählt, was ich nur irgend wusste, so viel Angst hatte ich vor der. Wenn du mich fragst: Die ist von der ZPKK.
ZPKK?
Zentrale Parteikontrollkommission. Hast du von denen mal gehört?
Nein.
Die Heilige Inquisition der Partei. Sogar in der Stasi gefürchtet. Von der Stasi-Disziplinar-Abteilung ist die jedenfalls nicht Die ist noch drüber, ein Partei-Tier, deshalb am ehesten ZPKK.
Aber was wollte die hier?
Tim kratzte sich nachdenklich am Kopf. Entweder, die hatte einen Verdacht und wollte ihre Pappenheimer kontrollieren, oder das war bloß ihr bewusster oder unbewusster Vorwand, um die eigene Neugier zu befriedigen. Letzteres käme mir bei der aber fast zu menschlich vor, gewirkt hat die nämlich wie eine eiskalte Datenverarbeitungsmaschine, die nur aus Gründen dienstlicher Nützlichkeit lächelt. Was allerdings nicht ausschließt, dass sie eine stark unterdrückte menschliche Seite haben könnte. Egal wie, sie scheint ihren Pappenheimern jedenfalls heimlich gefolgt zu sein.
Alischa wandte ein: Sie könnte trotzdem zusammen mit diesen Spezialforschern gekommen sein. - Vielleicht bin ich ja auch nur deshalb nicht in diesem Puff aufgefallen, weil ich ohne es zu wissen die Stelle dieser Genossin eingenommen hatte.
Tim dachte nach. Schließlich sagte er: Das ist unwahrscheinlich ... glaube ich. Es wäre nicht typisch, dass solche Männer eine Frau zu Puffausflügen mitnehmen. Mindestens wäre sie dafür nicht der Typ. Dafür ist sie zu verspannt. Eine lebenslustige Kollegin, so vom burschikosen Typ, die hätte vielleicht mitgemacht. Aber so passt es von beiden Seiten nicht.
Ich glaube es auch nicht richtig, sagte Alischa, ich wollte es nur nicht ungesagt lassen. Aber wie soll sich die Situation denn wie geschehen entwickelt haben, egal ob sie die Männer kontrollieren wollte oder selbst neugierig war?
Es könnte sie unerwartet selber erwischt haben, sagte Tim. Das ist meine persönliche Theorie.
Wie meinst du das - unerwartet selber erwischt?, fragte Alischa.
Peridëis kennt den letzten Winkel deiner Seele und sucht danach, was dir Freude macht. Was dich wirklich glücklich macht. Was deine Träume sind. Was deine unerfüllten Wünsche. Das hat die Stasi ansatzweise begriffen und deshalb dürfen wir Offiziere nicht nach Peridëis, sondern nur IMs, die wir hinterher gründlich überwachen. Weil es korrumpiert, wie die Stasi das formuliert. Und das hat es mich ja auch, das muss man ganz klar so sagen.
Halten sich da wirklich alle Offiziere dran?
Wie ans Westfernsehverbot.
Äh? Wie meinst du das? Gucken die wirklich alle niemals Westfernsehen?
Tim lachte: Nein. Nur fast alle. Mit manchen Leuten kannst du sehr wohl über den Westfilm vom Vortag plauschen. Unter vorgehaltener Hand natürlich.
Und so ist es auch mit Peridëis?
Ja, genau. Offiziell sind alle pflichtbewusst und korrekt, aber das Allgemeinwissen einzelner Offiziere über Peridëis ist ... erstaunlich hoch. Manchmal kriegst du im Flüsterton sogar Tipps zu hören. Aber das sind wirklich eher die lockeren Typen, auch da nur wenige. Vielleicht hat es die nicht so umgehauen, weil die noch mitdenken und mitfühlen können, statt sich allem zu verweigern, was nicht in ihr Bild passt. Diese ZPKK-Genossin scheint es aber umgehauen zu haben.
Und du meinst, diese Frau hat es unerwartet voll an ihrer weichen Stelle erwischt?
Es sieht ganz so aus! Volltreffer ins Schwarze im scheinbar sicheren Hinterland. Vielleicht wollte sie ihren Genossen Spezialforschern tatsächlich bloß nachstellen. Und hier hat sie was erlebt, das sie abgrundtief berührt war und sie hat reagiert, wie ein armes hässliches Bauernmädchen mit Aussichten auf den Dorftrottel, das plötzlich die Chance bekommt, einen reichen schönen Märchenprinzen zu heiraten.
Aber peitschen, Sklavin sein, von hinten vergewaltigt werden?!
Kram doch mal in deinem eigenen Vorrat an Masturbationsfantasien.
Zugegeben, alles vorhanden, aber das sind doch reichlich optimierte Fantasien, die ich nie real umsetzen würde.
Wo sind wir gerade?
Aua. Träume werden wahr.
Ja. Und denk doch mal an die Männer. Ich meine, die Penisse waren ja nicht gerade Durchschnitt, und als Männer waren sie das auch nicht.
Aber was war mit diesem Zwerg?
Das ist tatsächlich ein Rätsel. Vielleicht der Alptraum, bei dem man aufwacht... Der giftgrüne Moralin-Dämon, der sich plötzlich eingeschlichen hat. Einen riesigen Penis hatte er ja, aber alles andere war doch eine heftige Demütigung für die Frau. Ich würde sagen, eine zu heftige. Entweder hat sie sich selber völlig überschätzt, oder es war, als wenn man mitten beim Schokoladefressen ans Dickwerden denkt. Knall. Hauptsicherung. Spaß weg. Raus. Absturz. Und jetzt wird sie am Übergang sitzen und entweder ins Diesseits zurückkehren oder einen erneuten Versuch wagen. Wie, wenn man aus einem entgleisten Traum aufwacht und sich entweder erst einen Tee macht oder bloß auf Klo geht und dann weiterschläft.
Ich glaube nicht, dass sie noch einmal zurückkommt, sagte Alischa, eher hat sie wohl erst mal genug. Immerhin hat sie sich wenigstens getraut, überhaupt eigenen Wünschen nachzugehen, im Gegensatz zu den Spezialforschern.
Vergiss nicht, dass sie alleine war, widersprach Tim. Es gehört nichts dazu, alleine gegen Konventionen zu verstoßen, im Gegenteil, da schafft man sich ja Privilegien gegenüber anderen. Diese Spezialforscher haben sich zumindest untereinander eingestanden, dass sie in den Puff wollen, wenn auch nicht ein Tüttelchen mehr, diese spießigen Feiglinge.
Alischa lachte. Ob »Tüttelchen« von der Wortherkunft her mit »Titten« zusammenhängt?
Die Spezialforscher haben sich eben nicht ein Tüttelchen an die Tütteln rangetraut.
Währenddessen wurde unter dem Felsen eilig aufgebrochen. Das Seil, mit dem die Hexe gefesselt worden war, blieb zurück, ebenso ihr Rock und ihr Oberteil. Niemand wollte die Sachen anfassen. Alischa und Tim gingen anschließend hin, sich alles anzuschauen. Rock und Oberteil waren aus mausgrauem Kostümstoff, wie man ihn in der DDR bestenfalls im Exquisitladen [55] bekam. Aber das Oberteil war natürlich brustfrei, und der Rock war bis oben hin geschlitzt, und selbstverständlich war kein Schlüpfer zurückgeblieben.
Wo in der DDR werden brustfreie Oberteile verkauft?, fragte Alischa.
Denkfehler, antwortete Tim. Auch diese Frau ist nackt in Peridëis angekommen. Die Kleidung hat sie erst hier gefunden oder sonstwie erhalten.
Alischa schlug sich an den Kopf. Klar, sagte sie, leider kann man ja nichts rein- oder rausbringen.
Meckere nicht, meckerte Tim. Wer weiß, wofür das gut ist - und deine Gedanken darfst du ja mitbringen.
Erwischt!
Nachdem sich das Tal endlich geleert hatte, gönnten sich Alischa und Tim ein Bad im nahen Bach. Doch wie es manchmal so ist - die Situation schien verhext zu sein oder sie hätten an das Sprichwort denken müssen, das da lautet »Gleich und Gleich gesellt sich gern« oder auch »Ein Unglück kommt selten allein«.
Während Alischa und Tim sorglos im Bach badeten, wurden sie aus dem Gebüsch von einem Mann beobachtet, der noch besser ausgebildet war als Tim: Es war Hauptmann Prillwitz. Dieser war hin- und hergerissen zwischen seinem Pflichtgefühl als Offizier, Tim augenblicklich zu maßregeln, und einem rasenden Begehren Alischa betreffend, deren überstarke feminine Ausstrahlung ihm den Verstand nahm. Er hatte so etwas, eine Frau betreffend, noch nie erlebt. Immer hatte er die Kontrolle behalten, immer hatten ihn die Frauen erregt, aber nie hatten sie ihm den Willen genommen. Alischa nahm ihm den Willen. Und dieser aufmüpfige undisziplinierte Kerl neben ihr ... was in drei Teufels Namen hatte der gegen alle Verbote hier zu suchen? Und wie war der an ihm vorbei hierher gekommen?
Natürlich kannte Hauptmann Prillwitz Tim, denn der diente in der gleichen Dienststelle wie er. Im Objekt P. Sie waren beide Offiziere des Ministeriums für Staatssicherheit und es war nicht sehr lange her, dass der Kerl als frisch degradierter Leutnant ins Objekt P zuversetzt worden war. Dass der zu viel Bücher las, war Hauptmann Prillwitz sofort verdächtig gewesen. Und jetzt war Hauptmann Prillwitz auch klar, warum sich der sich so um Feiertags- und Wochenend-Dienste gerissen hatte. Da hatte der wohl nicht bloß Bücher aus der Bibliothek gelesen. Richtig hatte Hauptmann Prillwitz gelegen mit seinem Verdacht!
Hauptmann Prillwitz hatte heute, wie schon mehrfach, eine Gruppe von Spezialforschern der Partei durch die Zone im Objekt P geschleust. Bei solchen Gelegenheiten leistete sich Hauptmann Prillwitz keine eigenen Ausflüge. Zum Einen wäre das zu riskant, weil die Spezialforscher ihm nicht unterstanden, und da wusste man nie, ob die auch zur vereinbarten Zeit zurückkehrten. Zum Anderen hielt Hauptmann Prillwitz das aber auch für verantwortungslos, denn die Tätigkeit der Spezialforscher war zu bedeutend. Gegen die waren sie im Objekt P alle nur ganz kleine Lichter. Diesmal war die Situation aber eine andere gewesen, denn kurz nach den Spezialforschern war die Genossin von der ZPKK [56] unangemeldet eingetroffen und von einem anderen Offizier durch die Zone zu ihm gebracht worden. Der andere Offizier war anschließend sofort wieder zurückgekehrt. Anschließend hatte die Genossin ihren ZPKK-Ausweis gezückt und verlangt, unter absoluter Geheimhaltung gegenüber jedermann zu den Genossen Spezialforschern gebracht zu werden. Hauptmann Prillwitz hatte sie bis zu dem Stein geführt, der den Übergang bildete, und gesagt, dass sie ab dort alleine weitergehen müsste. Die Genossin war nicht seine Vorgesetzte und daher nicht direkt befehlsberechtigt. Hauptmann Prillwitz konnte sich also auf die Dienstvorschrift berufen, nach der er Peridëis nicht betreten durfte. In Wirklichkeit hatte er Angst, dass sein großes Geheimnis auffliegen könnte. Die ZPKK-Genossin durchschritt den Übergang nach einer Belehrung also alleine.
Doch was wollte die Genossin im geheimen Land? Niemals war sie mit den Spezialforschern dort gewesen, erst recht nicht alleine. Ob man etwas ahnte? Oder ob dort etwas Wichtiges geschah? Hauptmann Prillwitz musste das wissen!
So also folgte Hauptmann Prillwitz der ZPKK-Frau. Er war vorsichtig. Doch alles ging gut. Als er auf dem Altar der anderen Seite angekommen war, brachte er all seine Kraft auf, um sich keine sexuelle Erregung aufzwingen zu lassen und war stolz, dass er das nahezu schaffte. War die Frau in der Nähe? Nein! Hauptmann Prillwitz lief geduckt nach draußen ins Freie. Seinen Geheimgang ins Innere des Felsens beachtete er diesmal nicht. Im Freien angekommen warf er sich flach ins Gras. War etwas zu sehen? Nein! Wo war die Frau? Da hörte er plötzlich ein lautes Aufstöhnen, nicht einmal fünfzig Meter von ihm entfernt. Dem Aufstöhnen folgte ein weiteres anhaltendes Stöhnen und noch etwas später ein spitzer Schrei, der zweifellos von der ZPKK-Genossin stammen musste, und dann schrie sie wie am Spieß, nochmals und nochmals. Jetzt sah Hauptmann Prillwitz, wie sie nackt auf dem Rücken im Gras lag, wie sie sich zuckend wand, sich dazwischen krümmte, und wie sich ihr Becken rhythmisch in den Himmel reckte. Das war eine bekannte vorhersehbare Folge der spezifischen Bedingungen dieser Umgebung auf den menschlichen Organismus und Hauptmann Prillwitz machte sich deshalb keine Gedanken. Die Frau war ohne operativ-taktische Schulung zum ersten Mal hier und er wusste genau, was gerade mit der Genossin geschah. Nichts, was ihr schadete.
Hauptmann Prillwitz stahl sich unter ein dichtes Gebüsch und beobachtete die Genossin. Ein wenig beneidete er sie, dass sie sich so sorglos dem hingeben konnte, was über sie gekommen war. Sie als Frau durfte das, so oft sie wollte. Aber Hauptmann Prillwitz war ungeduldig. Das Ganze kostete nämlich Zeit. Er zwang sich zu Ruhe. Und beobachtete die Frau weiter. Sie mochte knapp 50 Jahre alt sein. Ihr Blond war echt gewesen und hatte sich im Übergang nicht entfärbt. Sie hatte eine geradezu jugendliche Figur, ultraschlank, die Brüste bis auf winzige Altersabzüge makellos. Diese Frau hatte ganz bestimmt kein Kind geboren; das war ein jungfräulicher Körper im Bestzustand, perfekter Hintern, perfekte Hüften, nur die Brüste recht klein geraten. Wahrscheinlich trieb die Frau auch regelmäßig Sport. So einen Körper musste man als Frau erst einmal hinkriegen; Hauptmann Prillwitz kannte das Gejammere seiner eigenen Frau, der ihre zwei Geburten umso mehr anzumerken waren. Nicht dass Hauptmann Prillwitz dies gestört hätte, eine echte Frau war eben kein Plastikpüppchen, fand er, aber er sah auch den Unterschied. Jedoch ... dachte er ... diese Genossin da im Gras wäre bestimmt interessant für ein Abenteuer, aber fürs heimische Bett, fürs Zuhause ... nein, da wollte er etwas Anderes. Da war seine eigene Frau, diverse Kleinigkeiten abgezogen, am Ende doch eine deutlich bessere Wahl. Wenn sie bloß nicht ... na egal, kein Thema für jetzt.
Hauptmann Prillwitz fiel plötzlich auf, dass neben ihm auf dem Boden ein ordentlich zusammengefalteter Anzug lag. Genau so ein Anzug, wie er ihn in Peridëis immer trug. Eine Anzughose, die vorne keinen Hosenschlitz hatte, sondern einen breiten Latz wie bei einer Trachtenlederhose. Dazu Oberhemd und Schlips und eine Mütze mit umlaufendem Rand. Aus der Anzugjacke lugte links ein Doppelriemen heraus, an dem man eine Reitgerte befestigen konnte, falls man keinen Gürtel trug. Die Reitgerte lag neben dem Anzugpäckchen auf dem Boden. Wo kam denn der Anzug her? Egal. Hauptmann Prillwitz zog ihn im Liegen an und befestigte die Reitgerte am Doppelriemen. Es gab sicher eine Erklärung, warum hier auf dem Boden eine Uniform liegen musste. Irgendeine Gesetzmäßigkeit von Vorgängen.
Hauptmann Prillwitz schaute zur Frau hinüber. Sie hatte nichts bemerkt. Aber sie kam jetzt wieder zu sich. Na endlich.
Noch einmal war Hauptmann Prillwitz verblüfft, denn er sah neben der Genossin ein Kostüm im Gras liegen. Das Kostüm bestand aus einem Rock und einem Oberteil. Hatte er das zuvor übersehen? Das war jetzt nicht zu klären. Hauptmann Prillwitz hörte einen erstaunten Ausruf. Die Genossin schien sehr zufrieden zu sein mit dem Kostüm. Was war denn nun schon wieder? Die Genossin wendete das Kostümoberteil hin und her. Ach ja, scheinbar dachte sie, dass eine Bluse fehlte, weil die Brüste freilagen. Ja, das ist hier so, knurrte Hauptmann Prillwitz vor sich hin, das solltest du eigentlich wissen. Doch die Genossin sah sich suchend um. Mach hin!, dachte Hauptmann Prillwitz verzweifelt, die Spezialforscher rennen dir doch davon! Seine Geduld wurde aber noch etwas auf die Probe gestellt, bis die Genossin endlich marschfertig angekleidet war (Wo ist denn der Schlüpfer? Hauptmann Prillwitz biss in den Boden.) und die Genossin losging.
Doch Hauptmann Prillwitz' Wut verflog. Im Grunde gab es hier nur eine Richtung, in die man gehen konnte, nur einen einzigen Weg, der wenig unterhalb von ihnen begann, und die Spezialforscher hatte man nach einer halben Stunde eingeholt. Hauptmann Prillwitz, der sich vorsichtig hinter der Genossin hielt, atmete auf.
Die Genossin blieb auf Abstand zu den Spezialforschern, statt zu diesen aufzuschließen. Aha, dachte Hauptmann Prillwitz, habe ich mir das doch gedacht, da ist was im Busch. Du willst die kontrollieren. Und Hauptmann Prillwitz bemerkte anerkennend, dass die Genossin sich bei der Verfolgung der Spezialforscher nicht dumm anstellte. Sie lief ganz normal auf dem Weg, aber sie beachtete Grundregeln der Observation. Vor der würde er auf der Hut bleiben müssen.
So folgte die ZPKK-Genossin den Genossen Spezialforschern und Genosse Hauptmann Prillwitz folgte der ZPKK-Genossin. Die Spezialforscher schienen völlig sorglos zu sein und machten Lärm für einen Kasernenhof. Fand Hauptmann Prillwitz. Einmal machten sie Picknick. Hauptmann Prillwitz sah, wie die ZPKK-Genossin einen kleinen mit Sträuchern bewachsenen Felsen erklomm und die Spezialforscher von dort aus beobachtete. Ein guter Gedanke, denn beim Picknick bestand die Gefahr, dass einzelne Spezialforscher ausschwärmten, sei es zur Nahrungssuche, sei es, um sich zu erleichtern. Das war eine Situation, bei der man schnell entdeckt werden konnte. Um das zu vermeiden, hatte sich die ZPKK-Genossin den Felsen gesucht. Wirklich guter Gedanke. Und so einfach. Hauptmann Prillwitz suchte sich einen anderen Felsen, der noch höher war und erklomm ihn. Nun konnte er beide Parteien beobachten - die Spezialforscher und die ZPKK-Genossin.
Da! - Jetzt beendeten die Genossen Spezialforscher ihre Pause und brachen wieder auf. Hauptmann Prillwitz erhob sich schon halb. Doch warte, was war da? Die ZPKK-Genossin war auf ihrem niedrigen Felsen liegengeblieben und schaute erkennbar angestrengt in eine ganz andere Richtung. Jetzt stand sie auf, offenbar, um besser sehen zu können. Sie schaute ins Tal zurück, in die Richtung, aus der sie alle gekommen waren. Sah sie dort etwas Besonderes? Hauptmann Prillwitz konnte nichts erkennen, vermutlich, weil ihm ein Felsen die Sicht versperrte. Ärgerlich! So bestand ja schon wieder die Gefahr, dass man die Genossen Spezialforscher aus den Augen verlor. Hauptmann Prillwitz ging erneut in Deckung. Die ZPKK-Genossin bewegte sich nicht, sondern schaute weiter zurück, ohne sich um die Genossen Spezialforscher zu kümmern.
Da hörte Hauptmann Prillwitz entfernte Rufe. Nicht aus der Richtung der Spezialforscher. Er schaute zur ZPKK-Genossin. Ob sie sich entschließen würde, schnell ihren Felsen zu verlassen, um ihren Spezialforschern zu folgen? Nein. Verfluchte Neugier der Weiber!, ärgerte sich Hauptmann Prillwitz. Das klang nach ziemlich vielen Leuten. Also entweder man verschwand jetzt oder blieb festgenagelt an seinem Platz. Wieso konnte die nicht einfach Prioritäten setzen? Da gab es eine klar definierte Aufgabe und die lautete, die Spezialforscher im Auge zu behalten. Alles Andere hatte nebensächlich zu sein und war nichts weiter als ein Störfaktor. Was jetzt tun? Alleine den Spezialforschern folgen? In diesem Fall hätte er die nicht ungefährliche ZPKK-Genossin im Rücken. Und niemand, absolut niemand, durfte erfahren, dass er dieses Land hier jemals betreten hatte. Das war seine höchste Priorität, und die ZPKK-Genossin war gleich danach die zweithöchste. Also war der Fall klar und Hauptmann Prillwitz ließ sich aufstöhnend wieder auf den Boden gleiten und wartete ab.
Die Rufe kamen näher, Peitschenknalle wurden hörbar. Jetzt konnte Hauptmann Prillwitz sehen, worum es sich handelte. Es war eine Sklavenkarawane. Ein einachsiger leichter Kutschwagen war dabei, genauer, ein Ponywagen, vor dem ein nackter Sklave mit viel schwarzem Gurtzeug angeschirrt war. Sogar Scheuklappen trug er und eine Tremse durch den Mund, ganz wie bei einem Pferd, und gekrönt wurde das Geschirr durch zwei bunte Federn, die weit über seinen Kopf hinausragten. In dem Ponywagen saß eine wohlgenährte, na gut, so richtig dicke Frau, die offenbar die Besitzerin der Sklavenkarawane war. Alle anderen, einschließlich der Aufseher, gingen nämlich zu Fuß. Die wenigen Gepäckstücke wurden von männlichen Sklaven auf dem Rücken getragen. Alle Sklaven trugen ein enganliegendes Halsband mit einem Ring darin, durch das eine lange Leine gezogen war, welches alle Sklaven miteinander verband, egal ob Frauen oder Männer. Die meisten Sklaven waren ganz und gar nackt, einige hatten Kleider an, die jedoch meist einen desolaten Eindruck machten. Scheinbar nahm man den Sklaven ihre Kleider nicht direkt weg, kümmerte sich aber auch nicht um neue, wenn deren Kleider verschlissen waren.
Aber warum besorgten sich die Sklaven nicht selbst neue Kleider? Hauptmann Prillwitz blieb das rätselhaft, obwohl er selbst schon Sklaven gehabt hatte, denn im Operationsgebiet muss man sich nun einmal den gegebenen Sitten anpassen, um nicht aufzufallen. Und man musste auch ökonomisch bestehen können, was nutzte einem schließlich alle Gutmütigkeit gegenüber bedauerlichen Einzelfällen, wenn man am Ende sein Ziel nicht erreichte, das alle Probleme lösen konnte. Das war strategisch kluges Handeln! Seine eigenen Sklaven hatten sich jedenfalls auch nicht aus eigenem Antrieb neue Kleidung besorgt und so hatte Hauptmann Prillwitz die Sache als unwichtig eingestuft. Schließlich war es ja auch egal, ob ein Sklave nackt herumlief oder nicht. Bestenfalls versiegelte BHs für die Sklavinnen wären sinnvoll, damit denen nicht etwa Milch geraubt wurde, aber das war leider verboten.
Die Aufseher setzten ihre Peitschen maßvoll ein und ihre Peitschenschläge waren von Lachen und Scherzen begleitet, nicht selten sogar von lüsternem Stöhnen oder entsprechenden Bemerkungen. Hauptmann Prillwitz kannte das, es war eine der großen Merkwürdigkeiten dieses Landes, wie überhaupt seine enorme sexuelle Aufgeladenheit, die ihm selbst so oft Probleme bereitete. Aber wie musste es erst der ZPKK-Genossin gehen, die das zum ersten Mal erlebte?
Hauptmann Prillwitz bekam schneller als erwartet Antwort. Zu seinem Entsetzen verließ die ZPKK-Genossin ihren Felsen. Hauptmann Prillwitz sah, ohne dass er etwas tun konnte, wie sie zum Weg und zur Sklavenkarawane ging, und sich genau vor dem Ponywagen auf den Boden warf. Was um Himmels willen tat die dort? Die ZPKK-Genossin diente sich ja geradewegs zur Versklavung an! Das war keine gute Taktik, egal welchen Plan sie hatte, denn damit verlor sie völlig ihre Handlungsfreiheit! Oder war die ZPKK-Genossin wahnsinnig geworden?
Hauptmann Prillwitz verstand das nicht und überlegte fieberhaft. Er kam zu dem Schluss, dass die Genossin aus Unerfahrenheit die Situation falsch einschätzte. Nur so konnte es sein. Er würde ihr helfen müssen, aber das Vertrackte war, dass er sich dabei nicht selbst gefährden durfte. Er musste der Sklavenkarawane unauffällig folgen und später zusehen, ob sich etwas machen ließe, ohne dass die Genossin ihn dabei zu Gesicht bekäme. So folgte Hauptmann Prillwitz also der Sklavenkarawane und gab den Wunsch auf, zu erfahren, was die Genossen Spezialforscher taten.
Die ZPKK-Genossin war nach ausgiebiger Begutachtung mit einem Sklavenhalsband versehen worden und kam ans Seil wie alle andere Sklaven. Die Karawanenbesitzerin als echte Kennerin hatte einen besonderen Duft an der neuen Frau festgestellt, der auf sehr wertvolle Milch hinwies. Zwar hatte man den recht kleinen Brüsten dieser Frau nur wenige Tropfen Milch entlocken können, aber für solche Probleme hatte die Sklavenhändlerin hervorragendes Personal. Die neue Sklavin würde schon noch stöhnen wegen ihrer platzend anschwellenden Brüste und der Milch, die in kürzester Frist aus diesen sprudeln würde. Ein Sklavenaufseher wurde extra zur Betreuung der Neuen abgestellt. Auch damit die neue Sklavin sich genügend beachtet fühlte. Solche scheinbaren Nebensächlichkeiten waren etwas, das eine erfahrene Sklavenhändlerin ausmachte.
Hauptmann Prillwitz hatte beobachtet, wie die ZPKK-Genossin in die Sklavenkarawane eingereiht worden war. Er sah, dass sie zitterte wie Espenlaub. Das konnte er verstehen. Nicht verstehen konnte er dagegen das seltsame Lächeln in ihrem Gesicht, das so gar nicht zu ihrem Zittern passte. Vielleicht verkannte sie ihre Situation. Egal. Jedenfalls war es jetzt ein Kinderspiel, ihr zu folgen, denn aus der Sklavenkarawane würde sie kaum ausscheren können, zumal direkt neben ihr ein Sklavenaufseher lief.
So folgte Hauptmann Prillwitz also der Sklavenkarawane und beobachtete auch, wie man das Nachtlager aufschlug und wie die ZPKK-Genossin vergewaltigt wurde. Es tat ihm persönlich weh, dies mit ansehen zu müssen, weil er das als eigenes Versagen auffasste. Aber erst in der Nacht würde er die Möglichkeit haben, die Genossin zu befreien. Er würde sie wohl im Schlaf mit einem Handkantenschlag bewusstlos machen müssen. Das ging nicht anders, denn die Genossin rechnete nicht mit einem Befreier und würde schreien. Vor allem dürfte sie ihren Befreier nicht zu Gesicht bekommen. Sie abzutransportieren wäre ein Leichtes, als Frau und schlank wie sie war, wog sie bestimmt nicht viel; mit der richtigen Technik würde er sie auf den Schultern kilometerweit tragen können. Und dann? Schwierig. Wahrscheinlich wäre es das Beste, sie in der Nähe des Übergangs einfach abzulegen und selbst zu verschwinden.
Doch plötzlich geschah, womit Hauptmann Prillwitz nicht gerechnet hatte. Erst nach drei Vergewaltigungen ihr unerklärliches Schreien, ohne dass sie überhaupt angefasst wurde, und dann der grüne Blitz und der Knall, mit dem die Genossin sich in Luft auflöste. Hauptmann Prillwitz wusste sehr wohl, was geschehen war. Die Genossin war in Sicherheit und direkt am Übergang gelandet. Ihn ärgerte, dass er nicht selbst auf diese einfache Lösung gekommen war. Wie auch immer, er war jedenfalls aus der Verantwortung heraus. Dumm wäre es allerdings, wenn die Genossin jetzt direkt ins Diesseits zurückkehren würde. In diesem Fall bräuchte er eine sehr gute Ausrede. Vielleicht, dass ihn irgend eins dieser seltsamen Zonen-Phänomene draußen festgehalten hatte, als er etwas kontrollieren musste. So etwas konnte keiner überprüfen. Alleine würde die ZPKK-Genossin auch niemals durch die Zone zurückgehen. Wenn doch, wäre sie mit ziemlicher Sicherheit in Kürze tot. Blieben noch zwei weitere Möglichkeiten zu erwägen: Würde die Genossin jetzt noch einmal hierher zurückkommen, wäre alles Weitere wirklich ihr eigenes Problem und ging ihn nichts mehr an. Ging sie stattdessen woanders hin in Peridëis, bräuchte er ebenfalls nichts tun. Hauptmann Prillwitz beschloss, aufs Ganze zu gehen und zu versuchen, die Spezialforscher wiederzufinden. Er wollte wirklich wissen, was die taten und ob das sein eigenes Geheimprojekt gefährden konnte.
Zunächst aber musste er essen und trinken, denn er hatte inzwischen wirklich Hunger und Durst. Deshalb wandte er sich zum Bach, um etwas klares Wasser zu trinken, das hier in dieser Welt stets ganz ausgezeichnet schmeckte.
Dies also war, was mit Hauptmann Prillwitz inzwischen geschehen war. Jetzt aber stand er verblüfft in den Sträuchern nahe des Bachs und sah diesen Leutnant, der den Allerweltsnamen Thomas trug, aber meist Tim genannt wurde. Im MfS redete man sich mit Vornamen und »Du« an, wenn die Dienststellungen nicht zu weit auseinander lagen. Da dieser Leutnant früher einen höheren Dienstgrad gehabt hatte, war das nicht ganz unkompliziert. Aber jedenfalls hatte diesen undisziplinierten Kerl wohl wieder mal der Hafer gestochen und er hatte einen schweren Verstoß gegen die geltenden Befehle begangen. Hauptmann Prillwitz war schon immer dagegen gewesen, solche Leute mit derart verantwortungsvollen Aufgaben zu betrauen. Man sah ja, was dabei herauskam.
Und dann diese Frau!
Und was für eine Frau. Nie hatte Hauptmann Prillwitz eine so erotische Frau gesehen. Schöne Frauen: Ja. Sehr schöne Frauen: Auch. Aber diese nackte Frau dort im Bach ließ Hauptmann Prillwitz plötzlich gewisse Bücher und Filme verstehen, wo ein Mann wegen einer Frau völlig den Verstand verloren hatte. Das war genau so eine Frau! Was machte die mit ihm?! Wie gebannt schaute ihr Hauptmann Prillwitz beim Baden zu, verfolgte die Konturen ihres Körpers, ihres vollen runden Hinterns, ihres Paars ebenso voller Brüste mit auffordernd herausragenden Brustwarzen, die von geradezu hypnotisierenden erhabenen gefurchten Höfen umgeben waren. Dazu ihre femininen Hüften, das war ... war ... war ... atemberaubend. Wie war dieser Leutnant, dieser degradierte Kerl, nur an dieses Wunder weiblicher Anziehungskraft gekommen?
Da begann in Hauptmann Prillwitz ein irrwitziger Wunsch zu keimen. Vielleicht war Peridëis dafür verantwortlich, vielleicht war es, weil Hauptmann Prillwitz sich selbst in einen Zustand höchster sexueller Nöte gebracht hatte. Und wie man weiß, können sexuelle Nöte den Verstand sehr wohl zu Fall bringen. Hauptmann Prillwitz hatte sich nicht mehr im Griff. Gar nicht mehr. Diese Frau musste er haben. Jede andere Frau ... egal. Aber diese da. Und es gab einen Weg ... er hatte eine Idee, wie er diese Frau besitzen konnte. Wenigstens einmal. Ein einziges Mal. Es ging nicht anders. Es beherrschte ihn. Diese Frau ... diese unglaublich sinnliche Frau.
Hauptmann Prillwitz beobachtete das Paar aufmerksam. Doch. Ja. Die Blicke zwischen den beiden waren eindeutig, das war nicht bloß eine rein freundschaftliche Beziehung, diese Frau begehrte den Leutnant. Sie war ganz eindeutig in ihn verliebt. Und das war Bedingung für den diabolischen Plan, den Hauptmann Prillwitz hatte, so widersinnig es auch klingen mag.
Hauptmann Prillwitz näherte sich vorsichtig dem Ufer. Sein Körper spannte sich wie eine Feder. Seine Augen wurden zu Schlitzen. Jetzt verließ der Leutnant das Wasser. Zu Hauptmann Prillwitz hin, was die Sache vereinfachte. Doch die junge Frau schaute leider in seine Richtung. Hauptmann Prillwitz würde noch etwas warten müssen.
Der Leutnant zog sich an. Hauptmann Prillwitz schaute verblüfft zu ihm hinüber. Dieser Leutnant, dieser degradierte Kerl mit dem Spitznamen Tim zog eine Uniform an. Aber es war eine Uniform, wie er sie von zu Hause kannte. Wie das? Da drehte sich der Leutnant etwas und Hauptmann Prillwitz sah, dass die Uniform den Penis nicht bedeckte. Jetzt begriff er. Der Leutnant war hier in diesem Land ein Büttel! Ein Verräter!
Doch halt, den Leutnant zu melden, würde ihn selbst verraten. Er würde das alleine regeln müssen. Und er würde daraus sogar noch Gewinn ziehen können. Es passte in seinen Plan.
Jetzt schaute die junge Frau in eine andere Richtung. Gut so! Lautlos näherte sich Hauptmann Prillwitz dem Leutnant von hinten, sorgfältig darauf achtend, keinen Zweig zu berühren und kein Ästlein auf dem Boden zu zertreten. Der Leutnant war ein erfahrener Kämpfer, da musste man äußerst vorsichtig sein. Ein Sprung! Ein Schlag von hinten! Der Leutnant sank bewusstlos zu Boden und Hauptmann Prillwitz fing ihn gekonnt mit den Armen auf. Kein Geräusch hatte verraten, was eben passiert war. Hauptmann Prillwitz zog den bewusstlosen Leutnant zügig ins Unterholz. Hatte die schöne Frau sie gesehen? Nein! Hauptmann Prillwitz fesselte den Leutnant mit dem Seil, das er neben einer Gerte bei sich führte, wie das für alle Männer in diesem Land Sitte war. Das Seil des Leutnants benutzte er, um zusätzlich die Füße zu fixieren. Als Knebel nahm Hauptmann Prillwitz seinen Schlips, etwas Besseres hatte er gerade nicht. Er zog den Leutnant weit ins Unterholz und fixierte den gefesselten Mann an einem Baum. Und zwar so, dass dieser sich nicht befreien oder fortbewegen konnte. Hauptmann Prillwitz war ein ausgesprochener Fachmann in solchen Dingen, genau wie der Leutnant. Gesiegt hatte er aber trotzdem durch Überraschung, die Mutter der meisten Siege, wie Hauptmann Prillwitz gerne sagte.
Dann lief Hauptmann Prillwitz vorsichtig, aber schnell, zurück zum Bach, zu dieser traumhaft schönen Frau.
Die traumhaft schöne Frau war inzwischen angezogen. In ihrem Kleid mit freiliegenden Brüsten sah sie umwerfend aus. Das Kleid rahmte die Brüste perfekt ein und der Rockteil betonte die femininen Hüften und den Hintern auf kaum zu steigernde Weise. Die schöne Frau hatte das Verschwinden Tims inzwischen bemerkt. Doch sie schien nicht in Panik. Also hatte sie die Entführung nicht gesehen. Aber Hauptmann Prillwitz würde sie ohnehin nicht überrumpeln müssen.
Hauptmann Prillwitz trat aus dem Wald heraus.
Alischa schrie vor Überraschung auf.
Der Mann ist in meiner Hand, sagte Hauptmann Prillwitz so ruhig er konnte. Er war aber nicht ruhig. Er konnte Alischa nicht in die Augen schauen. Sie nahm ihm den Verstand. Wie gut, dass der Plan schon fix und fertig war. Hauptmann Prillwitz schluckte. Der Mann ist in meiner Hand, wiederholte er und seine Stimme klang heiser. Du kannst ihn zurückbekommen, doch das hat einen Preis.
Ein Augenblick verging.
Welchen?, fragte Alischa schließlich und beobachtete den fremden Mann. Er sah nicht dumm aus, muskulös, strahlte Macht aus, aber auch Borniertheit und Fanatismus. Dieser Mann war unbedingt ernstzunehmen. Und er hatte ohne Zweifel Tim besiegt. Der Arme. Jetzt war im das schon zum zweiten Mal passiert. Das würde sicher an seinem Selbstbewusstsein nagen.
Alischa dachte intensiv nach. Wirklich passieren konnte ihnen nichts. Das war hier eben so. Damit konnte man fest rechnen, sie war in Peridëis. Aber dieser Mann erinnerte Alischa an eine ganz andere Gefahr, und die lag zu Hause. Dieser Mann sah einfach in allem, in wirklich jeder Faser, nach Stasi aus. Alischa war in Berlin aufgewachsen und die normalen Stasi-Leute, denen man in bestimmten Stadtbezirken auf Schritt und Tritt begegnete, erkannte Alischa bei Nacht und Nebel. Jedenfalls die Offiziellen. Die Geheimen vermutlich nicht. Aber die Offiziellen hatten einen derart überheblichen Blick, eine so hässliche Kurzhaarfrisur und so scheußliche Zivilkleidung, dass man sie einfach erkennen musste. Irgendwas grub sich denen auch ins Gesicht ein. Und in ihr Benehmen. Und in ihre Kleidung, selbst wenn sie keine Uniform trugen. Und in ihre Sprache. Alischa hätte nicht bewusst sagen können, was da war, aber da war etwas, das sie unbewusst erkannte. So wie sie im Krankenhaus Ärztinnen mit 100%iger Sicherheit von Krankenschwestern unterscheiden konnte. Alischa hatte lange gerätselt, was der Unterschied war und von Gesichtsausdruck bis Frisur spekuliert. Aber eine Schwester hatte sie ausgelacht und ihr erklärt, dass die Kittel von Ärztinnen nach vorne geknöpft waren und die von Schwestern nach hinten. So einfach war das. Und was für komplizierte Theorien Alischa zuvor aufgestellt hatte... Doch egal wie viele Besonderheiten es bei Stasi-Leuten gab, aber dieser Mann vereinigte bestimmt alle diese Erkennungsmerkmale in sich. Alischa hatte einen kleinen Moment lang überlegt, ob der Mann zu den Spezialforschern gehören könnte. Sie hatte ihn zwar nicht mit denen zusammen gesehen, aber... Trotzdem verwarf Alischa den Gedanken. Die Kleidung unterschied sich leicht, aber in wesentlichen Details, und das Gesicht wirkte anders. Dieser Mann wirkt ... stasimäßiger ..., dachte Alischa. Ganz eindeutig. Aber wieso habe ich nicht das Halsklopfen, das ich in dieser Situation haben müsste? Dieses Gefühl, von einem giftigen Reptil bedroht zu werden, wie ich es von zu Hause kenne? Was ist jetzt anders?
Hauptmann Prillwitz hätte es ihr sagen können. Er war nicht Herr seiner selbst. Im Grunde hätte diese Frau mit ihm machen können, was sie wollte. Sie wusste es nur nicht.
Welchen Preis?, fragte Alischa, ehrlich in Sorge.
Einmal.
Was? - Alischa war verwirrt.
Du sollst mir einmal gehören, sagte Hauptmann Prillwitz hastig und setzte nach: Du siehst, es ist gar nicht viel. Dann bekommst du deinen Freund zurück.
Alischa war erschrocken und erleichtert zugleich. Das war etwas, das zumindest schnell vorbei sein würde, nichts Grundsätzliches, nichts Ewigwährendes. Und immerhin hatte dieser Mann nichts Schmieriges, bei dem man sich ewig lange dreckig fühlen würde. Ein Arschloch zwar, aber wenigstens ein ganzer Kerl. Immerhin kein Arschloch ohne Arsch. Alischa dachte das tatsächlich genau so.
Du machst dir diesen Kerl gerade schmackhaft, dachte Alischa plötzlich.
Hauptmann Prillwitz beobachtete Alischas Minenspiel und atmete erleichtert auf, als er herauslas, dass er Chancen hatte, sie wenigstens dieses eine Mal besitzen zu dürfen. Er setzte nach: Aber ich will, dass du dich wirklich hingibst. Und dich bemühst. Alles andere zählt nicht.
Alischa überlegte fieberhaft. Der Mann hatte sie in der Hand. Ein intelligenter im Nahkampf ausgebildeter Muskelprotz, der überdies Tim hatte. Der würde sie sowieso nehmen können. Was also wollte der? Wohl das Gefühl, angenommen zu werden. Im Grunde war ihr Einsatz also nur, ihm dieses Gefühl auch tatsächlich zu vermitteln, alles andere war in ihrer momentanen Situation kein Verhandlungsgut, das sie einsetzen konnte. Aber angenommen, sie würde jetzt einmal die gute Hure machen, wo war die Garantie, dass der Mann sein Versprechen einlöste?
Alischa stellte die Frage laut. Woher weiß ich, dass du dein Versprechen einlöst? - Alischa zwang sich bewusst zum »Du«, das ihr bei diesem Mann schwerfiel.
Hauptmann Prillwitz war vorbereitet, denn er hatte gründlich über diese Frage nachgedacht. Einschließlich darüber, dass er selbst ein Geheimnis zu wahren und eine Aufgabe zu erfüllen hatte. Sehr einfach, sagte Hauptmann Prillwitz. Dein Freund ist nicht nur unerlaubt hier, sondern er hat darüber hinaus Verrat begangen. Ich weiß sehr wohl, was diese Uniform (die Bütteluniform lag leider gut sichtbar auf dem Boden) bedeutet. Aber ich selbst darf im Grunde ebenfalls nicht hier sein. Das wiegt lange nicht so schwer wie sein Verrat, aber immerhin. Nun will dein Freund dich gerne wiedersehen. Dazu muss er hierher zurückkommen können. Aber ich will ebenfalls in dieses Land zurück. Verrät einer den anderen, haben wir alle beide den Nachteil. Denn keiner kann den anderen hier gesehen haben, ohne selbst unerlaubt hier gewesen zu sein. Kommt das heraus, ist der Weg hierher für uns beide versperrt. Für immer. Also haben wir beide ein Interesse daran, den anderen nicht zu verraten. Du aber sollst mit einem einmaligen Dienst an mir ausgleichen, dass ich weit mehr in den Handel einbringe. Denn wenn ich seinen Verrat nicht melde, mache ich mich dadurch selbst des Verrats schuldig.
Hauptmann Prillwitz schwieg. Er fühlte sich plötzlich ausgelaugt.
Alischa überlegte fieberhaft. Spielte dieser Mann trotz seiner Erpressung halbwegs fair? Moment, dachte Alischa. Der Mann verschwieg, dass es weitere Möglichkeiten gab. Tim musste ja nicht zwingend in die DDR und zur Stasi zurück. Gut, er würde wie ein Mauerflüchtling nie wieder in seine Heimat zurückkehren können. Zugegeben. Aber eine Möglichkeit war es trotzdem. Wenn sie sich hingeben würde, wären dann alle Probleme gelöst? Nein. Wären sie nicht. Dieser Mann hätte Tim trotzdem in der Hand. Verfehlung gegen Verrat; er selbst hatte im Grunde bloß illegal Peridëis betreten, Tim aber galt bei denen als Überläufer, als wirklicher Verräter. Wer weiß, ob das Tim nicht sogar den Hals kosten konnte, während der andere sich als Held hinstellte. Was aber tun?, dachte Alischa verzweifelt. Der Mann hatte ja Tim, das war ein Faktum. Doch andererseits: Vielleicht hatte der Mann tatsächlich genauso viel Angst, verraten zu werden. Alleine ein Verdacht könnte reichen, dass die Stasi ihn woandershin versetzen würde. Nicht bestrafen, aber versetzen. An einen Ort, von wo aus er nicht mehr nach Peridëis kommen würde. Deshalb musste der tatsächlich daran interessiert sein, dass nichts, aber auch gar nichts über seinen Aufenthalt hier herauskam.
Und er setzte sich gerade selbst ins Unrecht.
Alischa klammerte sich an diese Gedanken. Sie schluckte ihre Aufregung herunter, blickte zu Boden und sagte: Ich bin einverstanden. Ich werde mich hingeben. Du wirst mich dieses eine Mal besitzen und ich werde mir große Mühe geben, dich zufriedenzustellen. Du aber gibst mir Tim zurück?
Hauptmann Prillwitz nickte atemlos. Sprechen konnte er nicht. Die Erregung verhinderte es.
Und du versprichst fest, Tim niemals zu verraten?
Hauptmann Prillwitz nickte nochmals.
Alischa griff mit ihren beiden Händen nach hinten und löste die Schleife, die ihr Kleid zusammenhielt. Sie lockerte mit ihren Zeigefingern mechanisch die Schnüre auf ihrem Rücken. Nun zog sie die Schultern zusammen und das Kleid glitt an ihren Armen entlang zu Boden. Da Alischa unter dem Kleid nichts trug, stand sie nun nackt vor Hauptmann Prillwitz.
Hauptmann Prillwitz stand regungslos vor ihr.
Wie brachte sie das so schnell wie möglich hinter sich? Paradoxerweise wohl am ehesten dadurch, dass sie diesen Mann so stark wie möglich erregte. Wenn sie tat, was bei einem Mann den Orgasmus schnell herbeiführen konnte. Sie hatte in einen Roman gelesen, wie eine Hure nur deshalb die allergrößte Kunstfertigkeit entwickelte, weil sie auf diese Weise am schnellsten an den nächsten Freier herankam und damit natürlich auch an dessen Geldbörse. In diesem Buch hatte die Hure unter Anderem auch geschrieben, dass eine gute Hure nicht aufreizend wie eine billige Hure guckte, sondern eher etwas verschämt mit einem Hauch von Demütigkeit.
Das tat Alischa jetzt. Sie senkte den Kopf und schaute den Mann leicht verschämt an. Aber dabei machte sie eine leichte Hüftbewegung und zog mit den Fingern ganz wenig ihre Schamlippen auseinander. Nicht anbiedernd, sondern so, als hätte man sie gezwungen, sich anzubieten. Sie schaute mit einem möglichst unterwürfigen Blick dem Mann von unten in die Augen und öffnete ihren Mund ganz leicht.
Hauptmann Prillwitz reagierte augenblicklich und genau wie Alischa es gewollt hatte. Hastig entledigte er sich seiner Kleidung. Nein, er wollte Alischa nicht bekleidet nehmen, mit heruntergeklapptem Hosenlatz. Das wäre ihm wie eine Entweihung vorgekommen. Da stand sie nun, diese berauschende Schönheit einer jungen Frau, da stand sie und machte sich für ihn bereit. Sie hielt ihr Geschlecht für ihn geöffnet und bewegte ihren Schoß ihm leicht entgegen. Diesen unglaublich feminin geformten Schoß. Jetzt ließ sie sich auf dem Boden nieder. Mit weit gespreizten Schenkeln. Und sie bot ihm ihr Innerstes dar. Sie gab sich ihm hin. Und ihr demütiger Blick nahm Hauptmann Prillwitz den Rest seines noch vorhandenen Verstands.
Alischa nahm halb erstaunt zur Erkenntnis, dass ihre Vergewaltigung weniger dramatisch als gedacht war. Da mochte Peridëis einen Hauptanteil haben, weil man es ja ein wenig so erlebte, wie in einem Traum: Es konnte einem nichts wirklich geschehen; richtig extreme Dinge widerfuhren einem nicht, eigene Wünsche waren nicht völlig missachtet, schwanger werden konnte man auch nicht, Krankheiten gab es nicht. Und dieser Mann war zumindest nicht abstoßend. Wäre er nicht so ein Fiesling, hätte was aus ihm werden können. Vor allem aber wirkte in Alischa, dass sie es für Tim tat, sich für ihn opferte, ihn damit rettete...
Der Mann, der jetzt in sie stieß und sie mit heftigen Stößen ritt, krümmte sich und erfasste mit dem Mund eine von Alischas Brüsten, um daran zu saugen. Würde er sich ergießen wollen? Natürlich würde er wollen. Da fiel Alischa auf, dass aus ihren Brüsten offenbar die ganze Zeit Milch geflossen war. Ihr Bauch war nass davon, der Mann hatte einen beachtlich großen triefend nassen Fleck an seiner Kleidung und die Milch lief Alischa an den Seiten herunter. Wieso denn? War sie etwa erregt? Das war sie wohl. Warum eigentlich? Vielleicht, weil sie an Tim gedacht hatte. Das war ein guter Weg! Ihr Liebster. Sie gab sich für ihn hin, um ihn zu retten. Alles und noch mehr würde sie tun, wenn ihm das helfen konnte. Alischa spürte, dass sie eine pitschnasse Vulva hatte. Aber musste dieses Mistding von Körper denn derartig übertreiben? Doch nein, sie hatte ja an Tim gedacht, alles war gut. Gut für sie, denn sie würde nicht wund werden, und gut für den Mann, denn so würde der schneller kommen. Alischa beschloss, sich gehenzulassen, denn echtes Schauspielern fiel ihr schwer. Sie dachte fest an Tim, wie der sie nehmen würde, wenn er erst dürfte. Ja, das funktionierte. Alischa entfuhr ein Stöhnen. Gut so. Sie ließ die Hemmungen fahren. Mochte der Mann sie gerade zu seiner Befriedigung benutzen, die Gedanken waren frei und sie selbst träumte, jetzt von Tim genommen zu werden. Den Mann, der sie gerade ritt, benutzte Alischa als Lustknaben, der dazu diente, ihre Fantasien mit realen Empfindungen zu würzen. Es funktionierte. Die Wege des Paradieses sind oft wunderbar, aber sie sind wunderbar, dachte Alischa. Sie musste nur abwarten, bis ihr Körper einen Orgasmus ankündigte, wie ein Wasserkessel durch Pfeifen ankündigte, dass das Feuer sein Wasser genug erhitzt hatte. Sie tat nur willig, tat aber nichts. Er tat, wie der Herd es mit dem Wasserkessel tat. Und sie würde gleich einen Orgasmus haben, der nicht zu den schlechtesten ihres Lebens gehören dürfte. Und so war es auch. Hast du gut gemacht, Lustknabe, aber ich widme diesen gar nicht üblen Orgasmus trotzdem meinem Schatz. Tim heißt er. Und nur er wird mich wirklich besitzen. Und weil ein Orgasmus, zumal ein gar nicht so schlechter, nicht vonstattengeht, ohne dass ein gewisses Organ ein gewisses anderes Organ auf eine gewisse Weise umschlingt, verging auch Hauptmann Prillwitz Hören und Sehen und er erlebte, wie er in höchster Lust Stoß für Stoß seinen Samen unendlich tief in den Schoß der wunderschönen Frau ergoss.
Alischa lag auf dem Rücken im Gras und erholte sich. Sie schämte sich ein wenig, weil sie sich hatte gehenlassen. Doch sie wagte nicht, ihre Beine zu schließen, um nicht abweisend zu wirken. Nicht kurz vorm Ziel. Aber sie presste zum Ausgleich ihre Vulva zusammen, was das aufgezwungene Sperma aus ihr heraus die Innenschenkel hinunter auf den Boden fließen ließ. Nicht alles vermutlich, aber das meiste immerhin. Was hier wohl wachsen würde, wenn Sperma Pflanzen hervorbringen könnte? Blöder Gedanke.
Hauptmann Prillwitz lag auf der Seite, fühlte sich unglaublich erleichtert, geradezu leicht wie ein Vogel und bereute nichts. Die Schlampe hatte es gewollt, das war eindeutig zu hören und zu merken gewesen. Nein. Nicht Schlampe. Das war sie nicht. Das war sie wirklich nicht. Diese wunderschöne Frau.
Hauptmann Prillwitz war irgendwann erholt. Schließlich stand er auf und zog sich wieder an. Ich werde mein Versprechen halten, sagte er fest. Komm.
Alischa sprang auf und folgte dem Mann. Nackt.
Hauptmann Prillwitz führte sie tatsächlich zu Tim, der inzwischen aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht war und Hauptmann Prillwitz mit weit aufgerissenen Augen erschrocken ansah. Hauptmann Prillwitz nahm ihm den Knebel aus dem Mund und löste sogar die Fesseln. Nicht ganz, aber so, dass Tim in der Lage gewesen wäre, den Rest alleine zu erledigen.
Hör zu, sagte Hauptmann Prillwitz. Du hast Verrat begangen, ich nicht. Aber immerhin habe ich einen Befehl missachtet. Nun gibt es aber einen Pakt. Mit einem Ausgleich, den deine Freundin bereits für dich bezahlt hat. Spielst du mit, dann kannst du weitermachen wie bisher und ich kreuze nicht deine Wege. Und ich meinerseits mache weiter wie bisher und du kreuzt nicht meine Wege. Niemand weiß offiziell vom anderen, jeder von uns beiden schweigt. Jeder hat seinen Vorteil davon. Spielst du nicht mit, riskierst du deinen Hals, das weißt du. Lass dir den Rest von deiner Freundin erklären. Nur eins noch: Mein Anteil gilt unter der Bedingung, dass du nicht versuchst, mir in irgendeiner Weise ein Bein zu stellen. Versuchst du das doch oder spionierst du mir nach, bin ich frei, dich ans Messer zu liefern. Ist das so weit klar?
Tim nickte blass mit dem Kopf. Er war heilfroh, aus dieser schlimmen Situation herauskommen.
Hauptmann Prillwitz verschwand zwischen den Bäumen. Weder Alischa noch Tim verspürten die geringste Lust, ihm zu folgen.
Eine ganze Weile herrschte Stille.
Ob er sein Versprechen erfüllt?, fragte Alischa.
Ich glaube schon, antwortete Tim nach einer längeren Pause. Jeder, der Peridëis einmal gesehen hat, hat viel zu verlieren. Hat er dich vergewaltigt?
So war der Deal, antwortete Alischa.
War es schlimm?
Nein.
Willst du darüber reden?
Ja, ein wenig. Er ist mir nicht wirklich nahegekommen. Mir ist es ehrlich gesagt viel wichtiger, dass er seinen Teil der Abmachung einhält. Ansonsten bin ich eher wütend auf ihn. Aber weniger wegen der Vergewaltigung an sich, sondern weil er sich zwischen uns geschoben hat. Weil er es gewagt hat, mein Lebensglück anzugreifen.
Dein Lebensglück?, fragte Tim heiser. Bin ich so wichtig?
Ja. Alischa hatte Tränen in den Augen. Dann setzte sie nach: Aber wirklich nicht wegen der Vergewaltigung; bei anderen Gelegenheiten hätte ich mir hinterher den Staub abgeklopft und an Wichtigeres gedacht. Nein, ich meine das Existenzielle an seiner Drohung. Das nehme ich ihm wirklich übel.
Tim holte tief Luft. Einige Augenblicke später lächelte er plötzlich und sagte verschmitzt: Ich sehe was, was du nicht siehst.
Alischas Stimmung wurde augenblicklich besser. Wie sieht es aus?
Es ist durchsichtig und man kann es hören.
Man kann es hören? - Alischa sah sich um. Ah!, rief sie, da drüben ist ja ein richtiger Springbrunnen!
Es war ein hübscher Springquell. Ein Wasserstrahl schoss etwa eineinhalb Meter hoch aus einem Felsloch senkrecht in die Höhe, um anschließend als kleines Rinnsal in Richtung Bach abzufließen.
Komm mit, rief Tim, befreite sich von den Resten seiner Fesseln und zog Alischa, die noch nackt war, zum Springquell hin.
Was willst du tun?, fragte Alischa verwirrt.
Hast du schon einmal von der sogenannten »Frauendusche« gehört?
Nein, aber ich ahne es.
Tim lachte. Das ist ein uraltes Verhütungsmittel. Man versucht, sich nach dem Verkehr mit Wasser das Sperma aus der Scheide zu spülen. Keine wirklich sichere Methode, aber wenn man ungeschützten Verkehr hatte, ist das wohl nach wie vor besser als nichts. Die gibt es handlich mit einem Gummiball zum Pumpen und einem Duschteil zum Einführen in die Scheide. Und in groß gibt es die mit Eimer und Schlauch. Hier haben wir also eine Naturfrauendusche. Los, rauf mit dir, du wirst dich danach inwendig gesäubert fühlen.
Das war wirklich eine gute Idee. Und anschließend würde Alischa noch ein Bad im Bach nehmen. Sie schob sich vorsichtig breitbeinig über den Springquell, den Wasserstrahl zunächst mit einer Hand zurückhaltend. Doch seine Kräftigkeit stellte sich als genau richtig heraus. Alischa zog ihre Scham auseinander und ließ den Wasserstrahl genau ins Innere ihrer Scheide strömen. Sie spürte, wie dieser den letzten Winkel erreichte und gründlich säuberte. Alischa schloss die Augen, verharrte in ihrer Position und wiegte nur leicht ihr Becken, um den Wasserstrahl überallhin leiten zu können. Das Wasser floss und floss und floss.
So, jetzt reicht es aber, klang von ferne die Stimme Tims.
Alischa öffnete die Augen. Jetzt fühle ich mich gut, sagte sie. Lass uns noch ein wenig im Bach baden, ja?
Beide gingen zurück zu ihrer alten Badestelle und badeten ausgiebig.
Jetzt bin ich sauber, sagte Alischa schließlich. Plötzlich lachte sie. Ich werde nicht bei jeder kommenden Vergewaltigung so kompliziert sein. Nur diese hier war nicht völlig nach meinem Geschmack.
Andere schon?
Wenn sie so sind, wie in meinen feuchten Träumen, dann schon. Damit musst du leben.
Tim lachte. Glaub ja nicht, dass mir das egal ist, sagte er, aber ich hoffe, dass ihm dein Opfer tatsächlich den Mund verschließt, zumal er deshalb vermutlich ein schlechtes Gewissen haben wird.
Meinst du?, fragte Alischa.
Der reitet normalerweise auf Buchstaben, Paragraphen, Vorschriften und Regeln. Jetzt hat es ihn aber erwischt und er hat sich gehenlassen. Vergewaltigung! Überleg doch mal. Der hat doch völlig die Kontrolle über sich verloren. Ich nehme an, das wird ihn sehr beschäftigen. Das ist ein zusätzlicher Trumpf für uns.
Alischa fand das nicht unlogisch. Aber Sorgen machte sie sich trotzdem.
Mir fällt noch etwas ein, sagte Alischa. Ich würde ganz gerne noch einmal das Blitzen üben.
Schwierig, meinte Tim. Am Anfang braucht man zum Üben unbedingt einen sehr eindrücklichen Ort als Ziel.
Lass uns den Ort nehmen, wo ich vergewaltigt wurde, sagte Alischa ernst.
Wirklich?
Ja.
Ist das nicht ein wenig arg?
Nein!, sagte Alischa nachdrücklich, Vermeidung ist die mieseste Art, Angst zu überwinden. So aber bleibe ich kein Spielball der Ereignisse, sondern ich besetze die Erinnerung an den Ort selbst mit einer anderen Bedeutung. Los, komm! Ich bin weder eine prüde Betschwester, noch eine überempfindliche Mimose, und ich habe einer Zicke aus meiner Klasse eine gelatscht, nachdem die mich wegen Rumknutschens bei den anderen verpetzt hatte.
Sie begannen zu üben. Nach gut zehn Minuten hatten sie den ersten Erfolg. Mit grünem Feuer, Rauchwolke und Schwefelgestank. Der nächste Erfolg kam schneller und dann wurde es nach und nach immer besser.
Vielleicht sollten wir tatsächlich mal versuchen, weniger gute Orte als Ziel zu probieren, meinte Tim schließlich.
Später, sagte Alischa. Ich bin heute schon zufrieden.
Aber wir werden trotzdem sicherheitshalber noch einmal Kristalle holen. Man weiß ja nie.
Das taten sie auch. Der restliche Abend ging recht ruhig aus. Alischa genoss es, wie Tim sein Lebenselixier aus ihren Brüsten sog, verzichtete aber auf die gewohnte kleine Entspannungsübung mit dem Finger. Eng umschlungen schliefen sie ein.
Die Kreuzung
Als Alischa und Tim am Morgen erwachten, murmelte Alischa, noch mehr Genossen müssen es aber jetzt nicht sein, oder ist das hier eine verwunschene Gegend, auf der ein böser Fluch liegt?
Tim lachte. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, antwortete er. Hier muss der Übergang in der Nähe sein, über den auch ich das erste Mal hierher gekommen bin, aber ich habe noch nichts gesehen, was ich schon kenne. Wenn noch mehr von denen kommen, wissen wir es.
Schrei es nicht herbei, sagte Alischa und stopfte ihm den Mund mit ihrer Brust.
Wie kann man bloß auf sowas verzichten?, fragte Alischa, als Tim schließlich genug hatte. Ich meine, das fühlt sich mehr als angenehm an, die Innigkeit ist überhaupt nicht zu überbieten, anstrengend ist es auch nicht, es macht größere Möpse, man wird auf bequeme Weise überzählige Kalorien los, die Männer wollen sowieso ran, warum also zieren sich die Leute? Aus Moral und Anstand?
Ist Moral und Anstand denn immer gut?, fragte Tim zurück.
Offenbar nicht, knurrte Alischa.
Sie nahmen ein unanständig reichhaltiges Frühstück ein. Ein Huhn hatte bei ihnen vorbeigeschaut und extra für sie vier frisch gekochte Eier gelegt. Am Brötchenbaum hatte sich Alischa fast die Finger verbrannt, so frisch waren die Brötchen, an Obst und Gemüse fehlte es sowieso nicht, sehr anständige Kaffeefrüchte fanden sich ebenfalls, Kaffeesahne hatte Alischa selber, einzig Butter hätten sie gerne noch dazu gehabt. Alischa musste sich einfach mal zeigen lassen, wie man Butter machte oder sie sollten sich welche mitnehmen. Die Frauenbutter der Sklavenhändlerin hatte sie jedenfalls überzeugt. Vielleicht war es doch gut, wenigstens ein paar Kleinigkeiten als Reisegepäck mit sich zu führen, statt sich darauf zu verlassen, dass ihnen Peridëis immer alles von selbst anbot.
Dann machten sie sich wieder auf den Weg. Den azurblauen Pflasterweg.
Nicht sehr lange, und sie kamen an eine Kreuzung. Nach rechts ging der azurblaue Pflasterweg weiter, nach links führte ein Weg mit grauem Pflaster und geradeaus war der Weg mit gelben Steinen gepflastert. Und wie die vier Wege, so trafen sich hier auch vier Täler, alle von steilen Felsen begrenzt und alle waren so hübsch, dass man sich gar nicht hätte entscheiden können, welches man wählen sollte. Nur für Alischa und Tim war der Weg klar; sie würden dem azurblauen Pflasterweg folgen.
Diese Kreuzung kenne ich, rief Tim aufgeregt, nach links geht es zu dem Übergang, durch den ich immer gekommen bin.
Und unseren Weg hast du nie genommen?, fragte Alischa.
Nein, antwortete Tim. Aber es gibt unzählige Täler, so groß ist der Zufall also nicht. Aber ab hier kenne ich den Weg auch ohne Beschreibung.
Zur Roten Rosenstadt?
Ja genau. Das ist unser eigentliches Ziel. Du wirst dort eine Audienz bei der Peri erhalten.
Ist sie schön?
Ja, sehr sogar.
Und mächtig?
Auch das.
Und kann sie zaubern?
Ja. - Da hilft mir mein trockener Materialismus ehrlich gesagt auch nicht weiter. Die kann Dinge, die mir restlos unklar sind. Nur meine grundsätzlichen Überlegungen zu Peridëis helfen mir da.
Verschone mich damit, lachte Alischa. Halten wir fest, hier kann sie jedenfalls zaubern?
Ja.
Auch fliegen?
Das kannst du auch, wie du sehr gut weißt.
Ja ja, und den Hexensprung. Wir sollten uns übrigens neues Katzengold besorgen...
Gute Idee!
...und zauberkräftige Milch habe ich.
Und noch mehr kannst du lernen, schloss Tim ab.
Aber bin ich als Hexe dann nicht genausowas wie die Peri?
Wage es nie, die Peri so etwas zu fragen. Du bist ein Nichts gegen sie. Selbst wenn wir im Grunde nichts anderes als die Peris sind, so haben sie trotzdem die älteren Rechte und kennen vor allem einige Geheimnisse und haben Zugriff auf Dinge, die uns verschlossen bleiben. Verliere niemals den Respekt vor den Peris, auch wenn sie nicht allmächtig sind!
Ich bin ja schon leise, sagte Alischa. Ich bin eben bloß neugierig.
Huch, wer ist das?!, setzte Alischa nach und zeigte nach vorne.
Es war die ZPKK-Genossin, die Alischa sah. Diese war tatsächlich wieder am Übergang gelandet, nackt natürlich, wie immer in solchen Fällen, war aber nicht ins Diesseits zurückgekehrt. Es hatte Gründe gegeben, warum sie nach Peridëis gekommen war, und hier waren Dinge geschehen, die ihr zu denken gaben. Weil sich alles richtig anfühlte und sie sich selbst sicher fühlte, war sie geblieben. Ganz viel hatte sich richtig angefühlt, aber es hatte auch einen letzten Tropfen gegeben, der das Fass voller Gründe zum Überlaufen brachte: Sie hatte alles mit einem tiefen Glücksgefühl erlebt und der hässliche Zwerg war nur erschienen, als sie an ihr Leben draußen gedacht hatte, doch etwas hatte sie fortgerissen, vom alten Ich gerettet! Zurück am Eingang dieses Reichs hatte dieses Reich ihr noch ein Geschenk übergeben, als wäre es eine Entschuldigung – ihre Brüste, stramm und mädchenhaft, waren mit einem Mal dramatisch angeschwollen, ein peinigender und doch überaus lustvoller Schmerz pumpte die Brüste rücksichtslos und heftig auf, ließ an den Seiten blaue Adern sichtbar werden, ihre Brustwarzen, früher nur knospenhaft, drangen steif und groß nach außen, während ihre Höfe prominent nach außen quollen. Und während die ZPKK-Genossin, Gisela, keuchend vor Schmerz und Lust, fasziniert auf die eigenen Brüste starrend auf die Knie sank, geschah etwas Großartiges, das ich urweiblich anfühlte: Aus ihren Brustwarzen quollen erst einzelne Milchtröpfchen, wurden dann zu einem Rinnsal, das die Brüste hinunterlief und auf die Schenkel tropfte, bis aus den beiden Rinnsalen schließlich ein Springbrunnen wurde. Gisela erlebte einen Zustand extatischen Glücks, bei dem beide Brüste ihre Milch in zahlreichen Strahlen in die Landschaft schossen. Und wo die Milch auf den Boden traf, wuchsen augenblicks zarte Blümchen aus dem Gras empor. Nie hatte Gisela Schmerz so glücklich-lustvoll erlebt, nie war sie überhaupt so glücklich gewesen.
Da hatte Gisela, die ehemalige ZPKK-Genossin, eine endgültige Entscheidung getroffen. Sie war ja nicht dumm. Sie hatte eine ungefähre Ahnung, was hier geschah, und vor allem, was nicht geschah. Es gab gewisse Dinge, die sie selbst betrafen. Sie hatte das Gefühl, diese Dinge hier zu ihrer Zufriedenheit klären zu können. Doch diesmal auf eigenen Pfaden, nicht jemandem auf den Fersen und in dessen Fußstapfen.
Gisela geriet, und das hatte wohl mit gewissen Träumen tief in den geheimsten Winkeln ihrer Seele zu tun, sehr schnell in die Hände eines Sklavenjägers. Es war ein sehr grober, muskulös gebauter Sklavenjäger mit einem beachtlichen Penis, der außer Gisela noch eine weitere Sklavin im Schlepptau hatte, nämlich seine Sunamitin [57], die Wegverpflegung.
Alischa und Tim, die sich vorsichtshalber ins Gebüsch verdrückt hatten, sahen zu, wie der Sklavenjäger mit seinen zwei Sklavinnen vorbeizog.
Sie sieht nicht unglücklich aus, sagte Tim, die wird die Geheimnisse von Peridëis wohl nicht verraten.
Warum verraten eigentlich eure Agenten Peridëis, wenn es doch so ist, dass Peridëis »korrumpiert«, wie ihr das nennt?
Ganz einfach, die Stasi hat es in der Hand, ob sie zurückdürfen. Also versuchen die, ein doppeltes Spiel zu spielen. Aber die Stasi gleicht alles ab mit Berichten, die sie von anderen Quellen haben, reibt denen das geschickt und freundlich unter die Nase und vermittelt ihnen das Gefühl, dass sie sowieso alles wissen. Oder zumindest alles rauskriegen. Und außerdem tun sie so, als wenn sie Peridëis ganz toll fänden und lediglich forschen wollten, und abklären, ob es unbekannte Gefahrenquellen gäbe. Und noch andere Sachen in dieser Richtung. Da sie sich als Freunde von Peridëis hinstellen und Mitwisser sind, wird den eingeschleusten Leute gar nicht unbedingt klar, dass sie petzen.
Was für ein Dreckhaufen, seufzte Alischa. Haben wir das Reich der Dämonen denn bald hinter uns?
Ich glaube nicht, dass wir noch mehr von diesen Genossen begegnen, beruhigte sie Tim. Zum Einen entfernen wir uns von diesem Übergang und zum Anderen war diese Menge von Leuten aus dem Diesseits eine wirklich große Ausnahme. Glaub' es mir, ich weiß es wirklich genau. Außerdem bin ich ja auch derjenige, der vorsichtig sein muss. Und ich habe keine Bedenken mehr.
Sicher?
Sicher.
Dann wäre das eine gute Stelle, sich noch einmal neues Katzengold zu schlagen; mir schauert’s bei dem Gedanken, die letzte Strecke noch einmal laufen zu müssen, selbst wenn es eine wertvolle Erfahrung war.
Und sie schlugen sich neues Katzengold aus einem der nahen Felsen, um für den Fall des Falles ein neues Fluchtziel zu haben.
Der Sandweg
Alischa und Tim liefen den azurblauen Pflasterweg entlang. Dass hier öfter Menschen entlangzogen, merkte man daran, dass sie unterwegs einmal von einem Papageien beleidigt worden waren, der wirklich unanständige Wörter kannte. Das ging ja noch. Die Tiere in Peridëis konnten schließlich sprechen, wenn auch nur ein wenig. Aber der Papagei hatte den Bogen rausgehabt, sie gezielt zu ärgern, nicht bloß so allgemein. Alischa und Tim hatten schließlich mit Früchten, Steinen und sonstigen Dingen nach dem Papagei geschmissen. Aber nur einmal hatte Tim einen wirklichen Volltreffer gelandet, von dem der Vogel mindestens drei Meter durch die Gegend geschleudert wurde. Doch der gemeine Vogel tat so, als mache ihm das gar nichts aus. Alischa kam schließlich auf die Idee, den Vogel gezielt zurückzubeleidigen. Fernliegend war das nicht, denn der Berliner Gossenjargon hält reichhaltiges Material für solche Zwecke vorrätig, den selbst die anständigste Frauenperson schon vom Weghören her zwangsläufig im passiven Wortschatz führen muss. Nach etlichen Versuchen stellte sich heraus, dass der Papagei besonders wegen der Farben seiner Federn sehr empfindlich zu sein schien. Siehe da. Daraufhin rief Alischa den Spruch: Grün und blau - putzt die Sau! und kicherte boshaft.
Das wirkte wie ein Zauberspruch! Der Papagei blieb zurück. Leiser werdend hörten Alischa und Tim immer wieder den Spruch »Grün und blau - putzt die Sau!«, aber die Stimme kam nicht mehr näher.
Endlich sind wir den los, sagte Alischa.
Es sieht so aus, als hätten wir dem auch eine neue Beleidigung beigebracht.
Wenn’s aber hilft?
Tim lachte. Bei jeder Waffe, die man schafft, muss man stets bedenken, dass sie auch gegen einen selbst gerichtet werden kann. Oder nicht?
Nie, niemals, wirklich niemals würde ich grüne und blaue Anziehsachen kombinieren. Alischa schüttelte sich.
Ein Sandweg zweigte nach rechts in ein anderes Tal ab.
Schon immer wollte ich diesen Sandweg gehen, sagte Tim. Er soll nach einigen Tagen wieder auf den azurblauen Pflasterweg stoßen, ist aber etwas länger, wie man mir erzählt hat. Und er soll auch keine Seitenverzweigungen haben, sodass man sich nicht verirren könnte. Der azurblaue Pflasterweg hat auf den nächsten Wegtagen nicht viel zu bieten, außer dass er eben hübsch ist. Wie immer. Wollen wir nicht einfach einen kleinen Abstecher den Sandweg entlang tun?
Weißt du, was uns dort erwartet?
Keine Ahnung, wie gesagt, ich bin ihn noch nie gegangen und mir hat auch noch keiner davon erzählt.
Und der azurblaue Pflasterweg hat wirklich nicht viel zu bieten in den nächsten Tagen?
Langweilig, wie ein schönes Aktfoto.
Wie ein schönes Aktfoto?! - Was ist das für ein blöder Vergleich?
Es ist eben hübsch, sagte Tim, aber nichts darüber hinaus. Letztlich ist es genau der Sinn eines Aktfotos, nicht wirklich interessant zu sein. Sobald es interessant würde, wäre es kein Aktfoto mehr.
Alischa lachte laut. Lass uns den Sandweg gehen. Du hast mich überzeugt.
Ich habe noch eine Idee, sagte Tim, hättest du nicht Lust, einmal vorzulaufen und ich folge dir ein oder zwei Stunden später?
Warum denn?
Wir haben es noch nie gemacht, außer ganz am Anfang. Du würdest Dinge aus deiner ganz eigenen Welt zu sehen bekommen. Ohne dass sie einen Kompromiss mit Dingen aus meiner ganz eigenen Welt eingehen müssten.
Alleine? Hm.
Ich bin ja hinter dir. Wenn du mich ab einer bestimmten Stelle wieder dabei haben willst, bleibst du einfach stehen und wartest auf mich. Egal wie oft, egal wie nichtig der Anlass ist. Wir haben eine Menge Zeit zur Verfügung, um Interessantes damit anzufangen.
Abgemacht, sagte Alischa. Dieses Stück Sicherheit reicht mir. Ich lasse dich jetzt hier, mein Beschützer, und du folgst wie versprochen nach einer Stunde.
Ein oder zwei Stunden.
Eine.
Ein oder zwei Stunden.
Na gut.
Nach einem Abschiedstrunk (Alischa bestand darauf) machte sich Alischa wohlgemut alleine auf den Weg. Den Sandweg. Sie hatte an sich überhaupt keine Bedenken. Doch man kann ja nie wissen, oder? Restlos überzeugt hatte sie deshalb erst der Gedanke, dass ein zu kleiner Abstand die wahre Würze des Abenteuers verderben könnte.
Der Sandweg schlängelte sich zunächst durch ein enges Tal, das manchmal sogar regelrecht dunkel wurde, so eng war es. Und manchmal musste Alischa über den kleinen Bach hüpfen, der auch dieses Tal durchfloss. Der Sandweg führte jedes Mal mitten durch den Bach. Brücken gab es hier nicht. Nicht einmal Steine, die jemand in den Bach gelegt hatte. Wozu auch, wenn man barfuß lief.
An einer Stelle waren die hohen steilen Felshänge hunderte Meter lang über und über mit einem tief-violetten Blütenmeer überzogen, das betörend duftete. Dort gab es unglaubliche Mengen von bunten Schmetterlingen, die sich Nektar aus den Blüten holten. Alischa musste sich regelrecht durch das Gewimmel von Schmetterlingen wühlen, um ihren Weg fortsetzen zu können.
Als die Blütenfelsen endeten, weitete sich das Tal zu einer kleinen Ebene und der Bach teilte sich. Der eine Teil floss direkt am Felsen entlang links um die kleine Ebene herum, und der andere Teil floss am Felsen rechts um die kleine Ebene herum. Die Ebene selbst war eine einzige große Wiese mit saftigem hohem Gras und vielen Blumen darin. Und mitten in dem fast kreisrunden Tal stand ein Turm aus Stein. Alischa musste geradezu zu diesem Turm hin, denn der Sandweg führte genau in diese Richtung.
Was mochte in diesem Turm sein?
Alischa ging weiter. Auf ihrem Weg zum Turm stöberte sie einen Hasen auf, der Reißaus nahm, und ein winziges Pferd, das sich streicheln ließ. Es war kaum einen halben Meter hoch, sah aber ausgesprochen hübsch aus, wie Alischa fand.
Als Alischa sich dem Turm auf vielleicht zweihundert Meter genähert hatte, hörte sie auf einmal eine Frau singen. Erst dachte sie, dass sie sich geirrt hätte, aber als sie innehielt, war es ganz eindeutig: da sang eine Frau. Alischa betrachtete den Turm. Ein seltsamer Turm, denn unten war keine Tür zu erkennen und das einzige Fenster war ganz oben. Ob die Tür auf der anderen Seite war? Was mochte das nur für ein Turm sein? Alischa dachte an Verderben bringende Sirenen. Oder eine Hexe. Nein. Sie würde sich nicht ohne genaue Erkundung weiter nähern.
Vorsichtig zog Alischa einen weiten Kreis um den Turm und versuchte, den Turm so zu beobachten, wie es Tim vielleicht getan hätte. Das hohe Gras machte ihr die Sache einfach.
Jetzt war kein Singen mehr zu hören. Auf der anderen Seite des Turms war auch keine Tür zu sehen. Und oben kein weiteres Fenster.
Alischa vollendete den Kreis, bis sie wieder dort angekommen war, wo sie ihren Kreis begonnen hatte.
Sollte sie sich dem Turm weiter nähern?
Keinen Schreck kriegen!, klang hinter ihr eine Stimme.
Alischa pinkelte sich vor Schreck fast ein und drehte sich um.
Es war Tim.
Ich hab mir vor Schreck fast eingepinkelt!
Entschuldigung, das wollte ich nicht. Aber schlimm wäre das nun wieder auch nicht.
Wieso?, fragte Alischa empört.
Weil du keinen Schlüpfer anhast.
Jetzt lachte Alischa. Sie war ja froh, dass Tim da war. Und wie hätte er sich auch anders bemerkbar machen sollen?
Wer mag in dem Turm sein?, fragte sie Tim, ich traue mich nicht näher heran.
Lass uns doch nachgucken.
Und wenn das was Gefährliches ist? Der Turm ist seltsam! Unten ist gar keine Tür drin und oben nur ein einziges Fenster. Und ich habe eine Frau singen gehört.
Dann hast du doch schon eine Menge herausbekommen. Mehr erfahren wir nur, wenn wir hingehen.
Geh du vor.
Komm doch mit!
Nein, geh du vor.
Aber was soll den da sein?
Eine Frau.
Na und?
Wer weiß, wer das ist!
Tim stöhnte. Ich gehe ja schon, sagte er. Und er ging los. Aufrecht, ohne die geringste Vorsicht.
Typisch Mann, dachte Alischa. Immer müssen die aufs Ganze gehen. Andererseits war es praktisch, dass es Männer gab, die das für einen übernehmen konnten. Sie folgte Tim in einem vorsichtigen Abstand und gut im hohen Gras verborgen.
Jetzt war Tim unten am Turm angekommen. Alischa blieb im Gras versteckt.
Auf einmal war wieder der Gesang der Frau zu hören.
Tim entfernte sich wieder einige Meter vom Turm, schützte seine Augen mit der flachen Hand gegen die genau über ihnen am Himmel stehende Sonne und sah nach oben. Auf einmal lachte er.
Wieso lachte er?
Tim kam zu Alischa zurück. Da oben ist Rapunzel, sagte er.
Alischa war verblüfft. Rapunzel? Ehrlich? Wie kommst du darauf?
Schau doch hoch!
Alischa lief zu der Stelle, an der Tim zuvor gestanden hatte, schützte ihre Augen mit der flachen Hand gegen die genau über ihnen am Himmel stehende Sonne und sah nach oben. Da lachte Alischa ebenfalls.
Tatsächlich! Dort oben stand eine blonde Schönheit von Frau, sang, kämmte ihr unglaublich langes Haar und flocht sich dabei einen unglaublich langen Zopf. Alles stimmte. Die einsame Gegend, der Turm ohne Tür, die blonde schöne Frau mit dem unglaublich langen Haar...
Da fragte Tim: Soll ich rufen? Du weißt doch: »Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter!«
Unterstehe dich!, antwortete Alischa.
Aber warum nicht? Dann wissen wir es genau.
Wir wissen es auch so genau, sagte Alischa finster. Aber wenn sie ihr Haar runterwirft, kletterst du rauf und wirst die da oben statt mich beglücken, und am Ende kommt die Hexe und schmeißt dich vom Turm. Die Variante ohne Ärger mit der Hexe wäre, dass du mich hier im Gras vögelst und Rapunzel muss zuschauen. Und außerdem: Warum nagelt die dumme Trine den Zopf nicht innen ans Fensterkreuz und klettert selber runter?
Tim lachte: Aber dazu müsste sie ja unten ihren Zopf abschneiden.
Zugegeben. Das wird sie nicht tun, sagte Alischa, bei Weibern rangiert Schönheit vor dem Zweck.
Du willst sie wirklich oben im Turm sitzen lassen?!
Der Preis ist mir zu hoch. Außerdem wird jemand Anderes die heiße Kartoffel aus dem Feuer holen, weil die Geschichte sich ja erfüllen muss. Statt dir kommt ein anderer Retter, wird mit Rapunzel herumrapunzeln, erwischt werden, die Augen ausgepiekt bekommen und so weiter.
Bist du da sicher?
Ganz sicher. Du jedenfalls wirst es nicht sein, und wenn ich Rapunzel die Haare einzeln ausrupfe.
Na, hör mal, sie kann ja nichts dafür.
Das macht nichts.
Ich gebe mich geschlagen. Wollen wir weitergehen?
Ja.
Von oben tönte noch immer Gesang.
Sie hat uns gar nicht bemerkt, sagte Alischa, als sie sich bereits vom Turm entfernten. Du musst also kein schlechtes Gewissen haben. Nichts hat sich geändert.
Sag mal, fragte Tim, dass bei Frauen Schönheit vor dem Zweck rangiert, meintest du das ernst?
Ein wenig schon. Fällt dir das nicht selber auf?
Schon, zumindest im Vergleich zu den Männern.
Es gibt doch nur die Männer als Vergleich, warf Alischa ein.
Nicht ganz, antwortete Tim. Es gibt ja auch Schwule und Lesben und sicher auch Abstufungen dazwischen.
Zugegeben, ja. Aber doch nicht in der großen Masse, und das ist doch, was zählt, wenn es um das Normale geht, um das große Vorbild.
Ich habe mich immer gefragt, ob das Schmücken und Putzen bei den Frauen ein Ergebnis äußerer Umstände ist, sagte Tim, also Erziehung, Gesellschaft, Mode und so weiter.
Glaube ich ganz und gar nicht, sagte Alischa. Gut, zu einem Teil immer, natürlich. Aber hauptsächlich halte ich das für einen inneren Drang, den man als Frau und Mädchen einfach hat. Von Anfang an. Egal, wie die Erziehung aussieht. Ausnahmen bestätigen die Regel. Mir selber hat es richtig Spaß gemacht und ich habe das auch ständig bei meinen Freundinnen gesehen, dass sie sich schick machen wollten, während es Jungs irgendwie schnurzegal ist, was du ihnen anziehst. Oder dass wir Mädchen von uns aus Rollenspiele mit Puppen machten oder auch untereinander, während die Jungs eher rumtobten und auf Abenteuer machten. Und später auch. Ist dir mal aufgefallen, dass Männer im Grunde nie tiefe Ausschnitte haben?
Tim lachte. Ja, aber das ist doch normal. Frauen haben eben Brüste.
Eben, sagte Alischa. Aber Frauen wollen sie nicht bloß haben, sondern auch vorzeigen, das ist der eigentliche Punkt. Männer haben Knackärsche, aber suchen Männer ihre Klamotten danach aus, dass ihr Knackarsch gut präsentiert wird?
Nein.
Ist auch so. Männer suchen ihre Klamotten eher nach Zweckmäßigkeit aus, oder um irgendeinen Status oder eine Zugehörigkeit zu zeigen. Aber nicht wie Frauen nach Schönheit. Eher im Gegenteil – es darf sogar scheußlich aussehen.
Und Muskeln?
Fällt unter Status.
Hm. Und Brüstezeigen fällt nicht unter Status?
Also Männerangeln ist Männerangeln. Aber gut, Frauen gegenüber ist es definitiv Status. Andere ausstechen, besser aussehen oder umgekehrt andere niederhalten. Oder graue Maus sein und um Himmels willen nicht auffallen, solange andere Frauen hingucken. Sorgsam mit BH die Norm einhalten, bloß keine Brustwarzen durchgucken lassen. Darauf reagieren andere Frauen echt allergisch und du wirst angezickt. Gerade unattraktive Frauen oder nicht ganz taufrische passen höllisch auf, dass du ja nicht zu viel körperliche Reize zeigst. Kein Wunder: Frauen mit Sexappeal kriegen mit etwas Augenklappern oder Brüstewackeln von den Männern Sachen, die Frauen ohne Sexappeal nicht so einfach kriegen. Merke dir: Nichts hassen Frauen ohne Sexappeal mehr, als Frauen mit Sexappeal. Daher die Forderung nach züchtiger Kleidung und züchtigem Verhalten, nach Normierung, nach Beseitigung allzu reizvoller Dinge.
Jetzt hast du mich aber beeindruckt, brummte Tim. Hast du das jemals einem anderen Mann gesagt?
Nie.
Warum habe ich das nie mitgekriegt?
Das läuft an euch Männern vorbei. Und nach vorne hin wird sowieso der Schein der Nettigkeit gewahrt. Getreten wird von hinten und gern mit dem Vorwand, es nur gut zu meinen. Wenn du in eine Frauen-Intrige gerätst, frag immer Frauen um Hilfe; als Mann wirst du da nicht durchblicken.
Ich habe mal gelesen, dass ein Mann, der glaubt, eine Eroberung gemacht zu haben, gar nicht so selten eher an einer lange ausgeworfenen Angel dieser Frau zappelt.
Immer, lachte Alischa, immer!
Am Ende der Ebene, als die Felsen sich wieder zu einem schmalen Tal verengten und die beiden Teilbäche sich erneut zu einem einzigen Bach vereinigten, schaute Alischa noch einmal zurück. Weit hinter ihnen ragte der Turm in die Höhe.
Weißt du, druckste Alischa, ich hätte jetzt gerne einen Zuneigungsbeweis - und wenn du mich schon nicht nehmen darfst, würdest du ... hier ... wo der Turm noch zu sehen ist ...
Tim ließ sich zu Boden fallen: Alischa, Alischa, lass deine Brüste herunter!
Kichernd ließ sich Alischa neben Tim zu Boden fallen, mit Blickrichtung zum Turm, und hielt Tim ihre Brust an den Mund.
Zwei oder drei Weilchen später glitt ihre Hand in ihren Schoß. Erst etwas verhalten spielend, etwas später ab und zu ins Feuchte gleitend, doch schließlich den Spalt auseinanderziehend und mit dem Mittelfinger vibrierend. Bis die Wonnewelle kam.
Und immer mit Blick in die Richtung, wo die singende schöne Frau mit dem langen Haar war. Alischa hatte diesen wunderbaren Mann an ihrer Brust. Sie. Sie würde beißen, damit es so blieb. Mit der Aussicht, ihn irgendwann ganz zu kriegen. Für immer und mit seinem Samen tief in ihrem Schoß.
Weiter auf dem Sandweg
Weiter ging es auf dem Sandweg, der sie durch das Seitental führte. Hier im Tal fand sich wieder reichlich Essen und, Zufall oder nicht, sogar Rapunzeln. Nicht dass Alischa oder Tim jemals gewusst hätten, wie Rapunzeln aussahen, aber als sie davor standen, wussten sie es beide plötzlich. Alischa fand die Rapunzeln gar nicht so übel.
Und Tim fand noch etwas. Es war ein Baum mit runden Früchten, etwa fingerlang und -dick, die eine Hälfte bananengelb und die andere Hälfte satt-orange. Tim pflückte eine der Früchte und zeigte sie Alischa.
Was ist das für eine Frucht?, fragte Alischa. Dann kam ihr eine Erinnerung. Sag mal ... das ist doch nicht eine dieser Früchte, die du mir ganz am Anfang vor-, nein eingeführt hattest? Die so gemein angeschwollen ist, als sie in mir drin war?
Ja, genau, antwortete Tim. Aber diese hier ist eine spezielle Züchtung für den Alltag. Wenn du sie anwärmst, wird sie ungefähr so lang und dick wie eine Banane. Nicht mehr! Sie wird auch viel weniger schlüpfrig als diese andere Sorte. Dafür summt sie sehr stark.
Und ist diese Frucht ebenfalls für...
Ja, die Frauen nehmen sie, um sich ohne großen Aufwand bequem zwischendurch entspannen zu können. Du hältst sie dir im einfachsten Fall an eine interessante Stelle und wartest, bis es dir kommt. Die Pflanze findest du fast in jedem zweiten Garten, weil sie so nützlich ist.
Stille. Etwa fünf Sekunden lang.
Ich glaube, es ist an der Zeit, dass du wieder etwas Milch bekommst, sagte Alischa.
Ich glaube, es ist gar nicht so lange her, dass ich das letzte Mal welche gekommen habe, lautete die Antwort.
Ich glaube, hier solltest du sicherheitshalber etwas mehr trinken. Der Anblick anderer Frauen, du weißt schon...
So schön fand ich die auch wieder nicht. Außerdem war sie sehr weit weg, da oben auf ihrem Turm.
Bitte, bitte.
Wollen wir nicht lieber noch etwas laufen?
Ich zerfließe! Du hast mit dem Thema angefangen!
Du Miststück, fluchte Tim lachend, ließ die Frucht fallen und legte Alischa rücklings auf den Boden. Dann nahm er die Frucht wieder auf und ließ sich neben Alischa nieder: Bleib auf dem Rücken liegen und zieh den Rock hoch!
Alischa zog den Rock hoch.
Öffne die Beine.
Alischa öffnete ihre Schenkel sehr weit.
Du bist tatsächlich ganz nass. - Tim nahm die Frucht und schob sie behutsam ganz tief in Alischas nasse Scheide.
Die wird wirklich nicht so groß?
Die nicht. Aber sie reagiert erst, wenn sie Körperwärme spürt. Danach kannst du sie wieder rausnehmen. - Doch jetzt hielt Tim Alischas Scheide mit einem kräftigen Griff an ihren Schamlippen zu. Das war gar nicht so einfach, was bei Erregung aber nicht gerade als schlechtes Zeichen gilt.
Alischa kicherte auf einmal los. - Es fängt an zu kitzeln!
Das Kitzeln wurde stärker und ging in ein Vibrieren über, ein sehr angenehmes volles Vibrieren. Alischa spürte, wie sich die Frucht auszudehnen begann und auch in die Länge wuchs.
Wird die auch wirklich nicht größer?
Wirklich nur, wie ich es gesagt hatte.
Tim spürte, wie die Frucht nach außen drückte, und ließ Alischas Schamlippen los. Die Frucht aber hielt er mit sanftem Druck in Alischas Schoß fest. Sie drang aus Alischas Schoß heraus, wurde dabei dicker und ihr Summen wurde immer kräftiger. Schließlich zog Tim die Frucht aus Alischas Scheide heraus. Sie war jetzt vielleicht 30 Zentimeter lang, also durchaus länger als eine Banane, und auch dicker. Und abgesehen davon, dass die Frucht jetzt stark vibrierte, sah sie jetzt auch ausgesprochen hübsch aus.
Tim führte Alischas rechte Hand zur Frucht. – Das Weitere kannst du besser als ich, flüsterte er ihr ins Ohr. Außerdem will ich jetzt meine Belohnung. Aber beeile dich nicht. Wenn du zu schnell kommst, trinke ich rücksichtslos weiter, bis ich dich vollständig leergesaugt habe.
Alischa lächelte kurz; sie war bereits zu erregt für mehr. Sie nahm die Frucht in die Hand und heraus und hielt sie vorsichtig an jene Stelle in ihren Schoß, die sich bei Erregung herausdrückte, um in Empfang nehmen zu können, was sie begehrte.
Tim drehte sich währenddessen auf den Bauch, den Kopf über Alischas Oberkörper, was nicht anders ging, weil Alischa auf dem Rücken lag. Danach umgriff Tim mit beiden Händen kräftig eine von Alischas Brüsten und zog sie sich in den Mund. Alischa stöhnte wohlig auf. Sie mochte diesen Augenblick, in dem sein Mund ihre Brustspitze warm umschloss.
Als Alischa spürte, wie ihre Milch floss, gab sie sich dem Gefühl hin, das die vibrierende Wunderfrucht in ihrem Schoß bewirkte. Mal ließ sie die Frucht tief in ihre Höhle hineingleiten, ganz tief, mal drückte sie die vibrierende Frucht an die vordere Wand in ihrer Scheide, wo sie schon vor längerer Zeit einmal eine interessante Stelle gefunden hatte, mal zog sie die Frucht rhythmisch heraus und herein, um das Aufdehnen der Scheide zu genießen. Aber schließlich zog sie die Frucht ganz heraus, um sie außen an ihre Knospe zu halten. Seitlich, mal links mal rechts, mal von oben, mal von unten drücken. Die Frucht variierte ihr Summen auf interessante Weise, mal pulsend, mal gleichmäßig summend.
Alischas Atmen wurde heftiger. Das Saugen Tims an ihrer Brust verstärkte das Gefühl. Die Hand Tims, die auf ihrer freien Brust gelegen hatte, griff jetzt nach deren Brustwarze und begann, diese erst zu streicheln, dann zu zwirbeln. Noch etwas später fassten seine Finger hinter die Brustwarze in den Hof und begannen, die Brust mit langsamen Bewegungen auszumelken. Einfach so. Die Milch spritzte in weiten Strahlen aus der Brust heraus, nutzlos, nur um das Gefühl vom Ausmelken zu haben. Und den Anblick. Alischa stöhnte laut auf. Jedes auswringende Ziehen der Hand an ihrer Brustwarze sog sie ihrem Höhepunkt ein wenig mehr entgegen. Jedes Loslassen ließ sie wieder ein wenig zurückkehren. Das nächste Spritzen ihrer Brust holte sie dafür aber noch weiter nach vorne, um anschließend einen kleinen Schritt zurückzugleiten ... Nur nichts ändern, hoffte Alischa, ja nichts ändern. Mach weiter so, mach weiter so, mach weiter so... Tim molk nachdrücklich und stetig, auf eine ganz gleichförmige Weise. Endlich schwappte es über, von der Schoßknospe ausgehend und sich wie eine warme Flüssigkeit durch den ganzen Körper ausbreitend. - Hhhhhaaaaaaaa, wand sich Alischa aufstöhnend. Sie kam mit der so typischen tiefen Erfüllung, die sie in diesem schönen Land nahezu immer beim Höhepunkt hatte, diese tiefe Woge, die ihren ganzen Körper erfasste.
Mitten darin vernahm sie von Tim ein Seufzen, und einen Augenblick später spürte Alischa etwas Warmes, Nasses ihren Oberschenkel hinunterrinnen.
Hast du dich ergossen?, fragte Alischa in einer Mischung aus Schreck und Freude.
Ja, antwortete Tim, dessen Atem seine Erregung verriet.
Alischa griff mit der Hand schnell nach dem Samen, der ihren Oberschenkel herunterrann, fing ihn so gut wie möglich auf und drückte ihn in ihre Scheide hinein.
Du bist nicht schuld, flüsterte Alischa zu Tim.
Die Frucht summte im Gras noch immer vor sich hin.
Tim atmete heftig.
Alischa atmete heftig.
Einige Zeit verging.
Zumindest habe ich den Bogen doch noch nicht heraus, wie man den Samenausstoß unterdrückt, sagte Tim schließlich. Oder ich wollte irgendwo tief im Hinterkopf nicht. Aber außerdem habe ich auch nicht dagegen angearbeitet, dass sich meine Erregung verstärkt. Oder war nachlässig dabei.
Alischa tröstete ihn: Mönche halten sich nicht umsonst von Frauen fern. Du riechst meine Erregung bestimmt, da staune ich schon, dass du das überhaupt so aushältst. Andere Männer hätten mich hier in Peridëis vermutlich längst vergewaltigt, und ich heize dich noch dazu ja außerdem ständig an, wenn ich ehrlich sein soll. Ich glaube, die Peris werden das bestimmt beachten, sonst wären sie ja grausam ungerecht.
Im Schlaf ist mir das inzwischen schon öfter passiert, überlegte Tim laut.
Mit Samenerguss?
Ja. Und getrocknetes Sperma ohne Erinnerung an einen entsprechenden Traum. Hoffen wir also auf den Gerechtigkeitssinn der Peris, seufzte Tim. Immerhin fühle ich mich stark erleichtert.
Schön!, sagte Alischa, freute sich ehrlich und gab Tim einen Kuss auf die Stirn.
Tim hob die noch immer vibrierende Frucht auf. Die brauchen wir jetzt nicht mehr, oder?
Ich bin den Umständen entsprechend befriedigt.
???
Weil ich schon wieder könnte, was hier aber der Normalzustand ist.
Tim lachte und warf die Frucht im hohen Bogen in die Sträucher. - Ich frage mich, warum hier so ein Baum wächst, sagte er. Immerhin ist das eine Züchtung. Soweit ich weiß.
Hm. Rapunzel kann definitiv nicht heimlich von ihrem Turm runter und wieder rauf, bleibt also nur die Hexe.
Aber was will die damit?
Wollen wir warten, um es zu erfahren?
Nein.
Dann lass uns weiterziehen.
Und weiter ging es auf dem Sandweg.
Noch weiter auf dem Sandweg
Die Nacht verbrachten Alischa und Tim in einer Höhle, die etwas erhöht an einem Knick des Tals lag. Aus der Höhle heraus hatten sie über die Bäume hinweg einen schönen Blick in beide Richtungen des Tals. Praktischerweise floss auf Höhe der Höhle ein kleiner Bach in einer Felsrinne vorbei, der sich etwas von ihnen entfernt in den Bach unten ergießen mochte. Alischa nutzte die Gelegenheit zu einem ausgiebigen Abendbad. Wenn sie sich flach hinlegte, konnte sie komplett eintauchen. Tim schaute ihr beim Baden zu. Und da Alischa zu faul war, aus dem Bach herauszusteigen, nahm sie ihr Abendbrot auf dem Bauch im Bach liegend ein, während Tim vor ihr auf dem Felsen saß.
In der Nacht sah Alischa, dass die Höhle tiefer hinten genauso grün phosphoreszierte, wie in den unterirdischen Gängen, die sie zum Schlagen von Katzengold aufgesucht hatten. Aber sie suchten kein neues Katzengold, wozu auch.
Als Alischa am nächsten Morgen aufwachte, saß Tim längst beim Frühstück. Guten Morgen!, sagte er. Ich habe eine kleine Sehenswürdigkeit entdeckt.
Ist hier nicht alles eine Sehenswürdigkeit?, fragte Alischa zurück, die sich dabei streckte und gähnte.
Du bist eine verwöhnte Göre. Ich werde schweigen.
Ooooooch, sagte Alischa, der wichtigste Trieb der Frau ist die Neugier!
Nach dem Redetrieb?
Nein, davor kommen noch Schuhe. Sagst du es mir jetzt? Ich warne dich, mir stockt die Milch und sie wird sauer und flockt aus.
Komm mit! Du wirst staunen!
Tim stieg in den Bach, der in einer Felsrinne über den Ausgang ihrer Felshöhle hinweg vorbeifloss. Er ging in Fließrichtung voran und winkte Alischa, ihm zu folgen. Die Felsrinne führte wie eine Gebirgsstraße direkt am Felsen entlang. Auf der einen Seite ging es steil aufwärts, auf der anderen Seite steil abwärts. Da die Rinne breit genug war, kam man dem Abgrund nicht zu nahe. Es mochten zwar nur zwanzig Meter in die Tiefe gehen, aber man stelle sich zur Probe vor einen zwanzig Meter tiefen Abgrund und schaue hinunter. Das ist nicht wenig. Doch wie gesagt, die Wasserrinne war breit genug, sodass Alischa und Tim unangenehme Blicke nach unten erspart blieben. Es ließ sich bequem laufen im Bach, und der große Gewinn war, dass man einen schönen Blick ins Tal hatte. Doch der Bachspaziergang war nur kurz. Bereits nach etwa hundert Metern machte der Bach eine Rechtsbiegung in eine Felsspalte hinein. Als Alischa hinter Tim in die Felsspalte eingebogen war, blieb sie mit offenem Mund stehen.
Zunächst floss der Bach innerhalb der Felsspalte auf ein kleines Felsplateau mit einem großen Wasserbecken. Die Felsspalte und damit das Felsplateau in ihr mochte vielleicht zehn oder fünfzehn Meter Durchmesser haben. An zahlreichen Stellen wuchsen Pflanzen. Hier endete der Bach. Vielmehr: Er floss den Felsen hinauf. Hinauf! Und nicht nur das. Der Bach floss nicht gerade, sondern unregelmäßig, mal nach rechts, mal nach links, wie sich das für einen ordentlichen Bach gehört. Nur eben aufwärts. Wohin der Bach floss, war nicht auszumachen.
Siehst du, was ich sehe?, fragte Alischa.
Der Bach fließt den Felsen hoch, sagte Tim.
Alischa lachte. Und davon abgesehen?
Fließt er nach oben.
Aber warum?
Keine Ahnung, antwortete Tim. Ich habe so etwas noch nie gehört, was aber nichts zu sagen hat. Ich habe mir noch nie die Frage gestellt, wohin all diese Bäche in Peridëis fließen, die einen ständig begleiten. Die Stadt, zu der wir ziehen, liegt an einem einen großen See, und in diesen See fließen viele Bäche. Aber das ist keine Erklärung, denn selbst aus diesem See muss all das Wasser ja irgendwohin fließen. Ist dir aufgefallen, dass es in Peridëis fast nie regnet?
Ich habe überhaupt noch keinen Regen erlebt. Du hast mir bloß mal erzählt, dass es, wenn überhaupt, nur kurz vor Sonnenaufgang regnet.
Genau, sagte Tim. Am besten zieht man sich dann nackt aus, damit die Sachen nicht nass werden. In den meisten Gegenden ist der Regen so selten, dass keiner wirklich Vorkehrungen dafür trifft. Trotzdem blüht und gedeiht alles und fast jedes Tal hat seinen eigenen Bach. Was folgt daraus?
?!?!
Irgendwie muss das Wasser nach oben kommen, wenn es nach unten fließen soll. Es muss also Stellen geben, wo das passiert.
Und das wäre hier so eine Stelle...
Staunend trat Alischa an den bergauf fließenden Bach heran. Es gab zu ihren Füßen einen leichten gleichmäßigen Sog, mehr nicht. Alischa fasste mit ihrer Hand ins bergauf fließende Wasser hinein. Es fühlte sich nicht anders an, als in einem normalen Bach, in dem Wasser fließt. Das Wasser mochte hier einen knappen halben Meter tief sein.
Was wäre, wenn man sich hier an der Felswand ganz ins Wasser hineinlegen würde?, fragte Alischa laut. So, dass nur der Kopf rausguckt, wie beim Schwimmen?
Habe ich mir auch überlegt. Das wäre eine großartige Gelegenheit, endlich mal zu sehen, was ganz oben auf den hohen Felsen ist. Das wollte ich schon immer mal wissen. Aber lass uns erst mal frühstücken, einverstanden?
Einverstanden.
Alischa und Tim gingen zur Höhle zurück und frühstückten ausgiebig.
Dann sagte Tim: Wir sollten unsere Anziehsachen hier in der Höhle lassen, wenn wir schon im Bach baden gehen.
Gesagt, getan, und schon waren beide wieder im Wasserbecken, von dem aus der Bach den Felsen hinauffloss.
Wie kämen wir wieder runter?, überlegte Alischa, die ihren Kopf reckte, um dem Bachverlauf den Felsen aufwärts zu verfolgen.
Tim riss von den umstehenden Pflanzen einen Ast ab und hielt diesen in den bergauf fließenden Wasserstrom.
Die Strömung ist nicht stark, sagte er, dagegen könnte man spielend anarbeiten. Eher scheint es so zu sein, als käme die Schwerkraft einfach von der Seite, und der Bach fließt wie bisher. Schau doch mal hin, er fließt ja nicht einmal schneller.
Das stimmte. Der Bach floss ruhig.
Weißt du was, sagte Tim, ich mache mal einen Versuch.
Tim stieg tiefer ins Wasserbecken hinein, das immerhin einen halben Meter tief war. Er ging zu der Stelle, wo das Wasser aufwärts floss und klemmte dort seine Beine, so gut es ging, seitlich im Felsen ein. Er suchte mit seinen Händen Halt im Felsen und drückte schließlich seinen Körper flach in den aufwärts fließenden Bach.
Es ist ein ganz seltsames Gefühl, sagte Tim. Ich muss mich kaum festhalten und der Bach zieht mich nur mäßig. Im Grunde ist es nicht anders, als wenn ich mich unten in den Bach lege. Und mir kommt es plötzlich vor, als wenn du waagerecht stehst und das Tal falsch herum ist. Eine ganz seltsame Erfahrung. So muss es Weltraumfahrern gehen. Los, probiere es mal!
Tim hielt Alischa an der Hand, was sie ungemein beruhigte, und sie schob sich vorsichtig in den aufrecht fließenden Bach.
Huch! - Die Welt kippte. Ihr Bach floss nicht mehr falsch herum, sondern so wie er sollte. Doch die Talsohle stand quer und über sich hatten sie ein Dach aus Felsen. Nicht nur das: die Sonne kam von vorne. Alischa kicherte wie wildgeworden.
Das ist ja wie auf dem Rummel!, rief Alischa. Ob das so bleibt, wenn wir uns im Bach treiben lassen?
Warte, sagte Tim. Ich will erst einen Versuch machen.
Tim setzte sich aufrecht in den felsauf fließenden Bach und stand langsam und vorsichtig auf.
Au Backe, sagte er. So kippt die Welt wieder zurück und es zieht mich heraus.
Tim setzte sich wieder ganz ins Wasser. Dann schob er sich sitzend etwa zwei Meter in Fließrichtung weiter. Jetzt mochte er drei bis vier Meter von dem Punkt entfernt sein, wo das Wasser seine Fließrichtung geändert hatte (was oben und unten ist, lässt sich im Moment ja nur sehr umständlich sagen). Erneut erhob sich Tim sehr langsam und vorsichtig aus dem Wasser.
Hier kippt die Welt erst etwas weiter vom Felsen entfernt, sagte er, als er noch gebückt im Bach stand, den Kopf vielleicht einen halben Meter über der Wasseroberfläche. Wir müssen also im Wasser bleiben, wenn wir diesen Ausflug machen wollen. Tim demonstrierte das, indem er eine Handvoll Wasser nach oben warf. Das Wasser machte ab einer bestimmten Stelle einen rechtwinkligen Bogen. Was oben war, fiel den natürlichen Weg ins Wasserbecken zurück, was darunter war, fiel aber in den senkrecht fließenden Bach.
Wäre es gefährlich, den Bach hochzuschwimmen?, fragte Alischa.
Nein, antwortete Tim. Da ist genug Sicherheitsabstand. Aber selbst bei einem echten Sturz wäre das egal. Hast du mal in einem Zeichentrickfilm gesehen, wie jemand von einem hohen Baum knallt, Aua ruft, bloß eine Beule hat, sich schüttelt und anschließend weiterrennt?
Ja, lachte Alischa.
Genauso läuft das hier, sagte Tim. Beim Absturz fliegst du los und beschleunigst ab einer bestimmten Geschwindigkeit nicht mehr weiter. Der Aufprall ist, als wenn du vom Tisch springst, nicht mehr.
Also ein Meter?
Vielleicht. Ungefähr. Nur als Beispiel.
Hm. Egal, wie hoch man ist?
Egal.
Auch bei hundert Metern Höhe?
Auch bei hundert Metern. Du musst bloß aufpassen, dass du nicht unterwegs irgendwo gegenknallst, sonst gibt es unnötiges Aua. Bei großer Dussligkeit auch mehrfach unnötiges Aua. Aber mehr nicht.
Dann lass es uns versuchen. Selbst wenn wir es nur mal ausprobieren und wieder umkehren.
Alischa schwamm bachabwärts los. Oder bergauf, ganz wie man will. Das ging recht flott, weil der Bach hier tief genug war, obwohl die Füße auf den Boden stießen. Aber die Strömung half mit, und so musste sich Alischa nur ab und zu vom Boden abstoßen. Tim folgte ihr. Denk dran, nicht aufrichten!, rief er. Bin ja nicht blöd, rief sie zurück.
Sie ließen sich ohne Hast vorwärtstreiben und nach ein paar Minuten nutzten sie eine strömungsfreie Mulde für eine Orientierungspause. Tim und Alischa saßen sich jetzt wie in einer Badewanne gegenüber und nach wie vor ragten nur ihre Köpfe aus dem Wasser. Über ihnen der gegenüberliegende Felsen als Dach, linkerhand die Talsohle mit all ihren Bäumen und Sträuchern und dem Weg, rechterhand der blaue Himmel und die Sonne.
Keine Höhenangst, stellte Alischa fest.
Dabei sind wir schon ziemlich hoch oben!, antwortete Tim.
Hast du eine Ahnung, wie hoch die Felsen sind?
Keine Ahnung. Unterschiedlich Es gibt Erzählungen, dass da oben noch andere Welten sein sollen, aber ich weiß nicht, was davon stimmt. Es soll Hochebenen geben, in die sich kaum jemand verirrt.
Und weiter ging es. Mal nahm das aufwärts fließende Bächlein seinen Weg etwas nach links, mal etwas nach rechts, aber immer stetig aufwärts. Doch dann passierte etwas.
Alischa kreischte auf und fiel plötzlich in ein Loch, was wieder schwer zu erklären ist. Von unten betrachtet, müsste man sagen, die senkrechte Felsspalte endete und der Bach ergoss sich in einen horizontalen unterirdischen Gang. Doch von Alischas Sicht aus betrachtet war da im Bachbett ein Loch, das Wasser stürzte in das Loch und Alischa war mitgestürzt.
Tim war durch Alischas Schrei gewarnt worden und gab acht, dass er sich gut festhielt. Er klemmte seine Beine so im Bachbett fest, dass er nicht in das Loch hineingezogen werden konnte. Der Sog war kräftig hier, kein Wunder, dass Alischa in das Loch gerutscht war.
Jetzt löste sich am Fuß Tims ein Stein, danach noch einer. Tim hielt sich mit aller Kraft fest, was nicht einfach war, weil sein Körper nicht zu weit aus dem Bachbett auftauchen durfte. Da krachte es gewaltig und ein großer Gesteinsbrocken löste sich und stürzte in das Loch.
Alischa, aufpassen!, rief Tim.
Es krachte, es polterte.
Doch der Felsbrocken fiel nicht in das Loch hinein, weil er dafür zu groß war, sondern verklemmte sich gleich vorne. Kein Problem für das Wasser, aber ein Problem für Tim, der gehörig fluchte. Das verbleibende Loch war nämlich weder für ihn noch für Alischa groß genug, um hindurchzugelangen. Was nun?
Kannst du mich hören?, rief Tim in das verbleibende Loch hinein.
Ja!, tönte es halbwegs gut hörbar zurück, obwohl das Murmeln und Rauschen des Wassers nicht gerade leise war.
Wie geht es dir?
Alles in Ordnung! Ich habe mich nur einmal an der Seite gestoßen. Ein paar Steine sind mir hinterhergefallen, haben aber nichts weiter angerichtet. Ich bin in einer kleinen Höhle in ein Wasserbecken gefallen und von dort aus gleich weiter in einer Art Wasserfall nach oben. Ich bin im Freien, ganz oben. Hier ist eine Wiese. Höher geht’s nicht mehr.
Alischa, rief Tim, warte, ich verstehe dich, aber es ist ziemlich anstrengend. Ich habe eine Idee: Schau doch mal vorsichtig nach, ob ganz in der Nähe des Brunnens die Wiese zu Ende ist und es zum Tal runtergeht. Von da aus höre ich dich wahrscheinlich besser. Aber pass auf, dass du nicht herunterfällst.
Mache ich!, tönte es aus dem Gang heraus.
Tim wartete ab. Wenige Augenblicke später tönte Alischas Stimme klar verständlich von oben. Nicht mehr aus dem Wasserloch heraus und gar nicht weit entfernt. Sie war also wirklich oben auf dem Felsen und es gab dort eine Ebene.
Haaaaaallo! Hörst du mich?
Ja!
So ließ es sich besser unterhalten.
Ich verstehe dich jetzt viel besser, sagte Tim und du brauchst nicht einmal schreien.
Hier ist eine große Wiese, berichtete Alischa von oben. Auf der Wiese steht ein Brunnen und aus dem bin ich herausgefallen. Das Wasser strömt über den Brunnenrand wie aus einer Quelle. Ab da ist es ein ganz normaler kleiner Bach, der über die Wiese weiterfließt. Wie steht’s bei dir?
Der Gang, durch den das Wasser fließt, ist jetzt leider durch einen Stein versperrt, antwortete Tim. Deshalb kann ich hier nicht mehr hochkommen und du nicht mehr runter. Wir müssen einen anderen Weg finden, um dich wieder ins Tal runter zu kriegen. Hast du spontan eine Idee? Siehst du etwas, das helfen könnte?
Ich kann mich ja umschauen, antwortete Alischa. Hier steht ein richtiger aus Steinen gebauter Brunnen und der Rand dieser Hochebene ist durch einen einfachen Holzzaun markiert, hier muss also jemand sein. Vielleicht kennt der einen Weg. Oder es findet sich ein Seil oder so etwas. Außerdem bin ich jetzt neugierig. Soll ich mich erst einmal umsehen und später berichten?
Mach das! Wenn du gar nichts findest, kann ich ja das Katzengold holen. Notfalls schicke ich dir das Kleid samt Katzengold mit dem Wasserstrom hoch.
Ach, lass uns das nur als letzten Ausweg nehmen, es wäre schade, wenn sich das Kleid verklemmt, tönte Alischa von oben. Willst du hier warten?
Nein, so lange will ich nun doch nicht im Wasser bleiben. Unsere Höhle ist ja nicht weit weg von hier. Ich gehe zurück zu unseren Sachen ins Trockene und warte dort. Sag mal, du kannst doch richtig laut auf zwei Fingern pfeifen?
Kann ich, sagte Alischa.
Ich kann es nicht ganz so gut, aber es reicht. Also wenn du einmal pfeifst, dann komme ich ohne Sachen, bei zweimal mit Sachen. Genügt uns das?
Ja. Und du antwortest genauso oft? Ich muss doch wissen, ob du es gehört hast!
Mache ich.
In Ordnung. Ich gehe jetzt los, in Ordnung?.
Viel Erfolg!
Tim schwamm gegen den Strom zurück zu ihrer Höhle. Sehr schwierig war das nicht, weil er überall Stellen im Bachbett fand, an denen er sich mit den Füßen abstoßen konnte und die Strömung nur mäßig war. Nach überraschend kurzer Zeit war er wieder in der Höhle, wo sie übernachtet hatten.
Gammeln kann auch mal ganz schön sein, dachte Tim, legte sich am Höhlenausgang auf den Rücken und döste.
Alischa war währenddessen zum Brunnen zurückgegangen und sah sich um. Ein ganz anderes Land war das hier oben! Es war recht warm, aber nicht übermäßig. Wie groß die Ebene war, konnte Alischa nicht einschätzen. Links von ihr grenzte ein grob gefertigter Holzzaun die Ebene vom Abgrund ab, auf allen anderen Seiten war nichts als Grasland mit einzeln stehenden Bäumen. Wo sollte sie hingehen? - Am besten am Bach entlang. So konnte sie bei Bedarf am einfachsten zurückfinden, würde immer Wasser zum Trinken haben und außerdem würde alles Essbare am ehesten in der Nähe eines Bachs zu finden sein. Und andere Menschen würden ebenfalls in der Nähe von Wasser und Essen zu finden sein.
Wer hier oben wohnen mochte?
Alischa machte sich auf den Weg.
Sie war noch gar nicht lange gelaufen, da sah sie hinter einem sanften Hügel einen Backofen. Er stand mitten auf der Wiese etwas abseits vom Bach.
Neugierig trat Alischa an den Backofen heran. Es waren Brötchen darin. Alischa nahm eins der Brötchen heraus und kostete. Es schmeckte grausig. Salz fehlte völlig. Mindestens das. Angeekelt spuckte Alischa das Brötchen aus.
Plötzlich hörte Alischa zahlreiche piepsige Stimmen aus dem Backofen:
»Ach bitte, zieh uns auch raus, zieh uns auch raus, sonst verbrennen wir! Wir bin schon längst fertig gebacken.«
Fast hätte Alischa aus Versehen ein Stück Brötchen verschluckt.
Igitt!, rief Alischa, es ist gerade recht, dass ihr zu Holzkohle verbrennt, damit man kein Holz verschwenden muss, um bessere Brötchen zu backen!
Und ging weiter.
An noch einem sanften Hügel ging Alischa vorbei, da sah sie einen Baum, daran hingen Apfelsinen. Alischa wollte eine der Apfelsinen kosten, bekam aber die Schale nicht ab. Als sie schon zwei Fingernägel abgebrochen hatte (kleiner Hinweis: sie wuchsen schnell wieder nach), biss sie ein Stück Schale mit den Zähnen ab. Es schmeckte widerlich und die Fasern der Apfelsine hingen in ihren Zahnlücken fest, aber die Apfelsine war immer noch nicht von ihrer Schale zu befreien. Da riss Alischa mit den Zähnen an der übrigen Schale, erreichte aber nur, dass die Apfelsine sich in zwei Hälften Schale mit Fruchtfleisch teilte. Um den Geschmack der Schale loszuwerden, biss Alischa verzweifelt ins Fruchtfleisch. Dabei verhedderte sie sich mit den Zähnen hoffnungslos in der zähen trockenen Fruchthaut, welche die einzelnen Segmente umhüllte. Und als sie endlich Fruchtfleisch im Inneren ihres Munds hatte, war der Genuss durch zahlreiche Kerne arg getrübt, die sie nacheinander ausspuckte. Immerhin schmeckte der Saft nicht gar so übel.
Wie gut, dass sie nackt war, anderenfalls hätte sie ihr schönes Kleid völlig bekleckert gehabt.
Alischa sprang zur Reinigung in den Bach, da eine Handwäsche zu aufwendig gewesen wäre, und polkte sich mühsam die zäheren Fruchtfasern aus den Zähnen und vergaß nicht, den Mund auszuspülen.
Da hörte sie aus dem Baum erneut zarte Stimmchen:
»Ach bitte, schüttle den Baum, schüttle den Baum! Wir Apfelsinen sind alle miteinander reif.«
Nee!, sagte Alischa. Mache ich nicht! Endlich weiß ich, wo diese elenden Konsum-Apfelsinen herkommen. Verdorren sollt ihr, damit bessere Apfelsinen besorgt werden müssen!
Und ging weiter.
An noch einem Hügel ging Alischa vorbei, da sah sie ein Feld voller Weißkohl.
Ich will’s gar nicht wissen!, schrie Alischa entsetzt und rannte davon, ohne irgendetwas gekostet zu haben. Aber es nutzte nichts. Sie roch den Weißkohleintopf von Kantinen und Schulessen, schmeckte ihn (mit zähem Fleisch, das wegmusste, und Kümmel), oder Schichtkohl, oder Schmorkraut, oder Kohlroulade, oder Weißkohl mit Blutwurst. Alischa sah vor ihrem inneren Auge Weißkohl-Sättigungsbeilagen in Gaststätten, die sowieso keiner anrührte und die deshalb auf gesonderten Tischen zusammen mit Rotkohl- und Mohrrüben-Sättigungsbeilagen zum Angucken herumstanden. Nur selten verirrten sich Gäste dorthin, um sich etwas zu nehmen. Aber dass es Weißkohl im Paradies gab, war arg.
Alischa!, rief sich Alischa zur Ordnung, du bist nicht die Einzige im Paradies. Vielleicht mögen andere Leute dieses Zeug, vielleicht kann man es ja besser zubereiten, vielleicht war es zu Hause auch einfach zu viel des Guten.
Trotzdem!, dachte Alischa. Alle Dinge sind Gift, allein die Dosis macht’s.
Der Kohl schwieg. Das Schweigen machte einen etwas beleidigten Eindruck auf Alischa, aber immerhin.
Alischa zwang sich, nicht zurückzusehen. Bitte Bitte, dachte sie, jetzt nicht noch einen durchsichtigen Plastiksack mit muffig riechenden, gelaugten, vorgeschälten Kartoffeln! Oder Zwickauer Bier trinken müssen, Sterbehilfe genannt, naturtrüb, schaumgebremst und geschmacksneutral.
Aber offenbar hatte sie alle Prüfungen überstanden.
Endlich kam Alischa zu einem kleinen Haus, und dort floss der Bach hin. Hinter dem kleinen Haus mochte der Bach den Felsen hinunterstürzen, aber das war nicht zu erkennen. Zu erkennen war nur, dass das Haus genau am Rand der Hochebene stand und eine Seite ins Tal hinabschauen musste. Aus dem kleinen Haus heraus aber guckte eine Frau mittleren Alters. Weil die aber so adrett und makellos aussah, dass ein Dresdener Tanzstundenlehrer in Ohnmacht gefallen wäre, bekam Alischa das Gruseln.
Was fürchtest du dich, meine Liebe?, fragte die Frau. Bleib bei mir, wenn du das Haus ordentlich hältst, so soll dir’s gut gehen. Du musst nur achtgeben, dass du gut putzt und den Kehricht fleißig aus dem Fenster schüttest, dann regnet es in der Welt; ich bin die Frau Holle.
Aber ich brauche doch einen Mann, der mir die Milch aus den Brüsten saugt, probierte Alischa.
Du melkst deine Brüste aus dem Fenster, antwortete Frau Holle, spritz nur ordentlich viel heraus aus deinen Brüsten, dann schneit es in der Welt.
Weil es in Peridëis nach Alischas Kenntnis noch nie geschneit hatte, wurde sie neugierig, willigte ein und begab sich in ihren Dienst.
Als Alischa aber ins Haus eintrat, bekam sie einen rechten Schreck und beschloss, nicht eine Stunde länger als nötig zu bleiben. Mit viel gutem Willen hätte Frau Holles Haus als steril bezeichnet werden können, und es war nichts darin, was nicht einen Zweck hatte. Einzig Reinigungsmittel waren ein erkennbares Laster von Frau Holle und darin herrschte ein wahres Durcheinander. Was ist hier der Maßstab für »ordentlich«?, dachte Alischa. Und: Würde sie mit Gold überschüttet, so bekäme sie auch nur arge Beulen davon, und in Peridëis würde sie mit Gold überdies gar nichts anfangen können.
Zaghaft wandte Alischa ein: Ich kann aber nicht kochen, nur Nudeln mit Tomatensoße, Tütensuppen und überbackenes Toastbrot.
Macht nichts, meine Liebe, sagte Frau Holle, dann bleibt die Küche sauber.
Da sagte Alischa: Ich habe auch meine Wäsche immer nur zu meiner Mutter gebracht, weil die eine Waschmaschine hat.
Macht nichts, meine Liebe, wäschst du etwas mehr, dann lernst du es schneller.
Ich habe auch nur mit dem Staubsauger das Nötigste weggesaugt, wandte Alischa verzweifelt ein.
Du wirst eben lernen, auf den Knien die Stube zu wischen, sagte Frau Holle freundlich. Nackt wie du bist, wirst du ja nicht einmal dein Kleidchen dabei beschmutzen.
Alischa trat seufzend ihren Dienst bei Frau Holle an.
Schlecht, dachte Alischa bei sich, als sie mit Putzen anfing. Hier gibt es nicht einmal Staub, den ich unter den Teppich kehren könnte. Deshalb regnete es hier wohl so wenig. Ich muss sehen, dass mich Frau Holle von selbst so schnell wie möglich wieder rausschmeißt. Wenn das Märchen stimmt, müsste ich auf diese Weise ja wieder aus dieser Welt wegkommen.
Alischa griff sich ein Tischtuch samt allem, was darauf stand und schüttelte es am Fenster aus.
Aua!, hörte es Alischa von unten. Verblüfft schaute sie aus dem Fenster.
Wer schmeißt da Sachen runter?, hörte sie eine ihr wohlbekannte Stimme.
Es war Tim.
Alischa rief eine Entschuldigung und setzte die Frage nach, ob es nicht geregnet hätte.
Krempel ja, Wasser nein, klang Tims Stimme zu ihr hinauf.
Und jetzt? - Alischa kam eine Idee. Nach Kräften molk sie ihre Brüste durchs offene Fenster aus. Sei es wegen der nicht geringen Zwangspause, sei es wegen besonderer Umstände, aus Alischas Brüsten spritzten jedenfalls unglaubliche Schauer von Milch, die durch die Größe ihrer Brüste und überhaupt ihres Körpers nicht mehr erklärbar waren.
Es schneit! - Es schneit!! - Es schneit!!! - Hier fällt eine unglaubliche Menge Schnee!, war Tim von unten zu hören.
Alischa wollte nicht für einen Klimawandel in Peridëis verantwortlich sein, rief Tim zu, wo sie war und fragte um Rat.
Gibt es oben ein Tor, das vielleicht nach unten führt?, rief Tim zu ihr hoch.
Ich schau nach!, rief Alischa zurück.
Zum Glück war Frau Holle gerade aus dem Haus (vielleicht war sie ja Kohl ernten), sodass sich Alischa in Ruhe umschauen konnte. Und siehe! - Da war tatsächlich ein großes Tor, und das Tor war mit einer großen Holztür versperrt. Dahinter war ein Rauschen wie von Wasser zu vernehmen. Die Holztür ließ sich öffnen. Alischa tat vorsichtig einen Schritt hinein und blickte sich um. Vor ihr war eine Holzluke; die mochte geeignet sein, Gold oder Pech hinabzuschütten. Aber die Luke war im Moment versperrt. Alischa ging noch einen Schritt weiter.
Es war ein Plumsklo. Wirklich. Dahinter stürzte der Bach in ein Felsloch hinein.
Alischa lief zum Fenster zurück und berichtete Tim, was sie gesehen hatte.
Tim rief, dass der Bach tatsächlich zu seinen Füßen aus dem Felsen sprudelte.
Ob sie es riskieren sollte?
Nein!, rief Tim, lass den Blödsinn lieber, ich habe eine bessere Idee - spring einfach aus dem Fenster, hier liegt meterhoch Schnee!
Alischa glaubte Tim durchaus, dass das in Peridëis ungefährlich war, insbesondere wenn meterhoch Schnee lag. Aber Glauben und Wissen sind bekanntlich zweierlei und so rief Alischa zurück: Aber wir wissen doch gar nicht, ob es zwischendurch Hindernisse gibt!
Schmeiß noch mehr Sachen aus dem Fenster!, rief Tim zurück.
Alischa schmiss einen Eimer, einen Stuhl und einen Tontopf nacheinander aus dem Fenster.
Alles unbeschädigt angekommen!, rief Tim von unten.
Hm. Das war ein Argument.
Alischa drehte sich noch einmal um. Da hörte sie, dass Frau Holle wieder zurückgekommen war.
Sterben ist schöner, als putzende Eiskönigin in Peridëis zu sein, dachte Alischa (freilich ohne ans Sterben zu glauben) und sprang aus dem Fenster.
Sie flog ... sie sank ... und sank ... genau in die Arme Tims, der mit ihr allerdings tief in einer Schneewehe versackte.
Tja, sagte Tim, als Alischa ihm alles erzählt hatte. Ob das Paradies solche Ort als Kontrast braucht? Damit einem wieder bewusst wird, wie schön man es hat? Denk doch mal an die Prinzessin auf der Erbse oder die Geschichte vom Fischer und seiner Frau. Oder an diesen Witz vom Milliardär, der pleite geht, nur noch eine Million hat und sich deshalb erschießt. Oder frag umgekehrt einen armen verhungerten Kerl in irgendeinem Trockengebiet südlich vom Roten Meer, was er über Kohlsuppe denkt.
Aua, sagte Alischa und wurde nachdenklich. - Wird der Mensch je zufrieden sein?
Manchmal bezweifle ich es, antwortete Tim.
Alischa sah sich um. Weißt du, sagte sie, bei dieser traumhaften Natur hier muss ich trotz Schnee gerade an den Flug über Algerien denken. Wie gut haben wir es da mit unseren ollen gewohnten Wiesen und Wäldern zu Hause.
Ohne Skorpione, zwinkerte Tim.
Ohne Skorpione, lachte Alischa. Lass uns noch etwas laufen, weg von hier. Wir haben noch viel Tag übrig.
Bitte, sagte Tim, hier hast du dein Kleid zurück.
Wieso ist mir gar nicht kalt?, fragte Alischa, zog aber das Kleid an. Und obwohl ihre Brüste frech aus dem Kleid heraushingen, fand sie sich mit Kleid viel schicker als ohne. Schönes muss sein, dachte Alischa etwas ketzerisch und hatte durchaus Verständnis dafür, dass arme Bauern in anderen Ländern die prachtvollsten Kirchen errichteten halfen. So ist der Mensch eben.
Sie schlugen sich mehrere Hundert Meter durch tiefen Schnee, bis der Frühling und schließlich der Sommer sie wieder hatte. Dann ging es weiter auf dem Sandweg, der das Tal durchzog. Pausen konnte man machen, wenn man etwas Land gewonnen hatte.
Die Rote Rosenstadt
Oh!, entfuhr es Tim, als der Sandweg wieder auf den azurblauen Pflasterweg stieß. Ihr Seitental kurz davor zu einer schmalen Schlucht geworden und war so unauffällig auf das Tal mit dem azurblauen Pflasterweg gestoßen, dass man es von hier aus wohl nie ohne Hilfe gefunden hätte. Aber das lag bereits hinter ihnen.
Warum oh?, fragte Alischa.
Oh, weil wir ganz kurz vor dem Ziel sind, antwortete Tim.
An der Roten Rosenstadt?
An der Roten Rosenstadt!
Jetzt kriege ich Lampenfieber. Was muss ich dort machen? Immerhin werde ich einer echten Peri gegenüberstehen.
Immerhin bist du eine echte Hexe, vergiss das nicht. Der Unterschied zwischen Peri und Hexe ist nur eine Definitionsfrage, wenn meine Theorie stimmt.
Du mit deiner Theorie. Und was, wenn sie nicht stimmt?
Ist das auch kein Beinbruch. Sei, wie du bist, und alles ist gut. Sie will dich offiziell willkommen heißen, und vielleicht hat sie sogar schon eine Aufgabe für dich.
Eine Aufgabe?
Die Peris brauchen uns. Frische Ideen und Träume sind neue Nahrung für Peridëis. Außerdem können oder wollen die Peris einige Dinge nicht selbst erledigen. Der Pakt ist, dass wir ab und zu etwas für sie tun, und dafür steht uns im Gegenzug das ganze große Paradies offen. Oder fast das ganze. Das ist ein guter Tausch. Auch dass deine Träume Gestalt bekommen, ist für beide Seiten ein Gewinn.
Ich bin etwas beruhigt. Trotzdem klopft mir das Herz bis zum Hals. Du sage mal...
Ja?
Halte mich jetzt nicht für ... für ... für pervers, aber es würde mich sehr beruhigen, wenn wir noch mal ... also jetzt ... du trinkst, hältst mich dabei etwas fest, und ich ...
Natürlich!
Tim zog sie etwas abseits zu einer schönen Sandstelle am Bach und Alischa fand tatsächlich etwas Beruhigung durch die körperliche Nähe Tims, der an ihr saugte, während sie sich zurückgelehnt mit dem Finger entspannte. Dieses sinnliche Fühlen beruhigte Alischa stärker, als jedes noch so überzeugende Zureden. Als sie hinterher aber noch ein Picknick vorschlug, winkte Tim ab. Nein, sagte er, schlag dir den Bauch in der Stadt voll, sonst bereust du es. Und heb dir deine Milch ab jetzt unbedingt zum Bezahlen auf.
Jetzt war Alischa begeistert und freute sich auf die Stadt.
Sie liefen nur noch etwa zehn bis fünfzehn Minuten auf dem azurblauen Pflasterweg, da kam tatsächlich die Rote Rosenstadt in Sicht. Das Tal weitete sich gewaltig, der Bach teilte sich und so stand die Rote Rosenstadt mitten im Tal, von einer zwei bis drei Meter hohen Stadtmauer umschlossen und vom Bach umflossen. Auf der anderen Seite der Stadt war aber ein riesengroßer See zu sehen, an dessen Ufer die Rote Rosenstadt gebaut worden war. Das Wort »Stadt« war auch hier vielleicht ein wenig übertrieben, aber die Häuser standen eben nicht einzeln wie bei einem Dorf, sondern dicht aneinandergebaut, wie es sich für eine Stadt gebührt. Der azurblaue Pflasterweg führte geradewegs über eine hölzerne Brücke durch ein Tor in die Rote Rosenstadt hinein. Die Stadtmauer war etwas Besonderes, denn sie glänzte wie aus Gold, und mit Ausnahme einer Art Burg am Seeufer in der Mitte der Stadt waren nahezu sämtliche Gebäude über und über mit Rosen berankt. Und rote Rosen blühten überall.
Deshalb Rote Rosenstadt, rief Alischa staunend. Es sieht kein bisschen kitschig aus. Ist die Stadtmauer aus Gold gebaut?
Nein, antwortete Tim. Aus Katzengold. Da klettert keiner drüber, weil die Einwohner ja eine abergläubische Angst vor der Magie des Katzengolds haben.
Aber werden die Einwohner nicht misstrauisch, wenn die das Katzengold sehen?
Oh nein. Es gilt stets: »Die Peri hat recht«. Aber sie fassen das Katzengold deshalb trotzdem nicht an.
Alischa und Tim schritten über die Brücke in die Stadt hinein. Die ganze Stadt war ein einziger Markt, ganz ähnlich wie sie es schon im kleinen Städtchen unterwegs kennengelernt hatten. Es war schwierig, vorwärts zu kommen, weil die Anzahl der Händlerinnen (meist waren es Frauen) jene der potentiellen Kunden überstieg. Tim wehrte lachend die Händlerinnen ab, schaffte Alischa halbwegs Bahn und schrie ihr ins Ohr: Lass uns eine Taverne suchen, wo wir halbwegs unsere Ruhe haben!
Alischa war mehr als einverstanden, weil sie Hunger hatte.
An der nächsten Ecke fand sich eine Taverne, die einen gemütlichen Eindruck machte, zumal sie ein wenig auf einem Hügel lag und man daher aus den Fenstern auf die Stadt schauen konnte. Die holzvergitterten Fenster boten einen Schutz gegen die vielen Händlerinnen und die resolute Wirtin trug mit einer Peitsche ihren Teil dazu bei, dass Alischa und Tim hier ungestört blieben.
Liebe Güte!, lachte Alischa, hier sitzt die Peitsche ja locker.
Willst du auch eine hinten drauf?
Nein! Ich habe Hunger!
Als sie einen guten Platz gefunden hatten, sagte Tim zur Wirtin: Koste zunächst ihre Milch, bevor du uns dein Angebot machst!
Die Wirtin griff mit der linken Hand nach Alischas Brust und spritzte sich einige Tropfen Milch auf den Daumennagel ihrer rechten Hand. Sie sog mit der Nase den Duft der Milch ein, stieß einen anerkennenden Pfiff aus und leckte anschließend die Milchtöpfchen von ihrem Daumennagel ab.
Mein bestes Zimmer bei voller Verpflegung für eine Woche dafür, dass ich sie einmal komplett leermelke!
Übertreibe es nicht, lachte Tim, du bist ganz schön habgierig.
Ich führe das beste Haus hier!, protestierte die Wirtin. Und tat geheimnisvoll: Heute habe ich Bratschnecken. Eine Delikatesse! Und an den anderen Tagen gibt’s nicht weniger gutes Essen!
Eine Brust!, rief Alischa und spielte das Spiel mit.
Tim sah Alischa mit lachenden Augen an, sagte aber laut zur Wirtin. Ui ui ui, das würde ich mir aber schnell überlegen, sie hat heute noch größere Einkäufe vor.
Gemacht, sagte die Wirtin. Das Geschäft gilt. Aber nur unter der Bedingung, dass du deine Milch nicht in unmittelbarer Umgebung meiner Taverne verkaufst. Ist das in Ordnung?
In Ordnung, antwortete Alischa.
Warum?, fragte Alischa, als die Wirtin verschwunden war, um ihnen das Essen zu holen.
Na warum wohl. Die wird deine Milch zum -zigfachen Preis hier in der Taverne verhökern.
Da kam schon die Wirtin zurück: Euer Essen ist in ein paar Minuten fertig! - Und zu Tim gewandt fragte sie halblaut: Sag mal, Büttel, hast du etwa wochenlang die Milch dieses Mädchens frisch aus der Brust gekriegt?
Ja, lächelte Tim.
Ich werd wahnsinnig!, rief die Wirtin und schlug die Hände zusammen. Du musst ja im Dunklen leuchten inzwischen. Sag Bescheid, wenn du wieder ficken darfst. Wenn ich als erste deinen Saft in die Lenden bekomme, kriegst du ein Jahr lang umsonst Mittagessen bei mir! Die Wirtin lief, ohne die Antwort abzuwarten, aufgeregt nach draußen, vermutlich um es allen Leuten zu erzählen.
Hat die Wirtin ebenfalls erraten, dass ich Hexe bin?, fragte Alischa.
In dieser Stadt ist das kein Problem, sagte Tim. Wegen der Peri tauchen hier oft Besucher auf. Wobei die Leute natürlich trotzdem einen Heidenrespekt vor uns haben.
Man merkt es, kommentierte Alischa und zeigte mit dem Finger nach draußen. Guck mal, wie die Leute tuscheln. Aber wie soll ich denn jemals meine Milch verkaufen, wenn die Leute das immer gleich merken?
Angenommen, sagte Tim, du bist Händlerin, kein Zeuge weit und breit, ein verdächtig aussehender Kerl bezahlt zehn Brötchen mit drei dicken Goldmünzen und der Kerl will auch kein Wechselgeld zurück. Und du weißt, dass gerade ein Bankraub stattgefunden hatte oder so etwas.Würdest du das Gold nehmen?
Hm. Schwierig. Hätte der den Bankraub gerade vor meinen Augen gemacht?
Nein, du weißt nur, dass er ein Bankräuber sein könnte und dass das Geld deshalb zwielichtiger Herkunft sein könnte.
Darauf gäbe es zwei Antworten, eine offizielle und eine heimliche.
Sag mir nur die heimliche, grinste Tim.
Ich glaube, ich würde schwach werden. Wenn es keiner weiß...
Genau so ist es mit dir und deiner Milch: Der Käufer kriegt von dir die denkbar kostbarste Milch im Gegenwert zu nahezu gar nichts. Niemand weiß es. Das ist wichtig. Und du hast ja auch keine Magie verübt, an der er hätte sehen müssen, dass du eine Hexe bist. Sollte doch mal etwas schiefgehen, na dann denke an das Städtchen neulich. Man haut ab. Auf einfache Weise oder schlimmstenfalls wirst du herausgerissen. Abgesehen von den deinen Fluchtmöglichkeiten hätten alle Einwohner Angst, dass du sie verzaubern könntest oder so. Deshalb wird sich der Eifer in erträglichen Grenzen halten. Meist. Mach dir also keine Gedanken darum. Alles unter der Voraussetzung, dass du nicht bewusst die allseits bekannte Hexe sein willst, verehrt und gefürchtet, aber glaub mir, das ist auf die Dauer nervend.
Vor dem Gitterfenster, dass sie von der Straße trennte, wurde es plötzlich laut. Beide schauten neugierig nach draußen. Ein Streit bahnte sich dort an:
Eine Frau fuhr gerade einen Mann mit einem grünen Hut an: Schämst du dich nicht, deine Frau doch tatsächlich den Einkauf tragen lassen? Ihr Korb mit dem Einkauf ist doch bestimmt fast so schwer wie ein Eimer Wasser. Die Arme!
Eine andere Frau mischt sich ein: Kann man da nichts dagegen tun?
Der Mann mit dem grünen Hut verteidigte sich mit einem Sprichwort: Wenn die Frau zu stolz ist, auf Frauenart zu leben, soll es ihr erlaubt sein, auf Männerart ihren Unterhalt verdienen.
Was ist denn mit ihr?, wandte ein anderer Mann ein. Darauf antwortete der Mann mit dem grünen Hut: Sie zickt. Seit die Nachbarin eine Halskette mit einem blauen Edelstein hat, liegt sie mir in den Ohren, dass ich ihr auch eine besorgen soll. Aber ich müsste weit laufen, um die zu bekommen. Wochen! Und jetzt stockt ihr die Milch, so sehr hat sie sich da hineingesteigert. Nun fehlt mir die Kraft zum Arbeiten. Da muss sie also mit ran, was hilft’s.
Darauf antworte noch ein anderer Mann wieder mit einem Sprichwort: Eine Frau, die man melkt, muss man auch füttern. Warum verschaffst du ihr die Halskette mit dem blauen Edelstein nicht einfach? Schon das feste Versprechen, dass sie kriegt, was sie will, wird ihr die Brüste wieder füllen, zumal sie dir auch noch Vorrat für den Weg verschaffen muss. Wenn sie’s doch wirklich will, warum versuchst du’s nicht auf diese Weise?
Die Frau melkt man und nicht den Mann, knurrte der Mann mit dem grünen Hut zurück, aber ich werd’s mir durch den Kopf gehen lassen.
Und zog mit seiner Frau davon, ohne ihr den Einkauf abgenommen zu haben.
Alischa lachte. So läuft der Laden also! Ich wette, die setzt sich durch mit ihrem Edelstein.
Tim knurrte: Ist das im Diesseits anders?
Ooooch, tröstete ihn Alischa, solange die Männer nicht wegrennen, kann’s nicht so arg sein und der Vorteil muss überwiegen.
An sich schon, gab Tim zu, aber interessant wäre es, zu erfahren, was das ganz konkret ist. Dieser Vorteil.
Der Sex, den die Frau ihm bietet?
Aber wenn sie ihn damit hinhält?
Dann die Aussicht auf eventuellen Sex?
Jetzt wird’s plausibler.
Ich hab mal gelesen, sagte Alischa, dass alle Tierarten mit langer Partnerschaft auch eine dauerhafte Sexualität haben. Nicht nur periodisch. Man geht davon aus, dass der Sex der eigentliche Beziehungsklebstoff zwischen den Partnern ist, dass also die Sexualität nicht nur der Vermehrung dient, wie man früher immer gedacht hat. Die gehen sogar noch weiter. Angeblich wäre der Orgasmus bei der Frau theoretisch völlig unnötig und hätte nur dafür einen nachvollziehbaren Sinn, dass er die Frau zu mehr Sex als nötig motivieren soll. Also um den Mann dazu zu bringen, nach der Befruchtung nicht wegzurennen, sondern sie zu beschützen und zu versorgen. Um ihn an sich zu binden.
Aber, wandte Tim ein, ist das nicht eine Sichtweise von Anno Tobak?
Alischa zuckte die Achseln: Was heißt Sichtweise? Von staatlicher Sozialfürsorge kann die Evolution schlecht ausgehen. Den Trieb gibt’s schon lange und überall, Sozialsysteme aber erst seit ein paar Jahren und nicht überall. Da dürfte ein Mann, der seine Frau stark begehrt, in der Summe gesehen das verlässlichere Sozialsystem sein. Guck dich doch mal in der Welt um, wie elend es in vielen Ländern zugeht.
Ist das irgendeine abgefahrene Hinterhoftheorie oder Stand der Wissenschaft?
Stand der Wissenschaft. Ich hatte zu dem Thema mal ein Schul-Referat. Mein Vater ist Arzt und hatte mir richtig gutes Material dazu beschafft. Note 1, du musst mich als kompetent zu diesem Thema betrachten.
Tim gab noch nicht auf. - Aber trotzdem, sagte er, auch wenn es Tendenzen gibt und Spezialisierungen, die bei Mann und Frau verschieden sind, es ist doch nicht einzusehen, warum diese Bindung nötig sein soll.
Weil Frauen Kinder kriegen, außer in Peridëis, du Schlafmütze. Männer aber nicht. Mit dickem Bauch rennt sich’s schlecht, und mit einem Kind an der Brust ebenfalls. Weder vorm Löwen weg, noch zum potentiellen Braten hin. Und so weiter.
Ich Depp, rief Tim und griff sich an den Kopf. Aber angenommen, beide hätten Milch. Das wäre doch denkbar.
Bliebe trotzdem die Schwangerschaft.
Angenommen, die Frau würde Eier legen, da könnten beide abwechselnd brüten.
Auch diesem Fall wäre der Partner zu binden. Der brütende Vogel braucht Futter und hinterher sind die Jungvögel zu schützen.
Stimmt.
Aber gäbe es nicht trotzdem noch andere Möglichkeiten, den Partner zu binden?
Wozu?
Bitte?
Wozu? Wozu andere Möglichkeiten, wenn da eine ist, die gut funktioniert? Nimm’s mir nicht übel, aber so schlecht ist der Tausch nicht, bloß die Beine breitzumachen, und ganz besonders, wenn es einem selber Spaß macht. Es ist also nur die Winzigkeit mehr nötig, dass die Frau nicht bloß jedes halbe Jahr geil ist, sondern im Prinzip ständig. So macht es ihr Spaß, dass er verfügbar ist, was ihm wieder Spaß macht, dass sie verfügbar ist. Was aber nur der Fall ist, wenn er sich nicht nach der Befruchtung verdrückt.
Umpf.
Ja, umpf, und wir machen hier einfach rum, ohne schwanger zu werden. Wo ist da die Motivation?
Beim Mann ist es doch einfach: Er braucht die Milch der Frau zum Überleben, sie muss die Milch aber loswerden, was weniger existenziell ist, aber immerhin lustvoll. Geradezu umgekehrte Verhältnisse.
Trotzdem genauso eine Symbiose zwischen Frau und Mann, sagte Alischa. Das ist etwas, was mich an Peridëis unglaublich fasziniert. Für mich ist es hochgradig erregend, in meinen Brüsten ein Elixier zu haben, dass du direkt zum Überleben brauchst. Also irgendetwas Versorgendes, Behütendes, obwohl der Mann für die Versorgung und den Schutz zuständig ist. Ein Widerspruch und trotzdem kein Widerspruch. Mich spricht das als Frau sehr an, wahrscheinlich, weil da ein starker Trieb in mir befriedigt wird, ohne einen anderen starken Trieb zu verletzen.
Von irgendeinem Urvolk habe ich mal den Spruch gelesen, dass ein Mann keine Tränen vergießen darf, außer bei seiner eigenen Frau. Das ist für mich ungefähr das Gegenstück, sagte Tim. So absolut will ich es ja gar nicht, aber es ist eben auch so ein Bild, ein Selbstbild, das man einfach hat, egal woher, egal, ob es stimmt oder nicht, das einfach da ist.
In diesem Moment kam die Wirtin mit dem Essen. Zur Erinnerung: Gebratene Schnecken. Alischa verwirrte es etwas, dass die gebratenen Schnecken immer wieder versuchten, zur Salatbeilage zu gelangen, aber sie schmeckten ausgesprochen lecker. Und das Bier, das die Wirtin gebracht hatte, war geradezu einzigartig. Alischa schlug sich derartig den Bauch voll, dass sie es willig über sich ergehen ließ, als die Wirtin zum Kassieren kam.
Such dir einfach eine Brust aus, sagte Alischa träge. Nein, sagte die Wirtin, dafür gibt’s Personal.
Das Personal war ein Mann, der ein gut bezahlter Meister seines Fachs sein musste. Seine Kunstfertigkeit, Alischa das letzte Tröpflein Milch aus dem hintersten Winkel ihrer Brust herauszumelken, war derart groß, dass Alischa Sorge hatte, dass die Brüste wegen einseitiger Benachteiligung schief wachsen könnten. Sie war ehrlich versucht, auch ihre zweite Brust anzubieten. Aber Tim schien das zu ahnen und verhinderte es rechtzeitig.
Komm, sagte Tim, lass uns noch einen Abendspaziergang machen. Das lohnt sich in dieser Stadt.
Es lohnte sich! Die Leute hatten Stühle und Tische aus ihren Häusern herausgetragen, Fackeln an den Häusern aufgehängt (solche, wie Alischa sie schon kannte) und saßen draußen und schwatzten. Die meisten hatten auch irgendeine Auslage neben sich, in der Hoffnung, etwas verkaufen oder wenigstens verschenken zu können. Das war eine Auswahl! Da jeder sich seine ganz eigenen Gedanken machte, glich nichts dem Anderen. Kleider gab es in Hülle und Fülle, Musikinstrumente gab es in jeder denkbaren Art (nur einige davon konnte Tim erklären) und Essbares gab es auch überall. Es würde Seiten füllen, wollte man aufzählen, was es an Künstlerischem, Handwerklichen oder Kulinarischen alles gab. Es boten sich auch Leute als Sklaven für die unterschiedlichsten Zeiträume an, für eine halbe Stunde, für einen Tag, für Wochen, für Monate.
In dieser Stadt gab es als große Besonderheit sogar einen (wohl zwielichtigen) Laden, wo man Besen zum Fliegen ausleihen konnte. Tim zeigte Alischa, wie es ging und sie flogen zwei oder drei Runden im Mondschein über dem Marktplatz. Es war eine furchtbar anstrengende, aber sehr lustige Angelegenheit, zumal Alischa ständig vom Besen kippte und jedes Mal gerettet werden musste. Man musste nämlich ein Bein ganz nach unten hängen zu lassen und den Fußrücken des anderen Beins in die Kniekehle des hängenden Beins drücken, während gleichzeitig auch noch beide Ellenbogen unter dem Besen bleiben sollten. Alischas Bestzeit war eine volle Runde, aber dann gab sie auf. Ihr war völlig unklar, wie eine Hexe auf dem Besen bis zum Brocken geflogen sein sollte. Alischa lief schon nach den drei kurzen Runden breitbeinig. Besenfliegende Hexen mussten Leder zwischen den Beinen haben, Muskeln in den Schamlippen, oder lügen wie gedruckt. Die Leute auf dem Marktplatz standen trotzdem mit offenen Mäulern da (weil sich Alischas Brüste beim schnellen Sinkflug so schön erhoben).
Es gab noch unzählige andere Vergnügungen in der Roten Rosenstadt, Esssachen wurden schon erwähnt, ein wahrer Adonis von einem Mann hatte Alischa von hinten (vorläufig) befriedigen können, Gaukler-Vorführungen gab es, unglaublich gute Musik gab es, Alischa hatte mit Tim ausgelassen dazu getanzt, massieren lassen konnte man sich, es gab ein Geysir-Badebecken, in dem sich Frauen im Fackelschein tummelten und sich beim Schwatzen von interessanten Wasserstrahlen verschiedenste Regionen ihres Leibes massieren ließen, auch jene, welche einem die Konzentration nahmen, und: Alischa fand ein wunderschönes Kleid. Nach langen Verhandlungen nannte sie ein überaus kunstvoll besticktes Kleid mit kupfernen Borten ihr Eigen. Vor allem gefiel Alischa, wie das Kleid durch spezielle Rundungen im Schnitt ihre Brüste sehr gut betonte. Weder wirkten ihre Brüste stärker, noch das Kleid, es bildete einfach eine Einheit, die zusammengehörte. Wie ein Bild in einem guten Rahmen. Was nach all den anderen gekauften Kleinigkeiten noch an Milch in Alischas Brust war, hatte die Händlerin gerade noch so überzeugt, aber danach war erst einmal kein Tröpflein mehr herauszubekommen. Man hätte bis morgen warten können, aber Alischa hatte Angst, dass das Kleid am nächsten Tag schon verkauft gewesen wäre.
Nicht meckern, kommentierte Tim, andere Frauen müssten vielleicht wochenlang Tag für Tag ihre Milch abliefern. Und ich habe ausnahmsweise nichts dagegen, dass deine Brüste leer sind. Es ist langsam Zeit, Richtung Nachtquartier zu gehen.
Tim trug Alischas Kleid (er bestand darauf wegen der Leute), da Alischa nicht verschwitzt in das neue Kleid steigen mochte, mit dem sie doch morgen vor die Peri treten würde.
Doch unterwegs wurden sie noch Zeugen eines Wettkampfs. Soweit sie es erkennen konnten, traten Paare gegeneinander an. Kurz gesagt war es, nun ja, ein Wettmelken. Die Männer mussten Milch aus der Brust ihrer Frau in einen Löffel melken und die Milch im Laufschritt zu einem weiter entfernten Becher bringen, der an einer Art Waage hing. Kippte die Waage, dann hatte man gewonnen. Der Becher war nicht besonders groß, aber es war erlaubt, die Mitkämpfer zu behindern, weshalb viel Milch unter dem Gejohle der Zuschauer zu Boden ging.
Großartige Sauerei, kommentierte Alischa. Es gäbe zu Hause ein hübsches Geschrei, wenn man das auf dem Flur einer Geburtsklinik durchziehen würde.
Tim lachte. Mir ist was Anderes aufgefallen: Die Paare müssen gut aufeinander eingestimmt sein - mit brutalem Rumrupfen an der Brust erreichst du ja nichts, schließlich heißt’s doch Milch geben und nicht Milch nehmen.
Ob man den Milchfluss als Frau völlig blockieren kann?, fragte Alischa.
Tim grübelte. Ich bin mir nicht sicher. Langfristig vielleicht. Ein Schock kann die Milch völlig blockieren. Oder Prüderie. Oder Gefahr.
Sie schlenderten weiter. Noch ein paar Ecken weiter entdeckten sie ein Schauspiel, das Alischa sehr interessierte. Es war ein X-förmiges großes Holzgestell, an dem ein nackter Mann stehend gefesselt war. Vor dem gefesselten nackten Mann tanzte eine ebenso nackte sehr schöne Frau einen außerordentlich lasziven Tanz. Neben dem großen X-förmigen Holzgestell stand ein Mann, der eine laufende Sanduhr in der erhobenen Hand hielt. In der anderen Hand hielt er eine abgelaufene Sanduhr. Eine Gruppe von vier Musikern spielten eine rhythmische Musik. Zahlreiche Leute umstanden die Szene und schauten zu.
Was wird hier gemacht?, fragte Alischa eine der Zuschauerinnen.
Die Zuschauerin antwortete: Die schöne Tänzerin ist der Preis für den gefesselten Mann, wenn es ihm gelingt, eine volle Sanduhr lang keine Erektion zu bekommen. Sobald sein Penis so gerade liegt wie ein Stab, der auf dem Wasser schwimmt, hat die Tänzerin gewonnen und er verloren. Sie versucht, den gefesselten Mann mit allen Mitteln anzumachen; nur berühren darf sie ihn nicht. Er aber muss sie die ganze Zeit über anschauen. Macht er die Augen zu oder guckt er weg, gilt die laufende Sanduhr nicht mehr und die Zeit fängt neu an. Deshalb sie zweite Sanduhr.
Und wenn der gefesselte Mann verliert?, fragte Alischa.
Nichts weiter, sagte die Frau. Ist einfach spannend, oder? Schau doch mal zu, wie gut die Tänzerin ist. Von der kannst du wirklich viel lernen. Alleine diese Beinbewegungen ... ach, wie gern ich das auch so könnte!
Alischa und Tim schauten zu. Die schöne Frau gewann. Beide klatschten Beifall und Alischa hätte am liebsten Tim am Holzgestell gesehen, aber dieser zog sie lachend weiter.
Sie sahen noch zahlreiche Darbietungen, bei der die passendste Beschreibung »Lust als Kunstwerk« wäre. Schöne Tänze, auch solche mit Fackeln, Entkleidungsszenen, sogar Auspeitschungen als Tanzspiel, kunstvolle Fesselungen, Zartes, Hartes, Schönes, aber auch Dinge, die sie nicht sehr mochten, Gaukler ... einer zum Beispiel trug eine Frau, indem seine Faust ganz in ihrem Loch verschwunden war, eine Frau ließ sich mit Seilen binden, bis sie vorsichtig emporgehoben nur an ihren Brüsten hing, man konnte sich tätowieren lassen (die Tätowierungen hielten aber nur eine gewisse Zeit, erzählte Tim), sich durchpieken und beringen lassen (hielt auch immer nur eine Weile, erzählte Tim), es gab kunstvoll bemalte nackte Frauen, Kunstwerke aus Milch, noch einmal ein anderes Wettmelken, bei dem der Mann aber die Frau des Gegners melken musste. Das hielt Alischa für die interessante Idee, weil der Mann im Angriff und die Frau in der Abwehr ein interessanteres Team bildeten.
Alischa entdeckte schließlich noch eine wunderbare Taverne, die etwas erhöht lag und ausgezeichnetes Essen und Bier bot. Eigentlich war kein Platz mehr frei, aber Alischa bot ihre verfügbare restliche Milch für zwei Plätze an und so konnten sie endlich ihre schmerzenden Beine ausruhen und die bunte Szene von oben bei Speis und Trank genießen. Ach, was es da alles noch zu sehen gab... Die Straßen und Gassen und Plätze quirlten über vor Menschen, und keiner schien in seinen eigenen vier Wänden bleiben zu wollen. Es war ein anstrengender, aber wunderschöner Abend.
Spät in der Nacht in der Taverne angelangt, schafften es Tim und Alischa gerade noch so die Treppen hinauf in ihr Zimmer, sich auszuziehen, noch einmal die Blase zu leeren, und dann kippten sie ins Bett.
Es machte gar nichts, dass Alischas Brüste leer wie nie waren, Tim war augenblicklich eingeschlafen.
Der Tag war vielleicht doch ein wenig viel auf einmal gewesen.
Die Große Peri
Alischa und Tim standen vor dem Schloss der Peri, das von ferne wie eine Burg in der Mitte der Roten Rosenstadt gewirkt hatte. Das Schloss vor ihren Augen war überaus hübsch, allerdings lächerlich klein. Seine zinnenbewehrten Mauern waren aus gelben und roten Steinquadern gebaut und alle paar Meter stand ein Turm dazwischen, jeder anders gebaut und anders hoch, und in ihrer Spitze stand jeweils ein Büttel Wache. Wobei Wachestehen ein sehr wohlwollender Ausdruck ist, denn alle faulenzten auf unterschiedlichste Weise. Die einen hielten einen Schwatz ab, die nächsten bohrten in der Nase, wieder welche lasen zum Zeitvertreib ein Buch (!), noch welche hingen mit ihrem Oberkörper halb in Richtung Stadt hinunter und bändelten offenbar mit den Frauen der Stadt an. Einer hatte sogar ein Mädchen im Turm und vergnügte sich mit ihr auf vermutlich vorschriftswidrige Weise. Und zwar von hinten. Da das Mädchen dabei stadtauswärts über die Mauer hing (das schien dort oben sehr bequem zu gehen), nutzte Tim die Gelegenheit und rief:
Heda, Mädchen! Sag, wann wird das Tor geöffnet?
Ich - weiß - nicht - ge-nau - aa-aaah. Die Stöße von hinten behinderten offenbar nicht nur ihre Stimme, sondern auch ihren Verstand. Ihre gewaltigen Brüste schaukelten so hin und her, dass man gar nicht wegschauen konnte.
Guck weg, sagte Alischa. Außerdem wirst du von der keine vernünftige Antwort kriegen.
Tim guckte trotzdem sicherheitshalber noch mal, es hätte ja sein können, dass noch eine vernünftige Antwort gekommen wäre. Nichts. Sie liefen zum Tor zurück.
Das Tor war zu.
Klingeln gibt es hier nicht, gegen das Tor zu bummern nutzt nichts, wir müssen rufen, sagte Tim.
Haaaaaaaallo!
Warten. Nichts. Aber stoßweises Stöhnen einer Frau war zu hören. Hier ebenfalls!
Ich ahne Schlimmes, sagte Tim. Dann rief er laut:
Haaaaaaaaaaaaaaaaallo!
Auch gemeinsames Schreien bewirkte gar nichts.
Tim suchte nach Steinen, um diese über die Mauer schmeißen zu können. Es fand sich aber kein einziger. Nicht einmal andere Dinge, die man hätte werfen können. Vermutlich hatten schon eine Menge anderer Leute genau diese Idee gehabt.
Während Tim rätselte, was zu tun wäre, trat Alischa an das Tor heran.
Du, sag mal, fragte Alischa über die Schulter, was meinst, warum man diese Kiste mit Steinen hier hingestellt haben könne?
Flunkerst du jetzt?, fragte Tim verblüfft.
Nein. - Ehrlich nicht!
Tim trat staunend näher. Das ist neu, sagte er, diese Kiste stand hier früher noch nicht.
In der Kiste lagen lauter Steine in idealer Wurfgröße. Tim nahm sich ein paar und trat zurück. Er warf den ersten Stein über die Mauer, den zweiten Stein, den dritten, den vierten... Und Alischa brachte ihm immer neue.
Doch irgendwann tönte es oben auf der Mauer: Aua!, und der Kopf eines Büttels erschien zwischen den Zinnen. Was willst du?, rief der von oben.
Wir wollen rein!, rief Tim zurück. Zur Großen Peri!
Gib mir fünf Minuten! Gib mir fünf Minuten!, rief der Büttel von oben und schaute ehrlich verzweifelt.
Na so lange können wir auch noch warten, rief Tim zurück.
Alischa kicherte.
Das stoßweise Stöhnen der Frau wurde wieder hörbar.
Sag mal, fragte Alischa, die scheinen sich aber eher nicht ans Zölibat zu halten?
Das sind Freiwillige, antwortete Tim, also die mit den Frauen. Vermute ich! Jedenfalls kriegst du nur dann den Pflichtdienst mit Zölibat aufgebrummt, wenn du als unerwünschter Eindringling erwischt wurdest. Ob du danach freiwillig ohne Zölibat weitermachst, ist deine eigene Entscheidung. Aber es gibt auch Büttel, die das noch nie als Pflichtdienst gemacht hatten.
Wahrscheinlich hatte die Peri die Nase voll von dem Lotterleben, das ihre Büttel führen, lachte Alischa.
Sie mussten nicht fünf, sondern ganze fünfzehn Minuten warten, bis das Tor endlich geöffnet wurde.
Danke, sagte der Torwärter, du bist ein wirklich rücksichtsvoller Mensch.
Eine kichernde nackte Frau, die ihr Kleid unter dem Arm trug, schoss an ihnen vorbei und warf dem Torwächter im Vorbeirennen einen Handkuss zu.
Pssst - Bitte nicht verraten, sagte der Torwächter zu Alischa. Genaugenommen dürfen wir in der Wachzeit nicht mit den Mädels rummachen. Aber die hier war so süß, da kann man doch nicht nein sagen. Hast du ihre kleinen prallen...
Nun ist’s aber gut, lachte Tim, lass uns endlich rein.
Der Torwächter ließ sie ein. Alischa und Tim waren jetzt in einem großen gemauerten Gang, der wie die Außenmauern aus gelben und roten Steinquadern bestand. Auf dem Boden war der Gang in voller Breite mit azurblauen Pflastersteinen belegt. Die Decke schien in einem Stück aus gelbem Glas zu sein. Am Ende des breiten Ganges führte eine ebenso breite Treppe in die Höhe.
Jetzt waren sie also da.
Alischa klopfte das Herz vor Aufregung.
Was wollt ihr noch mal?, fragte der Torwächter.
Zu IHR, sagte Tim.
Gehe nie zu deinem Fürscht, wenn du nicht gerufen würscht!, belehrte sie der Torwächter.
Wir wurden ja gerufen!
Das ist freilich was Anderes, sagte der Torwächter. Gut, ich melde euch beide an und ihr macht euch inzwischen zurecht für die Audienz. Du weißt: Ordentlich waschen, ordentlich Haare kämmen, ordentlich die Sachen in Ordnung bringen! – Der Torwächter schaute jetzt etwas streng.
Ja, ich weiß, brummte Tim.
Alischa zog ihre Augenbrauen hoch, sagte aber nichts.
Der Torwächter verschwand.
Ich komme mir vor, wie ein kleines Mädchen im Kindergarten, flüsterte Alischa.
Das ist genau die richtige Einstellung, flüsterte Tim zurück. Ungefähr das sind wir jetzt auch. Komm mit! Ordentlich waschen.
Tim zog Alischa zu einer Tür, durch einen kleinen Gang in einen kleinen Raum. Ein sehr hübscher kleiner Raum. Dort standen sieben hübsche ganz nackte Frauen, die allesamt ganz gleich aussahen, und nahmen sie in Empfang.
Was soll ich jetzt tun?, fragte Alischa.
Lass dich ordentlich waschen, sagte Tim.
Alischa ließ es mit sich geschehen. Die sieben hübschen ganz gleich aussehenden nackten Frauen machten siebenmal einen gleichen Knicks und dann wirbelten sie um Alischa und Tim herum. Sie zogen den beiden die Anziehsachen aus, bis sie beide ganz nackt im Raum standen, danach schleppten die sieben hübschen ganz gleich aussehenden nackten Frauen kübelweise warmes Wasser herbei, wuschen ihnen ordentlich die Haare, wuschen ihnen den ordentlich ganzen Körper ohne eine einzige Stelle auszulassen, auch die geheimen nicht, und Alischa nahm etwas skeptisch zur Kenntnis, dass sich Tims Luststab erhoben hatte. Und zwar ordentlich. Noch skeptischer wurde sie, als eine der sieben hübschen ganz gleich aussehenden nackten Frauen Tim vorsichtig die Vorhaut zurückzog, um ihn auch darunter vorsichtig rein zu machen. Unnötig ordentlich, fand Alischa, aber immerhin ließ die eine der sieben hübschen ganz gleich aussehenden nackten Frauen auch irgendwann wieder von Tims Luststab ab.
Doch Alischa wurde ebenfalls überall ordentlich gereinigt und musste eingestehen, dass sich das, auf genau diese Weise vollführt, durchaus angenehm anfühlte.
Am Ende wurden sie trockengerieben, ordentlich gekämmt und man brachte ihnen die Kleider zurück. Entstaubt und ordentlich geputzt, wie man zumindest an Tims Uniform deutlich sehen konnte. Schließlich machten die sieben hübschen nackten Frauen siebenmal einen tiefen Knicks und huschten davon. Alischa fühlte sich wohl in ihrer Haut. Sie fragte laut: Ist das hier immer so?
Immer, bestätigte Tim. Niemand wird schmutzig vorgelassen.
Und was muss ich jetzt beachten?, fragte Alischa, als sie beide wieder draußen im Gang standen.
Du musst gar nichts beachten, sagte Tim. - Es gibt kaum so etwas wie eine Etikette. Jetzt kommt die Audienz bei der Großen Peri. Das ist die höchste aller Peris, aber die anderen Peris sind ihr trotzdem gleichrangig. Jede hat ihr eigenes Land, aber diese hier hat außerdem die Aufgabe, sich um Dinge zu kümmern, die mit der Welt draußen, mit dem Diesseits, zu tun haben. Sie ist es auch, die mir die Chance gegeben hat, mich als Büttel zu bewähren, um ein ewiges Aufenthaltsrecht zu bekommen. Und sie war es außerdem, die dich für Peridëis auserwählt hat.
Waaas?! - Aber woher kennt mich die Peri?, staunte Alischa.
Das weiß ich nicht, sagte Tim, frag sie einfach. Das darfst du. Wenn du einer Peri gegenübertrittst, machst du einfach den ganz normalen Knicks, wie ihn hier alle Frauen machen, und wartest ab, bis du angesprochen wirst. Dann kannst du fragen. Du musst auch nicht den Kopf senken oder sonstwas tun. Sei einfach du selbst. Bist du bereit?
Ich müsste noch mal auf Klo.
Zurück dort hin, wo wir gerade waren, und dort die Tür rechts. Achte sehr darauf, dich weit mehr als sonst zu säubern. Ich warte hier.
Als Alischa vom Klo zurückkehrte (wieder eins mit natürlicher Wasserspülung, wie machten die das bloß; die Reinigung war jedenfalls ein Kinderspiel gewesen), wartete auch schon der Torwächter beim Jungen und brachte sie beide zu einer Treppe am Ende des Ganges. Seid ihr bereit?, fragte er leise.
Ja, flüsterten Alischa und Tim wie im Chor.
Da rief der Torwächter sehr laut: Die Große Peri erwartet Hexe Alischa und den Büttel, der ihr zur Begleitung anbefohlen war!
Da nahm Tim Alischa an der Hand und sie schritten gemeinsam die breite Treppe am Ende des Ganges empor.
Der Gang zur Großen Peri hin war links und rechts von einer Reihe hübscher, ganz gleich aussehender, Frauen gesäumt, die alle (auf die gleiche Weise) ihre Brüste mit den Händen anhoben und so darboten, wie Alischa das von den vielen Zeichnungen her kannte. Die langen (alle gleich aussehenden) Kleider dieser Frauen ließen (alle auf die gleiche Weise) die Scham betont frei. Und alle diese Frauen standen (auf die gleiche Weise) still und zuckten (auf die gleiche Weise) Schmachtblicke schleudernd mit keiner Wimper. Das hatte durchaus Stil. Wie mochte es Tim gehen? Ob ihn diese hübschen (ganz gleich aufreizenden) Frauen ansprachen? Haltung, Gestik und Blicke waren männerverschlingend! Alischa musste sich zwingen, nicht zu Tims Penis hinunterzuschauen.
Die hübschen (ganz gleich aufreizenden) Frauen wirkten wie ein Spalier Thron-Wachen. Sultane sollten sich ein Beispiel daran nehmen, dachte Alischa. Zwei Männer mit Säbel hinterm Thron dürften als echte Wache genügen, mehr wäre Dekoration. Dafür waren halbnackte schöne Frauen die bessere Wahl - zudem würden sie einem Attentäter büschelweise Haare ausrupfen können, während sich zwanzig säbelbewehrte Wachen im Gedränge nur gegenseitig in Stücke hieben.
Apropos Stücke. Ob sie einen Blick zu Tims bestem Stück hinunter wagte?
Halt deine Gedanken im Zaum, dachte Alischa, du bist gerade bei der Großen Peri. Alischa hatte einen Kloß im Hals. Wie gut, dass Tim sie mit einem kräftigem Griff an der Hand hielt und mitzog. Ohne ihn hätte sie weiche Knie bekommen.
Der Raum war nicht besonders groß; deshalb hatte Alischa nicht viel Zeit, um die Große Peri ausgiebig zu mustern. Was für gleichmäßiges blondes Haar sie hatte! Was für prall abstehende volle Brüste! Und wie erhaben ihre Brustwarzen herausragten, wie anregend zerklüftet und gut abgesetzt ihre Höfe! War das eine Schönheit! Wie kühl sie gleichzeitig wirkte! Wie machtbewusst!
Wenige Augenblicke später standen beide schließlich direkt vor der Peri. Sie hatte blaue Augen, in denen man sich verlieren konnte.
Alischa vollführte einen Knicks und hob dabei ihr Kleid formgerecht ein wenig an. Wie gut, dass die Etikette einen ganz normalen Knicks vorsah; denn die Peri saß breitbeinig mit zurückgeschlagenem Rockteil auf dem Thron, ihre (perfekte!) leicht geöffnete Vulva präsentierend. Ein tiefer Hofknicks hätte gewirkt, als wolle Alischa der Peri die Möse küssen. Das ging wohl doch zu weit, selbst in Peridëis, obwohl der Thron verdächtig multifunktional aussah.
Tim beugte seinen Kopf vor der Peri.
Die Große Peri stand auf, hob ihren Zauberstab und... und ...
Mist, sagte die Peri, warum funktioniert dieses blöde Ding nie, wenn man es braucht?
Hast du vergessen, den Zauberstab einzuschalten?, fragte Tim.
Alischa fiel fast in Ohnmacht. Das Wort »Kulturschock« beschreibt nur sehr unvollständig, was mit Alischa gerade geschah.
Plötzlich war ein Donner zu hören. Der gesamte Thronsaal erleuchtete mit einem Mal im schönsten Azurblau. Azurblau und Gold. Es war ein traumhafter Anblick. Und die Peri ganz in weiß darin. Alischa stand wieder einmal der Mund offen.
Ach, kann dieser Technikkram nicht einmal funktionieren, wie er soll?, fragte die Peri verzweifelt.
Hat er doch, ließ sich Tim hören.
Hat er nicht, schimpfte die Peri, dieser dumme Einschalter hat mir völlig den Effekt verdorben! Kommt her, ihr beiden, setzte die Peri nach, wie ist es gelaufen? Erzähle du zuerst, Alischa!
Die Peri wusste ihren Namen! Sie wirkte auf Alischa zwar ein wenig kühl und unnahbar (und so unbeschreiblich schön!), andererseits aber auch wie eine fähige faire Chefin, die es nicht nötig hatte, ihre Untergebenen zu drücken. Ihre Autorität war einfach spürbar da. Und das, obwohl sie ihre Beine gerade noch weiter öffnete – Alischa konnte ihr, wie man so sagt, tief ins Paradies blicken. Die Macht-Aura der Peri zusammen mit ihrer unglaubliche Erotik mussten verheerend auf einen Mann wirken, der eine Neigung zu sexueller Unterwürfigkeit hatte.
Alischa erzählte ihre Eindrücke, teilte ihre Begeisterung mit und erklärte vor allem, dass sie Peridëis über alles liebte. Und fragte, wie ausgerechnet sie das große Glück haben konnte, für Peridëis auserwählt worden zu sein. Und weil Alischa dabei glühte, musste alles wohl auch sehr ehrlich und echt gewirkt haben. Die Peri lächelte sogar etwas.
Nun, beantwortete die Peri Alischas Frage, da gab es in deiner Familie eine Frau, die entschieden hatte, an der Seite ihres Mannes im Diesseits ihr Leben zu leben. Du nimmst ihre Stelle ein. So etwas muss nicht unbedingt ein Grund sein, aber auf diese Weise ist jemand auf dich aufmerksam geworden. Und weil du durchaus einiges an dir hast, was gut passt, eigene Ideen, Fantasien, Träume, wurdest du schließlich erwählt. Glaube ja nicht, dass das oft passiert. Hat dir dieser interessante Büttel angedeutet, was deine Aufgabe sein wird?
Alischa hätte gerne mehr gewusst, wagte aber nicht zu fragen. Was die Sache mit der Aufgabe anbelangte, sah Alischa unsicher zu Tim hin. Der lächelte ihr aufmunternd zu.
Jaa-aa, sagte sie etwas stotternd. Er hat gesagt, dass ich ab und zu Aufgaben für dich zu erfüllen habe und dafür in Peridëis leben darf.
Du bringst durchaus noch eine andere Gegenleistung nach Peridëis - nämlich dich selbst und deine Träume, sagte die Peri. Was aber die Aufgaben anbelangt: Ja, das hat dir dein Büttel richtig gesagt. Aufgaben in Peridëis und zumindest anfangs auch Draußen. Nach Draußen will ich selbst nicht, weil es mich Lebenszeit kostet, und hier kann ich mich auch nicht um alles selbst kümmern. Bist du bereit, solche Aufgaben auszuführen?
Alischa nickte aufgeregt. Ja!, sagte sie, das bin ich.
Freut mich, antwortete die Peri, es hat auch noch nie jemand anders geantwortet.
Die Peri wandte sich an Tim. Erzähl jetzt du!
Tim fasste die Erlebnisse, die Alischa so lieb waren, mit knappen Worten zusammen, berichtete aber sehr ausführlich über diesen Hauptmann Prillwitz und die ZPKK-Genossin.
Die Peri runzelte die Stirn. Von dieser ZPKK-Genossin weiß ich bereits, sagte sie. Die scheint ihre Erfüllung gefunden zu haben und hat meines Wissens im Moment keine Wünsche über das hinaus, was sie jetzt bereits gefunden hat. Aber was dieser Hauptmann Prillwitz macht, gefällt mir nicht. Kommt morgen wieder, um eure Aufgabe entgegenzunehmen.
Sie waren entlassen. Alischa machte einen Knicks, Tim beugte seinen Kopf und dann liefen sie den langen Thronsaal zurück, zwischen den hübschen ganz gleich aussehenden nackten Frauen entlang, die alle auf die gleiche Weise mit keiner Wimper zuckten und ihre Brüste auf die gleiche Weise mit den Händen darboten, bis zur Treppe zurück, stiegen hinunter und waren schließlich wieder unten.
Alischa holte Luft, doch Tim hielt ihr den Mund zu. Nicht hier, flüsterte er.
So liefen sie zum Schlosstor zurück.
Wie kommen wir morgen wieder rein?, fragte Tim laut den Wächter.
Bringst du mir ein Mädel mit?, fragte der Wächter.
Und wer erledigt Arbeiten für das Mädel?, fragte Tim zurück. Die muss schließlich auch leben.
Willst du rein oder nicht?, fragte der Wächter schlitzohrig.
Wir bringen dir ein Mädel mit!, antwortete Alischa an Tims Stelle.
Der knurrte, widersprach aber nicht.
Draußen sagte Tim zu Alischa: Dafür muss ich mit etwas Pech eine Stunde lang Sachen hin- und herschleppen, hast du das bedacht? Wenn ich stattdessen einen Berg Steine über die Mauer schmeiße, könnten wir eventuell schneller sein.
Ich opfere mich großzügig, antwortete Alischa, ich werde es ihm so besorgen, dass es nur fünf Minuten dauert, und schlecht sieht der Kerl nicht aus. Sag nicht nein, ich bin furchtbar unterversorgt und verspreche fest, dabei an dich zu denken.
Gut, machen wir es so, sagte Tim. Er ist kein schlechter Kerl, er ist nett und kann was. Aber mal was Anderes – du wolltest etwas fragen?
Ja! – Warum hat die Peri keine Wachen? Waren diese Frauen reine Dekoration?
Nein, das sind ihre Wachen. Eine Frau kriegen die sowieso besiegt, schon mindestens durch ihre blanke Masse, und Männer werden im Zweifel zuschanden geritten, bis sie auf dem letzten Loch pfeifen. Weibliche Waffen! Vergiss nicht, wo du bist.
Alischa ging schallend lachend in die Knie. – Das funktioniert?
Und wie!, sagte Tim grimmig. - Aber für jetzt habe ich noch andere Ideen.
Welche?
Der See hat innerhalb der Stadt einen hübschen kleinen Strand und man kann schwimmen.
Beide rannten Hand in Hand los und wenige Minuten später waren sie im Wasser. Herrlich!, rief Alischa.
Tim wiegelte ab: Außerhalb der Stadt gibt es auch richtig große Strände. Mit Palmen, Bananenhainen dahinter und allem Drum und Dran. Aber der Stadtstrand ist eben schneller erreichbar.
Alischa sah, dass ein kleines Boot das Ufer verließ und fragte: Kann man hier auch Boot fahren?
Nein, antwortete Tim. In der Mitte dieses Sees ist die verbotene Insel. Niemand darf sich ihr nähern. Diese Insel ist den Peris alleine vorbehalten. Auch wir dürfen da nicht hin.
Was ist auf der Insel? Und wozu dient dieses Boot?
Man munkelt, auf der Insel ist eine Art Heiligtum. Aber niemand weiß es. Oder die Peris wollen dort einfach ihre Ruhe haben, eine Art Intimsphäre, was auch immer. So denken wir Besucher. Die einfachen Bewohner von Peridëis haben Furcht vor der Insel und erzählen sich darüber die seltsamsten gruseligen Sachen. Wie auch immer, jedenfalls fährt niemand zur Insel hin. Das Boot bringt einmal in der Woche Milch der Peris auf diese Insel. Aber was dort mit der Milch der Peris geschieht, weiß man nicht.
Ist denn niemand neugierig?
Ach weißt du, sagte Tim, die Einwohner sind es tatsächlich nicht, fürchten die Peris und noch viel mehr die Insel. Und die Besucher, also die Hexen, haben auch so mehr als genug Beschäftigung ohne die Insel. Ansonsten wird es ... als eine Art Privatbereich der Peris akzeptiert. Obwohl es Gerüchte gibt, dass sich alle elf Peris dort ab und zu versammeln. Erinnerst du dich an diese kleine Geschichte, die man dir zu Hause hat zukommen lassen?
Aber natürlich!
Also dieser Mann, der dort erwähnt wird, der Schöpfer von Peridëis, der soll dort sein. Er soll in dem großen Berg ruhen, der in der Geschichte erwähnt wird. Wenn das stimmt, ist es ganz egal, welche Vermutung man über die Beschaffenheit Peridëis hat, gehst du dort hin, riskierst du dein Aufenthaltsrecht in Peridëis. Und wenn deine Zeit im Diesseits schon fast abgelaufen ist, dann bedeutet das den baldigen Tod. Bist du religiös, dann ist dort Gott oder je nach Religion zumindest ein Gott. Glaubst du an Magie, dann ist dort ein übermächtiger Zauberer. Glaubst du an Technik, dann ist dort eine Technik, die wir nicht ansatzweise verstehen. Aber in jedem Fall ist dort etwas, wogegen wir ein winziges Licht sind, welches sich besser vom Sturm fernhält. - Guck nicht so ängstlich, das ist ja nicht bedrohlich, sondern wie ein heißer Ofen, vor dessen Berührung das Kind gewarnt wird, der es ansonsten aber wärmt. Nichts sonst. - Du guckst immer noch ängstlich! Gut, dann ist es die Schublade mit den Liebesbriefen aus Mamas Jugend. Und wenn du da rangehst, gibt es richtig Ärger mit Mama!
Jetzt lachte Alischa.
Und jetzt machen wir einen kleinen Ausflug, sagte Tim.
Wohin?
Wart’s ab.
Alischa und Tim gingen durch einige Gassen, bis sie an der Stadtmauer angekommen waren. Aber diesmal innen. Direkt an die golden glänzende Stadtmauer war ein Haus angebaut. Offenbar eine Taverne.
Hier gehen wir rein, sagte Tim.
Das soll der kleine Ausflug sein?, wunderte sich Alischa.
Wart’s ab. - Tim lachte.
Die Fritzen-Taverne
Die Taverne hatte eine Bronzetür, an der Alischa wieder Verzierungen mit der stilisierte Frau entdeckte, die ihre Brüste mit den Händen anbot. Tim öffnete die Bronzetür und schob Alischa in die Taverne hinein.
Alischa sah eine gewöhnliche Taverne mit Bar und Tischen. Aber die Bar war leer und an den Tischen saß niemand. Der gesamte Fußboden war mit goldglänzenden Steinen ausgelegt. Alischa musste nicht raten – es war Katzengold. Hinten im Raum führte eine Treppe aus Katzengold in den Keller. Von dort drang der Lärm vieler Leute nach oben. Die Haupträume schienen also unter der Erde zu sein. Alischa und Tim steuerten auf die Katzengoldtreppe zu und stiegen die Stufen hinab.
Unten öffnete sich ein großes unregelmäßig geformtes Naturstein-Gewölbe aus gelb-ocker geflecktem Stein, in dem an zahlreichen Stellen schöne Katzengold-Kristalle funkelten. Das Gewölbe war um ein Vielfaches größer, als es das kleine Tavernenhaus oben vermuten ließ. Im Felsen gab es zahlreiche Nischen, mal größer, mal kleiner, die zum Teil auch mit steinernen Bänken und Tischen ausgestattet waren. In einer besonders großen aber wenig tiefen Nische sah Alischa eine Freske in die Wand geschlagen, die wieder jene stilisierte Frau darstellte, die dem Betrachter ihre Brüste entgegenhielt und deren Unterleib als O ausgeformt war. An den Wänden der Räume hingen zahlreiche Bilder, offenbar in Öl gemalt, die Peridëis darstellten. Da gab es die ihr bekannten fantastischen Landschaften, Darstellungen unbekannter kleiner Städte mit seltsamen Häusern, Menschen in noch seltsamerer Kleidung (die Frauen natürlich überall barbusig) und dazwischen immer wieder Darstellungen unterschiedlichster sexueller Akte, wie sie Alischa zu einem nicht geringen Teil bereits gesehen hatte. Wie unglaublich vielfältig die menschliche Sexualität doch war! Und trotzdem wäre man für manches davon in gewissen Ländern im Diesseits hinter Schloss und Riegel gelandet. Und schließlich gab es überall Tische und Bänke aus Holz, manche mit Bronze beschlagen, manche nicht, und alle reich mit Schnitzereien verziert.
Und selbstverständlich waren Gäste in den Gewölberäumen der Taverne. Jemand musste ja den Lärm erzeugt haben.
In dem Moment, als sie Treppe hinuntergekommen waren, erstarben alle Gespräche, es wurde ganz ruhig und alle Anwesenden erhoben sich von den Plätzen.
Alischa bekam augenblicklich einen roten Kopf, denn alle schauten sie an.
Tim lachte, als er Alischas rotes Gesicht sah, hob ihren Arm empor und rief laut in den Raum hinein: Guckt nicht so! Das ist Alischa. Sie gehört auf Wunsch und im Auftrag der Großen Peri ab sofort zu uns.
Da ging ein Klatschen, Pfeifen und Johlen durch die Menge. Wie viele es waren, konnte Alischa nicht sagen, weil der Raum ziemlich unübersichtlich war und sich weitere Räume anschlossen. Ein vollbärtiger Mann mit halblangen weißen Haaren kam auf Alischa zu, fasste sie kräftig links und rechts an beide Schultern, und sagte mit dröhnender Stimme:
Herzlich willkommen in Peridëis! Selbstverständlich haben dir die Leute hier nicht unhöflich ins Gesicht gestarrt, sondern nur geguckt, ob du gute Brüste hast.
Der Mann lachte dröhnend, Alischa wurde noch röter, aber irgendwie hatte der Mann die Situation tatsächlich entspannt. Die Menge johlte und applaudierte auch noch einmal und man hob die Gläser empor. Bunte Gläser in allen möglichen Farben, nicht Becher.
Es passiert nicht jeden Tag, sagte der Mann, dass die Peris ganz offiziell jemanden aus unserer Ecke der Welt nach Peridëis geholt haben. Der Rest hat sich eingeschlichen und wurde rehabilitiert. Er zwinkerte mit den Augen. Weißt schon, drei Jahre Durchstehvermögen.
Jetzt war Tim drangewesen. Alischa kicherte. Die Anspielung war deutlich.
Der Mann setzte fort. Wenn du irgendwelche Fragen zu Peridëis hast, Hilfe brauchst oder auch bloß erzählen und ausspannen willst, dann kommst du einfach hier her in diese Taverne, hier sind wir unter uns. Keine Einwohner, keine Peris. Betrachte die Taverne als eine kleine Heimat für dich. Die Taverne heißt »Zum alten Fritz«, kurz: die Fritzen-Taverne. Damit dürfte halbwegs klar sein, wen du hier triffst: Früher Leute aus ganz Deutschland, heute sind es aus baulichen Gründen eher Leute aus der DDR. Es gibt aber auch Westberliner, die ihren Tagesschein formlos verlängern [58], und außerdem haben wir junggebliebene Uraltberliner, die von Rechts wegen längst tot sein müssten.
Sie...
Du!
Du ... meinst, hier sind Leute, die hundert Jahre alt sind oder noch älter?
Nanu, weißt du das gar nicht?
Schon, aber ich bin noch nie einem bewusst begegnet.
Eine junge Frau, vielleicht so alt wie Alischa, schob sich durch die Menge: Ick, wenn’s recht ist. Geboren 1896. Und aus’m Diesseits dünnejemacht hab ick mich, als die den Weltkrieg angezettelt hatten.
Wirklich?! So aaa.... lange lebst du schon? Du siehst noch ganz jung aus!
Na danke - es gibt aber noch viel ältere Schabracken hier, als mich.
Und du warst seitdem nie wieder im Diesseits?
Nur am Anfang, nur ganz wenig, nur ganz kurz. Hier war’s schöner, und außerdem hatten die mich wegen Unzucht rankriegen wollen.
Nanu, was hast du denn gemacht?
Halt, knurrte der vollbärtige Mann, das will ich jetzt aber nicht zum tausendsten Mal hören. Sucht euch einen Tisch und steht hier nicht so ungemütlich rum.
Banause!, rief das Mädchen zu dem Mann und winkte Alischa, ihr zu folgen.
Halt, lachte Tim. Ich will das auch nicht zum tausendsten Mal hören und würde mir jetzt gerne für ein oder zwei Bier freinehmen. Darf ich?
Genehmigt!, antwortete Alischa.
Dann eben du alleine, sagte das Mädchen, man fragt sich, wozu die Kerle überhaupt Ohren haben. Jedenfalls nicht, um Frauen zuzuhören. Und sie zog Alischa davon.
Alischa gefiel die Taverne und sie fühlte sich wohl. Während sie durch die Taverne liefen, schaute sich Alischa um. Ohne Ausnahme trugen auch hier alle Frauen Kleider, welche die Brüste ganz frei ließen, und auch hier in vielen Varianten. Wie mochten diese Frauen zu Hause aussehen? Das Mädchen vor ihr hatte gar nichts an sich, das an ihre Herkunft erinnerte. Da fiel es Alischa ein: Richtig! Man kam hier an, wie man sein müsste, wenn man sich nicht frisierte, schminkte und so weiter. Das gäbe bestimmt einen schönen Schock, wenn man einige Leute als Nachbarinnen, Kolleginnen oder was auch immer zu Hause sehen würde. Dass man sie eventuell zu Hause auf der Straße treffen könnte, machte Alischa etwas unsicher. Die Sicherheit, in Peridëis niemanden zu kennen, hatte es ihr sehr erleichtert, loszulassen, locker zu sein, sich gehenzulassen und es zu genießen, ihren Körper zeigen zu dürfen, vor allem die stets freien Brüste, solche, die nach Milch aussahen, nicht nach griechischer Statue. Wie gaben sich die anderen Frauen? – Augenscheinlich locker, unverkrampft. Alischa fühlte sich wieder etwas sicherer. Vor allem, dass die anderen Frauen allesamt ebenfalls ihre mehr oder weniger milchstrotzenden Brüste frei trugen, war wie ein Signal. Aber natürlich auch die Aufmachung. Keine Spur von DDR-Mief, der nur um die selbstgefertigten Sachen einen Bogen machte. Was Alischa sah, war durchgängig hochkreativ. Eine Frau war in schwarzes Leder gekleidet und Riemen umschlossen die freien Brüste, eine andere trug eine geschickte Variation eines ausgeschnittenen Rokoko-Kleids, noch eine trug ein Hemd mit raffinierten Öffnungen, durch die die Brüste herauslugten, während ihre Beine bis zum Po-Ansatz völlig frei blieben. Und noch eine war wie ein rustikaler Zimmermann gekleidet und aus der Zimmermannsweste lugten Brüste heraus, die fast so flach wie bei einem Mann waren, nur dass die großen gefurchten Höfe und eine sanft pralle Wölbung die Frau eindeutig verrieten. Diese Frau lachte Alischa fröhlich an und zwinkerte ihr mit den Augen zu: Wenn du mal 'ne Frau ausprobieren willst? Alischa lachte zurück. Hier wirkte sowas nicht falsch, es gehörte dazu. Lockeres Verhalten wie lockere Kleidung. Sowieso war die Kleidung ja in ganz Peridëis sehr variantenreich. Unterwegs hatte jede Gegend immer ein wenig einen gemeinsamen Stil gehabt, aber hier war es ganz bunt. Besonders fielen Alischa ein paar Frauen auf, die ihren Schritt auf eine interessante Weise frei trugen, die sich Alischa merken musste. Wie es in Peridëis überhaupt interessante Ideen gab, Lustorgane auffordernd zugänglich zu halten.
Wie in der ersten Taverne sah Alischa hinten im Raum Stühle, die verdächtig an gynäkologische Untersuchungsstühle erinnerten und keine Missverständnisse bezüglich der Kleidung zuließen. Man schien zusammengetragen zu haben, was das Land an Erfindungen und kreativer Kunst zu bieten hatte, ganz als wäre man in einem Fremdenverkehrszentrum, das ein Land anpreisen wollte, und wo man die interessantesten Sachen aus diesem Land darbot. – Natürlich weniger, um ein realistisches Bild des Landes zu erzeugen, denn darum ging es in einem Fremdenverkehrszentrum nun einmal nicht, sondern um ein möglichst ideales, buntes und saftiges Bild zu erzeugen, das Lust auf mehr machte. So ungefähr hätte Alischa die Ausstattung der Taverne beschrieben. Doch um zu den sehr speziellen Möbelstücken zurückzukommen: da gab es einfach alles, was dazu dienen konnte, um eine Frau oder einen Mann irgendwie so zurechtzulegen oder zu setzen, zu hängen, zu halten, dass man auf verschiedenste Weise, nun ... mit ihr oder ihm ... spielen konnte. Wie »spielen« überhaupt das beste Wort wäre. Miteinander oder gebend und nehmend. Und all diese Stühle, Liegen, Gestelle, Netze, Tische und so weiter waren eine Augenweide an ideenreicher Ausführung und Ausschmückung und in Holz, Leder und Bronze, und alles sehr prachtvoll gestaltet. Dies war ein Ort der ungezügelten Lust, die sich von der Last ihrer Unterdrückung befreien wollte. Das galt natürlich für ganz Peridëis, aber hier in einer sehr verdichteten Form.
Und so auch die Leute. Aber bis auf die sehr verschiedene Kleidung unterschieden sich die Leute trotzdem wenig von denen im Land. Auch in den Städten hatte Alischa oft genug gesehen, wie die Frauen ihre Finger im Schoß spielen ließen, während sie sich mit ihren Tischnachbarn unterhielten, oder Männer, die ihre Hände an den Brüsten der Frauen hatten, um ihre Milchbildung anzuregen, falls sie nicht gleich ganze Arbeit taten, für die man einen Becher brauchte. Oder Frauen, die sich die Haut eincremten, wobei das Entscheidende die Frische der Hautcreme war. Doch das sind natürlich nur Beispiele.
Die meisten Männer in der Taverne waren weit weniger freizügig gekleidet als die Frauen, was Alischa genau so auch im Land bemerkt hatte. Vielleicht nur jeder fünfte Mann hatte sein Geschlecht oder seinen Po gänzlich frei, aber die Kleidung war trotzdem ungewöhnlich und fantastisch und irgendwie sexy. Es gab trotzdem auch ganz nackte Männer, die lediglich mit einer Art Geschirr von Lederriemen bekleidet waren.
Die Frau, die Alischa mit sich gezogen hatte, wandte sich um: Was hältste von dem Platz dahinten? - Ganz hinten waren noch Tische frei, die einen guten Blick durch die Taverne boten. Der Platz gefiel Alischa.
Gefällts dir? Ich heiße Clara, sagte die Frau. - Haste Hunger, haste Durst?
Etwas trinken würde ich gerne. Und zu essen ..., was gibt’s denn hier?
Was Anständiges von zu Hause?
Unbedingt.
Nach langen Hin und Her hatte Alischa schließlich einen schnöden Schweinebraten mit Kartoffeln, Soße und Krautsalat vor sich zu stehen. Es musste sein. Man konnte schließlich nicht immer nur besondere Sachen essen. Sie brauchte wieder etwas ganz Gewöhnliches. Doch stellte sich die Fleischsoße als zu gut heraus. In der Schule war die immer gleich schmeckende Soße ganz anders und die Schüler hatten gelästert, dass sie über die RGW-Soßenverbundleitung [59] angeliefert würde. Außer dem Essen holte Clara von der Bar ein Mineralwasser. Hilft am besten gegen Durst, kommentierte sie. Die anderen siebzehntausend Getränke (so Clara), sollte Alischa besser erst später probieren.
Alischa nippte beim Essen an dem Glas und fand das Mineralwasser ausgezeichnet.
Als Alischa gegessen hatte, fragte Clara, die sich mühsam zurückgehalten hatte, schließlich: Und, wie ist Peridëis? Haut im wahrsten Sinn um, oder?
Ja! Ich habe nie gehofft, einmal etwas so Schönes kennenlernen zu dürfen.
Zier dich nicht, wenn die Jungfrau fällt, dann meist auf den Rücken. Du kneifst doch nicht etwa die Schenkel zusammen, bloß weil dein Prachtbüttel nicht darf?!
Alischa wurde rot: Nein, ich komme durchaus...
Na also! Ist auch gar nicht gesund ohne. Wie meine alte Wirtin, die hat...
Halt halt halt, lachte Alischa. – Willst du nicht der Reihe nach erzählen? Fang an, wo du herkommst, und wie war das mit der Unzucht?
Hast ja recht, sagte Clara. Also. Ich bin genau wie du von den Peris auserwählt worden, echter Peridëis-Adel, hab mich nicht eingeschlichen. Meine Eltern waren gestorben, ohne mich verheiratet zu haben. Keine Beileidsbekundungen, ist lange her. Unverheiratet, jung und alleine, das hatte aber zu der Zeit was Unanständiges, jedenfalls in den feineren Gegenden. Obwohl’s in Berlin, damals schon, eigentlich alles gegeben hat. Zuerst war es langweilig, so alleine in der großen Wohnung, aber mir wurde durch einen verlässlichen Hausierer gewisse französische Bettlektüre kolportiert, die aufregende Dinge so detailreich beschrieb, dass man gar nicht umhin kam, zwischendurch praktische Übungen an sich zu vollziehen, um entspannt weiterlesen zu können. Förmlich gefressen hatte ich diesen Schund, obwohl ja auch gute Bücher dabei waren. Ich erwähne das nur, damit du weißt, in welcher Stimmung ich den wenigen Monaten war, die zwischen dem Tod meiner Eltern und meiner ersten Reise nach Peridëis lagen. Eines Tages habe ich in der Zeitung dann einen Skandal um ein Buch gelesen, das sich »Glücksehe« nannte. Der Knalleffekt daran war, dass sich ein Ehemann an die Brust seiner Ehefrau legen sollte; und wenn er regelmäßig saugte, sollte der Milchfluss einsetzen, ohne dass die Frau zuvor schwanger war. Vor allem aber sollte die Mens wegbleiben. Das wollte der Autor, ein gewisser Herr Buttenstedt, ausnutzen, um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Das zur damaligen Zeit! Du wirst dir kaum vorstellen können, was da losging. Die einen spuckten Gift und Galle, riefen Sodom und Gomorrha, aber andere bestätigten sachlich, dass das tatsächlich funktioniert. Der Herr Buttenstedt landete prompt wegen Unzucht vor Gericht, wurde am Ende aber freigesprochen. Das mit der Vermeidung ungewollter Schwangerschaften war nicht mein Problem, noch nicht, aber dass die Brüste dauerhaft Milch geben konnten, Schwangerschaft oder nicht, das hatte mich ganz elektrisiert. Das war meins, weißt du? Das war eine Sache, die irgendwo tiefe Wurzeln in mir drinnen hatte. Mir ziehen auch jetzt die Brüste, wenn ich bloß an damals zurückdenke. Vielleicht wäre ich sogar Amme geworden, wenn ich nicht gerade eine reiche Bürgerstochter gewesen wäre. Vor allem steckte in der Idee des Herrn Buttenstedt ein Unterschied - Milch geben ohne Mutterpflichten, das hieß, Gefühle nicht runterschlucken zu müssen. Mit oder ohne Mann. Jedenfalls musste ich das Buch haben, koste es, was es wolle, und gekostet hat es nicht wenig. Mein Kolporteur [60] konnte das Buch leider nicht beschaffen. Ich musste es ganz offiziell per Brief bestellen und noch dazu ein Revers unterschreiben, dass ich seinen Inhalt geheimhalte. Das ging ja noch. Der Haken war, dass das Buch nur an Verheiratete abgegeben wurde. Also bestellte ich frech mit »Frau« statt »Fräulein«, was später prompt aufflog, doch das ist jetzt erst einmal egal. Jedenfalls hatte ich das Buch und verschlang es, wie ich es in den Händen hielt. Ich hatte mir sogar wichtige Stellen extra notiert. Der Kern der Sache ist an sich ganz einfach, ich kenne den Text auswendig. Willst du ihn hören?
Ja.
Er lautet:
Man saugt täglich 3 bis 4 mal, je 5-10 Minuten an jeder Brust seiner Frau, dann wird bei normalen Verhältnissen in 3-30 Tagen Milch erzielt werden. Trinkt der Mann nun die Milch weiter täglich so oft ab, als die Brüste voll sind, dann verliert die Frau ihre Periode und von diesem Zeitpunkte kann man den Geschlechtsakt vollziehen ohne daß Empfängnis eintritt und trinkt man nun täglich weiter die Milch ab, so kann man geschlechtlich auch unbesorgt weiter leben wie bisher.
Bei dem Saugen haben beide Gatten, besondere aber die Frau, ein hohes geschlechtliches Wohlgefühl, und das ist auch von der Natur beabsichtigt.
Ein hohes geschlechtliches Wohlgefühl, was für ein Wohlgefühl, das zu lesen! (Clara lachte.) Und wenn einem der Mann in die Röcke fährt, dann genauso erst das Vergnügen und dann keine Arbeit. Der Rest des Buchs war mir Wurscht. Einige Leute schrieben, dass sie Erfolg hatten, also mit der Milch, was sich natürlich interessant las. Und andere hatten keinen Erfolg in Sachen Arbeitsersparnis, was ich als dringliche Warnung las. Aber in der Hauptsache hatte der Herr Buttenstedt die fixe Idee, dass die Eheleute dadurch am Ende unsterblich werden sollten. Deshalb kam mir später auch der Verdacht, dass Herr Buttenstedt irgendwas über Peridëis aufgeschnappt und daraus seine Theorie gestrickt hatte. Aber man weiß es nicht, Peridëis wurde jedenfalls nicht in dem Buch erwähnt und die Unsterblichkeit sollte durch einen Fluidum-Austausch zwischen Mann und Frau passieren. Milch hin, Samen her. Später habe ich gehört, dass die Chinesen diese Idee schon vor tausend Jahren hatten. - Egal. Ich selber hatte aber ein praktisches Problem, nämlich keinen Mann, der an meiner Brust saugen konnte. Selbst kam ich mit dem Mund nicht ran, dafür waren meine Brüste zu mickrig. Also besorgte ich mir für eine Bekannte so eine kleine Milchpumpe aus Glas mit Gummiball. Das war interessant, funktionierte aber nicht und ich bekam bloß Krämpfe in der Hand. Also besorgte ich mir eine Pumpe, die einen Schlauch zum Saugen dran hatte. Das fühlte sich sehr interessant an, aber Milch brachte das genauso wenig. Endlich las ich von einem weiteren Buch mit dem hochtrabenden Titel »Eine neue Offenbarung der Natur« eines gewissen Herrn Funcke. Ich hätte nie davon erfahren, wenn der Herr Buttenstedt es nicht als Plagiat verdammt hätte, aber das war es am Ende gar nicht. In dem neuen Buch war neben dem interessanten Teil zwar noch mehr dussliges Zeug, aber der Trick, die Milch zum Fließen zu kriegen, war für mich besser: Es war eine spezielle Brustmassage. Damit entlockte ich meiner Brust zu meiner unendlichen Freude auch die ersten Tröpflein Milch. Der Autor schrieb dazu: Du sollst deine Lebenskraft in der Form der Milch aus deinen Brüsten fließen lassen zum Wohle und Genusse anderer Menschen. Da kann man drüber lachen, aber für mich war das die Offenbarung. Auch Herrn Funckes Idee der Brustmassage war übrigens in China lange bekannt. Habe ich später gehört. Aber es funktionierte und ich konnte meine Milch vermehren, indem ich die Massagen hübsch regelmäßig machte.
Wie hast du das denn mit deiner Arbeit vereinbart?, fragte Alischa.
Arbeit? - Ich? Als Fräulein meines Standes hatte man keine Arbeit. Das machte der Mann, und die Frau blieb zu Hause und schikanierte die Dienstmädchen. Ich jedenfalls hatte genug Geld, habe gelesen, bin in die Oper, in Konzerte und ins Theater gegangen, habe gepflegte Konversation mit Freundinnen betrieben und vorsichtig beschnuppert, was mir meine Freundinnen als geeigneten Ehemann empfahlen. Er sollte unbedingt zu mir passen, musste wohlhabend sein, gebildet, gut aussehen und lauter andere Dinge, die in der Summe sowieso nie zu kriegen sind.
Alischa lachte.
Also kurz gesagt, ich wollte alles, und das Problem ist ja auch, dass die guten Männer irgendwann weggefischt sind. Ein drittes Buch empfahl übrigens noch die Milchbildung über Hypnose, aber da hatte ich es zu meinem Glück längst geschafft. Mein Problem war nun aber, dass die Polizei mich auf den Kieker kriegte. Man hatte rein gar nichts in der Hand gegen mich, aber es war sehr unangenehm. Wer will schon auf dem Revier erscheinen und peinlich befragt werden. Ich hatte meine Wirtin als Petze im Verdacht, ein missgünstiges Aas, der es der Mann schon lange nicht mehr besorgte. Die hatte schon öfter schiefe Bemerkungen gemacht vonwegen endlich heiraten, und hatte vor allem einen Schlüssel für meine Wohnung. Und was soll ich sagen, die war da eindeutig auch drin, während ich weg war, so viel steht fest. Wie gut, dass ich die Bettlektüre immer gut weggeschlossen hielt.
Und dann?
Eines Tages kriegte ich zu meinem Glück auf rätselhafte Weise einen dicken Briefumschlag, in dem sich ein kleines in Leder gebundenes Büchlein befand.
Wie bei mir!, rief Alischa aufgeregt.
Clara lächelte: Nur musste ich nicht so weit reisen wie du. Etwas Eisenbahn, etwas Pferdedroschke, etwas laufen. Und später sogar direkt in Berlin. - Aber weißt du was, das wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, deinen Büttel zu rufen. Du wirst schon sehen. Der will dir jetzt bestimmt was zeigen.
Alischa wurde zur Bar gezogen und Clara sorgte dafür, dass Tim wieder zur Stelle war. Als der da war, raunte Clara Alischa zu: Wir sehen uns bestimmt noch einmal wieder. Schließlich hast du meine Geschichte erst einmal gehört. Und halt deinen Büttel feste, das ist’n Bild von Mann! Ne Frau will schließlich nen Kerl, nicht ne aufgewärmte Leiche. Sie zwinkerte Alischa zu und war verschwunden.
Und, sagte Tim, war es interessant?
Sehr!, rief Alischa.
Bei mir auch. Beim ersten Mal. Und beim zweiten Mal und beim dritten Mal.
Alischa lachte und Tim kriegte von ihr einen Klaps aufs Hinterteil.
Angriff auf die Staatsgewalt!, rief der. Und: Apropos Staatsgewalt, jetzt kommt die versprochene Überraschung. Komm mit!
Alischa folgte Tim neugierig.
Sie liefen durch die Räume der Taverne bis zu einer schweren breiten Holztür. Hinter der Holztür führte eine Treppe noch tiefer nach unten. Links und rechts hingen Fackeln an der Wand. Alischa und Tim stiegen die Treppe hinab.
Am Ende der Treppe schloss sich ein unterirdischer Gang an. Vielleicht fünfzig Meter weiter standen sie erneut vor einer großen Holztür. Tim öffnete die Holztür und ließ Alischa eintreten. Sie befanden sich in einer schlichten Höhle mit einer Art Altar in der Mitte, der aus Backstein errichtet worden war.
Ein Übergang!, rief Alischa
Ja, genau, sagte Tim. Diesmal gehe ich vor und du folgst. Pass auf. Was wir jetzt machen, ist nur ein ganz kurzer Abstecher. Ich will dir den Übergang nur zeigen, aber wir kehren nach Peridëis zurück. Deine Rückreise organisieren wir durch einen anderen Übergang. Aber du sollst den hier wenigstens einmal gesehen haben.
Was ist das für ein Übergang?
Lass dich überraschen!
In Ordnung. Und was mache ich mit meinem Kleid?
Ausziehen.
Und wo kommt es hin?
Lass einfach liegen.
Spinnst du? Ich lasse doch mein Kleid nicht auf dem Fußboden rumliegen.
Tim stöhnte. Gut, gut, gut, sagte er, lege es ordentlich zusammen.
Und dann?
Legst du es auf den Fußboden.
Das ist ja wohl kaum besser.
Na und? Selbst wenn einer kommt, was soll dann sein?
Aber...
Bitte, bitte. Sonst müssten wir zurückgehen und uns in der Taverne ausziehen. Ich hatte einfach nicht daran gedacht.
Alischa gab nach.
Nachdem Alischa über den Altar ins Diesseits zurückgekehrt war, bekam sie im Übergang diesmal eine Art großen Gewölbekeller zu sehen, der überall mit gelbem Backstein ausgelegt war, und oben ein Tonnengewölbe aus gelben Klinkern hatte. Schlicht, sehr sorgfältig gemauert und durchaus hübsch. Und schließlich war auch hier wieder einmal die stilisierte Frau zu finden, deren Beine zu einem großen »O« geformt waren und die ihre Brüste dem Betrachter entgegenhielt. Im Boden war die Frau zum Beispiel leicht reliefartig in den gelben Klinker eingebrannt, und zwar so, dass immer zahlreiche Klinker zusammengesetzt das Symbol der Frau ergaben.
Der Altartisch war diesmal in einer Gewölbenische und die obligatorische Badegelegenheit wirkte wie ein großes Schwimmbad, das aber durch die gelben Klinker-Säulen stetig durchbrochen wurde. Man konnte zwischen den Klinkersäulen hindurchschwimmen. Das Wasser war kristallklar und man konnte den blitzsauberen Klinkerboden durchs Wasser sehen. Eine leichte Bewegung war im Wasser und etwas weiter weg war ein starkes Wasserrauschen zu hören. Aber die Luft war ganz trocken. Erst als Alischa etwas weiter lief, war mit einem Mal an der feuchten Luft zu spüren, dass hier ein Wasserfall oder Ähnliches in der Nähe war.
Tim hatte Alischa im Übergangsraum in Empfang genommen und übernahm die Führung. Auf Alischas Wunsch gingen beide zuerst nachschauen, woher das Wassergeräusch kam. - Es war tatsächlich eine Art Wasserfall. Das Wasser stürzte aus nur einem Meter Höhe, aber dafür in einer Breite von mindestens Dreißig oder Vierzig Metern gleichmäßig ins Wasserbecken. Oben war das Wasser nur wenige Zentimeter tief, aber die Breite machte die Menge. Der Gang, in dem das Wasser hierher floss, war gut zwei Meter hoch, ganz mit gelben Klinkersteinen ausgekleidet, und schien, nur von Stützen unterbrochen, auch weit hinten seine volle Breite beizubehalten. Alles war blitzsauber, ohne irgendwelche Schäden, und die Klinker überall in einem akkuraten gleichmäßigen Abstand vermauert.
Nachdem sie genug gesehen hatten, liefen sie zurück um das Wasserbecken herum. Direkt hinter dem Wasserbecken war die Nische, die ins Diesseits führte. Hier war die Luft plötzlich wieder völlig trocken. Direkt vor ihnen lag jetzt eine Art Türbogen aus einer Reihe von gelben Klinkersteinen. Im Inneren des Torbogens war die bekannte stilisierte Frau abgebildet, diesmal in einem tiefgeprägten Relief aus gelben Klinkern.
Jetzt muss ich unbedingt vorangehen, sagte Tim. Ich muss erst schauen, ob die Luft rein ist. Warte hier. Und wenn alles in Ordnung ist, komme ich zurück und sage Bescheid.
Und wenn nicht?
Nicht zu erwarten. Wenn ich wider Erwarten in einer halben Stunde nicht zurück bin, gehst du zurück in die Taverne und vertreibst dir dort die Zeit. Sehr wahrscheinlich bin ich aber in drei oder vier Minuten wieder hier.
Tim verschwand durch das Relief in der Wand.
Und siehe da: Nach nicht einmal zwei Minuten war Tim wieder zurück. Die Luft ist rein!, sagte er. - Ich gehe voran, du aber zählst langsam bis Zwanzig und danach folgst du mir. In Ordnung?
In Ordnung!
Schon war Tim wieder weg. Alischa zählte laut, bis sie die Zwanzig erreicht hatte und folgte.
Wabernde rote Flüssigkeit, seltsame dumpfe Geräusche, Alischa ruderte vorwärts, und schließlich war Alischa durch.
Huch!
Das hier war ein vollgerümpelter Keller, sonst nichts. Ein kühler Keller.
Tim stand mit einer Taschenlampe in der Hand vor Alischa und lachte. Hier!, sagte er, zieh dir zumindest Latschen an.
Wo sind wir? Und warum ist es hier so kalt?
Wart’s ab! - Tim zog Alischa quer durch einen Keller mit zugemauerten Lichtschächten in einen unterirdischen Gang hinein. Zunächst ging es über eine alte Ziegeltreppe ein ganzes Stück tiefer, daran aber schloss sich ein gemauerter Gang an, dessen Decke gerundet war. Der Putz an den Wänden des Gangs war marode, aber der Fußboden war durchaus sauber. Links und rechts war je ein eisernes Geländer angebracht.
Folge mir einfach, sagte Tim, und sprich zur Sicherheit nicht zu laut.
Eine geöffnete Stahltür alter Bauart unterbrach den Gang, aber es ging noch weiter. Eine Biegung, zugemauerte Eingänge, noch eine Biegung und eine weitere geöffnete Stahltür alter Bauart unterbrach den Gang. Aber es ging immer noch weiter. Nach der dritten Stahltür stießen sie wieder auf eine Treppe, die diesmal aufwärts führte. Endlich eine letzte Stahltür, schlagartig wurde es muffig-warm, und sie standen in einem spinnwebenverhangenen Keller mit leeren Bierkisten, alten Stühlen und Tischen und weiterem Krempel dieser Art. Tim zog Alischa zu einem vergitterten Kellerfenster, das halb über der Erde lag und aus zahlreichen quadratischen Scheiben bestand, von denen wenigstens die Hälfte kaputt waren. Alischa schaute hinaus. Sie sah graue Mietshäuser. Eine Straße. Straßenlaternen. Autos. Trabant!, Wartburg!, Moskwitsch!, Polski Fiat! Lada!, Skoda!
Ist ja 'n Ding!, hauchte Alischa. Wir sind in der DDR?
Ja. Mal sehen, ob du rauskriegst, wo.
Berlin?
Ja.
Hm. Mitte weniger, eher Friedrichshain, Prenzlauer Berg oder so.
Volltreffer! Prenzlauer Berg! Tim sagte Alischa die Adresse [61].
Das heißt, ich kann rausspazieren und bin in Kürze zu Hause?
Nein.
Warum?
Nackt wie du bist, würde dich der nächste Volkspolizist nach dem Personalausweis fragen.
Alischa gluckste.
Nein, sagte Tim, du musst auf dem erwarteten Weg zurückkommen und davor darf dich niemand hier zu sehen bekommen. Aber ich zeige dir trotzdem noch etwas mehr. Über uns ist eine miese kleine Kneipe. Ich habe nachgeschaut, es ist Schließzeit, wir riskieren also nichts. Der Kneiper [62] gehört zu uns, vor dem brauchst du also keine Scheu haben. Aber bei den Gästen weiß man das natürlich nie.
Tim öffnete eine Tür und ging vorweg. Alischa folgte und Tim schloss die Tür wieder. »Lager« stand außen dran.
Diese Tür kriegst du nur auf, wenn du sie an der Klinke etwas anhebst, sagte Tim. Probiere mal.
Alischa drückte die Klinke und zog probeweise an der Tür. Sie wirkte fest verschlossen. Jetzt legte Alischa beide Hände an die Klinke und hob die Tür an. Die Tür ließ sich unerwartet leicht zwei Zentimeter anheben und ließ sich in dieser Position problemlos öffnen.
Kleiner Trick gegen Verirrte, sagte Tim. Ansonsten sind hier unten Lagerräume und vor allem die Toiletten der Kneipe, sodass du unauffällig runtergehen kannst.
Aaah! Alischa sah die Türen. Und eine Treppe, die nach oben führte.
Tim stieg die Treppe hoch und Alischa folgte ihm. Oben kam ein kleiner Treppenabsatz, eine schmale Tür führte wohl zu einer Besenkammer, eine große Tür sah aus, als wenn sie ins Treppenhaus ginge, und eine weitere offenstehende Tür führte in den Schankraum. Im Schankraum befand sich gerade niemand und das Licht war ausgeschaltet. Alles andere wäre auch schlecht gewesen, denn sowohl Tim als auch Alischa waren ja splitternackt.
Der Schankraum war unglaublich hässlich und stank nach Bier und kaltem Zigarettenrauch. Ein Tresen, öde Tische und Stühle, weiße Wände, an der Decke Neonlampen, eins der Außenfenster war mit Gardinen bestückt, die bestimmt gelb waren und klebten. Alischa schüttelte sich.
Widerliche Kneipe, sagte Alischa.
Genau richtig, sagte Tim. Das Stammpublikum ist stets betrunken und kriegt nichts mit, ein Beobachter aber fällt sofort auf. Die Seitentür an der Treppe ist zur Öffnungszeit nicht verschlossen und außerhalb der Öffnungszeit kommst du zumindest raus. Schnappschloss. Wenn du nichts trinkst, dann leg dem Kneiper wenigstens eine Mark oder so hin, damit der auf seine Unkosten kommt. Ist ein feiner Kerl, der nicht reich wird durch den Laden hier. Der Ausgang durch den Flur geht zum ersten zur Straße raus, und zum zweiten über die Hinterhöfe auch zu anderen Häusern. Nutze das ruhig, um möglichst unauffällig zu bleiben.
Großartig ausgedacht, kommentierte Alischa. Wer kommt nur auf solche Ideen?
Wer hätte in solchen Dingen die meiste Ahnung?
Nein! Du etwa?
Nicht ganz, aber die Richtung stimmt, grinste Tim.
Danach stiegen Alischa und Tim wieder die Treppe hinunter und liefen zurück durch zahlreiche Gänge und Keller, bis sie wieder vor dem Übergang standen, durch den sie vorhin gekommen waren. Tim zeigte Alischa einen Jutevorhang, der normalerweise den Übergang verdeckte. An der Wand war schwach in alten Farben die stilisierte Frau zu sehen, die dem Betrachter ihre Brüste darbot.
Den Vorhang hänge ich wieder ein, wenn ich dir nachfolge, erläuterte Tim. Der Ausflug ist hiermit beendet, mehr riskieren wir nicht. Geh du zuerst!
Nachdem Alischa die Wand durchschritten hatte, hängte Tim das Jutetuch wieder an die alten Wandhaken und folgte Alischa.
Im Übergangsraum wurde er von einer laut lachenden Alischa ergriffen, die ihn ins Wasserbecken schubste.
Überraschungsausflug gelungen, kommentierte Alischa, als beide im Wasser waren. Auch wenn ich es zumindest grundsätzlich geahnt hatte. Später kann ich über diese Kneipe jederzeit nach Peridëis?
Du musst nur aufpassen, dass es nicht auffällt. Ansonsten: Ja. So oft du willst.
Wahnsinn! Zu Fuß bin ich da vielleicht eine halbe Stunde unterwegs, mehr nicht!
Viele Leute sind auch einfach nur ein paar Stunden weg, antwortete Tim. - Wie Ausgehen. Es hat seinen Grund, dass die Taverne so aufwendig gestaltet ist.
Die kommen nur zum Rummachen nach Peridëis? Könnten die Leute das nicht genauso gut zu Hause?
Es hat seinen Reiz, anderen zuzuschauen oder selbst gesehen zu werden. Und erst die ganzen Spielgeräte. Außerdem ist nicht jedes intime Spiel von der Art, die prüde heimatliche Moralwächter ertragen. Und du kannst so laut sein wie du willst.
Stimmt! - Alleine das schon.
Und es ist wie ein Kurztrip in die Südsee.
Hauptgewinn!, rief Alischa. Gleich neben der Stadt gibt es doch die Palmenstrände mit Bananenhain und allen Schikanen – eine halbe Stunde vom Berliner Hinterhof zum Südseestrand! Aber die anderen Argumente haben mich genauso überzeugt.
Sie verließen das Wasserbecken und kehrten nach Peridëis zurück.
Alischa wollte noch etwas über das Erlebte reden und so bleiben sie noch ein wenig in der Taverne. Andere Gäste gaben Alischa taschenweise gute Ratschläge, wie sie sich in der Ostberliner Kneipe verhalten sollte, wie sich unauffällig nähern und entfernen sollte und lauter solche Dinge. Und sie sollte unbesorgt ihre Anziehsachen im Übergang lassen, weder Langfinger noch Luftfeuchtigkeit würden irgendetwas tun. Langfinger nicht, weil man davon noch nicht gehört hatte, Luftfeuchtigkeit nicht, weil ... niemand wusste, warum die Luft im Übergang völlig trocken war, wenn man sich etwas vom Wasser entfernte. Jedenfalls schimmelte da nichts. Niemals. Trotzdem gäbe es natürlich Leute, die unnötigerweise gummierte Turnbeutel für ihre Anziehsachen mitbrächten. Alischa lachte, denn vermutlich würde sie später dazugehören.
Alischa wurde noch einmal von Clara entführt, was Tim schamlos nutzte, um noch ein Bier zu trinken und mit alten Bekannten zu reden.
Hast du mal darüber nachgedacht, warum Frauen Brüste haben?, fragte Clara.
Na zum Stillen doch, antwortete Alischa.
Und warum gehen die nicht wieder weg, wenn man nicht stillt?
Warum sollen sie denn weggehen?
Weil das bei allen anderen Säugetieren so ist! Nur beim Menschen nicht. Hier hat mal eine Ärztin so einen interessanten Bildungsabend dazu gemacht...
Hier gibt es Vorträge?!
Ja, öfter. Über Peridëis, Hinweise, Ratschläge, Ideen. Dumm bleiben musste hier nicht! ... Wo war ich stehengeblieben, ach ja, da hat so eine Ärztin einen Bildungsabend gemacht. Und die hat erzählt, dass das so ist. Die Gelehrten sind sich einig, dass die Brüste außerhalb der Stillzeit ausschließlich deshalb dableiben, um als eine Art Lockmittel zu dienen. Bloß warum, darüber streiten sie sich. Brüste sind bei der Frau wie der Schweif beim Pfau. Zum Angucken oder um andere Frauen auszustechen. Bloß frag ich mich, wieso wollen die Männer einem auch Draußen ständig an die Brüste? Die gucken doch in einem fort dahin. Und bist du intim mit Männern, sind sie gleich mit den Fingern dran. Oder mit dem Mund. Nicht dass mich das stört! Ich will ja bloß sagen, dass das so ist. Oder bist du anderer Meinung?
Nein!, sagte Alischa, die rätselte, worauf Clara hinaus wollte. Natürlich wusste Alischa, dass die Männer immer an die Brüste ran wollten und drauf guckten. Bloß, wer wusste das denn nicht?
Tja, sagte Clara und tat geheimnisvoll: Wieso aber geht keiner den naheliegenden Schritt weiter und sagt, die Brüste sind für Männer und Kinder da?
Aber das sagt man doch auch. Streitet das jemand ab?
Nein. Das meine ich gar nicht. Aber wieso bloß die Brüste selbst? Wieso nicht ihr Inhalt? Wieso soll die Milch nicht auch dafür da sein, dem Mann einen Genuss bieten zu können, damit der nicht wegrennt, sondern immer alle möglichen Sachen für einen erledigt? So wie hier, bloß eben mit der Idee, dass die immer vorhandene Brust überhaupt erst dafür entstanden ist?
Ein Mann, der zugehört hatte, mischte sich ein: Weil man das genau wie zahlreiche andere Theorien nicht beweisen könnte. Eine gute Theorie muss aber stets einen Ansatz bieten, sie auch widerlegen zu können. Sonst ist es bloß eine Spekulation.
Da gibt’s aber noch ganz andere Theorien, die keiner beweisen kann, maulte Clara.
Der Mann lachte. Stimmt!, sagte er. Aber manche Dinge wollen die Menschen eben auf Teufel komm raus glauben und andere wollen sie auf Teufel komm raus nicht glauben. Und da hütet man besser seine Zunge, sonst verbrennt man sie sich.
Sagte der Mann und ging wieder.
Da haben wir es, klagte Clara. Meine Theorie ist kein bisschen schlechter als alle anderen schlechte Theorien.
Tim war inzwischen zurückgekommen und sagte: Tröste dich, immerhin gibt es tatsächlich Naturvölker, wo die Männer auch im Diesseits gerne mal die Milch ihrer Frauen naschen [63]. Allerdings müsste man auch die Frage stellen, warum das im Diesseits nicht viel weiter verbreitet ist. Ich kenne es bei den sogenannten Hochkulturen immer nur mit der Begründung irgendwelcher Wirkungen, die das Trinken von Frauenmilch für den Mann haben soll.
Klar, schimpfte Clara. Zu meiner Zeit haben die Männer ihre Frauen ja auch bloß gerammelt, um ein Kind zu zeugen. Haben sie gesagt. Wenn sie es gesagt haben. Eher musste man staunen, wo die Kinder überhaupt herkamen, weil gar nicht darüber geredet wurde.
Hast du einen Mann?, fragte Alischa, um Clara vom Thema abzulenken.
Hab ich, strahlte Clara. Leider bleiben die immer nicht lange, setzte sie betrübt fort. Jedenfalls die Besucher, ergänzte sie. Ein Mann sollte schon zaubern können und keine Angst vorm Zaubern haben, sonst wäre das ja nur eine halbe Sache. Nur wären die Besucher eben immer so eigensinnig, das wäre ein echtes Problem.
Tim gluckste und Alischa hatte wieder etwas dazugelernt.
Sie verließen die »Fritzen«-Taverne und Clara wünschte Alischa alles Gute.
Trotzdem ein nettes Mädchen, sagte Alischa, als sie draußen waren.
Nur eben eigensinnig, antwortete Tim.
Wieder in der Stadt
Wieder in der Stadt zeigte Tim Alischa noch zahlreiche Sehenswürdigkeiten, wunderliche Bauten, wie schlüpfrige Ideen. Er zeigte ihr den Sklavenmarkt, wo man sich für Minuten, Stunden oder länger anbieten konnte, wenn einem zur Lösung irgendwelcher Probleme nichts Besseres einfiel. Und sie besichtigten auch den Milchmarkt, wo Alischa sich nur zum Spaß ganz leermelken ließ. Bis wirklich nichts mehr kam und Alischa ein heftig ziehendes Gefühl tief in den Brüsten hatte. Hast du gut hingeguckt?, neckte Alischa Tim. So muss man das machen!
Aber was heißt schon, dass sich Alischa nur zum Spaß ganz leermelken ließ. Den hatte Alischa. Aber der Meistermelker hatte für seine Kunst ja auch entlohnt werden müssen. Als dieser Alischas Milch gekostet und mit lauter Begeisterung kommentiert hatte, kam noch ein Spaß zum Spaß hinzu. - Die Inhaberin des benachbarten Fuhrbetriebs bot Alischa für die ausgemolkene Milch nämlich spontan einen ihrer Ponywagen an. Samt Pony, für eine ganze Woche zur Pacht. Wobei »Pony« den Mann meinte, der den Ponywagen zog. Für dessen Verpflegung, Milchversorgung und Befriedigung hatte Alischa natürlich selbst zu sorgen. Da konnte Alischa einfach nicht nein sagen. Eigentlich hatte sie an Ausflüge in die Umgebung gedacht, aber Tim versicherte ihr, dass es ganz und gar kein Problem wäre, eine Rückfuhre für den Ponywagen zu finden, dort, wo sie hinwollten.
Wo wollen wir denn hin?, fragte Alischa.
Wenn wir morgen noch einmal bei der Peri waren, ist es Zeit, deine erste Reise zu Ende zu bringen, damit du alles verdauen kannst, sagte Tim. So ist es jedenfalls geplant. Wir gehen dann zu einem Übergang nach Algerien der etwas gemütlicher ist, als der, durch den wir gekommen sind. Lass dich überraschen.
Da ließ sich nicht viel zu sagen. Alischa bedauerte, Peridëis erst einmal verlassen zu müssen, freute sich aber auch auf die Fortsetzung und auf die Zwischenstation zu Hause in ihrer heimischen Wohnung. Aber noch war es nicht so weit.
Sag mal, druckste Alischa, die Pony-Vermieterin hat gesagt, dass ich in der Pachtzeit komplett für die Versorgung des Ponys zuständig bin...
Du willst es zu deiner Entspannung benutzen?
Alischa druckste etwas herum. Ja-aa, stotterte sie. Weißt du, mein Schoß juckt mir gewaltig die ganze Zeit hier und ich würde wirklich gerne...
Aber das ist in Ordnung! Du musst wirklich nicht um Erlaubnis fragen.
Aber ich würde lieber dich haben ... nein, ich will dich nicht überreden ... aber ... ich hätte es gerne, wenn du wenigstens zuschauen würdest. Wenn das Pony mich zwar befriedigt, aber ich ... dir ... mit dir ... ach ist das kompliziert.
Ich verstehe schon, was du meinst. Vielleicht bringt es mir ja selbst etwas Entspannung, also ganz aus Versehen natürlich.
Das würdest du für mich tun?! Alischa jubelte und fiel Tim um die Arme. Er spürte, wie sein Ohr und sein Nacken verdächtig nass wurde dabei.
Alischa begutachtete die vorhandenen Ponys und suchte sich eins mit sehr großem Penis heraus. Ich will’s einfach mal ausprobieren, sagte Alischa mit Blick zu Tim. Der verdrehte gespielt die Augen.
Der erste Ausflug in die Umgebung der Roten Rosenstadt wurde lustig. Nachdem das Pony zum ersten Mal Alischas Milch frisch aus der Brust gekostet hatte, war es Feuer und Flamme und lief beachtliche Strecken im Laufschritt, nur um Alischa zu erfreuen. Tim, selbst ein trainierter Kerl, kam kaum mit. Gemach!, rief er lachend und ganz außer Puste, du reitest dir noch dein Pony zuschanden.
Lügner, lachte Alischa.
Heute, am ersten Abend, bekam das Pony aber nur eine Handentspannung von Alischa. Das musste reichen, befand sie. Und sie befahl dem Pony, sich zu ergießen, weil sie gerne dabei zuschauen wollte und weil ihre Milch ja wohl mehr als eine Rechtfertigung für diese Forderung war. Das Pony kam dem gehorsam nach, Alischa aber fand es in aller Unschuld durchaus interessant, den nicht unbeachtlich großen Penis des Ponys zum Schwellen zu bringen und dann zu versorgen. Was tut man nicht alles, wenn man muss...
Die Nacht und die Nähe gehörten aber Tim.
Am nächsten Morgen stand die zweite Audienz bei der Großen Peri an. Die nicht verklungene Erregung des vorangegangenen Abends konnte Alischa nutzbringend verwenden, als sie den versprochenen niederen Dienst (gebückt) für den Wächter des Schlosstors zu versehen hatte. Der wünschte ihr dafür anschließend ganz offen Tim zum Mann und lobte diesen über den Klee.
Nach der für Audienzen vorgeschriebenen ordentlichen Reinigung durch die hübschen ganz gleich aussehenden nackten Frauen traten Alischa und Tim wieder vor die Große Peri.
Die Große Peri sprach zu Tim: Ich weiß ganz gut, dass du dich ehrlich um die versprochene Keuschheit bemüht hast, dass du es aber nicht ganz geschafft hast.
Tim wurde tiefrot.
Aber, aber..., wollte Alischa Tim verteidigen.
Wart’s ab, sagte die Große Peri. Dir als Frau ist ohnehin nichts vorzuwerfen, und was den Büttel als Mann anbelangt, nun, da wollen wir Nachsicht üben, denn bemüht hat er sich ja. Hast du wirklich verstanden, warum du hier bist? Auf meinen direkten Befehl geholt?
Neeein, stotterte Alischa. Nicht genau...
Besucher sind für Peridëis wie ein frischer Wind, sagte die Große Peri zu Alischa, und werden aus diesem Grund in einem gewissem Umfang geduldet. Peridëis braucht Ideen und Phantasien, die von außen kommen. Besucher bringen Neues, neue Welten, neues Geschehen, neue Farben, neue Klänge, neue Formen, neue Sitten. Auch solche von der feuchten Art. Du wirst verstehen, dass es lohnend ist, die Besucher sorgfältig auszuwählen. Die Einwohner hier leben nur in ihrer gegebenen Welt. Sie erfinden nichts Neues. Besucher von außen sind aber ein wenig wie Künstler, die Peridëis mitgestalten. Dafür gewähren wir künstlerische Freiheit und Narrenfreiheit. Sogar wenn Besucher über die Stränge schlagen. Wir Peris haben genau wie ihr Besucher Phantasien und Träume, aber alleine geblieben erginge es uns wie Menschen, die man in einen goldenen Käfig sperrt – Peridëis würde auf Dauer veröden, weil unsere Gedanken und Phantasien über die Zeit veröden. Und wir brauchen euch nicht nur zum Zeitvertreib (Alischa schluckte), sondern auch als Spiegelbild und Prüfstein. Daneben brauchen wir euch aus einem praktischen Grund: Ihr verseht verschiedene Dinge für uns. Kurz und gut: Eure Phantasie, eure Erfahrung und eure Arbeit im Austausch gegen die Freuden von Peridëis, das ist unser Angebot an euch. Es ist wenig, was wir verlangen. Du aber, Alischa, hast deinen Aufenthalt hier in Peridëis sogar schon gerechtfertigt.
Wie das?, fragte Alischa verblüfft.
Nun, sagte die Große Peri, du hast durchaus ein Opfer gebracht, als du dich diesem Hauptmann Prillwitz hingegeben hast. Das hat mich auf eine Idee gebracht. Du sollst mit einen einzigen Auftrag im Diesseits die Restschuld deines interessanten Büttels vollständig abarbeiten können. Ich habe wohl bemerkt, dass eure Herzen füreinander schlagen. Mir gefällt das. Wenn du meinen Auftrag ausführst, verzichte ich auf jene Ansprüche, die ich auf seinen aufgerichteten Luststab habe.
Alischa musste wohl etwas erschrocken geguckt haben, jedenfalls sagte Tim neben ihr: Hat sie, Alischa. Die Große Peri ist eben sehr großzügig gewesen.
Natürlich!, dachte Alischa. Natürlich! Himmel, wie konnte ich mich nur so gehenlassen. Ich stehe vor einer mächtigen Zauberin. Ich habe nur nicht daran gedacht. Was für ein Glück, dass sie verzichtet.
Alischa war tatsächlich dankbar. Und um das zu zeigen, vollführte einen tiefen Knicks. Versehentlich beugte sie dabei ihren Kopf.
Diese Männersitte gewöhnst du dir besser so schnell wie möglich ab, sagte die Große Peri streng und zog Alischas Kinn hoch. Dann setzte die Peri fort: Doch zu meiner Idee. Erfüllst du diesen Auftrag, also wenn er wirklich erfüllt wird, soll dem Büttel sein Zölibat erlassen werden, womit du ihn genießen kannst. Und da er im selben Zug das Recht erhält, offiziell in Peridëis zu leben, bleibt er dir auch. Der Auftrag an dich wäre nicht schwierig, aber schwerfallend. Willst du ihn hören?
Alischa und Tim hörten atemlos zu. Doch dazu später.
Schließlich fragte die Große Peri: Seid ihr einverstanden mit diesem Angebot? Du, Alischa?
Ja!, sagte Alischa fest.
Du, Büttel?
Ja, sagte Tim schluckend.
Sie waren entlassen und ihre Audienz beendet.
Von dem Auftrag will ich erst wieder hören, wenn es unmittelbar darangeht, ihn auszuführen, sagte Alischa, als sie draußen waren. Aber nicht hier in Peridëis. Einverstanden?
Ist mir sehr lieb, antwortete Tim. Hat die Große Peri dich sehr beeindruckt?
Ja.
Sie übertreibt ein wenig, und zwar zu ihrem Gunsten. So schnell verblasst Peridëis nicht. Aber sie selbst ist unersättlich.
Zu meinem Glück, antwortete Alischa, sonst wäre ich doch nicht hier, oder? Und immerhin war sie so großzügig, dich freizugeben.
Stimmt.
Die beiden liefen eine Zeit lang schweigend nebeneinander her.
Und was nun?, fragte Alischa.
Tim atmete tief durch. - Zurück ins Diesseits, sagte er. Aber mit allem Komfort, und durch einen gefahrlosen Übergang. Du musst noch in Algerien Urlaub machen, damit du dort gesehen werden kannst und etwas zum Erzählen hast. Von dort aus wirst du nach Hause zurückkehren. Dir bleiben noch gute zehn Tage Urlaub im Diesseits.
Wieso zehn Tage?
Dein gebuchter Urlaub! Hinreise, Aufenthalt, Rückreise. Die Zeit hier in Peridëis schlägt nur dividiert durch zwölf zu Buche. Schon vergessen?
Hören und begreifen sind zweierlei, sagte Alischa.
Tröste dich, antwortete Tim, das geht jedem so.
Bist du mit dabei?, fragte Alischa, ahnte die Antwort aber schon.
Nein, leider nicht. Du hast deinen Flug alleine angetreten und musst alleine ankommen. Ich existiere bei deiner Reise gar nicht und du hast mich auf der Reise auch nie gesehen. Wir sehen uns aber in gar nicht so langer Zeit wieder. Wenn...
Wir wollten jetzt nicht darüber reden.
Alischa schien das Draußen, das Diesseits, unendlich fern. Aber es war ja ein Auftrag zu erfüllen. Trotzdem. Jetzt war Jetzt, Hier war Hier. Und danach kam auch noch der offizielle Urlaub. Man musste sich also wirklich nicht die Stimmung verderben lassen.
Sie verließen die Stadt. Alischa auf dem Ponywagen mit einem glücklichen Pony, das wohl die beste Fuhre seines Lebens beförderte (feinste allerbeste Milch), und Tim zu Fuß. Diesmal auf einem grünen Pflasterweg.
Ich frage mich, sagte Tim, woher weiß die Peri, das es Verstöße gegen das Zölibat gegeben hat? Ob die Peris tatsächlich über alles in Peridëis informiert sind, oder zumindest über fast alles?
Alischa lachte: Diese Frage von dir! Das ist doch ein uralter Jahrmarktzauber. Überlege doch mal. Wie viel Prozent der Männer masturbieren?
Ich weiß nicht. Die meisten vermutlich.
Eher fast alle, ich glaube um die 97 Prozent. Jetzt nimm die enorme Sexualität in Peridëis, und dazu die vielen sexuellen Handlungen anderer Leute, die du direkt oder indirekt mitkriegst, was dich erregen muss. Noch dazu eine dauererregte Frau ständig neben dir, sodass du laufend in meine dauererregte Duftwolke reinrennst. Das muss selbst beim härtesten Mann mindestens nächtliche Sexträume und Spontanergüsse geben. Das ist, als wenn ein Sommergewitter aufzieht und du sagst als Wetterprophet Regen voraus. Ich glaube, so halten Klöster und religiöse Sekten ihre Mitglieder in Schach - es ist absehbar, dass das keiner aushält. Irgendwann kriegt jeder heiße Gedanken oder hilft mit der Hand nach, um den Druck loszuwerden. Anschließend hat man ein schlechtes Gewissen, und weil keiner seine Sexualität richtig abschalten kann, gibt’s ein dauerschlechtes Gewissen, was genau die richtige Grundlage ist, um seine Schäfchen unter Kontrolle zu halten. Alle denken, keiner sündigt, nur ich, denn typischerweise tun ja alle ach-so-heilig und sündenfrei. Also muss ich noch härter an mir arbeiten. Kennst du das Paradoxon des Epimenides?
Nein.
Der war selber Kreter und hat gesagt »Alle Kreter lügen.« Die unlösbare Frage ist jetzt, lügt er oder hat er recht?
Tim lachte
Alischa fuhr fort. Und genauso wie das Alle-Kreter-lügen-Paradoxon müsste man das Enthaltungs-Paradoxon definieren: Alle Enthaltsamen sind nicht enthaltsam. Mach eine Ideologie draus und du übst Kontrolle aus.
Tim schwieg.
So ging es eine ganze Weile schweigsam vorwärts auf dem grünen Pflasterweg.
Schließlich räusperte sich Tim. Nimmst du es mir übel, wenn ich das Zölibat jetzt trotzdem durchziehe, weil ich nichts riskieren will? Weil ich schon so viel investiert habe?
Alischa seufzte. Nein, ich nehme es dir natürlich nicht übel. Ich habe nur ständig Angst, dass in deinem Zustand eine andere Frau ein leichtes Spiel hat. Schau doch mal an dir runter. Der kleinste Anlass und dein Penis steht aufrecht! Und außerdem habe ich Angst, dass dich dieser ständige starke Zwang verändern könnte. Wehre dich wenigstens in deinen Träumen nicht gegen deinen Drang. Wenn dir das gelingt, lass mich das Ziel deiner Erregung sein, ganz egal was du da gerade mit mir tust. Versuchst du das?
Ja.
Danke.
Brrrr!, rief Alischa dem Pony zu und dieses blieb stehen.
Komm mit ins Gebüsch, sagte Alischa zu Tim, meine Brüste drücken mir. - Sie stieg vom Ponywagen ab und zog Tim an der Hand hinter sich her, bis das Pony nichts mehr sehen konnte.
Das Pony schummelt
Als sie auf dem grünen Pflasterweg dem Übergang ins Diesseits entgegenzogen, hatte Alischa doch nicht ein einziges Mal das (sehr willige) Pony genutzt. Manche Dinge sind in der Fantasie eben ganz anders als in der Realität, es gibt richtige Augenblicke und falsche Augenblicke, und es gibt Stimmungen, die sich ändern. Alischa holte sich ihr Quantum Nähe und Befriedigung lieber von Tim, dem es die Peri nicht untersagen konnte, sich zu Alischa zu legen. Überdies hatte Alischa in letzter Zeit das Gefühl, vielleicht den Gipfel erreichen zu können, wenn Tim die Milch aus ihrer Brust sog. Der Grund mochte sein, dass die Milch inzwischen gut floss und sich ein interessanter Druck in ihren Brüsten aufbaute, der sich in Schüben löste und das Fließen in ihren Brustspitzen fühlbar machte. Tim hatte auch ein Gefühl für die tieferen Geheimnisse in Alischas Brüsten entwickelt - wann welche Stelle gesogen oder gezogen, gedrückt oder massiert, zart oder hart angefasst werden wollte. Er spielte damit, Alischas Brustspitzen mal im Mund zu haben und mal herauszunehmen, um sich die Milch stattdessen mit den Fingern ausmelkend in den Mund zu spritzen - oder die ach so kostbare Hexenmilch einfach herumzuspritzen, sich damit einzucremen oder was auch immer. Das vermochte nur er auf diese besondere Weise, dieses Hineinfühlen in Alischas Seele und die körperlichen Tiefen ihrer Brüste. Wobei es umgekehrt auch Alischa sein konnte, die immer wieder aufs Neue genau das wollte, was er gerade machte. So etwas ist schwer voneinander zu trennen, aber was macht das schon, die Erfüllung ist am Ende dieselbe.
Das arme Pony hatte das Nachsehen. Da es sich große Mühe gab, ließ Alischa es aus Mitleid, echtem Mitleid, zumindest einmal am Tag an sich heran, aber nur an ihre Brüste, und leerte dabei dessen Penis mit der Hand. Sie bestand auf leeren, nicht bloß Höhepunkt ohne Erguss. Der Wächter im Schloss hatte Alischa nämlich verraten, dass der Männertrick mit dem trockenen Höhepunkt auch bewirkte, dass die Männer sehr viel schneller wieder bereit für Frauen waren. Das wollte Alischa bei dem Pony gerade nicht. Bei ihrer kostbaren Milch konnte sie ein Ausspritzen des Samens ja auch wohl verlangen und sie hatte dem Pony mit abgepumpter Milch gedroht, falls es seinen Samen zurückhalten würde. Immerhin trafen sie unterwegs zwei Mädchen, die Lust hatten, sich an dem Pony zu vergnügen. Alischa verstand jetzt, was die Sklavenhändlerin gemeint hatte, dass das Pony auch seinen Teil braucht. Eine zickige Frau wählte wohl besser den Weg zu Fuß.
So ging es denn vorwärts auf dem grünen Pflasterweg und Alischa hatte ein wenig Wehmut. Natürlich unbegründet, sie konnte ja jederzeit wiederkommen. Aber wenn man diese schöne Landschaft an sich vorüberziehen sah, die angenehme Grunderregtheit des Schoßes spürte, an die völlig fehlende Prüderie dachte und dabei gemütlich im Ponywagen saß, mit Tim schwatzte, es sich wohl sein ließ (was während der Fahrt ganz ausgezeichnet ging), ach ... das wollte man gar nicht loslassen.
Einmal war sie schwach geworden. Während sie Tim ihrem Zaubertrank gab, war ihr Körper allzu sehr in Wallung geraten, besonders der Schoß. Und da hatte sie dem Pony halb von Sinnen befohlen, seine Zunge zu benutzen, um ihre zu weit gehenden Wünsche zumindest vorläufig etwas zu lindern. Das Pony kam ihrem Befehl überraschend dezent nach und ahnte wohl, wie es am ehesten die Chance haben könnte, in jenes Ziel hineinzugelangen, das zu beruhigen der Zunge erlaubt worden war. Jedenfalls stand das Pony längst wieder demütig nach vorne schauend an Ort und Stelle, als Alischa aus ihrer Dämmerung auftauchte.
Weiter ging es vorwärts auf dem grünen Pflasterweg. Mehrere Täler zweigten ab, mehrere Wege mündeten ein und einmal waren sie auch im Mondschein gefahren.
Nach einigen Tagen öffnete sich das Tal zu einer Art Steppenlandschaft, die immer wieder von einzeln stehenden kleineren Felsen unterbrochen wurden, jeder zwischen einem und vielleicht fünf Meter hoch. So trockenes Grasland hatte Alischa in Peridëis so noch nie gesehen, denn hier war der Boden normalerweise immer gut durchfeuchtet und die Pflanzen tiefgrün, wenn sie nicht bunt waren.
Aber nicht hier.
Und in der Mitte des Tals in der Mitte der trockenen Steppenlandschaft stand ein Gebäude aus Holz.
Woran erinnert mich diese Art Gebäude?, rätselte Alischa.
Tim runzelte die Stirn: Ich bin diese Strecke zwar noch nicht gefahren, aber von diesem Tal und diesem Haus hat noch nie jemand erzählt, sagte er. Sind wir falsch gefahren? Die Farbe des Weges hat jetzt irgendwie ein anderes Grün.
Tschitscheringrün, sagte Alischa.
Tschitscheringrün?!
Alischa lachte. Der Trabant meiner Eltern hat diese Farbe. Mein Vater nennt alle undefinierbaren Grüntöne tschitscheringrün. Zum Beispiel die Ölsockel in öffentlichen Klos.
Was bedeutet dieses Wort?
Keine Ahnung. Sag es mir, falls du es erfährst.
Hm, sagte Tim. Lass uns einfach schauen, was in diesem Haus da ist. Für heute ist es ohnehin zu spät und vielleicht gibt es da was Interessantes.
So fuhren sie auf dem tschitscheringrünen Pflasterweg weiter, doch plötzlich wich das Pony vor einem fünf Meter hohen Felsen unerwartet vom Weg ab und der Wagen fuhr auf dem Gras weiter.
Was ist denn jetzt los?, fragte Alischa laut.
Das Pony schaute ängstlich zurück, zog aber unbeirrt übers Gras weiter und hatte offenbar vor, sich dem Holzhaus in einem großen Bogen zu nähern.
Tim, der noch schnell einen Blick auf den Felsen geworfen hatte, holte im Laufschritt auf und rief Alischa zu: Nur Katzengold!
Richtig! Die Einwohner mochten das nicht. Aber deshalb so einen großen Umweg?
Egal, sie näherten sich dem Holzhaus. Nur eben von einer anderen Seite.
Plötzlich lachte Alischa los. Weißt du, woran mich das Haus erinnert?
???
An Wildwest-Filme!
Alischa hatte recht, denn an der Vorderfront des Hauses stand oben »Saloon«, und auch alles andere war recht eindeutig, einschließlich der Tür.
Hoffentlich hast du nicht bis zur letzten Konsequenz recht, sagte Tim, ich habe gerade keine Lust auf Schießereien und Indianerüberfälle, selbst wenn die mit Wattebällchen werfen.
Als sie aber vorm Saloon angelangt waren, sagte Tim: Na dann spielen wir eben mal mit. - Und band das Pony vor dem Saloon an, wie sich das gehörte.
Tag auch, tönte es Alischa und Tim entgegen. Neue Gesichter. Wie kommt das?
Ein Barkeeper stand hinterm Tresen und putzte Gläser, etliche Gäste in Cowboykostümen saßen an Tischen weiter hinten im Raum, tranken Whiskey und spielten Poker. Aber nicht viele.
Wir haben uns wohl verirrt, sagte Tim. Eigentlich suchen wir eine andere Taverne.
So so, sagte der Barkeeper. Wie passiert denn sowas?
Eigentlich sollte unser Pony den Weg kennen, antwortete Tim. Was aber nicht der Fall zu sein scheint
Was hast du dem Pony denn gesagt?, fragte der Barkeeper.
Dass ich zu der Taverne will. Zur Tam-Taverne, so heißt die.
Kenne ich. Hast du dem Pony auch gesagt, wo es lang soll, oder nur das Ziel?
Tim druckste etwas, ihm schwante aber, was der Fehler war.
Der Barkeeper lachte dreckig. Du bist doch offenbar kein Greenhorn, wie kann dir so was passieren? Bist du noch nie Taxi gefahren? Wenn du nicht höllisch aufpasst, kurvt dich der Taxifahrer dreimal im Kreis um die Stadt, um dich ausnehmen zu können. Du hast da ein ausgesprochen leckeres Mädel bei dir, und je länger die Fahrt, desto mehr Spaß hat das Pony an dem Leckerbissen von Mädel.
Tim zog seine Gerte aus dem Halfter und ging nach draußen.
Alischa hörte Tim vorm Saloon laut fragen.
Wie viel hast du verdient?
Hundert Schläge Herr! Ich habe es verdient! Ich habe euch gemein betrogen! Bestrafe mich, oh Herr.
Bist du Masochist?
Ja, oh Herr.
Dann kriegst du zur Strafe keine Strafe.
Tim kam herein und der Barkeeper lachte währenddessen Tränen.
Zwei Bier. Hast du Bier?, fragte Tim, finster blickend.
Hast du Geld?
Geld? Warum?
Warum? - Das hier ist ein anständiger amerikanischer Saloon, und da kannst du drei Sachen gar nicht machen: Erstens nackt sein. Du musst wenigstens behaupten, dass du angezogen bist. So gibst du allen eine Chance, zu übersehen, dass du nackt bist. Gilt auch fürs Rumvögeln in der Öffentlichkeit, was ja dasselbe ist. Und zweitens irgendwas grundsätzlich kostenlos machen. Das ist nämlich kommunistisch. Also lässt du dir Dollars schenken, was alle Gäste hier als barmherzige Menschen auch machen werden. Mit den Dollars bezahlst du. Das ist nicht kommunistisch.
Und drittens?
Drittens darfst du niemanden sehen lassen, dass du Alkohol trinkst.
Aber hier trinken doch alle Alkohol.
Der grundlegende Unterschied ist: Du siehst es nicht. Weil die Becher undurchsichtig sind.
Gibt’s noch mehr solche Sachen hier?
Viele.
Und woher soll ich die alle wissen?
Das merkst du daran, dass der Sheriff dich einbuchtet. Da hinten (er zeigte in die Ecke der Taverne) ist das Gefängnis.
Und dann?!, rief Alischa, die die ganze Zeit danebengestanden hatte, entsetzt aus.
Dann wirst du wieder freigelassen. Der Barkeeper zuckte mit den Achseln. Du hast getan, was du wolltest, der Sheriff hat gezeigt, dass hier Ordnung herrscht, ich komm nicht mit dem Gesetz in Konflikt, kurz: Alle hatten ihren Spaß. Und hier hast du zwei Bier, damit ihr sehen könnt, dass wir hier anständiges Bier haben.
Alischa nahm verwirrt ihr Bier (in undurchsichtigen Bechern) und zog ab zum Tisch am Fenster.
Sie kehrte zur Bar zurück: Wenn ich jetzt einen Strip hinlege und mich dafür bezahlen lasse, kriege ich erstens Dollars, komme zweitens ins Gefängnis, komme drittens sofort wieder frei, und kann viertens bezahlen, was ich bestelle. Stimmt das?
Korrekt.
He, wieso willst du strippen?, fragte Tim. Du hast doch gehört: Frag die anderen Leute und die schenken dir was.
Nein, lachte Alischa. Mit dem Strip habe ich durch harte Arbeit anständiges Geld verdient. Und außerdem wollte ich erstens schon immer mal richtige Dollars haben und zweitens schon immer mal einen richtigen Strip machen.
In Windeseile entwischte Alischa Tim und kletterte mitten im Saloon auf einen freien Tisch.
Ladys und Gentelmänner. Wie lange ist es her, dass ihr eine anständige Frau nackt gesehen habt? Kommt her und genießt, hier habt ihr eine anständige Frau. Wer will, wer will, wer hat noch nicht? Komm und seht, jeder Zentimeter bloßen Fleisches meines Körpers ist sein Geld wert!
Tim ließ sich grinsend auf einen Stuhl fallen, legte die Beine auf den Tisch und schaute gespannt zu.
Die Männer sprangen von ihren Tischen auf und kamen johlend näher.
Alischa hatte nur ihr Kleid zum Ausziehen, aber auch damit konnte man gemein langsam spielen und Alischa ließ sich Zeit damit, ein Stück Haut nach dem anderen den Blicken preiszugeben. Natürlich jeden Zentimeter für extra Dollars. Die leider längst freigelegten Brüste erhöhte sie im Wert, indem sie diese wackeln ließ, sich mal vorbeugte (gegen extra Dollars), mal zurückbog und auch sonst allerlei Gaukeleien damit anstellte. Aber nur Dinge, die rein fürs Auge bestimmt waren.
Tim aber drehte sich um, damit er durch die Tür nach außen schauen zu konnte. Sein Verdacht war nicht unbegründet, da hatte es doch dieses Pony gewagt, neugierig hereinzulugen. Na warte!, rief Tim, sprang nach draußen und knotete das Pony sehr fest an einer Stelle an, die so abgelegen war, dass das Pony nicht einmal mehr hören konnte, was drinnen vor sich ging.
Als Tim kurz danach wieder in den Saloon trat, war das Kleid unmittelbar vorm Fallen. Doch auch das wurde lange genug hinausgezögert. Sie würden gut essen können dafür!
Leider war irgendwann nichts mehr hinauszuzögern und Alischa stand ganz nackt oben auf dem Tisch. Doch Alischa überschritt auch danach nicht die Grenze des Burlesken, die hier natürlich weiter auszulegen war als im Diesseits, aber eben trotzdem existierte. Das heißt, sie bot nicht ihre Vulva dar, sondern hielt die Beine züchtig zusammen, was nicht hieß, dass sie diesen Bereich nicht betonte. Nein, ihre Hände strichen spielerisch um den Schamhügel und ihre Schenkel herum, sie zeigte ihren runden femininen Hintern ausgiebig, und viele Dollars lagen jetzt auf Alischas Tisch und darunter und darum.
Dankeschön, lachte Alischa, ihr habt einer armen reisenden Frau, die sich verirrt hat, erspart, um ihr Essen betteln zu müssen.
Lachen und Johlen.
Eins würde sie den Männern noch gönnen. Als Alischa sich bückte, bekam, wer hinschaute, doch noch jene Stelle zu sehen, wo hinten die Schenkel zum Po zusammenlaufen, dabei aber einen O-förmigen Umweg nehmen, um Platz zu lassen für die geheime Pforte, die dazwischen lag. Aber obwohl Alischa sich viel nach allen Seiten bücken musste, um all ihre Dollars aufzusammeln: Die geheime Pforte bleib geschlossen. Jedenfalls für die johlenden Männer.
Die nackte Alischa sprang mit Schwung auf den Schoß von Tim. Der ächzte laut auf und der Stuhl krachte unter ihnen zusammen.
Die Männer klatschten Beifall und zogen sich zu ihren Tischen zurück.
He, wieso werde ich nicht festgenommen?, fragte Alischa.
Der Sheriff war mal pinkeln.
Ein Mann trat an die Bar, der definitiv nicht pinkeln war.
He!, du warst gar nicht pinkeln, sagte Alischa lachend
Aber mein Sheriffstern war pinkeln, sagte der, zog das Ding aus der Tasche und steckte es sich an. Dein Kleid scheint mir übrigens etwas gewagt zu sein, sagte er zu der völlig nackten Alischa. Richte das mal ein wenig. Wir wollen hier keinen Ärger.
Und ging zu seinem Tisch, um das begonnene Pokerspiel fortzusetzen.
Alischa machte sich wieder stadtfein und fragte dabei den Barkeeper: Habt ihr was zu Essen?
Und sie legte einen Haufen Dollars auf die Bar. Es waren alles dicke Goldstücke, die vorne wie hinten mit dem Peridëis-Symbol verziert waren. Eine Zahl zeigten sie nicht. Ein Goldstück, ein Dollar, so einfach war das.
Die großartigsten Sachen haben wir zu essen, sagte der Barkeeper.
Das Essen war in der Tat großartig und Alischa war auch nicht so gemein, das Pony draußen zu vergessen. Gaunereien hin, Gaunereien her, das Pony war eben arm dran, und eine Bestrafung sollte gewisse Grenzen auch nicht überschreiten. Im Laufe des Abends trat sogar noch ein Sänger auf, bei dem sie aber nicht so genau hinhörten, weil es nicht ihre Generation Musik war. Es war sein eigenes Lied, wurde erzählt, und er sang im Grunde auch nicht schlecht. Irgendwas mit »Love me Tender«, ein Song den Alischa definitiv schon irgendwo gehört hatte. Jemand aus der Ecke hinter ihnen rief Ruhe!, weil sie zu laut quatschten. Dabei war es ja die laute Musik, die sie dazu zwang.
Doch irgendwann muss jeder Abend ein Ende haben und sie zogen sich zurück.
Das Zimmer war recht annehmbar und mit einer altertümlichen Badewanne versehen, die Alischa auch nutzte, weil sie bei ihrem Strip ziemlich geschwitzt hatte.
Die Nacht verbrachten sie in einem wunderbaren Federbett. Nicht dass sie bisher schlecht geschlafen hatten. Nicht dass sie bis dahin ein Federbett vermisst hatten. Aber eins zu haben, war trotzdem angenehm. Insbesondere, weil Alischa sich vorstellte, mit Tim in einer gemeinsamen Wohnung im gemeinsamen Ehebett einzuschlafen. Eins ohne Ritze sowie eine gemeinsame große Decke, nicht zwei.Was das anbelangte, war sie furchtbar konservativ. Ein gutes Thema für die abendliche Entspannungsübung zum Einschlummern.
Am nächsten Morgen sagte das Pony von ganz alleine, dass es sich keine Extravaganzen mehr leisten würde, und schaute auch sehr zerknirscht drein. Doch zehn Minuten später scheute das Pony wieder, als sie sich dem Felsen näherten, wo es schon beim Hinweg einen großen Bogen gemacht hatte. Tim ließ Halt machen und ging, sich den Felsen näher zu besehen.
Alischa hörte einen anerkennenden Pfiff, kurz nachdem Tim in einer Felsspalte verschwunden war. Als er zurückkehrte, gestattete er dem Pony den Umweg und sagte zu Alischa gewandt: Ein Übergang! Kein Wunder, dass das Pony Angst hat. Die Einwohner nähern sich diesen niemals. Aber es ist nicht unser Übergang, ich vermute, dieser hier geht irgendwo nach Nordamerika.
Naheliegend sagte Alischa, die trotzdem überrascht war. Du, sagte sie, kann ein Übergang nach Amerika und einer nach Australien direkt nebeneinander sein? Sodass man darüber in ein paar Minuten von Amerika nach Australien kommt?
Ja, sagte Tim.
Oder von Ostberlin nach Westberlin?
Messerscharf nachgedacht. Nicht ganz. In Westberlin wüsste ich keinen Übergang; deshalb kommen die Westberliner auch in den Osten. Aber in die Schweiz: Ja. Da weiß ich, dass ein Übergang existiert. Aber pass wahnsinnig gut auf, dass du dich durch diese Möglichkeit in Ostberlin nicht verrätst.
Durch mitgebrachte Westsachen?
Nein, das geht ja nicht. Aber du kriegst Sachen zu sehen, die jeden im Osten interessieren. Und dafür interessiert sich wiederum die Stasi sehr. Genau dafür.
Ich werde mir das gut merken, danke für den Hinweis.
Wenn dein Rededrang übermächtig wird, dann denk dir am besten eine inzwischen gestorbene Bekannte deiner Tante aus, die mal in der Schweiz war. Und der unterstellst du das Erzählte. Sowas in der Richtung. Aber sei vorsichtig. Wenn einer zu lästig nachfragt, dann nicht neue Sachen ausdenken, sondern sag »keine Ahnung, das hat die mir nicht erzählt«. Sonst verhedderst du dich früher oder später. Lügen ist unglaublich anstrengend. Also such dir zum Erzählen lieber nur Leute, die Peridëis auch so kennen. Dafür ist die Taverne ein hervorragender Ort.
Irgendwann waren sie von dem falschen (tschitscheringrünen) wieder auf den richtigen grünen Pflasterweg gelangt. Weiter ging’s. Und weil Alischa das Pony getröstet und ihm seinen Schummel verziehen hatte, zog es mit alter Begeisterung.
Die Tam-Taverne
Alischa und Tim waren noch vier Tage unterwegs, da stieg der grüne Pflasterweg hinter einer Kreuzung langsam in Richtung Gebirge an, bis das Tal sich erst etwas weitete, aber dann an einer steilen Felswand endete. Der dichte Wald führte bis an einen grasbewachsenen Hang, der den steilen Felsen unten abschloss. Der grüne Pflasterweg ging schräg den Hang hinauf und endete zu Füßen einer Treppe, von der im Moment nur der Anfang zu sehen war.
Wir sind am Ziel, sagte Tim. Da oben ist die Tam-Taverne, zu der wir wollten.
Das Pony schnaufte, als die Wegsteigung stärker wurde und strahlte, als es den Weg geschafft hatte und sie zu Füßen der Treppe standen, die hinauf zur Tam-Taverne führte.
Zu Füßen der Treppe befand sich ein kleines Quell. Alischa sprang vom Ponywagen, schöpfte mit beiden Händen etwas Wasser aus der Quelle und schüttete das Wasser dem Pony ins Gesicht.
Hast du prima gemacht, Pony!, rief Alischa. Ich bin sehr mit dir zufrieden. Hast du einen besonderen Wunsch?
Der nicht zu vermessen ist, ergänzte Tim.
Das Pony schaute demütig zu Boden. Ich würde überglücklich sein, wenn du mir einen kleinen Vorrat von deiner Zaubermilch für den Rückweg überlässt.
Du weißt, dass ich eine Hexe bin?
Ja, oh Herrin. Deine frische Milch hat mich berauscht und mir förmlich Flügel verliehen. Deine Milch ist weit stärker, als man es sich von Hexenmilch unter der Hand zuflüstert.
Hast du keine Angst vor mir?
Doch. Große Angst.
Und trotzdem hast du mich gezogen?
Der Lohn war unbeschreiblich. Da hat sich die Angst in Lust gewandelt.
Meinst du, dass es anderen Leuten ähnlich geht?
Vielleicht. Wo kommen sonst all die Gerüchte über die Hexen her?
Alischa lachte. Du bist schlau, Pony! Also danke...
Nein!, bitte nicht, rief das Pony. Du schuldest mir keinen Dank!
Gut, sagte Alischa. Sie sah Tim fragend an.
Tim stieß Alischa in die Seite und zeigte auf ihre Brüste. Alischa wurde rot, weil sie vergessen hätte, was sie wenige Augenblicke zuvor versprochen hatte.
Hast du einen Krug für die Milch?, fragte Tim das Pony.
Nein, Herr. Ich habe nur ein Töpfchen Notvorrat an Frauenbutter bei mir
Ich hätte mir doch mal zeigen lassen sollen, wie man Frauenbutter macht, fiel Alischa ein.
Milchpulver geht schneller, sagte Tim.
Herr?, ließ sich das Pony hören
Ja?
Ich wäre auch zufrieden, wenn mir die gütige Hexe noch ein letztes Mal ganz frische Milch gönnen würde. Versteigert mich anschließend gegen neue Räder und alles ist gut. Der neue Mieter mag sich später um mein Wohl kümmern.
Gemacht, sagte Alischa.
Gib dem Pony seine Belohnung und ich sehe inzwischen zu, ob ich das Pony versteigert bekomme, sagte Tim. Ich bin gleich zurück.
Tim stieg die Stufen zur Taverne empor. Als wäre dies ein Signal, sog sich das Pony mit einem Mal ungestüm, um nicht zu sagen wild, an Alischas Brust fest und Alischa hatte das Gefühl, nur wenig mehr, und ihr würden die Augäpfel nach innen gesogen.
Das ist viel zu heftig, schrie Alischa erschrocken. Aua! Das tut weh!
Das Pony ignorierte Alischas Ausruf. Nicht nur das. Es schien das Ende der Reise ausnutzen zu wollen, um alles aus Alischa herauszusaugen, was irgend ginge. Oder Alischas Milch wirkte tatsächlich so stark, wenn niemand auf das Maß achtete. Wie auch immer, das Pony geriet jedenfalls in einen Zustand wahrer Raserei.
Alischa wehrte sich mit Händen und Füßen, aber das Pony war viel stärker als sie und saugte an ihrer Brust, als würde es die Brustwarze herausreißen wollen.
Das zahle ich dir heim, du undankbares Krepel, schrie Alischa wütend und stach ihre Fingernägel tief in die Arme des Ponys.
Das Pony bäumte sich vor Schmerz auf, ließ aber nicht los. Da zog Alischa ihre Fingernägel so tief es ging durch seine Haut, ganz als würde sie wie ein Bauer den Acker umpflügen wollen. Ein dumpfer erstickter Schmerzschrei entwich der Nase des Ponys, aber es ließ kein bisschen los, sondern saugte und riss mit aller Kraft.
Da kam Alischa ein Gedanke. Sie war doch Hexe! Ob ihr der Hexensprung gelingen würde? Während das Pony mit aller Kraft an ihrer Brust sog, sah Alischa hoch zum Taverneneingang und wünschte sich so intensiv wie möglich, dorthin zu gelangen. Nichts passierte. Noch einmal ein Versuch starker Konzentration. Doch das Rupfen des Ponys an ihrer Brust ließ keine Konzentration zu.
Was bin ich für eine blöde Kuh!, schalt sich Alischa plötzlich selbst. - Tim war nämlich noch auf der Treppe. Weit oben, aber noch in Reichweite. Wieso habe ich ihn nicht gleich gerufen? Alischa ließ ein gellendes Kreischen hören.
Tim wandte sich augenblicklich um, und schon raste er, mehrere Stufen auf einmal nehmend, die Treppe herab.
Alischa spürte mit einem Mal Kraft in sich aufsteigen, fühlte sich damit dem Pony weit überlegen und biss ihm mit voller Kraft in den Unterarm.
Auuuuuuuuuuuu!
Das war etwas Anderes! Das Pony hatte dazu loslassen müssen, aber dafür ließ Alischa nicht los, selbst als das Pony sie zu Boden riss. Erst als Tim heran war, gab sie das Pony zwischen ihren Zähnen frei. Im Nu hatte Tim die Gerte aus dem Gürtel gezogen und das Pony kriegte Saures auf den Hintern.
Au-Au-Au-Au, schrie das Pony und Alischa machte einen Satz hinter Tim und bedeckte sicherheitshalber ihre Brustwarzen mit ihren flachen Händen.
Das hast du davon, rief Alischa. Sie setzte sich nach hinten auf den Berghang und schaute zu. Feste! Das Vieh kann noch mehr vertragen!, feuerte Alischa Tim an.
Au-Au-Au-Au, schrie das Pony erneut, denn eine Flucht war wegen des angekoppelten Wagens kaum möglich.
Oben, wo die Tavernentür sein mochte, wurde lautes Gelächter hörbar. Ein Mann rief von oben: Lass den Hintern ganz, ich habe eine bessere Idee!
Welche denn?, rief Tim hoch und vergaß dabei nicht, das Pony an einem Ohr festzuhalten.
Ich kaufe es dir ab, rief der Mann von oben. Ich verspreche dir als Gegenleistung, dass das Pony mich schneller als ein Rennpferd zur Stadt zurückbringen wird.
Bitte nicht!, rief das Pony kläglich.
Doch, das ist gerecht, befand Alischa gehässig.
Und so wurde es beschlossen. Der Käufer, der seiner Kleidung nach ein Araber war, mochte den Kauf zwar nicht per Handschlag besiegeln, tat dies aber mit einer artigen Verbeugung zu Alischa hin.
Leute wie er, flüsterte Tim Alischa ins Ohr (hielt das Pony aber immer noch am Ohr fest), geben fremden Frauen aus sittlichen Gründen niemals die Hand. Aber an der Möse scheint es in Ordnung zu sein, habe ich den Eindruck.
Der Mann trug nämlich ein knöchellanges weißes Gewand, das wie Alischas Kleid vorne vom Bauch abwärts weit ausgeschnitten war und das im Moment eine sehr herausragende Erektion sehen ließ.
Alischa versuchte, ernst zu bleiben. Insbesondere auch, weil der Käufer ihr aus echtem Anstand nicht ins Gesicht schaute und stattdessen seinen Blick senkte, dorthin, wo Alischas Brüste süß und saftig ruhten.
Das Pony waren sie los. Alischa dachte mit grimmiger Freude daran, was das Pony jetzt vor sich hatte. Hoffentlich liefen dem Käufer nicht so schnell Frauen über den Weg - nach der eben gesehenen Pracht-Erektion zu urteilen kriegte das Pony ersatzweise vielleicht einen von hinten verbrummt.
Anschließend sagte Alischa Tim: Ich will als Nächstes den Hexensprung vernünftig beigebracht bekommen. - Sie erzählte Tim, dass sie eben erfolglos einen Hexensprung probiert hatte.
Den hättest du vor Aufregung sowieso nicht gekonnt, antwortete Tim. Aber du hast doch gut reagiert. Hilfe rufen, selber kämpfen.
Ich hätte ihm zwischen die Beine treten sollen, sagte Alischa.
Mach das besser nie, denn wenn du dann nicht richtig triffst, was sehr wahrscheinlich ist, dann geht es dir dreckig. So ein Tritt ist zwar unvorstellbar schmerzhaft, aber der Schmerz steigert sich erst nach Sekunden und dem Mann bleibt Zeit, dich zu erledigen. Und was noch wichtiger ist: Männer haben normalerweise immer eine Hemmung gegenüber Frauen. Ein Tritt in die Hoden ist bei Männern ein absolutes Tabu. Verletzt du dieses Tabu, so wird er auch dir gegenüber keine Tabus mehr haben. Ein Mann in enthemmter Raserei ist aber gar nicht gut für dich.
War auch nicht ernst gemeint, antwortete Alischa. Ich muss mich ein bissel abreagieren und Kraftausdrücke und Gewaltfantasien helfen da großartig. Ansonsten möchte ich jetzt nicht in der Haut des Ponys stecken, der Araber sah aus, als würde er es ernst meinen.
Da kam schon ein junger Mann mit zwei Wagenrädern an ihnen vorbei, ebenfalls in arabischer Kleidung, die aber verdächtig knapp unterm Po endete und bei jedem Schritt sein Geschlecht sehen ließ.
Neugierig schaute Alischa zurück an den Fuß der Treppe. Aaaah. Der ältere und der jüngere Araber küssten sich. Solche wichtigen Dinge interessierten Alischa, schließlich musste man ja stets einschätzen können, welche Mannsbilder potentiell zur Verfügung standen und welche nicht. Aber wieso hatte ihr der ältere so sehr auf die Brüste geguckt? Oder hatte der gar nicht? Hm. Eigentlich schade. Aber das Pony hatte jedenfalls mal so richtig Pech gehabt, so viel stand fest.
Alischa winkte den Arabern am Fuß der Treppe zu und diese winkten zurück.
Alischa kicherte: Armes, armes Pony.
Unten wechselte man bereits die Räder. Und einen Vorrat Milchpulver oder Frauenbutter hatte man sicherlich auch längst da. Alischa hatte gesehen, dass die Männer kleine Behälter bei sich trugen.
Dann waren sie oben an der Tür der Tam-Taverne angekommen. Der Eingang in den Felsen hinein war diesmal von einer zweiflügligen schweren Holztür verschlossen, die reich mit Metallbeschlägen verziert war. Die Metallbeschläge zeigten verschlungene, sich immer wieder wiederholende kunstvolle Muster, an denen Alischa sich gar nicht sattsehen konnte. All diese Muster umkreisten auf beiden Türflügeln getrennt die Darstellung einer Frau, die ihre Brüste dem Betrachter darbot und deren Unterleib als großes »O« dargestellt wurde. Am rechten Torflügel war ein großer bronzener Ring, mit dem sie jetzt allerdings nicht erst anklopfen mussten, denn die Tür stand weit geöffnet und sie wurden von immer noch lachenden und scherzenden Männern willkommen geheißen.
Salem Aleikum, sagte einer der Männer.
Oder dachte Alischa das nur und sie hatte Guten Tag gehört?
Der Torbogen war jedenfalls orientalisch. Als sie die Taverne betraten, sah Alischa, dass auch die Einrichtung der Taverne arabisch war.
Bier?, fragte einer der Männer, der aber alles andere als arabisch gekleidet war und hinter der Bar stand.
Bier?! echote Alischa zurück. Ich dachte, ihr trinkt keinen Alkohol. Oder seid ihr gar nicht alle Araber?
Doch, sind wir, antwortete der Mann. Muslime, meintest du. Hier sind ja auch eine Menge Leute schwarz.
Äh, ja.
Nun, sehr einfach. Die Regel gilt für uns, nicht für euch. Außerdem gibt es auch bei uns Säufer. Wir haben die Regel, dass ein Glas Bier mit einem Peitschenhieb bestraft wird. - Der Mann zeigte eine Peitsche, die bestenfalls für Mäuse geeignet war, und setzte fort: Damit ist die Strafe abgegolten und man muss nichts für die Zukunft befürchten. Schließlich sind wir hier im Paradies.
Und dann traut sich keiner mehr, zu trinken?
Doch, warum nicht? Die Strafe ist doch abgegolten. Aber du kannst auch Wasser trinken oder Fruchtsaft. Wir haben auch Kaffee oder Tee.
Der Tee ist gut, sagte Tim, der Kaffee ist aber vermutlich nicht dein Geschmack.
Der Tee war tatsächlich ausgezeichnet.
Eine ganze Anzahl Männer saß herum, schwatzte, lachte und vertrieb sich die Zeit mit einem Brettspiel. Mindestens die Hälfte von ihnen waren Schwarzafrikaner, der Rest Nordafrikaner oder Araber. Alischa hatte nicht genug Ahnung, um da Unterschiede erkennen zu können. Und es waren fast nur Männer zu sehen.
Tim fragte: Warum sind hier fast nur Männer?
Ach, hör auf, schimpfte der Mann an der Bar. Die meisten Kerle hier kommen ohne ihre Frau. Was ja normalerweise auch kein Problem ist. Aber jetzt kamen aus irgendeinem Grund -zig Männer auf einmal, da sind uns sind die Jungfrauen ausgegangen. Die Männer warten alle auf eine Passage zur Stadt.
Du weißt genau, warum wir unsere Frauen nicht mitbringen und eine Sunamitin [57] brauchen, mischte sich ein Mann ein, der in der Nähe der Bar an einem Tisch saß.
Jetzt geht das wieder los, seufzte der Mann an der Bar.
Dann kam die Erläuterung: Es ist so, sagte der. Wir können unsere eigenen Frauen nicht hierher mitbringen, weil das Gesetz sagt, wenn ich die Milch einer Frau trinke, gilt die als milchverwandt und ich darf mit ihr nicht mehr geschlechtlich verkehren. So wie mir zum Beispiel meine Schwester verboten ist. Trinke ich also die Milch meiner Frau, wird sofort meine Ehe mit ihr ungültig. Also brauche ich eine Sunamitin, die mir Milch gibt, aber der ich nicht beiwohnen werde. Im Grunde brauche ich also zwei Frauen, weil ich ja auch Bedürfnisse in den Lenden habe. Aber wenn mir die Sunamitin als Frau Dinge geben kann, die mir meine eigene Frau nicht geben darf, gibt es erfahrungsgemäß Ärger. Und warum soll ich mir unnötig Ärger aufladen, zumal jemand zu Hause auf die Kinder aufpassen muss?
Boooaaah, sagte Alischa leise. Aber sehr leise.
Bruder, mischte sich ein anderer Mann ein, du hast Unrecht. Die richtige Auslegung ist, dass eine bestehende Ehe dadurch niemals ungültig werden kann. Bei fremden Frauen ja, aber niemals bei der Ehefrau. Die Ehe ist ja vor der Milchverwandtschaft entstanden.
Ihr habt beide Unrecht, Brüder, mischte sich noch ein Mann ein. Eine Milchverwandtschaft entsteht erst, wenn man fünfmal satt von einer Frau gestillt wurde, und auch das gilt nur im Alter unter zwei Jahren.
Und wenn ich aber noch gar nicht satt bin?, fragte ein Mann von hinten im Raum.
Man kann die Milch auch aus einer Tasse trinken, warf ein anderer Mann ein.
Die Sunamitin ist aber trotzdem nicht mehr halal [64], sagte ein Mann neben ihm.
Ist doch egal!
Ist es nicht - du darfst sie nicht mehr ficken. Sie muss halal sein.
Zehnmal, mischte sich ein anderer Mann ein.
Wie bitte?
Zehnmal satt stillen unter zwei Jahren ist erforderlich.
Ist doch egal, keiner hier ist unter zwei Jahren.
Ist nicht egal. Was, wenn das mit den zwei Jahren eine falsche Auslegung ist? Trinkst du aus einer Frau weniger als zehnmal, bist du auf der sicheren Seite und kannst sie danach noch immer für deine Befriedigung benutzen.
Bruder, denk doch mal mit. Nimm dir zwei Sklavinnen, eine gibt als Sunamitin Milch für dich und die andere nimmst du für deine Befriedigung.
Und wenn ich noch gar nicht satt bin?, fragte wieder der Mann von hinten.
Sie muss halal sein, schrie ein Mann von ganz hinten.
Fünfmal, kam noch ein Kommentar.
Ha!, ignorierte der Mann von vorher die Zwischenrufe. Ich habe zwei Frauen zu Hause! Die liegen sich ständig in den Haaren. Und wehe, sie sind sich einig, dann fallen sie gemeinsam über mich her. Und was ist, wenn du sie nachts verwechselst? Die unbefriedigte wird fein stillhalten und keinen Mucks sagen, bis sie deinen Samen in sich hat und ihr Schoß zuckt! Und du bist der Dumme. Nichts da. Ich nehme hübsch eine nach der anderen. So ist jede zufrieden.
Alles falsch, sagte noch ein anderer Mann, die Milchverwandtschaft entsteht zwar wirklich, aber bedeutsam ist das nur bei einer fremden Frau, weil die sich dir gegenüber nicht mehr verschleiern muss, nachdem sie dich gestillt hat, und dass du anschließend alleine mit ihr sein darfst.
Wie?, fragte Alischa. Erst Brust raus und dann Gesicht? In dieser Reihenfolge?
Du denkst unlogisch, Schwester, sagte der Mann, denn wie soll das anders gehen?
Der Mann an der Bar verdrehte die Augen.
Alischa und Tim nahmen schnell ihren Tee und suchten sich einen Tisch weit hinten an einem Fenster.
Als sie angekommen waren, sagte Tim halblaut zu Alischa: Ein Ägypten-Reisender im 19. Jahrhundert hatte mehrfach erlebt, wie Frauen bei seinem Anblick ihr Gesicht mit dem bedeckten, was am schnellsten zur Hand war, nämlich ihrem Hemd – und bei der Gelegenheit lagen die Brüste komplett frei [65].
Alischa kicherte: War das damals tatsächlich so?
Keine Ahnung, ob überall, sagte Tim, da ging es jedenfalls nur um Ägypten. Aber vielleicht war der Orient tatsächlich mal lockerer als heute. Von Persien habe ich sogar gelesen, dass ungefähr in derselben Zeit Nomaden-Frauen auf dem Markt ihre eigene Milch von der Brust weg verkauft haben [66]. Ganz so wie in Peridëis. Insofern ... mit genügend Abstand in Raum und Zeit können sich die Sitten extrem ändern. Man lacht schnell jemanden aus, obwohl man selber der Doofe ist.
Aber war das mit der Milchverwandtschaft nicht schon etwas ... abgefahren?
Entscheide selber, grinste Tim.
Hier in Peridëis jedenfalls schon.
Eine Frau näherte sich ihrem Tisch. Sie mochte gut 40 Jahre alt sein, machte einen intelligenten Eindruck, hatte schwarze streng nach hinten gekämmte Haare, wirkte resolut, aber nicht unfreundlich. Sie trug ein langes schwarzes Gewand, dessen Säume reich mit goldenen Ornamenten geschmückt waren. Der Kleiderschlitz vorne war geschmückt und betonte, was dahinter war, ohne es aber direkt sichtbar zu machen. Ein goldener Gürtel schloss den Schlitz oben ab und betonte gut die Figur der Frau, ohne dass das Kleid zu eng gewesen wäre. Die Frau trug ihre Brüste frei, wie alle Frauen in Peridëis, und das Kleid umrahmte die Brüste mit goldenen Ornamenten. Aber die Frau hatte einen Schleier darüber zu liegen, sodass nur die Konturen der Brüste und ihre dunklen Brustspitzen durchschienen.
Darf ich mich zu euch setzen?, fragte die Frau.
Tim hielt Alischa schnell den Mund zu und antwortete: Natürlich darfst du. Und zu Alischa flüsterte er: Als Frau musst du dich hier vor dem Manne beugen, denn Peridëis beugt sich in dieser Taverne den Wünschen der Männer, und die beugen die Lehren Mohammeds, und der ist der Prophet.
Die Frau lachte. Lass das keinen hören. Und dann sagte die Frau: Hallo Alischa. Willkommen in Peridëis, ich bin Nadira.
Du kennst mich?
Du kennst mich auch. Ich habe dich erwartet.
Ich kenne dich?!
Alischa überlegte fieberhaft. Ja! Das Gesicht von Nadira kam ihr unbedingt bekannt vor, auch die Haare und ihre Art. Aber woher nur?
Nadira half ihr: Das war, bevor du Peridëis betreten hast.
Du bist die Ärztin am Flughafen gewesen!, rief Alischa überrascht.
Treffer!
Oh, tut mir leid, dass du warten musstest, sagte Alischa.
Nadira lachte. Ich beschäftige mich schon, keine Angst. Und die Männer hier fressen mir aus der Hand.
Wie kommt das?
Weil sie Muslime sind? Hast du noch nie von arabischen Hausdrachen gehört? Das meine ich ernst!
Alischa lachte. Wie meinst du das?
Meine eigene Großmutter sagte »Die Männer herrschen über die Frauen. Aber die Frauen beherrschen die Männer.« Das ist Europa. In Arabien sagen die Frauen: »Der Mann herrscht draußen, zu Hause aber die Frau.« Ich habe hier Matronenstatus, das heißt, die kuschen vor mir. Außerdem bin ich Deutsche und auch noch Ärztin. Es kommt noch schlimmer: Ich habe die Neigung, mir im Schlafzimmer von Männern die Füße küssen lassen zu wollen. Da fallen die einen Männer schmachtend auf die Knie, die andern aber bleiben lieber freundlich dankend auf Abstand, ohne den geringsten Wunsch zu verspüren, mich in ihrem Schlafzimmer einzusperren. Ahnst du, welche Gerüchte hier über mich im Umlauf sind?
Alischa lachte wieder. - Aber kann das nicht trotzdem Ärger machen?
Hier? Nein. Welchen denn? Es ist wie bei dir zu Hause mit den strammen Parteigenossen und den normalen Leuten. Die normalen Männer hier sollten ihren Kopf nur etwas mehr zum Denken einsetzen, statt bloß nach auswendig gelernten Regeln zu leben. Das ist in dieser Gegend wirklich ein Problem. Draußen jedenfalls, und da kommen die meisten Männer her, die diese Taverne besuchen. In Peridëis legt sich das schnell. Wegen Peridëis und wegen der fehlenden Kontrolle.
Darf ich euch unterbrechen?, fragte Tim.
Alischa sah ihn fragend an.
Es ist..., sagte er, ... Alischa, du wirst Peridëis jetzt erst einmal verlassen und noch ein paar schöne Tage in Algerien verbringen. Urlaub im echten Algerien. Du weißt, gewisse Leute würden misstrauisch werden, wenn du dort nicht auftauchst und auch nichts aus Algerien zu erzählen hat. Du wirst aber auch etwas Zeit für dich brauchen. Ich selbst darf nicht riskieren, dass mich dort jemand sieht. Ich muss jetzt zügig über einen anderen Weg zurückkehren. Deshalb wirst du alleine gehen. Aber Nadira begleitet dich und wird die nächsten drei oder vier Tage an deiner Seite bleiben und dir helfen.
Alischa wurde blass und Tränen schossen ihr in den Augen.
Nicht weinen, bat Tim. Ich werde zu Hause schon nach kurzer Zeit vor deiner Tür stehen. Ich verspreche es. Nur den genauen Zeitpunkt weiß ich nicht. Aber es wird nicht lange dauern. Und dann geht es weiter. Ehrlich! Fest versprochen!
Alischa warf sich Tim, der neben ihr saß, weinend in die Arme. Und da er saß, rutschte sie auf die Knie. Sie schalt sich dafür, dass sie weinte, sie schalt sich dafür, dass sie eng mit seinem Geschlecht in Berührung kam, küsste es gar, und sie presste Tim an sich, schloss die Augen und wollte so verharren.
Doch Tim packte sie mit einem kräftigen Griff und zog sie hoch. Er nahm ihr Gesicht in seine Hände, hielt es sehr fest, schaute ihr tief in die Augen und sagte: Ich gehe dir nicht verloren!
Alischas Verstand erreichte das nicht. Da war der Kopf, der sagte, dass das stimmte und dass sie sich wie eine dumme Pute benahm. Aber ... der ältere Teil ihres Kopfs sagte: Halt fest. Was du hast, das hast du.
Ihr Schoß presste seinen Leib an sich.
Und sein steifer Penis war allzu nahe an ihrer Vulva, was nicht das Problem gewesen wäre, wenn diese nicht gerade wonneschlüpfrig und weit geöffnet gewesen wäre. Und deshalb rutschte Tims Penis einfach so in Alischas Scheide hinein.
Alischa stöhnte auf.
Tim packte Alischa und hob sie empor, wobei die Körperverbindung zwischen ihnen leider riss, was bei Alischa ein enttäuschtes aus tiefstem Herzen kommendes Aufwimmern hervorrief. Tim sagte leise intensiv mahnend: Nein, Alischa, du weißt, dass das nicht geht. Du musst warten.
Doch Tim presste Alischas Leib fest an sich und flüsterte: So viel Zeit ist das gar nicht, bis wir uns wiedersehen. Denk an all das Schöne, das wir hier gesehen haben. Und denk an noch mehr Schönes, das wir beide zusammen vor uns haben. - Und jetzt ist es besser, wenn ich den Abschied nicht noch weiter hinauszögere.
Brauchst du nicht noch Milch aus meiner Brust?, fragte Alischa, die etwas zu sich gekommen war.
Brauchen nicht unbedingt, sagte Tim, aber ich würde sehr gerne noch einmal deine Milch trinken, wenn es dir die Sache nicht zu schwierig macht.
Darf ich mich dabei befriedigen?
Ja, sehr gerne. Nicht bloß, weil deine Milch dabei besonders gut fließt.
Alischa setzte sich auf ihren Stuhl zurück und jetzt war es Tim, der auf den Knien vor ihr Platz nahm, um an ihre Brüste herankommen zu können.
Es war Alischa egal, dass Nadira und die Männer in der Taverne zuschauten. Nein. Egal war es eben nicht. Sie genoss es, mit geschlossenen Augen zu spüren, wie die Leute zuschauten. Das hatte nichts Schwüles, weil es offene, wohlwollende Blicke waren. Die zeigten Lust am Schauen, gönnten ihnen aber die Zweisamkeit. Alischa wollte zeigen, dass Tim sie begehrte. Jeder sollte sehen, dass er ihr gehörte. Das war eine Abgrenzung als Paar, ein Sichvorstellen als Paar. Wenn sie Tim nur tief in sich haben könnte. Alischas Hand schob den Rock beiseite, um an ihre Lustknospe heranzukommen. Tim bemerkte es und hob seinen Körper etwas, damit genug Platz für die Hand und ihre Bewegungen blieb.
Die Belohnung für Alischa war eine Welle, die schön war, aber gar nicht übermäßig kräftig. Sie war einfach schön. Sie reichte, um Alischa Kraft für einen Abschied zu geben, der nicht undankbar und egoistisch war. Sie nahm den Kopf Tims und küsste ihn auf die Stirn: Geh jetzt schnell, sagte sie. Im Moment geht es gerade.
Tim küsste Alischa ebenfalls die Stirn. Anschließend verließ er die Taverne. Sein geschwollener stark aufgerichteter Penis wirkte nicht peinlich, sondern ganz im Gegenteil, er zeigte überdeutlich, wer im Raum der Einzige war, der von einem nassen Schoß erwartet wurde.
Die nächste Lieferung Jungfrauen wird in Kürze eintreffen, sagte der Mann an der Bar laut, denn er hatte gesehen, wohin alle geschaut hatten. Leise knurrte er: Kann gar nicht frisch genug sein, die Milch.
Allerdings war seine Verärgerung eigennützig, denn er hatte eine große Auswahl an Milchpulvern und Milchbutter. Man müsste ihn nur fragen und sich hinterher bedanken. Mehr verlangte er gar nicht. Die Milchpulver und die Milchbutter bei ihm hatten einen sauberen Herkunftsnachweis, denn die Männer hier wollten stets genau wissen, von wem die Milch kam. Fehlte bloß noch, dass sie wissen wollten, ob die Spenderinnen nicht etwa selbst die Milch anderer Frauen getrunken hätten, wenn ja, welche wie viel, woher die Frauen kamen und so weiter.
Alischa aber stand am Eingang der Taverne und schaute Tim nach. Da! Tim drehte sich um und winkte ihr zu. Alischa winkte zurück. Doch irgendwann verschwand Tim aus ihrer Sicht. Jetzt rann noch eine Träne über Alischas Gesicht.
Da hörte sie hinter sich die Stimme eines Mannes: Ein arabisches Sprichwort sagt: »Liebe entsteht aus Abwesenheit«.
Woher weißt du, dass ich verliebt bin, fragte Alischa leise, ohne sich umzudrehen.
Der Mann antwortete: Ein anderes arabisches Sprichwort sagt: »Liebe, Schwangerschaft und auf einem Kamel reiten kann man nicht verheimlichen«
Alischa lächelte ein klein wenig. Doch sie sagte: Es tut aber weh, seine Abwesenheit zu erleben.
Nun, sagte der Mann, ich hätte ein drittes arabisches Sprichwort, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob es wirklich passt.
Sag es trotzdem.
Nun, es lautet: »Schläge von einem Geliebten sind so süß wie Rosinen«. Arabisch gesprochen ist es klangvoller: Darab al habib zabib.
Jetzt lächelte Alischa. Es passt doch ... aber auf andere Momente als jetzt.
Aaaaah, dann habe ich also richtig geraten, sagte der Mann. Hier in Peridëis zeigen sich Dinge deutlicher, als da draußen im Diesseits, aber gleichwohl hat der Spruch den Vorzug, in aller Behutsamkeit einen doppelten Sinn ausdrücken zu können. Man fragt, ohne zu fragen und antwortet, ohne zu antworten.
Alischa drehte sich um. Hinter ihr stand ein sehr sympathischer älterer Mann von schwer zu schätzendem Alter. Er hatte zu Alischas Überraschung eine tiefschwarze Hautfarbe, leicht graues Haar, trug ein blaues Gewand und ein ebenso blaues Tuch um den Kopf. Keine Angst, sagte der Mann, ich werde dich nicht berühren und nichts von dir fordern oder erbitten. Ich wollte dich einfach nur trösten.
Dankeschön, sagte Alischa. Und da sich Alischa über den Trost gefreut hatte, fragte sie: Willst du Milch von mir, damit du auf Reise gehen kannst?
Da du eine Hexe bist, nach den Maßstäben dieses Reichs, werde ich nicht so töricht sein, lieber auf eine einheimische Sunamitin zu warten, antwortete der Mann. Ich nehme dein Angebot daher ohne Umschweife gerne an. Doch wie ich sagte, sei unbesorgt, ich bin ein Kamel, wie ein arabisches Sprichwort sagt: »Ein Verliebter betrachtet eine Blume mit anderen Augen als ein Kamel.«
Alischa lachte. Dann trink den süßen Nektar aus meinen beiden Blumen!
Und der Mann in der blauen Kleidung tat sich gütlich an Alischas Brüsten, bis diese wirklich ganz leer und weich waren. Was aber nicht an seiner Gier lag, denn Alischas Brüste hatten recht wenig Zeit gehabt, sich wieder zu füllen.
Danach wandte sich der blaugekleidete Mann mit einer Verbeugung von Alischa ab, ging ohne Umweg direkt zur Tavernentür und verschwand.
Alischa ging wieder nach hinten in die Taverne, wo Nadira saß, Entschuldigung, sagte Alischa, dass es so lange gedauert hat.
Es ist deine erste Reise, sagte Nadira. Die Zeit, die du brauchst, ist auch die angemessene Zeit. Doch jetzt komm, lass uns gehen.
Alischa folgte Nadira. Sie verließen die Tam-Taverne durch einen Hinterausgang, der in eine breite Felsspalte mit einem sehr schönen Garten führte, in dessen Mitte ein Springbrunnen stand. Sehr lang war die Felsspalte aber nicht, und am anderen Ende war ein Tor, und das Tor führte in einen Gang, der in den Berg hineinging. Und ganz am Ende des Gangs war ein mosaikgeschmückter Raum, in dessen Mitte sich ein Altartisch befand.
Zieh dich aus, sagte Nadira.
Alischa zog sich nackt aus. Ihr war etwas schal zumute. Kriege ich mein Kleid zurück?, fragte Alischa.
Du kriegst ein anderes, das genauso schön ist, antwortete Nadira. Nun zog sich Nadira ebenfalls ganz nackt aus. Sie hatte große Brüste, die sich nach unten neigten und aufgrund ihrer Fülle ganz sicher viele Verehrer hatten.
Alischa, sagte Nadira, ich lege mich zuerst auf den Altar. Und wenn ich weg bin, folgst du, ja?
Alischa nickte beklommen.
Nadira legte sich auf den Altar, die Luft flirrte und dann war sie verschwunden.
Alischa stieg wie in Trance ebenfalls auf den Altar und legte sich auf den Rücken.
Die Welt kippte über, es wurde dunkel und Alischa wirbelte durchs Nichts.
Rückkehr
Alischa schlug die Augen wieder auf. Sie war in einer Art Wüstenschloss. Das heißt, sie wusste nur, dass es ein Wüstenschloss war. Woher wusste sie das? Sehen konnte sie durch die Mauern nichts. Gelbe Mauern umgaben sie. Abgeschliffene Mauern. Der Boden war mit verschlissenem Mosaik belegt. An den Wänden war nur ab und zu noch verschlissenes Mosaik zu sehen. Vor ihr war ein kleines Wasserbecken, das mit verblichenen Mosaiksteinen ausgelegt war. Ein Wunder, dass es hier überhaupt Wasser gab. Noch dazu kristallklares Wasser. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte dieser Ort Alischa vielleicht fasziniert, da sein morbides Aussehen auch eine schwer zu beschreibende Schönheit barg. Doch jetzt strahlte er einfach nur Einsamkeit aus.
Die Ärztin Nadira hatte auf Alischa gewartet. Ganz nackt mit ihren vollen hängenden Brüsten und jetzt auch noch mit offenen schwarzen Haaren, wirkte sie völlig anders. Komm, Mädchen, sagte sie auf ihre sehr bestimmte, aber doch freundliche Art, nahm die zögernde Alischa einfach bei der Hand und führte sie um das kleine Wasserbecken herum zu einer Wandnische, die den einzigen wirklichen Farbflecken bildete. Alischa, die im Moment kaum etwas wahrnahm, sah, dass in der Wandnische die bekannte Frau, welche ihre Brüste dem Betrachter darbot, in Mosaiksteinen abgebildet war.
Vor der Wandnische standen zwei Plastiktüten, die hier fremdartig wirkten. Nadira zeigte auf die Plastiktüten und sagte: Da drin sind Anziehsachen. Und dein Pass.
Nadira griff zu den Plastiktüten und zog einen Frauenslip heraus. Komm, sagte sie fordernd, Bein hoch und halt dich an mir fest. Alischa hob mechanisch das erste Bein, danach das zweite und anschließend wurde ihr der Slip hochgezogen. Es folgte ein BH. Seltsam. Ein BH. Er störte ungewohnt. Der Slip auch. Nadira schob Alischas Arme durch die BH-Träger, hob ihre Brüste hinein und hakte den BH zu. Es war ein BH, den man vorne zwischen den Brüsten zuhakte.
Im Süden Algeriens ist es besser, sich als Frau nicht zu sehr vorzuführen, sagte Nadira. Als Touristin hast du zwar Sonderrechte, aber trotzdem reagieren selbst wohlerzogene Männer eben als Mann. Die Männer hier in dieser Gegend sind es nicht gewöhnt, allzu viel Frau zu sehen. Deshalb haben durchpiekende Brustwarzen und zu deutliche Körperkonturen hier eine ganz andere Wirkung als zu Hause. Beachte das in den nächsten Tagen. Ansonsten musst du aber nicht groß aufpassen, die Leute sind nett hier.
Alischa nahm das auf, wie durch einen Nebel. Traurigkeit hatte sie erfasst.
Nadira holte aus der Tüte ein weites, gelb-ocker-farbenes Hemd, das vorne zugeknöpft wurde, und zog es Alischa an. Es folgte ein langer, khakifarbener, blumenverzierter Rock. Blickdicht. Als Nadira Alischa den Rock überstreifte, nahm diese immerhin wahr, dass der Rock handbestickt war.
Hübscher Rock, sagte Alischa einsilbig, meinte es aber auch so. Socken und Schuhe kamen noch hinzu. Zum Schluss zog Nadira einen Brustbeutel aus der Plastiktüte. Da ist dein Pass drin und etwas Geld, sagte sie. Trag den immer um den Hals und lege ihn nicht ab, außer im Hotel. Die Leute hier sind grundsätzlich sehr ehrlich, aber es gibt auch viel Armut mit all ihren Folgen. Sei also achtsam. Deine anderen Sachen warten im Hotel auf dich.
Jetzt zog sich auch Nadira an. Allerweltssachen in Khaki-Farbe, wie sie zahlreiche europäische Touristinnen in Arabien tragen mochten, wenn es heiß war. Als sie fertig angezogen war, steckte sie sich ihre schwarzen Haare zurück, was ihr wieder das etwas resolute strenge Aussehen verlieh, das Alischa bisher kannte.
Ich gehe wieder voran, sagte Nadira, als sie angezogen war. Zähle bis zwanzig und danach folge mir, ja? Nicht verharren! Bis zwanzig zählen und einfach folgen.
Alischa nickte.
Die Ärztin Nadira verschwand in der Wand.
Alischa zählte mechanisch bis zwanzig. Dann ging sie selbst in die Wand hinein.
Dunkelrot wabernde Flüssigkeit.
Alischa ruderte mit den Armen vorwärts.
Nach wenigen Augenblicken war sie durch.
Gleißende Sonne und ein heißer Tag empfing sie.
Willkommen im Diesseits, lächelte Nadira.
Sie befanden sich in einer Felssenke. Sandfarbener Stein umgab sie, Sand bedeckte den Boden. Heiß war es. Alischa war augenblicklich klatschnass. Dabei schützte sie sogar noch ein überhängender Felsen vor der Sonne.
Alischa drehte sich um.
Sehr schwach war in einer Felsnische die bekannte Frau eingeritzt, die dem Betrachter ihre Brüste darbot und deren Füße als »O« ausgeformt waren.
Es gibt hier sehr schöne uralte Felszeichnungen, sagte Nadira hinter Alischas Rücken, aber die wurden vorsichtshalber mit Lehm abgedeckt, um keine Aufmerksamkeit auf diesen Ort zu lenken, weißt du?
Alischa nickte mechanisch mit dem Kopf.
Nadira sah aufmerksam zum Himmel empor. Nachdem dort nichts zu bemerken war, sagte sie zu Alischa: Komm!, und zog sie an der Hand mit sich. Ein kaum zu erkennender Pfad führte aus der Felssenke heraus. Als sie oben waren, spürte Alischa einen winzigen Windhauch, der aber sehr angenehm war, zumal die Sonne unbarmherzig brannte. Einen Hut hätte man gebrauchen können.
Komm, sagte Nadira, nicht weit von hier wartet ein Auto auf uns.
So gingen sie Hand in Hand weiter. Sie waren oben auf einem größeren Felsen, fast einem kleinen Berg. Oben war Stein. Und die Senke. Unten war Sand. Geröll lag am Boden. Keine einzige Pflanze war zu sehen. Kein Tier war zu sehen. Die Luft flirrte vor Hitze. Ein Pfad schlängelte sich unmerklich außen am Felsen entlang nach unten. Er ließ sich gut laufen und nur wenig Geröll störte auf dem Pfad die Füße. Die Umgebung bot die wunderlichsten Felsformen, die man sich denken konnte. Alischa nahm das wahr, fand sie auch durchaus beachtenswert und eigenartig, aber es erreichte nicht wirklich ihr Inneres.
Schließlich waren sie unten zwischen zwei Felsen angekommen. Es ging noch etwas weiter durch unangenehm feinen Sand, um eine kleine Ecke, noch eine Ecke, dann öffnete sich die kleine Schlucht.
Und dort, im Schatten eines weit überhängenden Felsens, stand ein Geländewagen. Im Geländewagen saß, oder besser gesagt, lag, ein weißhaariger, vollbärtiger Mann, der schlief. Der Mann war kein Araber.
Der Mann kennt Peridëis, sagte Nadira. Noch kannst du also offen sprechen.
Alischa nickte.
Ach ja, noch etwas, sagte Nadira. Ich habe einen ausdrücklichen Auftrag von deinem Büttel - dem Tim.
Nadira kramte in der Tasche und brachte einen wunderbar würfelförmig ausgebildeten goldglänzenden Kristall zum Vorschein.
Katzengold!, rief Alischa.
Er wusste, dass du dich freuen würdest, sagte Nadira und gab Alischa den Kristall. Nimm ihn als Andenken. Er stammt aus der direkten Nähe des Übergangs, verrät aber nichts. Nadira rief zum Geländewagen hinüber: Heda, aufwachen!
Der Mann blinzelte in die gleißende Helligkeit der Wüste, gähnte, streckte sich und stieg schließlich aus, um Alischa zur Begrüßung die Hand zu geben.
Na, Mädel, dann mal rein mit dir in die Kiste, sagte er. Essen und Trinken haben wir im Auto, reden können wir auch im Auto. So halbwegs. Jedenfalls müssen wir hier nicht sinnlos rumstehen, wir haben ein paar Stunden Fahrt vor uns.
Er sagte es auf Deutsch, fiel Alischa auf.
Das mit den »paar Stunden« war nett formuliert, denn als sie durch Wüste und Pisten fahrend, endlich in einer Stadt und dort in einem Hotel angekommen waren, war es längst Nacht und Alischa fühlte sich, als wäre kein einziger Knochen mehr an seinem Platz. Unterwegs hatten sie nur angehalten, um sich erleichtern zu können; größere Pausen hatte es aber nicht gegeben. Nadira hatte sie während der Fahrt ein wenig für die kommenden Tage instruiert, Nadira hatte ihr zwischendurch mehrfach die Brüste massiert (deshalb das vorne aufknöpfbare Hemd und der vorne aufhakbare BH) und jeden vorhandenen Tropfen Milch einzeln hervorgezaubert, Nadira hatte ihr zu Essen und zu Trinken gereicht, Nadira hatte ihr Dinge erklärt.
Alischa hatte alles passiv mit sich geschehen lassen.
Im Hotel wurde Alischa von Nadira unter der Dusche gewaschen und schließlich ins Bett gebracht. Alleine wäre Alischa vermutlich gegen einen Schrank gerannt, so müde und lethargisch war sie. Sie fiel in einen tiefen traumlosen Schlaf.
Beim Muezzinruf wurde sie einmal wach, doch sie schlummerte schnell wieder ein.
Alischa schlief noch, als es lange hell war. Ein Alptraum suchte sie heim. Jemand schrie sie an. Jemand von zu Hause.
Doch da wurde Alischa geschüttelt und sie erwachte.
Nadira saß am Bett. Guten Morgen, sagte sie. Den Alptraum sparen wir uns, oder?
Woher weißt du...???
Das sieht man, sagte Nadira. Und es war zu erwarten. Weißt du, wenn man das erste Mal in Peridëis war, und das über längere Zeit, und wenn man weiß, dass man erst einmal länger nicht zurück kann, dann kann das zu einer gemeinen Katerstimmung führen. Weil man sich in Peridëis so gut fühlt und hier so normal. Du hast keine sexuelle Lust im Moment, stimmt’s?
Staubtrocken, sagte Alischa.
Das hält noch zwei oder drei Tage an, sagte Nadira. Danach ist alles wieder in Ordnung. Beim nächsten Peridëis-Besuch wird es schon weniger sein, dann noch einmal weniger und schließlich hast du dich ganz an den Wechsel gewöhnt. Wenn du wieder fit bist, fahre ich dich zu deiner heimatlichen Reisegruppe. Aber noch ist es nicht so weit. Bis dahin sorge ich für Ablenkung und bin für dich da. Und noch etwas tue ich, auch wenn du jetzt gar keine Lust dazu hast: Ich werde dich regelmäßig untersuchen und sorge dafür, dass dir dein Milchfluss erhalten bleibt. Dazu bekommst du von mir alle zwei Stunden eine Brustmassage mit gründlicher Entleerung der Brust. Das wird dir schnell wieder gefallen. So, jetzt geh erst einmal duschen. Anschließend gibt es ein anständiges Frühstück mit Kaffee.
Nadira verließ das Zimmer.
Alischa stand auf und schaute aus dem Fenster. Sie sah ein Schwimmbecken (mitten in der Wüste!), zahlreiche Palmen, unten viel Grün, und einige kleinere orientalische Gebäude, die innerhalb einer gelben Mauer verstreut im Gelände standen. Eine kleine Ferienanlage. Alles schien recht neu und war jedenfalls in einem sehr guten Zustand. Alischa sah zwei Frauen im Bikini am Schwimmbecken liegen und noch ein paar Leute liefen locker gekleidet durchs Gelände. Strenge Bekleidungsregeln schien es hier jedenfalls nicht zu geben.
Alischa duschte ausgiebig. Sie fühlte sich einsam. Tim fehlte ihr. Die angenehme Dauererregung fehlte ihr. Der Schoß war völlig taub. Nein, nicht mal das, er war gar nicht da, er war neutral wie ... wie ... wie der Oberschenkel. Als Alischa in den Spiegel im Bad blickte, brach sie in Tränen aus. Sie hatte so viel schöner in Peridëis ausgesehen. Der Bauch war einfach nur irgendwie flach, die feminine Rundung der Hüften war nicht mehr so einzigartig perfekt, der Hintern war in Peridëis ein Traum gewesen, die Brüste ... oh Himmel, die sahen einfach egal aus. Viel zu klein, bloß noch wenig Milch und die sahen gar nicht mehr voll aus, langweilig, zum Kotzen langweilig, die Brustwarzen und Höfe einfach ... neutral, ganz neutral. Das Gegenteil von schön ist nicht hässlich, sondern neutral. Heulend sank Alischa auf den Boden. Ihre Haare waren auch einfach nur irgendwas. Grausam! Nie wieder würde sie einen Friseur an die Haare heranlassen - in Peridëis waren sie wunderbar gefallen, ohne jeden Friseur, hier aber sahen sie furchtbar aus, und die Reste peinlicher heimatlicher Friseurkunst waren nicht zu verleugnen. Aber vor allem die Brüste... War sie wirklich so grausam hässlich?
Na, na, na, hörte Alischa Nadira von hinten. Nadira zog Alischa vom Boden hoch und Alischa warf sich, nass wie sie war, Nadira in die Arme. Sehe ich wirklich so furchtbar aus?, schluchzte sie. Bin ich wirklich nur in Peridëis so schön? Und in Wirklichkeit ein Neutrum? Meine Brüste sind ja wie bei einer Plastikpuppe!
Nadira ließ ihr Zeit, sich auszuweinen. Doch schließlich sagte sie: Ich zeige dir was. Ich habe einen Fotoapparat mit. Stell dich an die Wand, ich mache ein Bild.
Warum?, fragte Alischa.
Als du mit dem Flugzeug angekommen warst, hatten wir ein Foto von dir angefertigt, nachdem du dich ausgezogen hattest. Das ist meine eigene Idee, die nur für diesen Augenblick hier gedacht ist. Ich mache jetzt ein neues Foto und anschließend vergleichen wir beide. Du wirst staunen, das verspreche ich dir.
Alischa stellte sich nackt an die Wand. Nadira schaute durch ihren Apparat und gab Anweisungen, wie sich Alischa hinstellen sollte. Es dauerte einige Augenblicke, bis Nadira zufrieden war. Sie drückte auf den Auslöser. Wenige Augenblicke später kam das Foto aus dem Apparat heraus. Nadira wedelte es hin und her durch die Luft und allmählich wurde das Bild sichtbar. Nadira hatte nur Alischas Brüste fotografiert. Genauer: Hals bis Bauchnabel. Als das Bild endlich komplett erschienen war, holte Nadira einen anderen Apparat aus der Tasche, der ebenfalls wie eine Kamera aussah. Dort hinein schob sie das eben gemachte Bild. Nadira schaute eine Weile lang in die Linse des zweiten Apparats, schob einen Hebel hin und her und lächelte schließlich. Schau rein!, sagte sie und hielt Alischa den Kasten hin.
Alischa wusste gar nicht, was sie erwartete. Aber sie war auch nicht in bester Verfassung. Sie hielt sich den Kasten ans Auge.
Alischa brauchte einen Augenblick, um zu begreifen.
Nadira sagte hinter ihrem Rücken: Du schaust durch ein Dia-Bild auf das Foto, das ich eben gemacht habe. Das Dia-Bild habe ich auf dem Flughafen von dir gemacht, das darunter liegende eben erst. Das bist Du und Du. Im Abstand von zehn Tagen. Vergleich die Brüste!
Alischa staunte. Das sind meine Brüste? ... Aber die sind ja viel größer ... jetzt.
Sie sind nicht so prachtvoll, wie in Peridëis, sagte Nadira, immerhin sind hier erst zehn Tage vergangen. Trotzdem siehst du, dass es schon in so kurzer Zeit eine sichtbare Veränderung gegeben hat. Die Brüste, die du in Peridëis hattest, kannst du annähernd auch hier erreichen. Nicht ganz, aber fast. Jedenfalls so, dass du zufrieden bist. Mit Milch drin. Wenn du so nach Peridëis zurückkehrst, hast du in ganz kurzer Zeit wieder richtig viel Milch.
Und wenn ich sofort wieder zurückgehen würde?
Die Brüste wären trotzdem weg. Du startest wieder mit deinem jetzigen Zustand.
Aber warum war das nicht so an den anderen Übergängen, die ich zwischendurch kennengelernt hatte?
Wie weit und wie lange wart ihr draußen?
Wenig. Einmal vielleicht fünfzig Meter, das andere Mal ... hundert oder zweihundert Meter. Beide Male vielleicht eine halbe Stunde lang, ich weiß nicht genau. Vielleicht auch kürzer.
Das ist wie beim Tonbandgerät der Unterschied zwischen »Pause« und »Stop«, weißt du? Aber man darf es nicht übertreiben, weil nicht immer ganz klar ist, wie lange dich Peridëis räumlich und zeitlich noch hält.
Ja, sagte Alischa. Die beiden übereinandergelegten Bilder hatten sie etwas versöhnt.
Komm, es gibt Frühstück, sagte Nadira. Mit Kaffee. Lass uns nackt frühstücken. Um Peridëis zu zelebrieren. - Sie zog sich nackt aus und löste sogar ihre streng zurückgesteckten Haare. Alischa freute sich darüber.
Die Ärztin Nadira half Alischa auf jede erdenkliche Weise, den Katzenjammer der ersten Tage zu überwinden und ihre Brüste weiter aufzubauen. Alischa hatte ihren Körper zwar so zurückerhalten, wie sie ihn beim Betreten von Peridëis abgeliefert hatte. – Aber Nadiras Trick war, dass zwischen dem ersten Foto auf dem Flughafen und dem jetzigen Echtzustand jene Brustmassagen lagen, die Tim während der Wüstenfahrt durch die Sahara gemacht hatte. Die Fotos zeigten daher, wie sich Alischas Brüste bereits im Diesseits verändert hatten. Das gab Alischa Kraft, da sie einen Beweis für die eigenen Fähigkeiten ganz ohne Peridëis hatte, dazu die körperliche Erfahrung und ihr inneres Gefühl, dass ihre Brüste in Wirklichkeit ganz anders waren. Und Alischa hatte ein im Grunde auch ein gutes Verhältnis zu ihren eigenen Brüsten, die sie schon lange vorher als Quelle geheimer Lust entdeckt hatte. Deshalb hatte Nadira kein schwieriges Spiel mit Alischas Brüsten, und Alischa vollführte mit Eifer die Übungen, die Nadira ihr gezeigt hatte, um ihren Brüsten am wirkungsvollsten die Milch zu entlocken, und zwar so, dass diese danach lechzten, zwischen den Übungen womöglich mehr Milch als zuvor zu erzeugen. Nadira erinnerte Alischa auch daran, dass hier im Diesseits die Regel wieder einsetzen würde (Ausnahmen bestätigen die Regel) und Alischa unbedingt daran denken musste, dass sie hier wieder schwanger werden konnte. Nadira gab Alischa eine Pille, welche die Milchbildung nicht beeinträchtigte. Eine Packung, mehr würde sie in Berlin bekommen. Zu nehmen ab dem ersten Tag der nächsten Menstruationsblutung.
Am dritten Tag war Alischa bis auf ein paar kleine Knackse wieder sie selbst und Nadira kündigte Alischa ihren Resturlaub an – den, den sie eigentlich gebucht hatte. Aber keine Angst, ich schicke dich nicht sang- und klanglos weg, sagte Nadira, vorher gibt es noch ein kleines Abschieds-Essen mit Gästen.
Welche Gäste?, fragte Alischa neugierig.
Du wirst schon sehen, sagte Nadira. Es sind Leute dabei, die du kennst.
Jetzt war Alischa erst recht neugierig.
Nadira brachte eine Auswahl von Anziehsachen ins Hotelzimmer. Alles neue Westsachen, die zu Hause begehrt gewesen wären und gut saßen. Alischa hatte sich angezogen und drehte sich vorm Spiegel hin und her. Und doch ... die Sachen waren gut, aber Allerweltssachen. In Peridëis hatte Alischa jedoch ein prachtvolles Kleid getragen. Und ihre Brüste frei getragen. Sie hatte es genossen, dass die Männer auf ihre Brüste geschaut hatten. Wie eine prachtvoller Schmetterling, zu dem man hinschaut, und der auf seinen Flügeln eine Augen-Zeichnung mit faszinierender Wirkung hat. Alischa hatte einmal gelesen, dass Frauen einer belagerten mittelalterlichen Stadt im Angesicht der Feinde urplötzlich ihre Brüste entblößten, ohne anschließend erklären zu können, warum. Sie hatten es einfach getan, und dieselbe spontane Handlung war quer durch die Geschichte der Menschheit und überall auf der Welt schon öfter beobachtet worden. Niemand hatte eine wirklich gute Erklärung, warum Frauen das in einer solchen Situation bisweilen taten. Vielleicht, weil diese Frauen das aus ganz verschiedenen Gründen getan hatten, mal verhöhnend, mal beschwichtigend, mal flehend, mal überrumpelnd, mal entwaffnend, mal überredend, mal nur ganz subtil beeinflussend ... womit es eben nicht die eine einzige Erklärung geben konnte. Offenbar taten die Brüste etwas Archaisches mit den Männern. Wie eine Art Hypnotisierung? – Jetzt jedenfalls waren Alischas Brüste durch zwei feste Lagen Stoff bedeckt. Versteckte Weiblichkeit ist für Frauen wie gefesselte Hände für Männer, dachte Alischa. Sie fühlte sich wie ein Schmetterling mit zugeklappten Flügeln. Die hypnotisierenden Augen waren verbunden. Das machte nicht blind, aber eine wichtige Waffe fehlte. Man redete, verhandelte, stritt, besänftigte nicht nur mit dem Mund, man redete, verhandelte, stritt, besänftigte auch mit dem Körper. Der Mensch war nun mal keine lackierte sterile Rechenmaschine, die tack-tack-tack einen Lochstreifen abarbeitete, obwohl manche Leute verdammt nahe dran waren. Aber Alischa nicht. Andererseits ... würden Männer eher eine Bergziege bespringen oder eine lackierte Rechenmaschine? Dieser Gedanke versöhnte Alischa etwas.
Nadira und Alischa verließen das Gebäude, in dem sich das Hotelzimmer befand, blieben aber innerhalb der Hotelanlage. Am Rand des Gartens, hinter einem hübschen Springbrunnen, der mit Mosaiksteinen ausgelegt war, befand sich ein separates Gebäude mit großen Fenstern. Eine Art Restaurant oder Café. Es war nicht sehr groß und umfasste im Grunde nur einen Raum. Davor standen zwei prachtvoll gekleidete Araber mit großen goldenen Säbeln.
Die beiden Ehrenwachen sind nicht nur zum Spaß da, sagte Nadira. Sie sind in Wirklichkeit Büttel und passen auf, dass wir nicht etwa belauscht werden. Auf diese Weise können wir in den nächsten zwei oder drei Stunden offen sprechen ohne aufpassen zu müssen.
Sie liefen an den beiden Wachen vorbei. Die beiden Wachen grüßten mit ihren großen goldenen Säbeln. Alischa freute sich. Dann betrat Alischa das kleine Gebäude hinter dem Springbrunnen und den beiden arabischen Ehrenwachen, die in Wirklichkeit Büttel waren.
Drin saßen Leute an einem runden Tisch. Und sie erkannte die Leute sofort, obwohl sie Straßenkleidung trugen und wie Touristen aus aller Welt aussahen. Es waren die Leute, die sie nach ihrer Flugreise durch Algerien an dem einsamen Flughafen in Empfang genommen hatten. Die Kommission. Drei Männer und eine Frau, drei davon hatten damals, nein ... neulich ... Arztkittel getragen. Zwei Stühle waren noch frei, einer für die zweite Frau, das war Nadira, und einer für Alischa.
Du liebe Güte, es kam Alischa vor, als wäre es eine Ewigkeit her, dass sie mit dem Flugzeug auf diesem seltsamen Flughafen gelandet war.
An den Mann mit dem beeindruckenden Vollbart, der kein Arzt war, konnte sich Alischa besonders gut erinnern. Als Alischa erfolgreich zum Hinsetzen genötigt worden war, fragte der jetzt: Bereust du irgendetwas? Oder bereust du, irgendetwas nicht getan zu haben?
Nein, lachte Alischa, die ihr Tief jetzt wohl doch ganz hinter sich hatte, es war wunderschön und ich bereue gar nichts. Dankeschön.
Kaum zu glauben, sagte der vollbärtige Mann, das ist ja langweilig. Es muss doch irgendwas geben?
Alischa grübelte. Doch. Da war etwas: Alischa berichtete von Rapunzel, Hexe und Frau Holle und fragte: Warum habe ich die so verkaspert erlebt? Ich mag Märchen, sagte sie, ich schmachte in Märchen, also, warum habe ich die Märchen nicht so erlebt, wie ich sie kenne? Oder so, wie ich sie mir richtig ausgebaut wünsche?
Jetzt antwortete die Frau, die keine Ärztin war und am Podiumstisch gesessen hatte: Du warst das erste mal in Peridëis. Es wäre geradezu bedenklich, wenn dich dein eigenes Ich, deine Psyche, einfach so losgelassen hätte. Was du erlebt hast, ist ein Gemenge aus dem Bisherigen und dem Neuen, Neugier und Hemmungen zusammen, etwas Angst vielleicht und das Ergebnis hast du schließlich erlebt. Sozusagen eine etwas zensierte Fassung, die gedanklich genug Ausflüchte und Distanz ließ. Da hinein gehört dieses Lächerlichmachen wohl.
Hm, sagte Alischa. Manchmal, wenn wir in der Jungen Gemeinde Lieder gesungen hatten und es war richtig schön, da haben welche angefangen, rumzukaspern, und das hat die ganze Stimmung kaputtgemacht. An sich wollte ich das gar nicht, ich fand das Singen schön, aber ich habe schließlich doch mitgekaspert. Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte. Aber eigentlich war es schade.
Ja, sagte die Frau, die keine Ärztin war, genau so etwas meinte ich. Aber das kann beim nächsten Mal ganz anders sein, zumal hier die Kontrolle und der Druck Anderer fehlt. Für dich selbst hast du genug Zeit und es ist nicht ungesund, alles noch einmal wirken zu lassen und die Dinge vorsichtig anzugehen. Richtig orientieren kann man sich in dem, was man kennt. In einer völlig unbekannten Umgebung ist man eventuell völlig hilflos. Das macht Angst oder erzeugt zumindest Unbehagen. Deshalb hast du einen Kompromiss erlebt, und ehrlich gesagt, ich fand deine Erlebnisse ausgesprochen interessant. Niemand ändert sein Weltbild von einem Tag auf den anderen radikal, das dauert immer eine lange Zeit. Wer was anderes behauptet, dem würde ich misstrauen, wer was anderes macht, macht es nur allzu oft nur an der Fassade, aber nicht innerlich. Geänderte Anstriche und Verpackungen sind keine geänderten Inhalte. Insofern: Alles prima.
Alischa hatte eine Menge Fragen, bekam eine Menge Antworten und wurde wiederholt daran erinnert, dass Menschen verschiedene Sprachen sprechen, denn sie erfuhr, dass man extra für sie Leute finden musste, die deutsch sprachen. Aber es gab seltsamerweise nicht auf jede Frage eine Antwort, vieles blieb, nun ..., wie nennen das Wissenschaftler ... überzufällig und war auch nicht mit Halluzinationen oder dergleichen zu erklären. Jedenfalls nicht ganz einfach. Aber bisweilen sind Zusammenhänge ja auch so furchtbar verwickelt, dass wir schon aus unserer eigenen Beschränktheit heraus mit dem Wort »Wunder« hantieren.
Zum Abschluss des Abends bekam Alischa von Nadira ein hübsches Peridëis-Kleid im orientalischen Stil geschenkt, richtig mit freigelassenen Brüsten, wie es sein musste. Alischa freute sich unglaublich über das Kleid. Nadira sagte schnippisch, dass sie es erst jetzt überreicht bekäme, damit sie es nicht etwa sofort anzöge, schließlich wäre man mitten in einer arabischen Stadt. Und lachte.
Apropos, wie begründe ich zu Hause die freigelassenen Brüste?, fragte Alischa.
Nehmen wir einmal an, da kommt eine Bluse drunter, antwortete Nadira, und nehmen wir außerdem an, dass es ein Haremskleid ist. Das wäre nach den hiesigen Rechtsvorstellungen absolut nicht unstatthaft und deshalb können wir das durchaus auch so definieren. Du musst also nicht flunkern. Das Kleid ist natürlich hier hergestellt worden und ungefähr diese Begründung wurde dem Schneider gegeben.
Weigern die Leute sich hier nicht, so etwas herzustellen?, fragte Alischa.
Nein, sagte Nadira. Nur außerhalb der Familie muss man sich bedecken und fürs Auge des eigenen Mannes ist Reizwäsche absolut erlaubt, auch wenn sie sehr reizt. Ansonsten heißt das Kleid anderswo auch »minoisches Kleid« nach der bronzezeitlichen Kultur auf dem heutigen Kreta. Dort hat man Frauenstatuen mit solchen Kleidern gefunden. Noch andere Leute nennen es »Kleid der O« oder »O-Kleid«.
Wegen dieser Frauendarstellung überall in Peridëis? Die Frau, die ihre Brüste mit ihren Händen anbietet, wo sich die Beine zu einem »O« formen?
Nein, sagte Nadira. Erstens werden auch Schneider schwach, wenn sie Geld sehen. Aber davon abgesehen: Es sei denn ... es gibt ein französisches Buch, in dem sich eine moderne Frau aus Liebe zu einem Mann freiwillig versklaven lässt. Und auspeitschen und vergewaltigen. Die Frauen in diesem Buch tragen auch solche Kleider und die Frau wurde immer nur die »O« genannt, ohne zu erklären warum.
Ob der Autor Peridëis gekannt hat?, fragte Alischa.
Wer weiß?, sagte Nadira. Der Autor ist leider nicht sicher bekannt. Fest steht wohl nur, dass es eine Frau ist. Und man ahnt, wer es ist. Solltest du sie in Peridëis treffen, dann frag sie und sag mir Bescheid. So etwas interessiert mich.
Zum Schluss berieten alle zusammen, welche Geschichte Alischa künftig erzählen sollte: Irrtümlich in ein falsches Flugzeug gebracht, zehn trotzdem nicht langweilige Tage woanders und jetzt doch bei der Reisegruppe. Fertig. Das sollte reichen.
Da die Zeit drängte, sollte Alischa noch am selben Tag von Nadira zum Flughafen gebracht werden und zu ihrer »echten« Reisegruppe stoßen, damit sie auch eine »echte« Reise mit »echten« Erlebnissen vorzuweisen hatte, die jeder Überprüfung standhielt und Nachfragen vermied.
Als Alischa das Hotel verließ, huschte plötzlich ein kleines buntgeschecktes Männlein mit Narrenkappe und Glöckchen dran an ihr vorbei.
Endlich! Sie trägt BH!, piepste das Männlein.
Ich stopfe dir den BH gleich in dein vorlautes Maul!, rief Alischa wütend und versuchte, das Männlein zu fassen.
Kreischend rannte das Männlein weg.
Hast du was gesagt?, fragte Nadira, die gerade abgelenkt gewesen war.
Nein, nichts sagte Alischa. Ich habe nur über den BH geflucht.
Tröste dich, sagte Nadira, ich muss hier auch die Brustquetsche tragen. Übrigens ... es kann passieren, dass du anfangs kleinere Halluzinationen hast. Hattest du eine?
Ja.
Das gibt sich wieder.
Am Flughafen machte sich Nadira sprichwörtlich aus dem Staub.
Alischas Reisegruppe aus dem Arbeiter- und Bauernstaat DDR war in seiner Quotenzusammensetzung wie erwartet recht durchschnittlich: Ein paar echte Arbeiter für die Statistik, ein paar Pseudoarbeiter wie Alischa (Bauarbeiter mit Abitur), ein paar Mitarbeiter (Bürotanten) und ein paar Parteiarbeiter, sprich Funktionäre, die sich die Reise über ihre guten Beziehungen erschlichen hatten. Aber sie verdarben nicht die Reise und so verlebte Alischa noch weitere vergnügliche und interessante zehn Tage in Algerien. Alle bedauerten gegenüber Alischa sehr ehrlich das »Versehen« des falschen Fluges, aber weit mehr war man interessiert, Alischa zu erzählen, was man inzwischen selbst erlebt hatte.
Am Ende der Reise gab es eine echte Überraschung für Alischa: Kein einziges Mitglied der Reisegruppe haute ab, sprich: blieb im Westen. Das hätte Alischa nicht gedacht. An der Zusammensetzung konnte es nicht liegen, es waren bis auf die paar Funktionäre eher normale junge Leute wie Alischa. Vielleicht reichte den meisten Leuten eine Winzigkeit Freiheit und eine Winzigkeit Sahne und Glitzer, um die Waage zugunsten der gewohnten Umgebung ausschlagen zu lassen. Normale Leute sind keine Revolutionäre, das wird oft vergessen.
Und dann machte es Bum!, als Alischa wieder zu Hause in Berlin war. Es machte nicht wirklich Bum! Aber das dröge Grau in Grau nahm Alischa mit einem Paukenschlag in Empfang, als sie mit der S-Bahn vom Flughafen im Süden Berlins nach Norden in den Prenzlauer Berg fuhr. Unter anderem durch den Stadtteil Schöneweide, den Alischas Vater immer Schweineöde genannt hatte.
Wieder zu Hause
Der Sommer war noch lange nicht vorbei und der Berliner Prenzlauer Berg glühte vor Hitze. Direkt unterm Dach bei guter Besonnung des großen Fensters merkte man das doppelt. Eigentlich müsste man zu irgendeinem Badesee fahren, aber das machte Alischa nur in der Woche. Jetzt war Wochenende - und da stapelten sich die Leute am See, was ganz und gar nicht Alischas Ding war. Alischa hatte sich ein leichtes Herren-Nachthemd übergeworfen, das sie ab und zu ein wenig mit Wasser besprenkelte. Solche alten Herren-Nachthemden waren ein kostbares Gut, weil man sie mit wenigen Nadelstichen, Textilfarbe und etwas Zierrat zu wirklich schicken Sommerkleidern umnähen konnte. Eine wahre Hatz nach solchen Herren-Nachthemden hatte stattgefunden und sicherlich gab es kein einziges mehr in irgendeinem heimatlichen Kleiderschrank, das seinem ursprünglichen Besitzer nicht entrissen, geklaut, abgeschwatzt oder sonstwie abgeknöpft und dann umgearbeitet wurde. Aber dieses Nachthemd war leider schon zu kaputt dafür, und so diente es Alischa als Hitzehemd. Alischa war in Algerien auf diese Idee gekommen. Dort hatten zahlreiche Männer ganz ähnliche Hemden getragen, und die hatten Ahnung von angemessener Kleidung bei großer Hitze. Dass eine Frau bei gleißendem Sommerschein in einen dicken schwarzen Umhang keine Motten kriegte, konnte nur daran liegen, dass Motten unter solchen Bedingungen starben. Das leichte, weite Hemd jedenfalls war großartig und Alischa trug darunter (sicher im Unterschied zu den algerischen Männern) gar nichts. In Algerien hatte sie ein Mann mal gefragt, warum sie sich als Frau denn so leicht bekleide, obwohl das doch unanständig sei und sie sich außerdem als Frau gefährde. Sie hatte geantwortet, weil die Nord-Leute sehr viel mehr als die Süd-Leute unter großer Hitze leiden. Das fand der Mann einsichtig. Er hatte wirklich gar nichts mehr einzuwenden gehabt. Was Alischa nicht gesagt hatte, dass sie lieber noch weniger als wenig getragen hätte. Gut, zugegeben, Kleidung schützte vor der direkten Sonnenstrahlung. Aber sonst hatte Bekleidung bei Affenhitze den einzigen Vorteil, dass man sie feucht machen konnte.
Jetzt saß Alischa an ihrem Schreibtisch am Fenster, stützte ihr Gesicht mit beiden Händen und schaute auf die sattgrüne Kastanie, deren Krone auf Fensterhöhe wie ein großer grüner Strauch wirkte. Peridëis wirkte nach wie ein intensiver Traum. Als Alischa das erste Mal wieder in ihrer eigenen Wohnung erwacht war, hatte sie tatsächlich gefürchtet, dass es doch nur ein Traum gewesen sein konnte. Das heißt ... nicht wirklich. Aber angenommen, jemand hätte ihr eine unbekannte starke Droge ins Essen gemischt, dann hätte so ein Traum vielleicht passieren können.
Aber da war der zentimetergroße hübsche Würfel aus Katzengold, der jetzt vor Alischa auf dem Tisch lag.
Und da war das wunderschöne Peridëis-Kleid, das gut sichtbar auf einem Bügel hing. Als Wandschmuck. Sie würde das Kleid genau so hängen lassen, damit jeder Besucher sah, dass das Kleid die Brüste freihielt. Haremskleid klang gut als Begründung und löste genau die Empfindung aus, die Alischa damit empfand.
Und da war der Reisepass, der ebenfalls vor ihr auf dem Schreibtisch lag. Die Stempel darin bewiesen eindeutig, dass sie in Algerien gewesen war.
Tim würde Alischa ganz sicher besuchen kommen. Alischa wusste es. Da gab es keinen Zweifel. Oder?
Sicherheitshalber hatte Alischa die Straße gemalt, die sie aus dem Keller heraus gesehen hatte. Mit großer Sorgfalt und allen Einzelheiten, die ihr dazu noch einfielen. Bäume, Fenster, Straßenlaternen, Autos, eine kaputte Haustür und solche Dinge. Das Bild hing jetzt an der Wand. Aber Alischa würde sich nicht auf den Weg machen, die Kneipe zu suchen. Nur wenn es sich ergab, hatte Alischa Straßen durchstreift, in denen sie noch nicht war. Dabei kann man ja auch die Augen offenhalten. Das war kein Suchen.
Und doch. War Tim eine Fata Morgana gewesen? Einen Mann wie den kriegte man doch nicht einfach serviert. Im Normalfall. Sie? Alischa? Ausgerechnet sie?
Da kam Alischa ein Gedanke. Sie zog das Herrennachthemd aus und betrachtete es. Was wäre, wenn Tim ausgerechnet jetzt käme? Und sie in so einem lumpigen Ding hier säße? Die Farbe konnte man so lassen. Weiß war gut. Eine Kordel an der Taille würde wenig Arbeit kosten und den Po und die Hüften gut betonen. Nein, keine Kordel. Nicht bei dieser Hitze. Aber oben über der Brust konnte man den Stoff ein wenig raffen - so würden die Brüste besser betont und voller wirken, ohne dem Kleid die Luftigkeit zu nehmen. Dazu ein wenig Spitze draufgenäht, die hatte sie massenweise im Nähkasten. Und wenn sie schon dabei war, könnte sie vielleicht die Brüste leichter zugänglich machen. Ganz bloßlegen wie bei den Peridëis-Kleidern, das ging nicht. Der einzige Sinn des Hitzekleids war ja das nicht zu umgehende Bedecken des Körpers.
Aber wie sollte man das machen mit den leicht zugänglichen Brüsten? Der Gedanke reizte Alischa, zumal sie ihren Milchfluss aufrechterhalten wollte, und zwar mit gutem Ergebnis. Es war auch schlicht lustvoll, den Brüsten Aufmerksamkeit zu geben. Hm. Ein einfacher waagerechter Schlitz in Brusthöhe wäre allzu auffällig. Aber eine größere Brustöffnung mit einer darüberliegenden Stofflage wie bei einem Rock würde gehen. Nach vorne blickdicht, nach unten frei zugänglich. Alischa zeichnete sich eine Skizze und machte sie sich anschließend mit Feuereifer an die Arbeit. Das war endlich eine lohnende Aufgabe.
Zwei oder drei Stunden später hatte sie ein Ergebnis, das sich sehen lassen konnte. Ups, da war noch ein Loch, das sie stopfen musste. Aber danach ... die Arbeit hatte sich gelohnt. Das war kein Nachthemd, das war ein Hauskleid. Sie streifte es sich über, betrachtete sich ausgiebig im Spiegel und war zufrieden.
Und jetzt?
Alischa saß wieder an ihrem Schreibtisch am Fenster, stützte ihr Gesicht mit beiden Händen und schaute auf die sattgrüne Kastanie, deren Krone auf Fensterhöhe wie ein großer grüner Strauch wirkte. Peridëis wirkte nach wie ein intensiver Traum.
Rrrrrring.
Die Türklingel erklang.
Alischas Herz schlug bis zum Hals. Sie raste zur Tür.
Tim stand strahlend vor der Tür. Alischa fing an zu weinen, warf sich ihm an den Hals und umklammerte ihn mit Armen und Beinen, damit er ja nicht wieder verschwand.
Lass mich leben, lachte Tim. Und ich habe Geschenke mitgebracht. Da Alischa nicht losließ, schnappte er sich mit Alischa am Leib seine Tasche, die auf dem Boden stand, ging in die Wohnung und drückte mit dem Fuß die Wohnungstür zu.
So standen sie beide schließlich in Alischas Wohnküche. Und Alischa presste sich noch immer an Tim. So fest sie konnte. Die Beine noch immer fest um ihn herumgeschlungen. Und Tim drückte sie.
Hast du Kaffee da?, fragte Tim schließlich.
Hab ich!, rief Alischa, löste sich und wirbelte zum Herd, um Wasser aufzusetzen.
Halt!, Geschenk Nummer Eins, sagte Tim. Mein offizieller geheimer Brötchengeber hat Läden mit gehobenem Angebot. Und dann kam ich über Milch auf Sahne und über Sahne auf Kaffeesahne und über Kaffeesahne auf die Idee, dass du vielleicht eine Kaffeemaschine gebrauchen könntest. Als kleiner Ausgleich für die vielen Liter Getränke, die von deiner in meine Richtung geflossen sind.
Tim kramte in seiner Tasche und packte vorsichtig einen Karton aus, der sich darin befunden hatte.
Die Maschine ist von mir persönlich geprüft, gründlich gesäubert und einsatzbereit gemacht worden, sagte er. Einen Vorrat Kaffeefilter habe ich auch mitgebracht.
Alischa freute sich: Ich wusste nicht einmal, dass es bei uns brauchbare Kaffeemaschinen gibt, sagte sie. Solche wie die hier kenne ich immer bloß von Leuten mit Westbeziehungen.
Tim half ihr, den Kaffee anzusetzen und stellte außerdem ein Päckchen Kaffee auf den Tisch, das er vorsichtshalber mitgebracht hatte. Aber der Kaffee konnte in die Reserve, denn Alischa hatte selbst welchen da.
Kuchen habe ich auch mit, sagte Tim.
Alischa kramte Teller und Besteck heraus.
Und ein Blümchen, sagte Tim.
Nun ... das Blümchen sah leider etwas traurig aus - wegen thermischer und mechanischer Überbeanspruchung und hydrologischer Unterversorgung, aber Alischa tröstete Tim: Ich werde das Blümchen eben pressen und hinter eine Glasscheibe tun.
Dann war der Kaffee fertig.
Milch? Halt! Hab ich selber!, sagte Alischa. Das war die Gelegenheit, Tim ihr Kleid vorzuführen. Sie zog ihre Brust heraus und fühlte sich damit endlich wieder in dem Zustand, wie sie in Peridëis gewesen war. Schnell überspielte sie die allzu offensichtliche Reizung Tims, indem sie sich eifrig über seine Tasse beugte und Milch aus ihren Brüsten in seine Tasse molk. Leider klappte es nur leidlich. Die Milchspritzer sahen hübsch aus, aber, ehrlich gesagt, weniger ergiebig, als sich Alischa das erhofft hatte.
Tim überspielte die Angespanntheit der Situation elegant: Du bist viel zu aufgeregt, als dass deine Milch jetzt gut fließen könnte. Dein Kleid ist übrigens eine wunderbare Idee und sieht toll aus. Aber lass mir deine süße Milch für nachher. Der Kaffee ist mit Kuhmilch gut genug, falls du welche da hast.
Alischa bekam einen glühenden Kopf, denn in der Bemerkung Tims steckte nicht nur ein Lob für das Kleid, sondern eine wichtige Botschaft: Es würde weitergehen, er gehörte ihr und nachher würde sie ihn körperlich haben dürfen. Nicht in ihrem Schoß, der gerade wieder die Macht über sie übernommen hatte, aber an ihrer Brust. Und das konnte so hinreißend intim sein, wie viele Leute vermutlich einen Fick nicht erlebten. Sie kriegte mehr, als manche Ehefrau von ihrem Ehemann...
Alischa hatte Kuhmilch da und goss sie Tim in den Kaffee. Wie gut, dass er ihr so hübsch aus der Patsche geholfen hatte.
Sie saßen sich gegenüber. Auf Stühlen über Eck am Schreibtisch, denn Sessel hatte Alischa keinen, und einen anderen Tisch auch nicht.
Schön, dich wiederzusehen, sagte Tim.
Schön, dich wiederzuhaben, sagte Alischa.
Du siehst gut aus, sagte Tim.
Danke, sagte Alischa. Trotz meiner Mädchenbrüste? Und der Narbe? Und der blöden Frisur? Und so weiter?
Holst du deine Brüste wieder raus, wie eben? Das sind keine Mädchenbrüste mehr, die sind fraulicher, da ist viel mehr fürs Auge, als bei jungfräulichen Brüsten.
Die hochgezogene Stofflage über Alischas Brüsten rutschte aber ständig wieder nach unten. Erst ein verknoteter Faden löste das Problem.
Alischa betrachtete Tim. Seine Klamotten und sein Haarschnitt sahen ehrlich gesagt gar nicht gut aus. Sie sagte es ihm.
Stasi-Null-Acht-Fünfzehn-Aussehen, antwortete Tim. Ich darf da nicht irgendwie ankommen, sonst gibt’s einen Anranzer. Kurzhaarschnitt und Spießerkleidung sind gefragt. Viele kommen sogar in solchen hässlichen Anzügen und Oberhemd mit Schlips. Was ich anhabe, ist hart an der Grenze.
Entschuldigung, sagte Alischa. Ich dachte ja nur ... weil du keine Uniform anhast. Und in deiner Freizeit? Vielleicht kann ich dich ja unter meine Fittiche nehmen, sagte Alischa. Ich kann nähen. Auch sofort. Willst du?
Aber hat man bei diesem Zeug überhaupt eine Chance?, zweifelte Tim.
Manchmal kann man mit ein klein wenig Umnähen viel erreichen, sagte Alischa. Gefällt dir mein Kleid wirklich?
Ja, sehr. Aber jetzt ... hätte ich dich ehrlich gesagt lieber ganz nackt.
Diese Bemerkung ging Alischa bis in die Zehenspitzen. Sie bekam mehr Mut, vor allem aber wieder eine Stimmung ähnlich der in Peridëis. Alischa stand auf, zog sich das Kleid über den Kopf und ließ es zu Boden fallen. Anschließend rückte sie ihren Stuhl so, dass sie Tim direkt gegenübersaß. So konnte sie ihre Beine angewinkelt auf die Oberschenkel Tims legen. Er gehörte ihr. Sie durfte das.
Sie aßen den mitgebrachten Kuchen, tranken den Kaffee und Tim schaute, ohne seinen Blick zu verstecken, auf Alischas Brüste und ihre offen präsentierte Vulva, die jetzt sehr (!) geschwollen war und sehr (!) nass. Und die sich leicht öffnete, so wie Alischa gerade dasaß. Da war nichts zu verheimlichen und Alischa wusste wohl, was sie Tim jetzt darbot. Es gibt verschiedene Grade von Erregung der Vulva. Dies war die höchste, wo das Loch ganz mit sehr reichlich bemessener Schlüpfrigkeit getränkt ist. Man bräuchte dafür schön klingendes Wort, dachte Alischa bei sich, für das, was nicht einfach wegfließen kann und ein wenig wie Marmelade oder wie Götterspeise ist. Warum gab es dafür kein gutes Wort??? So jedenfalls zeigte Alischa Tim ihre Vulva. Und er schaute nicht weg.
Du schaust gar nicht weg, sagte Alischa leise. Darfst du etwa...?
Nein, ich darf nicht, sagte Tim. Aber ich will wenigstens die Lust des Schauens haben. Ein anderer Büttel hat mir erzählt, dass es im Nachhinein nicht feststellbar ist, wenn ich ohne eigenes Zutun gekommen bin, weißt du? Und irgendwie hoffe ich ja darauf, dass mir das passiert. Ich habe das Gefühl ... na ja ... jedenfalls wäre ich erregt genug, dass es ... bei dir ... je nach dem ...
Ich helfe dir, unterbrach ihn Alischa flüsternd und erhob sich langsam. Ich will deine Hure sein, die dich heiß macht und verführt. Warte!
Nur eins noch, sagte Tim schnell, du bist im Moment hochfruchtbar. Falls es mir passiert ... drücke nicht deine Scheide über meinen Penis. Versprichst du mir das?
Ich verspreche es, sagte Alischa. Bleib einfach angezogen. Ich wasche gerne deinen Schlüpfer, falls ... es passiert. Alischa huschte zu ihrem Kassettenrecorder. Eine alte Kiste, die etwas leierte, aber das war jetzt egal. Sie wühlte in ihrer Kassettenkiste. Sie hatte eine Musik, die sich schön hochsteigerte, und wo der Rhythmus mit ein klein wenig Fantasie nach Sex klang. Alischa schob die Kassette in den Recorder und drückte auf den Startknopf. Jetzt begann es. Alischa hatte schon oft danach getanzt. Sie zog einen Seidenschal aus den Untiefen ihres Kleiderschranks. Der Rhythmus setzte ein. Alischa bewegte sich zum Takt der Musik, ihre Hüften schwingend und langsam kreisend vor- und rückwärts bewegend, ihre Schenkel streichelnd, ihre Haare vor- und zurückwerfend. Ihre Zunge glitt über ihre Lippen, ihr Blick wurde entrückt, lasziv, Lust fordernd. Sie tanzte Tim an, drehte sich, zeigte ihren Po, wiegte den Po, bückte sich tief, zog spielerisch ihre Scham auf, erhob sich wieder. Sie drehte sich im Tanz, präsentierte ihre Brüste, ließ sie zittern, spritze Tim eine Winzigkeit Milch ins Gesicht und ließ ihn wiederholt an ihren Achseln und ihrer Vulva riechen. Sie zog den Seidenschal unter ihre Brüste, bedeckte sich damit, wirbelte damit herum, legte ihn wie einen Schleier vors Gesicht. Sie spielte auf tausend Arten mit dem Seidenschal, drückte ihn in ihren Schoß, hielt ihn Tim vor die Nase. Dann drehte Alischa den Kassettenrecorder etwas leiser und begann, Tim beim langsamen Tanz Dinge zu sagen, die beim Sex geschahen. Und Dinge, die ihren Körper betrafen. Schmutzige Dinge. Geheime Dinge.
Tim saß starr auf seinem Stuhl und schaute Alischa an. Sein Atem kam stoßweise. Sein Blick ging wie ins Leere, und doch schaute er Alischa an. Alischas Körper.
Alischa sah, was der abwesende Blick Tims gerade an ihr erfasste und bot ihm diesen Teil ihres Körpers dar. Änderte sein Blick die Richtung, so bot ihm Alischa einen andren Teil ihres Körpers. Sie machte das unwillkürlich, sie saugte sich in ihn hinein, wollte Besitz von ihm nehmen, erfassen, was sein Wunsch war, ihm geben, was er gerade brauchte. Sie nahm wahr, welche ihrer Worte eine besondere Wirkung auf Tim hatten und sagte diese. Nochmals. Wieder. Es ging nicht um Logik. Es ging nicht um Vernunft. Es ging nicht um Sprache. Es ging um Wirkung. Nur um Wirkung. Deshalb waren es Halbsätze, herausgestoßene Wörter. Sie nannte Körperteile, nannte sie auf suggestive Weise, machte Halbsätze, die Einzelhandlungen beschrieben, wiederholte auch diese. Sie streifte mit ihren Brustwarzen sein Gesicht, sie ging ganz nahe an ihn heran und machte keuchend ruckartige Hüftbewegungen vor und zurück - und ersehnte nichts mehr, als dass Tim erlöst würde.
Tim rann Schweiß übers Gesicht, er atmete wie in Raserei.
...doch er kam nicht. Er schaffte es einfach nicht. Es ging nicht über die entscheidende Schwelle hinaus, über den magischen Bergsattel, ab dem man von alleine weitergetragen wird.
Alischa hielt es nicht mehr aus und warf sich, nackt wie sie war, Tim in die Arme. Macht nichts, flüsterte sie, macht nichts, macht nichts. Vielleicht braucht man Regelmäßigkeit, Wiederholung. Weißt du? Wenn du wieder darfst, wird das anders. Nimm es in deine Träume. Und wenn du von mir träumst, ergießt du dich, ja?
Alischa bedeckte den völlig erschöpften Tim mit Küssen. Dann riss sie sich hoch und sagte: Komm! Komm mit! Trink meine süße Milch zur Stärkung.
Alischa zog Tim zu ihrem Bett. Ein breites Ehebett, das unten aus geklauten hölzernen Bierkästen und oben einer großen Matratze gebaut war, dabei aber gut aussah und auf dem man bestens schlafen konnte. Alischa drückte Tim ins Bett hinunter und kletterte über sein Gesicht, wodurch Tim noch einmal einen schönen Blick in Alischas geschwollene nasse Vulva hatte.
Jetzt lag Alischa neben Tim auf dem Bett, den unten liegenden Arm weit überm Kopf, während sie mit dem freien Arm eine Brust in die Hand nahm und mit der Brustwarze seine Lippen kitzelte. Automatisch öffnete Tim seinen Mund und Alischa steckte ihm ihre Brust hinein. Tim begann zu trinken, langsam erfühlend, wo die Brust gerade gereizt werden wollte, um ihre Milch herzugeben. Es dauerte einen ganzen Moment, bis die Milchdrüsen in Alischas Brust verstanden und reagierten. Endlich wurde Alischas Brust weich. Tim, dessen Mundbewegungen suchend gewesen waren, erregend, aber nicht wirklich saugend, fand jetzt die richtige Stellung und begann regelmäßiger zu saugen. Da kam Alischa das bekannte Ziehen hinten in der Brust, das Drücken, und sie seufzte. Half mit der Hand nach, Tim die einschießende Milch in den Mund zu drücken. Und Tim ging zu langen tiefen Saugbewegungen über. Alischa spürte das ganz leise Strömen. Seufzend ließ sie ihre Körperspannung fahren und sank in die Matratze. Entspannung überkam sie. Eine Welle der Liebe zu Tim durchflutete sie. Ihre Lippen lagen auf seiner Stirn. Sie ließ das Saugen an ihrer Brust geschehen, sah noch seine Nase, die in ihrer Armbeuge ruhte, dachte noch, dass sie das Deo weglassen sollte, und gab sich endlich der Innigkeit des Stillens hin. Hm, Stillen? Passte das?, ging es ihr noch schwach durch den Kopf. Wie ein Baby fühlte sich das gerade nicht an. Noch nie. Ruhigstellen? Befriedigen? Man sagte ja auch »Hunger stillen« und »Bedürfnisse stillen«. Auweia. Das war Parteipolitik, jetzt bloß nicht an so etwas denken. Doch weil sich die Empfindungen an den Brüsten überstark aufdrängten, bekam die Politik keine Chance und verschwand wieder aus ihrem Kopf. Alischa reichte Tim mit der Hand ihre andere Brust, weil auch die ihr Recht forderte. Stillen ist doch nicht so schlecht, dachte Alischa. Bestechung... Berauschen... Ja, das fühlte sich gut an; sie gab ihm eine Droge, eine starke Droge... Diese starke Droge bekam er nur aus ihrem Körper. Dadurch brauchte er sie, konnte nicht mehr weg... War fest an sie gebunden... Sie hatte ihn angefixt... Und jetzt musste dieser begehrenswerte Mann bei ihr bleiben. Sie beschützen... Sie glücklich machen... Alischa geriet in eine Trance, die anhielt, bis Tim ihre Brüste ausgetrunken hatte.
Er setzte ab. Mach es dir!, forderte er sie leise auf.
Darf ich denn?, fragte Alischa unsicher. Sie wollte Tim nicht quälen.
Ja, sagte Tim. Ich finde es schön und schaue dir gerne dabei zu.
Alischa drehte sich auf den Rücken und ihre Hände wanderten zur Scham. Sie zog mit der Linken ihre Schamlippen auseinander und begann mit der Rechten, an ihrer Lustknospe zu vibrieren. Bisweilen nahm sie Spucke zur Hilfe, aber das war heute ganz unnötig. Sie musste sich eigentlich nur noch aus ihrem jetzigen Zustand zum Orgasmus erheben. Das war nicht viel. Die Erregungswelle hob sich langsam. Jetzt spürte Alischa beide Hände Tims auf ihren beiden Brüsten. Diese nahmen ihre beiden Brustwarzen, griffen dahinter in die Brüste hinein und begannen gekonnt, die beiden Brüste abwechselnd auszumelken. Links-Rechts-Links-Rechts, immer wieder. Die Hände griffen kräftig in die Brüste, das war nicht mehr zart zu nennen. Aber es war genau richtig. Die Milch spritzte in hohen Bögen in die Luft und fiel in einem feinen, leicht kühlen Regen wieder auf Alischa zurück. Recht angenehm bei dieser Hitze, aber Alischa musste sich erst daran gewöhnen. Einen Moment lang war Alischa abgelenkt. Aber die Melkbewegungen Tims waren fordernd und ohne Pause und ließen nicht zu, dass Alischa die Lust verlor. Drängend zogen sie das Zentrum der Lust langsam zu sich hin. Alischas Finger flirrte wieder schneller. Aber eigentlich assistierte Alischas Finger nur, das Hauptgefühl kam von den Brüsten, wo die Hände Tims ihr gewaltsames Werk taten. Alischa mäßigte zur Probe das Flirren, blieb aber in der Nähe ihrer Lustknospe. Ob es gehen würde? ... Es ging. Ihr Finger tippte nur noch ab und zu auf die kleine Knospe, das ganz große Gefühl aber kam nur noch von den Brüsten. Ob sie das schaffte? Ob das ging? Nur über die Brüste? Alischa nahm die Hand langsam, sehr langsam beiseite. Nur ja nichts ändern. Rechts-links-rechts-links. Tim zerrte an ihren Brustwarzen, wrang, melkte, griff hinein, meine Güte, dass da überhaupt noch Milch kam. Milch rann aus Alischas Bauchnabel seitlich an den Hüften hinunter. Jetzt kam die große Welle. Unaufhaltsam. Das hatte Alischa nicht mehr in der Hand. Es kam einfach auf sie zu. Sie war dem ausgeliefert. Ausgelöst nur durch die Brüste. Aber aus Alischas Schoß herkommend. Die Welle wogte langsam hoch, aber stetig, stieg zu einer gewaltigen Flut an, noch höher, noch höher, noch höher, ja, endlich:
Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa...
Alischa bäumte sich, ein gewaltiger Rausch durchdrang ihren gesamten Körper von den Haarspitzen bis in den entferntesten Zeh, Alischa brach vor Glück in Tränen aus - und dann fiel sie zusammen in eine tiefe Entspannung.
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Weit entfernt spürte sie das langsame Streicheln Tims. Weit entfernt hörte sie die Geräusche der Stadt. Weit entfernt hörte sie das Zwitschern der Vögel in der Kastanie. Sie war sie, ihr Körper war ihr Körper. Weit entfernt spürte sie, was ihr Körper spürte. Das war nicht sie. Sie war der Rausch. Die Wolke. Sie schwebte. Körperlos. Pure Lust. Tim saß halb ausgerichtet neben ihr und nutzte die Stimmung des Augenblicks wohl, um seine Hände tun zu lassen, was sie wollten. Im Moment wollten sie in Alischas Brust greifen. Seine Hände entlockten Alischas Brust mit einem geschickten Griff einen Spritzer Milch. Es geschah langsam. Inzwischen wieder weniger sexuell als angenehm. Ja, angenehm. Die Hand Tims fuhr langsam um ihre Brust herum und massierte diese. Ganz hinten unter den Achseln. Und ganz oben zur Schulter hin. Griff verhalten hinein. Schüttelte sie leicht. Alles sehr langsam. Jetzt entlockte er der Brust wieder einen Spritzer Milch, den er wie Creme auf der Haut verteilte.
Alles sehr angenehm.
Irgendwann tauchte Alischa aus ihrer Dämmerung wieder auf. Kaffee!, knurrte sie. Ich will jetzt unbedingt noch einen Kaffee. Machst du einen?
Nein.
Nanu? Warum?
Wenn du es machst, kann ich zuschauen, wie du dich bewegst.
Hast du noch nicht genug?, lächelte Alischa ihn an.
Leider nein. Und sowieso kann ich mich nicht an dir sattsehen.
Da musst du noch etwas warten.
Etwas Zeit verging.
Noch etwas Zeit verging
Jetzt mache ich Kaffee, sagte Alischa und sprang auf.
Eine Wohnküche hat auch Vorteile. Zum Beispiel, dass ein Mann einer nackten Frau vom Bett aus zuschauen kann, wie sie Kaffee zubereitet. Den Hintern, während sie steht, die wippenden Brüste, wenn sie sich zur Seite dreht, schaukelnde Brüste, wenn sie sich vorbeugt. Tim reizte es ungemein.
Irgendwann war der Kaffee aber fertig und Alischa kam mit zwei Tassen Kaffee zum großen Bett zurück. An die Wand lehnen konnte man sich nicht, denn dort stand ein großes Bücherregal. Genau gesagt geklaute hölzerne Bierkisten, die senkrecht als Bücherregal übereinandergestapelt waren. Aber man konnte sich seitlich anlehnen und sich dabei gegenüber sitzen, denn zur Wand hin war an das breite Bett ein Rahmen aus weiteren geklauten Bierkisten rangeschraubt oder -genagelt worden und an diesen lehnten Kissen. Das mag alles ungemütlich klingen, war es aber nicht, denn Alischa hatte zwar wenig Geld, aber viele Ideen und Geschmack. Und kein schlechtes Gewissen, denn die Bierkisten hatten zwei Jungs geklaut und hochgeschleppt, die dafür jetzt knallangesagte Hosen trugen, welche zuvor zweifelhaft geschnittene Osthosen aus dem Konsument-Warenhaus gewesen waren. So musste das sein: Arbeit, die einem keinen Spaß machte, im Tausch gegen Arbeit, die einem gefiel. Die Jungs hatten ziemlich begeistert an dem Bett rumgebaut, nachdem ihnen Alischa ihre Ideen erläutert hatte. Und geschworen, sich sowas auch selber zu bauen. Da mussten sie aber schnell machen, denn der volkseigene Getränkehandel ersetzte die Holzkisten nach und nach durch moderne Plastekisten.
Als sie ihren Kaffee halb ausgeschlürft hatten, fragte Alischa spitzbübisch: Du hat von Geschenken gesprochen, Plural?
Hab ich!, sagte Tim. Warte! - Er sprang auf, um seine Tasche zu holen.
Du?, fragte Alischa.
Ja?
Ziehst du dich jetzt doch aus?
Mehr als gerne. - Tim zog seine Sachen aus, die völlig am Körper klebten, so sehr schwitzte er.
Weißt du was, sagte Alischa, soll ich deine Klamotten kurz durchstuken? Bei der knalligen Sonne sind die doch im Nu wieder trocken. Oder musst du...?
Nein, sagte Tim. Ich kann bis abends hierbleiben.
Auch länger?
Leider nicht. Noch nicht. Das ist nicht meine Entscheidung. Im Moment darf noch nichts auf eine Verbindung zwischen uns hinweisen.
Alischa guckte etwas enttäuscht, riss sich aber zusammen. Her mit den Klamotten!, rief sie. Tim warf sie ihr zu. Einmal Seifenwasser im großen Zinktopf, einmal klares Wasser, den Schlüpfer am gründlichsten, wegen der Wichtigkeit, ausgewrungen und fertig. Ich gehe schnell die Wäsche aufhängen, rief Alischa über die Schulter und streifte sich, bereits im Flur, Latschen über die Füße. Mach dich doch inzwischen selber etwas frisch!, ergänzte sie.
Mach ich, antwortete Tim. Sag mal, willst du jetzt nackt aus der Wohnung raus?
Hier oben wohnt keiner außer mir, rief Alischa zurück, und ich habe oben auf dem Dach eine Wäscheleine zwischen den Antennen gespannt. Ein Flachdach, da haben wir sogar schon Feten gefeiert.
Du steigst nackt aufs Dach? Tim lachte. Ach, hast du’s gut.
Mit einem Sprung war Alischa weg und Tim wusch sich am Spülbecken.
Wenige Minuten später war Alischa zurück. Es ist so heiß da oben, dass deine Sachen im Nu trocken sein werden, sagte sie. Da sah sie, dass Tim ihren Lappen zum Waschen benutzt hatte. Er lag über den Rand des Spülbeckens gefaltet. Alischa nahm ihn in die Hand und atmete durch den Lappen einmal sehr tief ein, bevor sie ihn an den Haken zurückhängte, wo er normalerweise seinen Platz hatte. Schade, nur ihr eigenes Deo, aber ein klein wenig männlicher Duft drang durch.
Jetzt saßen sie wieder auf dem Bett, nun alle beide nackt, und er mit seiner Tasche. Etwas kalten Kaffee gabs noch, und Filterkaffee konnte man im Gegensatz zu aufgegossenem Kaffee auch komplett austrinken, ohne dann husten zu müssen.
Zuerst das kleinere, sagte Tim und gab Alischa mehrere Packungen Pille. Mit Grüßen von Nadira, der Ärztin, sagte er. Die sind aus dem Westen, also lass sie nicht unnötig draußen rumliegen, damit es keine dummen Fragen gibt. Wenn doch Fragen kommen, sag, du hast deine Pille in Algerien verloren gehabt und dort eben andere gekriegt.
So viele? Und warum konnte ich die nicht selber aus Algerien mitnehmen?
Frage Eins: Die waren eben nett. Großzügig. Oder so. Frage Zwei: Es war unnötig, den Zoll an der Grenze neugierig zu machen.
Das sah Alischa ein.
Von Nadira soll ich dich unbedingt daran erinnern, die Pille wirklich regelmäßig zu nehmen, weil Frauen nach einem längeren Peridëis-Aufenthalt aus unklaren Gründen erst einmal sehr fruchtbar sind. Bei Einnahmefehlern eine volle Woche lang nicht in die Nähe von Männern kommen.
Hm! Klar!, sagte Alischa. Gefahr von Windbestäubung.
Genau!, spielte Tim mit. Und keine Bienen zwischen die Beine lassen.
Alischa nahm die Pillenschachteln, stand auf und legte sie in die Schublade ihres Schreibtischs. Danach setzte sie sich wieder zu Tim aufs Sofa.
Das zweite Geschenk ist größer, sagte Tim.
Das dritte!
Ja, das dritte. Tim packte noch einen Karton aus. Alischa war neugierig und hatte überhaupt gar keine Idee, was das sein könnte.
Tim hob ein Gerät aus dem Karton. Eine elektrische Brustpumpe, sagte er. Ein Forschungsmodell, das eine sowjetische Professorin aufgrund eigener großer Kompetenzen hat bauen lassen.
Alischa lachte. Russen sind also auch in Peridëis?
Klar. Und diese Milchpumpe ist die beste, die zu kriegen ist. Aber die schaffen es nicht, das Ding in die Serienfertigung zu kriegen. Es gibt nur eine Kleinserie. Um dumme Fragen zu vermeiden, gilt folgende Geschichte: Du hast seit deiner Pubertät schon immer Milch in der Brust. Das ist plausibel, weil das gar nicht so selten ist. Man hat das abgeprüft, keine Gesundheitsgefahr für dich, aber weil das öfter mal drückt und weil austretende Milch unangenehm sein kann, blabla blabla, hat dir eine nette sowjetische Ärztin, die du zufällig irgendwo getroffen hast, blabla blabla, und der du das erzählt hast, blabla blabla, hat die dir jedenfalls diese Pumpe geschenkt, die bloß rumstand und Staub ansetzte. Wer die Ärztin war, weißt du nicht, woher die kam, weißt du nicht, wieso die in der DDR war, weißt du nicht, woher die Pumpe kommt, weißt du nicht.
Blabla blabla.
Genau, lachte Tim. Bastle nicht zu viel Geschichte, sonst verhedderst du dich. Merkt dir: Unbekannte sowjetische Ärztin schenkte mir Milchpumpe. Fertig. Alles Weitere beantwortest du mit...
Weiß ich nicht.
Genau. Und Milch hattest du schon immer und die Ärzte sagen, es ist nicht schädlich für dich. Was stört, pumpst du morgens und abends ab und zyklusabhängig manchmal mehr. Ist eben so bei dir, basta, und mehr...
Weiß ich nicht.
Genau. Tim lachte. Dann baute er Alischa die Pumpe zusammen und erklärte ihr die Funktion, wie man sie säuberte und so weiter. Alischa schaute neugierig zu.
Wie oft soll ich denn pumpen?, fragte sie.
Streiche das Wort soll, sagte Tim. Nadira sagte, das kann sich sehr angenehm anfühlen und aus der Perspektive sollst du das nehmen. Als würdest du dir eine Massage gönnen, eine angenehme Massage. Am Tag wenigstens zweimal wäre gut, je 10 bis 15 Minuten. Mehr als 30 Minuten bringt nicht mehr. Besser wäre öfter am Tag, aber nicht weniger und dafür länger, und natürlich ersetzt echtes Trinken das Pumpen. Ebenso auch das Ausmelken mit der Hand, wenn es ähnlich lange dauert und die Brust dabei halbwegs komplett entleert wird.
Und dadurch bleibt mir die Milch erhalten?
Genau. Nadira hat mir noch einen Zusatz-Tipp mitgegeben. Sobald du planst, nach Peridëis zu kommen, kannst du 3-5 Tage vorher eine zusätzliche Brustaktivierung durchziehen, wenn du willst und die Zeit dafür hast. Das machen wohl etliche Frauen. Ein bissel, als wenn man sich fürs Ausgehen schick macht. Tim zog einen Zettel aus dem Karton, eine Ormig-Kopie [67] lausiger Qualität, wie man sie in der DDR oft bekam. Auf dem Zettel stand:
BRUSTAKTIVIERUNG ================ Morgens: insg. 60 min. folg. Schema: 20 min. pumpen 10 min. Pause 10 min. pumpen 10 min. Pause 10 min. pumpen Danach: alle 3 h je 15 min. pumpen Nachts: wenn möglich 1x 15 min. pumpen Ergebnis: - Reaktion typ. erst nach 2-3 Tagen - Größte Steigerung bis 5. Tag - Weitere leichte Steigerung bis ca. 21. Tag
Das soll gut wirken, kommentierte Tim, viel Milch und anschwellende Brüste. Wenn sehr wenig Zeit bleibt oder die Brüste nur schlecht reagieren, gibt es hier noch einen Schalter.
Нормальный режим Автоматический ночной режим
Sowjetische Hochtechnologie, grinste Tim, vollmechanisch gelöst, aber der Fachmann reißt das Maul auf. Ich hab die Kiste mal aufgeschraubt, da ist eine Art Uhrwerk drin und eine Walze aus Porzellan mit Silberkontakten dran. Wahnsinn, sag ich dir, sauberste Handarbeit, jedes Kunstgewerbemuseum reißt sich da drum, das Ding muss in der Herstellung ein Heidengeld gekostet haben.
Alischa interessierte etwas anderes. Wie Tim hatte sie Russisch in der Schule gelernt und las: Нормальный режим – Normalnuj Regime, Aha, Normalbetrieb. Aber Автоматический ночной режим – Awtomatitscheskij notschnoij Regime, Automatischer Nachtbetrieb, was bedeutet das genau?
Du nimmst einen alten BH, legst ihn an und markierst die Stelle, wo die Brustwarzen sitzen. Dort schneidest du ein rundes Loch rein, gerade so groß, dass die Brusthauben der Milchpumpe knapp durchpassen. Der BH hält auf diese Weise die Brusthauben und du hast die Hände frei.
Zum Rummachen?, fragte Alischa schnippisch.
Warum nicht?, antwortete Tim. Oder um ein Buch zu lesen oder um einen Kaffee oder sonst was zu trinken oder um entspannt dabei Musik hören zu können. Tagsüber ist das bequem, nachts für die Automatik geht’s ohne BH natürlich gar nicht. Gedacht ist die Automatik so, dass du die Brustschilde mit BH an die Brust setzt, die Milchpumpe auf Automatik einschaltest und dich so schlafen legst. Mit angeschlossener Pumpe. Und dann pumpt das Ding alle 3 Stunden je 15 Minuten lang, während du schläfst. Als würde jemand nachts bei dir andocken und dich leersaugen. Und du sollst was drunterlegen, weil das schnell mal eine Sauerei gibt.
Aber macht das eine Frau? Kann man so überhaupt schlafen?
Jeder ist bestechlich, nur der Preis ist unterschiedlich, sagt der englische Geheimdienst. Ich würde sagen, wenn das Ergebnis lohnend ist, warum nicht? Aber du musst ja gar nicht.
Nein, wehrte Alischa rasch ab, ist schon in Ordnung. Ich hab mich eher laut selbst gefragt. Ich werde es zumindest probieren, vielleicht ist es ja sogar interessant. Wird so etwas in den Kliniken gemacht?
Das mit der Pumpe ist eine ziemlich tragische Geschichte, antwortete Tim; denk mal an Mütter, die ihr Baby nicht stillen können. Die Professorin, die das Ding mit entwickelt hat, hatte vor allem an Mütter von Frühgeborenen gedacht. Die saugen zu schwach und da reagiert die Brust nicht richtig. Die meisten Mütter, die diese Pumpe kriegten, haben wohl mit glühendem Eifer mitgemacht und es hat voll funktioniert. Aber die kriegen die Großproduktion nicht hin. Die Produktionskapazitäten fehlen wegen der Planwirtschaft, weil Funktionäre keine Lust auf Änderungen haben, weil Ersatzmilch sowieso schon da ist und so weiter. Aus Enthusiasmus haben die die Pumpe aber in kleinen Stückzahlen gebaut, bis ein blöder Parteifunktionär nur die Formalien gesehen und Produktion wie Verteilung gestoppt hat. Jetzt gibt es einen Lagerraum voll solcher Pumpen, die sich totstehen. So kann’s passieren. Also ... selbst wenn die Pumpe komisch aussieht und seltsam aufgebaut ist - im Osten wirst du nichts Besseres kriegen.
Alischa fragte zu vielen Kleinigkeiten nach. Sie wollte wirklich wissen, wie die Pumpe funktionierte. Alischa interessierte sich im Allgemeinen nicht für Technik, für diese Pumpe aber schon. Abgesehen von der lohnenden sinnlichen Seite war es für sie eine Statusfrage, dass sie Milch hatte. Irgendwie hob sie das von anderen Frauen ab, ohne dass es jemand ahnte. Und bessere Brüste zu haben ... manche Frauen würden töten dafür, hatten die Mädchen untereinander gelästert. Mit zotigen Extrakommentaren.
Alischa probierte die Pumpe aus. Au Backe, recht laut, das Ding, sagte sie. Wie gut, dass ich eine eigene Wohnung habe.
Tim stellte die Pumpe aufs Bett. Dort war sie deutlich leiser, als auf der leeren Bierkiste, wo sie zuvor gestanden hatte.
Alischa lehnte sich zurück und schloss probehalber auch mal die Augen. Das Pumpgefühl war nicht uninteressant. Es gab einen Drehregler, an dem die Saugstärke reguliert werden konnte. Alischa hatte noch viel Reserve nach oben, fand einen mittleren Sog aber interessanter.
Wegen der Stärke hat Nadira gesagt, nicht zwingen, sondern locken, kommentierte Tim, während die Pumpe schmatzend Alischas Brustwarzen einsog und wieder losließ, einsog und wieder losließ.
Es dauerte eine ganze Weile, bis Alischa sich an die Pumpe gewöhnt hatte und statt der ganzen Technik mehr an das Gefühl dachte, das die Pumpe erzeugte.
Hm, sagte sie. Also definitiv gut ist, dass ich mich einfach zurücklehnen kann. Aber diese Brusthauben festhalten zu müssen, das stört.
Hast du einen alten BH, auf den du verzichten kannst?
Alischa schickte Tim auf den Hängeboden im Flur. Dort lagen in einem Karton, wie es Alischa formulierte, »Geschenke mit Nachweispflicht«, zu denen auch BHs gehörten. Uiiii, da sind ja furchtbare Monster dabei, kommentierte Tim. Nach längerer Diskussion entschieden sie sich für einen BH ohne Plastik-Körbchen. Alischa legte den BH an, der ein klein wenig zu groß war (»wart’s nur ab, auch du wirst mit der Zeit zulegen«), aber brauchbar. Alischa sortierte eine Weile ihre Brüste, bis die Brustwarzen an der richtigen Stelle lagen. Tim malte auf jede BH-Schale einen Kreis, der etwas kleiner als der Hals einer Brusthaube der Pumpe war. Das Ausschneiden der Löcher übernahm Alischa, das Hineinstecken der Brusthauben wieder Tim und das Anlegen und Richten des BHs wieder Alischa.
Tim schaltete die Pumpe wieder ein und Alischa lehnte sich bequem zurück. Huch! Das funktioniert ja!, kommentierte Alischa und rekelte sich nach hinten. So, sagte sie, unterhalte mich.
Tim lachte.
Die Pumpe pumpte. Wup-Pause-Wup-Pause-Wup-Pause...
Themen gab es viele. Tim verriet eine Menge Staatsgeheimnisse, was seine Dienststelle anbelangte und den verratenen Übergang darin. Und natürlich auch, wo sich die seltsame Kneipe befand, was Alischa ganz aufregte. Das war mit Fahrrad erreichbar! Aber sie würden zusammen dort hingehen und Alischa sollte die Kneipe keinesfalls alleine aufsuchen. Vor allem aber noch etwas Zeit bis zum nächsten Besuch vergehen lassen, damit ihre Psyche hinterherkam.
Wup-Pause-Wup-Pause-Wup-Pause-Wup. Stille.
Nanu, was ist mit der Pumpe los?, fragte Alischa.
30 Minuten, sagte Tim. Automatische Abschaltung. Noch länger bringt nichts und leiert bloß deine Brust aus.
Schade, sagte Alischa. Fühlt sich gut an.
Guck mal auf die Flaschen.
Gar nicht sooooo übel, kommentierte Alischa. Willst du die Milch trinken?
Ich würde gerne mal einen Latte macchiato haben. Viel Milch und wenig, aber starken Kaffee. Weißt du noch – wie wir in Peridëis...
Wird serviert, rief Alischa, befreite sich von BH und Pumpe, nahm die gefüllten Milchflaschen ab und sprang zur Kaffeemaschine.
Hast du etwas dagegen, dass ich auch mal probiere?
Nein.
Alischa ging ans Werk, während Tim die Pumpe säuberte.
Alischa servierte. Zwei Tassen. Und was für welche! Es waren uralte winzige Mokkatassen, Sammeltassen sogar, die prachtvoll bemalt und mit viel Gold versehen waren. Endlich bekommen die Tassen einen Sinn, strahlte Alischa.
Tim kostete zuerst. Hmmmmmmm!, rief er, der reine Wahnsinn. Das ist viel besser, als einfach bloß mit Kaffee.
Alischa nippte vorsichtig. Sie kommentierte: Direkt aus der Brust habe ich irgendwie weniger Scheu als so. Seltsam. Ist doch von mir selbst. Sie nippte nochmals. Sie verweigerte aber, dass Tim ihren Anteil übernahm. Und als sie die Tasse ausgetrunken hatte, kommentierte sie: Ich weiß genau, was du meinst. Und mein Verstand, weiß, dass es gut schmeckt. Überraschend gut. Aber gewöhnen muss ich mich trotzdem daran. Es ist irgendwie seltsam. Trotzdem reizt es mich ... aber nur, wenn du zuschaust. Eine Freundin von mir lebt streng vegetarisch und predigt ständig gegen Milch. Was die wohl sagen würde, wenn ich das hier erzähle.
Interessante Frage, sagte Tim. Verträgt sie keine Milch oder macht sie es aus Tierschutzgründen?
Aus Tierschutzgründen. Sie sagt, es ist Ausbeutung.
Du würdest die in arge Gewissensprobleme bringen. Immerhin machst du es aus freien Stücken und hast auch noch Spaß daran. Da würde ich aber gerne wissen, was ihre Antwort ist.
Hm, wirklich schwierig, sagte Alischa. Da zieht ja nicht mal das Argument, dass es von einer anderen Art ist, immerhin ist Brustmilch speziell für den Menschen gedacht und darauf abgestimmt. Bliebe bloß das Baby-Argument.
Nicht bei der Ausrede, dass du sowieso Milch hast. Aber selbst, wenn du die Milchbildung aus Lustgründen aktivierst, fällt das Argument weg. Würde sie dich verpflichten wollen, die Milch im Krankenhaus abzuliefern, wäre das ja eine Ausbeutung deiner Person.
Ob ich? ... Reizen würde die Frage mich schon. Die ist ansonsten wirklich nett und irgendwann würde sie das mit meinen Milchbrüsten vielleicht sowieso mitkriegen. Die hat jetzt schon gefragt, ob es in Algerien solche, Zitat, riesigen Möpse zu kaufen gibt. Hast du eine andere Idee, was ich ihr sagen kann?
Tim grübelte. Vielleicht, dass du wegen der Sahara-Hitze ohne BH rumgelaufen bist, und dass das Gereibe deiner Brustwarzen am Kleid wohl dein sowieso schon vorhandenes »Milch-Problem« verstärkt hat. Dass es dir bisher peinlich war, darüber zu sprechen und du es aber nicht mehr verstecken willst. Dann musst du nicht so viel lügen. Und wenn du sagst, dass du das reizvoll findest, gibt’s vielleicht auch viel weniger Wind um die Sache, als wenn du das als Leiden hinstellst. Weißt doch – ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.
Wahrscheinlich..., grübelte Alischa. Und ich hätte jemanden, mit dem ich darüber reden könnte. Apropos!, setzte Alischa nach und sprang auf. Ich hab auch was für dich. Nichts Großes, aber vom Herzen. Von der Nähe des Herzens, lachte sie. Ich habe rumexperimentiert und war erfolgreich darin, aus meiner Milch Frauenbutter und Milchpulver für dich zu machen. Ich dachte, vielleicht freust du dich darüber. Es ist bloß leider nicht ganz so perfekt, wie die in Peridëis. Willst du?
Ja!, sagte Tim. Sehr sogar. Und ... eine Abnahmegarantie für weitere Lieferungen gebe ich gerne.
Üblicherweise ist das von den Männern zu bezahlen?, sagte Alischa und zog eine Augenbraue hoch.
Nicht vom eigenen Mann, sagte Tim finster. Wie praktisch, dass du nackt bist.
Tim schnappte die lachend aufkreischende Alischa, legte sie sich übers Knie - und schon hatte sie eine auf dem Hintern.
Alischa blieb liegen, wo sie war. Leise sagte sie: Ich habe nichts dagegen, wenn du das in Zukunft öfter machst. Auch hier im Diesseits. Hast du schon einmal eine Frau gefesselt?
Nein, noch nicht, sagte Tim. Aber ich würde es gerne mit dir machen.
Mich verfolgt diese Fantasie ständig, gab Alischa zu.
Habe ich die Erlaubnis, dich einfach zu nehmen - auch richtig ... zu überwältigen?
Hast du, sagte Alischa und schluckte. Du immer.
Aber lass uns das auf später verschieben, sagte Tim. Wir haben eine Aufgabe. Danach dürfen wir.
Danach dürfen wir, echote Alischa versonnen.
Der Auftrag
Bist du bereit?
Einige Zeit später...
Ich bin meine Regel los, sagte Alischa.
Wie?, fragte Tim verwirrt. Bist du schwanger? Aber das geht doch gar nicht. Oder hast du mit jemand ande...
Nein, unterbrach ihn Alischa. Gar nicht. Aber die Regel ist weg. Einfach so. Und keine Schwangerschaft weit und breit.
Meinst du, dass...
Ja. Die Ärztin Nadira hat mir erzählt, dass das passieren kann, wenn ich Glück habe. Erinnerst du dich an Clara in der deutschen Taverne?
Tim verdrehte die Augen und Alischa lachte.
Die hatte doch von dieser Glücksehe erzählt. Vor hundert Jahren. Da hatten die das Stillen des Ehemanns als Verhütungsmethode genommen. Und die Grundidee war, wenn man oft und regelmäßig genug stillt, dann geht die Regel weg und wenn die Regel weg ist, besteht Empfängnisschutz.
Aber das ist doch keine sichere Methode?
Nein. Erst mal muss jede Frau rauskriegen, ob sie darauf anspricht, und wenn ja, muss die Regelmäßigkeit da sein, sonst geht’s schief.
Und was nützt uns das?
Gar nichts. Ich habe ja nur gesagt, dass meine Regel weg ist. Und das ist der Grund.
...
Du musst mich loben!
Äh, ja. Klar. Warum?
Ach, Mensch! - Ich gebe mir hier Mühe, und der Kerl... Also gut: Bei mir funktioniert das. Und ich bin überhaupt nicht böse, dass ich die Regel los bin. Alleine das ist es wert. Keine Regelschmerzen, keine...
Ach soooo.
Nicht ach so. Wenn das so bleibt, also ohne Regel, bin ich ernsthaft gewillt, die Pille abzusetzen.
Aber es ist doch unsicher...
Es senkt immerhin die Empfängniswahrscheinlichkeit. Da ist die Abwägung der Vor- und Nachteile der Pille einfach eine andere. Guck mal, wenn wir dürfen ... kann man doch viel in Peridëis machen. Und zu Hause ... es gibt doch nicht nur das rein-raus-rauf-runter, wie du ganz genau weißt. Ist das nicht auch schön?
Äh. Ja.
Und passiert es trotzdem ... ich meine ... willst du gar keine Kinder?
Doch. Nur jetzt noch nicht.
Danke. - Alischa küsste Tim. - Übrigens soll das Ausbleiben der Regel für die Frau durchaus auch langfristige Vorteile haben, meinte Nadira.
Nanu, aber die Frau ist doch dafür gebaut?, wunderte sich Tim.
Ja schon. Aber Nadira meinte, früher waren die Frauen entweder schwanger oder haben gestillt oder beides. Jedenfalls hatten sie niemals so viele Zyklen wie heute. Insofern wäre der heutige Normalzustand unnatürlich und die Senkung der Zyklenanzahl wäre ein gesundheitlicher Vorteil.
Und es gäbe keine Schonzeit alle 28 Tage.
Und es gäbe keine Schonzeit, lachte Alischa. Warte ab, bis du älter bist, du wirst das mit der Schonzeit noch bereuen.
Ach was, dann leben wir in Peridëis. Aber du - denk daran, dass du die Pille im Moment noch nicht absetzen darfst.
Keine Angst, sagte Alischa. Jetzt werde ich die Pille noch nicht absetzen
Bist du bereit, fragte Tim?
Ich bin bereit, sagte Alischa.
Wirklich?
Ich brenne darauf.
Objekt P
Eines schönen Sonntagvormittags im Objekt P. Hauptmann Prillwitz hatte Wochenend-Dienst, niemand außer ihm war im Objekt, niemand war angekündigt und wie immer war nichts passiert. Hauptmann Prillwitz hatte gewissenhaft den Verschlusszustand und die Versiegelung aller Tore und Türen geprüft, das ins Dienstbuch eingetragen und machte jetzt einen Rundgang. Das machte er wie immer zu Fuß, wie jeder wusste, denn man wollte ja fit bleiben und so groß war das Objekt nun auch wieder nicht. Schließlich hatte er die Zone betreten ... streng genommen unerlaubt, selbstverständlich, aber wenn jemand fragen würde, dann, weil er etwas prüfen wollte. Nur ganz schnell. Aus missverstandenem Pflichtgefühl heraus. Natürlich. Das war eine brauchbare Ausrede.
Natürlich zog es Hauptmann Prillwitz woanders hin. Seine große Leidenschaft. Das Einzige, was ihn wirklich berührte... Hauptmann Prillwitz machte sich ernsthaft Sorgen, ob das noch lange so gehen würde, denn das Objekt sollte ein kleines Schwimmbad bekommen, das Becken vier mal vier Meter groß und zwei Meter tief. Wegen hervorragender Leistungen direkt vom Minister, auch als Ausgleich für besondere Schwierigkeiten und Gefahren der Arbeit. Das war ja nicht schlecht. Die Frage war nur, ob deshalb am Wochenende Leute überraschend ins Objekt kommen würden. In diesem Fall wäre es vorbei mit seinen heimlichen Zonengängen. Er musste sehen, ob sich das Schwimmbad irgendwie verhindern ließ.
Hauptmann Prillwitz schloss das Tor zur Zone auf
Er prüfte noch einmal, ob hinter ihm im Objekt alles in Ordnung war. War es. Nichts zu sehen, nichts zu hören. Alles ruhig. Wie immer.
Hauptmann Prillwitz drehte sich wieder um, spannte sich und ging vorwärts auf dem kleinen, fast unsichtbaren Pfad, der durch die Zone hin zur Kellerruine ging, wo der Übergang war. Vorfreude überkam ihn. Das war immer so, wenn er die Zone betrat. Ein großes Glücksgefühl, eine wirkliche Erfüllung. Hauptmann Prillwitz duckte sich und schob Zweige beiseite. Es kam eine kleine Lichtung, noch außerhalb der eigentlichen Zone, noch im sicheren Bereich.
Da stand eine nackte Frau.
Hauptmann Prillwitz blinzelte mit den Augen und bleib abrupt stehen.
Die Frau lächelte ihn an.
Hinter ihr lag eine Decke weit ausgebreitet im Gras. Nur Schuhe hatte die schöne Frau an. Nur Schuhe, sonst nichts. Leichte Schuhe.
Doch die nackte Frau mit leichten Schuhen war nicht irgendeine Frau. Es war diese wunderschöne Frau, die er in Peridëis gesehen hatte. Die, die er einmal besitzen durfte. Ein einziges Mal, aber immerhin.
Und dieses Urbild einer schönen Frau stand jetzt hier nackt vor ihm.
Reichte der Einfluss von Peridëis so weit? Bis hier hin?
Die schöne Frau winkte ihm lächelnd zu und sagte: Komm!
Mehr sagte sie nicht. Nur dieses lockende: Komm!
Bei Hauptmann Prillwitz versagte der Verstand. Klick, und er war weg. Er war völlig hilflos.
Da fragte er, ganz und gar idiotisch: Wie meinst du das?
Doch wieder sagte die wunderschöne Frau nur: Komm!
Und streckte ihm einladend beide Arme entgegen.
Wie schön sie war...
War das alles nur eine Fata Morgana?
Hauptmann Prillwitz machte einen unsicheren Schritt nach vorn.
Nochmals lockte die schöne Frau: Komm!
Jetzt ging Hauptmann Prillwitz unsicher auf sie zu.
Als er direkt vor der wunderschönen Frau stand, merkte er, dass sie echt war. Aus Fleisch und Blut. Er roch ihren betäubenden weiblichen Duft, er spürte ihre Haare.
...und er spürte ihre Hände, die ihm mit sanftem Berührungen den Felddienstanzug auszogen. Und sie bückte sich, um ihm die Hosen abzustreifen.
Die wunderschöne Frau legte sich rücklings auf die Decke, die hinter ihr auf dem Boden lag. Öffnete ihre Schenkel. Sehr weit. Hauptmann Prillwitz sah, wie ihre Vulva sichtbar wurde. Hauptmann Prillwitz hatte die Vision, dass der Vulva ein betäubender Duft entstieg, der ihn unfehlbar anlockte. Er sog so viel wie möglich dieses betörenden Dufts ein. Seine Beine liefen los. Von alleine. Auf die schöne Frau zu, die sich ihm so lecker und willig darbot. Hauptmann Prillwitz nestelte an seiner Kleidung, die so schrecklich störend an ihm hing. Er streifte Hosen und Unterhosen ab. Jetzt berührte er die schöne Frau. Nichts hielt ihn mehr. Er beugte sich über die traumhaft schöne Frau - und dann drang sein Penis in sie ein. Keuchend geriet Hauptmann Prillwitz in die ganz von alleine einsetzenden Lendenbewegungen, und nur ein einziger echter Gedanke existierte jenseits der Raserei: Ja nicht diese wunderschöne Frau verletzen, dieses Urbild aller Weiblichkeit ... nur besitzen musste er sie. Aber niemals verletzen. So stieß er Mal um Mal zu und die wunderschöne Frau lächelte ihn dabei an. Sie sagte nichts, sie tat nichts, sie lag einfach nur da, willig, und lächelte.
Und schließlich kam er. Hauptmann Prillwitz bäumte sich auf, erlebte einen bewusstseinsraubend starken Höhepunkt und ein Gefühl tiefster Befriedigung.
Als er wieder etwas bei sich war, erhob sich Hauptmann Prillwitz. Er schaute die wunderschöne Erscheinung unsicher an.
Diese erhob sich ebenfalls.
Jetzt habe ich deinen Samen, sagte sie. Dann warf sie sich die Decke über und verschwand zwischen den Sträuchern.
Hauptmann Prillwitz stand verblüfft da. Was bedeutete das?
In diesem Augenblick ertönte vorne die Hupe.
Was war da los? - Hauptmann Prillwitz wurde panisch. Was sollte er tun? Das war die Alarmhupe!
Was tun?! - Schnell zurück. Der Alarm war wichtiger und diese Frau gehörte zur Zone. Zu den rätselhaften Dingen der Zone. Alarm war wichtiger, nicht erwischt zu werden, war noch wichtiger, denn sonst war alles aus. Hauptmann Prillwitz zog sich an, so schnell er konnte und rannte zurück zum Eingangstor der Zone.
Vorne im Objekt war ... nichts. Gar nichts. Keiner da, kein Telefon hatte geklingelt, keine Spuren, nichts. Nur die Alarmanlage hatte angeschlagen und die Signallampe leuchtete. Vielleicht ein Fehlalarm. Das kam vor. Besonders bei Gewitter. Egal. Man hatte ihn jedenfalls nicht erwischt.
Doch was nun? Der Schreck saß Hauptmann Prillwitz tief im Nacken.
Eine Stunde saß er so da und starrte aus dem Fenster. Er schaltete die Alarmanlage fürs Eingangstor wieder ab und ging zurück in die Zone. Er musste wissen, was das mit dieser schönen Frau war. Hatte er nur geträumt? Eine Halluzination?
Hauptmann Prillwitz öffnete das Tor zur Zone. Keine Hupe ertönte. Kein Wunder, jetzt hatte er genau darauf geachtet, sie auszuschalten. Hauptmann Prillwitz ging wieder den kleinen Pfad entlang. Vor den Sträuchern zögerte er. Doch schließlich schob er die Zweige beiseite.
Nichts.
Wiese, Sträucher.
Ein paar Gräser sahen geknickt aus. Aber das konnte von ihm selbst stammen. Gab es weitere Spuren? Nein. Jedenfalls nicht sicher. Hier war der Boden halbwegs gut durchfeuchtet und niedergetretenes Gras würde sich schnell wieder aufrichten. Selbst an der Stelle, wo die Decke lag, falls sie dort gelegen hatte, selbst dort war sich Hauptmann Prillwitz nicht sicher, ob das Gras Spuren aufwies oder nicht.
Also ging Hauptmann Prillwitz ratlos zurück. Was hätte er machen sollen? Einen Gang nach Peridëis riskierte er nicht.
Hauptmann Prillwitz verschloss und versiegelte sorgfältig das Tor und machte Dienst nach Vorschrift.
Draußen
Alischa aber, denn es war Alischa gewesen und alles war tatsächlich geschehen, Alischa war so schnell wie möglich zu einer Zaunlücke gehuscht, ohne dabei zu rennen. Sie hielt eine Hand zwischen ihren Beinen. Unterwegs hatte sie die Alarmhupe gehört, wie es vereinbart gewesen war. Hauptmann Prillwitz war ihr wie erwartet nicht gefolgt. Alischa schlüpfte durch die Zaunlücke. Wenige Meter dahinter lag in einem Gebüsch versteckt eine Tasche. Darin waren zerrissene Anziehsachen mit Waldboden dieser Gegend daran und eine Art Spange. Diese Spange hatte Alischa selbst gefertigt und ausprobiert. Jetzt legte sich Alischa auf den Boden. Sie zog die seltsame Spange über ihre Schamlippen. Der Zweck war ganz einfach: Ihre Scheide war jetzt verschlossen und es konnte hoffentlich nichts herausfließen. Erst danach zog sich Alischa die zerrissenen Anziehsachen an, nahm aus einem Beutel etwas Waldboden und rieb sich diesen in die Haare, an die Arme und die Beine.
Jetzt kam Tim. Er trug normale Straßenkleidung, hatte aber Militärstiefel an. Alles in Ordnung?, fragte er leise.
Alles nach Plan!, antwortete Alischa.
Tim beseitigte Spuren auf dem Boden und verschloss mit einer Zange sorgsam die Lücke im Zaun. Auch draußen prüfte er, ob Spuren zurückgeblieben waren.
Dann gingen sie los. - Sie liefen aber nur ein paar hundert Meter, bis sie auf einen abgestellten Wartburg stießen, den Dienstwagen des Objekts, der von Rechts wegen eigentlich auf dem Bahnhofsparkplatz des nahen Städtchens hätte stehen müssen. Sie stiegen ein, Tim tauschte die Militärstiefel gegen gewöhnliche Straßenschuhe, und sie fuhren mit gedrosseltem Motor ab. Spuren dieses Wartburgs in dieser Gegend waren unverdächtig, genau deshalb war genau dieses Auto ideal gewesen.
Schon auf dem Betonplattenweg, der zum Objekt P führte, wurde Alischa wieder abgesetzt. Ein flüchtiger Kuss, ein flüchtiges Viel Glück, ein paar letzte Hinweise, und schon war Tim über verschlungene Wege weg und Alischa stand alleine auf dem Betonweg. Sie lief los, dem nächsten Ort entgegen und probierte, wie eine Schauspielerin Tränen fließen zu lassen. Zitrone hatte sie nicht nehmen wollen.
Von Ferne war das Tatü-Tata eines Polizeiautos zu hören. Alischa dachte gerade noch so daran, die Spange zu entfernen.
Vermasselnse das nicht
Hauptmann Prillwitz saß in Berlin bei der Abteilung Disziplinar. Ihm war übel vor Angst.
Was glaubense, warum wir Sie hierher gerufen haben?
Hauptmann Prillwitz tat ahnungslos.
Was habense an dem und dem Tag gemacht?
Hauptmann Prillwitz wusste ganz genau, welcher Tag das war. Aber wenn man ausgerechnet nach diesem Tag fragte, bestand eine Chance, dass nicht alles aufgeflogen war. Nicht, was er in Peridëis getan hatte. Doch was, wenn er nur strafversetzt wurde? Schon das war schlimm.
Hauptmann Prillwitz tat wieder ahnungslos. Ich glaube, ein Wochenenddienst, antwortete er.
So ging es eine Weile um den heißen Brei, doch schließlich wurde der Untersucher direkt: Sie haben unerlaubt ihr Dienstobjekt in Richtung des nächsten Dorfs verlassen und dort eine Frau vergewaltigt.
Richtung des nächsten Dorfs! - Hauptmann Prillwitz war geradezu erleichtert. Die Zone lag genau in der anderen Richtung, man wusste also gar nichts. Er jubilierte innerlich. Was war da schon dieser seltsame Vergewaltigungsvorwurf.
Ich habe niemanden vergewaltigt, antwortete er.
Der Untersucher griff zu einem drohenden Unterton und begann, wohlakzentuiert zu sprechen: Wir haben eine Anzeige der Kriminalpolizei, die über die Staatsanwaltschaft an das Untersuchungsorgan ging. Eine Frau wurde am Sonntag Vormittag vergewaltigt. Keine andere Person als Sie befand sich in der fraglichen Gegend. Die spontan abgegebene Personenbeschreibung passt bis ins kleinste Detail exakt auf Sie. Unter später vorgelegten Fotos wurde Ihr Bild ausgewählt. Das Sperma, das beim gynäkologischen Abstrich aus der Frau entnommen wurde, hat exakt Ihre Blutgruppe. Ich höre Ihre Antwort?
Hauptmann Prillwitz presste die Lippen zusammen. Eine Falle. Er hatte es sofort begriffen. Sein Gehirn arbeitete fieberhaft. Aber wenn es eine Falle war, dann steckte da dieser Leutnant mit drin. Was wollten die? Wenn er auspackte, steckten die genauso mit drin! Nein. Die wussten, dass er nicht auspacken konnte. Er seinerseits wäre damit nicht aus dem Schneider. Im Gegenteil. Und wenn er schwieg andererseits, hätte er schlimmstenfalls nach fünf Jahren Knast immerhin die reale Chance, wieder nach Peridëis zu gehen. Was aber war der Sinn dieser Aktion? Die Frau hatte sich ihm hingegeben. Das war ein hoher Einsatz.
Hauptmann Prillwitz schwieg.
Er schwieg auch in der Zelle. Er wartete. Da musste irgendetwas kommen. Reden grenzte die Möglichkeiten ein, Schweigen hielt alle Tore offen.
Er behielt recht. Drei Tage später führte ihn der Untersucher in den Besucherraum. Ihre Chance, hatte der gesagt, vermasselnse die nicht.
Im Besucherraum saß diese wunderschöne Frau. Züchtig gekleidet. Das war ungewohnt. Trotzdem setzte bei Hauptmann Prillwitz augenblicklich der Verstand aus.
Zu seiner großen Überraschung ließ ihn der Untersucher alleine mit der wunderschönen Frau.
Die wunderschöne Frau begann zu reden.
Gleichzeitig hielt sie ihm halb versteckt einen Zettel zum Lesen hin, der vorher zusammengerollt zwischen ihren Fingern gewesen war. Hauptmann Prillwitz las:
3 Jahre Dienst als Büttel in P.
Danach: Frei! Offiziell! Alle Rechte!
SCHWEIGEN!
Nicken, wenn Zustimmung.
Das Herz von Hauptmann Prillwitz machte fast einen Sprung. Das Blut stieg ihm in den Kopf. Er fühlte sich frei wie ein Vogel. Das, das sollte jetzt folgen. Meine Güte, das war keine Strafe, das war die Erlösung! Hauptmann Prillwitz riss sich zusammen, spannte sich, zeigte keine Regung. Doch er nickte sehr deutlich.
Den Blick wagte er nicht zu erheben.
Laut redete Alischa: Ihr Vorgesetzter hat mir gesagt, dass ihre zuständige Behörde das Passierte sehr bedauert und dass dies keinesfalls geduldet, sondern hart bestraft wird. Man hat mich um Schweigen über den Vorfall gebeten, weil sonst ... staatliche Belange von Bedeutung gefährdet würden. Man hat mich gefragt, ob ich zustimmen könnte, dass der Vorfall aus diesem Grund ohne Öffentlichkeit geklärt wird. Mir wurde eine Art Kompensation ... für diesen Fall zugesagt. Ich habe unter der Bedingung zugestimmt, dass ... dieser Fall vergessen wird. Völlig vergessen. Dass er nie geschehen ist. Damit ich nie wieder damit behelligt werde. Nie wieder, nirgendwo, von niemandem. Verstehen Sie, wenn ich die Chance zum Vergessen bekomme, dann will ich diese Chance aber auch haben und nicht immer wieder durch Behörden daran erinnert werden. Man sagte mir, dass auf ihre Bestrafung aber nicht verzichtet werden kann und ich habe als Kompromiss vorgeschlagen, Sie zu entlassen und es dabei aber bewenden zu lassen. Die Frage an Sie ist jetzt, ob Sie einverstanden sind, diesen Fall auf diese Weise ungeschehen zu machen.
Hauptmann Prillwitz nickte atemlos. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Niemand, niemand, der je im Ministerium für Staatssicherheit angefangen hatte, konnte dort ungeschoren einfach so kündigen. Das gab es nicht. Dieser Weg war nicht vorgesehen. Wenn man mit der Firma näher zu tun bekam, gab es im Grunde immer nur zwei Möglichkeiten: Einstellen oder einsperren. Freiwillig oder erzwungen, hauptamtlich oder inoffiziell. Das war etwas übertrieben, aber einen wahren Kern hatte der Spruch. Rauszukommen, hieß, endlich seine Ruhe zu haben. Keine Angst mehr, etwas falsch zu machen. Er war in der Firma genau der Hanswurst geblieben, der er draußen war. Das war keine Lösung gewesen. Aber Peridëis war eine Lösung. Es war die Lösung. Seinen rechten Arm hätte er gegeben dafür.
Alischa verließ grußlos das Besucherzimmer.
Einige Augenblicke später betrat der Untersucher den Raum: Da habense aber gewaltig Schwein gehabt! Er sprach wieder in einem geradezu flapsigen Ton.
Wusste ich’s doch, dachte Hauptmann Prillwitz, ihr Säcke habt mitgehört.
Er nickte nur.
Sie habens hoffentlich begriffen, sagte der Untersucher. Ohne das Mädel wärense jetzt eingefahren. Ist'n heißer Feger, zugegeben. Aber vergewaltigen ist nicht. Sowas geht gar nicht. Und das noch im Dienst, das ist das Hinterletzte. Also: Sie werden zum Soldaten degradiert, aus dem MfS entpflichtet und entlassen. So viel Strafe muss sein. Das war zu fett. Sie werden nachher abgeholt, kriegen einen Laufzettel und kümmern sich um die Formalitäten. Alle Geheimhaltungsverpflichtungen bleiben bestehen. Absolut! Zu Ihrer beruflichen Neuorientierung habense ein gesondertes Kadergespräch. So viel Schwein wie Sie muss man erst mal haben. Ach, noch was: Ihre Ehefrau hat die Scheidung eingereicht. Die weiß aber nichts von dieser Sache hier. Nur dass was war. Aber kein Detail. Also Klappe halten. Scheint, die hat bloß auf einen Grund gewartet. Wusstense, dass die fremdgegangen ist? Nein? Sehnse, wir wissen sowas. Taugt nicht, die Frau, seinse froh, dasse die so billig los sind. Wir werten das als abgehakten Extra-Strafpunkt. Behaltense uns nett in Erinnerung dafür. Und immer schön dran denken: Erst fragen, dann ficken, nicht umgekehrt. Und nich im Dienst. Und jetzt ab in die Zelle und nachher werdense abgeholt, damitse ihren Krempel erledigen können.
Frei! - Herr Prillwitz
Herr Prillwitz arbeitete als Kampfsport-Trainer bei einem Sportverein. Man hatte Achtung vor seinen Fähigkeiten, Feierabend war Feierabend, die Arbeit war leicht und angenehm, er war die Stasi los. Er war endlich frei davon. Von dieser Fehlentscheidung. Und da er frei bleiben wollte, mied er politische Gespräche, wie der Teufel das Weihwasser. Nicht dass er zum Gegner geworden war. Nein. Aber er wollte einfach nichts mehr davon wissen. Einfach seine Ruhe haben. Keine Politik, keine Befehle, keine Dienste, keine Einsätze.
Heute war Freitag und es war Feierabend. Ein Wochenende stand bevor, an dem er nichts zu tun hatte. Keine Verpflichtungen, keine Aufenthaltsbeschränkung, keine Bereitschaft. Nichts. Gar nichts.
Da klopfte es an seiner Bürotür.
Herein!, rief er.
Und da stand diese unglaubliche Schönheit im Türrahmen.
Herr Prillwitz wurde blass und sein Verstand setzte aus. Plötzlich setzte ein Redefluss ein, den er nicht unter Kontrolle hatte. Danke kam darin vor, dass er in ihrer Schuld stünde, kam darin vor, und danach rutschte ihm sein tiefstes Geheimnis heraus: Wie er als Kind als kleiner Dicker verprügelt worden wäre, wie er ein starker Mann werden wollte, um es allen zeigen zu können. Wie er sich eingeredet hätte, dass ihn alle nur deshalb nicht leiden könnten, weil er als Einziger die reine wahre Lehre vertreten hätte.
Alischa ließ ihn ausreden. Angewidert, aber nachdenklich. Als Herr Prillwitz fertig geredet hatte und ausgelaugt schwieg, sagte sie nur: Mach es diesmal einfach richtig. Mach diesen Job. Mach ihn, ohne es zu übertreiben und werde glücklich. Und jetzt komm. Ich bringe dich nach Peridëis.
Frei! - Tim
Was Herr Prillwitz nicht wusste, war, dass Alischa ihn als Ersatz für Tim zur Peri brachte. Dies war nämlich der Deal mit der Peri gewesen. Der Auftrag, den sie sowieso erledigen musste, war, sich mit Tim um den verratenen Übergang zu kümmern. Es gäbe neben den Spezialforschern vagabundierende Stasi-Offiziere, hatte die Peri gesagt. Der Zusatz-Deal war ein Ersatz für Tim und er würde frei sein. Kein Büttel mehr. Mit allen Rechten eines Besuchers.
ω ω ω
Alischa stand auf dem Marktplatz der Roten Rosenstadt vor Tim: Zieh doch mal deine Uniform aus!
Warum denn?
Machst du es einfach für mich?
Tim zog sich aus. Nun stand er ganz und gar nackt vor ihr.
Alischa sah ihn mit großem Genuss von oben bis unten an. Unten verharrte ihr Blick.
Tims Penis richtete sich unter ihrem Blick steil auf. Prachtvoll sah er aus. Unglaublich steif und kräftig.
Alischa riss ihren Blick von Tims Penis los und schaute wieder auf - ihm tief in die Augen: Die Peri meinte doch, wenn ich einen Ersatz für dich besorge, bist du frei. Sie hat ihren Ersatz eben von mir geliefert bekommen.
Dann lass uns keine Zeit verlieren.
Beide rannten los. Auf der Suche nach der erstbesten Stelle auf dem Marktplatz, die wenigstens so lange frei bleiben würde, bis Tim seinen Samen in Alischa vergossen hätte. Das war lange ersehnt, und es war jetzt auch wie eine Reinigung für Alischa. Sie rannten zur ersten öffentlichen Liege, die sich fand, und es fand sich eine gute Liege ganz in der Nähe. Alischa fetzte sich das Kleid vom Leib. Sie wollte ganz nackt sein, genau wie Tim es schon war. Sie wollte sich Tim ganz nackt hingeben. Alischa hatte den starken Drang, noch nackter zu sein, Tim ihre Erregung zu zeigen, ihr geschwollenes, pitschnasses, weit geöffnetes Geschlecht darzubieten. Alischa sank auf die Liege, legte sich zurück und spreizte ihre Beine, so weit es irgend ging. Weit geöffnet bot sie sich ihm dar. Komm endlich, flehte sie, komm, bitte komm. Tim nahte sich ihr, der winzige Augenblick, den er dafür benötigte, war schon fast zu lang, sie spürte seinen Körper über ihr, atmete seinen erregenden männlichen Duft. Fast hatte sie Angst, dass im letzten Augenblick irgend etwas zwischen sie kommen konnte; sie ergriff seinen steifen Penis mit ihrer Hand. Fest fühle er sich an. Sehr erregend. Sie striff die Vorhaut von Tims Penis ganz zurück, damit dieser wirklich ganz nackt für sie war und führte die Penisspitze an die Öffnung ihrer sehnsüchtig wartenden Scheide. Das wäre nicht nötig gewesen, da ihr ganzer Schoß derartig nass und schlüpfrig, dass Tims Penis wohl ohne jede Führung von alleine in sie geglitten wäre. Aber so war es schöner, und sie wollte Tims Penis auch mit der Hand fühlen, ihn mit eigener Hand in sich hineinführen.
Als sie Tims Penis an ihre Öffnung gesetzt hatte, ging ein animalischer Ruck durch Tim und er stieß seinen prallen Penis tief in sie. Alischas Lustschreie vermischten sich mit seinen, sie packte seinen Po und presste zu Tims rhythmischen Stößen voller Kraft mit, damt sein Penis so tief wie irgend möglich in sie dringen konnte.
Es dauerte nicht lange. Waren es wenige Sekunden? Die Erwartung war zu groß. Alischa spürte, wie sich alles in ihrem Inneren zusammenzog und ihre Scheide seinen Penis auf eine Weise eng zu umschmiegen begann, als wollte sie diesen auswringen. Für Tim brachte das die entscheidende Steigerung all seiner Lust - und so kam es, dass sich beide zur gleichen Zeit aufbäumten, er seinen Samen in zahlreichen Pulsen tief in sie spritzte, sie aber das Pulsen seines Samens tief in ihrem Schoß spürte und den innigen Wunsch hatte, mit ihren eigenen Orgasmuswellen seinem Penis auszuwringen, seinen warmen männnlichen Samen als ihr rechtmäßiges Eigentum zu behalten und diesen weit in ihren Leib hinein aufzusaugen.
Endlich.
Alischa hatte sich so sehr danach gesehnt.
Und der ersehnte Samen spült den unerwünschten Samen heraus, ging ihr durch den Kopf, als sie einigermaßen wieder zu sich kam. Obwohl das Quatsch war, denn Alischa hatte sich gleich nach der polizeiärztlichen Untersuchung sehr gründlich die Scheide ausgespült. Aber man kann nie wissen. Ab jetzt würde Tim regelmäßig ran müssen. Er hatte erhebliche Milchschulden abzuarbeiten. Und irgendwann würde Alischa Tim überreden, ihr draußen ein Kind einzupflanzen. Irgendwann.
Als Alischas Augen wieder klar wurden, bemerkte sie, dass ihnen zahlreiche Leute zugeschaut hatten, Männer wie Frauen. Ganz eindeutig hatten all die Leute sehr wohl erfasst, dass es kein alltägliches Glück war, was sie eben hatten miterleben dürfen. Und sie freuten sich mit.
Als sich Tim und Alischa endlich erhoben, blieben Alischas zerrissenes Kleid und Tims Uniform achtlos auf dem Marktplatz liegen. Hand in Hand spazierten sie nackt durch die Stadt. Irgendwo würden sie sich von Alischas kostbarer Milch die schönsten Sachen von Peridëis kaufen können.
Gedicht
Zettel, mit Reißzwecke an den Türrahmen von Alischas Küche gepinnt:
Der Apfelbaum
im Paradeis,
der war ganz anders
wie ich weiß.
Zwei Äpfel sah ich,
rund und fein,
und Eva sagte:
Beiß hinein!
Und ach, sie waren
süß und saftig,
Eva seufzt
auch hörbar kraftig.
Und sie flüstert:
Nimm Dir mehr,
denn dieser Baum
wird nimmer leer.
Wenn Adam will,
wird Adam satt,
von Früchten,
welche Eva hat.
————————
Die Moral ist,
(der Geschüchte eben)
der Moralist
muss ohne Früchte leben!
——————————— ENDE ———————————
Kleine Verlagswerbung
Im selben Verlag erschienen:
Etwa jeder vierte junge Vater hat mehrmals die Milch aus der Brust seiner Frau getrunken, ergab eine britische Untersuchung.
In diesem Buch geht es um mehr: Es geht um Paare, die das tägliche Stillen zum dauerhaften Teil der gemeinsamen Intimität gemacht haben, und zwar ganz ohne infantilen Hintergrund: Beide behalten ihre Rollen als erwachsene Partner.
Die Untersuchung des Autors überrascht mit dem Ergebnis, dass der Traum vom Stillen offenbar von außerordentlich vielen Erwachsenen geträumt wird. Auch die Kulturgeschichte bietet Überraschungen vom alten Ägypten über die Bibel zur Jungfrau Maria bis hin zur Geheimlehre der „Glücksehe" um 1904.
Und das Buch geht auch ganz praktischen Fragen nach: Wer weiß schon, dass jede Frau zu jeder Zeit auch ohne Geburt Milch bekommen kann und wie das genau geht.
Vom Heute bis ins Altertum und von der Biologie bis hin zur Theologie fand sich Erstaunliches, Unbekanntes und Vergessenes.
Bestellung direkt über
oder im normalen Buchhandel.
🕮 Wissenschaftlicher Anhang
(Bildanhang)
Im Zuge der Auflösung des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit sind, wie allgemein bekannt, viele Unterlagen verlorengegangen. Die folgenden Zeichnungen blieben erhalten, da sie ein ehemaliger Offizier des MfS offenbar für den Privatgebrauch entwendet hatte, statt sie zu vernichten. Dieser Offizier ist trotz aufwändiger Suche bisher leider unauffindbar geblieben, was für die Forschung um so bedauerlicher ist, weil dieser die einzige zugängliche Interpretationsquelle gebildet hätte, denn der geographische Ort des sogenannten Objekts P als auch sämtliche damaligen Mitarbeiter sind, nehmen sie mir die Formulierung nicht übel, förmlich vom Erdboden verschwunden.
Aus den genannten Gründen kann nur aus dem Gesamtkontext gemutmaßt werden, dass die nachfolgenden Zeichnungen von sogenannten Künstler-IMs nach ihrer Rückkehr aus Peridëis angefertigt worden waren, denn fotografische Aufnahmen waren aus den bekannten Gründen nicht möglich. Dafür sprechen auch Gerüchte, nach denen sich im sogenannten Objekt P ein oder mehrere Künstler-Ateliers mit ausnehmend guter Ausstattung befunden haben sollen.
Zur Interpretation der einzelnen Zeichnungen steht lediglich der angegebene kurze Bildkommentar zur Verfügung, weshalb bei der wissenschaftlich-historische Auswertung größte Zurückhaltung geboten ist. Und schließlich ist zu bedenken, dass zum einen die Bildsammlung in keinem Zusammenhang mit dem zusammenhängenden Text des bekannten Buchs Peridëis steht, man darüber hinaus aber noch nicht einmal mit Sicherheit davon ausgehen darf, dass die Bilder überhaupt eine zusammenhängende Sammlung darstellen. Auch die Reihenfolge der Bilder muss im Wesentlichen als willkürlich betrachtet werden. Allerdings kann man davon ausgehen, dass die Geschichte von Tim und Alischa zu den bekannten Legenden unter den Besuchern von Peridëis gehört, welche quasi ein Idealpaar beschreibt. Das bringt Unsicherheiten in der Interpretation, denn hier ist nicht von einem Einzelerzähler auszugehen, sondern von sich gegenseitig beeinflussenden Quellen und eventuell auch dem Zusammenfließen mehrerer ursprünglich eigenständiger Geschichten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass man im Ministerium für Staatssicherheit einem möglichen Verrat nachgehen wolle, ebenso ist es aber denkbar, dass man das Idealpaar Tim und Alischa für eins der komplizierten Phänomene von Peridëis hielt, denn wenn man eigene Mitarbeiter dort hinschickte, hatte man damit zu rechnen, dass deren Wissen und deren Persönlichkeit in die Gesamtwelt von Peridëis einfließen würde. Und nicht zuletzt muss an persönliche Motive der beteiligten Mitarbeiter ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit gedacht werden, denn es ist objektiv betrachtet recht auffällig, wie wenig Arbeitsergebnisse das sogenannt Objekt P letztlich vorweisen konnte. Es fragt sich durchaus, ob die Ausforschung von Peridëis bewusst hintertrieben wurde, denn das heimliche Betreten des Operationsgebiets P scheint unter den Mitarbeitern eher die Regel als die Ausnahme gewesen zu sein und diesbezügliche Kontrollen der Mitarbeiter fanden schlicht nicht statt - und das, obwohl das Betreten des Operationsgebiets P strikt verboten war und obwohl man davon ausging, dass dies die Mitarbeiter korrumpierte und genau deshalb besonders zu überwachende IMs zum Einsatz brachte. Das ist eins der ungeklärten Rätsel. Konsequenterweise muss man sich allerdings auch der Frage stellen, was beim Thema Peridëis kein Rätsel ist. Ein letztes Wort: Ich wage den Frevel, den sogenannten unsichtbaren Elefanten im Raum beim Namen zu nennen: Diese Mitarbeiter des MfS waren alle korrumpiert! - Ich sage nicht, dass ich diese Schlussfolgerung vertrete. Ich sage nur, dass die Frage im Raum steht.
Prof. Dr. ic. R.S., ordentl. Kand. d.P. in aet.
Alischas Übergang
Die verlassene Taverne
Auf dem azurblauen Pflasterweg
Die blauen Fische
Sunamitin
Der Kampf um Anka
Die grausame Herrin des Halbsatyrs voll Freude über dessen Fang
Tim und Alischa baden
Im Städtchen - Tim trinkt aus Alischas Brust
Die Große Peri auf ihrem Thron
Bezahlung fürs gekaufte Kleid
Das Milchbad der Kaiserin Livia
Abschlussszene
Milchmädchen
Leo Talberg: Das Milchmädchen. Öl auf Leinwand.
Nach der Zeichnung oben, nicht zeitgenössisch.
Fußnoten
1 siehe: Jean-Jacques Rousseau: Die Bekenntnisse. Ungekürzte deutsche Übersetzung von Ernst Hardt 1907, Erstes Buch, Seite 48.
2 Erstaunlich, dass ein geographischer Ort zu einer Zeitangabe werden kann. d.A.
3 von »schlucken«, Alkoholabhängiger
4 Interessanterweise hat die innere Uhr des Menschen eine Taktfrequenz von 25 Stunden und nicht 24, wie es naheliegen sollte.
5 Hier scheint ein Textfragment verlorengegangen zu sein.
6 Im Orient wird eine Fee auch heute noch »Peri« genannt.
7 In moderner Zeit hat man Versuche mit Kameras gemacht, welche in der Lage sind, die Pupillenbewegungen nachzuverfolgen. Es stellte sich heraus, dass Männer auch in normalen Alltagssituationen bei Frauen zunächst eher auf die Brüste schauen statt ins Gesicht. Das Gesicht folgt allerdings in der Rangfolge der Wichtigkeit unmittelbar nach den Brüsten. Frauen schauen nur wenig anders, aber immerhin etwas mehr aufs Gesicht. Siehe dazu auch Kapitel »Intershop«.
8 Von bestimmten Kulturen ist es bekannt, dass die Frauen bei der Anbetungshandlungen im Tempel die Brüste entblößten.
9 Das erinnert erstaunlich stark an die Vorstellungen im (chinesischen) Taoismus.
10 Allerdings hat man die geöffnete Vulva oft verschämt weggelassen, was natürlich die Aussage etwas verfälscht.
11 Die Kantate existiert. Es handelt sich um BWV 213 - »Herkules auf dem Scheidewege«. Bach hat diesen Text leicht verändert später ins Weihnachtsoratorium übernommen. Die Geschichte entstammt der griechischen Mythologie.
12 Freunde: Perteiinterne Umschreibung für (offizielle Stellen/Funktionäre der) Sowjetunion
13 Tscheka: Lenins Geheimdienst, das Vorbild des Ministeriums für Staatssicherheit. Später GPU, NKWD und KGB
14 Alischa erliegt hier allerdings einem Klischee: Berichte über europäische Frauen, die nach/in Arabien in Harems entführt wurden, stimmen nicht, waren früher aber ein bekanntes Thema in der erotischen Belletristik für Frauen. Am bekanntesten der Bestseller von 1919 (deutsch: 1927) »Der Scheich« von Edith Maude Hull.
15 Die Ärztin spielt hier darauf an, dass die ruhende Brust der Frau nur ein Täuschungsmanöver der Natur ist, das noch dazu entwicklungsgeschichtlich viel später als die Stillfähigkeit entstanden ist. Die Größe einer aktiven Brust wird durch das Drüsengewebe bestimmt, während die ruhende Brust aus Fettgewebe besteht und eine reine Signalwirkung hat. So eine vorgetäuschte Fähigkeit der Milchgabe gibt es nur beim Menschen, aber bei keiner Tierart.
16 1599 - 1658, Lordprotektor während der kurzen republikanischen Periode von England
17 Im chinesischen Taoismus ist diese Technik aber trotzdem bekannt. Dort gibt es alchimistische Lehren, die genau das beschreiben, sowohl das Zurückhalten des Spermas, als auch das Aufnehmen weiblicher Energie u.a. aus der weiblichen Brust.
18 Nebenbei: Eine deutsche Ethnologin erzählte, wie sie von jungen Massai-Frauen in Tansania/Afrika dafür ausgelacht wurde, dass sie als Frau keine Milch in den Brüsten hatte. »Normal« kommt eben von »Norm«, kommt von »Mehrheit«.
19 Die sog. »ruhende mamma«, die ruhende Brust, d.h. eine Brust nur aus Fettgewebe, die keine Milch gibt, existiert bei keinem anderen Säugetier außer dem Menschen. Sie ist entwicklungsgeschichtlich als reines Lockmittel entstanden und enthält fast keine Milchdrüsen.
20 Bekannte Touristen-Attraktion in Ost-Berlin vor 1989: Die Ehrenwache Unter den Linden. Dort standen immer zwei Soldaten mit einem Gewehr in der Hand reglos in Habachtstellung.
21 In China wurde übrigens bis in die 1940er Jahre hinein Frauenmilch für erwachsene Männer auf den Märkten verkauft, insb. zu Heil- und Stärkungszwecken. Ein Becher voll Brustmilch, zur Kontrolle frisch vor dem Käufer ausgemolken, konnte etwa so viel wie den Tagesverdienst eines ungelernten Arbeiters (z.B. Lastenträgers) bringen. Andere Milch wurde in China normalerweise gar nicht gehandelt. Manche Familien lebten ausschließlich von diesem Milchverkauf, bis dies von Mao Mao Tsê-tung verboten wurde, weil er darin ein besonders sichtbares Zeichen von Armut sah.
22 Anm. Bonobos regulieren ihre sozialen Beziehungen über Sexualität, allerdings beträgt die durchschnittliche Kopulationsdauer bei ihnen im Schnitt nur 13 Sekunden
23 »Freunde«: Übliche Bezeichnung innerhalb der Stasi für sowjetische Stellen
24 MfS: Ministerium für Staatssicherheit, innerhalb des MfS wurde das Wort »Stasi« als Schimpfwort angesehen und normalerweise nicht verwendet. Nur die einfachen Wachsoldaten verwendeten es mit hämischem Unterton.
25 Nebenbei: Die letzte Kaiserin von China und hohe Würdenträger tranken regelmäßig Frauenmilch zu ihrer Gesundheit und in der Hoffnung auf ein langes Leben. Für diesen Zweck wurden kaiserlicher Ammen gehalten, die in einem eigenen »Milchpalast« wohnten.
26 Das stimmt.
27 In Peridëis wird keine Milch von Tieren gewonnen. Angeblich soll daher die Idee der Veganer kommen, dass der Mensch keine Tiermilch braucht. Belegt ist das allerdings nicht.
28 OdH: Offizier des Hauses. Diensthabender einer Dienststelle.
29 MA: Mitarbeiter
30 Sprelacart: im Westen Resopal genannt, ein robuster Kunstharz-Schichtstoff.
31 VS: Verschlusssachen. Dienstinterna mussten in speziell registrierten geheimzuhaltenden Arbeitsbüchern gemacht werden.
32 Stimmt aber. Nach einer Erhebung unter knapp 1400 Männern mögen 20% Hängebrüste eher weniger, 20% antworteten neutral und 60% bezeichneten sie als erotisch bis hocherotisch.
33 Nebenbei: Das ist mit speziellen Kameras bestätigt worden. Selbst bei einem durchschnittlichen Dekolletté schauen Männer fast immer zuerst auf die Brüste und erst danach ins Gesicht, aber auch Frauen beachten die Brüste anderer Frauen extrem stark.
34 Dem Autor sind die nachfolgenden Sätze wirklich nicht bekannt.
35 Die Ausführungen sind nicht ganz falsch. Alchimistische Lehren des Taoismus kennen solche Theorien.
36 Vulva, Plural: lat. vulvae, dt. die Vulven
37 Die chinesische Kaiserin Cichi (Cixi, 1835-1908) hat übrigens schwarzen Tee mit Frauenmilch bevorzugt. Sie unterhielt einen eigenen Ammenpalast, um stets genug Frauenmilch für sich und hohe Hofbeamte zur Verfügung zu haben.
38 Ich erwähne das so genau, weil die Bedeutung der einzelnen Handlungen im Dunklen liegen, zum anderen auch, weil solche Pillen in ganz ähnlicher Form seltsamerweise im Diesseits aufgetaucht sind.
39 Nebenbei: Dass die Brüste und insbesondere die Brustwarzen erogene Zonen sind, ist ebenfalls Motivation und Belohnung. Reine Agitation würde die wenigsten Mütter zum Stillen bringen und Tiere ohne Verstand lassen sich auch gar nicht agitieren. Also wird ein anderes System benötigt, dass die Mutter belohnt. Die Nutzung dieser Zonen durch Männer bzw. für die Beziehung kam entwicklungsgeschichtlich erst später.
40 Das ist tatsächlich so. Auch Frauen in sehr armen Ländern haben genug und gute Milch (Ausnahme: extrem einseitige vegane Ernährung). Aber bei Gefahr fürs eigene Leben, z.B. extremer Hunger oder traumatische Erlebnisse, bleibt die Milch aus Selbstschutz weg.
41 Livia: 58 v.Chr.-29 n.Chr, Frau von Kaiser Augustus. Siehe Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Stichwort »Milchbad«.
42 Siehe Britisches Museum, Papyrus Harris 500, Erste Liedersammlung, erstes Lied.
43 Ashera ist im Alten Testament die Ehefrau Jahwes
44 Anka spielt auf einen Koran-Kommentar des schâfiitischen Islam-Rechtsgelehrten Ibn Kathar (um 1300) zur Koransure 56,35-37 an, wonach den Paradies-Jungfrauen die Jungfernschaft jedesmal erneuert wird. Anhänger dieses Rechtsgelehrten leben u.a. in Unterägypten.
45 Das wird tatsächlich berichtet, siehe z.B. Youssef el-Masry: Die Tragödie der Frau im arabischen Orient. München 1963, S. 43, ist aber darüber hinaus auch bei Querschnittslähmungen gut bekannt
46 Eine Anspielung auf den ehem. Staatschef der DDR Walter Ulbricht. Es war tatsächlich so.
47 Vgl.: Saturnalien in Rom ab 45 v. Chr. zwischen dem 17. und 23. Dezember. Gefeiert wurde Gott Saturn als Herrscher des urzeitlichen goldenen Zeitalters.
48 Konspiration: In der Sprache der Geheiomdienste sind das verdeckte gehemdienstliche Aktivitäten. Dekonspiration ist demnach die Offenbarung/Enttarnung solcher Aktivitäten.
49 Gaunerzinken: Geheime Zeichen, die Landstreicher als Hinweise für andere Landstreicher zum Beispiel an Hauswänden hinterlassen.
50 Korrekt. Der Fachbegriff ist »Steatopygie«
51 Willi Sitte. Staatlich geförderter Künstler in der DDR.
52 VEB: Volkseigener Betrieb, die gewöhnliche Betriebsform in der DDR. Es gab aber auch PGH – Produktionsgenossenschaften des Handwerks, kleine Privatbetriebe u.a.m.
53 Eine hauptamtliche FDJ-Funktionärin in DDR-Schulen
54 Intershops waren staatliche Läden in der DDR, in denen man begehrte Westwaren kaufen konnte, die aber mit Devisen (»Westgeld«) zu bezahlen waren, an das man als DDR-Bürger aber theoretisch gar nicht herankam.
55 Exquisit-Läden boten in der DDR hochwertige Kleidung zu Wucherpreisen an, aber immerhin ohne Westgeld.
56 ZPKK: Zentrale Parteikontrollkommission. Tim hatte mit seiner Vermutung also Recht gehabt.
57 Sunamitin: Name nach der biblischen Gestalt Abischag von Sunem, aber in vielen nichtbiblischen Kulturen belegt. Nach altem Glauben eine Frau, die allein durch ihre Nähe einem Mann Gesundheit oder ein langes Leben bringen soll. Dies soll je nach Tradition durch ihren Odor geschehen oder zum Beispiel auch ihre Milch. In Peridëis ist natürlich die Milch gemeint.
58 Westberliner konnten Ostberlin bis zum Fall der Mauer halbwegs unbürokratisch mit einem Tagesvisum besuchen, das aber nur bis 24 Uhr des laufenden Tages galt.
59 RGW: Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, ein sozialistisches Gegenstück zur westlichen Europäischen Gemeinschaft. Das Wort »Soßenverbundleitung« spielt auf sozialistische Großprojekte mit Erdöl und Erdgas an.
60 Kolporteur: Hausierender Buchhändler. Oft wurden Fortsetzungsromane als preiswerte Einzelhefte kolportiert, aber auch Neuigkeiten und Erbauungsschriften für Seele (offen) oder Leib (heimlich).
61 Der Leser wird um Verständnis gebeten, dass die Anschrift nicht genannt werden kann.
62 Kneiper: In Berlin der Wirt einer Kneipe - einer Gaststätte, die eher Bier als Speisen anbietet.
63 Welche? Bekannt ist das nur von Aborigines in Nordaustralien, von Papua und einigen südamerikanischen Indianerstämmen.
64 Arabisch: halal=erlaubt, haram=verboten
65 Vielleicht meint er diesen Bericht hier: Gustave Flaubert: Aus Ägypten und Jerusalem. (etwa 1850) »[Ägypten] Auf dem Lande zum Beispiel nehmen sie [die Frauen], wenn sie einen kommen sehen, ihr Gewand, führen es vors Gesicht, und um dieses zu verhüllen, entblößen sie, was man den Busen zu nennen pflegt, nämlich die Partie zwischen Kinn und Nabel. Ach, ich habe hier Brüste gesehen! Brüste habe ich gesehen! Brüste!«
66 siehe Jakob Eduard Polak: Persien, Band 1 (1865)
67 Ormig - Hektografie auf Basis von Papiermatritzen, speziellem Blaupapier und Alkohol.